Ausstellung vom 27.04.2026 bis zum 08.11.2026.
Ihre Kunst nimmt eine prägnante Position in der deutschen Nachkriegszeit ein, dennoch wird sie bis heute als Geheimtipp gehandelt: Gertrude Reum (1926–2015). Ab dem 27. April zeigt das Museum Würth anlässlich des 100. Geburtstages der deutschen Bildhauerin und Malerin die große Retrospektive „Das Prinzip Verwandlung“. Die bislang umfassendste Schau zeichnet anhand von 140 zentralen Arbeiten aller Werkphasen aus 60 Jahren Gertrude Reums Entwicklung nach.
Reums Œuvre bedient sich unterschiedlicher Stile und technisch meist außerordentlich anspruchsvoller Materialien. Stets jedoch blieb sie dem Prinzip der Verwandlung treu. Einen zentralen Werkkomplex bilden die Metallarbeiten. Besonders ihr Spätwerk, luftige und zugleich kraftvolle meterhohe Stahlskulpturen, kennzeichnen schwingende Linien, Lichtbrechungen und das Spiel der Kräfte.
Mit Zeichnungen und Gemälden der 1950er und 1960er Jahre, wie dem Ölbild „Heimkehr“ (1964), blickt die Ausstellung zurück zu Reums künstlerischen Anfängen, in denen Einflüsse Vincent van Goghs oder Paula Modersohn-Beckers erkennbar sind. Kurz darauf, ab 1966, beginnt sie plastisch in Metall zu arbeiten. Nach Kompositionen mit Industriebauteilen wie „Orgel“ (1970), die bereits mit Licht und Bewegung spielen, beschreitet sie völlig neue Wege, zieht alle Register der mechanischen Bearbeitung. Die Künstlerin löst in Schliffen hauchdünne Linien aus Messing- und Aluminiumplatten, experimentiert mit Säure. Vibrierende, sich je nach Lichteinfall verändernde Bilder entstehen, wie etwa in „Lichtbahnen“ (1988). Darstellungen von Lichtlinien, die ohne Anfang und Ende zu besitzen, in den Bildraum fließen und ihn wieder verlassen, wie „Verbindungen“ (1994) können endlos ins Offene weitergedacht werden.
Ab 1990 gestaltet Reum parallel beeindruckende Reliefs wie „Atmosphäre“ (1991) oder „Aufbrüche“ (1995) aus Zellstoff, einem weißen industriellen Zwischenprodukt. In das ungewöhnliche Material bringt sie durch Ritzen, Reißen und Befeuchten Furchen, Wölbungen und Krater ein; die Reliefs wirken zugleich archaisch und streng komponiert.
Doch Chromnickelstahl, Edelstahl und Messing gehören zu den Werkstoffen, die Gertrude Reum fortan bevorzugt bearbeitet. Die Weiterentwicklung der Lichtlinien führt die Metallbildnerin zur Skulptur: Ab 1997 erschafft sie überdimensionale Plastiken aus sich gen Himmel windenden Chromnickelstahl-Rohren, wie etwa „Aufstieg“ und „Aufwärts“, durch deren harmonische Gestaltung und kühle Ästhetik sie überregional Bekanntheit erlangt. Reums Arbeiten zieren heute Kirchen, Museen und viele öffentliche Orte, sei es in ihrer Heimatstadt Buchen, in ihrer Geburtsstadt Saarbrücken, in Wuppertal, Salzburg oder im Skulpturengarten rund um das Carmen Würth Forum in Künzelsau.
Die umfassende Schau „Das Prinzip Verwandlung – Gertrude Reum“ versteht sich als Neuentdeckung einer Künstlerin, die zu den vielseitigsten ihrer Generation zählt und eine eigenständige und zugleich paradigmatische Position einnimmt. In der Sammlung Würth ist sie seit 1995 vertreten, mit inzwischen rund 70 Gemälden, Zeichnungen, Metallarbeiten und Skulpturen.
Biografisches zu Gertrude Reum
Gertrude Reum (1926-2015) war eine anerkannte Bildhauerin und Malerin. Ihre Ausbildung erhielt sie 1942 bis 1946 bei Jakob Schug in Saarbrücken sowie 1947 bis 1950 an der Offenbacher Werkkunstschule. Nach der ersten Einzelausstellung 1968 folgten über 100 weitere im In- und Ausland. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Preis der Jury des Salon International de la Femme, Nizza, 1970, dem Preis des Deutschen Kupferinstituts Berlin 1985 und dem Ersten Anhaltinischen Publikumspreis 1998. Ab 1954 lebte und arbeitete Gertrude Reum in Buchen im Odenwald.
Das Prinzip Verwandlung – Gertrude Reum
Sammlung Würth und Leihgaben
Museum Würth, Künzelsau
27. April 2026 bis 8. November 2026
Täglich 11 – 18 Uhr, Eintritt frei
KunstKultur.wuerth.com
@wuerth_collection
Foto: Gertrude Reum, Ausstellungsansicht „Das Prinzip Verwandlung“, Museum Würth, Foto: Ufuk Arslan © Nachlass Gertrude Reum.