SOMMERLICHT

In der Ausstellung SOMMERLICHT stellt Schloss Achberg (14. April bis 21. Oktober 2018) mit Leo Putz und der Künstlergruppe „Scholle“ wichtige Vertreter der Malerei im frühen 20. Jahrhundert vor.

Leo Putz, Im Kahn, um 1911

Die bayerische Landeshauptstadt München ist um 1900 die Kunstmetropole Deutschlands. Ihr Kunstbetrieb ist geprägt von zwei gegensätzlichen Polen. Einem dominierenden, historisierenden Kunstverständnis an den Akademien einerseits und einer alle Lebensbereiche umfassenden Aufbruchsstimmung in der Künstlerschaft andererseits. In München wie in zahlreichen anderen europäischen Kunstzentren formieren sich künstlerische Strömungen, die gegen die offizielle Kunstpolitik rebellieren. Die Sezessionisten fordern nicht nur den Bruch mit den alten malerischen Konventionen, sondern sie lehnen sich auch gegen das streng reglementierte Ausstellungswesen auf.
In diesem Spannungsfeld bewegt sich Leo Putz (1869–1940), der bereits als 16-jähriger von Tirol in die bayerische Landeshauptstadt kam. Nach der Ausbildung, die ihn u.a. nach Paris an die Académie Julian führte, stellte der junge Künstler in der Münchener Secession aus, feierte erste Erfolge und verursachte mit seinen mitunter frivolen, provokanten Gemälden größere und kleinere Skandale.

Leo Putz, Morgensonne II, undatiert © Sammlung Unterberger

Putz trat 1903 der Künstlervereinigung Scholle (1899–1911) bei, die vier Jahre zuvor von befreundeten Künstlern mit dem Ziel gegründet worden war, neue, von konservativen Juroren unabhängige Ausstellungsmöglichkeiten zu erschließen. Die Scholle war eine Vereinigung ohne starres künstlerisches Statut. Gemeinsam war den 12 Mitgliedern eine vom Jugendstil und Impressionismus gleichermaßen beeinflusste naturalistische Kunstauffassung. Berühmt wurden sie insbesondere mit ihren Darstellungen von Frauen in der Natur, die durch die populäre Zeitschrift „Jugend“ weite Verbreitung fanden. In diesen Bildern entfaltet sich gerade bei Leo Putz das kraftvolle Farbenspiel und die verfeinerte Sinnlichkeit seiner Malerei zu größter Wirkung. Die Darstellungen von sommerlichen Bootspartien junger Frauen begleiteten Leo Putz über mehrere Jahrzehnte seines künstlerischen Schaffens. Diese Kahnbilder entstanden bei Ausflügen in das Münchener Umland, wie beispielsweise in der Parkanlage von Schloss Hartmannsberg am Chiemsee.

In der Ausstellung SOMMERLICHT werden rund 80 Gemälde, Zeichnungen und Grafiken aus der Sammlung des Unternehmers Siegfried Unterberger präsentiert – darunter zahlreiche Hauptwerke von Leo Putz sowie Arbeiten der weiteren Scholle-Mitglieder Gustav Bechler, Reinhold Max Eichler, Erich und Fritz Erler, Max Feldbauer, Walter Georgi, Adolf Höfer, Adolf Münzer, Walter Püttner, Franz Wilhelm Voigt und Robert Weise.

Zur Ausstellung gibt es einen reich illustrierter Katalog mit Beiträgen von Bettina Best und Anja Dittrich (18 Euro, ISBN: 978-3-944685-08-3). Darüber hinaus bieten kunsthistorische Vorträge und Führungen einen abwechslungsreichen Blick auf die Münchner Kunstszene um 1900. Kinder können mit dem Kinderkunstführer spielerisch auf Entdeckungsreise gehen. Höhepunkte im Ausstellungsbegleitprogramm sind zwei von renommierten Künstlern – Kathrin Landa und Andreas Scholz – angebotene Malkurse zu den Themen Akt und Stillleben. Viele Musik- und Kreativ-Workshops, Kinderkonzerte sowie das einwöchige KunstCamp stehen für Familien, Jugendliche und Kinder in der Achberg-Saison 2018 ebenfalls auf dem Programm.

Öffnungszeiten Schloss Achberg:
14. April – 21. Oktober 2018
Fr 14-18 Uhr, Sa/So/Feiertage 10-18 Uhr
außerhalb der Öffnungszeiten Führungen nach Vereinbarung

Adresse:
Schloss Achberg
88147 Achberg
Tel.: +49 (0)751 85 9510
info@schloss-achberg.de
www.schloss-achberg.de

Vorschaubild: Leo Putz, Dame in Blau, 1908 © Sammlung Unterberger

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