Am Württembergischen
Staatstheaterin Stuttgart»
bleibt alles anders«.

Alle drei Sparten starten zum ersten Mal in der Geschichte des traditionsreichen Hauses in eine neue Intendanz: für das Schauspiel verantwortet Burkhard C. Kosminski, für die Oper Viktor Schoner und das Ballett Tamas Detrich. Zudem wurde Cornelius Meister zum neuen Generalmusikdirektor berufen.
Das ist ein willkommener Anlass für eine spartenübergreifende Koproduktion. Das Herzstück dieser Inszenierung in der Regie von Anna-Sophie Mahlerbilden sind »Die sieben Todsünden« von Kurt Weill und Bertolt Brecht.

Die OPER stellt statt Antworten Fragen an den Beginn dieser neuen Intendanz: Ausgehend von »Lohengrins« verstörend absolutem Frageverbot über seine Herkunft (Inszenierung: Árpád Schilling) sollen mit den Neuproduktionen Fragen gestellt werden – philosophische, naive, persönliche. »Es ist der Versuch, die komplexen Zusammenhänge unserer Gegenwart mit der wunderbaren Kunstform Oper zu erforschen; der Versuch einer Differenzierung – auch als Reaktion auf vereinfachende Antworten«, so Viktor Schoner.

Viktor Schoner und Cornelius Meister (c) Matthias_Baus

Die Opernpremieren, davon ein Gastspiel, schlagen den Bogen von der Frühklassik bis ins Jahr 2018. Daneben stehen 17 Opern des Repertoires auf dem Spielplan.
Am Vorabend zu Allerheiligen, am 31. Oktober 2018, stellen Alain Platel und Fabrizio Cassol mit der zweiten Saison-Premiere »Requiem pour L.« die Frage: »Wohin gehst du?« In dieser musikalischen Überschreibung von Mozarts »Requiem« befragen 14 Musikerinnen und Musiker aus Afrika und Europa Mozarts Fragment gebliebenes letztes Opus aus einer globalen Perspektive.
Am Sonntag, 2. Dezember 2018 feiert Sergej Prokofjews »Die Liebe zu drei Orangen« in deutscher Sprache als Familienproduktion Premiere im Opernhaus: Axel Ranisch, der als Independent-Filmemacher, Tatort-, Löwenzahn-, Theater- und Opernregisseur arbeitet und gerade seinen ersten Roman veröffentlicht hat, wird das Werk als skurril-farbenfrohe Märchenoper in Szene setzen und damit die Frage stellen »Worüber lachst du?«.
Zwei Werke aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägen die Premieren im Frühjahr 2019: Generalmusikdirektor Cornelius Meister leitet am 17. März 2019, die Neuproduktion von Hans Werner Henzes »Der Prinz von Homburg« nach Heinrich von Kleists gleichnamigem Drama über Disziplin, Gehorsam und Träumerei. Die im Zeitalter von Fake News, der vermeintlichen medialen Falschinformation, zentrale Frage »Wem glaubst du?« steht im Zentrum der Premiere von John Adams’ »Nixon in China« am 7. April 2019; Regie: Marco Štorman.
Die inzwischen in Paris zum Kult avancierte Produktion von Christoph Willibald Glucks »Iphigénie en Tauride« in der Inszenierung von Krzysztof Warlikowski aus dem Jahr 2006 geht der Frage »Wem vergibst du?« nach. Sie feiert am 28. April 2019, als Übernahme von er Opéra national de Paris Premiere. Damit wird zum ersten Mal eine Opernarbeit des polnischen Regisseurs und seiner Ausstatterin Malgorzata Szczesniak in Stuttgart zu sehen sein. Stefano Montanari dirigiert und steht damit erstmals am Pult des Staatsorches-ters Stuttgart.
Am Ende des Premierenreigens dieser Spielzeit steht mit Arrigo Boitos »Mefistofele« am 16. Juni 2019 die Frage: »Was verlangst du?«. Die Neuproduktion mit der italienischen Sicht auf den deutschen Faust-Mythos inszeniert Àlex Ollé, Mitglied des katalanischen Theater-Kollektivs La Fura dels Baus.
Die Saison 2018/19 schließt mit drei außergewöhnlichen Produktionen aus dem Stuttgarter Opernrepertoire der vergangenen 20 Jahre: Calixto Bieitos Interpretation von Wagners »Der fliegende Holländer«, Kirill Serebrennikovs Sicht auf Richard Strauss‘ »Salome« und schließlich Bellinis »Norma« in der Regie von Jossi Wieler und Sergio Morabito aus dem Jahre 2002.
Darüber hinaus gibt es bei den Sinfoniekonzerten 2018/19 neben spannenden Dirigentendebüts auch Wiederbegegnungen mit einigen dem Stuttgarter Publikum bekannten Gastdirigenten Dennis Russell Davies, Marek Janowski und Daniele Rustioni. Zum ersten Mal gibt es in dieser Saison zusätzlich zu den etablierten Reihen zwei neue Konzertformate im Opernhaus: ein Filmkonzert sowie ein großes Familienkonzert.

Tamas Detrich (c) Roman Novitzky

Die erste Spielzeit von Tamas Detrich als Intendant des BALLETTS steht unter dem Motto »One of a Kind«. Zu Deutsch: einzigartig. Das Motto ist gleichzeitig der Titel eines abendfüllenden Stückes von Jirí Kylián, eines in jeglicher Hinsicht einzigartigen Künstlers, der im Jahr 1968 – also vor genau 50 Jahren – seine Weltkarriere in Stuttgart startete.
Die Spielzeit beginnt ganz puristisch mit dem Ballett-abend »Shades of white«: drei Werke – ein jedes in weiß gekleidet – die verschiedene Facetten des klassischen Balletts zelebrieren. Neu im Repertoire ist »Das Königreich der Schatten« aus La Bayadère, eine der erlesensten Szenen, die der Ballettkanon zu bieten hat, choreographiert von Marius Petipa – dem Vater des klassischen Balletts. Umrahmt wird dieses Juwel von John Crankos geistreichem »Konzert für Flöte und Harfe« und George Balanchines funkelnder »Sinfonie in C«.
Außerdem hat sich Theaterlegende Jürgen Rose bereiterklärt, nach 30 Jahren wieder ein Ballett auszustatten – und zwar eines von Kenneth MacMillans fesselndsten, aufwühlendsten Stücken, das die letzten, verzweifelten Tage im Leben des Habsburger Kronprinzen Rudolf schildert: »Mayerling«. Das Werk ist ein Unikat im Kanon der Handlungsballette des 20. Jahrhunderts.
Im Jahr 2019 wird mit dem Ballettabend »Aufbruch!« das 100. Jubiläum der Weimarer Verfassung sowie der Gründung des Staatlichen Bauhauses in Weimar begangen. Drei sehr unterschiedliche Choreographen brechen auf, um diesen beiden Ereignissen zu begegnen: Katarzyna Kozielska, Nanine Linning und Edward Clug.
Am Ende der Spielzeit steht ein Stück von einem weiteren »One of a Kind«-Künstler auf dem Programm: Akram Khan, dessen Fusion von indischem Kathak mit zeitgenössischem Tanz ihn zu einer der originellsten Stimmen der Tanzwelt gemacht hat. Sein »Kaash« kommt gemeinsam mit einer weiteren Erstaufführung – Johan Ingers »Out of Breath« – und der Wiederaufnahme von Itzik Galilis »Hikarizzato« auf die Bühne. Außerdem steht das 40. Jubiläum von John Neumeiers »Die Kameliendame« an. Selbstverständlich werden außerdem weitere Werke von John Cranko getanzt, allen voran »Romeo und Julia« hier in Stuttgart sowie sein »Schwanensee« und »Onegin« während eines großen Gastspiels in Japan.

Spielzeiteröffnungsfest 2018/19
Auf dem Bild
Burkhard C. Kosminski
Foto: Björn Klein

Unter dem Leitmotiv »Warum denn nicht warum« möchte Burkhard C. Kosminski das SCHAUSPIEL Stuttgart als eine Plattform für Fragen und konstruktiven Dialog etablieren, wobei ihm drei große Themenkomplexe besonders am Herzen liegen: Stuttgart als eine moderne Stadt, anhand derer man Utopien zukunftsorientierter und nachhaltiger Stadtentwicklung entwerfen und diskutieren kann.
Stuttgart als eine internationale Stadt und das Schauspiel als Denk- und Begegnungsraum für internationale Perspektiven und Identitätskonstruktionen.
Und das Schauspiel Stuttgart als Ort für Literaturtheater, mit einem besonderen Fokus auf dem zeitgenössischen Autorentheater.
Zeitgenössische Autoren und Autorinnen werden für das Schauspiel und das Stuttgarter Ensemble neue Stücke schreiben und dabei ihre Sicht auf unsere Gegenwart reflektieren und zur Diskussion stellen. In dieser Spielzeit sind dies Texte von Wajdi Mouawad, Clemens J. Setz, Nis-Momme Stockmann (in Zusammenarbeit mit den Frankfurter Positionen) und Roland Schimmelpfennig. Außerdem werden Texte von Theresia Walser, Elfriede Jelinek und Simon Stephens zu sehen sein.
Das umfangreiche Programm 2018/2019 umfasst insgesamt 24 Produktionen, darunter sechs Uraufführungen und deutschsprachige Erstaufführungen, eine spartenübergreifende Produktion mit Oper und Ballett sowie drei Koproduktionen, u.a. mit dem renommierten Schweizer Theatermacher Milo Rau. Diskursive Formate mit Partnern wie der Robert-Bosch-Stiftung und dem SWR sowie zahlreiche Extraveranstaltungen und theaterpädagogische Angebote runden das Programm ab. Eröffnet wird die neue Spielzeit mit einem doppelten Premierenwochenende am 16./17./18. Und 23./24./25.November und einer begehbaren Stadtraum-Installation des Künstlers Tobias Rehberger.
Neben dem Schauspielhaus wird das Kammertheater zukünftig der zweite zentrale Spielort des Schauspiels sein.

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