Wann
Wo
Zwingerstraße 3−5, Heidelberg, Baden-Württemberg, 69117, Rhein-Neckar
Veranstaltungstyp
Lesungen / Autor*innenwettbewerb / Koch/Bradke/Nassar
von Jara Nassar
Die Lesungen im Zwinger 3 werden live gestreamt. Zusätzlich stehen sie im Anschluss als Video zur Verfügung.
Nach jeder Lesung findet ein Publikumsgespräch statt.
»Herz-Emoji, Bizeps« von Fayer Koch
Max ist Feminist. Aber in Sachen Dating scheint ihm sein Feminismus nicht besonders hilfreich: Schon seit Jahren hangelt sich Max von Affäre zu Affäre. Auch wenn er es vor seinen Freund*innen nicht zugibt, fühlt er sich mittlerweile wie ein Versager. Als er Erika kennenlernt, scheint der Fluch kurzzeitig gebrochen – doch die Beziehung endet, bevor sie richtig angefangen hat. Online stößt Max auf die sogenannte NoFap- Bewegung. Deren Mitglieder praktizieren Abstinenz von Pornos und Selbstbefriedigung, um ihre männliche »Ur-Energie« zurückzuerlangen und attraktiver – will heißen erfolgreicher – zu werden. Ihre Netzwerke reichen bis tief in global vernetzte rechte Bewegungen. Findet Max hier die Gemeinschaft, nach der er sich sehnt?
»Gitta« von Fausto Bradke
Im Wohnzimmer der Großeltern Gitta und Michael: Michael tut so, als würde er lesen, Gitta spielt ihr Handyspiel. Alles wie immer, so scheint es. Doch die oberflächliche Alltäglichkeit deckt nach und nach auf, was unter dem Miteinander von Gitta und Michael schlummert: Die Anstrengung seines ständigen Vergessens. Die Entscheidungen, die immer nur noch sie trifft. Der Überdruss an Michael und am Leben selbst. Der Alltag zwischen seiner Demenz und ihrer Lethargie bringt Gitta schließlich dazu, auch die letzte Entscheidung für Michael zu treffen. Und Gitta? Sie lebt weiter. Länger als sie es eigentlich vorgesehen hatte. Mit »Gitta« erzählt Fausto Bradke einfühlsam von der Einsamkeit des Alterns, die auch durch gelegentliche Besuche der Familie nicht verschwindet, und über den Stillstand in Gittas Wohnzimmer, während die Welt sich weiterdreht.
»Hoch und immer höher« von Jara Nassar
Ein zerbrechlicher Sommer in den Bergen. Soufiane nimmt Anse mit in das Haus seiner Familie, hoch über Beirut. Anse ist überwältigt von der Sicht auf die glitzernden Lichter der Stadt und von seinen Gefühlen für Soufiane. Endlich haben die beiden ein ganzes Wochenende nur für sich. Doch die Angst vor einem bevorstehenden Krieg ist allgegenwärtig und katapultiert die beiden jäh zurück in eine Lebensrealität, die sie zu Entscheidungen zwingt: Anse plant, das Land zu verlassen, doch Soufiane will davon nichts wissen – er will auf den Ruinen ein neues Leben aufbauen. Jara Nassar entwirft in ihrem Stück »Hoch und immer höher« ein zärtlich-bitteres Porträt einer Generation, die sich fragen muss, woran es sich zu glauben lohnt in einem Land, in dem die neokoloniale Gewalt jeden Tag vom Himmel regnet.