Das Theater Konstanz stolpert ins Glück

»Vom Glück des Stolperns«, so lautet das Motto der neuen Spielzeit in Konstanz.
Das Leben ist eine Mischung aus Fortschritten und Niederlagen, aus Stürzen und erneutem Aufstehen. »Konfuzius sagt: Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel. Es sind also die kleinen Dinge, die große Wirkung erzeugen, die unseren Lebensfluss, die den Gang der Dinge, unser zielgerichtetes Streben für einen Moment unterbrechen. Auch wenn wir nach dem Stolpern darniederliegen, für einen Bruchteil peinlich berührt sind, ob des kurzen Kontrollverlustes, so beinhaltet es die Chance, innezuhalten, den Blickwinkel zu ändern, zu relativieren«, heißt es im Programmheft 2018/2019. Und weiter: »Im Kern impliziert der Stolpervorgang also immer den Moment des Neuen, des Unvorhergesehenen — und eben das ist ein zentrales Bindeglied des Lebens und des Theaters. Im besten Falle verhindert ein Stolpern sogar das Hinfallen. Bereits Goethe wusste: Durch Stolpern kommt man bisweilen weiter — man muss nur nicht fallen und liegenbleiben.«
Der Spielplan 2018/19 ist denn auch voller Stolpervorgänge, zeugt von Menschen, die fallen, wieder aufstehen, aber eben auch liegenbleiben. Gespielt bzw. gesungen werden u.a. »Betrogen«, ein Schauspiel von Harold Pinter (19.10.18); »Der Reichsbürger«, Monolog von Annalena und Konstantin Küspert (27.10.18); »Heute Nacht oder nie«, Revue mit Musik von Mischa Spoliansky (23.11.18); »Draußen vor der Tür«, Heimkehrerdrama von Wolfgang Borchert (18.1.19); Das Schauspiel »Momentum« von Lot Vekemans (15.2.19); »Der brave Soldat Schweijk«, Schauspiel nach dem Schelmenroman von Jaroslav Hašek (15.3.2019); das Musical »Cabaret« (12.4.19) und »Die Hauptstadt«, ein Schauspiel nach dem Roman von Robert Menasse (17.5.19). Mit »Meer«, einem Schauspiel von Jon Fosse, erlebt Konstanz eine deutsche Erstaufführung (11.5.19) und mit »Gerron«, Figurentheater und Schauspiel nach dem Roman von Charles Lewinsky eine Uraufführung (2.2.19).

Premieren am Theater Konstanz – Spielzeit 2018/2019
Dezember 2018 bis April 2019

Das Naturrecht des Clowns ist es, eine Ordnung der Hölle zu finden, in der jeder Augenblick ein Wunder ist. Eben das erzählt die mit Andreas Giebel und Brigitte Hobmeier verfilmte Komödie „Wer hat Angst vorm weißen Mann“ von Dominique Lorenz, nach dessen Drehbuch das Stück auf die Konstanzer Bühne kommt. Die moderne Märchenerzählung ist Volkstheater in der Tradition von Nestroy oder Raimund, Karl Valentin oder Molière, sprachmächtig und sprachwitzig, krachledern und feinsinnig – ein verstecktes Sozialdrama, eine Studie in Toleranz und Menschenwürde, die ex negativo Gutes zeigt: irgendwo zwischen Weißwurst und Schwarzarbeit. Regie führt Daniel Grünauer.
Premiere: 8.12.18 in der Spiegelhalle des Theater Konstanz

Mark Zurmühle inszeniert „Geh’n mer Tauben vergiften im Park“, ein Abend mit Liedern von Georg Kreisler und anderen Wiener Lyrikern und Chansonniers. Ein Bouquet von Reimen aus Träumen, Zärtlichkeit und Einsamkeit – gepaart mit Anarchismus, nachtschwarzem, bitteren Humor und Eigensinn. Kreisler, der als Jude in Wien geboren ist, debütierte musikalisch in Hollywood mit Charlie Chaplin, mit seinem Humor konnte jedoch weder der US-amerikanische Plattenmarkt, noch die Kulturschaffenden in Wien nach seiner Rückkehr viel anfangen. Seine Texte sind bissig, trotzig und verspielt – Unterhaltung, Zeitdokument und in ihrer politischen Grundhaltung dabei so aktuell wie eh und je.
Premiere: 31.12.18 in der Werkstatt des Theater Konstanz

Das Heimkehrerdrama von Wolfgang Borchert „Draußen vor der Tür“ wird von Mareike Mikat inszeniert. Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will. So beschreibt Autor Wolfgang Borchert selbst sein einziges, innerhalb von nur acht Tagen niedergeschriebenes Stück Vergangenheitsbewältigung. Soldat Beckmann war zu lange weg. Nach tausend Nächten draußen in der Kälte kommt er endlich nach Hause. Aber nichts ist mehr, wie es einmal war. Beckmann ist eine weit über die geschichtliche Verortung hinausweisende, moderne Figur, die, von der Welt vollkommen entfremdet, an der zerstörerischen Macht des Krieges scheitert. Er bleibt stecken: draußen vor der Tür – zwischen Leben und Tod, zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Premiere: 18.1.19 im Stadttheater Konstanz

Annette Gleichmann inszeniert „Gerron“ nach dem Roman von Charles Lewinsky und in der Bühnenfassung von Annette Gleichmann als Figurentheater und Schauspiel. Die Geschichte des jüdischen Schauspielers und Regisseurs Kurt Gerron, der in der Hölle sitzt und vom Paradies erzählen soll, wird mit Schauspieler*Innen und Puppen neu belebt. Charles Lewinsky zeichnet ein düsteres weitgehend auf Tatsachen beruhendes Porträt des jüdischen Schauspielers und Regisseurs Gerron. Denn inmitten dieser Hölle, die zum täglichen Überlebenskampf wird, stellt sich die Frage der Moral, die zum kräftezehrenden Kampf mit sich selbst führt.
Uraufführung: 2.2.19 in der Werkstatt des Theater Konstanz

Im Stadttheater gelangt im Februar 2019 Momentum von Lot Vekemans zur Aufführung. Wenn man beginnt, über seine eigene Vergangenheit zu stolpern, wird es Zeit, Entscheidungen zu treffen. Ist die politische Macht es wert, Privates zu opfern? Die niederländische Autorin beschreibt in ihrem Drama in gewohnt eindringlicher Weise ein intensives Beziehungsgeflecht, in dem Politisches und Privates nicht voneinander trennbar ist. Machterhalt und Liebe werden gegeneinander ausgespielt, während die jüngere Generation sich abwendet.
Premiere: 15.2.19 im Stadttheater Konstanz

Sapir Heller inszeniert Der brave Soldat Schweijk nach dem Schelmenroman von Jaroslav Hašek, 1921 als Groschenheft veröffentlicht. Im Spiegel aktueller Kriegsszenarien erscheint dieser skurrile Antiheld als ein ersehnter Zeitgenosse, der die Verhältnisse mit geschwätziger Lebensbejahung und provozierendem Schwachsinn in Frage stellt. Schweijk lässt Militärchargen und Kriegsbürokraten im Feuerwerk seines bizarren Widerspruchsgeistes tanzen und reißt die nationale Hierarchie der österreich-ungarischen Vielvölkerarmee lachend nieder. Er treibt sein wildes Spiel mit einer zwischen Lethargie und Chaos zerrissenen Welt, die den Einzelnen zu einer Nummer und die Menschenseele überflüssig werden lässt.
Premiere: 15.3.19 im Stadttheater Konstanz

In Das finstere Tal, Schauspiel nach dem Roman von Thomas Willmann, führt Antje Thoms Regie. Der Roman Das finstere Tal kombiniert das Genre des alpenländischen Heimatdramas mit Elementen des Italowestern. Ein grandioses, atmosphärisch dichtes Western-Psycho-Thriller-Drama über Rache, Gerechtigkeit, Tod und Liebe, das in einem spektakulären Showdown gipfelt. Das alpenländische Idyll trügt. Der Dorfgemeinschaft lastet eine bedrückende Schwere an. Der Brenner Bauer und seine sechs Söhne bestimmen auf unerklärlicher Weise das gesamte Dorfgeschehen. Die Brennersche Alleinherrschaft aus Patriachat und Willkür wird als unabänderlich hingenommen. Doch plötzlich schreckt ein tragischer Unfall den eintönigen und beschwerlichen Alltag auf.
Premiere: 29.3.19 in der Spiegelhalle des Theater Konstanz

Beim Musical „Cabaret“ von John Kander führt Rosamund Gilmore Regie, die Musikalische Leitung obliegt Tobias Schwencke. Wie keine andere Zeit stehen die wilden Zwanziger für ein Leben im Moment, ein Reich des Möglichen, die Magie des Aufbruchs. Immer dabei auch die Fratze der Armut, des Hasses, der Restriktion. Cabaret ist ein musikalischer Bilderbogen Berlins am Ende einer Epoche, der vom zwielichtigen Nachtclub-Conferencier bis zur Pensionswirtin, vom Tingel-Tangel-Star bis zum jüdischen Gemüsehändler reicht.
Die englische Choreografin und Regisseurin Rosamund Gilmore stellt sich mit dieser Musiktheaterarbeit am Theater Konstanz vor. Sie studierte in Camberley und Stuttgart Tanz ehe sie als Tänzerin in Augsburg, Kassel und Bonn arbeitete. Seit 1990 ist Gilmore als Opernregisseurin an zahlreichen namhaften Theatern tätig.
Premiere: 12.4.19 im Stadttheater Konstanz

Mehr Infos: www.theaterkonstanz.de

Foto: Szene aus „Lebenshunger – Lust for Life“, Choreographie und Regie Wies Merkx, Foto: Bjørn Jansen © Theater Konstanz

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