Malerische Poesie – Grafiken von Chagall und Zeitgenossen

Der Malerpoet Marc Chagall zählt zu den großen Meistern der Kunst des 20. Jahrhunderts. Die kunsthalle weishaupt widmet ihm und weiteren Künstlern aus seinem Pariser Umfeld eine Ausstellung, die rund 90 Grafiken aus den Jahren 1920 bis 1970 vereint. In der Zusammenschau lässt sich erleben, wie unterschiedlich die Künstler das Medium der Druckgrafik für ihre jeweils ganz eigene Ausdrucksform nutzen. So finden sich in der Präsentation neben farbenprächtigen Bilderzyklen auch reduzierte, skizzenartige Drucke voller Witz und Spontanität.

Marc Chagall, Chloes Kuss aus „Daphnis & Chloe“, 1961, Mourlot 316, Farblithografie © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Zu den frühesten Arbeiten der Ausstellung gehören drei Radierungen aus der Serie „La Suite Vollard“von Pablo Picasso aus den 1930er-Jahren. Neben klassischen Bildmotiven wie dem Stier-Mensch-Zwitterwesen Minotauros untersucht Picasso darin in feiner Strichführung den Blick des künstlerischen Schöpfers auf sein Modell.

Pablo Picasso, Suite Vollard: Bildhauer arbeitet am Motiv mit Marie-Thérèse in Pose, 1933, Radierung © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Mitte der 1960er-Jahre erwarb der Sammler Siegfried Weishaupt mit dem Mappenwerk „Daphnis und Chloe“ von Marc Chagall sein erstes Kunstwerk. Fasziniert von den 42 hochwertigen Farblithographien legte er damit den Grundstein für seine Sammelleidenschaft, die bis heute andauert. Marc Chagalls Illustrationen des antiken Liebesromans „Daphnis und Chloe“ des griechischen Schriftstellers Longos, erschienen 1961, zeigen sich als ein Fest der Farben und der bildnerischen Erzählkunst. Verortet auf der griechischen Insel Lesbos, erzählt „Daphnis und Chloe“ die Geschichte zweier Findelkinder, die ihre Liebe zueinander entdecken.

Chagall, Daphnis und Chloe Der Traum von Lamon und Dryas

„Regards sur Paris“ lautet der Titel des zweiten vollständig präsentierten Mappenwerks dieser Ausstellung. Künstler wie Georges Braque und Kees van Dongen schufen hierfür jeweils drei oder vier Lithografien zu unterschiedlichen Texten französischer Autoren. Das Mappenwerk lädt ein zu einer Begegnung mit dem funkelnden Paris bei Nacht: Szenen am malerischen Seineufer wechseln sich ab mit träumerischen Ansichten des Eiffelturms oder Eindrücken der Montmartre-Bohème. Allen Werken der Ausstellung gemein ist ihr verträumt-verklärter Blick auf ihr jeweiliges Sujet – ganz gleich, ob die Liebe im antiken Griechenland oder Pariser Stadtszenen zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Fiktion und Realität, Nostalgie und Fantasie verschmelzen zu poetischen Bilderwelten.
Bis 9. Oktober 2022 in der Kunsthalle Weishaupt Ulm,
www.kunsthalle-weishaupt.de