Marina Abramović.
Jenes Selbst / Unser Selbst

Marina Abramović fasziniert mit Performance, Filmen und zuletzt dem Opernprojekt 7 Deaths of Maria Callas weltweit ihr Publikum. Weniger bekannt ist, dass die Pionierin der Performance Art in ihrer Anfangszeit in den 1970er Jahren bis ins Jahr 2000 auch in Tübingen, in der Galerie Ingrid Dacić, zu Gast war. Die Ausstellung der Kunsthalle Tübingen widmet sich jetzt erstmals den spirituellen Aspekten im Werk von Marina Abramović.
An die Tradition der europäischen Mystik anknüpfend, hat die Künstlerin in den letzten fünf Jahrzehnten ihres Schaffens einen undogmatischen, individuellen Zugang zum Transzendenten entwickelt, der die religiösen Traditionen um schamanistische, alchemistische und buddhistische Elemente erweiterte.

Blick in die Ausstellung MARINA ABARAMOVIĆ. JENES SELBST / UNSER SELBST in der Kunsthalle Tübingen, Foto: Ulrich Metz

Über ihre Arbeit am eigenen „Selbst“ hat sie über die letzten fünfzig Jahre in der Sprache der Kunst mit unterschiedlichsten Medien authentisch Zeugnis abgelegt.
Die von Nicole Fritz in enger Zusammenarbeit mit Marina Abramović kuratierte Ausstellung in der Kunsthalle Tübingen widmet sich erstmals den spirituellen Aspekten im Werk der Künstlerin und folgt ihrem Rite de Passage – ihrer Reise ins eigene Innere – an ausgewählten Hauptwerken.

Marina Abramović, Levitation of Saint Teresaaus der SerieThe Kitchen,Homage to Saint Teresa / Videoinstallation 2009 © Marina Abramović, VG Bild-Kunst, Bonn 2021/Courtesy of the Marina Abramović Archives

Ihre frühe Phase wird mit bislang unveröffentlichtem Archivmaterial aus der Galerie Ingrid Dacić sowie dem Video Freeing the Memory (1975), das in Tübingen erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, belegt. Sie setzt sich fort in der gemeinsamen, zwölfjährigen Zusammenarbeit mit Ulay, aus der die titelgebende Arbeit That Self (1980) hervorging, bis in die 1990er Jahre. In diesen entstand die interaktive Objektkunst der Künstlerin sowie Videoarbeiten, die in die Zukunft weisen und bereits damals ein neues empathisches Natur- und Umweltbewusstsein propagierten, das heute aktueller denn je ist.

Marina Abramović, Portrait with White Lamb /Aus der SerieBack to SimplicityFarbpigmentdruck2010 © Marina Abramović, VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Courtesy of the Marina Abramović Archives

Am Ende ihrer Entwicklung steht die im wahrsten Sinne des Wortes selbstbewusste Künstlerin, engagierte Impulsgeberin und charismatische Performance-Lehrerin Marina Abramović, die ihre Erfahrungen in Workshops und dem von ihr gegründeten Marina Abramović Institute (MAI) weitergibt, um das Publikum in kollektiven Übungen – wie Counting the Rice (2015) über die Kunst wieder mit sich selbst in Kontakt zu bringen. Erstmals in Europa wird in Tübingen auch die Arbeit The Life (2019) im musealen Rahmen zu sehen sein, eine der jüngsten Arbeiten der Künstlerin, in der diese dem Publikum im Ausstellungsraum mittels neuester Mixed Reality-Technik virtuell erscheint.
Mehr erfahren unter: https://kunsthalle-tuebingen.de/aktuelle-ausstellung/

Blick in die Ausstellung MARINA ABARAMOVIĆ. JENES SELBST / UNSER SELBST in der Kunsthalle Tübingen, Foto: Ulrich Metz
Zur Ausstellung erscheint ein umfassender Katalogband (Deutsch/Englisch). Mit interdisziplinären Beiträgen von Erich Ackermann, Hartmut Böhme, Jeannette Fischer, Nicole Fritz, Antje von Graevenitz, Volker Leppin und Bernhard Pörksen.

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