Verdis Operndrama nach Shakespeares Othello. Als Kriegsheimkehrer wird der Feldherr Otello für seine Erfolge gefeiert, bleibt durch seine Markierung als Schwarzer jedoch ein Außenseiter, unter Beobachtung einer Gesellschaft, die in Jago ihren extremsten Akteur hat. Dessen „Credo“ – eine genuine Erfindung von Verdis Librettist Arrigo Boito – zeigt als negatives Glaubensbekenntnis das Böse im Moment seiner Entstehung.

Die Folgen sind subtiler, aber nicht minder brutal in ihrer Konsequenz, denn wie wenige andere zeigt der Stoff auf, wie schnell ein System, das auf Ungleichheit beruht, durch den Funken des Argwohns zum Hort von Hass und Paranoia werden kann. Wir wohnen bei, wie sich die Intrige in verbale und schließlich in körperliche Gewalt verwandelt, die in das Privateste vorstößt und Otello in die Rolle drängt, welche die rassistische Gesellschaft für ihn vorgesehen hat: Er wird zum Aggressor und tötet aus Eifersucht seine eigene Frau Desdemona. (Textquelle: Staatsoper Stuttgart)

OTELLO: Olivia Johnson (Emilia), Esther Dierkes (Desdemona), Staatsopernchor Stuttgart; 2025