Vera Molnar.
Promenades en carré

Die Lust am systematischen Experiment steht von Anfang an im Schaffenszentrum der in Paris lebenden Ungarin. Ihren ästhetischen Mitteln als Malerin und Zeichnerin wie auch ihrer Vorliebe für die geometrische Bildsprache ist sie dabei bis heute treu geblieben.

Vera Molnar, Édifice hétéroclite I, 1954, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Schmölzer & Hollinger Werbeagentur

Ausgehend von der Konzentration auf primäre Gestaltungselemente wie dem Quadrat, dem Kreis und der Linie generiert die Künstlerin eine Vielzahl an Serien, die den Betrachter einladen, in ihren von Variation, Transformation und Un-Ordnung geprägten Bildwelten spazieren zu gehen.

Vera Molnar, Foto: Linde Hollinger
Vera Molnar, 1924 in Budapest geboren, studierte Malerei, Kunstgeschichte und Ästhetik an der Ungarischen Akademie der Bildenden Künste in Budapest und lebt seit 1947 in Paris.

Die frühen Entwicklungsjahre von Vera Molnar fielen in eine Zeit, in der die traditionelle Kunst infrage gestellt wurde und brachte die Künstlerin dazu, ihre „visuellen Forschungen“ nach dem Prinzip des Kombinierens zu betreiben, das sie als „machine imaginaire“ bezeichnete. 1968 erhielt sie erstmals die Möglichkeit, mit einem Computer zu arbeiten, der anhand vorgegebener Algorithmen eine unerwartete Vielfalt an „unvorstellbaren“ Bildergebnissen erzeugte.

Vera Molnar, Hommage à Renoir, 1968, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Gerhard Sauer

In der Sammlung Marli Hoppe-Ritter ist Vera Molnar bereits mit zahlreichen Arbeiten vertreten. Die Schau Vera Molnar. Promenades en carré  präsentiert derzeit über 60 Arbeiten von 1942 bis heute und nähert sich Vera Molnars Schaffen in offenen Kapiteln: Zu sehen sind frühe Zeichnungen, Gouachen und Buchstaben-Bilder, die ihr Streben nach Symmetrie und Serialität zeigen. Eine Reihe von Computerplots und Malereien führen wiederum Verschiebung, Verformung und Zufall als gestalterische Prinzipien vor. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Werke, die eine wiederholte Auseinandersetzung mit der Farbe Rot wie auch mit Werken der Kunstgeschichte veranschaulichen.

Vera Molnar, Étiré, F/1973-81.16, 1973/81, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Schmölzer & Hollinger Werbeagentur

Zur Ausstellung ist ein Katalog im Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg erschienen.

Parallel dazu:  Aktuelle Lichtkunst aus der Sammlung

Die Ausstellung zur zeitgenössischen Lichtkunst präsentiert Objekte und Installationen aus der Sammlung Marli Hoppe-Ritter und führt die anhaltende Begeisterung von Künstlerinnen und Künstlern für die gestalterischen Möglichkeiten des Lichts vor Augen, befeuert von neuesten Leuchtmitteln und innovativer Technik. So verwenden viele Lichtkünstler gegenwärtig LEDs, deren Lichtfarben sich per Computer steuern und dynamisch verändern lassen. Hightech und Sinnlichkeit, technisches Kalkül und Poesie wirken in ihren Werken eindrucksvoll zusammen.
Maurizio Nannucci adaptiert Methoden der herkömmlichen Leuchtreklame und findet mithilfe farbiger Neonröhren zu einer geometrischen Gestaltung des emotional aufgeladenen Wortes LOVE. Die kühl strahlenden Werke von Brigitte Kowanz, die mit unterschiedlichen Leuchtmitteln arbeitet, machen das Medium Licht subtil sichtbar.

Brigitte Kowanz, Die einmalige Erscheinung einer Ferne, so nah sie auch sein mag, 2020, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Matthias Herrmann

Die Künstlerin geht den Fragen nach, was Licht ist, wie es Raum definiert oder wie es in Verbindung mit Schrift zum Informationsträger wird. Werner Bauer wiederum setzt in seinen Leuchtkästen Acrylglas und lichtleitende beziehungsweise –sammelnde Folien ein, die dem per se immateriellen Lichtscheinbar Richtung und Form geben. Seine Werke bewegen sich ebenso wie die farblich sanft pulsierenden LED-Lichtquadrate von Miriam Prantl und Betty Rieckmann zwischen klar definierter geometrischer Form und sinnlich-atmosphärischem Spiel.

Betty Rieckmann, A Morphing Frank Stella 10, 2015, © Künstlerin, Foto: Künstlerin

Als mathematisch ausbalancierte Komposition präsentiert sich das Licht-Relief von Gregorio Vardanega, bei dem die Verteilung von farbigen Leuchtbalken auf weißem Grund den klassischen Prinzipien der konstruktiven Kunst folgt.

François Morellet, Les 12 côtés du carré, 2001, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Olaf Nagel

François Morellet schließlich gestaltet mit grellem Neonlicht Werke von spielerischer Leichtigkeit und hintergründigem Humor.

Museum Ritter
Alfred-Ritter-Straße 27
71111 Waldenbuch
Tel.: +49(0)7157. 53511-0
www.museum-ritter.de
Öffnungszeiten:
Di. bis So. 11 – 18 Uhr

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