Die Macht des Worts

Kaum eine andere Kunstsparte vermag es direkter und unmittelbarer, in Dialog mit seinem Publikum zu treten. Ihre Protagonisten und Akteure beobachten und sezieren gesellschaftliche Strömungen und Entwicklungen und gehen ihnen mit künstlerischen Mitteln auf den Grund. Der Vorhang hebt sich und auf den Brettern, die die Welt bedeuten, entfalten sich Vergangenheit, Gegenwart, Visionen der Zukunft oder phantastische Szenen. Opulente Bühnenarchitektur, Licht- und Technikspektakel oder auch einfach nur eine blanke Bühne – das Nichts – markieren den szenischen Rahmen. „Ihr wisst, auf unseren Bühnen probiert ein jeder, was er mag!“ konstatierte schon Goethe. Auf den folgenden Seiten begeben wir uns auf einen kleinen Exkurs durch die wechselvolle Geschichte des Theaters.

Selbst wenn gesellschaftliche Diskurse heute vorrangig in anderen Medien geführt werden, bedeutet Theater auch weiterhin Sehen lernen: die Differenz von Sein und Erscheinung eines Vorgangs zu erkennen und gleichsam zu überwinden, Konkretes im Abstrakten und Abstraktes im Konkreten zu erblicken.

Unser Leben ist ein Rollenspiel – mal Lustspiel, mal Drama, mal Komödie, mal Tragödie. So sind es denn auch spontane Lebensäußerungen, die sich über die Jahrhunderte zu einer Kunst entwickelt haben, über die nachgedacht, die in Theorien gefasst, über die geforscht und geschrieben wurde – das Theater. Shakespeare, Molière und Lessing, Ibsen, Strindberg und Tschechow, Ionesco, Beckett und Brecht, Sartre, Dürrenmatt und Bernhard, Piscator, Peymann und Castorf, Iffland, Minetti und Herdeegen – sie alle und die zahllosen nicht Genannten haben das Theater geprägt, weiterentwickelt und verändert.
Historisch hat das Theater religiös-kultische Wurzeln. Am Anfang steht der Dionysoskult. Doch bereits hier im antiken Athen grenzten sich die Künstler von Priestern und Politikern ab, stellten mit Theatermitteln die existierenden Götter-, Welt- und Menschenbilder dar. Sie stellten in erster Linie Fragen, Antworten geben wollten sie nicht unbedingt.
Die Geburt der Tragödie ist aufs engste mit dem griechischen Dichter Aischylos verbunden. Er stellte dem ersten Schauspieler, dem Protagonisten, einen zweiten (Deuteragonist) als Freund zur Seite und schuf somit die Voraussetzung für den Dialog. Sophokles schließlich führte mit dem dritten Schauspieler den für ein echtes Drama notwendigen Gegenspieler ein. Zur Szenerie gehörte als wesentlicher Bestandteil neben diesen dreien, die oft in verschiedenen Rollen und Maskierungen agierten, der Chor. Die Römer übernahmen die griechische Theaterkultur. Das Mittelalter ist durch Passions- und Mirakelspiele gekennzeichnet, die Inhalte aus der Bibel und aus dem Leben der Heiligen in Szene setzten. Gegen Ende der Epoche wurden auch Fastnachtsspiele und in England Morality Plays, deren Einfluss auf die Theaterkultur der Neuzeit ungebrochen ist, beliebt.
Die Renaissance vereinte die alten Mysterienspiele mit den wiederentdeckten klassischen Tragödien und Komödien.
Mit dem Sieg des Absolutismus über den Feudalismus wurden die Inszenierungen aufwendiger. Als Ab- und Sinnbild der Welt spielte der Gegensatz von Schein und Sein eine wichtige Rolle. Im 18. Jahrhundert wurde „spielen“ auch ganz gerne mit „lügen“ gleichgesetzt. Die theatralische Vielfalt nahm ständig zu, sodass im 19. Jahrhundert eine Trennung in vier Sparten – Sprech-, Musik-, Tanz- und Figurentheater – sinnvoll wurde.
Im 20. Jahrhundert vollziehen sich Entwicklungen und Veränderungen, inklusive neuer Theorien, die für das Theater in vielfacher Hinsicht Umbrüche brachten: In den 10er- und 20er-Jahren experimentierte die Avantgarde mit neuen Theaterformen, die den multimedialen Charakter des Theaters als Verbund von Raum, Bühne, Licht, Kostüm, Schauspielerkörper und -stimme durch neue Konstellationen und Bewertungen veränderten. Die klassische Guckkastenbühne wurde gesprengt und machte verschiedenen Konzepten der Zusammenführung von Zuschauerraum und Bühne Platz. Der öffentliche Raum wurde als Theaterort entdeckt, das neue Medium Film in die Theaterkonzeption integriert. In der sozialen und politischen Aufbruchsstimmung der 60er-Jahre entwickelte sich das Theater zu einem Ort der Experimente für verschiedenste künstlerische Strömungen: Happening- und Performancekunst, Straßen- und interventionistisches Theater etc. Das 21. Jahrhundert knüpft an, schöpft aus dem ungeheuren Fundus der Theatergeschichte und versucht, das reale Theatergeschehen u. a. durch Dokumentartheater gegenüber dem allgemeinen Medienoverkill zu behaupten.

Theater ist ein ganzheitliches, plurimediales Ereignis, spricht den menschlichen Geist an und wirkt bis ins Unterbewusste. Die Zuschauer können erkennen und Neues entdecken. Ein Bühnengeschehen kann bestäigen oder konterkarieren, kann neue Perspektiven eröffnen, den Blick für Alternativen schärfen.

Als Kunstsparte ist das Theater frei. Es kann religiös, gesellschaftskritisch, politisch oder auch nur ästhetisch motiviert sein. Aufgrund der kollektiven Rezeption und des Live-Charakters, also dem transitorischen Element des Aufführens, ist es eng mit der realen Gesellschaft verbunden. Die Diskussion von Gesellschaft als Spiel auf der Bühne ist daher nahe liegend und hat zu allen Zeiten und in unterschiedlicher Ausprägung überall auf der Welt stattgefunden. Das Theater ist folglich ein Ort für das vergangene, gegenwärtige, zukünftige oder utopische Leben, ein Spiegel der Wirklichkeit, gesellschaftlicher Strömungen und Entwicklungen, erzählt von und über den Menschen, präsentiert „Wahrheiten“ rund um unser Menschsein. Das Theater kann als bloße Unterhaltung dienen, die den Zuschauer unverändert in die Realität entlässt; es kann das Publikum aber auch zwingen teilzunehmen und im Einzelnen ein Mit-Fühlen auslösen oder ihm ein Weiter-Denken abverlangen.
Man könnte einwenden, dass es sich mit Kino oder Fernsehen ebenso verhält. Doch das Theater funktioniert und wirkt anders: Egal ob auf der Bühne oder im öffentlichen Raum, inneres und äußeres Geschehen werden durch Schauspieler aus Fleisch und Blut transportiert und vermittelt. Außerdem braucht das Theater das Publikum. Erst in der Kommunikation und Interaktion zwischen den Schauspielern und dem Auditorium kann die Macht der Darstellung und die des Wortes ihre Kraft entfalten – wobei sich das Bild der Geste und vor allem dem gesprochenen Wort unterordnet. Dialoge, Monologe – die Sprache, auch im Nichtgesagten, hält alles Handeln zusammen. Erst durch die Bühne, wie auch immer beschaffen, kann sich die Dramatik einer Dichtung erweisen. Erst hier vollendet sich das Werk, genau wie sich das Theater erst durch das Wort des Dichters in seiner ganzen Weite menschlichen Fühlens und Denkens aufschließt. Vergangenheit, Zukunft und verdichtete Realität werden durch das gesprochene Wort der Akteure für den Moment wahrhaftig. Theater vermag es, innere Regungen im Menschen für den Zuschauer erfahrbar zu machen. „Theater ist die tätige Reflexion des Menschen über sich selbst“, stellte der Dichter Novalis fest.
Erst die Wechselwirkungen zwischen der sich ständig erneuernden Kraft der Dichtung, der immer neue Ausdrucksformen suchenden schöpferischen Leidenschaft des Theaters und der Interaktion mit dem Publikum bewerkstelligen es, das dramatische Kunstwerk Theater auch heute mit Leben zu füllen.
Theater ist ein ganzheitliches, plurimediales Ereignis, spricht den menschlichen Geist an und wirkt bis ins Unterbewusste. Die Zuschauer können erkennen und Neues entdecken. Ein Bühnengeschehen kann bestätigen oder konterkarieren, kann neue Perspektiven eröffnen, den Blick fuür Alternativen schärfen.
Selbst wenn gesellschaftliche Diskurse heute vorrangig in anderen Medien geführt werden, bedeutet Theater auch weiterhin Sehen lernen: die Differenz von Sein und Erscheinung eines Vorgangs zu erkennen und gleichsam zu überwinden, Konkretes im Abstrakten und Abstraktes im Konkreten zu erblicken. Theater ist der Prozess, in dem Abstraktes konkretisiert werden kann; es ist der Vorgang etwas Entleibtes zu beleben, indem dem Abstrakten ein Körper und Gesicht gegeben werden; eine konkrete, eine persönliche Beziehung kann entstehen.
In einer Zeit, in der das Leben virtuellen Abstrahierungsprozessen unterworfen ist, in der es keine Körper, keine Räume gibt, handelt es sich bei diesem schlichten Vorgang um ein politisches, gesellschaftliches und humanistisches Statement. So gesehen, fungiert Theater heute als Medium, das einer abstrakten virtuellen Welt, eine konkrete Echtheit, einen konkreten Raum, konkrete Koörper, konkrete Sinnlichkeit und konkrete Selbst- und Fremdwahrnehmung entgegensetzen kann.
Auch wenn in regelmäßigen Abständen die Krise oder sogar das Ende des Theaters beklagt wird, besteht kein Grund zur Sorge. Intendanten, Dramatiker, Regisseure und Schauspieler vermögen es noch immer, das Theater mit Leben zu füllen.

Autor: Susanne Heeber

Charles-Louis de Montesquieu

Montesquieu, Verfasser bedeutender philosophischer Schriften, hinterließ eine farbige Darstellung seiner großen Deutschlandreise. Eine überraschende Entdeckungsexpedition in die Welt des 18. Jahrhunderts, die hier zum ersten Mal auf Deutsch vorliegt.
Zwischen April 1728 und Oktober 1729 bereiste der französische Literat, Satiriker und Rechtsphilosoph Charles-Louis de Montesquieu das deutsche Reich. Seine Reiseerlebnisse bieten einen intimen und überraschenden Einblick in die vielfältigen Lebensbezüge und Alltagswelten der Deutschen im Zeitalter des Barock und der Aufklärung. Als Adliger, der zugleich ein gefeierter Schriftsteller war, hatte Montesquieu Zugang zu allen Ständen. Seine Beobachtungen sind stets lakonisch, sprühen dabei vor Witz, Charme und Ironie und porträtieren gekonnt Land und Leute. »Die Deutschen sind den Elefanten vergleichbar; zunächst wirken sie schrecklich, doch sobald man sie gestreichelt hat und ihnen schmeichelt, werden sie sanftmütig. Dann braucht man nur noch die Hand auf ihren Rüssel zu legen, und sie lassen einen willig auf ihren Rücken klettern.«
Herausgegeben, eingeleitet und kommentiert von Jürgen Overhoff. Nachwort von Vanessa de Senarclens. Aus dem Französischen von Hans W. Schumacher.
Gebunden mit Schutzumschlag, zahlreiche Abbildungen im Text
Verlag: Cotta ISBN: 978-3-7681-9900-1

DSV Kunstkontor

Hier können Sie den aktuellen Katalog anschauen

Der neue Online-Katalogs ‚Edition S 42’ vom DSV Kunstkontor ist da! Neben den beiden für das Kunstkontor angefertigten Editionen finden sich weitere Arbeiten sowohl junger Talente als auch bekannter Künstler in der ‚Edition S42’ wieder. Highlights sind in diesem Jahr Editionen von Thomas Struth, Elizabeth Peyton, Katharina Sieverding, Anton Henning und vielen mehr. Täglich von 12 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung können die neuen Editionen sowie das vielfältige Angebot an Grafiken und Gemälden in den Galerieräumen in der Industriestraße 68 in Stuttgart-Vaihingen auch von Privatpersonen besichtigt und erworben werden. Die diesjährige Museumsedition und die Junge Edition führte das Kunstkontor nach Leipzig. Mit Unterstützung von Franciska Zólyom, Direktorin der Stiftung Galerie für Zeitgenössische Kunst, und Professor Ingo Meller, Lehrender an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, konnten zwei interessante Künstlerinnen für die beiden speziell für das Kunstkontor angefertigten Editionen gewonnen werden.Henriette Grahnert vereint in der Museumsedition unterschiedlichste Malereitraditionen wie Hard Edge, Farbfeldmalerei, Pop-Art, Bad Painting oder Minimalismus. In ihren Lithografien schafft sie es, sich mit subtilem Humor mit künstlerischen Traditionen auseinanderzusetzen. Ihre Bilder zeugen von hohem bildnerischem und intellektuellem Reiz.
Meisterschülerin präsentiert poetische Wortkombinationen
Die Junge Edition wird dieses Jahr von Anna Vovan gestaltet, die an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studiert. In ihren für das Kunstkontor entwickelten Fotogrammen sammelt die Künstlerin Wörter, die ihre subjektive Wahrnehmung widergeben. Durch die Belichtung auf Fotopapier entstehen Unikate, welche die poetischen Wortgruppen einrahmen.


Weitere Informationen:
Ab Oktober öffnet das Kunstkontor jeden ersten Mittwoch im Monat die Ausstellungsräume zum Verkauf. Die beiden ersten Termine fallen auf den. Von 12 bis 18 Uhr können Kunstinteressierte das wechselnde Angebot begutachten und erwerben. Daneben gibt es aber auch weiterhin die Möglichkeit nach Absprache außerhalb der neuen Öffnungszeiten bei den Kunstexperten vorbeizuschauen.
Besucheradresse: Industriestraße 68, 70565 Stuttgart
Telefon +49 711 782-1566, kunstkontor@dsv-gruppe.de,
www.dsvkunstkontor.de

DSV Kunstkontor 

Eine Besonderheit innerhalb des DSV-Leistungsspektrums ist das DSV Kunstkontor. In dieser Einrichtung konzentriert sich das Wissen um die Kunstbelange der Sparkassen-Finanzgruppe. Das DSV Kunstkontor zählt vor allem im Bereich „Kunst am Bau“ zu den renommierten Art Consulting-Anbietern in Deutschland. Sein breites Angebot, die Vielzahl von Kontakten und die Kenntnis der aktuellen Entwicklungen und Tendenzen im Kunstmarkt sind wichtige Voraussetzungen für die Erarbeitung unternehmens-spezifischer Ausstattungs- oder Sammlungskonzepte. Schon 1974, mit dem ersten Künstlerplakat zum Weltspartag, begann die Geschichte des Sonderservices „Kunstberatung und Kunstausstattung“ im Deutschen Sparkassenverlag, aus dem das heutige DSV Kunstkontor entstand. Hier werden seit mehr als 30 Jahren Kontakte zu Künstlern, Galeristen, Museen, Stiftungen und Akademien, zu Wissenschaftlern, Journalisten, Kritikern und Kuratoren gepflegt. Zu den bekanntesten Künstlern, mit denen das DSV Kunstkontor zusammenarbeitet, zählen unter anderem Stephan Balkenhol, Dellbrügge & de Moll, Katharina Grosse, Stephan Huber, Heinz Mack, Fabrizio Plessi, Tobias Rehberger, rosalie, Luzia Simons und Konrad Winter.

Szenen des Virtuosen

»Das ist virtuos!« – Dieses Urteil kann sich auf alles beziehen, was jemand so (über-)steigert, dass es andere zu exzessiven Reaktionen motiviert: zu tosendem Beifall ebenso wie zu Tumult oder Protest.
Gabriele Brandstetter, Bettina Brandl-Risi und Kai van Eikels untersuchen die besondere Steigerung, die Virtuosität ausmacht, in der gesamten Bandbreite menschlicher Tätigkeiten. Sie erkennen in den Szenen des Virtuosen Verbindungen und Wechselbeziehungen zwischen Kunst, Politik, Ökonomie, Technik und Gesellschaft.

Gabriele Brandstetter / Bettina Brandl-Risi / Kai van Eikels
Szenen des Virtuosen auch asl EBook erhältlich
Verlag: transcript
ISBN: 978-3-8376-1703-0

Mehr Informationen / Bestellung:
www.transcript-verlag.de/978-3-8376-1703-0
oder via E-Mail: bestellung@transcript-verlag.de

Kulturvermittlung heute

Wie schafft man kreative Lernumgebungen für Bürgerinnen mit verschiedenen soziokulturellen Traditionen und kulturellen Rezeptionsgewohnheiten? Welche Rolle spielen Standort und Geschichte einer Kulturinstitution für Inhalte und methodischen Zugang der Vermittlungsarbeit? Wie lassen sich veränderte demographische Bedingungen in Kulturangeboten berücksichtigen?
Diesen und weiteren Fragen, etwa zur Qualität der Beziehungsarbeit mit dem Publikum, widmet sich der Band. WissenschaftlerInnen und PraktikerInnen aus den Bereichen Kunst, Kultur, Architektur, Bildung, Soziale Arbeit und Stadtentwicklung vermessen die wichtigsten Aspekte der Kulturvermittlung aus dem Blickwinkel verschiedenster Länder weltweit. Sie zeigen Methoden und Formate einer zeitgemäßen Kulturvermittlung auf und präsentieren Sichtweisen und Erfahrungen aus Forschung und Praxis.

NÖKU-Gruppe / Susanne Wolfram (Hg.)
Kulturvermittlung heute
Internationale Perspektiven
Verlag: transcript
ISBN 978-3-8376-3875-2

Museum und Gegenwart

Auch im 21. Jahrhundert kann sich das Museum als Verhandlungsort und Aktionsfeld für die Verortung von Individuum und Gesellschaft etablieren und mithelfen, neue Formen des verantwortlichen und sozialen Handelns zu entwickeln. Es kann so die Suche nach persönlicher und kollektiver Verantwortung für ein demokratisch strukturiertes Zusammenleben unterstüzen.
Dieser Band stellt innovative, internationale Museumsprojekte vor. Sie verbindet eine Auseinandersetzung mit der Gegenwart, die vielfältige Chancen bietet: hinsichtlich der Zukunft der Sammlungen, hinsichtlich neuer Felder und Formen der Kooperation sowie in Bezug auf aktuelle Formen der Vermittlung und des Kompetenztransfers.
Mit Beiträgen u.a. von James M. Bradburne, Gottfried Fliedl, Mark Taylor und Christoph Thun-Hohenstein.

Robert Gander / Andreas Rudigier / Bruno Winkler (Hg.)
Museum und Gegenwart
Verhandlungsorte und Aktionsfelder für soziale Verantwortung und gesellschaftlichen Wandel
Verlag: transcript
ISBN: 978-3-8376-3335-1

Kunst sammeln –
eine (un)heimliche Leidenschaft

Sammlerinnen und Sammler gehören seit jeher zu den wichtigsten Gestaltern des Kunstbetriebs. Wer sind diese Menschen, diese Jäger und Sammler unserer Zeit? Was treibt sie an? In der zweiten Ausgabe der Kunstbuchreiche G:sichtet des Stuttgarter Gatzanis-Verlags stellen Kunstwissenschaftlerin und Leiterin der städtischen Galerie Ostfildern Holle Nann und der Stuttgarter Fotokünstler Frank Paul Kistner 14 KunstsammlerInnen aus Stuttgart und der Region vor. Dabei fiel ihre Wahl nicht auf die Eigentümer oder Verwalter von repräsentativen Sammlungen, sondern auf besondere Schätze. Zusammengetra gen von unterschiedlichsten Menschen, die eines vereint: die Liebe zur Kunst. Bei ihren Begegnungen erfuhren sie viel über persönliche Ambitionen: Wieso man zum Sammler oder zur Sammlerin wird. Wie man einen Stil oder eine Richtung findet. Welchen Anspruch man an KünstlerInnen hat, damit sie in die eigene Sammlung aufgenommen werden und was das Ziel der Sammlung ist.
Eine schön ausgestattete Edition für Kunstfreunde, und alle, die es werden wollen.

G:sichtet, Ausgabe 2
KUNST SAMMLEN – ein (un)heimliche Leidenschaft
von Holle Nann (Herausgeberin), mit vielen Fotografien von Frank Paul Kistner
Verlag: Gatzanis Verlag
ISBN: 978-3-932855-67-2

Videobeitrag aus der SWR-Fernsehserie KUNSCHT!

Gespräche im Atelier

Das Künstleratelier ist ein besonderer Ort, finden sich hier doch nicht nur Materialien und Werkzeuge, Skizzen, Vorstudien und Kunstwerke verschiedenster Schaffensphasen, sondern auch andere Zeugnisse der Selbstreflexion des dort Schaffenden. Heidi Bierwisch war viele Jahre Leiterin des FORUM KONKRETE KUNST ERFURT und hat eine beachtliche Anzahl von Ateliers gesehen: Große und kleine, vollgestellte und penibel aufgeräumte waren darunter. Sie gehörten alten und jungen Vertretern der konkret-konstruktiven Kunst, lagen im Dschungel der Großstadt und auf dem platten Land.

 

In den aufgezeichneten Gesprächen geht die Autorin in 14 Ateliers von Künstlern auf Spurensuche. Dabei klärt sie genau die Dinge, die wir schon immer wissen wollten. Etwa: Was bedeutet es dem Künstler, „ins Atelier zu gehen“ und was liebt er an diesem Ort? Welche Vision führt ihn, was treibt ihn an und wie geht er mit Zweifeln um? Wie ist er rein praktisch gesehen organisiert? Und die Masterfrage: Was führt letztlich zum Erfolg?

Heidi Bierwisch
Schichtergründungen
Gespräche im Atelier
Verlag: modo Verlag
ISBN: 978-3-86833-171-4

Verdi: Ein Roman in neun Fantasien

Ein beglückender Roman, leicht erzählt, mit musikalischem Gespür für Dissonanzen, Zwischentöne und das große Finale. Peter Härtling, profunder Musikkenner und Autor hochgelobter Küstlerromane von Schubert über Schumann bis zu Hölderlin und Fanny Mendelssohn, nähert sich dem alternden Verdi und lässt seine Fantasie schweifen.

Verdi hat mit Aida einen phänomenalen Erfolg gefeiert und versucht nun etwas Neues. Mit dem Streichquartett in e-Moll und dem Requiem überrascht er sich, sein Publikum und Peppina, seine zweite Frau und engste Vertraute. Und er beginnt, sich neben der Musik um Anderes zu kümmern: seinen Landsitz Sant’Agata, in dessen Umgebung er ein Krankenhaus gründet, und die Casa di Riposi dei Musici, ein Altersheim für ehemalige Musiker in Mailand.
Härtling erzählt von einem Mann, der immer auf der Suche ist – nach sich, der Liebe, der Erfüllung, dem künstlerischen Ausdruck – von einem Mann mit Erfahrung, der doch immer wieder von Neuem anfängt und am Vertrauten hängt, vor allem an seiner Peppina.

Peter Härtling
Verdi: Ein Roman in neun Fantasien
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04808-7

Die Geschichte des Südwestens

1000 Jahre Geschichte des Südwestens: Warum gilt Kaiser Friedrich Barbarossa als der wichtigste Herrscher des Mittelalters? Welche Rolle spielte Götz von Berlichingen im Bauernkrieg? Was hielt das Leben für Franziska von Hohenheim, Geliebte und Ehefrau des württembergischen Herzogs Carl Eugen, bereit? Wie wurden Stuttgart und Mannheim zu Zentren der Industrialisierung, Tübingen, Heidelberg und Freiburg zu Stätten der Gelehrsamkeit? Was trieb überzeugte Nationalsozialisten wie Josef Bürckel an, tausende Juden in Lager deportieren zu lassen? Was ist das Besondere an der Geschichte des Südwestens, wie wurden wir, was wir sind? Das Buch von Georg Patzer in Kooperation mit dem SWR  erzählt in dem reich bebilderten Buch, welche Menschen, Epochen und Ereignisse unsere Region prägten.

Die Geschichte des Südwestens – ein multimediales Projekt des SWR

Der Südwesten Deutschlands hat eine reiche Geschichte, die noch nie umfassend in einem großen Medien-Projekt erzählt wurde.

Dabei sind Baden-Württemberg, das Saarland und Rheinland-Pfalz voller Spuren einer bewegten Vergangenheit: Das Kloster Reichenau zum Beispiel und der Dom in Speyer zeugen von der früheren Macht der Kirche; die Universitäten in Heidelberg, Freiburg und Tübingen gehören zu den ältesten Deutschlands.

Die Schlösser in Mannheim und Ludwigsburg lassen erahnen, wie prunkvoll absolutistische Monarchen regierten; das Hambacher Schloss erinnert daran, dass die Freiheitsbewegung im 19. Jahrhundert nirgendwo stärker war als in Baden und in der Pfalz.

In Ludwigshafen künden die Produktionsstätten der Chemieindustrie vom enormen wirtschaftlichen Aufschwung der Region während der industriellen Revolution; dass die Innenstädte von Pforzheim und Mainz noch heute 50er-Jahre-Charme versprühen, erinnert an die Zerstörungen durch alliierte Bomber im Zweiten Weltkrieg und an das Leid, das dieser Krieg auch den Menschen im Südwesten brachte. Schmucke Einfamilienhäuser und gepflegte Vorgärten künden vom raschen Wiederaufbau und dem einziehenden Wohlstand nach dem Krieg.

Überall finden sich noch heute Zeugnisse dieser wechselvollen Historie.

Das Web-Special: SWR.de/geschichte-des-suedwestens

Neben dem Online-Game finden sie sieben Fernsehfilme, ein großes, aufwändiges Web-Special, ein Buch und viele Hörfunkbeiträge

„Die Geschichte des Südwestens“ führt Zuschauer und Nutzer an diese Schauplätze und erzählt die Geschichte der Region erstmals in einem großen multimedialen Projekt. Es bietet ihnen einen Überblick über die wichtigsten Ereignisse und historischen Entwicklungen – vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Das Projekt will die Menschen für ihre eigene Geschichte interessieren, Wissen vermitteln, Orientierung geben, ihnen helfen, historische Zusammenhänge zu verstehen und mitreden zu können – vielleicht auch ein bisschen stolz zu sein auf „ihre“ Heimat und „ihre“ Geschichte.

Mehr Informationen zu den historischen Hintergründen, zur Doku-Reihe im SWR Fernsehen und den Hörfunk-Beiträgen unter http://www.SWR.de/geschichte-des-suedwestens

Mehr zum Making of gibt es unter http://multimedia.swr.de/gsw-de

Über den Autor des Buchs „Geschichte des Südwestens“:
Georg Patzer, geboren 1957, gelernter Buchhändler, studierte Geschichte und Germanistik. Er ist Autor zahlreicher Fach- und Sachbücher. Als freier Journalist arbeitet er für die Stuttgarter Zeitung, Jüdische Allgemeine, Mannheimer Morgen, Rheinpfalz, taz und den SWR. Er lebt in Karlsruhe.

Georg Patzer
Die Geschichte des Südwestens
Wie wir wurden, was wir sind
Verlag: Konrad Theiss
ISBN: 978-3-806231-55-7