Die Literarische Gesellschaft Karlsruhe veranstaltet in diesem Jahr vom 10. bis 20. Oktober 2025 zum 13. Mal die Karlsruher Literaturtage. Die Veranstaltungsreihe ist ein fester Bestandteil der städtischen Kulturlandschaft und macht Karlsruhe Jahr für Jahr zur Bühne literarischer Entdeckungen. Unter dem Motto Literatur offensiv! Präsentiert das Festival die Vielfalt des Erzählens – in bewährten Formaten und neuen Impulsen, generationenübergreifend, experimentell und traditionsbewusst zugleich. Mit über 35 Veranstaltungen an mehr als 20 Orten bringen die Literaturtage lokale und regionale Autor*innen, Künstler*innen und ein breites, neugieriges Publikum zusammen. Ob in Bibliotheken, Buchhandlungen, „Fahrstühlen“, kleinen Geschäften oder Museen – Literatur wird in Karlsruhe hörbar, sichtbar und zugänglich. Möglich macht das die Zusammenarbeit mit zahlreichen Kooperationspartnern, Initiativen und Institutionen, die das facettenreiche Programm gemeinsam mit der Literarischen Gesellschaft gestalten. Den Auftakt bildet traditionell der „Poetry Slam Dead and Alive“ im Kleinen Haus des Badischen Staatstheaters am Freitag, 10. Oktober 2025, um 19:30 Uhr. In den darauffolgenden Tagen folgen Lesungen, szenische Performances, interaktive Formate, musikalisch-literarische Abende und kreative Schreibimpulse.
Weitere Info auch zum Programm: www.literaturtage-karlsruhe.de
Jenny Erpenbeck
Die Tübinger Poetik-Dozentur hat sich in den letzten Jahrzehnten als renommiertes Forum für Literaturbegeisterte, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie die Öffentlichkeit etabliert. 1996 von der Stiftung Würth ins Leben gerufen, bringt sie jährlich bedeutende Autorinnen und Autoren ans Deutsche Seminar der Universität Tübingen. 2025 wird diese Tradition durch die Einladung einer der prägendsten Stimmen der Gegenwartsliteratur fortgesetzt: Jenny Erpenbeck.

Schon jetzt fiebert die Literaturszene dem Gastspiel der Schriftstellerin entgegen. Geboren 1967 im damaligen Ost-Berlin, begann Erpenbeck ihre Karriere abseits des Literaturbetriebs: Nach ihrer Ausbildung zur Buchbinderin und einem Theaterwissenschaftsstudium arbeitete sie u.a. an der Staatsoper Berlin und führte eigene Inszenierungen auf. Erst 1999 wagte sie sich mit dem vielbeachteten Debütroman „Geschichte vom alten Kind“ in eine neue, literarische Welt – und traf direkt einen Nerv. Ihre Werke werfen eindrucksvolle Schlaglichter auf deutsche Geschichte, Migration, persönliche Schicksale und gesellschaftlichen Wandel. Besonders mit Romanen wie „Heimsuchung“, das sogar in die Auswahl der „100 besten Bücher des 21. Jahrhunderts“ durch den „Guardian“ aufgenommen wurde, oder dem preisgekrönten Werk „Kairos“, gelingt Erpenbeck eine intensive Auseinandersetzung mit Zeitgeschichte und Identität.
Ein Blick auf ihr Gesamtwerk zeigt: Jenny Erpenbeck ist keine Autorin, die sich auf Wiederholungen ausruht. Jedes neue Buch eröffnet andere Perspektiven, experimentiert mit Formen und stellt existenzielle Fragen. Ihr feines Gespür für Zeitgeist und Abgründe des Menschlichen macht sie zu einer faszinierenden Erzählerin der Gegenwart. In ihrer kommenden Poetik-Vorlesung dürfen wir uns auf inspirierende Einsichten, lebendige Diskussionen und neue Impulse für die Literatur freuen.
Die Tübinger Poetik-Dozentur versteht sich als Brücke zwischen Autor und Publikum. Studierende, Dozierende und Interessierte erhalten die seltene Gelegenheit, hautnah mit einer vielfach ausgezeichneten Autorin ins Gespräch zu kommen. Zu Erpenbecks Ehrungen zählen namhafte Auszeichnungen wie der Internationale Booker Prize (2024), der Thomas-Mann-Preis oder der Europäische Literaturpreis. Ihre Bücher sind mittlerweile in mehr als dreißig Sprachen erschienen und berühren Menschen weltweit.
Die 38. Tübinger Poetik-Dozentur 2025 findet von 16. bis 21. November 2025 statt. Termine: 17. November: Vorlesung von Jenny Erpenbeck, 18. November: Vortrag von Ute und Werner Mahler, 19. November: Jenny Erpenbeck im Gespräch, 20. November: Vorlesung von Peter Wawerzinek. Die Veranstaltungen können auch über einen Live-Stream verfolgt werden. Veranstaltungsort: Universität Tübingen, jeweils 19 Uhr, Alte Aula, Münzgasse 30. Der Eintritt ist frei; eine Anmeldung ist nicht notwendig. Einlass ab 18:30 Uhr.
Stuttgarter Philharmoniker – Konzertsaison 2025/26
Mit Freude und Stolz sehen die Stuttgarter Philharmoniker auf die kommende die Spielzeit 2025/26. Das Publikum darf sich wieder auf ein vielfältiges und umfangreiches Programm auf höchstem künstlerischem Niveau mit international bedeutenden Gastsolisten und -dirigenten freuen.
Herzstück des Konzertangebotes sind die 18 großen Sinfoniekonzerte im Beethovensaal der Stuttgarter Liederhalle, die sich in verschiedene Reihen gliedern. Die drei Konzerte der Reihe KLASSIK HIGHLIGHTS präsentieren Hauptwerke des klassischen und romantischen Repertoires für Kenner, Liebhaber oder Einsteiger in die faszinierende Welt der Orchestermusik. Die sechs Konzerte der Reihe SINFONISCHE HORIZONTE stehen ganz im Zeichen von PAAREN. Es geht um literarische und historische Geschwisterpaare, Liebespaare und andere, um die sich spannende musikalische Geschichten ranken.

Eng verbunden mit dem Erleben großer Musik ist das STAUNEN. Staunen kann man in den neun Konzerten der GROSSEN REIHE über Wunderkinder und Helden, über Zauberei und andere Überraschungen. Das Erhabene in uns und in der Natur lässt sich in überwältigenden Sinfonien, eindrucksvollen Tondichtungen und virtuosen Konzerte nacherleben! Apropos virtuos: Wolfgang Amadeus Mozart hat in seinem kurzen, aber glanzvollen Leben über zwanzig Klavierkonzerte komponiert – jedes einzelne ein Meisterwerk für sich.

Über drei Saisons hinweg, beginnend ab 2025/26, werden die Stuttgarter Philharmoniker die meisten dieser Konzerte ausschließlich mit weiblichen Pianisten aufführen. Unter dem Titel MOZART-VIRTUOSINNEN wird dazu auch eine eigene Abonnementreihe angeboten.

Die neuen BEETHOVEN-TAGE DER STUTTGARTER PHILHARMONIKER LUDWGISBURG–STUTTGART sind ein kleines, hochkarätiges Festival mit Musik dieses wahrhaft bedeutenden Komponisten, der Menschen aller Kulturkreise anspricht und gewissermaßen einen Inbegriff klassischer Musik verkörpert. Es findet 2026 zum zweiten Mal an den Tagen um Christi Himmelfahrt statt. Weitere Veranstaltungsformate der Saison sind die Vorstellung junger Solistinnen und Solisten, die unter dem Titel CARTE BLANCHE im Gustav-Siegle-Haus ihre ganz persönlichen Programme kuratieren, ein WANDELTAG im Rosensteinpark zu Musik unter freiem Himmel und im Schloss, ein FORUMKONZERT mit Musik aus dem Umkreis migrantischer Kulturen in Stuttgart, die beliebten NACHTSCHWÄRMER-KONZERTE gemeinsam mit dem BIX Jazzclub im Gustav-Siegle-Haus und MITTEN IM ORCHESTER, was wörtlich zu verstehen ist: Hier kann das Publikum zwischen den Orchestermusikern sitzen. Die Reihe KULTUR AM NACHMIT TAG bietet all jenen Hörgenuss, die sich vor allem für Kammermusik interessieren und lieber tagsüber ins Konzert gehen.

Auch das vielfältige Angebot an KINDER- UND FAMILIENKONZERTEN liegt den Stuttgarter Philharmonikern besonders am Herzen!
All das ist nur ein Ausschnitt aus den vielfältigen Aktivitäten des Orchesters der Landeshauptstadt und das landesweit auch in Gastkonzerten in Baden-Württemberg (beispielsweise regelmäßig bei den Opernfestspielen in Heidenheim) zu erleben ist. Die Stuttgarter Philharmoniker wünschen allen Lesern von arsmondo eine schöne Saison, hoffentlich auf bald im einen oder anderen Konzert.

Konzerte können einzeln oder im Abo gebucht werden.
Alle Sinfoniekonzerte, beginnen um 19.30 Uhr.
Weitere Info: www.stuttgarter-philharmoniker.de
Wort und Klang – Motetten und Instrumentalmusik von Bach
Chor und Orchester der Gaechinger Cantorey interpretieren unter Leitung von Hans-Christoph Rademann die fünf großen Motetten Bachs in zwei Konzerten.

Johann Sebastian Bach führte diese Gattung in seinen Motetten zu einer späten und herausragenden Blüte. Die Bezeichnung „Motette“ leitet sich vom französischen Wort „mot“ ab und verweist auf eine Form der abschnittsweisen Vertonung eines Gesangstextes. Die anspruchsvolle Mehrstimmigkeit des Chores erklingt hierbei nicht a cappella, sondern wird durch die vielfältigen Klangfarben des Orchesters bereichert, das die vokalen Werke zudem mit instrumentalen Zwischenspielen von Bach ergänzt.

Konzert Ludwigsburg
Samstag, 25. Oktober 2025, 19.00 Uhr, Forum am Schlosspark
Wo: Forum am Schlosspark, Stuttgarter Str. 33, 71638 Ludwigsburg
Einführung 18.20 Uhr
Konzert Stuttgart
Sonntag, 26. Oktober 2025, 19.00 Uhr, Liederhalle Stuttgart
Liederhalle Stuttgart, Beethoven-Saal, Berliner Platz 1-3, 70174 Stuttgart
Einführung 18.20 Uhr
Karten und Auskunft: Tel. 0711 / 619 21 61, www.easyticket.de
Weitere Informationen: www.bachakademie.de, www.forum.ludwigsburg.de
Neue Allianz – Kunsthalle Baden-Baden und Badisches Landesmuseum
Zwei Institutionen, zwei Städte, ein gemeinsamer Weg: Die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden und das Badische Landesmuseum in Karlsruhe bündeln ihre Kräfte und beginnen eine neue Phase der kulturinstitutionellen Zusammenarbeit in Baden-Württemberg.
„In Karlsruhe entwickeln wir seit Jahren Ausstellungskonzepte, die aktuelle Perspektiven mit historischen Sammlungen in Beziehung setzen. In Baden-Baden gehen wir diesen Schritt konsequent weiter – gemeinsam mit zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern, deren Installationen auf unsere Fragestellungen reagieren. Dabei geht es nicht allein um Vermittlung, sondern darum, wie sich museale Inhalte heute neu erschließen, erzählen und kritisch befragen lassen“, so Eckart Köhne.

Für einen Zeitraum von fünf Jahren dient die Staatliche Kunsthalle Baden- Baden als Interimsfläche des Badischen Landesmuseums. Währenddessen geht das Karlsruher Schloss in eine umfassende Sanierung. „Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg ermöglicht mit dieser Lösung, dass wir trotz Schließung unseres Haupthauses weiterhin mit Ausstellungsprojekten sichtbar bleiben. An einem so kulturgeprägten Ort wie Baden-Baden kommen damit die Expertisen beider Häuser zusammen und setzen neue Impulse in der Museumslandschaft in Baden-Württemberg“, freut sich Eckart Köhne.


Seit Mai 2025 liegt die Leitung der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden bei Prof. Dr. Eckart Köhne (wissenschaftlich) und Susanne Schulenburg (kaufmännisch). Gemeinsam verantworten sie das Interimsprogramm und die museale Zusammenarbeit der beiden Institutionen. Die Teams der beiden Häuser stehen in regelmäßigem Austausch. Von dieser Synergie der Ideen profitieren nicht nur beide Institutionen – sondern vor allem auch das Publikum. Eine künstlerische Neugestaltung des Museumscafés ist
zudem für 2026 geplant. Noch bis Juni 2026 läuft das geplante Programm der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden weiter. Die Ausstellung „Selber Ort, andere Zeit – 70 Jahre Künstlerbund Baden-Württemberg“ wurde bereits vor der Kooperation konzipiert und ist ab dem 10. Oktober 2025 zu sehen. Ebenfalls lange geplant ist die Werkschau der Künstlerin Katharina Wulff, die am 13. Februar eröffnet.

Ausblick:
„Bloom up! Die Sprache der Blumen“
13. Juni 2026 bis 10. Januar 2027
Sonderausstellung in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden
„Kunst? Werk!“
13. Februar bis vsl. September 2027
Sonderausstellung in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden
Weitere Info: kunsthalle-baden-baden.de
75 Jahre SWDKO. Jubiläumssaison
Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim feiert 2025/26 sein 75-jähriges Bestehen mit 18 Konzerten, neuen Auftragswerken, Bildungsangeboten, einer Ausstellung und Musik-Figurentheater. Kulturbürgermeister Tobias Volle sieht das Orchester als wichtigen Kulturpartner für die Stadtgesellschaft. Mit der neuen Intendantin Anna Becker setzt das Orchester frische Akzente, darunter das Format „Junges Podium Weltmusik“.

Zum Jubiläumskonzert am 12. November gastiert Leonard Fu, Mozarts Violinkonzert Nr. 5 wird gemeinsam mit der Hochschule für Musik Saar aufgeführt. Chefdirigent Douglas Bostock verabschiedet sich 2026 nach einer Saison mit sechs Abo-Konzerten, die u.a. Werke russischer Komponisten, Filmmusik und selten gespielte Stücke umfassen.

Begleitend läuft vom 24. September bis 14. Dezember eine Ausstellung zur Orchestergeschichte im Kulturhaus Osterfeld. In der Langen Kulturnacht präsentiert das Orchester zusammen mit Partnern das Projekt „Der Wolf und die sieben Geißlein“ als Musik-Figurentheater.
Auch junge Zuhörer werden mit Schüler- und Familienkonzerten gezielt angesprochen. Der Freundes-kreis investiert weiterhin in neue Formate und Nachwuchsförderung.
Abonnementkonzerte:
Russische Bilder – 12.10.2025
Konzertant – Junge Bühne – 09.11.2025
Movie Night – 25.01.2026
Über Brücken – 15.03.2026
Nordwind – 26.04.2026
Sommer-Serenade – 28.06.2026
Weitere Informationen und alle Konzerte unter www.swdko-pforzheim.de
Ein Stück schwäbisches Kulturgut – Das Cannstatter Volksfest
Ein Fest der Sinne, der Tradition und der Lebensfreude. Von historischen Wurzeln zum modernen Kulturerlebnis. Eine Hommage.
Es gibt Feste, die sind einfach mehr als nur ein paar Tage Ausnahmezustand. Das Cannstatter Volksfest auf dem Stuttgarter Wasen ist eines davon – ein lebendiges Stück Geschichte, das sich Jahr für Jahr neu erfindet und dabei seine Seele bewahrt. Wer Anfang Herbst über das Festgelände schlendert, spürt hautnah, was es bedeutet, wenn Vergangenheit auf Gegenwart trifft, wenn Brauchtum auf Moderne und schwäbische Gemütlichkeit auf ausgelassene Lebensfreude stößt.

Die Wurzeln dieses einzigartigen Fests reichen zurück bis ins Jahr 1818, als ein Vulkanausbruch in weiter Ferne die hiesige Landwirtschaft ins Wanken brachte und König Wilhelm I. ein Fest als Zeichen des Aufbruchs ins Leben rief. Was damals als Erntedank und Mutmacher begann, ist heute ein spektakuläres Ereignis, das Millionen Menschen nach Stuttgart lockt und längst zu einem kulturellen Aushängeschild der Region geworden ist.
Schon beim Betreten des Wasens ist man gefangen vom bunten Treiben: Das Riesenrad dreht majestätisch seine Runden, Lichterketten glitzern im Herbsthimmel, und ein Meer aus Düften – von gebrannten Mandeln über Brathendl bis hin zu feinem Zwiebelkuchen – umschmeichelt die Sinne. Überall locken Fahrgeschäfte, von nostalgischen Karussells bis hin zu waghalsigen Attraktionen, die Mutige in die Lüfte katapultieren. Und dazwischen: die typischen kleinen Buden am Rand, die an die eigene Kindheit erinnern und mit ihrem nostalgischen Charme Geschichten von Generation zu Generation weitergeben.

Doch das Volksfest ist mehr als Kirmes – es ist ein Kaleidoskop menschlicher Begegnungen. Junge und Alte, Familien, Freundesgruppen, Schaulustige aus allen Ecken Europas, sie alle feiern gemeinsam. In den Festzelten pulsiert das Leben: Helle, großzügige Räume, geschmückt mit Blumen, Holz und Karomustern. Hier wird geschunkelt, gelacht, gesungen und getanzt – und das nicht mehr in dunklen, verrauchten Zelten wie einst, sondern in einladender, moderner Atmosphäre, in der jeder willkommen ist.
Für mich als passionierte Beobachterin und Kulturjournalistin ist der Wasen jedes Jahr ein Pflichttermin – nicht, weil ich es muss, sondern weil ich es will. Es ist die Neugier, die mich antreibt: Wie verändert sich das Fest? Welche Gesichter tauchen auf? Was macht den Zauber dieser Tage aus? Es sind die kleinen Szenen am Rand, die mich faszinieren: Familien, die sich vor dem Riesenrad umarmen, Freundesgruppen, die in Lederhosen und Dirndl den Alltag vergessen, und die strahlenden Augen der Kinder, wenn sie das erste Mal im Karussell sitzen. Man kommt ins Gespräch, begegnet Superchic und Superwichtig ebenso wie „ganz normalen“ Leuten. Hier zählt nur der Moment, das gemeinsame Erleben.
Und gerade in Zeiten, in denen die Welt draußen oft beängstigend wirkt, ist dieser Ort ein Refugium – eine Einladung, die Sorgen für eine Weile hinter sich zu lassen und sich einfach dem Genuss, der Gemeinschaft und der Lebensfreude hinzugeben. Brot und Spiele – oder besser gesagt: Brezel und Musik, dazu ein frisch gezapftes Bier.

Wer den Wasen mit offenen Augen besucht, erlebt eine faszinierende Mischung aus beharrlicher Tradition und kreativer Erneuerung. Festzelte, einst einfache Unterstände, sind heute architektonische Meisterwerke, jedes mit seinem unverwechselbaren Charakter. Logen, Bars, Nischen und liebevoll dekorierte Sitzbereiche ergeben eine Vielfalt, die für jeden Geschmack etwas bereithält. Jeder Zeltbetreiber pflegt sein eigenes Profil, setzt auf namhafte Bands, Solokünstler oder DJs, um das Publikum zu begeistern. Und wer einen Platz im Zelt ergattern will, muss längst rechtzeitig reservieren – so groß ist die Nachfrage.
Gleichzeitig finden sich am Rand des lauten Trubels stille Oasen, an denen man die Seele baumeln lassen kann. Es ist diese Mischung aus laut und leise, aus Spektakel und Rückzugsort, die das Cannstatter Volksfest zu etwas ganz Besonderem macht.
Das Fest war und ist ein Quell der Inspiration – nicht nur für Besucher, sondern auch für Künstler, Literaten und Fotografen. Das bunte Treiben, die Lichter, die Gesichter, all das hat schon Maler wie Max Beckmann oder Schriftsteller zu Geschichten und Gemälden inspiriert. Hier lebt die Volkskultur, hier wird Heimat sichtbar, ohne angestaubt zu wirken. Es ist ein Spiegel der Gesellschaft – ein Ort, an dem sich Menschen aller Couleur treffen, wo Lebensfreude, Tradition und Moderne einander die Hand reichen.
Natürlich wäre all das nicht möglich ohne die sorgfältige Organisation und die Menschen, die hinter den Kulissen für Sicherheit und Ordnung sorgen. Polizisten und Security-Teams sind dezent, aber präsent und tragen dazu bei, dass das Fest heute als sicher gilt, sodass sich Besucher entspannt auf das Vergnügen konzentrieren können. Das Geheimnis des Cannstatter Volksfests liegt für mich in seiner einzigartigen Mischung: Hier werden Tradition und Innovation, ausgelassene Freude und kulturelle Tiefe, große Emotionen und kleine Glücksmomente zu einem Fest verwoben, das seinesgleichen sucht. Es ist ein Ort, an dem man einfach mal „Mensch“ sein darf, an dem Sorgen und Alltag für einen kurzen Moment Pause machen. Wer das Leben feiern will, wer neugierig auf Menschen und Geschichten ist, für den ist der Wasen ein Muss – Jahr für Jahr aufs Neue.
Ein Beitrag von Claudia Fenkart


Die Geschichte des Cannstatter Volksfestes Stuttgart – Das „Landwirthschaftliche Fest zu Kannstadt“ fand erstmals 1818 statt. Der Name verweist auf die ursprüngliche Ausrichtung des Festes. Im Jahr 1815 führte ein Vulkanausbruch des Tambora auf der Insel Sumbawa zu globalen Klimaveränderungen, wodurch in Europa kühle Sommer und Ernteausfälle auch das Königreich Württemberg trafen. Nach den Hungerjahren initiierte König Wilhelm I., gemeinsam mit Katharina, die „Centralstelle des landwirtschaftlichen Vereins“, um die Landwirtschaft weiterzuentwickeln und den Austausch unter Landwirten zu fördern. Als Ausdruck von Dank wurde zudem ein Fest gestiftet. Ursprünglich wurde das Volksfest also als Erntedankveranstaltung durchgeführt. Heute findet parallel dazu das Landwirtschaftliche Hauptfest statt, eine große Ausstellung für Agrarwirtschaft, welche die Gründungsidee fortsetzt. Am 28. September 1818 eröffnete das Cannstatter Volksfest erstmals auf dem Wasen, einer damals unbebauten Neckaraue bei Stuttgart. Und seit damals ist der Cannstatter Wasen auch der Austragungsort für die große Festlichkeit. Dieser war damals eine idyllische, wohl auch etwas feuchte Neckaraue ohne umgebende Bebauung, zwischen Wiesen und Weinbergen am noch nicht aufgestauten Neckar gelegen. In Sichtweite lag die königliche Villa Bellevue an der Wilhelma, dem einzigen zoologisch-botanischen Garten in Deutschland. Ein kurzer Anfahrtsweg mit der Kutsche also für den Stifter des Festes, der es sich nicht nehmen ließ, dieses feierlich zu eröffnen und Zeuge eines erfolgreichen Beginns zu werden. König Wilhelm I. eröffnete das Fest persönlich. Umzüge haben eine lange Tradition im Rahmen des Volksfestes. Bereits 1841 wurde ein Festzug mit rund 10.000 Teilnehmern und mehr als 100.000 Zuschauern dokumentiert. Der moderne Umzug mit Start am Cannstatter Kursaal fand erstmals 1927 statt; 1911 wurde der erste Autokorso veranstaltet. Schausteller- und Bierausschankbuden wurden ab 1860 erstmals systematisch angeordnet. Von 1882 an fand das Volksfest nur noch alle zwei Jahre statt, eine Regelung, die bis 1891 beibehalten wurde. Weltkriege und andere Unterbrechungen führten insgesamt zu 28 Jahren ohne Fest. Das Cannstatter Volksfest wurde im Laufe der Zeit fortlaufend erweitert und zählt heute jährlich rund vier Millionen Besucher. Schon früh überstieg die Zahl der Teilnehmenden die Bevölkerung Stuttgarts und Cannstatts. Beim ersten Fest kamen mehr als 30.000 Menschen zusammen. Die Veranstaltungsdauer hat sich seit dem 19. Jahrhundert schrittweise erhöht und beträgt heute 17 Tage. Seit 2007 beginnt das Volksfest bereits am Freitag statt wie zuvor am Samstag. Es ist inzwischen das zweitgrößte Volksfest Deutschlands. Weithin sichtbares Wahrzeichen – die Fruchtsäule Die Fruchtsäule ist das Symbol des Cannstatter Volksfestes. Bereits 1818 war eine Säule mit Obst, Getreide und Gemüse Teil des Festes, eine Stiftung von König Wilhelm I., entworfen von Hofbaumeister Nikolaus Friedrich von Thouret. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie zunächst nicht mehr aufgestellt, kam aber 1935 zurück. Seitdem ist sie fester Bestandteil des Festplatzes. Weitere Informationen: www.cannstatter-volksfest.de
Theaterfestival ¡Adelante!

Das Theater und Orchester Heidelberg präsentiert vom 3. bis 5. Oktober 2025 das Theaterwochenende Especial ¡Adelante! und führt damit die Kerngedanken des erfolgreichen iberoamerikanischen Theaterfestivals ¡Adelante! fort. Neben der chilenisch-deutschen Uraufführung »Propaganda« von Juan Pablo Troncoso und Björn SC Deigner zeigt das Theater außergewöhnliche Gastspiele, Installationen, Performances und eine Lesung mit politischem Schwerpunkt aus Iberoamerika und sucht den interkulturellen Dialog und Austausch: außergewöhnlich, politisch und lustvoll.
Cornelius Meister
Ein Abschied mit Symbolkraft – In seiner letzten Saison als Generalmusikdirektor des Stuttgarter Staatsorchesters lädt Cornelius Meister eine Reihe seiner Vorgänger ein. Die Solistenpartien in den Sinfoniekonzerten der Spielzeit 2025/26 sind indes überwiegend aus den Reihen des Ensembles besetzt.

Zwei bezeichnende Gesten kennzeichnen die Abschiedsspielzeit des Hannoveraners. Für vier der sieben mit dem Staatsorchester in der Saison 2025/26 anstehenden Sinfoniekonzerte hat Meister seine GMD-Vorgänger Sylvain Cambreling, Dennis Russel Davies, Manfred Honeck und Lothar Zagrosek eingeladen. Zudem sind Solistenpartien vorwiegend aus den Reihen des Ensembles besetzt. Der scheidende GMD selbst wird neben den Premieren von „Die Meistersinger von Nürnberg“ und „Dialogues des Carmélites“ im 2. Sinfoniekonzert die deutsche Erstaufführung des Tripelkonzerts „Process“ leiten, das Ivan Danko, erster Solooboist des Staatsorchesters seit 2001 und „Composer in Focus 2025/26“, komponiert und 2024 zu Kafkas 100. Todestag in Prag uraufgeführt hat. Dazu stehen mit „Don Juan“ und „Tod und Verklärung“ zwei Tondichtungen von Richard Strauss sowie Mozarts „Adagio und Fuge c-Moll“ (KV 546) auf dem Programm. Gegen Ende der Spielzeit komplettiert Meister seinen Mahler-Zyklus mit dem Staatsorchester: Auf drei Tage verteilt kommen die erste, die sechste und die neunte Sinfonie des österreichischen Komponisten im Beethovensaal der Liederhalle zu Gehör. Für Meister, der 2022 in Bayreuth kurzfristig für Pietari Inkinen einsprang und „Der Ring des Nibelungen“ dirigierte, schließen sich damit gleich mehrere Kreise (Mendelssohn, Brahms, Schumann, Beethoven). Des Weiteren wird er das Stummfilmkonzert „Gold Rush“ dirigieren und ein Liedkonzert mit Esther Dierkes und Björn Bürger am Klavier begleiten.
Sylvain Cambreling, der 2018 hier in Stuttgart die gleichnamige Oper aus der Taufe hob, stellt Toshio Hosokawas Orchestersuite „Erdbeben. Träume“ vor, Dennis Russell Davies Bedřich Smetanas Zyklus sinfonischer Dichtungen „Má vlast“ (Mein Vaterland), dessen zweiter Teil als „Die Moldau“ eines der bekanntesten Werke nicht nur Smetanas, sondern der klassischen Musik überhaupt ist. Ein gewissermaßen „amerikanisches“, um Tanz und Jazz zentriertes Programm leitet Manfred Honeck mit Werken von Carlos Simon, Erwin Schulhoff und Dvořáks Sinfonie Nr. 9 („Aus der Neuen Welt“). Mit Mozart und Bruckner gestaltet Lothar Zagrosek den Ausklang der Sinfoniekonzertsaison des Staatsorchesters, Sopranistin Claudia Muschio steuert zwei Konzertarien Mozarts bei. Eine Kammerkonzertreihe im Mozartsaal der Liederhalle (darin die Uraufführung von Dankos „Frustation of the Tolerance“), Sonder-, Lunch- und Liedkonzerte runden das reichhaltige Angebot der Staatsorchester-Spielzeit 2025/26 ab. Text: Harry Schmidt
Weitere Info., Programm und Karten: www.staatsoper-stuttgart.de

40 Jahre IHWA
Die Internationale Hugo-Wolf-Akademie feiert im Jahr 2025 einen runden Geburtstag! Ihr Jubiläum feiert die IHWA mit einem Konzert in Star-Besetzung.

Vor 40 Jahren, genauer gesagt am 14. November 1985, wurde der Verein „Internationale Hugo-Wolf-Gesellschaft Stuttgart“ ins Stuttgarter Vereinsregister eingetragen. Den Kreis von Hugo- Wolf-Freunden und -Enthusiasten, die sich für das Werk dieses großartigen Liedkomponisten einsetzen, gibt es natürlich schon sehr viel länger in Stuttgart. Die Wurzeln der Akademie Vereins reichen bis zu den Lebzeiten ihres Namenspatrons im ausgehenden 19. Jahrhundert zurück. Als Verein eingetragen wurde die IHWA allerdings erst 1985, also vor genau 40 Jahren. Das war ein wichtiger Schritt in Richtung Professionalisierung und auch ein entscheidender Grundstein für die so existenzielle dauerhafte Förderung durch die Stadt Stuttgart und das Land Baden-Württemberg, die die umfangreiche Arbeit der Akademie im Dienste der Liedkunst erst ermöglicht. Seit 40 Jahren setzt sich die IHWA nun also als Verein mit großer Leidenschaft für die Förderung des Werks von Hugo Wolf und die Pflege der Tradition der Lied- und Gesangskunst ein. Was 1985 mit 27 Mitgliedern begann, ist heute ein international vernetzter und geschätzter Akteur in der Liedszene mit fast 500 Mitgliedern auf der ganzen Welt!
Dieses besondere Jubiläum feiert die IHWA mit einem Konzert in Star-Besetzung am Sonntag, den 19. Oktober um 17.00 Uhr im Hospitalhof Stuttgart. Auf dem Programm stehen – wie sollte es anders sein – Lieder des Namenspatrons Hugo Wolf. Mit dem Tenor Daniel Behle und dem Pianisten Burkhard Kehring konnten zwei herausragende Interpreten für das Konzert gewonnen werden, die nicht nur im Bereich der Liedinterpretation seit vielen Jahren Maßstäbe setzen, sondern auch der IHWA eng verbunden sind.
Weitere Infos auch zum Gesamtprogramm:
www.ihwa.de