Pianistin Ragna Schirmer

Das Repertoire der ECHO-Klassik-Preisträgerin ist äußerst umfassend und reicht von Bachs Goldberg-Variationen bis zur Musik der Gegenwart. Für uns beantwortete sie uns einige Fragen zu ihrem eigenen Künstlerleben und zur Nachwuchsarbeit.
Wann wussten Sie, dass Sie das Zeug zu einer
Solistin haben?

RS Als ich dreizehn war gewann ich vier Wettbewerbe, davon zwei auf internationaler Ebene. In dieser Zeit reifte der Wunsch, Solistin zu werden, und die Bestätigung durch Fachjurys bekräftigte diesen.
Wenn man wie Sie zum Kreis der viel beschäftigten Musiker gehört, was braucht man besonders, um beständig gute, nein hervorragende Leistungen zu erbringen?
RG Musiker brauchen vor allem die Leidenschaft, für ihren Beruf lichterloh zu brennen. Es gehört viel Arbeit dazu, am Instrument, aber auch organisatorisch, viele Reisen. Man muss Kritik ebenso verkraften wie den Rausch des Rampenlichtes.Eine starke Psyche ist da absolut vonnöten.
Wie wichtig ist Ausstrahlung, Charisma?
RG Wenn man glücklich ist mit der Musik, überträgt sich das. Auf der Bühne kann man nicht lügen. Das Publikum sieht, hört, spürt, ob jemand es ernst meint oder nicht. Das ist die eigentliche Ausstrahlung.
Sie unterrichten auch den Nachwuchs. Was ist Ihnen als Lehrerin wichtig, worauf achten Sie beim Unterrichten ganz besonders?
RS Ich möchte gern den Schülern vermittlen, dass es ein Glück ist zu musizieren. Dass zum Glück aber auch Einsatz, Disziplin und Engagement gehören. Gerade bei Kindern ist es oft schön zu beobachten, wieviel Eifer sich entwickelt, wenn sie begreifen, wie man effektiv übt und zu gut klingenden Ergebnissen kommt.

Ragna-Schirmer, Foto: Robert Daemmig

Spüren Sie bei einem Schüler beim ersten Vorspiel, ob und wie viel Potential er/sie hat?
RS Meist ja … Aber gerade die Arbeit am Lampenfieber kann nochmal viel verändern. Es gibt durchaus Talente, die unter ihrem Niveau spielen, wenn sie zu aufgeregt sind.
Jeder Künstler ist einzigartig in seiner Bühnenpräsenz. Wenn Sie ein Kritiker wären, wie würden Sie sich und ihr Spiel beschreiben?
RS Ich bin ziemlich detailversessen und kann mich stundenlang mit einer Phrase beschäftigen. Deshalb hat mich eine Freundin mal als „Königin der Nuance“ bezeichnet. Auf diese Beschreibung bin ich sehr stolz.
Der Klassik-Markt hat sich in den letzten 10 Jahren stark verändert und setzt wie viele Branchen, verstärkt auf die Optik, auf das Visuelle. Wie gehen Sie mit Ihrer Medienpräsenz um?
RS Unsere ganze Gesellschaft, nicht nur der Musikmarkt, zielt mehr und mehr auf Jugendlichkeit, es muss immer alles sensationell und superlativ sein. Dass gerade die erfahrenen, älteren Menschen so viel zu erzählen haben, das wird verdrängt. Mir fehlt die Kultur der „Altersweisheit“, wie sie früher gepflegt wurde. In der Musik spiegelt sich das darin, dass „Stars“ immer jünger werden, aber auch immer schneller wieder vom Markt verschwinden. Man hat keine Zeit, zu wachsen und zu reifen. Schade …
Welche Werke haben für Sie persönlich eine ganz besondere Bedeutung?
RS Immer die, mit denen ich mich beschäftige. Und immer die Goldberg-Variationen!
Wie entspannen Sie, was machen Sie, wenn Sie nicht Klavierspielen?
RS Ich spiele leidenschaftlich gerne Skat mit meinen Freunden. Ansonsten lebe ich, esse, trinke, genieße …
Danke für das Gespräch!


Ragna Schirmer – zweifache Bach- und Echo-Preisträgerin – spielt Brahms Rhapsodie g-Moll op.79.

Mehr über die Künstlerin:
www.ragnaschirmer.de


1972 geboren in Hildesheim, studierte Ragna Schirmer ab 1991 bei Karl-Heinz Kämmerling an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Ab 1993 setzte sie ihr Studium in Paris bei Bernard Ringeissen fort. 1995 schloss sie das Studium mit dem Diplom (mit Bestnote) ab, 1999 beendete sie ihre Solistenausbildung mit dem Konzertexamen. Seit 2001 ist Ragna Schirmer Professorin für Klavier an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim. Ragna Schirmer war Stipendiatin des Deutschen Musikrats und der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Sie gewann als bisher einziger Pianist zweimal den Bachpreis beim Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb in Leipzig (1992 und 1998). Als erste CD veröffentlichte sie 2000 eine Aufnahme der Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach. Diese wie auch weitere CDs wurde in Fachzeitschriften ausgezeichnet. Mehrfach gewann sie den ECHO-Klassik.

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