ECLAT Festival
neue Musik Stuttgart

„Alles wird auf den Prüfstand gestellt: die Konzertformate, die Räume, die Medien, künstlerische Ikonen, das Klavier, das Publikum. Aber auch unser Wirtschaftssystem“, sagt die künstlerische Leiterin von ECLAT Festival Neue Musik Stuttgart, Christine Fischer. Und weiter: „In der Zeit vom 6. bis 10. Februar 2019 wird in allen Sälen vom Theaterhaus Stuttgart zu erleben sein, welche Querverbindungen in alle Gesellschaftsbereiche hinein heute von der Musik hergestellt werden. Denn die 26 Komponistinnen und 24 Komponisten, die zu ECLAT 2019 eingeladen sind, arbeiten ausgeprägt interdisziplinär, d.h. sie bedienen sich intensiver denn je der „sprachlichen“ Charakteristika anderer Künste und rufen auf zum künstlerischen wie gesellschaftlichen Perspektivenwechsel. Nicht zuletzt steht hinter jedem dieser Werke – darunter 37 Uraufführungen – ein Narrativ, ein Experiment, eine Sehnsucht, eine Utopie, eine riskante Idee. Wir sind gespannt auf einen außergewöhnlich großen Querschnitt von zeitgenössischer Musik-Kunst.“

Klangforum Wien, Foto: Lukas Beck

Eröffnet wird das Festival vom Klangforum Wien mit dem Preisträgerkonzert zum 63. Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart. Einer Ouvertüre gleich steht dieses Konzertprogramm exemplarisch für das, was in ECLAT 2019 wichtig ist, sei es die politische Position, die Mirela Ivičević in Case Black einnimmt, die Klang-Ausleuchtung, die der junge Augustin Braud in seinem Kontrabasskonzert zelebriert, oder das Hör-Theater, das sich in den beiden sehr unterschiedlichen Werken der Kompositionspreisträger Ondřej Adámek und Ole Hübner aus der Musikalität von Sprache entspinnt.
6.2. 20:00

Mit seinem Projekt Happiness Machine – 3 Stunden Glück mit dem Klangforum Wien bringt das Ensemble ein ebenso brisantes wie hochaktuelles Thema ins Festival ein: Zehn Animationsfilmerinnen und 10 Komponistinnen nehmen künstlerisch Stellung zu der Idee der Gemeinwohl-Ökonomie des österreichischen Autors und Polit-Aktivisten Christian Felber. In der Inszenierung der Werke schaffen Musiker*innen und Mitarbeiter*innen des Klangforum Wien durch persönliche Testimonials „Raum für das Nachdenken und die Diskussion über eine (menschen)gerechtere Wirtschaftsordnung als es jene ist, deren Kollateralschaden gerade die Polkappen abschmelzen lässt.“ Den Epilog gestaltet die Trägerin des Ernst von Siemens Musikpreises 2019, Rebecca Saunders.
8.2. 19:00

„3 Stunden Empathie mit den Neuen Vocalsolisten“ könnte man deren experimentelles Projekt CIRCLES – Gemeinschaft zwischen Spiel und existentieller Erfahrung überschreiben. Ricardo Eizirik, Alessandro Bosetti, Antje Vowinckel, Huihui Cheng, Hannes Seidl, Martin Schüttler sowie Alexander Schubert stellen Ensemble und Publikum in immer neuen Konstellationen einander gegenüber und erfinden dafür diskursive, partizipative oder auch pur konzertante Situationen, „zeichnen“ Bilder von Spiel- oder Gesprächsrunden, von Hausmusik oder Gruppentherapie. Ein großes musikalisches Plädoyer für das Zuhören und für gegenseitige Aufmerksamkeit.
7.2. 19:30 und 8.2. 15:30

Ebenfalls mit den Neuen Vocalsolisten werden die sogenannten Privatopern weiterentwickelt, die im Juni 2018 in Kooperation mit der Münchener Biennale entstanden und dort uraufgeführt worden sind. Der Countertenor Daniel Gloger gewährt einen Einblick in sein selbstoptimiertes Künstler-Dasein (Up close and personal, 8.2. 17:00 und 22:00). Clara Iannotta verfeinert ihr Konstrukt einer hermetisch abgeschotteten Welt, aufgeladen mit subtilen Klängen (skull ark, upturned with no mast, 8.2. 22:00). Und Saskia Bladt evoziert in ihrer „Musik in Szenen“ unter dem Titel terra nera einen mittelalterlichen Grals-Mythos.
10.2. 14:30

Und auch das SWR Vokalensemble ist zweimal im Festival zu hören: Zusammen mit dem Raschèr Saxophone Quartet und dem Badischen Jugendchor widmet es sich in Werken von Michael Pelzel, Bernhard Gander und Christian Wolff dem poetischen Thema „Hexen, Elfen und Menschen“. 9.2. 18:00
Darüber hinaus ist das SWR Vokalensemble in das Abschlusskonzert des SWR Symphonieorchesters eingebunden mit Werken von Vykintas Baltakas, Christian Winther Christensen und Vito Žuraj. Für dessen das Festival abschließendes Werk Der Verwandler wurden eigens von der Porzellanmanufaktur Meissen Porzellanglocken hergestellt.
Beide Konzerte bringt der SWR im Rahmen seiner Reihe JetztMusik ins Festival ein.
10.2. 18:30

Einen sehr besonderen, fast nostalgisch anmutenden Liederabend bringt die Oslo Sinfonietta mit Eivind Buenes Schubert Lounge zur Uraufführung. Franz Schubert wird hier als „Singer-Songwriter“ imaginiert. Seine Lieder werden zur Projektionsfläche eines einzigartigen Encounters von drei denkbar unterschiedlichen Gesangspersönlichkeiten: dem Liedbariton Halvor F. Melien, der Chanson- und Theater-erfahrenen Tora Augestad und dem Pop-Liebhaber Eivind Buene selbst.
9.2. 21:00

Impossible Situations zu erfinden haben Karin Hellqvist (Violine) und Heloise Amaral (Klavier) die Komponisten*innen Lars Petter Hagen, Alberto Bernal, Kristine Tjøgersen, Øyvind Torvund und Lisa Streich eingeladen: ein ebenso melancholisches, klangsinnliches wie spielerisch-freches Projekt.
9.2. 15:30

Das Ensemble ascolta stellt mit Kammermusik von sechs sehr jungen Komponist*innen, darunter Mikel Urquiza, Milica Djordjevic und der sehr jungen Hristina Šušak, wie so oft in ECLAT seine außergewöhnliche Experimentierfreude und Virtuosität unter Beweis.
10.2. 16:30

Ebenfalls ausgeprägt experimentell angelegt sind die drei Nacht-Sessions mit den Klangkünstlerinnen/Performerinnen Andrea Neumann, Sabine Ercklentz und Ute Wassermann (Trio N.E.W.).
7., 8. und 9.2., jeweils 23:00

In der installativen Performance at close quarters von dem Komponisten Philipp Krebs und der Pianistin Neus Estarellas ist zu erleben, wie ein Klavier buchstäblich die Hass-Liebe eines Komponisten über sich ergehen lassen muss.
9.2. 14:45 bis 23:00

Ebenfalls im Rahmen einer interaktiven Installation erkunden Lara Hampe (Schriftstellerin/Medienkünstlerin) und Vera Sebert (Medienkünstlerin) unter dem Titel Tiefenschärfe einer neu betretenen Fläche. Zwischen digitalem und realem Raum die Wechselwirkungen unseres Handelns mit computergenerierten Prozessen.
9.2. 15:00 bis 23:00
ECLAT Festival Neue Musik Stuttgart ist ein Festival von Musik der Jahrhunderte

Tickets
+49 (0)711 / 40 20 720,  tickets@theaterhaus.com, www.theaterhaus.com

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