Hans Gugelot- Die Architektur
des Designs

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Architekt Hans Gugelot ein Vorreiter des bundesdeutschen Industriedesigns und eine wichtige Persönlichkeit an der Hochschule für Gestaltung in Ulm.
Sein Name stand vor allem für deren Erfolge auf dem Gebiet der Produktentwicklung. Am 1. April 2020 jährt sich sein 100. Geburtstag, ein Anlass mehr um ihm eine Ausstellung zu widmen.

Hans Gugelot in der HfG, 1962. Foto Wolfgang Siol,© HfG-Archiv – Museum Ulm

Hans Gugelot kam 1954 nach Ulm an die neu gegründete Hochschule für Gestaltung (HfG). Dort entwickelte er gemeinsam mit einem Team ein neues Produktdesign für die Firma Braun, mit dem die Firma auf der Rundfunkmesse in Düsseldorf 1955 für erhebliches Aufsehen sorgte. Dabei folgte Gugelot der Maßgabe der Firmeninhaber Artur und Erwin Braun, Produkte zu entwerfen, die das moderne Lebensgefühl ausdrücken sollten: Das waren Geräte, um den gerade aktuellen Cool Jazz abzuspielen und den Muff aus den Wohnungen zu vertreiben. In der Folgezeit entwarf Hans Gugelot zahlreiche Industriegüter für führende Hersteller: Rasierapparate, Möbel, Nähmaschinen, Diaprojektoren, Brenner für Heizungsanlagen oder Züge für den Nahverkehr.

Triebwagen der Hamburger Hochbahn. Entwurf Hans Gugelot, Herbert Lindinger, Helmut Müller-Kühn. Hersteller Linke-Hoffmann-Busch. Foto © HfG-Archiv – Museum Ulm

Er engagierte sich in der Lehre an der HfG sowie beim Aufbau des National Institute of Design in Indien und gab entscheidende Impulse für die Entwicklung des Berufsbildes des Industriedesigners. Mit seinen Produktentwürfen trug Hans Gugelot wesentlich zum Erfolg der Hochschule für Gestaltung bei. 1956 entwickelte er gemeinsam mit Dieter Rams für die Firma Braun das Radiogerät „SK 4“, das als „Schneewittchensarg“ zu einer Ikone des westdeutschen Nachkriegsdesign wurde.

Rasierapparat Braun Sixtant. Entwurf Hans Gugelot, Hersteller Fa. Braun. Foto: Archiv Gugelot
Radio-Phono-Kombination SK 4 „Schneewittchensarg“. Entwurf Hans Gugelot und Dieter Rams, Hersteller Fa. Braun. Foto: Wolfgang Siol © HfG-Archiv – Museum Ulm

Das HfG-Archiv zeigt an ausgewählten Beispielen wie Hans Gugelot diese Haltung in seine Entwürfe übertrug und damit zugleich Maßstäbe für kommende Generationen setzte. Obwohl Hans Gugelot neben Max Bill und Otl Aicher zu den prägenden Designern der Ulmer Hochschule gehörte, ist sein Werk noch weitgehend unerforscht. Hier will die Publikation zur Ausstellung Lücken schließen und weitere Forschungsansätze aufzeigen. Die einzelnen Aufsätze beschäftigen sich mit Schwerpunkten seines Schaffen − etwa den frühen Entwicklungen zur Systematisierung des Möbeldesigns oder seinem Beitrag zum Erscheinungsbild der Firma Braun anhand des Entwurfes des SK 4.

Hans Gugelot (sitzend) mit seiner Entwicklungsgruppe an der Hochschule für Gestaltung Ulm, 1960. Foto: Wolfgang Siol, © HfG-Archiv /Museum Ulm

Einen neuen sozialwissenschaftlichen Ansatz liefert der Aufsatz über die Rolle von Gugelots Frau Malke Gugelot als seine Partnerin in Leben und Beruf; die Untersuchung über Gugelots Engagement in Indien verweist auf die zeittypischen Ansätze des internationalen Austauschs in den 1960er-Jahren. Der Band ist bei avedition Stuttgart erschienen.


Weitere Informationen zur Ausstellung: www.hfg-archiv.museumulm.de, Fon 731-161-4312 , HfG-Archiv, Am Hochsträss 8, 89081 Ulm, Di – So: 11 – 17 Uhr, Do: 11 – 20 Uhr

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