Ein Krug ist zerbrochen und nun gilt herauszufinden, wer aus dem Zimmer der jungen Frau gestürmt ist und dabei auch sprichwörtlich das Porzellan zerschlagen hat. Denn Eve schweigt, ihr Verlobter Ruprecht erklärt sich zum unschuldig Betrogenen und Mutter Marthe wähnt die Familienehre in Gefahr. Den Fall übernimmt Dorfrichter Adam, der nicht nur mit dem falschen Fuß aufgestanden ist, sondern auch vorgibt, darüber gestolpert zu sein. So jedenfalls erklärt er die Wunden an seinem Kopf. Ein Prozess beginnt, in dem schnell klar wird, über wen zu richten wäre, würde er nicht selbst richten. Mit Dreistigkeit und Eloquenz versucht Adam, sich aus dem sicheren Skandal herauszuwinden.
Nach der misslungenen Uraufführung 1808, überarbeitete Kleist sein Drama und kürzte radikal. Der entfallene Text, in dem Eve ihre Sicht schildert, wird heute als „Variant“ gelesen. Die Aalener Inszenierung wagt sich an eine werkgetreue Komödie, um im Anschluss den Variant aus der Unsichtbarkeit zu heben – und damit auch den (Macht-)Missbrauch.
HEINRICH VON KLEIST wurde 1777 in Frankfurt an der Oder geboren. Nach dem Besuch eines Gymnasiums und wenigen Jahren beim Potsdamer Garderegiment, gründete er 1808 das Magazin „Phöbus“ und veröffentlichte darin die Novelle „Die Marquise von O. …“. Nach unsteten Jahren, geprägt von existentieller Unruhe und dem vergeblichen Versuch, sich als Dramatiker durchzusetzen, beging er 1811 gemeinsam mit Henriette Vogel erweiterten Suizid. Erst posthum brachten ihm seine Werke große Bekanntheit, seine Dramen gehören zu den meistinszenierten Werken auf deutschen Bühnen.
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Bildnachweis: „Der zerbrochne Krug“/Theater der Stadt Aalen, Illustration: Bärbel Bosch