Heidelberger Frühling

„Eigen-Arten“ lautet 2018 der Leitgedanke des „Heidelberger Frühling“. In der 22. Saison des internationalen Musikfestivals stehen vom 17. März bis zum 21. April weit über 100 Veranstaltungen auf dem Programm. Der Leitgedanke setzt die 2017 mit „In der Fremde“ begonnene Trilogie zu Kernmotiven der Aufklärung fort und beschäftigt sich mit dem kollektiven Selbstverständnis des sogenannten „Westens“, das maßgeblich auf Werten der Aufklärung wie beispielsweise Freiheit basiert.

Jean Guihen Queyras, Foto Marco Borggreve

„Artist in Residence“ ist der Cellist Jean-Guihen Queyras, der mit insgesamt fünf Programmen zu hören ist, unter anderem als Solist mit dem Mahler Chamber Orchestra Mahler Chamber Orchestra Mahler Chamber Orchestra Mahler Chamber Orchestra in Haydns Cellokonzert Nr. 2 zur Festivaleröffnung sowie in der Produktion „Mitten im Leben wir sind“ mit Choreographien von Anne Teresa De Keersma zu Bachs sechs Cellosuiten.

Die Binnenfestivals des „Heidelberger Frühling“ – das Kammermusikfest „Standpunkte“ (22.-25.03.) und das Wochenende „Neuland.Lied“ (12.-15.04.) – thematisieren den Leitgedanken „Eigen-Arten“ jedes auf seine Weise.

Igor Levit (c) Studio visuell

Die „Standpunkte“ des Pianisten Igor Levit widmen sich Musik der USA. und dem amerikanischen Freiheitsbegriff. In der Musik ist er  fruchtbar geworden, weil kaum ein Komponist jenseits des Großen Teichs sich traditionellen Dogmen unterordnete. Hörbar wird dies bei den „Standpunkten“ in Werken von Charles Ives, Marc Copland, Samuel Barber, David Bruce, Frederic Rzewski, Morton Feldman, John Cage und Philip Glass. Zugleich erinnert ein Ragtime-Konzert von Igor Levit mit Musik schwarzer Komponisten wie Scott Joplin daran, dass die Vereinigten Staaten keineswegs immer ein Hort der Freiheit für alle Bevölkerungsgruppen waren und sind.  darüber hinaus gibt es zwei Vorträge und eine Podiumsdiskussion zum Thema. Als Künstler wirken neben Igor Levit unter anderem der Geiger Benjamin Beilman, der Klarinettist Julian Bliss, das JACK Quartet der Bariton Georg Nigl, die Geigerin Isabelle Faust und der Cellist Jean Guihen Queyras mit, der hier erstmals gemeinsam mit dem Pianisten Marc André Hamelin auftreten wird.

Das experimentierfreudige Themenwochenende „Neuland.Lied“ fasst den Begriff „Eigen-Arten“ in die Frage „Was macht uns aus?“ und in Begriffe wie Widersprüchlichkeit, Heimatlosigkeit, Sehnsüchte, Hoffnungen und Ängste – also jene Eigenarten, die allen Menschen zu eigen sind. Schumanns  Liederzyklen von 1840 sind universale Meisterwerke, die all jene menschlichen Facetten in sich vereinen und eben diese werden in„Neuland.Lied“ in die unterschiedlichsten Zusammenhänge gestellt.  Zu hören sind unter anderem die Tenöre Mark Padmore und Ilker Arcayürek, die Mezzosopranistinnen Anna Stéphany Anna Stéphany und Tara Erraught und die Sopranistinnen Anna Lucia Richter und Sarah Maria Sun.

Kreativer Freiraum und bereichsübergreifender Austausch sind auch 2018 die Kerncharakteristika der Heidelberg Festival Akademie. Das 2017 begonnene Zukunftslabor mit dem Titel „Villa Abegg“ konkretisiert seine Ideen und arbeitet eines der Projekte bis zur Aufführungsreife 2019 aus.

Darüber hinaus werden die vier Festival Akademien Kammermusik, Komposition, Musikjournalismus, Komposition, Musikjournalismus – fortgesetzt. Die Akademien Lied und Kammermusik laden zu öffentlichen Meisterkursen, Workshops und Mittagskonzerten ein und Instrumentalisten wirken beim Kammermusikfest „Standpunkte“ mit.

Im Bereich Komposition sind die US-Amerikanerin Anna-Louise und der Brite Oliver Christophe Leith eingeladen, am 28. März  ihre vom „Heidelberger Frühling“ in Auftrag gegebenen Werke vorzustellen, bevor sie spätabends bei der „Nacht der Neuen Musik“ uraufgeführt werden. Leiter der Festival Akademien sind erneut Thomas Hampson (Lied), Igor Levit (Kammermusik) und Eleonore Büning (Musikjournalismus), denen als Mentoren unter anderem der Cellist Johannes Moser, der Klavierbegleiter Graham Johnson und der Regisseur Willy Decker zur Seite stehen.

Im Rahmen des Festivals findet auch das „Heidelberger Streichquartettfest“ vom 25. bis zum 28. Januar mit Konzerten, Workshops und Gesprächskonzerten statt. Im Zentrum steht der tschechische Komponist  Miroslav Srnka , der auch einen der Workshops abhalten wird. Es erklingen sein Streichquartett „Engrams“ sowie als deutsche Erstaufführung sein neues Streichquartett, das der „Heidelberger Frühling“ gemeinsam mit Pro Quartet in Paris, der Philharmonie de Paris und dem BOZAR Brüssel in Auftrag gegeben hat. Zu Gast sind das deutsche Asasello Quartett, das britische Castilian String Quartet, das französische Quatuor Diotima, das tschechische Zemlinsky Quartett  sowie erstmals Brooklyn Rider aus den USA. Eine neue Heimat in Heidelberg findet der Irene Steels Quartettwettbewerb  der Irene Steels-Stiftung, der am Eröffnungstag des Streichquartettfests öffentlich ausgetragen wird.

Mirga Grazinyte-Tyla © Frans Jansen

Neben Stammgästen wie den Pianisten Sir András Schiff und Grigory Sokolov, dem Komponisten, Klarinettisten und Dirigenten Jörg Widmann, der Cellistin Sol Gabetta und dem City of Birmingham Symphony Orchestra unter Mirga Gražinte Tyla sind zahlreiche Musiker erstmals beim „Heidelberger Frühling“ zu hören, so etwa die Sopranistin Anna Prohaska und das Trio con Brio aus Copenhagen.


Karten sind unter Tel. 0 00 06221/ 584 00 44 und deutschlandweit an allen bekannten Vorverkaufskassen erhältlich, unter anderem bei allen Geschäftsstellen der Rhein-Neckar-Zeitung. Das komplette Programm und Online-Kartenbuchungen unter: www.heidelberger-fruehling.de

Vorschaubild: Dirigentin Mirga Grazinte-Tyla (c)Studio visuell

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