Die Neue Spielzeit

Wideraufnahme 2017/18 -Theater Heilbronn, Szene aus Shakespeares „Was Ihr Wollt“, Frank Lienert-Mondanelli, Oliver Firit, Paul Louis Schopf,Tobias D. Weber, Anjo Czernich, Stella Goritzki, Gabriel Kemmether, Nils Brück, Sven-Marcel Voss, Judith Lilly Raab; Foto: Thomas Braun

Das Theater Heilbronn untersucht die „Lüge als Prinzip“
In der zehnten Spielzeit unter Leitung von Intendant Axel Vornam untersucht das Theater Heilbronn das gesellschaftliche Phänomen „Lüge als Prinzip“. Das Motto wurde mit Genehmigung des Autors dem gleichnamigen Buch des Soziologen und Philosophen Prof. Wolfgang Engler, Rektor der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, entlehnt, der sich darin mit dem Thema „Aufrichtigkeit im Kapitalismus“ auseinandersetzt. Jetzt, da die Zeiten ganz offen als „postfaktisch“ charakterisiert werden, da „Lüge“ als Geschäftsgrundlage dieser Gesellschaft nur allzu offensichtlich ist, alles zur Ware wird und Populisten aller Couleur mit „alternativen Fakten“ agieren, will das Theater dafür den Blick schärfen. Bertolt Brechts Ruf „Gelobt sei der Zweifel!“ aus einem seiner berühmtesten Gedichte ist heute angebrachter denn je. 27 Premieren stehen in dieser Saison in Heilbronn auf dem Programm, in denen es um Spekulanten, skrupellose Politiker, Schurken und Betrüger, aber auch um Notlügner, Heiratsschwindler, Hochstapler oder Lebenslügner geht.
www.theater-heilbronn.de


Wideraufnahme 2017/18: Szene aus Goethes „Die Leiden des junger Werther“ mit Veronika Bachfischer (Lotte), Michel Brandt (Werther), Jan Andreesen (Albert); Badisches Staatstheater Karslruhe / Foto: Felix Grünschloß

Badisches Staatstheater Karlsruhe
Die neue Spielzeit am Badischen Staatstheater Karlsruhe steht unter dem Motto „Von Furcht und Freiheit“. Es geht um das Spannungsfeld zwischen diesen beiden Begriffen und um Widersprüche, so wie wir sie als Individuum und als gesellschaftliche Wesen erleben. „Freiheit“ so Peter Spuhler, der Generalintendant in seinem Vorwort zur neuen Spielzeit „braucht jeder wie die Luft zum Atmen, aber auch Furcht als eine Art Vorwarn-Instanz. Ein Übermaß von dem einen oder anderen bringt uns aus dem Gleichgewicht. (…) Das Grundgesetz fasst die Freiheit aller Menschen in Deutschland in 19 Grundrechte, auf die sich jeder vor dem Bundesverfassungsgericht hier in Karlsruhe berufen kann. Wir sind aufgefordert, die Grundrechte mit Leben zu füllen, immer und überall. Ich bin der Überzeugung, dass unsere Zivilcourage gefordert ist, unser Recht auf Freiheit – und das aller anderen – zu verteidigen…“. Und so stehen auf dem Spielplan der Oper zeitlose Stoffe. Ihre Heldinnen und Helden zeigen, dass man Freiheit oft nur durch die Überwindung von Furcht erreicht kann und, dass man dafür oft gefährliche und abenteuerliche Weg gehen muss. Dazu werden Mozarts frühe Oper LUCIO SILLA, Händels ALCINA, Donizettis ANNA BOLENA und Verdis Meisterwerk SIMON BOCCANEGRA aber auch Wagners RING DER NIBELUNGEN zu sehen sein. Hinzu kommt mit Gounods ROMÉO ET JULIETTE ein klassischer Stoff der Weltliteratur. In der Ballettsparte wird derselbe Stoff thematisiert: Es gibt ein Wiedersehen mit dem erschütternden Meisterwerk ROMEO UND JULIA von Kenneth MacMillans, das im Herbst nach fast einem Jahrzehnt auf die Karlsruher Bühne zurückkehrt. Ebenfalls wieder zu sehen sein wird CARMINA BURANA; in Germinal Casados kraftvoller tänzerischer Umsetzung von Carl Orffs weltberühmter Musik liegen die Freiheit der Liebe und die Furcht vor dem unentrinnbaren Schicksal nahe beieinander.
Wohin bewegt sich unsere Welt? Wohin steuert unsere Gesellschaft? Dass die Welt veränderbar ist, gehört zu den zentralen Erlebnismomenten im Theater. Diese Fragen stellte sich Axel Preuß, der Schauspieldirektor des Hauses, und wählte dazu unterschiedliche Regiehandschriften und Stücke wie Vekemans JUDAS, Goethes FAUST und SAFES PLACES, das aktuelle Stück des engagierten Autors Falk Richter aus, das die Frage aufwirft, wie wir die Ideale der EU gegen ihre Feinde verteidigen könnten. In AEFALS TOCHTER zeigt uns der US-amerikanische Pulitzer-Preisträger Ayad Akhtar eine muslimische Familie zwischen modernem Lebensstil und traditionellem Frauenbild.
www.staatstheater.karlsruhe.de


Wieder auf dem Spielplan: Szene aus „Der Tod in Venedig“ © Oper Stuttgart

Oper Stuttgart
Wie in der vergangenen Spielzeit werden auch in der kommenden Saison wieder sechs übergeordnete programmatische Schwerpunkte den Musiktheater- und Konzertspielplan der Oper Stuttgart prägen: Märchen, Abschied, Revolutionsoper, Künstlerszenen, Ur- und Erstaufführungen und Glaube & Krise.
Kein Märchen ohne Migrationshintergrund. Ob HÄNSEL UND GRETEL, ASCHENPUTTEL, DER FISCHER UND SEINE FRAU oder KÖNIG HIRSCH – selbst da, wo wir uns tief im deutschen Märchenwald wähnen, führt das Unterholz über Nachbarländer in fernste außereuropäische Kulturen, aus denen wir verändert zurückkommen. Zur Auseinandersetzung mit dem Thema „Märchen“ laden LA CENERENTOLA und HÄNSEL UND GRETEL ein. „Wer weiß, wie nahe mir mein Ende“ – um den letzten Abschied, den Tod, geht es nicht nur in Bachs gleichnamiger Kirchenkantate, sondern auch in einer Reihe von Alters- oder Spätwerken großer Komponisten wie Britten, Wagner, Donizetti oder Strauss. Sie stellen sich dem Thema inhaltlich und sind selbst bewegende Abschiedsgesten. Das Thema Abschied begegnet dem Publikum in DER TOD IN VENEDIG, PARSIFAL, DON PASQUALE und ACTUS TRAGICUS.
Frankreich war im 17. und 18. Jahrhundert die kulturell führende Nation und blieb dies erstrecht bei Ausbruch der großen Revolution 1789. Cherubinis 1797 uraufgeführte MEDEA ist ein exzessives Werk des Revolutionstheaters. Viele Künstler erkannten sich im Sieg von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“, so auch der Cherubini-Bewunderer Beethoven, der seine einzige Oper FIDELIO nach einer französischen Vorlage konzipierte. MEDEA, FIDELIO und der WERKRAUM REVOLUTIONSOPERvom 2. bis 4. Februar 2018 laden zum Nachdenken über diesen Themenschwerpunkt ein.
Ob im Bild des Schriftstellers Gustav von Aschenbach, des Malers Cavaradossi, des Sängers Orpheus oder auch des jungen Musikers in Berlioz‘ EPISODE AUS DEM LEBEN EINES KÜNSTLERS – stets sind es Begegnungen mit Liebe, Tod, Natur und Gewalt, die die Komponisten in diesen Künstlerszenen gestalten und reflektieren. DER TOD IN VENEDIG, TOSCA und ORPHEUS IN DER UNTERWELT greifen diese Thematik auf. Das 425-jährige Bestehen des Staatsorchesters gibt Anlass, sich auf eine Vielzahl Stuttgarter Ur- und Erstaufführungen im Konzertbereich zu freuen, im Kontext zweier großformatiger Kreationen auf der Bühne des Opernhauses: der Wiederaufnahme von Mark Andres WUNDERZAICHEN und der Weltpremiere von Toshio Hosokawas und Marcel Beyers ERDBEBEN.TRÄUME. Ist Religion nun Teil des Problems oder Teil der Lösung? Schon lange nicht mehr wurde diese Frage als so dinglich und bedrängend empfunden, wie in unserer jüngeren Geschichte, und selten war das Bedürfnis nach einfachen Antworten so groß… In PARSIFAL, ACTUS TRAGICUS, WUNDERZAICHEN, ERDBEBEN.TRÄUME, DIE PURITANER, BENJAMIN und in Charles Ives‘ THE UNANSWERDE QUESTION wird das Thema Glaube & Krise besonders erfahrbar.
www.oper-stuttgart.de


Stuttgarter Ballett
Die Spielzeit am Stuttgarter Ballett steht im Zeichen seines Compagniegründers John Cranko (er hätte am 15. Augsut 2017 seinen 90. Geburtstag gefeiert) und im Zeichen des Abschieds von seinem langjährigen Intendanten Reid Anderson. So liegt es nahe, dass Anderson seinem Förderer und Mentor gleich die erste Premiere der Saison widmet: Der Ballettabend CRANKO PUR, vereint drei eher selten gezeigte Ballette des genialen Choreographen. Ebenfalls auf dem Spielplan stehen Crankos Initialen R.B.M.E., zusammen mit Jerome Robbins DANCES AT A GATHERING, im Rahmen des Ballettabends BEGEGNUNGEN, sowie seine Adaption des berühmten Ballettklassikers SCHWANENSEE.

Cranko Klassiker: Myriam Simon in „The Lady and the Fool“, Foto: Stuttgarter Ballett

Am 27. Oktober 2017 wird ein weiterer „Geburtstag“ gefeiert: 50 Jahre John Crankos ONEGIN. Auch wenn in Reid Andersons letzter Spielzeit viele beim Publikum beliebte Stücke auf dem Spielplan stehen werden, kommen selbstverständlich die Uraufführungen nicht zu kurz: Im Ballettabend DIE FANTASTISCHEN FÜNF werden fünf neue Choreographien an einem Abend präsentiert, Stücke von Hauschoreograph Marco Goecke sowie von den choreographierenden Compagniemitgliedern Katarzyna Kozielska, Louis Stiens, Roman Novitzky und Fabio Adorisio. Auch Fans von Christian Spuck kommen in der kommenden Spielzeit auf ihre Kosten: Denn der ehemalige Hauschoreograph des Hauses wird für die Compagnie seinen Ballett-Thriller LULU EINE MONSTRETRAGÖDIE neu bearbeiten. Die Spielzeit endet mit einer Festwoche, mit der sich Reid Anderson nach 17 Jahren als Tänzer und 22 Jahren als Intendant vom Stuttgarter Ballett und dem Stuttgarter Publikum verabschiedet. Das Programm vereint die Highlights aus seiner letzten Spielzeit und, mit PARTY PIECES, einen Ballettabend mit unterhaltsamen Kurzstücken und persönlichen Favoriten des Ballettintendanten. Zum Abschluss der Festwoche präsentieren die John Cranko Schule und das Stuttgarter Ballett zwei Galas im Opernhaus, die beide bei Ballett im Park in den Oberen Schlossgarten übertragen werden.
www.stuttgarter-ballett.de


Wieder auf dem Spielplan: KHÔRA – Ballett von Nanine Linning/ Theater Heidelberg, Foto: Annemone Taake

Theater Heidelberg
uch das nächste Theaterjahr wird in Heidelberg wieder vielfältig und spannend – und in zwar in allen Bereichen! So zeigt das Schauspiel am 17. September die Deutsche Erstaufführung von Pablo Manzis Wo die Barbaren leben. Nur wenige Tage später (29.09.) folgt Bertolt Brechts DER GUTE MENSCH VON SEZUAN. Die Opernsparte startet am 21. Oktober mit der beliebten Mozartoper DON GIOVANNI. Nanine Linning und die Dance Company sind am 11. November mit der Uraufführung DUSK, wieder im Marguerre-Saal, anzutreffen. Selbstverständlich stehen auch zahlreiche Erfolgsinszenierungen der letzten Spielzeit auf dem Programm: so u. a. DIE ZAUBERFLÖTE, HÄNSEL UND GRETEL, WOYZECK, WHO THE FUCK IST KAFKA?, WIR SIND DIE NEUEN, KHORAh, BLUTROTE SCHUHE, DIE BESSEREN WÄLDER… Und was wäre das Heidelberger Theater ohne seine Festivals? Der WINTER IN SCHWETZINGEN eröffnet den Reigen, gefolgt von der sehnsüchtig erwarteten nächsten TANZBIENNALE, dem 35. HEIDELBERGER STÜCKEMARKT und und und … Zu den FAUST-Inszenierungen, sowohl in Oper als auch im Schauspiel, wird das spartenübergreifende FAUST-Symposion angeboten.
www.theaterheidelberg.de


Szene aus Schillers „Wallenstein“ Nationaltheater Mannheim: Sven Prietz, Ragna Pitoll, Edgar M. Böhlke, Jacques Malan, Stefan Reck © Christian Kleiner

Nationaltheater Mannheim
Die Oper widmet unter der Intendanz von Albrecht Puhlmann eine ihrer Programmlinien dem Belcanto: Erste Premiere wird daher Bellinis NORMA in der Regie von Markus Bothe sein, als Familienoper schließen sich Rossinis ASCHENPUTTEL in der Inszenierung von Cordula Däuper und Verdis ERNANI an, inszeniert von Yona Kim. Einen neuen FIDELIOo wird Roger Vontobel Ende des Jahres unter der musikalischen Leitung des Mannheimer Generalmusikdirektors Alexander Soddy auf die Bühne bringen. Eine Rarität ist konzertant zu erleben: Tschaikowskys letzte Oper JOLANTHEe. Mit DIE KRÖNUNG DER POPPEA wird der bereits begonnene Monteverdi-Zyklus fortgesetzt; die musikalische Leitung übernimmt erneut der Stuttgarter Barockspezialist Jörg Halubek. Auch Oper war früher einmal Populärmusik und die Oper des NTM besinnt sich dessen in ihrem Programmbereich NTM/Pop, indem sie immer wieder mit Popmusikern zusammenarbeitet. In der kommenden Saison wird es daher auch ein Popalbum als Oper geben – VESPERTINE von Björk und der Gruppe Hotel Pro Forma. Bei den Wiederaufnahmen aus dem Mannheimer Repertoire darf natürlich der legendäre Parsifal am Karfreitag nicht fehlen sowie unter anderem Loriots DER RING AN EINEM ABEND, Wagners TANNHÄUSER oder DER ROSENKAVALIER von Strauss.
Uraufführungen wichtiger Gegenwartsautoren prägen das Schauspiel ebenso wie Klassiker. Gespannt sein darf man zum Beispiel auf FÜR IMMER SCHÖN des neuen Hausautors Noah Haidle und Theresia Walsers Stück EIN BISSCHEN RUHE VOR DEM STURM/NACH DER RUHE VOR DEM STURM, beide in der Inszenierung von Intendant Burkhard C. Kosminski. Auf der anderen Seite stehen Schillers WALLENSTEIN, Ibsens HEDDA GABLER, ergänzt um die Bühnenadaptionen der Romane 1984 von George Orwell und Hans Falladas KLEINER MANN WAS NUN? Die Sparte Tanz bringt als Premiere DER TOD UND DAS MÄDCHEN zu Musik, unter anderem von Franz Schubert und Philip Glass, auf die Bühne, choreographiert vom Ballett-Intendanten Stephan Thoss. Der zweite Premierenabend LET‘S BEAT verbindet drei Choreographen und deren Stücke: Mit NICHTS von Marco Goecke wird ein Stück des außergewöhnlichen Hauschoreographen des Stuttgarter Balletts und des Nederlands Dans Theaters zu sehen sein. Daneben zeigt Thoss seine Choreographie LA CHAMBRE NOIRE und Giuseppe Spota, choreographischer Assistent am NTM, widmet sich Strawinskys PETRUSCHKA. Yuki Mori, künstlerischer Leiter des „Theater Regensburg Tanz“ wird den Klassiker CARMEN choreographieren. Das große Handlungsstück dieser Spielzeit wird mit Orchester zu erleben sein. Für VERRÄTERISCHES HERZ hat Stephan Thoss den ehemaligen Tänzer des Nederlands Dans Theater Jirí Pokorný als Gastchoreographen eingeladen.
www.nationaltheater-mannheim.de


Theater Pforzheim
Das Theater Pforzheim willl in dieser Spielzeit Debatten auslösen, anregen, versöhnen – und, selbstverständlich, unterhalten. Dazu wird es mit verschiedenen Projekten auch außerhalb des Theaters im Stadtraum an ungewöhnlichen Orten auftreten. Hautnah am Publikum zu sein und sich mit aktuellen Problemstellungen künstlerisch auseinanderzusetzen – das will man auch am Pforzheimer Theater. Im neuen Spielzeitheft fasst die Intendanz ihr Credo mit den Worten zusammen: „2016 war ein stürmisches Jahr, und auch gegenwärtig spitzen sich viele globale Konflikte zu. Ob Brexit, Terrorgefahr, Kriege in Syrien und anderswo, die Erfolge der Rechtspopulisten, die unberechenbare Neuordnung der USA unter Trump: Die Welt ist einmal mehr aus den Fugen geraten, jederzeit, so scheint es, lustvoll untergangsbereit. Was kann (Stadt-)Theater da ausrichten? Diese Frage beschäftigt uns während der Proben und Programmplanungen tagtäglich. Und sie ist leicht beantwortet: viel. Denn das Theater behandelt die großen Themen der Menschheit, die Fragen nach ihrer Entwicklungsfähigkeit, nach Traditionen, nach Fortschritt und Zukunft, angesichts der Trümmer von Vergangenheit und Gegenwart. Der neue Spielplan streift inhaltlich diverse Untergangsszenarien, die die Menschen an den Rand ihrer Überlebensfähigkeit bringen.“ So etwa in Euripides´ antikem Schauspiel DIE FRAUEN VON TROJA oder Kleists Lustspiel DER ZERBROCHENE KRUG.

Wideraufnahme 2017/18 – Heroes- Ballett mit Musik von David Bowie und Philp Glass von Guido Markowitz, Szene mit Johannes Blattner (liegend) und Jura Wanga, Foto: Sabine Haymann

Die Ballettsparte und Opernsparte fasst ihr Programm in „Licht und Schatten“. In Mozarts ZAUBERFLÖTE zu Beginn der Spielzeit wechseln sich Gut und Böse ab. Und das Tanzensemble verarbeitet Mozarts REQUIEM und die Todesahnungen des Komponisten. André Previns Oper ENDSTATION SEHNSUCHT rückt die private Lebenskrise der Protagonistin Blanche ins Zentrum. In vielen Produktionen steht aber zugleich die Sehnsucht nach einer besseren Welt im Mittelpunkt, wenn die Handelnden ihrer Hoffnung auf Frieden oder Wiederherstellung einer gerechten, werteorientierten Ordnung Ausdruck verleihen. In COMEDIAN HARMONISTS II – JETZT ODER NIE lassen sich die Sänger im Glauben an die Kraft der Musik nicht unterkriegen und in Kurt Weills Oper DER SILBERSEE zeichnet sich die Utopie einer Solidargesellschaft ab.
www.theater-pforzheim.de


Auch auf dem neuen Spielplan – Junge Choreografen- TOMORROW NEVER COMES – Alessio Pirrone, Julia Anna Sattler, Ceren Yavan-Wagner, Foto: Jochen Klenk/ Theater Ulm

Theater Ulm
Die Spielzeit 2017/2018 steht unter dem Motto AUF DIE 12; die zwölfte Spielzeit unter Intendant Andreas von Studnitz bildet mit einer großen Auswahl an Produktionen nicht nur den Schluss-, sondern auch den Höhepunkt seiner Ära: Im Musiktheater etwa erwartet das Publikum unter anderem NABUCCO von Verdi, ELEKTRA von Strauss und die deutschsprachige Erstaufführung des Musicals ROCK OF AGES, während das Ballettensemble DORNRÖSCHEN mit Tschaikowskys Musik als prominenteste Produktion zeigt. Im Schauspiel werden neben anderen Stücken wie DOGVILLE nach Lars von Triers Film auch Molières DER GEIZIGE, die Komödie DER FLOH IM OHR von Georges Feydeau und Hans Henny Jahnns Bearbeitung des Tragödienstoffes um DIE KRÖNUNG RICHARDS III. zu sehen sein.
theater-ulm.de


Theater Freiburg
Peter Carp startet mit seinem Team in seine erste Spielzeit am Theater Freiburg. Mit den Worten „Menschen gehen ins Theater, weil sie Geschichten von Menschen hören wollen“ hatte er sich im Frühsommer den Medien anlässlich der Pressekonferenz in Freiburg vorgestellt. Carp will der kulturellen Vielfalt der Bevölkerung in der Stadt und den Künstlern am Theater gleichermaßen gerecht werden und das schlägt sich auch im Programm der neuen Spielzeit nieder. Unterschiedlichste Sichtweisen auf die Welt und auf das Theater sollen erzählt werden, denn so Carp weiter, „Theater soll immer von der Welt erzählen. Wir leben in einer Zeit schneller Veränderungen, einer Zeit mannigfaltiger Perspektiven, Themen und Schwerpunkte…“ Bereits im Theater Oberhausen, das Carp zuvor leitete, setzte er erfolgreich auf eine internationale Ausrichtung seiner künstlerischen Arbeit.
Und dieser programmatische Schwerpunkt wird naheliegenderweise auch in Freiburg fortgesetzt. Internationale Künstlerinnen und Künstler aus dem Iran, aus Südafrika, Frankreich, Belgien, Polen, USA, Dänemark und Norwegen hat Carp dazu nach Freiburg eingeladen, um dem Publikum ihre Sichtweisen auf die Welt nahezubringen.

Theater Freiburg, Foto: M. Korbel

Das anspruchsvolle Programm der Spielzeit 17/18 ist mit 45 Premieren sehr ambitioniert. Umgesetzt wird das Mammutvorhaben mit Unterstützung von Gastspielen und Kooperationen, dazu gehört auch eine enge Zusammenarbeit mit anderen Freiburger Theatern und Kultureinrichtungen. Das Schauspiel startet am 20. Oktober mit Tschechows DER KIRSCHGARTEN in der Inszenierung des weltweit gefeierten iranischen Regisseurs Amir Reza Koohestani. Es folgt das Stück CRUDERLAND am 21. Oktober: Kann der mutige Kampf einer überzeugten Gruppe von Aktivisten die Gier multinationaler Ölkonzerne und einer korrupten Diktatur stoppen? Der südafrikanische Autor und Regisseur Mpumelelo Paul Grootboom nimmt den Fall des 1995 vom damaligen nigerianischen Regime hingerichteten Menschenrechtsaktivisten Ken Saro-Wiwa als Inspiration für sein neues, packendes Politdrama. Die Tanzsparte beginnt am 22. Oktober mit WE‘RE PRETTY FUCKIN‘ FAR FROM OKAY. Angst als instinktiv-körperliche Reaktion stellt uns unmittelbar vor die Frage: kämpfen, fliehen oder erstarren? Die physischen Auswirkungen von Angst – beschleunigtes Atmen, Schwitzen und Zittern – sind Ausgangspunkt für ein tänzerisches Duett, das mal angespannte Bedrängnis, dann wieder kontemplative Erleichterung hervorruft. Die herausragende belgische Tänzerin und Choreographin Lisbeth Gruwez ist gleich zweimal in der ersten Tanzsaison der neuen Intendanz vertreten. Und das Musiktheater feiert seine erste Premiere am 22. Oktober mit HOFFMANS ERZÄHLUNGEN – der Phantastischen Oper von Jacques Offenbach. Das Theater Freiburg holt dazu das französische Künstlerkollektiv Clarac-Deloeuil > le lab für die Eröffnungsinszenierung des Musiktheaters zum ersten Mal nach Deutschland. Am 26. Oktober feiert Wedekinds LULU. EINE MÖRDERBALLADE ihre Premiere. Der belgische Regisseur Stef Lernous kreiert zur wilden Musik der Tiger Lillies bildstarkes Musiktheater zwischen Variété und Splatterfilm, Danse macabre und Horror Show.
www.theater.freiburg.de


Rolando Villazón & Ildar Abdrazakov ® DarioAcosta/Deutsche Grammophon

Festspielhaus Baden-Baden
Mit den Opern LA BOHÉME, LEONORE (Fidelio), PARSIFAL, DER FLIEGENDE HOLLÄNDER, DIE ZAUBERFLÖTE und ADRIANA LECOUVREUR setzt das Festspielhaus Baden-Baden in szenischen oder konzertanten Aufführungen auf eine Mischung aus populär gewordenen Meisterwerken und besonders seltenen Juwelen des Musiktheater-Repertoires. In neuen Inszenierungen werden die Opern LA BOHÉME (Musikalische Leitung: Teodor Currentzis, Regie: Phillipp Himmelmann), PARSIFAL (Musikalische Leitung: Sir Simon Rattle, Regie: Dieter Dorn) und ADRIANA LECOUVREUR (Musikalische Leitung: Valery Gergiev, Regie: n.n.) mit Anna Netrebko in der Titelpartie zu sehen sein. Aber auch die konzertanten Opern ermöglichen ein Wiedersehen und Wiederhören mit bedeutenden Dirigenten wie René Jacobs, Yannick Nézet-Séguin und Valery Gergiev bzw. Solistinnen und Solisten wie Marlis Petersen (LEONORE ), Bryn Terfel (DER FLIEGENDE HOLLÄNDER) und Rolando Villazón (DIE ZAUBERFLÖTE/Papageno). Die Osterfestspiele 2018 mit den Berliner Philharmonikern stehen ganz im Zeichen des Abschieds von Sir Simon Rattle als Chefdirigent des Weltklasse-Orchesters. Mit Wagners Parsifal leitet der britische Dirigent eine Wunschproduktion zu diesem Farewell. Im Ballett feiert das Festspielhaus Baden-Baden die kommende Saison mit großformatigen Programmen. Im Oktober 2017 zeigt das Hamburger Ballett die beiden John-Neumeier-Ballette NIJINSKY und DAS LIED VON DER ERDE. Das Mariinsky Ballett bringt zu Weihnachten aus St. Petersburg die Ballette ROMEO UND JULIA, PAQUITA und DER NUSSKNACKER mit nach Baden-Baden. Auch zu Silvester wird getanzt und zwar erstmals im Festspielhaus Baden-Baden: Eine internationale Ballettgala läutet die letzten Stunden des Jahres ein. Mit der Sao Paulo Dance Company wird dann im April 2018 Marius Petipas Ballett DON QUIXOTE, ebenfalls mit Live-Musik, zu erleben sein.
www.festspielhaus.de


 

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