Anselm Kiefer

Die Kunsthalle Mannheim widmet einem der berühmtesten deutschen Nachkriegskünstler eine große Sonderausstellung. Neuneinhalb Meter hoch und fast drei Tonnen schwer, dominiert das Werk „Sefiroth“ das Atrium der Kunsthalle Mannheim. Eine zerklüftete Landschaft – bestehend aus dick aufgetragenen Farbschichten, Erde, Blei und Steinen, die an Metalldrähten über der Fläche schweben – bildet einen dunklen Kontrast zu dem sonst lichtdurchfluteten, weißen Raum. Der Künstler hinter diesem kolossalen Werk ist Anselm Kiefer. Die Kunsthalle Mannheim würdigt den berühmten Künstler in einer großen Sonderausstellung, die über vier Räume und zwei Etagen hinweg Skulpturen und Gemälde aus 30 Jahren zusammenträgt.

Anselm Kiefer, Sefiroth, 2000, Sammlung Grothe in der Kunsthalle Mannheim © Anselm Kiefer; Foto: Kunsthalle Mannheim; Rainer Diehl

Meisterwerke aus drei Schaffensphasen
Die Ausstellung verbindet drei entscheidende Werkgruppen miteinander: Von frühen Arbeiten wie „Die Große Fracht“ (1981/1996) mit appliziertem Bleiflugzeug über die 14 Meter große Installation „Palmsonntag“ (2007), die zum ersten Mal in Deutschland gezeigt wird, bis zu der raumgreifenden Skulptur „Der verlorene Buchstabe“ (2011-2017) werden monumentale Bilder und Skulpturen präsentiert.

Installationsansicht „Anselm Kiefer“, Palmsonntag, 2007 © Anselm Kiefer; Foto: Kunsthalle Mannheim; Rainer Diehl

Durch die großen, offenen Räume des 2018 eröffneten Neubaus der Kunsthalle können die zum Teil überdimensionalen Arbeiten Kiefers ihre volle Wirkungskraft entfalten. Nicht nur durch ihre reine Größe, auch durch ihre haptische Materialität – die Lieblingswerkstoffe des Künstlers sind Asche und Blei – sind die Werke von Anselm Kiefer überwältigend. Seine in aufwändigen Arbeitsprozessen entstehenden Skulpturen und Gemälde setzt Anselm Kiefer zusätzlich den Elementen, wie Wind, Wasser und Feuer oder sogar der Elektrolyse aus, sodass die Patina der Natur auf den Werkoberflächen sichtbar wird.

Anselm Kiefer, Hortus Conclusus, 2014, Sammlung Grothe im Franz Marc Museum © Anselm Kiefer

Anselm Kiefer (*1945) erlangte große Bekanntheit, indem er die Tabus der deutschen Nachkriegszeit offensiv anging. Seit seinem Umzug nach Frankreich 1993, wo er bis heute lebt und arbeitet, widmet er sich verstärkt der Verbindung von jüdischer und christlicher Religion, den Mythen und mystischen Lehren der Weltkulturen sowie den Medien der Erinnerungskultur.

Anselm Kiefer, Frauen der Antike, 2006, Sammlung Grothe in der Kunsthalle Mannheim © Anselm Kiefer; Foto: Wienand Verlag

Über die Sonderausstellung hinaus sind in den hohen Räumen des zweiten Obergeschosses der Kunsthalle zwei Gemälde und eine raumhohe Skulptur zu sehen, die für die Geschichte der Menschheit und ihrer Überlieferung über Schrift und Bücher stehen. Bleibücher und mit Harz konservierte Sonnenblumen bilden die Arbeit „Der verlorene Buchstabe“. Das Werk ist der Kunst des Buchdrucks gewidmet. Demgegenüber stellt Kiefer mit „Der fruchtbare Halbmond“ einen weiteren Bezug zum Ursprung der menschlichen Zivilisation her. Dazu kommt „Jaipur“: Der Werktitel ist von der Hauptstadt der indischen Region Rajashtan inspiriert, während das Bild ein weit verzweigtes Sternenbild am Himmel des Universums zeigt. In diesem Raum des Museums werden permanent Werke aus der Kiefer-Sammlung Grothe in der Kunsthalle Mannheim gezeigt.

Alle Werke der Sonderausstellung stammen aus der Sammlung des im Mai 2019 verstorbenen Hans Grothe, der eine der weltweit größten Sammlungen mit Werken von Anselm Kiefer zusammengetragen hat.
Laufzeit: bis 22.08.21

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