Singen! Lied und Literatur

Das Lied ist die dominante Gattung im reichen Musikalienbestand des Deutschen Literaturarchivs Marbach mit seinen rund 5.100 Notendrucken und 2.800 Notenhandschriften vom späten 18. Jh. bis zur Gegenwart. Welche Bedeutung die Gattung Lied auch für die Literatur darstellt,  zeigt die Marbacher Ausstellung ›Singen! Lied und Literatur‹ .

Liedautographen von Josephine Lang, Franz Schubert und Johannes Brahms. Ein Wiegenlied von Max Brod. Das Autograph vom Lied der Loreley in der berühmten Vertonung von Friedrich Silcher. Tarotkarten und Entwürfe zu Songtexten von Rio Reiser. Ernst Kreneks Fünf Lieder nach Worten von Franz Kafka (op. 82). Hesse-Lieder von Christian Immo Schneider, Lieder nach Texten von Friedrich Schiller, Rainer Maria Rilke und August Stramm.

Friedrich Silcher, ›Loreley‹. Silcher hat das Blatt Franz Kapff gewidmet, einem Tenor seiner Liedertafel. Foto: DLA Marbach.
Paul Graeners Vertonung von Christian Morgenstern ›Galgenbruders Lied an Sophie, die Henkersmaid« aus den ›Galgenliedern‹ mit einer Lithografie von Erich Gruner. Privatdruck in der Bibliothek des Insel-Verlegers Anton Kippenberg. Foto: DLA Marbach.

Ein unpubliziertes Lied von Ignaz Moscheles, eine verschollene Komposition von Ferdinand Pfohl. Das alles und noch viel mehr zeigt die Marbacher Ausstellung ›Singen! Lied und Literatur‹ im Rahmen der fünfteiligen Reihe #Literatur bewegt.

Blick in die Ausstellung ›Singen! Lied und Literatur‹. Foto: Anja Bleeser, DLA Marbach.

Das Kunstlied ringt heute um eine neue Rolle, aber in der populären digitalen Kultur ist geradezu eine ›Songifizierung‹ im Gang. Die Flut an Songs, Remixes und Karaoke-Versionen demonstriert, dass es die digitalen Kulturtechniken des permanenten Fortschreibens und Redesignens sind, die heute das Lied lebendig halten.

Willy Prager, ›Erst hat er zu ihr »Sie« gesagt‹. Foxtrott-Lied, Berlin, 1925. Foto: DLA Marbach.

Rund 50 Exponate werden anhand von fünf menschlichen Grundsituationen – Geburt, Natur, Liebe, Politik und Tod – arrangiert und mittels Hörstationen zum Erklingen gebracht. Von vielen Liedexponaten ist keine Einspielung greifbar. Junge Sängerinnen und Sänger der Musikhochschulen Frankfurt a.M., Mannheim und Stuttgart singen die Lieder eigens für die Ausstellung ein. Eine interaktive SongToolBox ermöglicht es Besucherinnen und Besuchern, ›ihr‹ Lied zu gestalten, mit nach Hause zu nehmen und mit anderen zu teilen. In diesem an Alltagswissen anknüpfenden interaktiven Setting werden die Liedexponate auf neue und zeitgemäße Weise erlebbar.

Textentwurf von Rio Reiser für einen vermutlich unvollendeten Song. Foto: DLA Marbach.

In einem interaktiven Setting, begleitet von eigens für die Ausstellung produzierten Audio- und Video-Einspielungen, werden die Liedexponate auf neue und zeitgemäße Weise in Szene gesetzt: www.literatursehen.com