Daniel & Geo Fuchs –
Nature & Destruction

Das renommierte Künstlerpaar Daniel & Geo Fuchs zeigt in Stuttgart zum ersten Mal seine neue Werkgruppe Nature and Destruction, mit der sich die beiden bereits seit 2007 beschäftigen.
Die Künstler inszenieren hier großartige Naturschauplätze auf sehr besondere Weise, indem sie diese übersteigern und farblich verfremden. Ein Großteil der Bilder wurde mit einem speziellen, von der Nasa und Google für die Marsmission entwickelten Kamera-Roboter erstellt, der hunderte von Bildern zu einem zusammenfügt. Hieraus ergibt sich ein unglaublicher Detailreichtum, der den Blick des Betrachters intensiviert.

Die Opponenten – Ästhetik und Zerstörung – spielen dabei eine bedeutende Rolle: Die Natur, wie sie von Daniel & Geo Fuchs gesehen wird, ist eine vermeintlich perfekte Wiedergabe dessen, was der Mensch in sie hineininterpretiert bzw. sich von ihr erhofft – die Natur als Schönheit und als Geber aller Ressourcen und Kräfte. Gleichzeitig wird dem Betrachter jedoch bewusst, dass es die perfekte Natur nicht gibt, weil er mit der Zerstörung der Natur durch den Eingriff des Menschen konfrontiert wird.

Konzeption und Ästhetik als Gratwanderung zwischen Gegensätzen

Wer die Fotografien von Daniel & Geo Fuchs betrachtet, hat zunächst das Gefühl, das Motiv mit einem Blick erfasst zu haben. Doch intuitiv schleichen sich Zweifel ein. Bilddetails oder -arrangements verlangen nach einer intensiveren Betrachtung und die Frage drängt sich auf, was im Moment der Aufnahme tatsächlich bereits da war und was nicht. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein Arrangement aus fotografierten Miniaturen wie in der Werkserie Toygiants handelt oder um ein Bergmassiv wie hier in Nature and Destruction. Ganz gleich, ob die Aufnahmen in der Natur, in einem Archiv oder einem Studio entstanden sind, der Betrachter kommt nicht umhin zu erkennen, dass sich Realität und Fiktion vermischt haben müssen – je nachdem wie die jeweilige Werkserie angelegt ist, mehr oder weniger greifbar.
Ambivalenz ist folglich eine der zentralen Eigenschaften im Werk von Daniel & Geo Fuchs.
Die fotografische Konstruktion von Wirklichkeit, in der sich die Ebenen des Künstlichen und des Realen, des Inszenierten und des dokumentarisch Vorgefundenen mischen, bestimmt ihre künstlerische Intension. Kaum eine Werkserie, die nicht von den Antagonisten Tod und Ästhetik, Zerstörung und Schönheit, Zerfall und Perfektionismus leben würde.

Balance zwischen naturgetreuer Abbildung und Erfindung

Nature and Destruction zeigt zunächst Naturpanoramen, die sich auf den ersten Blick bruchlos in den historischen Kontext des 18. und 19. Jahrhunderts einordnen lassen. Auf den zweiten unterscheiden sie sich dann aber ganz erheblich. Stephan Berg konstatiert in dem zur Ausstellung erschienen Katalog: „Es ist das offensive Spiel mit der Künstlichkeit, das alle Bilder dieser Werkgruppe durchzieht. Was wir sehen, balanciert exakt auf der Grenze zwischen naturgetreuer Abbildung und Erfindung. Die atemberaubende Detailgenauigkeit, mit der sich jeder einzelne Fels-Grat und jedes Landschaftselement in den teilweise monumentalen, bis zu acht Meter großen Werken entfaltet und damit die Wirklichkeitsverhaftung der Szenen zu beglaubigen scheint, wird konterkariert durch eine Farbigkeit, die mit ihren Violett-, Petrol- und Orange-Tönen eine fast surreale Atmosphäre erzeugt.“ Und weiter: „Zudem scheinen auch die Motive selbst bisweilen von einer zunächst nur schwer erklärbaren Tendenz zur Verzerrung und anamorphotischen Dehnung befallen zu sein. Ist es wirklich denkbar, dass sich die Gipfel eines scharf-gratigen, in violettes Blau getauchten Gebirges tatsächlich so steil und nadelfein zulaufend aus ihren unauslotbaren Tiefen erheben? Und wo hört bei den rosa „blühenden“ Felsinseln, die sich aus einer blassblauen See erheben, die Spiegelung auf und beginnt der reale Stein?“

Die Unausweichlichkeit des Sehens produziert eine ungewohnt neue, ja befremdende Optik

Voraussetzung für die Kunst von Daniel & Geo Fuchs ist eine enorm intensive Auseinandersetzung mit dem jeweils gewählten Thema. Jede Produktion einer Werkserie beansprucht in der Regel mehrere Jahre für Recherche, Motivwahl, Materialsammlung und Testläufe.

Da die beiden bereits im Prozess des Produzierens ihrer Fotografie-Serien die jeweilige Form der Präsentation im Ausstellungsraum mitdenken, bevorzugen sie das Großformat, das aber kein von den Inhalten losgelöstes, äußerliches Attribut darstellt, sondern dem Betrachter ermöglicht, sich dem Detailreichtum einer jeden einzelnen Arbeit zu widmen.

Bis 2008 arbeiteten Daniel & Geo Fuchs mit Großformatkamera. Für Nature and Destruction nutzte das Künstlerpaar einen Kamera-Roboter, der von der Nasa und Google speziell für die Marsmission entwickelt wurde und der hunderte von Bildern zu einem zusammenfügt. Damit wird die Komposition des Bildes zu einem nicht mehr durchweg auktorial verantworteten, teilweise automatisierten Prozess. Die Künstler legen für ihr Motiv im Kameraroboter zunächst vier Eckpunkte fest und fahren diese ab, um den genauen Bildausschnitt zu definieren. Danach beginnt das Gerät selbsttätig mit der Aufnahme, die aus einem sequenziellen Abtasten des Bildausschnittes besteht, bei dem pro Motiv hunderte von Bildern im Laufe eines oft mehr als einstündigen Belichtungsverfahrens entstehen. Der Zusammenbau der vielfach überlagerten Bildsequenzen aus dem Kameraroboter geschieht dann mittels einer Software. Das so entstandene Bild wird seinerseits wiederum einem langen Nachbearbeitungsprozess am Computer unterzogen, bei dem zum Beispiel mittels spezieller Filter auch die farblichen Verfremdungen der Motive generiert werden. Die Langwierigkeit des Prozesses spiegelt in gewisser Weise noch die frühere Arbeit mit der Großbildkamera wider. Entscheidend ist aber ein ganz neuer Aspekt von Zeit und Zeitlichkeit. Durch die extrem langen Belichtungszeiten und die Sequenzialität des fotografischen Prozesses ist jedes Bild auch die Summe der Veränderungen, die sich beispielsweise durch wechselnde Lichtverhältnisse oder andere äußere Einflüsse während der Aufnahmezeit ergeben.

Künstlerische Vita
Das Künstlerehepaar Daniel (geb. 1966 in Alzenau) & Geo (geb. 1969 in Frankfurt a. M.) Fuchs lebt und arbeitet in Deutschland.
Seit 1992 arbeiten die beiden gemeinsam an konzeptionell angelegten Fotografie-Serien, darunter Conserving (1998), Famous Eyes (2000), STASI – secret rooms (2006), Toygiants (2006), Forces (2010), Nature and Destruction und – als jüngstes Projekt – The Halva Project (seit 2014).
Bis zum Jahr 2008 arbeiteten sie vorwiegend mit Großformatkamera, einer sehr zeitaufwendigen Technik, die in ihrer Herangehensweise und Umsetzung den Grundstein legte für den Duktus der späteren Arbeiten des Künstlerpaars. Seit 2009 experimentieren Daniel & Geo mit digitalen Techniken. Das Künstlerpaar hat sich im Laufe der Jahre, angetrieben durch eine grenzenlose Neugier, immer weiterentwickelt. Ihr Anspruch: Niemals bei Bewährtem verharren bzw. sich stets neu erfinden.
Die Fotografien von Daniel & Geo Fuchs waren neben Gruppenausstellungen bereits in zahlreichen Einzelausstellungen im In- und Ausland zu sehen: u. a. Haugar Vestfold Kunstmuseum Tonsberg (Norwegen), Pori Art Museum, Pori (Finnland); Kunsthalle Wien; Nikolaj Kunsthal, Kopenhagen; Fotografins Hus Stockholm; Museo de Bellas Artes Santander (Spanien); FOAM Fotografiemuseum Amsterdam; Fotografie Forum International, Frankfurt; Schirn Kunsthalle Frankfurt; Neue Gesellschaft für bildende Kunst, Berlin; Museum Villa Stuck, München; Städtische Galerie Wolfsburg.
Mehr über die Künstler: www.daniel-geo-fuchs.com

Anlässlich der Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem
Vorwort von Stephan Berg – Intendant / Direktor Kunstmuseum Bonn

Daniel & Geo Fuchs, Nature & Destruction, Hrsg. Galerie von Braunbehrens
ISBN: 978-3-932855-85-6

Daniel & Geo Fuchs
Nature & Destruction
Dauer der Ausstellung: 09. Juni bis 14.Juli 2018 / Eröffnung, am 08. Juni 2018 um 19 Uhr

Galerie von Braunbehrens
Rotebühlstraße 87
70178 Stuttgart
www.galerie-braunbehrens.de
Öffnungszeiten
Di – Fr 14 – 18 Uhr, Sa 11 – 16 Uhr u.n.V.

Über die Galerie
Die Galerie von Braunbehrens blickt auf eine 37-jährige Tradition der Kunstvermittlung zurück. Die 1978 von Rita von Braunbehrens in München gegründete Galerie wurde 1986 in zweiter Generation von ihrem Sohn Axel Zimmermann übernommen und weitergeführt, seit 2005 zusammen mit seiner Frau Jeannette Zimmermann. 2015 übernahm der Unternehmer und Kunstsammler Frank Molliné die Galerie von Braunbehrens in neuen Räumen in Stuttgart. 150 Einzel- und Themenausstellungen wurden seit der Gründung der Galerie realisiert. Zudem ist die Galerie regelmäßig auf bedeutenden nationalen und internationalen Kunstmessen präsent.
Kontinuierlich wird das Spektrum durch die Aufnahme junger Nachwuchstalente und neuer Tendenzen in der zeitgenössischen Kunst erweitert.

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