Protest! gestalten.
Von Otl Aicher bis heute

Ausstellungsansicht Protest! gestalten, (c) Museum Ulm, Foto Oleg Kauz (2)

Protest und ziviler Ungehorsam waren starke Charakterzüge des politischen Menschen Otl Aicher. Bereits als Jugendlicher entwickelte er eine widerständige Haltung, zunächst gegen die Vereinnahmung durch das nationalsozialistische Unrechtsregime, später entfaltete sich seine Opposition zu einem lebenslangen öffentlichen Bekenntnis. Noch als 62-jähriger blockierte er gemeinsam mit seiner Frau Inge Aicher-Scholl, mit Walter Jens, Heinrich Böll, Günter Grass und vielen anderen Gleichgesinnten aus der Kulturszene in Mutlangen die Zufahrt zum Sonderwaffenlager, um gegen die Stationierung der Pershing II-Raketen zu demonstrieren Otl Aichers politischer Widerspruchsgeist war prägend für sein gestalterisches Werk.

Otl Aicher,
Nein Volksversammlung, 1983 © Florian Aicher, HfG-Archiv-Museum Ulm

Schon in den 1960er-Jahren entwarf er Plakate und Ansteckblumen aus Papier für die Ostermärsche. 1983 ließ er Figuren, die an seine Piktogramme erinnern, auf ein Textilband drucken, um es im Pershing II-Protest auf der Schwäbischen Alb den an der Menschenkette Teilnehmenden in die Hand zu geben. Und in Erinnerung an die Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“ schuf Otl Aicher ein viel zitiertes Logo.

Noma Bar, Burka Ban, The Guardian, 2006, Courtesy by the artist

Wie aber sieht die Protest-Bildsprache von heute aus? Welche Symbole stehen für gegenwärtige Themen wie Fridays for Future oder die Black-Life-Matters-Bewegung? Gibt es unverwechselbare Symbole, die vergleichbar mit Pablo Picassos Taube für die internationale Friedensbewegung zum interkulturellen und global verständlichen Zeichen geworden sind? Ist das künstlerisch gestaltete Plakate, das seine Wirkung vor allem im öffentlichen Raum entfaltet und das im 20. Jahrhundert zum bevorzugten Instrument für Produktwerbung und politische Propaganda wurde, heute noch das Medium der Zeit?

Lubo Lukava, Peace and Planet, 2015, Serigrafie, Courtesy by the artist

Die Ausstellung geht diesen Fragen auf den Grund und präsentiert dazu Arbeiten von internationalen Künstler*innen und Grafiker*innen. Malerei, Zeichnung, Bildmontagen, Plakat- und Flugblattkampagnen, Leuchtreklamen, Anzeigentafeln, Billboards, Videos und Animationen versehen mit Slogans, Symbolen, Gesten und Signalen von Widerstand, Aufklärung und Protest befassen sich mit Themen wie Umwelt, Frieden, Demokratie, Konsum, Gesundheit, Menschenrechte, Gleichberechtigung und Diversität.
Als Ergänzung sind Beiträge aus dem Online-Aufruf zur Ausstellung zu sehen: Über die Plattform nextmuseum.io wurden Aktivist*innen aufgefordert, ihre Leitgedanken und Motive der Empörung, des Widerspruchs und der Opposition in einfallsreichen Formulierungen und Visualisierungen für die Produktion von Merchandise-Artikeln einzureichen. Ganz aktuelle, an der Basis entstandene Botschaften erhalten hier ein zusätzliches Forum.

Die Ausstellung ist bis 16. April zu sehen und wird durch ein umfassendes Veranstaltungsprogramm sowie eine Publikation begleitet.
Weitere Informationen zur Ausstellung auch unter www.museumulm.de und
www.nextmuseum.io