Kunst in Konstanz

„Heimat Alpstein – Appenzeller und Toggenburger Bauernmalerei“ noch bis 30. Dezember 2017

Diese farbenfrohe Ausstellung im Kulturzentrum am Münster stellt Werke bedeutender „naiver“ Malerei aus der Sennen- und Bauernkultur des 18. bis 20. Jahrhunderts alte Traditionen und Kulturgüter der Appenzeller Geschichte vor. Neben der Präsentation ausdrucksstarker Kunstwerke der großen Meister – und der wenigen Meisterinnen – der Bauernmalerei zeigt sie auch besondere Momente der Appenzeller Geschichte: die oftmals kriegerische Emanzipation des Bauernvolkes von der Herrschaft des St. Galler Abts, die machtvolle Expansion der Eidgenossenschaft in Richtung Bodensee und der damit einhergehende Anschluss des Appenzells 1513 an den Bund der zwölf eidgenössischen Orte.

Hölzerner Melkeimer, Fahreeme genannt, den jeder Senn bei einem Weißküfer für sich fertigen lässt. Zum Öberefahrt, dem Almauftrieb, werden in die Unterseite der Fahreimer kunstvoll bemalte Bödeli eingesetzt.

Die Reformation führte schließlich zur Glaubensspaltung, der eine friedlich vollzogene, bis heute bestehende Aufteilung des Appenzells in zwei Halbkantone folgte.
Im katholisch geprägten Halbkanton Appenzell Innerrhoden entwickelte sich die Sennen- und Alpwirtschaft weiter, im protestantischen Teil Ausserrhoden entstand ein überregional erfolgreiches Textilgewerbe. Im 19. Jahrhundert wurde das Appenzellerland mit dem Säntis als höchstem Berg von europäischen Reisenden „entdeckt“: Naturmedizinische „Molkenkuren“, Sommerfrische und Bergbesteigungen kennzeichnen diese Frühform des Tourismus, der damals im ganzen Bodenseeraum seinen Anfang nahm. Doch im Schatten der neu erwachten Schweiz- und Naturbegeisterung der ersten Touristenströme bestimmte ein harter, jahreszeitlich geprägter Alltag weiterhin das Leben der Sennen, Bauern und Heimweber der Textilindustrie. In dieser kargen Welt aber entstehen seit fast 200 Jahren die schönsten Motive einer volkstümlichen Malerei: Vorwiegend heitere Szenen vom Jahreslauf der Alpwirtschaft und des Bauernlebens rund um Säntis und Alpstein. Im Südverlag Konstanz ist dazu ein schönes und reichhaltig illustriertes Bilder- und Lesebuch erschienen (19,90 €).


Weitere Informationen:
Rosgartenmuseum Konstanz
Rosgartenstraße 3-5, 78462 Konstanz
Tel. 07531/900-245 (Museumskasse)
rosgartenmuseum@konstanz.de
www.rosgartenmuseum.de

Öffnungszeiten: Di – Fr 10 – 18 Uhr , Sa, So + Feiertag 10 – 17 Uhr
Freier Eintritt mittwochs ab 14 Uhr sowie jeden 1. Sonntag im Monat
Montags geschlossen

 

Ernst Würtenberger, Selbstbildnis im Malkittel; 1906 Öl auf Leinwand; 105 x 77 cm, Privatbesitz
Ernst Würtenberger. 1868 – 1934.
Ein deutscher Maler in der Schweiz

Ernst Würtenberger wurde 1868 in Steißlingen geboren und wuchs in Emmishofen, heute Kreuzlingen, Schweiz, auf. Schon früh zeigte sich seine künstlerische Begabung. Er studierte an den Kunstakademien in München und Karlsruhe und bildete sich im Winter 1895/96 privat bei dem von ihm bewunderten Arnold Böcklin in Florenz fort.
1902 zog Würtenberger, der früh Zugang zur Literaturszene am Bodensee gefunden und sich in Konstanz und Umgebung bereits einen Namen als Porträtist gemacht hatte, nach Zürich. Hier unterrichtete er zunächst an Luise Stadlers „Kunst- und Gewerbeschule für Damen“, bevor er sich als freischaffender Künstler etablierte. Würtenberger verfasste zahlreiche Aufsätze und Bücher, unter anderem über Arnold Böcklin, und trat als Reformer des modernen Holzschnitts hervor. Seine Illustrationen für Zeitschriften und Bücher bestechen durch ihre klare, kräftige Liniensprache.
Noch im Jahr seiner Übersiedlung begann sich Ernst Würtenberger in der Zürcher Kunstgesellschaft zu engagieren und war lange Zeit Mitglied der dortigen Sammlungs- und Ausstellungskommission. Wegweisende Ausstellungen wie jene über die französischen Impressionisten (1908) und Felix Vallotton (1909) wurden von ihm mitverantwortet. Würtenberger wurde zum Berater von Zürcher und Winterthurer Kunstsammlern, hatte wesentlichen Anteil an der künstlerischen Durchsetzung Ferdinand Hodlers in der Schweiz und setzte sich nachdrücklich für den Bau des Zürcher Kunsthauses ein. Von 1914 bis 1921 war er zudem Lehrer an der Zürcher Kunstgewerbeschule. Den Malern Cuno Amiet, Max Buri, Ferdinand Hodler, Sigismund Righini, Ernst Georg Ruegg und Hans Sturzenegger, von denen ebenfalls Werke gezeigt werden, war er freundschaftlich verbunden.
Ernst Würtenberger avancierte in der Schweiz zu einem gefragten Porträtisten. Während seiner Zürcher Jahre, die 1921 mit seinem Wegzug nach Karlsruhe endeten, wo er an der Landeskunstschule eine Professur übernahm, schuf er mehrere hundert Bildnisse, darunter von den mit ihm befreundeten Künstlern und Literaten Ferdinand Hodler und Rudolf Koller, Hermann Hesse, Adolf Frey oder Hans Trog. Zugleich hielt er bereits verstorbene Persönlichkeiten wie Gottfried Keller oder Jeremias Gotthelf in eindrucksvollen Darstellungen fest. Ernst Würtenberger starb 1934 in Karlsruhe.
Die Ausstellung in der Städtischen Wessenberg-Galerie Konstanz legt den Fokus auf Ernst Würtenbergers Zürcher Jahre und sucht seine Bedeutung für die Schweizer Kunst- und Kulturszene herauszuarbeiten. Nahezu zeitgleich zur Konstanzer Schau beleuchtet das Hesse Museum Gaienhofen in einer Ausstellung Ernst Würtenbergers vielfältige Beziehungen zur literarischen Szene am Bodensee und in der Schweiz. (Der Künstler Ernst Würtenberger und die literarische Szene. 3. Dezember 2017 – 6. Mai 2018. Hesse Museum Gaienhofen. www.hesse-museum-gaienhofen.de).

Es erscheint ein Katalog im Nimbus-Verlag (24,80 Euro an der Museumskasse).


Rahmenprogramm  
Vernissage am Freitag, den 1. Dezember, 19 Uhr

Öffentliche Führungen: Sonntag, 17. Dezember 2017, 7. Januar, 21. Januar, 4. Februar, 18. Februar, 4. März, 18. März und 25. März 2018, jeweils 11 Uhr
Mittwoch, 13. Dezember und 27. Dezember 2017, 3. Januar, 24. Januar, 7. Februar, 28. Februar, 7. März und 28. März 2018, jeweils 15 Uhr

Happy Hour:
Dienstag, 12. Dezember 2017, 23. Januar, 6. Februar, 27. Februar, 13. März und 27. März 2018, jeweils 19 Uhr
Anmeldung erforderlich: Tel.: +49(0)7531/900 913 oder Mail an Ursula.Benkoe@konstanz.de. Kostenbeitrag 5,- Euro.

Lesung: Aus Liebe zur Kunst
Martin Henze, Barbara Stark und Anna Katharina Thaler laden Sie ein zu einer Begegnung mit dem Kunstschriftsteller Ernst Würtenberger.
Am Mittwoch, 17. Januar 2018 um 19 Uhr in den Räumen der Wessenberg-Galerie.

Anmeldung wird gebeten: Tel. +49(0)7531/900 913 oder Mail an Ursula.Benkoe@konstanz.de. Kostenbeitrag 5,- Euro.

Kunst-Krimi-Abend
Galerieleiterin Barbara Stark stellt neue (und ältere) Kunstkrimis vor, und die Zuschauer dürfen bei einem Glas Wein raten: Wer war der Täter?
Am Mittwoch, 31. Januar um 19 Uhr in den Räumen der Wessenberg-Galerie.


Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz
Wessenbergstraße 43
78462 Konstanz
Tel. 07531/900 921
http://www.konstanz.de/wessenberg/

Öffnungszeiten:
Di – Fr 10 – 18 Uhr
Sa, So + Feiertag 10 – 17 Uhr
Montags geschlossen

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