Susanne Kühn

Sie gehört zu den gefragtesten Künstlerinnen ihrer Generation. Susanne Kühn studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Nach einem längeren Aufenthalt in New York lebt und arbeitet sie heute in Freiburg. In zahlreichen internationalen Ausstellungen wurden ihre Werke bereits gezeigt und hängen in bedeutenden Museen und privaten Sammlungen.

Kühns naturalistisch-realistischer Malstil kombiniert Landschaften, historische Zitate mit Motiven aus der bunten Welt des Comic, benutzt Stilmittel des japanischen Holzschnitt und der Amerikanischen Popart und setzt diese in expressiven Bildergemälden neu zusammen. Ihre künstlichen Bildräume entführen den Betrachter in ein Spiel voller prächtiger Farben, Formen und Geschichten mit viel Raum für eigene Assoziationen und Interpretationen.

Garden Eden, 2010, 250 x 230 cm, Private Sammlung Singapore, Foto: Bernhard Strauss

Ihre Bilder sind opulent, großformatig, mit leuchtender Farbgebung. Und immer scheinen sie eine oder gleich mehrere Geschichten zu erzählen. Menschen bewegen sich in fantastisch-chaotischen Szenerien. Wie und wo finden Sie Ihre Sujets?
SK: In meinen aktuellen Gemälden untersuche ich das Konzept der Landschaftsmalerei und verstehe Landschaft als Übergang zwischen Natur und Urbanität: architektonische Darstellungen von Räumen, die sich in traditionelle bis surreale und abstrakte Landschaften öffnen. Die Figuren nehmen zum Teil am Geschehen teil, jedoch übertrage ich ihnen verschiedene malerische Funktionen wie Bildmaß, Bildsprache und Komposition. Der Prozess der Bildfindung steht immer im Mittelpunkt und findet über einen langen Zeitraum statt. Gleichzeitig beobachte und reflektiere ich die Realität und nehme Dinge wahr, die ich in meinen Bilder einfriere und ihnen auf der Leinwand neue Wirkungskraft und Bedeutung verleihe. Das fertige Bild ist dann ein Resultat des ständigen Austausches zwischen meinen visuellen Beobachtungen der Realität und den neu entstandenen Bildelementen die zur Bildwelt gehören.

Garden Eden, 2010, 250 x 230 cm, Private Sammlung Singapore, Foto: Bernhard Strauss

Wollen auch Sie in Ihren Arbeit einen bestimmten Impuls, ein Nachdenken bei den Betrachtern auslösen?
SK: In meinen Gemälden stelle ich visuelle Ideen zur Disposition, jedoch biete ich dem Betrachter keine eindeutige Botschaft an. Vielmehr liegt mir daran, Sehgewohnheiten zu brechen; und im Konstruieren und Dekonstruieren von Bildräumen Elemente, Farben und Perspektiven so zu verwenden, dass der Betrachter sie zum einen wieder erkennt, zum anderen in ihrer neuen Zusammenstellung eine neue Welt entdecken kann. Ich glaube es liegt eine unglaubliche Kraft in Gemälden, weil sie nicht einfach wegklickbar sind und der Schnelllebigkeit entgegenstehen.
Was würden Sie sagen: Hat sich die Position des Künstlers im Gegensatz zu früher verändert?
SK: Kann ich nicht sagen. Das liegt ja sehr an der Perspektive.
Mit ihren Bildern wollen Sie neue, andere Welten erschaffen. Wie würden Sie denn diese Welten beschreiben? Glauben Sie, dass die Kunst auch heute die Kraft hat unsere Gesellschaften zu verändern oder zu beeinflussen? Hat Kunst noch eine gestaltende Rolle in der Gesellschaft?
SK: Natürlich spielt Kunst in unserer Gesellschaft eine große Rolle. Es handelt sich dabei nicht unbedingt um eine politische Einflussnahme, sondern vielmehr bieten Künstler, Schriftsteller, Musiker, Komponisten diverse Denkmodelle an, die die Gesellschaft reflektieren. Weil Kunst so individuell ist, steht sie auch im starken Gegensatz zur allgemeinen Sucht nach Perfektion, Höchstleistung und Uniformität. Darüber hinaus ist Kunst omnipräsent: wenn man nicht direkt eine Ausstellung besucht, kann jeder fast jede Ausstellung im Internet ansehen und sich bis ins kleinste Detail informieren. Kunst war sicher noch nie so greifbar wie heute, dennoch ist sie sehr individuell, und so auch ihr Publikum. Das ist doch großartig.
Wir danken Ihnen für dieses Gespräch!

(c) Museum für Neue Kunst, Blick in die Ausstellung „Susanne Kühn. Spaziergänge und andere Storys“, Ausstellungsmöbel Inessa Hansch, Foto: Bernhard Strauss

In der Sonderausstellung im Museum für Neue Kunst Freiburg („Susanne Kühn. Spaziergänge und andere Storys“ vom 18. Februar 2017 bis 5. Juni 2017 ) gab die Künstlerin mit ihren großformatigen Tuschezeichnungen einen neuen Einblick in die Welt der Grafik. Isabel Herda, Museum für Neue Kunst Freiburg über die Ausstellung: …„Spaziergänge und andere Storys“, der Titel der Ausstellung, greift den alten Topos der Wanderung auf mit einem Begriff, der beiläufiger zu sein vorgibt und dadurch vielleicht besser in die Gegenwart passt. Für Susanne Kühn verbindet er Erlebtes und Erdachtes, Biographisches und Kunsthistorisches – ihre eigenen Wanderungen durch die Natur mit dem Motiv der Romantik. Die Naturmetapher allein würde hier zu kurz greifen, denn andere narrative Stränge oder eben Geschichten sind dazugekommen.“

Gemeinsam mit der Edition Copenhagen hat Susanne Kühn zwei Lithografien geschaffen, die an der Museumskasse für 350 Euro erworben werden können.
Ein Katalog mit über 38 Abbildungen, einem Text der Kuratorin Isabel Herda sowie einem Gespräch der britischen Kunstkritikerin und Publizistin Charlotte Mullins mit Susanne Kühn ist im Kerber Verlag erschienen und für 24,80 Euro erhältlich.

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