IM BANN DER NORDSEE –
Die norddeutsche Landschaft seit 1900

Seit jeher hat das raue Meer und die weite, einzigartige Landschaft im Norden Künstler fasziniert, sei es als Tourist oder aus Verbundenheit mit der Heimat. Dort, wo der Himmel den Horizont zu berühren schient, wo oftmals eine steife Brise weht, wo auf den Deichen die Schafe und auf den Weiden die Kühe grasen, fanden Maler stets viele inspirierende Sehnsuchtsorte.

Poppe Folkerts, Bewegte See mit Booten, 1925, Öl/Leinwand, Ostfriesisches Landesmuseum Emden

Die Ausstellung hält viele Entdeckungen bereit: Expressionistische und neusachliche Künstler aus dem Norden, wie Poppe Folkerts, Julian Klein von Diepold, Hans Trimborn oder Paul Ernst Wilke, welche die wasserreiche Küstenlandschaft mit Schiffen, Windmühlen, Leuchttürmen und Reethäusern ins Bild bannen. Das Werk ihres Kollegen Emil Nolde war durchdrungen von Motiven seines Lebens zwischen Nord- und Ostseeküste, welche seine ehemaligen Brücke-Kollegen Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel nur zeitweilig beschäftigten. Auf deren Spuren entdeckte dann Franz Radziwill das Nordseebad Dangast und sollte dort den Großteil seines Werks schaffen. Kulturhistorische Objekte ergänzen die Ausstellung, darunter zarte Teegeschirre und silberne Kandiszangen und blauweiße Fliesenbilder, die den Besuchern die typisch norddeutsche Lebens- und Arbeitswelt erfahrbar machen.

Karl Schmidt-Rottluff, Ziegelei in Dangast, 1909, Aquarell/Tusche, Privatbesitz, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018 und GDKE Landesmuseum Mainz (Ursula Rudischer)

Die Faszination für das Nordische ist bis heute ungebrochen und wird mit fünf ausgewählten zeitgenössischen Positionen: Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und Filme von Hermann Buß, Jochen Hein, Marikke Heinz-Hoek, Anja Jensen und Aurelius Maier. Parallel zeigt die ergänzende Studioausstellung Gemälde und Grafik von Gustav Schönleber, der in Bietigheim geboren wurde und an der Karlsruher Kunstschule lehrte, sich aber der norddeutschen Landschaft zeitlebens verschrieb. 1875/76 reiste er Ostfriesland bis Ostpreußen, um für einen Stuttgarter Verlag den prächtigen Band „Küstenfahrten an der Nord- und Ostsee“ zu illustrieren, der im Zentrum dieser kleinen Ausstellung steht. So bietet sich den Besuchern ein abwechslungsreiches und umfängliches Bild von fast 150 Jahren norddeutscher Landschaftsdarstellungen – und das ganz ohne den langen Weg gen Norden auf sich nehmen zu müssen.

Anja Jensen, Treppe, 2011, C-Print Diasec, © VG Bild-Kunst Bonn, 2018

Vernissage (für beide Ausstellungen): Freitag, 20. April, 19 Uhr. Öffentliche Führungen: jeden Sonntag, 11.30 Uhr und jeden Feiertag, 16.30 Uhr. Außerdem gibt es Kuratorenführungen mit anschließender ostfriesischer Teezeremonie oder auch mit szenischer Rezitation aus Storms Schimmelreiter und anderer nordischer Literatur.

Weitere Informationen:
Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen
Hauptstraße 60–64, 74321 Bietigheim-Bissingen, Telefon 07142 74-483,
http://galerie.bietigheimbissingen.de
Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr 14–18 Uhr, Do 14–20 Uhr,
Sa, So, alle Feiertage 11–18 Uhr
Eintritt frei jeden letzten Freitag im Monat und am
Internationalen Museumstag (13. Mai)!

 

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