Enrico Bach – Franziska Holstein – Ayan Farah

Derzeit widmet sich das KUNSTWERK in Eberdingen-Nussdorf der abstrakten Malerei: Im Fokus stehen nun Werke einer noch jungen Künstlergeneration. Enrico Bach, Franziska Holstein und Ayan Farah haben ihr Studium im letzten Jahrzehnt abgeschlossen und sich bereits international mit individuellen Werkkonzeptionen profiliert. Die Entwicklung von Holstein und Bach begleiten Alison und Peter W. Klein seit mehreren Jahren. Während sie schon zu den Protagonisten der Sammlung gehören, stellt die Hängung #19 im KUNSTWERK mit den Arbeiten von Ayan Farah eine Neuentdeckung des Unternehmerpaares vor.

Franziska Holstein, o.T. (45), 2018, je 42×29,7cm

Franziska Holstein (Jg. 1978) lebt in Leipzig und hat dort an der Hochschule für Grafik und Buchkunst studiert. Bereits in ihrer Zeit als Meisterschülerin von Neo Rauch hat ihr Weg von gegenständlichen zu abstrakten Bildern geführt. Ihre gesamte bisherige Entwicklung ist im Bestand der Sammlung Klein in exemplarischer Weise repräsentiert. Dennoch setzt die Werkauswahl der Ausstellung bewusst erst mit dem Gemälde „o.T. (M4,12)“ ein und konzentriert sich auf Malerei, Collagen und druckgrafische Werke der jüngeren Zeit. In allen vorgestellten Arbeiten zeichnet sich der Vorgang des mehrfachen Be- und Überarbeitens als Prinzip ihrer künstlerischen Auseinandersetzung ab. Langfristige Arbeitsprozesse zeichnen sich in der dicken Malschicht der Bilder oder in umfangreichen Serien ab, für die Franziska Holstein den künstlerischen Handlungsrahmen und im weiteren Verlauf die Regeln des Vorgehens selbst festlegt. Ihre systematische Arbeitsweise äußert sich nicht zuletzt in neuen Farbfeld-Installationen aus Karton, die sich in kombinatorischer Gesetzmäßigkeit in der Fläche ausbreiten oder – wie erstmals im KUNSTWERK auf Ebene 2 – dreidimensional in den Raum gehen.

Installationsansichtl, Enrico Bach, Foto: Kunstwerk Nussdorf

Enrico Bach (Jg. 1980) lebt in Karlsruhe. Das Studium an der dortigen Akademie der Bildenden Künste hat er 2011 als Meisterschüler von Prof. Gustav Kluge abgeschlossen. Seine Malerei findet nicht nur bundesweit Beachtung, sondern in den letzten Jahren – mit Ausstellungen in Peking, Shanghai und Guangzhou – auch in den Metropolen Chinas. Im KUNSTWERK stellt er Arbeiten aus drei Bildserien vor, die im Zeitraum des letzten Jahres entstanden sind. In seinen großformatigen Gemälden verbinden sich die widersprüchlichen Aspekte von Fläche und Raum. Meist geometrisch, teils gestisch strukturierte Farbfelder überschneiden sich, erscheinen in unterschiedlicher Ausrichtung hintereinander gestaffelt und erzeugen so eine räumliche Illusion. Die Raum- und Lichtwerte der Farbe sowie die scheinbar greifbare Materialität der Farbreliefs verdichten das bildräumliche Geschehen in seinen malerischen Flächen weiter.
Enrico Bach und Franziska Holstein, die sich seit einer gemeinsamen Ausstellung 2015 in Berlin kennen, arbeiten nun erneut zusammen. Für das KUNSTWERK haben sie ein Präsentationskonzept erarbeitet, in dem sich Arbeiten beider Künstler im Erdgeschoss sowie auf den Ebenen 1 und 2 begegnen. Demgegenüber erhält die Ausstellung mit Werken von Ayan Farah auf Ebene 3 den Charakter einer Soloshow.

Ayan Farah entwirft ihre künstlerische Konzeption aus dem eigenen biografischen Weg. Geboren als Kind somalischer Eltern in den Vereinigten Arabischen Emiraten, ist sie in Schweden aufgewachsen und hat ihr Studium in London 2013 an der Royal Academy of Art abgeschlossen. Seither lebt sie in London und Berlin. In ihrer künstlerischen Arbeit verwendet sie Mineralien, Pflanzen und Erden, die sie selbst weltweit auf ihren Projekt-Reisen sammelt. Mit den natürlichen Substanzen färbt sie teils historische Tücher ein und versieht die Betitelung der Werke mit genauen Detailangaben, so dass die Materialien erkennbar bleiben. Rechteckige oder streifenförmige Teilstücke der gefärbten Stoffe lassen zusammengenäht Bilder entstehen, die in übernationaler Dimension unterschiedlichste lokale Bezüge vereinen. In ihren bildnerischen Arbeitsprozessen greift Ayan Farah Techniken aus der afrikanischen kunsthandwerklichen Tradition auf und verbindet sie mit Elementen westlicher abstrakter Kunst.

Installationsansicht Ayan Farah, Foto: Kunstwerk Nussdorf

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der KUNSTWERK erhältlich ist. Darin geben Texte von Kirsten Voigt aus Karlsruhe, Kito Nedo aus Berlin und Alex Bacon aus New York tiefere Einblicke in die Werkkonzeptionen der drei Künstler.

Dauer: 8. Juli bis 21. Dezember 2018

Weitere Info: KUNSTWERK – Sammlung Klein, Siemensstraße 40, 71735 Eberdingen-Nussdorf, Tel. 0 704 2 – 37 69 566
www.sammlung-klein.de

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Freitag und Sonntag 11 bis 17 Uhr
Eintritt frei

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