(Wieder-)Entdecken –
Die Kunsthalle Mannheim 1933 bis 1945 und die Folgen

„(Wieder-)Entdecken – Die Kunsthalle Mannheim 1933 bis 1945 und die Folgen“. Unter dieser Überschrift hat die Kunsthalle Mannheim als eines der ersten deutschen Museen ihre siebenjährige Provenienzforschung in die Sammlungspräsentation integriert.
Erstmals zeigt die Kunsthalle Mannheim damit die Ergebnisse ihrer siebenjährigen Provenienzforschung als thematische Sammlungspräsentation im Westflügel des Jugendstilbaus.  die 1909 gegründete städtische Kunsthalle bildete die Moderne im damaligen Deutschland exemplarisch ab  und fiel wie viele andere Museen der beispiellosen Zerstörung durch die nationalsozialistischen Diktatur zum Opfer. Die Präsentation wurde von Provenienzforscher Dr. Mathias Listl kuratiert. Sie veranschaulicht in einer bewegenden Erzählung über vier Galerien hinweg, welche Auswirkungen der Nationalsozialismus bis heute auf die Kunsthalle und ihre Sammlung hat – und auch auf die mit dem Museum verbundenen Menschen: Sie wurden aus Ämtern gedrängt, zur Emigration gezwungen oder ermordet. Für nicht wenige unter ihnen war und blieb die Kunsthalle eine prägende Institution, die sie liebten und förderten. Das mit dieser Präsentation abgeschlossene Langzeit- Forschungsprojekt der Kunsthalle Mannheim wurde vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert.

Franz Marc, Drei Tiere (Hund, Fuchs und Katze), 1912 Öl und Tempera auf textilem Bildträger, 80 x 105 cm, Foto: Kunsthalle Mannheim / Cem Yücetas

Die Schau beleuchtet die Folgen des Nationalsozialismus in drei Themenfeldern: 1. die nationalsozialistische Enteignungsaktion „Entartete Kunst“, 2. das Schicksal jüdischer Sammlerfamilien rund um die Kunsthalle und 3. die Provenienzforschung als fundamentales und spannendes Arbeitsfeld im Museum. Verdeutlicht werden dabei auch die teils widersprüchlichen Rollen des Mannheimer Kunstmuseums und handelnder Personen als Opfer wie als Täter sowie vom Schicksal anderer profitierender Mitläufer. Durch die 1937 durchgeführten Beschlagnahmungen „entarteter Kunst“ hat die Kunsthalle den dauerhaften Verlust von über 500 Gemälden, Skulpturen und Graphiken, darunter Schlüsselwerken der Kunstgeschichte, zu beklagen.

Max Beckmann, Tannenbaum geht nach New York, 1947, Öl auf textilem Bildträger, 95,4 x 35,9 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Kunsthalle Mannheim / Cem Yücetas

Mit der Ausstellung „Kulturbolschewistische Bilder“ verantwortete das Museum Anfang 1933 aber auch die allererste Propaganda-Ausstellung, die die Ideologie und Ästhetik der folgenden nationalsozialistischen Hetzkampagnen gegen die moderne Avantgarde definierte. Damals wurden 64 (ausgerahmte) Gemälde, 2 Plastiken und 20 Graphiken von 55 Künstlern aus der Sammlung öffentlich als „kulturbolschewistische Machwerke“ denunziert – in denselben Museumsräumen in denen sie zuvor als sorgfältig ausgewählte, neu erworbene Gegenwartskunst für Publikums- und Pressedebatten, aber auch für überregionales Aufsehen und fachwissenschaftliche Anerkennung sorgten.

Max Beckmann, Fastnacht (Pierrette und Clown),, 1925, Öl auf textilem Bildträger, 160 x 100 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Kunsthalle Mannheim / Kathrin Schwab

2011 erforscht die Kunsthalle systematisch die Herkunft aller Gemälde, Skulpturen und Graphiken in ihrem Bestand. Ziel des vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projekts ist es, die Besitzerwechsel aller vor 1946 entstandenen Objekte möglichst lückenlos zu klären. Kunstwerke, die ihre politisch oder aufgrund der Abstammung verfolgten Vorbesitzer während des Nationalsozialismus unter Druck verkaufen mussten oder die diesen geraubt oder enteignet wurden, werden identifiziert, um sie den früheren Besitzern und deren Erben zurückzugeben oder faire Lösungen für eine Entschädigung treffen zu können.

Zur Ausstelluntg ist der Katalog „(Wieder-)Entdecken – Die Kunsthalle Mannheim 1933 bis 1945 und die Folgen“ erschienen, herausgegeben von Dr. Ulrike Lorenz und Dr. Mathias Listl. (Deutsch/Englisch, 120 Seiten, ca. 90 Abb., erhältlich im Museumsshop.

Kunsthalle Mannheim, Friedrichplatz 4, 68165 Mannheim
Besucher-Tel. +49 (0)621 293-23, www.kuma.art

Öffnungszeiten: Di, Do – So, Feiertage 10 – 18 Uhr Mi 10 – 20 Uhr
1. Mi im Monat 10 – 22 Uhr, Mo geschlossen

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