OST TRIFFT WEST
Exquisite Kostbarkeiten des Art déco

Die gegenseitige Faszination zwischen Orient und Okzident hat seit der Antike immer neue Kunstformen hervorgebracht. Exotische Ornamentik von persischen Miniaturen oder japanischen Drucken, aus China und dem Nahen Osten ließen sich trefflich mit dem Wunsch nach dekorativem
und außergewöhnlichem Luxus in der Zeit des Art déco verbinden. Ebenso waren die 1920er-Jahre durch technologischen Fortschritt und rasante Veränderungen in der Gesellschaft gekennzeichnet. Beides spiegelte sich in der (Schmuck-)Kunst jener Zeit wider, indem überbordende
Motive und Farbigkeit in klare Formen und kühle Materialien gebracht wurden. Die Nécessaires, Zigarettenetuis und Uhren der Sammlung des Prinzen und der Prinzessin Sadruddin Aga Khan sind herausragende Zeugnisse davon. »Diese Glanzstücke der renommiertesten Pariser Juweliere hier im Schmuckmuseum zeigen zu können, bevor sie im Musée des Arts décoratifs in Paris zu sehen sein werden, ist etwas ganz Besonderes«, betont Museumsleiterin Cornelie Holzach.

»Panther«-Schminketui, Email, Rubine, Perlmutt, Türkis, Onyx, Diamanten, Cartier, Paris, 1925, Aga-Khan-Sammlung

Die Sammlung nahm ihren Anfang, als Prinz Sadruddin seiner Frau an Heiligabend 1972 eine exquisite Zierdose von Cartier schenkte. Daraus erwuchs mit 116 Stücken die größte Einzelsammlung an Etuis und Uhren des Art déco. Sie stammen zumeist von Cartier, aber auch von Van Cleef & Arpels, Boucheron oder Bulgari und waren allesamt persönliche Gaben Sadruddins an seine Frau. Von der Motivik her sind sie Ausdruck des reichhaltigen Kulturaustauschs zwischen Ost und West. Lieblingsthemen des Prinzen waren Gärten, Blumen, die Jagd, und Tiere, vor allem Großkatzen. Ein herausragendes Beispiel ist das »Panther«-Schminketui von Cartier aus dem Jahr 1925. Es zeigt einen Panther vor einer Szenerie mit Zypressen, den vornehmlichen Bäumen persischer Miniaturlandschaften, gearbeitet in Email sowie mit Perlmutt, Rubinen, Türkis, Onyx und Diamanten. Der Panther war möglicherweise auch von den Zeichnungen Paul Jouve inspiriert, der Rudyard Kiplings Dschungelbuch illustriert hatte. Im Vergleich zu Schmuck boten Nécessaires und Etuis eine ideale Fläche für Neuinterpretationen solch exotischer Motive. Dieses Meisterwerk war auf der Exposition internationale des Arts décoratifs in Paris 1925 ausgestellt. Neben Zigaretten- und Schminketuis befinden sich auch Uhren in der Sammlung Aga Khan, die meisterhaft ausgeführte Werke mit extravaganten Gehäusen kombinieren. Unter dem Titel »Jeweled Splendors of the Art Deco Era. The Prince and Princess Sadruddin Aga Khan Collection« ist 2017 bei Thames & Hudson in New York ein prächtiger Band über die Sammlung erschienen.

Eröffnung Freitag, 4. Mai, 19 Uhr

Weitere Informationen unter www.schmuckmuseum.de

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