ARTHUR JAFA – A SERIES
OF UTTERLY IMPROBABLE,
YET EXTRAORDINARY
RENDITIONS

Die JULIA STOSCHEK COLLECTION zeigt derzeit in Berlin das Werk des US-amerikanischen Filmemachers, Kameramanns und Künstlers Arthur Jafa zusammen mit Beiträgen von Ming Smith, Frida Orupabo und Missylanyus. Die Ausstellung wurde gemeinsam mit den Serpentine Galleries konzipiert und von Hans-Ulrich Obrist und Amira Gad kuratiert (erstmals präsentiert in den Serpentine Galleries vom 8. Juni -10. September 2017).
Jafa hat im Laufe der letzten drei Jahrzehnte eine dynamische, multidisziplinäre künstlerische Praxis entwickelt, die sowohl Filme und Installationen als auch Vorträge, Performances und Happenings umfasst. Seine Werke thematisieren und hinterfragen gängige kulturelle Aussagen über Identität und ethnische Zugehörigkeit. Jafas Schaffen wird von der immer wiederkehrenden Frage geleitet: Wie kann eine visuelle Ästhetik erkannt und entwickelt werden, die der ‚Kraft, Schönheit und Verfremdung‘ der afroamerikanischen Musik in der US-Kultur entspricht? Der Titel der Ausstellung A SERIES OF UTTERLY IMPROBABLE, YET EXTRAORDI-NARY RENDITIONS (dt. Eine Serie von absolut unwahrscheinlichen, gleichzeitig außergewöhnlichen Darstellungen) bezieht sich auf das Gefühl des Nicht-Vorhandenseins, das der Künstler in der Lebenswirklichkeit der Schwarzen beobachtet. Der Begriff „Rendition“ verweist auf Jafas Interpretation einer Ästhetik, die ihren „Stoff“ aus einer schwarzen Lebenswelt bezieht und historisch in Bilder, Objekte und Artefakte eingeschrieben ist.

MESSAGE IS DEATH, 2016 – Video, Courtesy of the artist and Gavin Brown´s Enterprise, New York City, Rome

Durch die Neuaufführung dieser Narrative in der Gegenwart imaginiert und konstruiert Jafa neue Möglichkeiten ihrer Sichtbarmachung. Jafa stellt mit seinen Arbeiten eine Annäherung an den Aspekt der radikalen Entfremdung schwarzen Lebens im Westen her, während er versucht, die Kraft, wie sie in afrikanischen Darstellungsformen zum Ausdruck kommt, sichtbar zu machen oder zu befreien. Mit Bezügen, die von Fang-Skulpturen bis zu Mississippi Juke Joints, von Marcel Duchamps Urinal bis zum Jazz reichen, beweist er als Filmemacher ein untrügliches Gespür für den Schnitt und die Nebeneinanderstellung von Sequenzen, um so eine maximal intensive Wirkung zu erzielen. Arthur Jafas Arbeiten sind historisch-inhaltlich in ein afrikanisch-amerikanisches-schwarzes Selbstverständnis eingebettet. Von einem starren Diskurs befreit schafft er damit ein Szenario, in dem diese „Historien“ eine universelle Bedeutung erhalten könnten.
„Wie stellen wir uns verlorene Dinge vor? Welche Art von Vermächtnis ist denkbar trotz dieses Verlusts und trotz der Abwesenheit von Dingen, die nie existiert haben?“

 

Videostill / video still ARTHUR JAFA APEX, 2013 – Video, Courtesy of the artist and Gavin Brown ́s Enterprise, New York City, Rome

Arthur Jafa , geboren 1960 in Tupelo, Mississippi, USA, hat mit verschiedenen Regisseuren, angefangen von Spike Lee (CROOKLYN, 1994) bis zu John Akomfrah (SEVEN SONGS FOR MALCOLM X, 1993) und Künstlern wie Kara Walker und Fred Moten zusammengearbeitet. Außerdem wurde er für seine Arbeit an den Videos DON’T TOUCH MY HAIR und CRANES IN THE SKY (2016) von Solange Knowles bekannt.

Über sein bevorzugtes Medium sagt Jafa:

„Der Film ist eines der wenigen Dinge, insbesondere im Kontext des Kinos, der so viel Raum wie die Architektur beansprucht, dabei aber wie die Musik völlig immateriell ist.“

A SERIES OF UTTERLY IMPROBABLE, YET EXTRAORDINARY RENDITIONS umfasst zudem Beiträge dreier weiterer Künstler: Werke der Fotografin Ming Smith, den lnstagram-Feed der Künstlerin Frida Orupabo @nemiepeba sowie Inhalte des YouTube-Kanals von Missylanyus. Gemeinsam sind diese ‚Plattformen‘ bzw. ‚Gastbeiträge‘ ein wesentlicher Aspekt von Jafas Präsentation in den Räu-men der Sammlung und würdigen den Einfluss anderer Werke auf seine eigene Arbeit.

JULIA STOSCHEK COLLECTION, DÜSSELDORF / BERLIN
Die JULIA STOSCHEK COLLECTION ist eine private Sammlung zeitgenössischer, internationaler Kunst mit Fokus auf zeitbasierter Medienkunst. Die 2007 gegründete Privatsammlung verfügt über ein eigenes Ausstellungsgebäude in Düsseldorf, dem zur öffentlichen Präsentation insgesamt 3000 qm zur Verfügung stehen. Derzeitig befinden sich über 850 Werke von rund 250 vorwiegend europäischen und USamerikanischen Künstlerinnen und Künstlern im Sammlungsbestand. Die verschiedenen inhaltlichen Aspekte der Sammlung werden in regelmäßig wechselnden Ausstellungen und deren Publikationen präsentiert und dokumentiert. Die stetig wachsende Sammlung konzentriert sich in ihrer Konzeption vor allem auf das bewegte Bild seit den 1960er Jahren bis heute und umfasst eine Reihe von Disziplinen: Video, Einzel- und Mehrfachprojektionen von analogem und digitalem Film, Multimedia-Environments sowie computer- und netzbasierte Installationen, aber auch ephemere Kunstformen, wie Performances. In Ergänzung zum Düsseldorfer Standort ist seit 2016 eine Dependance in Berlin für das Publikum geöffnet. Die Ausstellungsfläche umfasst 2500 qm und befindet sich in Berlin- Mitte an der Leipziger Straße 60, im Gebäudekomplex des ehemaligen tschechischen Kulturzentrums der früheren DDR. Die Umgestaltung des Objekts in einen Ausstellungsraum hat die Berliner Architektin Johanna Meyer-Grohbrügge vorgenommen.

Weitere Informationen: www.julia-stoschek-collection.net

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.