»Die jungen Jahre der Alten Meister.
Baselitz – Richter –
Polke – Kiefer«

Baselitz, Richter, Polke und Kiefer. Vier Namen aus Deutschland, die in der ganzen Welt bekannt sind. Der Fokus der Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart liegt auf den 1960er-Jahren. Rund 100 Werke zeigen, wie sich die Künstler in ihren frühen Arbeiten mit einer Zeit auseinandersetzten, die geprägt war von Herausforderungen und Umbrüchen, Utopien und Neuorientierungen, Macht und Protest.

Sigmar Polke, Freundinnen, 1965/66, Öl auf Leinwand, 150 x 190 cm, Stuttgart © The Estate of Sigmar Polke, Cologne / VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt der Westteil des zerstörten und bald geteilten Deutschlands nicht nur ein rasches Wirtschaftswunder, sondern beginnt endlich auch mit der Aufarbeitung der eigenen Geschichte. Die damalige Politik wird, vor allem von der Jugend, immer mehr in Frage gestellt. »Unter den Talaren – der Muff von 1000 Jahren« wird zu einer
der Kernparolen der Studentenbewegung.

Anselm Kiefer, Glaube, Hoffnung, Liebe, 1973, Kohle, Collage, Hasenblut auf Rupfen, 298,5 x 281 cm, Staatsgalerie Stuttgart © Anselm Kiefer

Auch Baselitz, Richter, Polke und Kiefer nehmen in ihrem Frühwerk den Geist der Zeit auf. Obgleich sie sich alle selbst unpolitisch nennen, prägt ihre Kunst vor allem im Ausland bis heute das positive Bild eines neuen, kritischen Deutschlands. Ihre figurativen Gemälde fordern in den 1960er-Jahren die damalige Vorherrschaft der Abstraktion heraus.

Georg Baselitz, Ein Grüner zerrissen, 1967, Öl auf Leinwand, 131,5 x 162 cm, Staatsgalerie Stuttgart © Georg Baselitz 2018

Baselitz malt zerrissene, geteilte Helden. Polke und Richter führen die Absurdität und Leere des allseits verlockenden Konsums vor. Anselm Kiefer hingegen legt die Wurzeln des sogenannten »Dritten Reiches« in der deutschen Geschichte offen. Erstmals werden die Werke dieser vier Meister zusammen in einer Ausstellung gezeigt und diese wichtige Etappe deutscher Geschichte sichtbar gemacht. Die Ausstellung wird begleitet von einer zeitgeschichtlichen Dokumentation im Foyer der Staatsgalerie, in der die 1960er-Jahre anhand von politischen Ereignissen, Werbung und Beispielen der Popkultur beleuchtet werden. Schlaglichter aus Musik, Politik und Alltag umreißen das Spannungsfeld zwischen Heintje und Rolling Stones, Wirtschaftswunder und Studentenprotesten. Dem Gastkurator Götz Adriani ist dieses Projekt zu verdanken. Er ist nicht nur ein Weggefährte dieser Generation, sondern auch mit den Künstlern der Ausstellung freundschaftlich verbunden.

Gerhard Richter, Kuh 11, 1 965 , Öl auf Leinwand, 157 x 113 cm, Staatsgalerie Stuttgar © Gerhard Richter2018

Aus Gesprächen mit Georg Baselitz, Gerhard Richter und Anselm Kiefer sowie einem sehr persönlichen Text zu Sigmar Polke ist der Ausstellungskatalog entstanden. Erhältlich im Museumsshop und im Buchhandel.
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