Das Badische Staatstheater Karlsruhe
feiert sein 300-jähriges Jubiläum unter dem Motto »von Zukunft«

Das Staatstheater feiert seine Tradition und blickt mit seinen Sparten – Oper, Ballett, Schauspiel und Volkstheater – in eine sehr weibliche Zukunft. Nicole Braunger (Oper), Anna Bergmann (Schauspiel) und Stefanie Heiner (Volkstheater) sorgen in der Spielzeit 2018/2019 als neue Intendantinnen neben Birgitt Keil (Ballett) für frischen Wind.
Die erste Saisonpremiere der OPER setzt sich mit Traditionen und Überlieferungen auseinander. Die Regisseurin Verena Stoiber geht in Webers »Der Freischütz« (13.10.18) der Frage nach, ob ein streng überliefertes Regelwerk dabei hilft, die Zukunft zu meistern, und gewann mit ihrer spannenden Lesart der Geschichte bereits den wichtigsten Regiepreis für junge Opernregisseure, den Ring Award 2014. Das Cleveland Orchestra bringt eine familienfreundliche Version von Leoš Janáčeks »Das schlaue Füchslein« (16.12.18) auf die Opernbühne der Stadt. Der junge Regisseur Yuval Sharon, der 2018 sein Bayreuth-Debüt geben wird, setzt dabei auf eine neuartige Videoästhetik. Gemeinsam mit den Opernhäusern in San Francisco und Prag wurde eine Inszenierung der Oper »Elektra« von Richard Strauss entwickelt, die der in Karlsruhe durch seine Regiearbeiten bestens bekannte Keith Warner in Szene gesetzt hat (26.01.19). Die mythologischen, archaischen Figuren der Oper begegnen in einem Museum ihrer eigenen Geschichte und geraten in deren traumatischen Sog. Um der hohen Qualität des Karlsruher Sängerensembles Rechnung zu tragen, wird mit der Belcanto-Oper »Roberto Devereux« von Donizetti der Untergang des Hauses Tudor besungen (23.03.19). Realität oder Fiktion? Für den Dichter Hoffmann in Jacques Offenbachs »Hoffmanns Erzählungen« eine nicht immer leicht zu beantwortende Frage (08.06.19). Floris Visser wird sich damit auseinandersetzen. Offenbachs Oper bringt die gesamte musikalische Tradition des 19. Jahrhunderts zum Erklingen und vereint verschiedene musikalische Stile zu einem musikalischen Ganzen. Debussys märchenhafte Oper »Pelléas et Mélisand« in der Inszenierung von Benjamin Lazar feiert zum Ende der Spielzeit ihre Premiere (29.6.19).
Michael Fichtenholz, der bisherige Intendant des Hauses, wird 2019 als Künstlerischer Leiter die 42. Internationalen Händel-Festspiele verantworten. Im Mittelpunkt steht die Neuinszenierung von »Serse« (15.2.19) durch Max Emanuel Cencic. Damit Karlsruhe auch weiterhin ein Ort bleibt, an dem man junge Künstler und Künstlerinnen entdecken kann, wird der Internationale Gesangswettbewerb für Wagnerstimmen zu Gast sein.
Im BALLETT beginnt die traditionelle Rückschau mit dem Klassiker der Ballettgeschichte überhaupt: »Schwanensee« in einer überraschenden und zukunftsweisenden Neuinterpretation von Christopher Wheeldon, einem der weltweit führenden Choreographen der jungen Generation und einem Meister des klassischen Stils. Spätestens mit der Uraufführung im Frühjahr 2019 fängt die Zukunft an: Als Jubiläumsbeitrag und Geburtstagsgeschenk wird Thiago Bordin, ehemaliger Erster Solist des Hamburg Balletts und des Nederland Dans Theaters, mit »Kreation« zu einer choreographischen Reise aufbrechen, um mit der Compagnie sein erstes abendfüllendes Ballett für Karlsruhe zu erarbeiten. Auch das vielfältige Repertoire eröffnet immer wieder Möglichkeiten, durch verschiedene Zeiten zu wandeln. Es reicht von Youri Vámos’ höchst vergnüglicher Shakespeare-Adaption »Ein Sommernachtstraum« über Sir Kenneth MacMillans ergreifendes Meisterwerk »Romeo und Julia« und Germinal Casados opulentes Tanzfest Carmina Burana« bis hin zu Jirí Bubeníceks Kreation »Rusalka« als berührendem Ballettmärchen für die ganze Familie. Fehlen darf selbstverständlich nicht die kompakte Leistungsschau des Staatsballetts in der 12. Karlsruher Ballettwoche mit der international und hochkarätig besetzten Ballett Gala als ihrem fulminanten Abschluss. Im Rahmen des Theaterfestes und zu weiteren ausgesuchten Terminen besteht zudem die Möglichkeit, die Compagnie bei öffentlichem Training und öffentlichen Proben sowie bei Autogrammstunden im Foyer zu erleben.
Da die Zukunft am Staatstheater derzeit weiblich zu sein scheint, ist Female-Power im SCHAUSPIEL ein großes Thema. Gleich zum Auftakt im September wurden die Kämpfe von drei starken Frauen zu einem Familienepos verwoben: »Nora, Hedda und ihre Schwestern« nach Henrik Ipsen. Am Schicksal dieser Frauen, deren Leben parallel erzählt wird, werden gestrige und heutige Geschlechterrollen in Hinblick auf neue und zukünftige Visionen und Möglichkeitsräume des Zusammenlebens überprüft und hinterfragt. Die nächsten Termin folgen im Oktober und November. Pünktlich zum Ingmar-Bergman-Jubiläum feiert die Erfolgsinszenierung des Beziehungskrimis »Szenen einer Ehe« in Karlsruher Premiere (27.10.18) – und lädt ein, eine Inszenierung in sonst nicht zugänglichen Räumen des Staatstheaters zu erleben. Es folgt das neue Stück der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek: »Am Königsweg« (24.11.18) beschreibt gegenwärtige und zukünftige Macht- und Geschlechterverhältnisse. Zum ersten Mal in Deutschland inszeniert die slovakische Künstlerin Sláva Daubnerová, oszillierend zwischen Schauspiel, Performance, Installation und neuen Medien. In William Shakespeares »Viel Lärm um nichts« (31.01.19) liefern Beatrice und Benedict, sich rhetorisch duellierend, einen frühen komödiantischen Kommentar zum Kampf der Geschlechter. Ihr Karlsruher Regiedebüt gibt die britische Regisseurin Lily Sykes, die für ihre »radikale, fordernde und doppelbödige Theatersprache« gefeiert wurde. Die Regisseurin Lilja Rupprecht inszeniert »Iphigenie« nach Euripides und Johann Wolfgang Goethe (26.05.19): Unbeirrt und geradlinig, rebellisch und diplomatisch zugleich, setzt die antike Heldin in einer von Männern dominierten Welt einen tiefgreifenden menschlichen und kulturellen Wandel in Gang.

Ebenfalls im Spielplan 2018/19 – Szene aus „Götterdämmerung“ von Richard Wagner, Foto: Matthias Baus Beschreibung: Katharine Tier (Waltraute, 1. Norn, Flosshilde), Dilara Baştar (2. Norn, Wellgunde), An de Ridder (3. Norn) © Badisches Staatstheater

Viele weitere Premieren stehen an und außerdem arbeitet das Schauspiel an einem Abend zum Thema »Neurechte Frauen«.
In der Produktion »Probeliegen« (08.02.19) stellt sich die neue Intendantin der noch relativ jungen Sparte VOLKSTHEATER Stefanie Heiner als Regisseurin vor und lädt drei Generationen ein, sich mit einem auf den ersten Blick eher unangenehmen Teil der Zukunft zu beschäftigen – dem Tod. Einen Blick in die vergangene aber auch die gegenwärtige Rolle der Frau in der Musik wagt die Produktion »Ladies First« (03.03.19) und lädt gesangsfreudige junge Frauen aus Karlsruhe und Umgebung zu einem gemeinsamen musikalischen Abend mit den Damen des Staatsopernchors und Viola Müller vom Jungen Staatstheater ein. 51 Frauen machen sich selbst zum Programm und beziehen Stellung zur vielschichtigen und oft auch klischeehaften Darstellung der Frau.
Mit »Das Dorf« (03.05.19) findet die zweijährige Kooperation zwischen dem Künstlerduo Herbordt/Mohren und dem Staatstheater ihren Abschluss, indem nun das Theater selbst inszeniert wird. In Führungen, Audiowalks, Raum- und Videoinstallationen wird das Publikum zum Zeugen, wie sich ein Dorf immer wieder neu erfindet und eine fiktive Institution das Theater besetzt.

Und bitte merken! An fünf Terminen in der Spielzeit bittet das Theater Karlsruhe mit einem neuen Format »Picknick auf Parkett« zum Picknick ins Foyer des Theaters, um bei leckerem Essen und Getränken neue und altbekannte Menschen kennenzulernen und über Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges ins Gespräch zu kommen.

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