HÖLDERLIN – Das halbe Leben

Friedrich Hölderlin (1770 – 1843) blieb zu Lebzeiten die Anerkennung versagt; er zählt aber heute zweifellos zu den großen deutschen Dichtern. Während des Theologie-Studiums in Tübingen wohnte er mit Hegel und Schelling zusammen auf einer Stube und empfing vielfältige philosophische Impulse. Schon bald löste sich sein dichterisches Werk vom Einfluss der Romantiker und er ging völlig eigenständige Wege. Mit Hölderlins Gedichtzeile „Wohin denn ich?“ artikuliert sich das deprimierende Unbehaustsein in einer als gnadenlos empfundenen Welt – der Beginn der literarischen Moderne? Seiner ausweglosen Zerrissenheit versuchte er durch eine nicht zu verwirklichende, idealisierte Liebe zu entkommen, um schließlich von einer unheilbaren Geisteskrankheit eingefangen und „gerettet“ zu werden: Jürgen K. Hultenreich nähert sich der Biografie des rätselvollen Dichters mit poetischer Emphase, stellt ihn vor den historischen und geistesgeschichtlichen Hintergrund, lässt aber keine Zweifel am zwiespältigen Charakter dieser vielbewunderten Jahrhundertgestalt.

ISBN 978-3-937434-94-0

Wortmaler

Robert Walser hat mit seinem bildreichen, hintergründigen und seelenvollen Schreiben viele Künstler und Schriftsteller beeinflusst. Für den Maler Peter Dreher, pensionierter Professor der Staatlichen Akademie der Künste in Karlsruhe, ist Robert Walser ein Wahrheitsdenker, dessen Gedanken ihm „ins Herz drücken“ und dessen unvoreingenommenes und direktes Sehen ihn seit jeher frappiert hat.
Die Schauspielerin Hannelore Hoger liest elf Lieblingsgeschichten Peter Drehers aus dem Werk Robert Walsers, in denen es mal skurril, mal traurig, mal verschmitzt, mal rätselhaft, mal deliziös, mal morbide zugeht.
Oliver Hermann liest ausgewählte Passagen aus Peter Drehers Autobiographie „Ich.Mich“, in denen es um Maler, um skurrile Träume, einen fiependen Mops, weinende Frauen und ein Haifischsteak und um zärtliche, beinahe erotische Beziehungen zu den Dingen des alltäglichen Gebrauchs geht. Beiden – Walser wie Dreher sind der Kunst- und der literarische „Cliquenbetrieb“ (Zitat Walser) vollkommen schnuppe. Beiden geht es um das gestalterische und kreative Arbeiten mit ihren jeweiligen Mitteln und dem entsprechenden Handwerkszeug. Malen bleibt Malen. Schreiben bleibt Schreiben. So einfach und doch so diffizil ist das bei diesen beiden „Wortmalern“.
Im Auftrag des Kurators Hans-Ulrich Obrist schuf Peter Dreher Zeichnungen und Gouachen von Robert Walser, die ihn in allen Lebensaltern zeigen. Zwölf der Robert-Walser-Porträts Peter Drehers sind in dieser Ausgabe im Begleitheft enthalten.

200 Jahre Ivan Turgenev

2018 jährte sich zum 200. Mal der Geburtstag des russischen Schriftstellers Ivan Turgenev (1818-1883). Er war Mitte des 19. Jahrhunderts einer der wichtigsten „Kulturbotschafter“ zwischen Russland und Westeuropa, nicht nur durch seine Werke, sondern auch durch seine unermüdliche kulturelle Mittlertätigkeit, die ihn in engsten Kontakt mit zahlreichen Vertretern des westlichen Kulturlebens brachte. Ivan Turgenev (1818 – 1883) gilt als einer der großen Schriftsteller der Weltliteratur. Seinen rundenGeburtstag nahm das Stadtmuseum Baden-Baden zum Anlass, nach seiner Aktualität zu fragen, interkulturelle Prozesse zu thematisieren, aber auch russisch-europäische Konfliktlinien in Vergangenheit und Gegenwart zu beschreiben.
Der Themenbogen der Ausstellung lässt an Turgenevs berühmtesten Werken (etwa Väter und Söhne; 1862) die philosophischen Spannungsfelder seiner Zeit nachvollziehen. Am Beispiel des legendären, 1867 in Baden-Baden geführten Streitgesprächs zwischen dem „Westler“ Turgenev und dem „Slavophilen“ Dostoevskij werden auch Fragen um die Zukunft Russlands zur Diskussion gestellt, die bis heute aktuell sind. Im Zentrum steht der – bekennende – Europäer, der „Netzwerker“ Turgenev mit seinen weitverzweigten Freundschaften, Bekanntschaften und Geschäftsbeziehungen über nationale und kulturelle Grenzen hinweg.

Ausstellungsansichten, Fotos © Stadtmuseum/Stadtarchiv Baden-Baden / Jesse“

Mehr als die Hälfte seines Lebens hat Turgenev in Westeuropa gelebt, davon allein sieben Jahre in Baden-Baden, mehr als zehn Jahre in Paris und Bougival. Turgenev war als polyglotter Intellektueller in Deutschland und Frankreich ebenso zuhause wie in seiner russischen Heimat. In Baden-Baden bildete er gemeinsam mit seiner großen Liebe, der französisch-spanischen Sängerin und Komponistin Pauline Viardot-García (1821-1910), den Mittelpunkt eines Kreises, der auch heute noch als Vorbild einer zwanglosen, alle Grenzen überschreitenden interkulturellen Gemeinschaft gelten kann – und dies in Zeiten, in denen sich die politischen Gräben zwischen Russland und dem Westen immer mehr vertieften. Dass es die Kultur ist, die in Zeiten politischer Krisen Brücken zwischen den Nationen zu bauen vermag – diese Einsicht scheint heute aktueller denn je. Und: Es gibt durchaus Parallelen zwischen der Epoche Turgenevs und unserer gegenwärtigen Erfahrungswelt.
Die Ausstellung zeigt am Beispiel von Stationen aus Turgenevs Leben und Schaffen, zugleich aber weit über sein Einzelschicksal hinausweisend, lebendige Einblicke in die russische Kultur und die Dynamik der kulturellen Beziehungen zwischen Russland und Westeuropa.
Die Ausstellung, ein gemeinsames Projekt von Stadtbibliothek und Stadtmuseum Baden-Baden sowie der Universität Freiburg im Breisgau, bietet neben aufschlussreichen Informationen und reichhaltigem Bildmaterial auch zwei speziell dafür produzierte Filme, mehrere digitale Angebote, Hörstationen, Literatur zum Schmökern und vieles mehr.
Weitere Informationen: www.stadtmuseum-baden-baden.de
Fon 07221/932272

Thomas Mann in Amerika

Insgesamt 14 Jahre verbrachte Thomas Mann in den Vereinigten Staaten. Bis Kriegsende wirkte er als wichtigste Stimme des Exils und prominenter Vermittler, danach wieder hauptsächlich als Schriftsteller, der sich allerdings mit einer grundlegend veränderten Lage des Landes, in dem er einst Zuflucht gesucht hatte, auseinandersetzen musste: dem Beginn des Kalten Krieges. Die Ausstellung »Thomas Mann in Amerika« im Literaturmuseum der Moderne fragt nach den Auswirkungen des amerikanischen Exils für Thomas Mann, der schon über 60 Jahre alt ist, als er in die Staaten geht, wo sich sein literarisches Denken und Schreiben noch einmal grundsätzlich ändern wird. Als »Oval Office der Emigrationsbewegung auf Hitlers Terror in Berlin« bezeichnete Frank-Walter Steinmeier das 2016 von der deutschen Bundesregierung erworbene Thomas-Mann-Haus in Pacific Palisades: Hier schrieb Mann seine Radioansprachen, verfasste bedeutende Romane und empfing Intellektuelle wie Martin Buber und Albert Einstein.

Thomas Mann und Elisabeth Mann Borgese im Garten der Villa in Pacific Palisades (um 1946). ETH-Bibliothek Zürich, Thomas-Mann-Archiv. Fotograf: Unbekannt

Fast alle Tagebücher, die vor 1933 entstanden sind, warf Thomas Mann im Mai 1945 in seiner Villa in Pacific Palisades ins Feuer. Ein in Arosa, im Schweizer Exil begonnenes Heft markierte den Neuanfang. Rund 100 Exponate, darunter zahlreiche Leihgaben des Thomas-Mann-Archivs der ETH Zürich, zeigen den tiefgreifenden Wandel in Manns Selbstverständnis als Schriftsteller während seines US-amerikanischen Exils. Anhand von Tagebuchaufzeichnungen, Materialien zu seinen in dieser Zeit entstandenen Romanen Joseph der Ernährer, Doktor Faustus und Der Erwählte, von Briefen, Film- und Tondokumenten erzählt die Ausstellung, auf welche Weise er literarischen Stoffen in dieser Zeit eine Form gab und wie sich der Literaturnobelpreisträger für zahlreiche europäische Autoren wie Hermann Broch, Robert Musil und Karl Wolfskehl einsetzte. Die Rolle, die seine Familie, insbesondere seine Kinder Erika und Klaus, bei seiner politischen Sensibilisierung gespielt haben, wird ebenfalls in den Blick genommen. Zahlreiche Fotografien aus der amerikanischen Zeit flankieren die Ausstellung.
Literaturmuseum der Moderne,
Schillerhöhe 8–10, 71672 Marbach am Neckar, Fon 7144/848 601, www.dla-marbach.de

Bachwoche 2019

»Bach im Dialog mit Telemann« lautet das Thema der Bachwoche 2019 in Stuttgart, ausgerichtet von der Internationalen Bachakademie. Sie findet  vom 14. bis 21. März an verschiedenen Orten Stuttgarts statt.
Im Zentrum steht die Arbeit am geistlichen Repertoire beider Komponisten: an der Johannes-Passion von Georg Philipp Telemann sowie an Kantaten, in denen Bach und Telemann jeweils denselben Text vertont haben. Dazu gibt es Meisterkurse im Sologesang sowie Kurse in Chorgesang und Orchesterspiel für internationale Nachwuchsmusiker aus aller Welt. Gemeinsam werden sie darüberhinaus im Jungen Stuttgarter Bach-Ensemble (JSB Ensemble) musizieren und auftreten. Dazu lädt die Bachakademie zu öffentlichen Probenbesuchen, zu moderierten Werkstattkonzerten, zu Vorträgen und Podiumsdiskussionen mit Experten aus der Bach- und der Telemannforschung.

Hans-Christoph Rademann(c) Holger Schneider

Das Geburtstagskonzert für Bach am 21. März widmet sich Bachs Johannes-Passion. Aufgeführt wird es von der Gaechinger Cantorey unter Akademieleiter Hans-Christoph Rademann. Die Johannes-Passion hat eine besondere Stellung in Bachs Gesamtwerk: Sie ist sein einziges Werk ohne definitive Fassung, eher ein ständiges »work in progress«, an dem er nahezu seine gesamte Leipziger Zeit (zwischen 1724 und 1749) gearbeitet hat. Entschieden hat sich Akademieleiter Hans-Christoph Rademann für deren vierte Fassung. Kurz vor Bachs Tod entstanden, verkörpert sie eine Rückbesinnung auf die erste Fassung, angereichert mit einem größer besetzten Instrumentalensemble: genau das richtige Geburtstagsgeschenk für den Namenspatron der Bachakademie, das überdies im Sommer auf CD eingespielt werden wird.
Das Sonderkonzert zu Bachs 334. Geburtstag findet im
Forum am Schlosspark, Ludwigsburg statt.

Zehn Dozenten

Neben dem Akademieleiter Hans-Christoph Rademann und dem Ensembleleiter Jos van Veldhoven wirken Kathy Romey als Dozentin für Chor, Dame Emma Kirkby, Kai Wessel, James Gilchrist und Peter Kooij als Dozenten für Gesang, Andreas Helm als Dozent für Bläser, Stephan Mai als Dozent für Violine und Streicher sowie Jaroslaw Thiel als Dozent für tiefe Streicher und Continuo mit.

Sieben Konzerte

In der Stiftskirche wird die Bachwoche mit Georg Philipp Telemanns Johannes-Passion von 1745 feierlich eröffnet: Die Solisten der Meisterkurse treten in den elf individuellen Arien des Werks hervor, während dem Chor des JSB-Ensembles unter Hans-Christoph Rademann zwei große Chorsätze, kontemplative Choräle und lebendige Turba-Chöre Gestaltungsraum bieten (14.3.).

In den vier Werkstattkonzerten geht es jeweils um eine Bach- und eine Telemann-Kantate, in denen beide Komponisten denselben Text vertonen. Christoph Rademann (16.3. und 17.3.) und Jos van Veldhoven (18.3. und 19.3.) zerlegen die Stücke in einzelne Teile, Solisten der Meisterkurse und das JSB-Ensemble sorgen dazu live für Hörbeispiele. Anschließend werden jeweils beide Kantaten wieder zu einer Gesamtaufführung zusammengesetzt.

Das Abschlusskonzert der Bachwoche zeigt die Nähe von Bach und Telemann auf: Neben einer Bach- und einer Telemannkantate wird von Solisten der Meisterkurse und dem JSB-Ensemble die Kantate »Gott der Hoffnung erfülle euch« musiziert. Früher fälschlich Bach zugeschrieben, wurde das Werk inzwischen von der musikwissenschaftlichen Forschung eindeutig Telemann zugewiesen. Die Leitung in der Markuskirche teilen sich Hans-Christoph Rademann und Jos van Veldhoven (20.3.).

Karten und Auskunft: Tel.: 0711 619 21 61 und karten@bachakademie.de
Weitere Infos: www.bachakademie.de

Theater als Schocktherapie

Ein Orchester, eine Schauspielerin, eine Performerin, ein Tänzer, vier Opernsänger, eine Charaktertänzerin, ein Tonpult und viele Lautsprecher: Die Schauspiel- und Opern Regisseurin Anna-Sophie Mahler, die sich verstärkt auch mit experimentellen Formen im Musiktheater beschäftigt, inszeniert Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins.
Am Samstag, den 2. Februar 2019 feierte im Schauspielhaus erstmals seit 23 Jahren wieder eine Neuproduktion Premiere, an der alle drei künstlerischen Sparten der Staatstheater Stuttgart beteiligt sind.
Der Theaterabend besteht aus drei Teilen und beginnt mit Kurt Weills und Bertolt Brechts mehr als 80 Jahre altem Stück: Die sieben Todsünden. Dem Ballett mit Gesang wird im 2. Teil mit Seven Heavenly Sins ein zeitgenössischer Standpunkt entgegengesetzt. Seven Heavenly Sins dreht das Konzept der Todsünden um und setzt ihm eine queere Lesart entgegen, in der die Freiheit des*der Einzelnen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, an erster Stelle steht. Seven Heavenly Sins ist damit nicht nur eine zeitgenössische Aneignung der vom Katholizismus erfundenen Todsünden, sondern ebenso eine feministische Antwort auf das Autorenduo Brecht und Weill.

Im 3. Teil des Abends kommt noch einmal der symphonische Klang zurück und das Stuttgarter Staatsorchester spielt The Unanswered Question des amerikanischen Komponisten Charles Ives. Die gealterte oder zukünftige Anna verabschiedet sich mit einem letzten Tanz vom Leben. „In The Unanswered Question von Ives gibt es neben sphärischen, liegenden Akkorden immer wieder einschneidende Störungen durch eine Trompete, die den himmlisch sanften Klang durch ,Fragen‘ unterbricht. Interessanterweise sind es sogar wieder genau sieben Fragen, die dann ein Holzbläserpart zu beantworten versucht.“, konstatiert die Regisseurin des Abends Anna-Sophie Mahler.
Auf der Bühne stehen in der Hauptrolle der Anna folglich gleich mehrere Künstler*innen: Josephine Köhler, neues Ensemblemitglied am Schauspiel Stuttgart, sowie Halbsolist Louis Stiens vom Stuttgarter Ballett sind ebenso dabei wie die kanadische Electroclash-Sängerin und Musikproduzentin Peaches und die ehemalige Erste Solistin des Stuttgarter Balletts Melinda Witham. Mit von der Partie außerdem: die Sänger Elliott Carlton Hines, Gergely Németi, Christopher Sokolowski und Florian Spieß. Balletttänzer Louis Stiens choreografiert und Stefan Schreiber dirigiert das Staatsorchester Stuttgart.

Der Abend ist ausgesprochen speziell, ja ein Spektakle, stellt viele Fragen und bietet Raum für eigene Schlüsse und Lösungen. Hier wird alles aufgefahren, was unsere moderne Welt an Entertainment geschaffen hat: Wir werden geblendet von hellem Scheinwerferlicht und beschallt mit modernster Soundtechnik. Das Publikum mag und kann es kaum erfassen, was es vor allem im 2. Teil des Abends zu sehen bekommt. Doch wenn sich die Schockstarre erst einmal gelegt hat, bleibt etwas anderes haften; nämlich, dass es manchmal genau diese Dosis an Irritation braucht, um uns wirklich zum Nachdenken zu bringen!

Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins: Josephine Köhler, Foto: Bernhard Weis

Im 1. Teil wird mit Die sieben Todsünden von Brecht und Weill die Geschichte einer jungen Frau, namens Anna erzählt, die von ihrer Familie auf eine siebenjährige Reise geschickt wird, um Geld für ein Eigenheim zu beschaffen. Dabei ist Anna ohne Unterlass den Erwartungen einer patriarchal strukturierten Gesellschaft ausgesetzt, die von ihr Anpassung und Gehorsam erwartet.

Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins: Christopher Sokolowski, Gergely Németi, Louis Stiens, Florian Spiess, Elliott Carlton Hines, Josephine Köhler, Foto: Bernhard Weis

Die Regisseurin Anna-Sophie Mahler verlegte die Geschichte in eine Box-Ring Arena. Die junge Anna (Josephine Köhler) steigt in den Ring und kämpft. Angefeuert wird sie dabei von ihrer Familie – die aber wird verkörpert von einer reinen Männerriege. Ihre Gegnerin – ist sie selbst (verkörpert durch den Balletttänzer Louis Stiens). Umrahmt wird die Szenerie von Musikern des Staatsopernorchester. Die kanadische Punk-Sängerin und Musikproduzentin Peaches übernimmt den Part der Erzählerin.
Die beiden Annas kämpfen sich durch ihr Schicksal. Der Doppelpart symbolisiert dabei wirkungsmächtig, dass es hier nicht nur um von außen zugemutete Zwänge und Erniedrigungen geht, sondern auch um den Kampf mit sich selbst. Fast könnte man meinen, zwei Seelen kämpfen da auf der Bühne um alle Existenzfragen, die uns Menschen umtreiben. Die Annas – beide, Mann und Frau – führen einen Geschlechterkampf und stellen die Fragen, was ist männlich was ist weiblich. Die Anna in der Stuttgarter Inszenierung ist auch rein äußerlich ein Zwischenwesen (Gender lässt grüßen).

Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins: Christopher Sokolowski, Gergely Németi, Louis Stiens, Florian Spiess, Elliott Carlton Hines, Peaches, Staatsorchester Stuttgart, Foto: Bernhard Weis

Die Anna des 2. Teils des Abends ist wütend, ja zornig – ihr Monolog eine zornige Abrechnung mit all dem, was Frauen seit Jahrhunderten beschäftigt. Sie spricht von denen, die nicht ins gängige Raster passen, von all den unerfüllten heimlichen Sehnsüchten – es geht um Sex, aber vor allem um das Andersseinwollen und um das Überleben in diesem Andersseinwollen. Es geht aber auch um den eigenen inneren Zwiespalt, dem Frauen jeden Tag ausgesetzt sind, zwischen den gängigen Rollenklischees, denen sie entsprechen sollen (möchten?) und dem Wunsch gleichzeitig frei und emanzipiert zu sein.
Mit Blick auf die jüngste Instagram-Studie, die die Schauspielerin Maria Furtwängler gemeinsam mit ihrer Tochter veröffentlich hat – wird eines dieser Rollenklischees (frau weigert sich fast, dies zu glauben) – vor allem von jungen Frauen weltweit zelebriert. Es geht ums Aussehen, ums richtige Schminken, um die Figur und ums Kochen. Dass aber genau das von den Frauen selbst inszeniert wird, macht nachdenklich – so kann man auch Annas Monolog deuten.
Natürlich weht noch die Unterdrückung der Frau aus dem 1 Teil herüber – in dem sie instrumentalisiert und geschunden wurde. Aber sie selbst scheint sich weiterentwickelt zu haben: Denn sie hat begriffen, dass es nicht nur um das Außen geht, um die Welt, in der das Patriachat noch immer vielerorts das Sagen hat, sondern darum, sich selbst als Frau zu hinterfragen. Wer und wie will ich sein oder noch besser, wie finde ich Antworten in mir selbst und für meine Situation.

Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins
Louis Stiens, Peaches, Foto: Bernhard Weis
Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins: Josephine Köhler, Peaches, Foto: Bernhard Weis

Was will Peaches? Sie verkörpert im 2. Teil die aggressive Anna, die, die mit gleicher Münze, ja sogar noch entschieden drastischer, auf das Patriachat, dass sie unterdrückt hat, zurück- und einschlägt.
Zwei Vulven umtanzen sie lasziv, auf der Bühne erscheint ein Riesenpenis aus Netzgewebe, in den sie hineinsteigt. Dazu dröhnen wilde Clubbeats der Sängerin, in denen sie die sieben Todsünden noch einmal neu erfasst und musikalisch interpretiert. Sie will Sex, sie will Spaß, weil sie ihn will und sie will vor allem eines – Freiheit. Die fordert sie mit so viel Power und Aggressivität ein, dass einem angst und bange werden kann. Frauen können auch, wenn sie wollen, und ja, noch schlimmer!
Der 2. Teil macht aber auch klar – dass dieser Aktionismus auch nicht die Antwort sein kann. Eventuell kann man dieses Gebaren als eine Art Zwischenphase verstehen, als Paukenschlag zu Beginn einer Entwicklung in eine Emanzipation, deren Weg (und vielleicht auch Ziel) noch nicht definiert ist: Am Anfang steht unüberhör- und übersehbar der Zorn und die damit verbundene Einsicht, dass sich nur etwas ändert, wenn dafür gekämpft wird.

Das Ende – der 3. Teil ist kontemplativ. Anna, so scheint es, hat ihren Frieden gemacht. Zu den sphärischen Klängen von Ives beginnt sie ihren Tanz, richtet ihre Bewegungen mehr an sich selbst als an die Welt – jetzt geht es nur noch um sie, die Kämpfe liegen hinter ihr – sie ist müde und gleichzeitig stark im Innern – souverän schreitet, nein tanzt sie ihrem Ende entgegen. Abschied? Oder doch Aufbruch? Wie können wir die Antwort der Regie verstehen? Welche Botschaft will sie uns mit diesem letzten Teil überbringen? Hoffnung? Wenn ja auf was? Vielleicht darauf, dass am Ende alles gut werden wird: Aber nur wenn wir Frauen selbst zur Veränderung bereit sind, die eben immer auch Kraft kostet, um (vor allem vom Patriachat) ausgelöste Zwänge zu überwinden?

Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins
Melinda Witham (hinten), Louis Stiens, Peaches, Josephine Köhler, Foto: Bernhard Weis

Spätestens nach diesem Abend ist klar: Theater als Ort für Utopien einer besseren oder schlechteren Welt kann mehr. Theater kann härter und unmittelbarer wirken als die Realität: Theater als Schocktherapie.
Andererseits: so neu ist das gar nicht.
Bereits im antiken Griechenland, der Wiege des Theaters hatte man ähnliche Intentionen. Die Griechen nannten jene besondere Art emotional-erzieherischer Maßnahmen Katharsis. Die Dramenstoffe waren oft drastisch, brutal und oft auch blutig: Die Zuschauer sollten den Schmerz und die Angst fühlen – um hernach geläutert und verändert herauszukommen.
Für einen Abend wurde das Schauspielhaus in Stuttgart zu einem solchen Ort. Da sah man eine wilde orgiastische Bühnenschau, nackte Körper, entblößte Brüste, wilde Tänze und hörte laute Beats. Damit haben sich die Stuttgarter viel getraut! Sie konfrontierten uns Zuschauer mit einem Experiment – einem harten, schwer verdaulichen Brocken, der nachwirkt!
Wahrscheinlich war eine Premierenfeier noch nie so turbulent erregt im Gesprächs- und Diskussionsrausch. Unsere Welt ist mitten im Umbruch – kein Tag vergeht, ohne dass wir nicht über Klimakatastrophen, Flüchtlings-Not, Kriege, regierende Despoten, me-too-Debatten, Fragen zur Geschlechterrollen Gender-Diskurse, Eurokrise, Dieselskandal, Umwelt-Vergehen, auf allen medialen Kanälen zu bombardiert werden. Jetzt ist das alles also auch im Theater angekommen. Warum so mag man sich fragen jetzt also auch noch im Theater? Vielleicht weil das Theater sich selbst hinterfragt. In der Pressemeldung vom Staatstheater ist zu lesen „Die Stadt- und Staatstheater in Deutschland sind wahrscheinlich die am wenigsten queer und feministisch orientierten Institutionen überhaupt, sie sind hierarchisch, patriarchisch und durch den Kanon, den sie aufgerufen sind, am Leben zu halten, sind sie konservativ…“ Also höchste Zeit für drastische Veränderungen! Oder – das Stück an diesem Abend jedenfalls hat dies gründlich widerlegt.

(Text: Claudia Fenkart-Njie & Susanne Heeber)

Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins Ballett mit Gesang von Kurt Weill, Text von Bertolt Brecht/ Live Testimonial by Peaches Koproduktion von Staatsoper Stuttgart, Stuttgarter Ballett und Schauspiel Stuttgart
Regie: Anna-Sophie Mahler, featuring Peaches
Musikalische Leitung: Stefan Schreiber
Choreographie: Louis Stiens
Bühne: Katrin Connan
Kostüme: Marysol del Castillo
Licht: Jörg Schuchardt
Dramaturgie: Katinka Deecke

Mehr unter https://www.oper-stuttgart.de/spielplan/a-z/die-sieben-todsuenden/

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Björks Oper Vespertine

Mehr Info – Cover anklicken

Begleitet von einem großen Medienecho feierte 2018 am Nationaltheater Mannheim eine außergewöhnliche Oper Premiere: »Vespertine«. Björks legendäres Studioalbum wurde hier zur Partitur für Opernsänger, Chor und Orchester in spätromantischer Besetzung. Die Künstlergruppe Hotel Pro Forma verwandelte diese in ein bildgewaltiges Theaterspektakel, das Björk-Fans und Opernenthusiasten aus ganz Deutschland nach Mannheim lockte. Presse und Zuschauer waren sich einig: Mit »Vespertine – Opera Based on Björk’s Album« ist eine zukunftsweisende Verbindung der Genres Oper und Popmusik gelungen.
Nun erscheint am 12. April 2019 beim Musiklabel OehmsClassics dazu eine CD, die zugleich den Auftakt der neuen Reihe »Edition NTM« und der Zusammenarbeit zwischen dem Nationaltheater Mannheim und Label Oehms Classic bildet. Die »Edition NTM« soll wichtige Aufführungen des Nationaltheaters dokumentieren. Bereits in Planung sind Olivier Messiaens »Turangalîla-Sinfonie« (in Zusammenarbeit mit der Musikalischen Akademie), der Mannheimer »Parsifal« sowie »Elektra« von Richard Strauss. Albrecht Puhlmann, Intendant der Oper des NTM, hob hervor: »Mit ›Vespertine‹ ist es gelungen, eine Zukunftsperspektive für die Oper zu entwickeln und neben unserem Stammpublikum auch viele junge Leute zu begeistern. Umso erfreulicher ist es, dass Björks für die Oper arrangierte und vom Orchester des Nationaltheaters, seinem Chor und seinen Solisten eingespielte Musik nun auch auf CD erhältlich sein wird. Mit künftigen CD-Produktionen werden wir das Spektrum der Mannheimer Oper beleuchten und die Raritären ihres Repertoires präsentieren.«

»Vespertine« ist in der Mannheimer Opernfassung ab 12. April 2019 als CD sowie bei den bekannten Streaming- und Onlinediensten erhältlich.
Bei einer Release Party wird die CD außerdem am 11. April 2019 im Mannheimer Jazzklub »Ella & Louis« vorgestellt. Sopranistin Ji Yoon und Dirigent Matthew Toogood sorgen an diesem Abend mit einigen Auszügen aus dem Album in einer exklusiven Klavierversion für Vorfreude.

19h Livepiano /20h CD release/ im Anschluss Barbetrieb
Bar Ella & Louis, Mannheim Rosengarten

Über das Stück
Björk ist eine Künstlerin, die ihre Musik immer mit theatralischen Ideen verschränkt und sie gehört zu den experimentierfreudigsten Musikern unserer Zeit. Inspiriert von der elektronischen Musik der 90er­Jahre, erforscht sie ungehörte Klangwelten, die sie oft mit klassischen Instrumenten, Sinfonieorchestern, Chören oder volkstümlich isländischer Musik kombiniert. Eine ihrer schönsten Platten hat das Nationaltheater Mannheim 2018 für die Opernbühne adaptieren: Vespertine aus dem Jahr 2001. Mit Celesta, Harfe und Sounds von Alltagsgegenständen entspinnt sie eine feine, fast intime Klangwelt.“Vespertine“ (zu Deutsch: abendlich) ist wie die Nahaufnahme einer Frau, die von der Außenwelt abgeschnitten, auf irgendetwas wartend, neue Stufen der Wahrnehmung erreicht. Inszeniert hat die Bildwelt für die Bühne am Nationaltheater Mannheim die Regisseurin Kirsten Dehlholm und ihre Künstlergruppe Hotel Pro Forma. Charakteristisch für die Gruppe ist ihr stark konzeptueller und ästhetischer Zugriff, der weniger in der Theatertradition als in Bildender Kunst und Musik verankert ist. Damit hat Hotel Pro Forma bereits international Theatergeschichte geschrieben und Dehlholm wird als eine der wichtigsten zeitgenössischen Künstlerinnen Dänemarks geehrt. Gemeinsam mit den Arrangeuren der Himmelfahrt Scores, dem Nationaltheater­-Orchester und Sängern des Ensembles entstand „Vespertine“ als grandioses Bildertheater: Die Extreme der isländischen Landschaft, der Mensch zwischen Wissenschaft und Mythologie und psychologische Grenzerfahrungen stehen im Mittelpunkt.

Weitere Info: Nationaltheater Mannheim, Mozartstraße 9, 68161 Mannheim
www.nationaltheater-mannheim.de
Kartentelefon: 0621 – 16 80 150

art KARLSRUHE
Internationale Messe
für Klassische Moderne und
Gegenwartskunst

om 21. bis 24. Februar 2019 vereinen sich während der art KARLSRUHE 208 Galerien aus 16 Ländern in den Karlsruher Messehallen. Diese werden zum Schauplatz für Kunst aus einer Spanne von über 120 Jahren. Zusätzlich schaffen insgesamt 20 Skulpturenplätze raumgebende Situationen und laden zum Verweilen ein, kombiniert mit 120 One-Artist-Shows, die einen vertiefenden Einblick in das künstlerische Schaffen Einzelner ermöglichen. Die limitierte Anzahl an Messekojen wurde von dem Beirat der art KARLSRUHE an national sowie international renommierte Galerien vergeben.

Besucher der Art Karlsruhe (c) Bildnachweis: KMK, Fotograf: Jürgen Rösner

Kunsthistoriker bieten Führungen über die Messe an, die einen allgemeinen Überblick zur art KARLSRUHE liefern oder tiefergehende Erläuterungen zu den ausstellenden Galerien und präsentierten Künstlern vermitteln. In 2019 wird es zudem eine Führung zum Sonderthema „100 Jahre Bauhaus“ geben. Diese zeigt Arbeiten verschiedener Bauhaus-Künstler und informiert über die wegweisende Bildungsstätte, die mit ihren Ideen und in ihrer Formensprache bis heute fortwirkt.

Monica Bonvicini ist Hans Platschek Preisträgerin 2019

Seit über zehn Jahren vergibt die Hans Platschek Stiftung den gleichnamigen Kunstpreis auf der art KARLSRUHE. Dieser erinnert an den verstorbenen Maler und Schriftsteller Hans Platschek, einer der bedeutenden Vor- und Nachdenker, aber auch Kritiker künstlerischer Positionen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Monica Bonvicini, Foto Andreas Lux

Monica Bonvicini ist eine der einflussreichsten Künstlerinnen der Gegenwart und konzentriert sich in ihren Arbeiten auf sozialpolitische Gegebenheiten. Unter Verwendung unterschiedlicher künstlerischer Ausdrucksformen wie Zeichnung, Skulptur, Installation, Video und Fotografie untersucht sie Themen wie Architektur, Geschlechterrollen, Kontrolle sowie Macht und reflektiert die besondere Bedeutung von Sprache und ihrer Wirkung. Ihr Werk wurde in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellung sowie auf Biennalen auf der ganzen Welt präsentiert.
Die Arbeiten von Monica Bonvicini werden im Dialog mit ausgewählten Bildern von Hans Platschek am Stand der Stiftung in Halle 1 auf der art KARLSRUHE ausgestellt.

Loth-Skulpturenpreis wird zum zweiten Mal ausgelobt

Den mit 20 000 Euro dotierten Preis vergibt eine Fachjury auf der art KARLSRUHE 2019 an einen der insgesamt 20 Skulpturenplätze. Diese zählen zu den unverwechselbaren Eigenheiten der Kunstmesse. Mit dem Preis werden die Galerie und der Künstler gleichermaßen ausgezeichnet.

art KARLSRUHE-Preis für die beste One-Artist-Show

Seit über zehn Jahren wird jährlich auf der art KARLSRUHE der gleichnamige Preis für die beste One-Artist-Show der Messe vergeben. Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Karlsruhe würdigen damit gleichermaßen einen Künstler und einen Galeristen für die beste One-Artist-Show, welche eine Fachjury auswählt. Im Gegenwert von 15 000 Euro werden Werke aus der ausgezeichneten Einzelpräsentation für die art KARLSRUHE-Collection erworben, die die Städtische Galerie Karlsruhe verwaltet.

Sonderausstellung art KARLSRUHE 2019:
Sammlung Peter C. Ruppert – Konkrete Kunst in Europa nach 1945

Rosemarie und Peter C. Ruppert 2011 vor Kunstwerken von Heijo Hangen Foto: A. Schollenberger

Von Anfang an begeisterte sich Peter C. Ruppert für die Reduktion auf das Wesentliche, ein Merkmal konstruktiv-konkreter Kunst, die sich durch rationalen Bildaufbau und gleichzeitig überraschende Wahrnehmungseffekte auszeichnet. Mit viel Geduld und großer Fachkenntnis entstand in mehr als 30 Jahren die Sammlung „Peter C. Ruppert – Konkrete Kunst in Europa nach 1945“.

Victor Vasarely Lapidaire, 1972 Acryl auf Leinwand, Museum im Kulturspeicher Würzburg Sammlung Peter C. Ruppert – Konkrete Kunst in Europa nach 1945 Foto: Elmar Hahn, Veitshöchheim © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Auf der art KARLSRUHE 2019 werden unter anderem Werke von Künstlern wie Josef Albers, Max und Jakob Bill über Leo Erb bis hin zu Richard Paul Lohse oder David Nash gezeigt. Insgesamt umfasst die Sammlung 420 Werke – darunter Gemälde, Skulpturen, Objekte und Arbeiten auf Papier – von circa 240 Künstlern und Künstlerinnen aus 23 europäischen Ländern. Zunächst alleine und dann im Zuspiel mit Ehefrau Rosemarie stellte der 1934 geborene, in Berlin lebende Sammler eine der vielfältigsten und in ihrer Qualität europaweit einmaligen Kollektionen zur Konkreten Kunst zusammen. Zu den Besonderheiten gehören die konkrete Fotografie und Werke von Künstlern und Künstlerinnen aus Großbritannien. Als Dauerleihgabe ist die Sammlung fast vollständig in Würzburg im Museum im Kulturspeicher zu sehen.

Weitere  Informationen: www.art-karlsruhe.de

Öffnungszeiten
11 bis 19 Uhr,

Preview (nur für geladene Gäste)
20. Februar, 14 bis 21 Uhr

Veranstaltungsort: Messe Karlsruhe, Messeallee 1, D-76287 Rheinstetten

Deuces –
8 Duos. 8 Uraufführungen.

Gauthier Dance präsentiert in Stuttgart einen neuen Tanzabend  mit gleich acht Uraufführungen internationaler Star-Choreographen, von denen die meisten schon lange auf Eric Gauthiers Wunschliste standen.

Plakatmotiv zu Deuces, Foto Maks Richter

Die Deuces-Choreographen im Überblick:
Nacho Duato –
Ein Duo des spanischen Meisterchoreographen zählt bereits zu den Publikumslieblingen im Repertoire von Gauthier Dance: VIOLONCELLO, der poetische Pas de deux aus Duatos legendärer J.S. Bach-Hommage Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere, der die Tänzerin in das Instrument, den Tänzer in den Cellisten verwandelt. Nun wird der frühere Chef der Compañía Nacional de Danza sowie des Berliner Staatsballetts und derzeitige Hauschoreograph des Michailowski-Theaters St. Petersburg erstmals für Gauthier Dance kreieren.

Nacho Duato Julia Brown, Melo Freire Foto: Regina Brocke

Roni Haver & Guy Weizman –
Das preisgekrönte Choreographenpaar begann seine Karriere bei der „Mutter aller israelischen Ensembles“, der Batsheva Dance Company in Tel Aviv. Nach Stationen in Belgien, Spanien und den Niederlanden gründeten sie ihre eigene Kompanie Club Guy & Roni in Groningen, die für ihre konsequent interdisziplinäre Arbeit gerühmt wird. In Deutschland wurden sie vor allem durch ihre Residenzen beim Staatstheater Mainz und dem Oldenburgischen Staatstheater bekannt.
Rui Horta –
Choreograph und Multitalent Horta hat sich auch als Bühnenbildner, Licht-Designer, Film- und Opernregisseur einen Namen gemacht. Tanzstücke kreierte er unter anderem für das Cullberg Ballett, das Ballett Gulbenkian, das Nederlands Dans Theater sowie in Residenzen am Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt und Muffatwerk München. Mit dem O espaço do Tempo in einem Kloster aus dem 16. Jahrhundert leitet er seit 18 Jahren DAS multidisziplinäre Research-, Residence- und Produktionszentrum für zeitgenössischen Tanz in Portugal.
Barak Marshall –
Gebürtig aus Los Angeles, teilt Barak Marshall seine Zeit zwischen LA und Israel. Heute arbeitet er für Topkompanien auf der ganzen Welt. Dabei sah es nach einem schlimmen Beinbruch mehrere Jahre lang so aus, als würde sich der damalige Hauschoreograph der Batsheva Dance Company komplett vom Tanz verabschieden. Künstlerisch umzusatteln wäre ihm nicht schwergefallen: Marshall ist im zweiten Leben Sänger, für Klassik und die Musik des Nahen Ostens, und stand unter anderem mit Yo-Yo Ma und dessen Silk Road-Ensemble auf der Bühne.
Richard Siegal –
Proben in Madrid: Der bekennende Avantgardist und Wanderer zwischen den Disziplinen zählt zu den derzeit höchst gehandelten Choreographen. Mit seinem 2016 gegründeten Ballet of Difference mit Doppelsitz in Köln und München feiert der längst europäisierte US-Amerikaner Freiheit und Vielfalt jenseits von sexuellen, politischen oder sozialen Festschreibungen. Sein Duo für Gauthier Dance packt er zwischen gleich zwei Beiträge zum Festival BAUHAUS 100 und eine neue Kreation für Balanchine | Forsythe | Siegal, ein Programm des Berliner Staatsballetts.

Richard Siegal, Prima Andrade, Losada Foto: Regina Brocke

Ed Wubbe –
Es sind Choreographen wie Ed Wubbe, die die Niederlande zum Mekka des zeitgenössischen Tanzes gemacht haben. Der langjährige, vielfach preisgekrönte Direktor des Scapino Ballett Rotterdam ist berühmt für seine stark musikalisch geprägten Stücke, die inspiriert sind von großen Werken des europäischen Kulturerbes und die klassische und moderne Elemente zu einer unverwechselbaren eigenen Handschrift verschmelzen.
Mauro Bigonzetti
Der langjährige Künstlerische Leiter von Aterballetto hat den zeitgenössischen Tanz in Italien geprägt wie kein anderer. Mit Gauthier Dance hat er schon mehrfach und sehr erfolgreich zusammengearbeitet. Cantata, seine leidenschaftliche Hommage an die Musik und die Menschen aus dem äußersten Süden Italiens, wurde zu einem der beliebtesten Stücke im Repertoire der Company. Eigens kreiert für Gauthier Dance waren der Pas de deux Pietra Viva und vor allem das visuell überwältigende, abendfüllende Ballett Alice nach Lewis Carroll.

Mauro Bigonzetti: Deep Down Dedroog M.Gauthier, Foto: Regina Brocke

Marco Goecke –
Marco Goecke und Gauthier Dance verbindet eine Beziehung, über die man nicht mehr viel zu sagen braucht. Nach dem umjubelten Solo I Found a Fox für Eric Gauthier, dem inzwischen als Klassiker geltenden NIJINSKI und zuletzt Infant Spirit für den Tanzabend Grandes Dames kreiert der weltweit gefragte Choreograph das neue Duo für Deuces erstmals in seiner Funktion als Artist-in-Residence für Gauthier Dance. Das Theaterhaus Stuttgart und die Company sagen: Willkommen, Marco! (Pressetext: Nikola Steller)

Ort: Theaterhaus Stuttgart, T2
Tanzprofil am Montag, 11. März 2019 um 19:30 Uhr

Theaterhaus Stuttgart, T1
Premiere am Samstag, 16. März 2019 um 20:00 Uhr / Sonntag, 17. März 2019 um 14:00 Uhr & 19:00 Uhr / Mittwoch, 20. März 2019 / Donnerstag, 21. März 2019 / Freitag, 22. März 2019 / Samstag, 23. März 2019 – jeweils um 20:00 Uhr / Sonntag, 24. März 2019 um 19:00 Uhr

Künstlerische Leitung/Choreograph: Eric Gauthier
Ballettmeisterinnen: Louisa Rachedi, Federica Dadamo, Alexandra Brenk
Company Coach: Egon Madsen
Künstlerische Koordination Bühne und Kostüme: Gudrun Schretzmeier
Technische Produktionsleitung: Mario Daszenies
Produktionsleitung: Lisa Beck
Tanz: Douglas de Almeida, Bruna Andrade, Louiza Avraam, Nora Brown, Sandra Bourdais, Anneleen Dedroog, Maurus Gauthier, Rosario Guerra, Réginald Lefebvre, Nicholas Losada, Joana Martins, Alessio Marchini, Barbara Melo Freire, Garazi Perez Oloriz, Jonathan dos Santos, Robert Stephen, Sidney Elizabeth Turtschi, Theophilus Veselý

Mehr Informationen: www.theaterhaus.com