Malen, um zu malen
Der KünstlerPeter Dreher

Wer war dieser Maler, dem das Museum für Neue Kunst in Freiburg noch bis zum 19. Februar 2023 eine Ausstellung unter dem Titel „Peter Dreher – Malen, um zu malen“ widmet?
„Ich begann als Kind von sieben Jahren zu zeichnen, entschlossen, Maler zu werden. Denn ich stellte fest, dass ich, wenn ich malte, mir einen Bezirk verschaffte, in dem ich respektiert und gemieden und für mich gelassen wurde. Das gefiel mir,“ konstatierte Peter Dreher einmal. Die Fähigkeit, malend oder zeichnend um sich herum einen Schutzraum zu schaffen, hat sich der Künstler zeitlebens bewahrt. In diesem Jahr wäre Peter Dreher 90 Jahre alt geworden.

Peter Dreher, Meine Bilder 1987–1989, VG Bildkunst, Museum für Neue Kunst, Foto: Patrick Seeger

Vor 10 Jahren machte der in Mannheim geborene Künstler dem Museum für Neue Kunst eine umfangreiche Schenkung von über 400 Bildern aus seiner Serie Tag um Tag guter Tag, die jetzt, ergänzt um eine Dauerleihgabe des Freiburger Regierungspräsidiums, den Freiburger Garten (1979), in einem Raum der Ständigen Sammlung präsentiert werden.
Zu sehen ist auf jedem der 400 kleinformatigen Bildern ein leeres Wasserglas, das auf immer derselben weißen Tischfläche, vor immer demselben weißen Hintergrund in seinem Atelier platziert ist. Das Dargestellte hat die gleiche Größe wie das Original. 1972 entstand das erste „Glas“, das er bis zu seinem Tod 2020 ca. 5000-mal auf die Leinwand brachte. Zur Serie Tag um Tag guter Tag gehören zwei Reihen, die er „Tag um Tag guter Tag I“ (Nachtserie) und „Tag um Tag guter Tag II“ (Tagserie) nannte.

Peter Dreher, Tag um Tag, VG Bildkunst 2022, Museum für Neue Kunst, Foto: Bernhard Strauss

Entfernung und Bildformat werden nie verändert, selbst die Beleuchtung scheint nahezu gleich. Doch wer auf Drehers reduzierten Stillleben lediglich das Glas erkennt, hat das Wesentliche übersehen: das Nichtabgebildete – die sich stetig verändernde Umgebung des Glases, übersetzt und aufgelöst in subtil austarierter Malerei und zu sehen, in den Lichtbrechungen und Spiegelungen im Glas. Das genaue Hinsehen, das der Künstler den Betrachtern in seinen Werken abverlangt, bildet eine seiner methodischen Leitlinien und basiert im Wesentlichen auf der philosophischen Lehre der Phänomenologie Edmund Husserls, mit der er sich in seiner Malerei auseinandersetzte. Dabei spielen Aspekte der Vergänglichkeit, Zeitlichkeit und Wahrnehmung eine zentrale Rolle.

Peter Dreher, Freiburger Garten 1979, VG Bildkunst 2022, Museum für Neue Kunst, Foto: Axel Killian

Doch was bewegt einen Künstler dazu, über einen Zeitraum von 40 Jahren hinweg immer wieder das gleiche Sujet zu malen? Zum einen wollte er zeigen, „dass es nicht nötig ist, das Motiv zu wechseln, um zum Malen angeregt zu werden“. Und zum anderen begriff Peter Dreher seine Malerei als den Versuch, „mich selbst wie ein Instrument zu betrachten und jede Form von subjektivem Eingriff außen vor zu lassen.“ „Keine Symbole, keine Expressionen, nichts Derartiges“ erklärte er einmal in einem Gespräch mit dem Philosophen und Theologen Siegfried Rombach. Der Künstler lehnte alles Genialische oder gar Bohémienhafte ab.
Auch in vielen weiteren Bildserien arbeitete er mit der Wiederholung, beispielsweise in seiner plein air gemalten Serie „Schöne Tage im Hochschwarzwald“, mit der er ebenfalls 1972 begann und die immer den gleichen Landschaftsausschnitt zu unterschiedlichen Tageszeiten zeigt.
Die Wiederholung „ist Ausdruck eines Zustands, der mich ein Leben lang begleitet. Ausdruck für den uneinlösbaren Wunsch für Dauer im Wechsel, für Beständigkeit in der Abwechslung, für Protest gegen die Idee der Notwendigkeit, immer Neues, bisher noch nicht Dagewesenes zu finden, für Stehenbleiben im Fluss der Zeit.“

Peter Dreher, Foto: Privat

Das Malen selbst war es, was Dreher interessierte und was er immer wieder hinter- und befragte. Dieser künstlerische Ansatz war es auch, den er als Professor an der Außenstelle der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe in Freiburg an zahlreiche junge Künstler:innen weitergab. Anselm Kiefer war einer von ihnen…
Text: Susanne Heeber