„Zu den Waffen!“ Ein Warnruf, der zugleich zur Bereitschaft und Verteidigung aufruft. Genau diese Spannung zwischen individueller Handlungsfähigkeit und kollektiver Kraft erforschen sechs Tänzerinnen in dieser präzisen choreografischen Arbeit von Ginevra Panzetti und Enrico Ticconi. Sie loten die feine Grenze zwischen notwendiger Verteidigung und dem Risiko aus, durch diese zu dem zu werden, was wir am meisten fürchten: eine von sich selbst berauschte Masse, die keine Moral kennt. Den Ausgangspunkt bildet das (a)rhythmische Potenzial des menschlichen Schrittes in all seinen Möglichkeiten. ALL’ARME ist ein kraftvolles Tanzstück, das sehr assoziativ mit Körperbildern arbeitet und dabei viel Raum für Interpretation lässt. Wir glauben eine (Militär-)Parade, ein Massenevent zu sehen – oder sind wir mitten in einem Sportfest oder einem Rockkonzert gelandet? Plötzlich begegnen uns aus der Masse Individuen, die ihre Wunden zeigen, sich gegenseitig helfen, halten, stützen und wiederaufrichten. Bilder zarten Verletzlichkeit gehen über in Bilder enormer Kraft. Wir sehen Tänzerinnen, die sich abmühen und beweisen, beäugt und bewertet werden und manches Mal aus der Reihe tanzen. Ein ständiges Wechselspiel. Die Inszenierung berührt durch ihre virtuose Erkundung der Grenzen zwischen Schutz und Aggression, Stärke und Verletzlichkeit.
Sie wandelt auf dem schmalen Grat zwischen Gruppe und Individuum, Ermächtigung und Unterdrückung – und lässt zugleich die entwaffnende Menschlichkeit der Schwäche aufleuchten.