Stuttgarter Buchwochen

Die Stuttgarter Buchwochen sind eine der größten regionalen Buchausstellungen Deutschlands. Sie findet jedes Jahr im Stuttgarter Haus der Wirtschaft statt. Für die südwestdeutschen Verlage sind die Buchwochen ein „Schaufenster“ für ihre Programme. Darüber hinaus gibt es viele Lesungen und Veranstaltungen: Namhafte Autoren treten auf, junge Schriftstellerinnen und Schriftsteller lesen aus ihren Werken. Die Buchwochen sind keine Verkaufsmesse, aber der ultimative Ort, um sich noch Anregungen für literarische Weihnachtsgeschenke zu holen.


Die Buchausstellung 2022 findet vom 10. bis 27. November 2022 statt. Öffnungszeiten sind von Montag bis Sonntag 11 bis 19.00 Uhr.
Weitere Informationen finden Sie hier

Öffentliche Urteilskräfte
und ihr Literaturarchiv

Lesen Sie ihren spannenden Exkurs in die literarische Welt, über Meinungen, deren Protagonisten, über Auswirkungen, Geschmacksbildung, Geisteshaltungen der letzten 300 Jahre bis heute

›Öffentliche Urteilskräfte und ihr Literaturarchiv‹. 

Urteilskraft – so hieß das Zauberwort der Aufklärung. Wer über Urteilskraft verfügte, konnte als mündiger Bürger unter Bürgern gelten. Aus solchen Bürgern entstand die Öffentlichkeit: die Wiege von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Diese Öffentlichkeit galt als moralischer Höhepunkt der Zivilisation, als Geburtsstätte der modernen Demokratie, als Polis des 18. Jahrhunderts. Geistig trug man Toga. Die aufgeklärte Öffentlichkeit beruhte auf der Urteilskraft im Singular: auf der einen unteilbaren Urteilskraft. Vernunft war ihre Quelle. Das beste Argument ihr Weg, der weiße christliche Mann ihr Akteur. Durch Erziehung, oder besser: Bildung sollten
Fürsten wie Bauern Philosophen werden. Ohne die Leistungen der Aufklärung wären wir heute nicht, wo wir sind. Doch ihre großen Versprechen wurden vielfach und mit guten Gründen als patriarchal, eurozentrisch, ahistorisch und weltfremd kritisiert. Der Aufklärung gebrach es an Aufklärung. Mit dieser Einsicht gingen und gehen sozialpolitische Prozesse einher: Immer mehr Personengruppen – zunächst die Bürger, die Arbeiter, dann die Frauen und viele andere mehr – beanspruchten Anerkennung. In der Folge haben sich die Öffentlichkeit und ihre Urteilskraft vervielfältigt – mit politisch wünschbaren Effekten. Heute ermöglicht die Vielzahl der Stimmen zwar die Teilhabe am öffentlichen Hörenund Gehört-Werden, aber sie garantiert kein vernünftiges Ergebnis mehr. In gegenwärtigen Öffentlichkeiten regieren viele, darunter nicht wenige halbstarke Urteilskräfte. Sie äußern sich laut und mit polemischer Schärfe in den neuen Medien. Mit ihrer Beschränkungauf wenige Zeichen, ihrer Beschleunigung und Kommerzialisierung von Debatten laden sie zur plakativen Äußerung ein.
Die Urteilskraft wird damit zur Ware, also zur bloßen Meinung verkürzt. Ihr Warencharakter schmilzt die Substanz der Urteilskraft ab: das ausgewogene und unparteiliche Abwägen von Argumenten, Gründen, Sichtweisen, Gefühlslagen, Unausgesprochenem und allzumenschlichen Menscheleien. Diese umfassende Einsicht machte die Urteilskraft einstmals überhaupt erst zur Grundlage der Aufklärung. Wie lassen sich die Tugenden der Urteilskraft wiederbeleben?

Der Blick zurück ins 18. Jahrhundert erweist sich als lehrreich. Unser aufklärerischer Gründungsmythos war zu einfach und einlinig erzählt. Vielmehr kannte schon die Aufklärung ihre Gegenaufklärung. Der erste prominente Denker der Urteilskraft gibt darüber Auskunft: der französische Protestant Pierre Bayle. Im Jahr 1697 veröffentlichte er sein „Historisches und kritisches Wörterbuch“. Es sollte schon deshalb Epoche machen, weil es kein Wörterbuch im Sinne eines reinen Nachschlagewerkes war. Bayle stellt historische Personen wie den Religionsstifter Mohammed und die griechische Hetäre Laïs vor. Der Blick in Bayles Artikel überrascht, denn der Haupttext dieser Artikel umfasst oft nur wenige Sätze. Dafür finden sich auf jeder Seite unzählige Fußnoten. In diesen Fußnoten passiert der aufklärerische Schreibakt: Bayle stellt unterschiedliche Einschätzungen vor und diskutiert sie mit Verve. Mohammed beispielsweise gilt ihm zwar als „falscher Prophet“, aber die Lügen, die über ihn im Umlauf sind, erregen Bayle so sehr, dass er über fünfzig Gelehrte zitiert, um die Äußerungen über Mohammed als Unwahrheiten zu entlarven. Bayle klagt über die Gewaltsamkeit, mit der Mohammed seine Religion etablierte, ebenso wie über seine rigide Gesetzgebung, die Frauen betreffend. Zugleich spürt er einer Behauptung nach, die ihn fasziniert: dass Mohammed nämlich eine Toleranzschrift für den Umgang mit anderen Religionen verfasst habe. Bayles Eintrag über Laïs hingegen lässt schmunzeln. Durch genaue Exegese der Quellen erörtert er, wieviele Liebhaber die kluge und schöne Laïs hatte und welcher Gelehrte wie viele davon zählte. Außerdem gibt Diogenes, der Philosoph, der angeblich wie ein Hund in einer Tonne lebte, ein ungelöstes Rätsel auf: Ausgerechnet er, der Kyniker, betete die besagte Dame ganz unzynisch an, und Bayle hätte wohl zu gern gewusst, ob dies nur deshalb geschah, weil sie sich ihm angeblich ohne Entlohnung hingab.

Sandra Richter, Pressefoto © Literaturarchiv Marbach

Der Leser möge über Fälle wie diese urteilen, so Bayles Forderung, und zwar unparteiisch. Bayle meinte mit ‚dem Leser‘ übrigens auch Frauen. Und oft waren sie es, die Bayles Wörterbuch in andere Sprachen übersetzen und zu dem machten, was es war: ein scharfsinniges und gewitztes Gründungsdokument der Aufklärung. So handelt es sich beispielsweise bei der deutschen Fassung aus den Jahren 1741 bis 1744 weniger um eine Leistung des damaligen Literaturpapstes Johann Christoph Gottsched, der auf dem Titel als Herausgeber vermerkt ist. Vielmehr hatte seine Frau, die Autorin Luise Adelgunde Victorie Kulmus, mehr als die Hälfte der Bayle-Artikel übertragen. Bayles Werk kann als Archiv zwischen Buchdeckeln gelten, vielstimmig und mitunter radikal. Bayle kritisierte vermeintlich eindeutige ‚Wahrheiten‘ der Geschichte und der zeitgenössischen Gegenwart. Seine Leserinnen und Leser sollten zu diskussionsfreudigen Skeptikern werden – durch Quellenkritik. Urteilen gilt hier nicht mehr wie zuvor als Angelegenheit der Herren auf dem Katheder, sondern als Anforderung an das Publikum bei Hofe, in der Stadt und auf dem Land. Urteilen erscheint als neues Kommunikations- und Lebensideal. Aufklärung und Gegenaufklärung waren Teil eines gemeinsamen Prozesses der Selbstreflexion.

Dieses frühe Bewusstsein für die vielen Urteilskräfte speist sich aus einer Debatte französischen Ursprungs: derjenigen über die Frage, was „guter Geschmack“ sei. „Guter Geschmack“ gehörte zu den Eigenschaften, durch die sich der Adel und die wohlerzogene Bürgerlichkeit gegen untere Schichten abgrenzten. „Guter Geschmack“ bezeichnete vieles: das Tragen standesgemäßer Kleidung ebenso wie die Gabe, angeregt über das Schöne, etwa eine Tragödie von Pierre Corneille zu plaudern. Der Geschmack verriet – wie es der spanische Jesuit Baltasar Gracián in seinem „Handorakel“ zeigte – Herkunft, Schwächen und Absichten eines Menschen. Bezeichnenderweise empfahl „der deutsche Bayle“, der Jurist und Philosoph Christian Thomasius, Graciáns Schrift im Jahr 1687 als ‚französische‘ Geschmackslehre. Ihr sollten die tumben Teutonen künftig nacheifern.

Bayles Wörterbuch leistete vor diesem Hintergrund vieles: Es erzählte salonfähige Geschichten und vermittelte, wie man mit Esprit debattieren konnte. So betrachtet erscheint sein intellektuelles Archiv auch als besonders umfangreiche Klugheitslehre wie als galante Konversationsübung. Aber der „gute Geschmack“ hat seine Tücken. Und diese liegen im Subjekt. Denn Empfindungen des Angenehmen oder Schönen sind unzuverlässig, abhängig vom Betrachter, Hörer und Leser. Als man sich beispielsweise um die Jahrhundertmitte über den ästhetischen Wert der französischen Klassik stritt, setzte sich Gottsched für sie ein: Gottsched erfreuten ihre Ideale, die Wohlanständigkeit und Wahrscheinlichkeit des Dargestellten. Gotthold Ephraim Lessing hingegen wetterte über die Banalisierung der Dramenlehren des Aristoteles, wie er sie vor allem Corneille vorwarf. Rationalisten wie der Mathematiker und Diplomat Jean Pierre de Crousaz sowie die Philosophen Alexander Gottlieb Baumgarten und Georg Friedrich Meier suchten, ästhetische Urteile vernünftig zu begründen. Wer sich am Schönen erfreute, der konnte aus ihrer Sicht auf ‚untere Vernunftvermögen‘ vertrauen. Sie funktionierten ebenso wie die oberen: die Vernunft und der Verstand. Skeptiker wie Bayle hingegen sahen ihre Position durch das unzuverlässige Schöne gerechtfertigt. Auch David Hume goss Wasser in den rationalistischen Wein: Aus seiner Sicht gefällt jedem Menschen etwas aufgrund seiner Erfahrungen und Vorlieben, und diese sind jeweils verschieden. Ästhetische Urteile lassen sich aus seiner Sicht nicht als richtig oder falsch, sondern nur als relativ erweisen. Im Ausgang des 18. Jahrhunderts versuchte Immanuel Kant, den gordischen Knoten Urteilskraft zu lösen. Urteile über das bloß Angenehme erscheinen Kant als subjektiv: Jeder empfinde anderes als angenehm. Der eine bevorzugt schweren Rotwein, der andere spritzigen Riesling. Urteile über das Schöne hingegen dürfen Allgemeingültigkeit beanspruchen und sind (mit Kant) nicht subjektiv. Denn das Schöne – Blumen oder ein Gemälde – gefalle „ohne Begriff allgemein“. Der Grund dafür liegt im „freien Spiel“ der Urteilskräfte.

Der Spielbegriff führt ins Zentrum der trotz Kant noch offenen Probleme, die das Schöne verursachte. Wie viele sogenannte Kant-Schüler deutete unser lokaler Held Friedrich Schiller den philosophischen Urvater munter und eigensinnig um. Schillers Kant-Ausgabe mit Marginalien, deren Abdruck sie auf der Einladungskarte finden, lässt es ahnen. Der Mensch sei nur dort ganz Mensch, wo er spielen, sich interesselos hingeben könne, meint Schiller infolge seiner Kant-Lektüre. So rechtfertigt Schiller vieles: zum einen die Auffassung von der Autonomie der Kunst, einer Kunst, die sich eigengesetzlich und ohne Rücksicht auf Verwendungszwecke entfalten soll. Zum anderen folgert Schiller, dass der Mensch sich nur unter bestimmten Umständen und in kleinen verschworenen Zirkeln öffnen könne. Ihre Mitglieder zeichnen sich nicht durch Geburt und Stand, sondern durch Liebe aus. Sie versöhnen „Sinne und Geist“, Auge und Ohr, verhelfen Vernunft und Schönheit gleichermaßen zu ihrem Recht. Schon für die Natur ist Schönheit ein Lebenselixier: Welcher Vogel bräuchte für den bloßen körperlichen Selbsterhalt ein buntes Federkleid, welcher Baum seine vielen Triebe? Der „reine Schein“ aber, der Schiller idealisch vorschwebt, vermag noch mehr: Er bildet ein eigenes Reich aus, einen „ästhetischen Staat“. Hier herrscht Freiheit, und eine alles harmonisierende Schönheit führt das Zepter. Den Menschen erteilt sie „einen geselligen Charakter“. Mit Schillers Worten: „Die Schönheit allein beglückt alle Welt, und jedes Wesen vergißt seiner Schranken, so lang es ihren Zauber erfährt.“ Schillers ästhetische Vision erscheint so verträumt wie faszinierend und in einem positiven Sinne utopisch.
Das Schöne gilt Schiller als Probierstein und Schule der Urteilskraft. Vor allem aber erweist es sich als Band zwischen den Menschen. Als ein Band, das unterschiedliche Temperamente, Lager und Fraktionen verbindet.

Das Schöne in seinen klassischen wie modernen Formen und seine Urteilskraft werden an einem Ort besonders kultiviert: dem Literaturarchiv. Ein solches Archiv ist keine beliebige Informationsinfrastruktur und auch nicht einfach nur ein Dienstleister für seine Nutzer. Vielmehr urteilt so ein Literaturarchiv selbst: Es archiviert, was es für bewahrenswert hält, kassiert, was nach Prüfung nicht dazugehört, erschließt, was zugänglich gemacht werden soll, und lehnt ab, was für dieses spezifische Archiv ungeeignet scheint. Auf diese Weise steht ein Literaturarchiv in direktem Kontakt mit der Ewigkeit. Es fällt ein folgenreiches Urteil über einen Autor und seinen Vor- oder Nachlass – aber eben nur ein Urteil. Konkurrierende Auffassungen gehören dazu. Deshalb handelt es sich etwa beim Deutschen Literaturarchiv Marbach um eine sich selbst notwendigerweise stetig reflektierende Einrichtung: um ein öffentliches Forschungsarchiv, das aus Abstimmungsprozessen heraus handelt und zwar kooperativ mit ähnlichen Institutionen, mit Literaturvermittlern wie Publizisten und Literaturhäusern, Wissenschaftlern und dem Publikum.
Die Urteilskräfte, die dabei am Werk sind, orientieren sich an Kriterien von ästhetischer Eigenheit und geistesgeschichtlicher Bedeutung sowie an Verblüffungsmomenten, die von einem Buch, einem Essay, einer klugen Polemik ausgehen. Nach Marbach gelangt, was sich durchgesetzt hat oder zu Unrecht vernachlässigt wurde, begleitet von der Hoffnung auf unbekanntes Strandgut, der Neugier auf den Zufallsfund.
Archivarische Urteilskräfte wie diese sind an der Quellenkritik à la Bayle geschult. In den reizarmen Kellerräumen des DLA wird giftige Polemik in säurefreie dunkelgrüne Kästen verstaut. Hier liegen Autoren nebeneinander, die sich im wirklichen Leben nichts zu sagen gehabt hätten: Martin Heidegger neben Hermann Hesse. Das Archiv egalisiert: Jeder Nachlass wird hier mit gleicher Sorgfalt behandelt. Streit hebt das Archiv durch Arbeit am Material auf. Zugleich ermöglicht es seine Wiederauflage für die Zeitgenossen, die sich an Ähnlichem reiben wie ihre intellektuellen Ahnen.
Ins Archiv gehen bedeutet: den handwerklichen Umgang mit Kulturgut schulen, sich durch die Auseinandersetzung mit schwierigen Handschriften wie etwa denjenigen Hölderlins in Geduld üben, im Vergleich von publizierten und nicht-publizierten, laut und leise gelesenen Werken Unterschiede entdecken. Lauscht man etwa der Aufnahme von „Manche freilich müssen drunten sterben“ aus dem Munde des Autors Hugo von Hofmannsthal, dann klingt sein Gedicht wie ein Lied von Galeerensklaven. Aus der Textversion lässt sich dies nicht ohne weiteres heraushören. Das Archiv – das DLA mit seinen 1.400 Vor- und Nachlässen, seinen 36 Verlagsarchiven, seinem über 100jährigen Tonarchiv der Literatur und seinen über 450.000 Bildern und Objekten – schult nicht nur das Lesen, sondern auch das Hören und Sehen.

Um diese sinnliche Fülle wahrnehmen zu können, bedarf es nicht nur der Quellenkritik, sondern auch der schillerschen, spielerischen Offenheit: Erst die Begeisterung für die Bestände, die Begeisterung für den so reizvollen, oft sperrigen und widerborstigen Gegenstand Literatur machen ein Literaturarchiv zu einem solchen. Und diese Begeisterung gebiert Fragen und Forschung. „Bestandsbezogene Forschung“ hat die Wissenschaftspolitik diesen Vorgang getauft und mit dem Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel ein wichtiges Experiment begonnen. „Bestandsbezug“ aber ist ein so nüchterner wie schillernder Begriff. Die Sammlungen des DLA regen Fragen an, geben sie jedoch nicht vor. Was in unseren Kellern liegt, lässt sich selten als eine vollständige und durchkomponierte Sammlung beschreiben. Epistemologisch ist wohl jede Sammlung unterbestimmt. Fragen und Forschungen im Archiv sind dem Bestand gewidmet und umspielen ihn zugleich. Das Archiv des Cotta-Verlags beispielsweise erweist sich erst einmal als unübersichtliche Summe von Briefwechseln, Manuskripten und Druckwerken. Sein Material strahlt durch bestandstranszendierende Fragen nach der persona von Autor und Verlegermäzen oder nach den transatlantischen, ja globalen Literaturbeziehungen, die der wirkungsmächtige Verlag einging. Solches Material legt es umgekehrt nahe, in der Forschung den Kurs zu wechseln: Nicht erst heute haben wir es mit internationalen Literaturmärkten zu tun; das Cotta-Archiv zeigt, dass Vernetzungen wie diese Literatur frühzeitig zu einem weithin bekannten Kulturgut machten. Heute können solche Vernetzungen auch im digitalen Raum stattfinden. Wenn wir Texte online verfügbar und vielleicht sogar im Volltext durchsuchbar machen, dann können auch Studierende in China und Afrika mitlesen. Wir sollten digitale Plattformen für Nachlässe wie diejenigen Franz Kafkas, Else Lasker-Schülers oder Stefan Zweigs aufbauen, die in unterschiedlichen Archiven liegen, um sie zumindest virtuell an einem Ort zugänglich zu machen. Wir müssen uns dem widmen, was in die Gegenwart hineinwachsende Archive zunehmend beschäftigt: dem Umgang mit Born-digitals, solcher Literatur, die meist kein Manuskript mehr kennt, sondern direkt auf dem Computer geschrieben wurde. Dank einer großzügigen Förderung des Landes Baden-Württemberg für ein Science Data Center Born-digitals können wir diesem Auftrag
künftig gemeinsam mit Partnern der Universität Stuttgart und des Bundeshöchstleistungsrechenzentrums Stuttgart besser nachkommen. Wenn ein Literaturarchiv wie das DLA seiner Öffentlichkeit etwas mitteilen kann und will, dann ist es seine „heilignüchterne“ Begeisterung, die aus Bestandskenntnis und fragender, forschender Neugier erwächst. Diese Begeisterung kann ebenso ernst wie witzig oder ironisch gebrochen sein und kennt eine große Bandbreite von Wahrnehmungs- und Zugangsweisen: das Staunen, Lachen, Weinen über einen Text ebenso wie die Spekulation, den scharfen analytischen Blick, die empirische Studie oder das Experiment.
Denn das Archiv bietet nicht nur Manuskripte und Briefe, sondern verzeichnet in seinen Büchern auch Lesespuren und handschriftliche Glossen. Realexistierende Leser, über die wir im Zeitalter des vielzitierten „Leseschwunds“ gerne mehr wüssten, dokumentieren sich hier selbst. Mit Partnern wie dem Leibniz-Institut für Wissensmedien und Kollegen der Universität Tübingen, dem Max Planck-Institut für Empirische Ästhetik und dem Goethe-Haus Frankfurt gründet das DLA deshalb gerade ein „Netzwerk literarische Erfahrung“. Gemeinsam wollen wir das Leseverhalten unserer Besucher, ihre Herkunft und ihre Vorlieben erforschen. Wir wollen mit unseren Mitteln dazu beitragen, die Lesekultur wiederzubeleben. Zu diesem Zweck wird das DLA mitunter auch den Raum wechseln, um zu fragen, ob Literatur in der Peripherie anders als etwa in der Hauptstadt wirkt. Die Begeisterung aus dem Archiv hilft dabei auf ihre eigene Weise. Denn manchmal erlaubt sie etwas ganz Besonderes, viel zu oft Vernachlässigtes: den Genuss, den Schiller arbeitsethisch als Folge und Bedingung von Tätigkeit beschreibt, die Muße, ohne die man nicht auf andere Gedanken kommt, und den Mut zu geistreichem Unsinn, aus dem mitunter erst Sinn entsteht.

So feinsinnig das klingt, ist das Archiv aber doch keine Pilgerstätte der Entschleunigung, sondern vielmehr ein Brennglas der Vergleichzeitigung. Hier wird Vergangenheit gegenwärtig, und die Gegenwart historisiert sich: Autoren geben ihre Nachlässe nicht deshalb ins Archiv, weil sie hier ihre letzte Ruhe finden wollen. Vielmehr hoffen sie auf das, was einst anschaulich Nachleben hieß und heute kühl Aktualisierung getauft wird. In den Museen des Archivs finden sich die kombinatorischen Zeichenspiele Wilhelm Waiblingers schon deshalb neben Hans Magnus Enzensbergers Poesieautomaten. Was aus der Zukunft der Literatur in das Brennglas des Archivs strahlen wird, können wir heute nur schemenhaft erahnen. Aber einiges lässt sich mit ahistorischer Sicherheit vermuten: Heute hätte Christoph Martin Wieland seinen „Agathon“ möglicherweise als Blog-Tagebuch verfasst, um seinen Helden mit liebevoller Ironie am Versuch der Selbstbildung scheitern zu lassen. Schillers „Räuber“ wären vielleicht ein Computerspiel geworden, ein Adventure-Game. Und aus Goethes Twitter-Meldungen über seine „Italienische Reise“ klänge der enthusiastische Ausruf: ‚Nach Tisch ohne Begleiter auf das Kapitol, oder besser: gleich ins Archiv. Wie wahr, wie seiend!‘ Der Begriff Archiv kommt bekanntlich von arché, griechisch: Anfang oder Ursprung. Hier ist der Ort, wo sich Schillers „ganzer Menschen“ immer wieder neu bilden kann.
Literaturarchive sind nicht bloß Luxustempel, die man sich auch leistet. Literaturarchive sind unverzichtbare Kulturorte. Sie bewahren, vermitteln und befragen die Erzählungen, Dramen und Verse, die Argumente und Denkformen, die Werte und Werturteilsstreitigkeiten, die unser Wahrnehmen und Entscheiden geprägt haben. In einer Zeit, die durch die Flüchtigkeit ihrer digitalen Aufschreibesysteme gekennzeichnet ist, versorgen sie unser kulturelles Gedächtnis mit Texten, Tönen und
Bildern. Aus einem solchen tätigen und reflexiven Gedächtnis erst entstehen die geistigen Grundlagen unserer Zivilisation: die Urteilskräfte, derer wir und künftige Generationen dringend bedürfen.

Sandra Richter widmete sich am Abend ihrer feierlichen Amtseinführung  in ihrer Ansprache dem Thema ›Öffentliche Urteilskräfte und ihr Literaturarchiv‹. Die Zuschauer hörten einen fulminanten Exkurs in die literarische Welt, über Meinungen, deren Protagonisten, über Auswirkungen, Geschmacksbildung, Geisteshaltungen der letzten 300 Jahre bis heute.

›Öffentliche Urteilskräfte und ihr Literaturarchiv‹.
Antrittsrede Prof. Dr. Richter

Sandra Richter  gilt als hervorragende Kennerin der Wissenschaftspolitik und des literarischen Lebens: Fellowships und Gastprofessuren führten die vielfach ausgezeichnete Wissenschaftlerin an zahlreiche Universitäten, u.a. an die École normale supérieure in Paris und die Harvard University; von 2011 bis 2017 war sie Mitglied in der Wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrats. In den Jahren 2006/07 hatte Richter eine Professur am King’s College London inne; seit 2008 lehrt sie an der Universität Stuttgart Neuere Deutsche Literatur und hat dort die fakultätsübergreifende Forschungseinrichtung ›Stuttgart Research Centre for Text Studies‹ (seit 2014) entwickelt und verschiedene interdisziplinäre Forschungsprojekte geleitet. Ihr jüngstes, vielbeachtetes Buch Eine Weltgeschichte der deutschsprachigen Literatur (2017) erkundet umfassend, auf welche Weise literarische Traditionen über die Jahrhunderte interkulturell geprägt sind. Richter ist Amtsnachfolgerin des Historikers und Publizisten Professor Dr. Ulrich Raulff, der das Haus von 2004 bis Ende 2018 geleitet hatte.

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach (DLA) ist eine der bedeutendsten Literaturinstitutionen weltweit. In seinen Sammlungen vereinigt und bewahrt es eine Fülle kostbarster Quellen der Literatur- und Geistesgeschichte von 1750 bis zur Gegenwart. Seit seiner Gründung im Jahr 1955 dient es der Literatur, der Bildung und der Forschung. Die Sammlungen stehen allen offen, die Quellenforschung betreiben. Mit rund 1.400 Nachlässen und Sammlungen von Schriftstellern und Gelehrten, Archiven literarischer Verlage und über 450.000 bildlichen und gegenständlichen Stücken gehört das Archiv zu den führenden seiner Art in Deutschland und der Welt. Die Bibliothek ist die größte Spezialsammlung zur neueren deutschen Literatur und umfasst etwa 1 Millionen Bände, daneben über 160 Autoren- und Sammlerbibliotheken.
Das DLA führt gemeinsam mit anderen Institutionen und Universitäten interdisziplinäre und internationale Forschungsprojekte durch, die aus Drittmitteln gefördert werden.
Die Ausstellungen in den Museen des DLA, dem Schiller-Nationalmuseum und Literaturmuseum der Moderne, zeigen die Handschriften, Bücher, Bilder und Gegenstände des Deutschen Literaturarchivs. Die Museen, literarische und wissenschaftliche Veranstaltungen sowie eine Vielzahl von Publikationen thematisieren aktuelle Fragestellungen aus Literatur und Wissenschaft und machen die einzigartigen Archivalien einem großen Publikum zugänglich. Internationale Begegnungen ermöglicht zudem das Collegienhaus für forschende Gäste, Autorinnen und Autoren und Stipendiatinnen und Stipendiaten.

Olivia Trummer

Olivia Trummer ist ein echtes Allroundtalent, denn sie ist nicht nur eine exzellente Jazzpianistin und Sängerin, sondern auch eine äußerst begabte Improvisateurin, Songwriterin und Komponistin. Klar ist – die klassisch ausgebildete Pianistin ist eine Wanderin zwischen verschiedenen
Welten: musikalisch – mit Jazzarrangements, die auch vor Werken Bachs und Mozarts nicht Halt machen – wie räumlich. Seit mehreren Jahren bewegt sich die Künstlerin mit Stuttgarter Wurzeln im Spannungsfeld der beiden Metropolen New York und Berlin.
Durch ihre klassische Klavierausbildung bekam sie in ihrer Jugend einen intensiven Bezug zur klassischen Musik und konnte langjährige Erfahrungen als Konzertpianistin sammeln. Sie lernte anfangs sämtliche Musik übers Gehör und verbrachte so – mit ihren Worten formuliert – ihre Kindheit in einem „musikalischen Paradies“, das nur aus Klang, Geschmack und Intuition bestand. Von Mozart zu Stevie Wonder, von Debussy zu Bill Evans, von Bach zu den Beatles schien es jeweils nur ein Katzensprung. Durch diesen natürlichen Zugang zur Musik hat Trummer zu einem ganz eigenen Stil gefunden. Mit ihren eigenen Songs will sie vor allem eines: Geschichten erzählen. Und so lässt sie auch in ihrer CD „Fly Now“ sehr persönliche Einblicke in ihre Künstlerpsyche zu. Das gilt insbesondere für ihre langsamen Balladen, über deren Entstehung sie sagt „Das Bild das ich vor mir sah, war für mich visuell wie emotional so klar und dazu eindeutig mit meiner persönlichen Situation verbunden, dass ich den ganzen Song in nur 30 Minuten zu Papier gebracht habe: Ein Mensch erwacht wie aus einem Traum und findet sich unversehens auf dem Gipfel eines hohen Berges wieder. Er sieht sich vor die Wahl gestellt, sich entweder der Weite des Himmels zu öffnen oder den Weg zurück ins sichere Tal anzutreten und entscheidet sich mutig für den Aufbruch…“ und auch die anderen Stücke auf der „Fly Now“-CD leben von eben dieser Aufbruchsstimmung und davon, die Welt „von oben“, sozusagen vom Himmel aus zu betrachten. Musikalisch pendeln die Stücke dabei zwischen lyrischem Jazz und zeitgenössischem Vokaljazz mit starken Melodien und prägnanten Rhythmen. Aufgenommen in New York mit ihrer Trio-Formation, Obed Calvaire am Schlagzeug, Matt Penman am Kontrabass und Gastmusiker Kurt Rosenwinkel an der E-Gitarre, spürt man einerseits die Intensität und das lärmende Dickicht des Big Apple, andererseits aber auch eine ruhige, nuancenreich erlebte Urbanität wie aus der Vogelperspektive. Insgesamt neun eigene Songs enthält das englischsprachige Album. Über ihre New Yorker Aufenthalte sagt die 29-Jährige: „Ich habe wie ein Schwamm sämtliche Eindrücke aufgesogen. Ich habe viel erlebt und mich dabei von einer ganz neuen, selbstbewussten Seite kennenlernen dürfen. Ich bin im besten Sinne‚flügge‘ geworden. Diese Zeit war eine der intensivsten, aufregendsten Zeiten meines Lebens!“ C2J – Classical To Jazz heißt ein anderes Projekt, das in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Vibraphonisten Jean–Lou Treboux entstanden ist. Inspiriert durch klassische Klavierwerke von Bach, Mozart und Scarlatti hat Trummer auf geschmackvolle Weise jazzige Arrangements für das Duo kreiert. Die beiden Musiker präsentieren ihr spezielles Repertoire mit großer Spielfreude und Natürlichkeit und sprechen damit ein klassisches Konzertpublikum genauso an wie neugierige Jazzliebhaber.

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Olivia Trummer entstammt einer Musikerfamilie und wurde fünf Mal bei Jugend musiziert als Bundespreisträgerin gewürdigt. Ab 2003 studierte sie Jazzpiano sowie klassisches Klavier an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. 2008/2009 absolvierte sie ein Masterstudium a der Manhattan School of Music. Alle Studiengänge schloss sie mit Auszeichnung ab. Bereits während ihres Studiums erhielt sie 2004 und 2006 Kompositionsaufträge für Bühnen- und Filmmusik. Trummer war fünffache Bundespreisträgerin bei Jugend musiziert, 2. Preisträgerin beim internationalen Klavierwettbewerb „Palma D‘Oro/ltalien 2008, DAAD-Stipendiatin 2009, Stipendiatin der Kunststiftung Baden-Württemberg und der Bruno-Frey-Stiftung 2010. Seit Herbst 2013 ist sie „stA.rt“-jazz-Künstlerin von Bayer Kultur in Leverkusen, deren Förderung ihr uter anderem die Aufnahme ihrer neuen CD ermöglicht hat. Konzerte als Jazz-und Klassikpianistin, Vokalistin und Komponistin führten sie bereits auf Bühnen in New York (Carnegie Hall, The Jazz Standard), Wien (Konzerthaus, Porgy & Bess), London, Dublin (National Concert Hall), Paris (Jazzclub „Le Baiser Sale“) sowie nach Schloss Elmau, Berlin (Konzerthaus), Hamburg (Laeiszhalle) und auf zahlreiche Festivals im In- und Ausland.

Aktuelles  Album „For You“

Mit entwaffnend klarer, direkter und kristallgoldener Stimme lädt Olivia Trummer elf Song-Kapitel weit zum vielschichtigen Betrachten und Lauschen einer Geschichte ein, die ihre eigene sein könnte. „For You“ hat sie die Storyline genannt, deren Narrativ unaufgeregt an die Imagination der Zuhörer appelliert.

Mehr über die Künstlerin erfährt man auf ihrer Website www.oliviatrummer.de

Olivia Trummer / Presse-Foto: Dietmar Scholz

Filmschau Baden-Württemberg

Die Filmschau Baden-Württemberg ist das Schaufenster für aktuelle Filmproduktionen aus dem Südwesten. Die Filmschau Baden-Württemberg findet einmal im Jahr statt. Sie soll Bürgern, Filmemachern, Filmschaffenden, Produzenten und allen Liebhabern des Films ein gemeinsames Austauschforum bieten. Das publikumsorientierte Festival zeigt aktuelle Filmproduktionen aus „dem Ländle“ aus den Bereichen Spielfilm, Kurzspielfilm, Dokumentar- und Animationsfilm. Das breitgefächertes, unterhaltsames und informatives Programm richtet sich sowohl an Filmschaffende, als auch an Cineasten. Um den Austausch zwischen den Generationen zu fördern, findet das Nachwuchsfilmfestival Wettbewerb um den Jugendfilmpreis, das sich an Filmemacher bis 22 Jahre richtet, parallel zur Filmschau statt.


Logo/Key Visual der Filmschau BW

Mehr Info und das aktuelle Programm: Filmbüro Baden-Württemberg e.V., Friedrichstraße 37, 70174 Stuttgart, Fon 0711/22 10 67, E-Mail: info@filmbuerobw.de, www.filmschaubw.de

Dan Ettinger


Der israelische Dirigent Dan Ettinger ist seit 2015 Chefdirigent der Stuttgarter Philharmoniker. Mit ihm hat das Orchester einen musikalischen Leiter von internationalem Format bekommen, dessen Karriere ihn in wenigen Jahren unter anderem an die Staatsopern in Berlin, Hamburg, München und Wien, das Royal Opera House Covent Garden in London und die Metropolitan Opera in New York geführt hat. Einige Jahren war er zudem Chefdirigent des Nationaltheaters Mannheim und so bereits in Baden-Württemberg beheimatet. Wir trafen Dan Ettinger zum Gesprächsaustausch.

Man hörte der berühmte Funke zwischen Ihnen und dem Orchester sei gleich bei der ersten gemeinsamen Probe übergesprungen, würden sagen, es war Liebe auf den ersten Blick?

Ich hatte bisher fast nur reine Opernorchester geleitet. Im Gegensatz zu den reinen Sinfonieorchestern sind sie oftmals flexibler und reagieren lebendiger und spontaner, was zum einen am Opernbetrieb liegt, an der besonderen Bühnensituation und natürlich an den Sängern. Diese Art des Musizierens entspricht auch meinem Naturell. Und dann lernte ich die Stuttgarter Philharmoniker kennen und stellte fest, dass sie all diese Eigenschaften dennoch haben. Wir haben uns musikalisch sofort auf einer Wellenlänge bewegt. Es war fast magisch …

Wie würden Sie Ihren Dirigierstil bezeichnen?
Ich benutze meinen ganzen Körper, um etwas zu beschreiben, als ob das ganz Orchester mein Instrument wäre. Ich bin kein distanzierter Typ. Natürlich studiere ich alle Werke sehr sorgfältig ein, lege Wert auf Präzision und Details, aber im Konzert sollte dann trotzdem noch genügend Raum für Entwicklung und neue Farben sein. Ich bin ein Klangdirigent – der Klang ist für mich das Wichtigste. Wenn ich eine Partitur studiere, höre ich vor meinem inneren Ohr bereits den Klang, wie er nach meiner Auffassung sein müsste. Klangfarben entwickeln sich aber auch aus dem richtigen Tempo und der richtigen Artikulation.

Daniel Barenboim war Ihr Mentor, Sie waren sein Assistent an der Staatskapelle Berlin. Was haben Sie von ihm gelernt?
Während meiner Zeit in Berlin habe ich circa 50 Abende im Jahr Opern dirigiert. Von Barenboim habe ich vor allem durch Beobachten und Zuhören gelernt. „Sein“ Orchester zu dirigieren, war der beste Unterricht in puncto Klang, Phrasierung und Technik. In der ersten Konzertsaison in Stuttgart liegt der Schwerpunkt auf Beethoven in der Gegenüberstellung mit Russland; daneben finden sich Wagner und Mahler. Große Sinfonik, Klassik und Romantik – wie bereiten Sie sich auf Proben und Konzerte vor?
Ich schaue die Partitur an, aber auch in die Literatur über den jeweiligen Komponisten. Natürlich höre ich mir auch CDs von Kollegen an, wenn ich mich auf ein Stück vorbereite. Ich glaube es ist wichtig zu wissen, wie andere interpretieren. Aber ich glaube jeder von uns trägt seine ureigene Fassung schon in sich, insofern besteht keine Gefahr etwas nachahmen zu wollen. Würden Sie sagen, dass sich wie unsere Welt auch die Art und Weise, wie man ein Stück interpretiert, ändert?
Jede Zeit hat ihre eigenen Geschmack. Wir erleben ja gerade eine große Retrowelle – was den Klang angeht, so bin auch ich eher „old-fashioned“ – Furtwängler, Celibidache oder auch Karajan sind Vorbilder für mich. Wenn ich Musik höre, habe ich viele Metaphern im Kopf und Emotionen – manches kann man in Worte fassen, aber nicht alles. Deshalb muss mit einem Orchester auch die nonverbale Kommunikation funktionieren, die rein intuitive emotionale.

Sie sind ein gefragter Gastdirigent: New York, Tokio, Wien, Salzburg… wie schaffen Sie dieses enorme Pensum?
Ich liebe meinen Beruf und ich bin sehr dankbar dafür, mit den besten Orchestern der Welt konzertieren zu dürfen. Das ist, Glück, Können – und natürlich viel Arbeiten. Geholfen hat mir auf dem Weg dahin sicher, dass ich ein guter Networker bin. Bis Mitte 30 hilft einfach, dass man
jung ist und Kraft hat. Ab Mitte 40 merkt man dann plötzlich, dass man mit seinen Kräften mehr haushalten muss. Ich mache nach wie vor viel, aber ich wähle mehr aus und mache mir Gedanken darüber, in welche Richtung ich gehen will. Gerade habe ich eine meditierende Phase hinter mir – eine Zäsur im Terminkalender, in der ich mir eine Ruhephase gegönnt habe. Ich meditiere sehr viel und ich brauche viel Zeit für mich – ich bin auch gerne nur für mich und liebe mein Zuhause – in diesem Falle meine Wohnung in Mannheim. Ich habe ein Handvoll wirklich guter Freunde mit denen ich oft und gerne Zeit verbringe – sie sind wie Familie für mich. Künftig möchte ich auch versuchen, meine musikalischen Bande zu vertiefen – ich mag die langjährige Zusammenarbeit mit Solisten – weil man sich kennt und bereits gemeinsame musikalische Erfahrungen gemacht hat. Wenn ich in meiner Heimat Israel bin, dann treffe ich Familie, gehe an den Strand und gut essen. Ich bin ein Stadtmensch, ich schaue mir auch auf Reisen gerne Menschen und Geschäfte an, lieber als dass ich in die Natur gehe, denn ich habe eine Insektenphobie!

Haben Sie einen Masterplan was Ihre weitere Karriere angeht?
Ich will einfach weiter „Wachsen“. Ein konkretes Ziel – nein – das habe ich nicht. Aber wissen Sie, ich habe ja auch Dirigieren nie studiert. In Israel war ich Sänger und Pianist, dann wurde ich eher zufällig Chorleiter. Vieles in meinem bisherigen Leben passierte einfach … Ich glaube im Übrigen auch, dass man ein guter Dirigent vor allem durch Praxis
wird, nicht durch Theorie – man braucht 10 Jahre am Pult, um sagen zu können – jetzt habe ich eine Ahnung von dem was ich mache. Ich bin schicksalsgläubig – nicht dass ich passiv wäre – aber ich lasse die Dinge auf mich zukommen: Spiritualität – Repertoire – manches braucht Zeit – jetzt habe ich die Oper „Der ferne Klang“ von Franz Schreker gemacht – vor zehn Jahren hätte ich mir das noch nicht vorstellen können. Deshalb mag ich den Jugendwahn nicht – denn heute muss alles
möglichst schnell gehen.

Wagner gehört zu Ihrem festen Repertoire. In Mannheim haben Sie den kompletten Ring aufgeführt, in Stuttgart stand er als Querschnitt in einer konzertanten Fassung auf dem Konzertplan. Israel und Richard Wagner ist nach wie vor ein schwieriges Thema – wie sehen Sie das?
In Israel ist Wagner immer noch tabu, zumindest im Konzert und im Rundfunk. Ich habe Wagner privat über CDs kennengelernt. Man muss den Mensch und seine Musik voneinander trennen können und den Holocaust und den Nationalsozialismus – dann versteht man wie Großartig seine Musik ist. Wagner und Mozart haben die Musikwelt revolutioniert und beide faszinieren mich gleichermaßen. Ich denke man sollte Wagner wie Mozart und Mozart wie Wagner dirigieren, dramatisch und romantisch und transparent. Mozart war ein Romantiker im Herzen,
der aber eben in einer Zeit lebte, in der es noch engere musikalische und gesellschaftliche Grenzen gab.
Danke für das Gespräch!


Das Konzertprogramm und mehr über das Orchester und Dan Ettinger erfahren Sie hier

Friedemann Vogel

Er ist gefeierter Solist am Stuttgarter Ballett, ein begehrter Gast an vielen Theatern und – ja, dass darf man in aller Bescheidenheit konstatieren – ein Weltstar! Vor kurzem wurde Friedemann Vogel von der Zeitschrift Tanz zum Tänzer des Jahres 2019 ernannt. arsmondo hat mit dem gebürtigen Stuttgarter über seinen Werdegang, seine Arbeitsauffassung und seine Vorlieben, über Rollen, Orte und Menschen gesprochen.

Foto: Carlos Quezada

Sie werden derzeit in Stuttgart für Ihre Rolle in „Mayerling“, dem Handlungsballett von Kenneth MacMillan stürmisch gefeiert.
Es erzählt das tragische Leben und Sterben des letzten Thronfolgers Rudolf im Kaiserreich Österreich des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die Rolle gilt in jeder Hinsicht als extrem schwierig. Wie haben Sie sich auf das Stück vorbereitet?

Für „Mayerling“ hatten wir drei Monate intensive Probenarbeit. Wir hatten dafür sogar ein separates Studio, ein abgeschottetes Resort, in dem wir uns intensiv auf unsere Rollen vorbereitet konnten. Ich habe sehr viel über Rudolf gelesen, mir Verfilmungen angeschaut, Bücher gelesen – zudem gibt es ja so viele Geschichten und Gerüchte, die sich um ihn und seinen Tod ranken. Auch mit den politischen Verhältnisse jener Zeit in Österreich und zur Habsburger Monarchie habe ich mich beschäftigt. Ich habe mich gefragt, wie es ist, als Thronfolger zur Welt zu kommen, in eine lieblose und strenge Welt voller Zwänge, Erwartungen und Pflichten. Rudolf war ein eher sensibler und musischer Mensch und ist an dieser Diskrepanz gescheitert und zerbrochen. Ich wollte seine Persönlichkeit durchdringen, indem ich viel über ihn erfahre und dadurch verstehe, wie er zu dem Menschen wurde. Dazu habe ich mich in ihn hinein zu versetzen versucht, wie er fühlte und welche Haltung er nach außen hin hatte. Ich habe versucht, diesen Keim auch in mir zu finden.

Szene aus „Mayerling“, Foto: Roman Novitzky
Szene aus „Mayerling“ /Choreografie von Kenneth MacMillan mit Elisa Badenes, Friedemann Vogel © Stuttgarter Ballett
Szene aus „Mayerling“ – Choreografie: Kenneth MacMillan, Tänzer/Dancer: Elisa Badenes, Friedemann Vogel
© Stuttgarter Ballett

Wie gelang Ihnen der Zugang zu Rudolfs komplexer Gefühlswelt – nicht nur als Tänzer, sondern auch als Darsteller?
Das Stück ist wie eine Spirale aufgebaut, die sich langsam nach unten dreht – eine Art Abwärtssog. Da muss man emotional voll einsteigen und bis zum Ende der Vorstellung drin bleiben: körperlich und mit allen Sinnen. Als Tänzer ist natürlich das Körperliche der erste Schritt, um in die Gefühlswelt und in den Charakter einer Rolle einzutauchen – man verinnerlicht also über die Bewegung. „Mayerling“ erzählt die Geschichte Rudolfs vor allem auch durch seine Beziehungen zu den Frauen, die ihm nahestanden. Es gibt insgesamt acht Pas-de-deux – so viel wie in keinem anderen Stück –, die die unterschiedlichen Beziehungen charakterisieren. Rudolf ist fast die ganze Zeit auf der Bühne – das ist schon ein Kraftakt, mental und körperlich, in den man hineinwachsen muss. Am Abend der Aufführung kommt es dann jedes Mal zu einzigartigen Begegnung mit meinen Tanzpartnerinnen, es geht um die Tagesform – kein Moment auf der Bühne wiederholt sich emotional. Das heißt, man muss aus dem Moment heraus reagieren, auch wenn man alles geprobt hat, muss man dann aus dem Gefühl heraus agieren – keine Sprünge mehr analysieren, sondern voll und ganz dem Körper vertrauen und loslassen. Nur so kann man eine solche Rolle und ihre Entwicklung auch überzeugend und folgerichtig aufbauen.

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Ist das auch bei anderen Rollen in Handlungsballetten so?
Ja, nehmen wir zum Beispiel den Romeo in „Romeo und Julia“: Diese Rolle zu tanzen, ist körperlich auch sehr anstrengend. Aber im Unterschied zu Rudolf gibt die Rolle viel Liebe und Leidenschaft – da kommt also Energie zurück. Bei „Mayerling“ ist es ein Kampf, ein permanentes Ringen. Cranko, Neumeier, McMillan – sind für mich Genies – wahre Meister des Erzählens – sie haben ein intuitives Bewusstsein für die Geschichten, die sie erzählen wollen und entwickeln daraus ihre Choreografien. Bei McMillans Stück gibt es sehr viele Einzeldrehungen und die dann auch noch auf einem Bein – da geht es um Balance, um Gewichtsverteilung. Das muss man sich körperlich hart erarbeiten und man hat zahlreiche Phasen und Momente, die viel Kraft kosten.
Das Tanzen im Kostüm ist eine weitere Herausforderung – wobei die Enge und Schwere der Stoffe auch helfen, sich selbst zurückzunehmen und in die Rolle zu finden. Die Premiere von „Mayerling“ und auch die Vorstellungen bisher habe ich dann aber wirklich genossen, weil ich in die Rolle hineingewachsen bin. Dazu kam das Publikum, das extrem mitgegangen ist – das fühlst Du auf der Bühne und das trägt Dich. Was die Rolle mir tatsächlich abverlangt hat, habe ich allerdings erst bemerkt, als ich eine Woche nach der Premiere den Albrecht in „Giselle“ in Zürich getanzt habe – das fühlte sich plötzlich ganz leicht an – pure Romantik – fast schon schwerelos.

Friedemann Vogel in Romeo und Julia, Choreografie: John Cranko. Julia: Alicia Amatriain, Foto: Stuttgarter Ballett

Orte, Menschen, Rollen – Meilensteine Ihrer Entwicklung?
Sie stammen aus Dettenhausen, einem kleinen Ort zwischen
Tübingen und Stuttgart. Ihre Eltern sind keine Künstler.
Wie wurden Sie zu dem, der sie sind?
Gute Frage…Ich weiß nur, dass ich schon als kleines Kind immer tanzen wollte. Mein elf Jahre älterer Bruder war bereits Tänzer, er war u.a. auch Erster Solist beim Stuttgart Ballett und hat mich von klein auf in viele Vorstellungen mitgenommen. Als Kind habe ich so alle wichtigen Ballette gesehen von Schwanensee bis hin zu Onegin und natürlich auch viele Ballettabende. Ich hatte das Glück, dass ich alle körperlichen Voraussetzungen mitbrachte, die man für den klassischen Tanz braucht.
Entscheidend für mich und meinen weiteren Weg waren dann meine Ausbildung in der John Cranko Schule hier in Stuttgart und das Stipendium an der Académie Princess Grace in Monte Carlo. Marika Besobrasova aus Monte Carlo habe ich viel zu verdanken. Sie war eine berühmte russische Ballettlehrerin, die mit großen Tänzern wie z.B. Nurejew gearbeitet hat. Sie hatte einen ganzheitlichen Lehransatz und sah den ganzen Menschen. Wir Schüler lernten bei ihr nicht nur klassisches Ballett, sondern auch Yoga, Ausdruckstanz, Schauspiel, richtig zu atmen und Improvisation. Sie hat uns gezeigt, wie man auf der Bühne neben Tanzen auch richtig geht. Wissen Sie, als Romeo läuft man anders als in der Rolle des Onegin oder Siegfried, auch das prägt eine ganze Rolle. Sie war in jeglicher Hinsicht formend und hat mir gezeigt, wohin meine Reise führen könnte – übrigens auch privat. Ich war oft bei ihr zu Besuch und habe ihr geholfen, Einladungen vorzubereiten. Von ihr habe ich gelernt, wie man mit Menschen umgeht. Außerdem hat sie mich schon ganz früh allein zu Wettbewerben geschickt. Ich musste alles organisieren, von den Kostümen bis hin zur musikalischen Begleitung. Das war eine Vorbereitung für mein Leben, denn so wurde ich selbstständig. Da ich schon früh in meiner Karriere gastiert habe, kam ich auf Reisen immer gut allein zurecht. Ich brauche bis heute keinen Agenten, der das für mich regelt.

Friedemann Vogel in Onegin, Choreografie: John Cranko,
Foto: Stuttgarter Ballett

Was Rollen betrifft, so war Onegin für mich sicher einer der Meilensteine – ich glaube für viele Tänzer, inklusive mir selbst, ist das ein nahezu heiliges Stück – es stand immer ganz weit oben auf meiner Wunschliste. Vor ein paar Jahren sagt Reid Anderson (Stuttgarter Intendant bis 2018): „Jetzt bist Du bereit, auch den Onegin zu tanzen“. Das war eine Sternstunde für mich. Da hat sich ein Traum erfüllt und zwar genau zum richtigen Zeitpunkt. Ich hatte die Rolle bis dahin bereits von vielen Tänzern gesehen… – doch in diesem Moment fühlte ich mich tatsächlich selbst reif dafür, Onegin meine ganz eigene Persönlichkeit zu geben.

Sie haben in Ihrem bisherigen Tänzerleben alles erreicht – jetzt sind Sie vierzig Jahre alt. Was würden Sie sich für Ihre Bühnen-Karriere noch wünschen?
Ein ganz neues Ballett zum ersten Mal zu tanzen. Am liebsten ein Handlungsballett. Eine Geschichte zu erzählen – etwas komplett neu aufbauen, was noch nicht da ist, das wäre mein Traum.

Sie sind viel unterwegs gastieren auf der ganzen Welt…
Ja, ich gastiere viel, aber ich bin nicht der Typ, der einfach kommt und tanzt. Ich will meine Tanzpartnerinnen und -partner kennenlernen, gemeinsam proben.

Was darf in ihrem Gepäck nie fehlen?
Meine Ballettschuhe und -trikots, Trainingssachen – seit einmal mein Koffer nicht ankam, packe ich die immer ins Handgepäck. Der Verlust war richtig schlimm für mich. Gerade an anderen Orten will ich meine eigenen Sachen haben und tragen – und meine Ballettschuhe sind mein wichtigstes Werkzeug!

Künstler, die Sie bewundern?
Menschen im allgemeinen und zwar diejenigen, die eine innere Kraft und Stärke ausstrahlen, die Visionen haben, diese unbeirrt verfolgen und andere dafür begeistern können. Solche Menschen bewundere ich und kann ihnen stundenlang zuhören.

Dinge, die Ihnen wichtig sind?
Nichts Materielles – es gibt eigentlich keine Gegenstände, an denen ich so hänge, dass ich sie unbedingt auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Es sind eher Erlebnisse und Menschen.
Ich habe in China einmal verzweifelt nach Wasser mit Kohlensäure gesucht – das gibt es dort so gut wie nicht. Und ich trinke gerne guten Kaffee… Es sind eher die ganz normalen Dinge, an denen ich hänge, die einem Vertrautheit und Heimat vermitteln und die mir dann fehlen, wenn sie plötzlich mal nicht da sind.
Landschaften oder Städte, die Ihnen in Erinnerung bleiben?
Ich liebe Italien. Ich arbeite viel in Rom und Mailand. Diese Städte zu erkunden, durch die alten Gassen und entlang wunderbarer Bauwerke zu schlendern, das liebe ich. Ebenso wie mit Leuten aus der Compagnie nach Proben und Vorstellungen noch essen zu gehen. Wichtiger aber als die Städte selbst sind für mich die Tanzcompagnien. Zum Beispiel Helsinki – für mich keine sonderlich schöne Stadt – aber das Tanzen war großartig und die Menschen erst, da bleiben dann andere schöne Erinnerungen.

Bringen Sie von Ihren Reisen auch gerne etwas mit?
Früher ja, heute eher weniger – aber ich hatte mir aus China einmal ein antikes Pferdegeschirr mitgebracht. Das hat mich fasziniert – obwohl ich ja weder reite, noch ein Pferd habe…

Das absurdeste Verrückteste, das Ihnen je auf Reisen passiert ist?
Da fällt mir spontan Japan ein, weil es in diesem Land so viele Extreme gibt. Einerseits sind die Japaner ja verrückt nach Klassik – egal ob Ballett oder Musik. Dann fährt man andererseits aber mit der Metro und kommt sich vor wie in einem virtuellen Raum – du siehst Menschen als Puppen und Comicfiguren verkleidet – überall leuchten Neonfarben, laute Musik und überall Technik – die totale Reizüberflutung. Dann wieder betritt man eine kleine Seiten-straße und stößt auf ein uraltes historisches Sushi-Restaurant und an der nächsten Ecke warten bereits wieder computergesteuerte Kraken-Arme, die Spielzeuge aus einem Automaten fischen.

Stuttgart ist für Sie…
Ganz klar: Stuttgart ist meine Heimat.

Wo könnte man Sie hier treffen?
Ich bin gerne in der Stadtmitte mitten drin. Ich wohne am Eugensplatz, das ist mein Revier – von dort aus kann ich zu Fuß ins Theater gehen. Ich gehe gerne in den Mineralbädern in Bad Cannstatt schwimmen. Und ich mag die schwäbische Küche, am liebsten Maultaschen mit Kartoffelsalat, Schnitzel mit Pommes oder Käsespätzle – ganz einfach, schwäbische Hausmannskost.

Wie entspannen Sie? Wo und wie können Sie am schnellsten
abschalten?
Entspannung ja, abschalten muss ich nicht! Ich habe mit dem Tanzen das gefunden, was mich ausfüllt und glücklich macht. Ich habe auch nie richtig lange Urlaub gemacht. Ich liebe die Natur, gehe gerne in den umliegenden Wäldern rund um Stuttgart laufen. Ich höre gerne Musik, nichts Spezielles; es kommt auf meine Stimmung an, reicht aber von Elektronik bis zu Gustav Mahler. Musik als Dauerberieselung ist dagegen nicht mein Ding, weder auf Reisen, noch in Hotels oder beim Kochen. Denn ich mag es auch, wenn es einfach mal ganz ruhig ist – dann genieße ich einfach die Stille.

Szene aus „Kaash“ (c) )Stuttgarter Ballett

Wie lautet Ihr Credo?
Das müssten Sie eigentlich andere fragen…(lacht). Ich versuche authentisch zu sein, Dinge zu akzeptieren, wie sie sind. Ich glaube, jeder Mensch sollte das, was ihn besonders macht, zuerst in sich selbst suchen, nicht zu sehr im Außen. Seiner Umgebung und sich selbst nichts vorzuspielen – akzeptieren wer man ist.

Wie finden Sie auch in schwierigen Zeiten zu sich?
Ich bin kein Analytiker. Meine Bewältigung ist die Bewegung, das Tanzen – das macht mich stark. Wenn ich einen schwierigen Termin habe oder ein Problem lösen muss, dann hilft es mir, in die Bewegung, in die körperliche Aktion zu gehen – das ist mein Ausgleich. Nach der körperlichen Erschöpfung kann ich dann meistens klarer denken.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Claudia Fenkart-Njie


Mehr über Friedemann Vogel und das Stuttgart Ballett…

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Schauspielerin Iris Berben
über Stimme & Sprache

Welch wunderbares, modulierendes Instrument die Stimme sein kann und wie wichtig es ist, in schwierigen Zeiten die Stimme zu erheben, darüber gibt die vielseitige Schauspielerin in diesem Gespräch Auskunft. Für die 12. Internationalen Stuttgarter Stimmtage im November hat Iris Berben die Schirmherrschaft übernommen.

arsmondo: Sie haben sich bei Ihren Rollen und auch beim Genre nie festlegen lassen. Das hat sie vor der gefährlichen „Schublade“ bewahrt. Sie spielten Rollen wie die der Rosa Roth, eine engagierte Kommissarin, in Sketchup waren sie die Comedy-Partnerin von Dieter Krebs, darüber hinaus haben Sie in vielen Filmen facettenreiche Frauenfiguren verkörpert mit denen man mitfiebert, lacht oder leidet. Das bedeutet jede Menge Stimmungen, Gefühle zu entwickeln und auf den Punkt abrufen zu können. – Wie nähern Sie sich diesen unterschiedlichen Rollen?

In der Comedyserie Sketchup gab es viele kleine kurze Szenen – Miniaturen – dort habe ich gelernt viel und sehr genau zu arbeiten. – Comedy hat ja in Deutschland leider nicht den Stellenwert wie beispielsweise im englischsprachigen Raum – dabei ist es eigentlich eine Königsdisziplin für jeden Schauspieler, denn dort lernst du viel über Timing, das schnelle Begreifen einer Situation und wie du sie möglichst reduziert und spontan rüberbringst. Die Unterschiedlichkeit meiner Rollen ist ein Glücksfall für mich – weil gerade dadurch keine Routine aufkommt. Es sind ganz unterschiedliche Wege, die mich in meine unterschiedlichen Rollen führen. Ich habe kein festes Konzept – man muss sich jedes Mal aufs Neue auf einen Charakter einlassen. In manchen Rollen trägst du ein historisches Korsett, zum Beispiel als ich in dem Film Die Buddenbrocks die Konsulin Bethsy Buddenbrook gespielt habe oder die Berta Krupp (Krupp – Eine deutsche Familie ist ein dreiteiliger Historienfilm/2009 , A. d. R.). Dafür musste ich erst einmal sehr viel Lesen über die jeweilige Zeit. Solche Frauen-Figuren darfst du ja nicht aus unserer heutigen Sprachgewandtheit und Offenheit herausspielen, sondern aus dem damaligen Bewusstsein heraus entwickeln. Natürlich bin ich glücklich, dass ich das ganze Rollen-Spektrum so breit füllen darf und kann. Mein Credo lautet immer maximale Empathie für eine Rolle mitbringen auch wenn es ein Charakter mit negativen Seiten ist. Du musst sie in dem Moment mögen und verstehen. – Manchmal fiel mir das sehr schwer, weil es so weit von einem weg sein kann. Das ging mir bei der Rolle der Cosima Wagner so („Die Wagners“ A.d.R.), nicht zuletzt auch, weil sie eine bekennende Antisemitin war. Aber man muss versuchen, eine solche Figur aus ihrer Zeit heraus zu begreifen und dann eben jenen Punkt in sich selbst finden. Warum bin ich wie ich bin. Es geht um Identifikation. Sie ist jedes Mal mit einer langen und intensiven Vorarbeit verbunden, die einen unglaublichen Einblick in andere Welten, Menschen und Lebensformen eröffnet.

arsmondo: Die Stimme drückt unsere Stimmungen aus und ist der Spiegel der Seele – sie offenbart der Umwelt unsere Gefühlswelt – ob wir wollen oder nicht. Im Alltagsleben ist das für uns ja selbstverständlich, da denken wir ja gar nicht nach. Aber wie ist das auf der Bühne und im Film?
Wichtig ist, in der Figur zu sein, sie nicht von außen zu spielen. Du musst mit einer Figur verschmelzen in ihr drin sein. Nur dann überzeugst du dein Publikum. Aber wie finde ich die richtige Stimme? Ich habe jetzt einen 5-Teiler abgedreht, der im Oktober im Fernsehen startet. Er heißt „Die Protokollantin“. Da geht es sehr viel um Stimme. Die Frau, die ich spiele, ist düster. Dafür musste ich die Stimme suchen. Welche Stimmlage brauche ich. Hier ging es um Reduktion, um das „Abschleifen“ von Worten und Emotionen – in solchen Momenten merkst Du welch wunderbares Instrument die Stimme sein kann. Ich arbeite und übe ständig an meiner Stimme – sie zu modellieren, den richtigen Ton zu treffen. Ich schätze eine klare und verständliche Sprache – auch wenn man flüstert oder nuschelt oder schnoddrig sein muss. Man sollte trotzdem immer verstanden werden. Ich finde, dass heute oft die Sprache vernachlässigt wird. Oft versteht man die Schauspieler nicht mehr. Man muss die Sprache gut beherrschen, um mit ihr umgehen zu können.

„Beim Einstudieren von Rollen geht es um
Identifikation. Sie ist jedes Mal mit einer langen und intensiven Vorarbeit verbunden, die einen unglaublichen Einblick in andere Welten, Menschen und Lebensformen eröffnet.“

arsmondo: Sie absolvierten eine Tanz- und Bewegungsausbildung in London sowie eine Sprech- und Gesangsausbildung. Gibt es Unterschiede zwischen Stimme und Sprache im Film, Bühne und realem Leben? Wie finden Sie in Ihren verschiedene Rollen – den richtigen Ton?
Ich war nie auf einer Schauspielschule. In London habe ich eine Tanz- und Bewegungsausbildung sowie eine Sprech- und Gesangsausbildung absolviert, aber das war nur auf eine bestimmte Rolle hin bezogen. Alles was ich kann, habe ich durch learning bei doing erlernt. Und das Schöne ist, dass du als Schauspieler nie auslernst! Jedes Projekt ist anders und eine neue Herausforderung. Da geht es um innere Ansprüche und um eigene Vorstellungen. Dazu muss ich jedes Mal die Emotionen in mir suchen. Wie spreche ich als alte Frau? Ich habe ja auch schon Achzigjährige gespielt, oder wie klingt eine Frau mit vierzig oder wie klingt ein Kind oder eine Jugendliche? Wie fühlt ein junges Mädchen? In meinen Lesungen über Selma Meerbaum-Eisinger beispielsweise – sie starb früh und schrieb ihre wunderbar ergreifenden Gedichte zwischen dem15. bis 18. Lebensjahr.* Wie finde ich dieses Lebensgefühl, diese Lebensgier, diese Offenheit und Wachheit? Ich liebe solche Arbeiten, die mich fordern und in der ich nach richtiger Stimme und Ton suchen muss.

arsmondo: Sie stehen für Dinge ein – für Toleranz und Gerechtigkeit – sie äußern sich auch zu politischen und gesellschaftlich relevanten Themen – d.h. Sie erheben Ihre Stimme und setzen sie ein, um etwas zu bewegen.
Wir leben in einer Welt in der vieles lauter wird – auch die Forderungen. Und es gibt heute unzählige Möglichkeiten, Meinungen zu verbreiten. Generell glaube ich nicht, dass man das Einstehen für etwas in der Öffentlichkeit von jedem verlangen sollte, auch nicht expliziert von uns Künstlern. Aber ich komme aus einer anderen Zeit – der Zeit als man sich in den 68er-Jahren gegen die Verkrustungen der Vergangenheit frei zu machen versuchte, es ging auch um Frauenrechte, um Öffnung gegenüber dem Neuen und Anderen. Wir wollten die Welt verändern und das Nachkriegsdeutschland. In die Sprachlosigkeit eingreifen. Sprache kann eine Waffe sein. Wir merken das heute wieder sehr, wie man mit Worten treffen kann. Menschen kann man mit Worten einlullen und fangen. Es gibt sie wieder die Menschfänger, die mit vermeintlich leichten Worten einfache „Wahrheiten“ verbreiten – einfache und leichte Antworten geben für komplexe Themen. Das hat ja auch alles mit Sprache zu tun. Wie vermittle ich etwas? Wie aggressiv oder sanft bin ich dabei? und ja da sehe ich für mich eine große Notwendigkeit, auch meine Stimme zu erheben. Ich versuche auch, meine Haltung klar zu machen und dadurch vielen Menschen zu zeigen: Wir alle können etwas tun! Natürlich macht du dir dadurch nicht nur Freunde, und du machst dich angreifbar. Das muss man aushalten können und wollen.

arsmondo: Sie widmen sich neben Ihrer Filmarbeit auch leidenschaftlich gerne der Literatur – was würden Sie sagen: Ist das Einsprechen von Hörbüchern und Synchronisation eine gute Übung für Selbstreflektion und Kontrolle – Körper, Gesicht, Mimik entfallen, man wird ja ganz auf seine Stimme beschränkt – sich wieder der eigenen Stimme und Sprache ganz direkt zu stellen?
In diesem Bereich muss man noch genauer arbeiten. Gleichzeitig merkt man was für eine ungeheure Macht die Stimme haben kann. Je nach Thema und Figur in Texten muss man blitzschnell in einen anderen Sprachduktus schlüpfen. Ich habe ein Hörbuch und Lesungen zu Anne Frank und Josef Goebbels gemacht. Da musste ich mir im Vorfeld ganz genau überlegen: Unterstreichst du? Übertreibt du? Oder lässt du perfide Sätze eines Goebbels in der Distanz – ohne sie zu interpretieren einfach im Raum stehen. Wie kann ich etwas nur durch meine Stimme spannend machen?
Ich habe immer noch einen Riesenrespekt vor meinem Beruf – ich liebe ihn und nehme ihn sehr ernst – das bedeutet, ich versuche immer alle Möglichkeiten zu nutzen, diesen Beruf auszufüllen – wach und offen zu sein. Beobachten – Kollegen zuzuhören und zuzuschauen – wahrnehmen, was um mich herum geschieht. All das nimmt man in seinen Erfahrungsschatz auf.

arsmondo: Muse und Muse-Stunden – welche Lieblingsbeschäftigungen gehen Sie in Ihrer freien Zeit nach?
Ich lese sehr gern und viel, und ich gehe ebenso gerne in Buchhandlungen. Ich kämpfe dafür, dass diese auch erhalten bleiben, ich mag es, dort zu stöbern und zu blättern, mich mit anderen auszutauschen. Dann reise ich viel. Die Welt so ausgiebig kennenlernen wie es nur geht, denn es gibt nichta aufregenderes als andere Kulturen und Lebensformen, Gegenden und Orte kennenzulernen. Und ich koche leidenschaftlich!

Iris Berben aktuell:

Konzert und Lesung mit Iris Berben und dem Kammerchor Stuttgart im Rahmen der Stuttgarter Stimmtage Sonntag, 4. November 2018, 15.00 und 18.00 Karten & Info: www.gesprochenes-wort.de 


Die Ausstrahlung der fünfteiligen Highend-Crime-Serie 
„Die Protokollantin“ mit Iris Berben, Moritz Bleibtreu und Peter Kurth beginnt ab Samstag, 20.10., 21.45 Uhr im ZDF.

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Freya Becker (Iris Berben) ist Protokollantin in einem Morddezernat. Tag für Tag hört und schreibt sie die Vernehmungen zu Verbrechen nieder - sie kennt sie alle, die Lügner und Trickser, die armseligen Selbstbetrüger und feigen Vertuscher. In Freyas Kopf hallen sie wider, die unzähligen Stimmen der Täter, ihre Geständnisse, die Berichte ihrer Taten. Sie lebt zurückgezogen und hat bis auf ihren Bruder Jo (Moritz Bleibtreu) kaum Kontakt zur Außenwelt, nachdem ihre Tochter vor elf Jahren verschwunden ist. Doch dann, an diesem einen Tag verändert sich Freya Becker. Etwas, das schon lange in ihr schwelt, bricht aus ihr heraus. Ihr neuer Chef, Hauptkommissar Henry Silowski (Peter Kurth), tritt seinen Dienst an. Und all die Geschichten der Opfer und Täter beginnen, ihren Tribut zu fordern. Die Highend-Crime-Serie nach einer Idee des Schriftstellers Friedrich Ani wurde von der MOOVIE für das ZDF produziert und feiert in der Reihe „Neue Deutsche Serien“ am 3. Juli ihre Deutschlandpremiere. Anwesend sein werden die Hauptdarsteller Iris Berben, Peter Kurth und Katharina Schlothauer sowie Oliver Berben (Produzent), Jan Ehlert (Produzent), Nina Grosse (Gesamtkonzeption, Drehbuch & Regie), Samira Radsi (Regie) und Alexandra Staib (Redaktion ZDF). Tipp Ich bin in Sehnsucht eingehüllt, Audio-CD Gedichte von Selma Meerbaum-Eisinger, gelesen von Iris Berben Hörbuch, Verlag Hoffmann und Campe Selma Meerbaum-Eisinger wurde nur 18 Jahre alt. Sie starb 1942 in einem KZ in der Ukraine. Zuvor lebte sie im Ghetto von Bukowina, wo sie bereits als 15-Jährige 57 Gedichte verfasste.

Am Württembergischen
Staatstheaterin Stuttgart»
bleibt alles anders«.

Alle drei Sparten starten zum ersten Mal in der Geschichte des traditionsreichen Hauses in eine neue Intendanz: für das Schauspiel verantwortet Burkhard C. Kosminski, für die Oper Viktor Schoner und das Ballett Tamas Detrich. Zudem wurde Cornelius Meister zum neuen Generalmusikdirektor berufen.
Das ist ein willkommener Anlass für eine spartenübergreifende Koproduktion. Das Herzstück dieser Inszenierung in der Regie von Anna-Sophie Mahlerbilden sind »Die sieben Todsünden« von Kurt Weill und Bertolt Brecht.

Die OPER stellt statt Antworten Fragen an den Beginn dieser neuen Intendanz: Ausgehend von »Lohengrins« verstörend absolutem Frageverbot über seine Herkunft (Inszenierung: Árpád Schilling) sollen mit den Neuproduktionen Fragen gestellt werden – philosophische, naive, persönliche. »Es ist der Versuch, die komplexen Zusammenhänge unserer Gegenwart mit der wunderbaren Kunstform Oper zu erforschen; der Versuch einer Differenzierung – auch als Reaktion auf vereinfachende Antworten«, so Viktor Schoner.

Viktor Schoner und Cornelius Meister (c) Matthias_Baus

Die Opernpremieren, davon ein Gastspiel, schlagen den Bogen von der Frühklassik bis ins Jahr 2018. Daneben stehen 17 Opern des Repertoires auf dem Spielplan.
Am Vorabend zu Allerheiligen, am 31. Oktober 2018, stellen Alain Platel und Fabrizio Cassol mit der zweiten Saison-Premiere »Requiem pour L.« die Frage: »Wohin gehst du?« In dieser musikalischen Überschreibung von Mozarts »Requiem« befragen 14 Musikerinnen und Musiker aus Afrika und Europa Mozarts Fragment gebliebenes letztes Opus aus einer globalen Perspektive.
Am Sonntag, 2. Dezember 2018 feiert Sergej Prokofjews »Die Liebe zu drei Orangen« in deutscher Sprache als Familienproduktion Premiere im Opernhaus: Axel Ranisch, der als Independent-Filmemacher, Tatort-, Löwenzahn-, Theater- und Opernregisseur arbeitet und gerade seinen ersten Roman veröffentlicht hat, wird das Werk als skurril-farbenfrohe Märchenoper in Szene setzen und damit die Frage stellen »Worüber lachst du?«.
Zwei Werke aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägen die Premieren im Frühjahr 2019: Generalmusikdirektor Cornelius Meister leitet am 17. März 2019, die Neuproduktion von Hans Werner Henzes »Der Prinz von Homburg« nach Heinrich von Kleists gleichnamigem Drama über Disziplin, Gehorsam und Träumerei. Die im Zeitalter von Fake News, der vermeintlichen medialen Falschinformation, zentrale Frage »Wem glaubst du?« steht im Zentrum der Premiere von John Adams’ »Nixon in China« am 7. April 2019; Regie: Marco Štorman.
Die inzwischen in Paris zum Kult avancierte Produktion von Christoph Willibald Glucks »Iphigénie en Tauride« in der Inszenierung von Krzysztof Warlikowski aus dem Jahr 2006 geht der Frage »Wem vergibst du?« nach. Sie feiert am 28. April 2019, als Übernahme von er Opéra national de Paris Premiere. Damit wird zum ersten Mal eine Opernarbeit des polnischen Regisseurs und seiner Ausstatterin Malgorzata Szczesniak in Stuttgart zu sehen sein. Stefano Montanari dirigiert und steht damit erstmals am Pult des Staatsorches-ters Stuttgart.
Am Ende des Premierenreigens dieser Spielzeit steht mit Arrigo Boitos »Mefistofele« am 16. Juni 2019 die Frage: »Was verlangst du?«. Die Neuproduktion mit der italienischen Sicht auf den deutschen Faust-Mythos inszeniert Àlex Ollé, Mitglied des katalanischen Theater-Kollektivs La Fura dels Baus.
Die Saison 2018/19 schließt mit drei außergewöhnlichen Produktionen aus dem Stuttgarter Opernrepertoire der vergangenen 20 Jahre: Calixto Bieitos Interpretation von Wagners »Der fliegende Holländer«, Kirill Serebrennikovs Sicht auf Richard Strauss‘ »Salome« und schließlich Bellinis »Norma« in der Regie von Jossi Wieler und Sergio Morabito aus dem Jahre 2002.
Darüber hinaus gibt es bei den Sinfoniekonzerten 2018/19 neben spannenden Dirigentendebüts auch Wiederbegegnungen mit einigen dem Stuttgarter Publikum bekannten Gastdirigenten Dennis Russell Davies, Marek Janowski und Daniele Rustioni. Zum ersten Mal gibt es in dieser Saison zusätzlich zu den etablierten Reihen zwei neue Konzertformate im Opernhaus: ein Filmkonzert sowie ein großes Familienkonzert.

Tamas Detrich (c) Roman Novitzky

Die erste Spielzeit von Tamas Detrich als Intendant des BALLETTS steht unter dem Motto »One of a Kind«. Zu Deutsch: einzigartig. Das Motto ist gleichzeitig der Titel eines abendfüllenden Stückes von Jirí Kylián, eines in jeglicher Hinsicht einzigartigen Künstlers, der im Jahr 1968 – also vor genau 50 Jahren – seine Weltkarriere in Stuttgart startete.
Die Spielzeit beginnt ganz puristisch mit dem Ballett-abend »Shades of white«: drei Werke – ein jedes in weiß gekleidet – die verschiedene Facetten des klassischen Balletts zelebrieren. Neu im Repertoire ist »Das Königreich der Schatten« aus La Bayadère, eine der erlesensten Szenen, die der Ballettkanon zu bieten hat, choreographiert von Marius Petipa – dem Vater des klassischen Balletts. Umrahmt wird dieses Juwel von John Crankos geistreichem »Konzert für Flöte und Harfe« und George Balanchines funkelnder »Sinfonie in C«.
Außerdem hat sich Theaterlegende Jürgen Rose bereiterklärt, nach 30 Jahren wieder ein Ballett auszustatten – und zwar eines von Kenneth MacMillans fesselndsten, aufwühlendsten Stücken, das die letzten, verzweifelten Tage im Leben des Habsburger Kronprinzen Rudolf schildert: »Mayerling«. Das Werk ist ein Unikat im Kanon der Handlungsballette des 20. Jahrhunderts.
Im Jahr 2019 wird mit dem Ballettabend »Aufbruch!« das 100. Jubiläum der Weimarer Verfassung sowie der Gründung des Staatlichen Bauhauses in Weimar begangen. Drei sehr unterschiedliche Choreographen brechen auf, um diesen beiden Ereignissen zu begegnen: Katarzyna Kozielska, Nanine Linning und Edward Clug.
Am Ende der Spielzeit steht ein Stück von einem weiteren »One of a Kind«-Künstler auf dem Programm: Akram Khan, dessen Fusion von indischem Kathak mit zeitgenössischem Tanz ihn zu einer der originellsten Stimmen der Tanzwelt gemacht hat. Sein »Kaash« kommt gemeinsam mit einer weiteren Erstaufführung – Johan Ingers »Out of Breath« – und der Wiederaufnahme von Itzik Galilis »Hikarizzato« auf die Bühne. Außerdem steht das 40. Jubiläum von John Neumeiers »Die Kameliendame« an. Selbstverständlich werden außerdem weitere Werke von John Cranko getanzt, allen voran »Romeo und Julia« hier in Stuttgart sowie sein »Schwanensee« und »Onegin« während eines großen Gastspiels in Japan.

Spielzeiteröffnungsfest 2018/19
Auf dem Bild
Burkhard C. Kosminski
Foto: Björn Klein

Unter dem Leitmotiv »Warum denn nicht warum« möchte Burkhard C. Kosminski das SCHAUSPIEL Stuttgart als eine Plattform für Fragen und konstruktiven Dialog etablieren, wobei ihm drei große Themenkomplexe besonders am Herzen liegen: Stuttgart als eine moderne Stadt, anhand derer man Utopien zukunftsorientierter und nachhaltiger Stadtentwicklung entwerfen und diskutieren kann.
Stuttgart als eine internationale Stadt und das Schauspiel als Denk- und Begegnungsraum für internationale Perspektiven und Identitätskonstruktionen.
Und das Schauspiel Stuttgart als Ort für Literaturtheater, mit einem besonderen Fokus auf dem zeitgenössischen Autorentheater.
Zeitgenössische Autoren und Autorinnen werden für das Schauspiel und das Stuttgarter Ensemble neue Stücke schreiben und dabei ihre Sicht auf unsere Gegenwart reflektieren und zur Diskussion stellen. In dieser Spielzeit sind dies Texte von Wajdi Mouawad, Clemens J. Setz, Nis-Momme Stockmann (in Zusammenarbeit mit den Frankfurter Positionen) und Roland Schimmelpfennig. Außerdem werden Texte von Theresia Walser, Elfriede Jelinek und Simon Stephens zu sehen sein.
Das umfangreiche Programm 2018/2019 umfasst insgesamt 24 Produktionen, darunter sechs Uraufführungen und deutschsprachige Erstaufführungen, eine spartenübergreifende Produktion mit Oper und Ballett sowie drei Koproduktionen, u.a. mit dem renommierten Schweizer Theatermacher Milo Rau. Diskursive Formate mit Partnern wie der Robert-Bosch-Stiftung und dem SWR sowie zahlreiche Extraveranstaltungen und theaterpädagogische Angebote runden das Programm ab. Eröffnet wird die neue Spielzeit mit einem doppelten Premierenwochenende am 16./17./18. Und 23./24./25.November und einer begehbaren Stadtraum-Installation des Künstlers Tobias Rehberger.
Neben dem Schauspielhaus wird das Kammertheater zukünftig der zweite zentrale Spielort des Schauspiels sein.

Konzert-Highlights

Kiss of Fire – Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim
meets Spark – Die klassische Band

Die Senkrechtstarter der internationalen Klassikszene verbindet den Feinsinn und die Präzision eines klassischen Kammermusikensembles mit der Energie und dem Biss einer Rockband. Tradition und Innovation werden bei den fünf jungen Musikern von Spark zu einem Klangerlebnis, das sich virtuos und unverkrampft zwischen den verschiedensten musikalischen Welten bewegt: Barocke Ohrwürmer verschmelzen mit Filmmusik und Minimal Music, slawische Folklore und jazzige Grooves treffen auf klassische Avantgarde. So erreichen Spark besonders auch die junge Generation. Auf dem Konzertprogramm am 12. November stehen Werke von der barocken Opernwelt eines Henry Purcell bis hin zu rockig-klassischen Klängen, wie sie der niederländische Komponist Chiel Meijering in seiner Suite „Kiss of Fire“ verbindet. In acht kurzen Charakterstücken zeigt das Werk für Spark und Kammerorchester mit den unterschiedlichsten musikalischen Mitteln vom afrikanischen Rhythmus bis hin zu Popelementen die unterschiedlichsten Facetten der Musik, der Liebe und des Lebens…
Weitere Info & Karten: www.swdko-pforzheim.de

Foto oben: Spark 1d ┬® Bartosch Salmanski


Nachtschwärmer-Konzerte
„Nachtschwärmer-Konzerte“ – heißt die neue Veranstaltungsreihe, die die Stuttgarter Philharmoniker gemeinsam mit dem Jazzclub BIX im Gustav-Siegle-Haus aus der Taufe gehoben haben. Ziel der Reihe ist es, neue Begegnungen zwischen unterschiedlichen Publikumsgruppen zu ermöglichen. Die Programme der „Nachtschwärmer-Konzerte“ sind mehrteilig angelegt: der erste Teil ertönt im Saal des Gustav-Siegle-Hauses der zweite klingt dann im Jazzclub BIX aus. Das erste Konzert der Reihe startet mit einer Sinfonie von Mendelssohn, gefolgt von einem Klavierkonzert von Bach, für Akkordeon und Orchester arrangiert, und Tangos von Astor Piazzolla. Anschließend spielt die Akkordeonistin Ksenija Sidorova (Foto) im Jazzclub mit Jazzern weiter. Die Konzertreihe eignet sich aber auch hervorragend für besondere Kammermusikprogramme, beispielsweise die Gesamtaufführung aller sechs Streichquartette op. 18 von Beethoven an einem Abend durch Quartettformationen des Orchesters. Hierbei werden die Ensembles in der Mitte des Parketts platziert, während das Publikum die Aktion ringförmig umgibt. Anschließend gibt’s Jazz-Kammermusik im BIX. In einem weiteren Konzert tritt der Jazztrompeter, Pianist und Komponist Sebastian Studnitzky mit in seinem Projekt „Memento“ auf, ein anderes mit dem jungen Pianisten und Dirigenten Frank Dupree (Foto) verbindet Orchester- und Klaviermusik von Beethoven mit der von Duke Ellington und George Gershwin.
Weitere Informationen zum Programm und Karten:
www.stuttgarter-philharmoniker.de

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Martin-Stadtfeld (c) Marco-Borggreve/Sony-Classical

Der Goldstadtzirkel weltberühmter Pianisten“
Martin Stadtfeld
Martin Stadtfeld spielt erneut mit der Badischen Philharmonie Pforzheim und eröffnet mit dem „Goldstadtzirkel weltberühmter Pianisten“ die Sinfoniekonzert-Reihe der neuen Spielzeit. Stadtfelds Karriere begann 2002 mit dem ersten Preis des Internationale Bach-Wettbewerbs. Seine Einspielungen auf CD (u.a. bei SONY Music) erhielten mehrfach den ECHO Klassik-Preis. In Pforzheim spielt Martin Stadtfeld nun Sergej Rachmaninows 2. Klavierkonzert c-moll op. 18:. Romantisch-expressiv ist dieses Klavierkonzert, das seit der Urraufführung 1901 das erfolgreichste Rachmaninows ist. Eröffnet wird das Konzert mit Maurice Ravel Suite für Orchester „Ma mère l‘ oye“. Eine Sammlung von Märchen ist „Meine Mutter Gans“, die ursprünglich als Fassung von fünf Kinderstücken für Klavier zu vier Händen entstand. Abschließend stimmt die Badische Philharmonie Pforzheim mit der „Reformations-Symphonie“ in das Luther-Jubiläum mit ein. Felix Mendelssohn-Bartholdy komponierte sie 1830 zum 300. Jubiläum der Confessio Augustana. 
15. Oktober CongressCentrum Pforzheim, Karten: Online-Ticketshop arsmondo


Bartoli / Gabetta (c) Decca/Esther Haase

„Dolce Duello“ –
Cecilia Bartoli & Sol Gabetta

Musikalisches Gipfeltreffen: Cecilia Bartoli liebt es, die Register wie ihre Rollen zu wechseln und die ganze Palette von Gefühlszuständen auszuspielen – von innig zart bis rasend, von schüchtern bis wild, von verliebt bis wütend. Die Mezzosopranistin gehört seit über zwei Jahrzehnten zu den absoluten Topstars der Klassik-Szene, mit einem dunkel-satten Timbre von bewegender Schönheit, einem herausragenden darstellerischen Talent, außerordentlicher Musikalität und einer elektrisierenden Bühnenausstrahlung im Konzert und auf der Opernbühne. Im Baden-Badener Festspielhaus, wo La Bartoli zuletzt in Bellinis „Norma“ glänzte, trifft sie nun auf ihre Freundin Sol Gabetta, die ihrerseits zu den besten Cellistinnen weltweit gezählt wird. Dabei kann sie auf den vier Saiten ihre Violoncellos nicht nur beseelt singen, sondern auch dramatisch auftrumpfen und immer wieder spieltechnisch glänzen – etwa, wenn sie mit hochemotionalem und überaus riskantem Spiel die virtuosesten Werke in schwindelerregendem Tempo präsentiert, so dass die Musik unter ihrem Bogen Funken zu schlagen scheint wie bei einem Vulkanausbruch. Cecilia Bartoli und Sol Gabetta präsentieren im Baden-Badener Festspielhaus mit „Dolce Duello“ ein abwechslungsreiches Barockprogramm gemeinsam mit der Cappella Gabetta, einer handverlesenen Originalklang-Truppe, die Sol Gabetta im Dezember 2010 gemeinsam mit ihrem Bruder Andrés Gabetta, einem brillanten Barockviolinisten und Konzertmeister, gegründet hat. Für „Dolce Duello“ haben Cecilia Bartoli und Sol Gabetta einige wunderbare Werke für Gesang und Violoncello ausgegraben. Darunter finden sich berührende Lamenti wie in Händels Ode für die Heilige Cäcilie sowie energiegeladenere Arien wie „Di verde ulivo“ von Vivaldi.
23. November im Festspielhaus Baden-Baden, Karten: www.festspielhaus.de


Mischa Maisky (c) Deutsche Grammophon

Emotionale Freigiebigkeit –
Mischa Maisky & Musikkollegium Winterthur

Mischa Maisky ist der wohl berühmteste Cellist unserer Zeit, weltweit gefeiert als „großer Romantiker“. Sein Spiel ist emotional, intensiv, brennend vor Leidenschaft, dabei edel und seelenvoll im Ton: „Ich gebe nicht 100, sondern 120 Prozent“, sagt der lettische Jahrhundertmusiker mit der Silbermähne über sich. Und: „Ich spiele jedes Konzert, als wäre es mein letztes. Ich verschwende, sagen manche, jedes Mal sehr viel Energie. Aber ich glaube, dass die Konzertbesucher die emotionale Freigiebigkeit eines Musikers fühlen, die viel wichtiger ist als Technik.“ Kurz vor seinem 70. Geburtstag (am 10. Januar 2018) darf sich das Göppinger Publikum auf 120 Prozent Mischa Maisky in Schostakowitschs erstem Cellokonzert freuen – an seinem kostbaren Montagnana-Cello, im Dialog mit dem traditionsreichen schweizerischen Musikkollegium Winterthur unter der inspirierten Leitung seines neuen Chefdirigenten Thomas Zehetmair. Dass die Winterthurer zudem eine Deutsche Erstaufführung im Gepäck haben, macht den Abend desto spannender!
6. November 2017, 20 Uhr, Stadthalle Göppingen


Maximillian Hornung, Photo: Marco Borggreve

Münchener Kammerorchester
& Maximilian Hornung

Mit bestechender Musikalität, instinktiver Stilsicherheit und musikalischer Reife hat der Cellist Maximilian Hornung die internationalen Konzertpodien erobert. Für seine erste Sony-CD erhielt er den ECHO Klassik-Preis 2011 als Nachwuchskünstler des Jahres, für die Veröffentlichung von Dvořáks Cellokonzert den ECHO Klassik 2012 für die »Konzerteinspielung des Jahres«. Mit dem Münchener Kammerorchester wird er ein Auftragswerk des MKO für Violoncello und Orchester von Tobias PM Schneid aufführen. Der finnische Dirigent John Storgårds ist speziell für eine auf drei Spielzeiten angelegte Reihe engagiert worden, nämlich Haydns Londoner Sinfonien den Ligetis Solokonzerten – hier das Konzert für Violoncello und Orchester – gegenüberzustellen. An diesem Abend bilden die Sinfonien Nr. 97 und Nr. 103 »Mit dem Paukenwirbel« den Rahmen des Konzerts. Das Konzert findet am 6. Dezember im Konzerthaus Ravensburg statt.-
Karten: www.ravensburg.de

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„EINE WEIHNACHTSGESCHICHTE“ VON CHARLES DICKENS
Miroslav Nemec & Udo Wachtveitl in einem Bühnenmärchen mit Musik

Sie ist – neben der Geschichte von Jesu Geburt – das vermutlich meisterzählte Literatursujet der Adventszeit: Charles Dickens‘ „Weihnachtsgeschichte“. Die sozialkritische Erzählung über den alten Geizhals Ebenezer Scrooge, der am Vorabend des Weihnachtsfests von vier Geistern heimgesucht wird und durch sie seine Menschlichkeit wiederentdeckt, ist ein Klassiker. Kaum ein Theater, das dieses Werk nicht schon mehrfach gespielt hat. Warum dann eine neue Fassung? Der Regisseur und Produzent Martin Mühleis hat mit seinen Bühnenbearbeitungen von literarischen Werken in den vergangenen Jahren große Erfolge gefeiert. Allein seine Bearbeitung von Erich Kästners autobiographischer Erzählung „Als ich ein kleiner Junge war“ mit Walter Sittler in der Hauptrolle wurde mehr als 400 Mal gespielt. Für die beiden Schauspieler Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl hat er nun gemeinsam mit dem Komponisten Libor Síma ein musikalisches Bühnenmärchen geschaffen. Es erinnert in seiner Ästhetik an alte Schwarzweißfilme und spielt mit Elementen literarischer Revuen. Durch die Musik und die geschickte Lichtregie werden Räume geschaffen – und doch spielt der literarische Text immer die Hauptrolle: Tempo, Rhythmus und Struktur der Novelle bleiben auch in der Lesefassung bewahrt. Und in der Interpretation von Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl erhält die Erzählung, trotz des moralischen Grundtons, eine unglaubliche Lebendigkeit. Beide sind bekanntermaßen seit vielen Jahren durch ihre gemeinsame Arbeit als Münchner Tatort-Kommisare eng verbunden und geben auch auf der Bühne ein tolles Team ab, dem es gelingt im Zusammenspiel mit der Bühnenmusik den typischen, skurrilen britischen Humor auf anrührende Weise herauszuarbeiten.
TOURDATEN 2017: 03.12.2017 Fellbach, Schwabenlandhalle, 04.12.2017 Theater Heilbronn, 09.12.2017 Stadthalle Singen, 10.12.2017  Tuttlinger Hallen, 12.12.2017 Stuttgart Theaterhaus, 20.12.2017 Stuttgart Theaterhaus; Karten und Info beim jeweiligen Veranstalter erhältlich

Französische Filmtage

Auf dem Programm des größten frankophonen Filmfestivals im deutschsprachigen Raum stehen aktuelle französischsprachige Filme (und einige wenige englischsprachige) aus den unterschiedlichsten Genres – immer entweder mit deutschen oder englischen Untertiteln. Horrorfilme, Komödien, aber auch Dokumentationen. Dabei steht der diesjährige Filmfestival ganz unter dem Motto „Held*innen“. Von Superheld*innen über Alltagsheld*innen bis hin zu Antiheld*innen wird es eine große Bandbreite an Film-Figuren zu sehen geben. Der Länderschwerpunkt auf Belgien, aber auch das frankophone Afrika wird wieder prominent vertreten sein. Einen weiteren Akzent wird eine kleine Auswahl an Filmen bilden, die sich im Zuge des aktuellen Diskurses mit der Ökologie und der Umwelt beschäftigen.
Auch dieses Jahr wird es zudem auch Online-Version des Festivals geben. Vom 10. bis zum 17. November werden zahlreiche, allerdings nicht alle, Filme der 39. Französischen Filmtage im Netz zu sehen sein.

Alle Infos auch zu den Filmpreisen und zum Programm für Kinder, Jugendliche und Studenten:
Festival international du film francophone Tübingen et Stuttgart
www.filmtage-tuebingen.de
www.festivaltv.filmtage-tuebingen.de

Plastik. Die Welt neu denken

Ausgezeichnet mit dem Preis »Die schönsten deutschen Bücher« 2022!

Plastik  prägt unseren Alltag  wie kaum ein anderes Material. Lange Zeit stand es für unbeschwerten Konsum, Fortschritt und revolutionäre Neuerungen. Dieses Flair ist längst verloren, denn heute wird sichtbar  was Plastik-Müll als wesentlicher Faktor  in der globalen Umweltkrise anrichten kann. Das Buch Plastik. Die Welt neu denken, das anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Vitra Design Museum entstanden ist, untersucht die Erfolgsgeschichte von Plastik im 20. Jahrhundert. Zugleich bietet es eine Plattform für den Diskurs über unseren heutigen Umgang mit Kunststoffen, den Abfall der dadurch entsteht, und neue Lösungsansätze, die den gesamten Lebenszyklus von Produkten und Materialien berücksichtigen.

Essays beleuchten die Geschichte der Kunststoffe von 1850 bis heute. Eine reich bebilderte Chronologie illustriert, wie unsere Wahrnehmung von Kunststoffen über die Jahrzehnte medial geprägt wurde und sich verändert hat.

Blick ins Buch (c) Vitra Design Museum
Blick ins Buch (c) Vitra Design Museum

Vorgestellt werden 40 ausgewählte Objekten aus namhaften Sammlungen, die für die Bedeutung von Kunststoffen in unserer modernen Lebensumwelt  stehen sowie wichtige Texte aus der Kunststoffhistorie. Hinzu kommen zahlreiche Interviews und Gesprächsrunden, die eigens für das Buch mit Designern, Industrievertretern, Forschern und Umweltaktivisten geführt wurden. Unterfüttert werden diese Gespräche durch umfassende Datenvisualisierungen zur globalen Plastikproduktion und der weltweiten Verbreitung von Kunststoffen.

Hier bestellen
Plastik. Die Welt neu denken
ISBN 978-3-945852-46-0, 49,90 €
Vitra Design Museum
Charles-Eames-Str. 2
79576 Weil am Rhein
T +49.7621.702.3200
www.design-museum.de
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Musterung. Pop und Politik in der zeitgenössischen Textilkunst

Die aktuelle Ausstellung im Kunstmuseum Ravensburg  trägt den Titel »Musterung. Pop und Politik in der zeitgenössischen Textilkunst«. Sie zeigt farbenfrohe Arbeiten, haptische Stoffe und raumgreifende Installationen. Dabei werden unterschiedliche Perspektiven von international renommierten Künstler:innen in einen Dialog gesetzt, die sich explizit mit textilen Materialien beschäftigen und zugleich deren gesellschaftspolitische Bedeutung erkunden.

© VG Bild-Kunst, 2022, Foto: Wynrich Zlomke

Stoffe und ihre Musterungen sind oft kulturelle Identitätssymbole. Im Kontext von Massenproduktion von Textilien und ökologischer Nachhaltigkeit eröffnet die künstlerische Materialforschung neue Sichtweisen und Möglichkeiten. Die Ausstellung macht darauf aufmerksam, wie facettenreich Popkulturelles, (Post-)Feministisches und Tagespolitisches mit textilen Materialien ihren Ausdruck finden.

© VG Bild-Kunst, 2022, Foto: Wynrich Zlomke

Die Auseinandersetzung mit dem Stofflichen, neuen Textilien und Trägermaterialien begeistert aktuell Künstler:innen unterschiedlicher Generationen und Herkunft. Vorhänge, Tapeten und Teppiche werden als Bildträger zeitgenössischer Darstellungen wiederentdeckt, Produktionsprozesse und Materialien werden zu Bedeutungsträgern.

Mit Stoffen, textilem Dekor und Kleidung lassen sich Geschichten sowie Hintergründe historischer, bildlicher und globaler Zusammenhänge neu erzählen. Der Wiederentdeckung traditioneller Techniken steht die Begeisterung für neue digitale Technologien gegenüber: Digitale Technologie steuert die Webstühle in der heutigen Zeit oder spinnt die Fäden in eine erweiterte Realität.

© VG Bild-Kunst, 2022, Foto: Wynrich Zlomke

Ausstellung:
»Musterung. Pop und Politik in der zeitgenössischen Textilkunst«
Dauer: 15. Juli bis 30. Oktober 2022


Kunstmuseum Ravensburg
Burgstraße 9
88212 Ravensburg
www.kunstmuseum-ravensburg.de


Mit Arbeiten von Nevin Aladağ | Alexandra Bircken | Tim Berresheim | Shannon Bool | Edith Dekyndt | Parastou Forouhar | Kyungah Ham | Tobias Hantmann | Erika Hock | Magdalena Kita | Helen Mirra | Laure Prouvost | Yelena Popova | Sara Sizer | Oliver Sieber | Heidi Specker | Roland Stratmann | Rosemarie Trockel


In Kooperaton mit den Kunstsammlungen Chemnitz

OPUS KLASSIK

Am Sonntag, 9. Oktober 2022, wird im Konzerthaus Berlin am Gendarmenmarkt der OPUS KLASSIK 2022 verliehen, die begehrte Auszeichnung für außerordentliche musikalische Leistungen und Initiativen im Bereich Klassik. Désirée Nosbusch führt in diesem Jahr erneut durch das Programm. Das ZDF überträgt die glanzvolle Gala mit internationalen Preisträgerinnen und Preisträgern live-zeitversetzt ab 22.15 Uhr. Unterstützt wird Désirée Nosbusch von Fabian Köster („heute-show“), der einen eigenen, unterhaltsamen Blick in die Klassikwelt wagt. Er besucht im Vorfeld einige der prämierten Künstlerinnen und Künstler.

Désirée Nosbusch, die die Verleihung des OPUS KLASSIK bereits 2021 moderierte, führt auch 2022 durch den Abend. (c) ZDF/Claudius Pflug
Jonas_Kaufmann (c) Gregor Honenberg /_sonyclassical

Verliehen wird der OPUS KLASSIK 2022 in insgesamt 27 Kategorien. Tenor Jonas Kaufmann wird mit dem Preis als „Sänger des Jahres“ geehrt. In der Kategorie „Solistische Einspielung“ geht die renommierte Auszeichnung an Pianist Igor Levit und Mezzosopranistin Joyce DiDonato. Ein weiterer Gast des Abends ist Pianist Ludovico Einaudi, Preisträger in der Kategorie „Neue Klassik“. Als „Sängerin des Jahres“ steht die französische Sopranistin Lea Desandre auf der Bühne.
Über den OPUS KLASSIK 2022 für die Kammermusikeinspielung freut sich „21meter60“, ein aus drei Tubisten bestehendes Ensemble, das sich mit ungewöhnlich virtuosen Tuba-Tönen für die Trophäe bedanken wird. Der Preis für Nachwuchsförderung geht an die Initiative „The Young ClassX“, die Kindern und Jugendlichen unterschiedliche Möglichkeiten bietet, Musik zu entdecken.

Geigerin Tianwa Yang (c) Andrej+Grilc

Weitere Prämierte des Abends sind die Harfenistin Magdalena Hoffmann, die den begehrten Klassikpreis als „Nachwuchskünstlerin des Jahres“ bekommt, und Oboist Albrecht Mayer, der in der Kategorie „Konzerteinspielung“ geehrt wird. Sopranistin Jeanine De Bique erhält die Auszeichnung in der Kategorie „Solistische Einspielung Gesang“ und die Geigerin Tianwa Yang in der Kategorie „Instrumentalistin“. Weitere Preisträgerinnen und Preisträger werden in Video-Einspielern während der Sendung vorgestellt.
Für die festlichen Klänge im Konzerthaus Berlin sorgt das Konzerthausorchester unter der Leitung von Krzysztof Urbański, der als Gastdirigent namhafter internationaler Orchester tätig ist, darunter die Münchner Philharmoniker, das Chicago Symphony Orchestra, die Wiener Symphoniker und die Berliner Philharmoniker.

Der OPUS KLASSIK ist der Preis für klassische Musik in Deutschland. Die Förderung der klassischen Musik und insbesondere die Auszeichnung ihrer Künstler ist das Ziel des Vereins zur Förderung der Klassischen Musik e. V., dem Ausrichter des wichtigsten deutschen Klassikpreises. Eine Fachjury, zusammengesetzt aus Vertretern der Musik- und Medien-Branche, zeichnet 45 Preisträger in 27 Kategorien aus.

Das Doppelalbum Best of Klassik 2022 – Die große Gala der OPUS Klassik-Preisträger präsentiert die schönsten Stücke der  Preisträger: innen des und zeigt damit die immense Vielfalt klassischer Musik. Von der Solo-Einspielung bis zur Oper, vom Videoclip bis zu den besten Instrumentalist:  Unter anderem sind Joyce DiDonato, Ludovico Einaudi, Magdalena Hoffmann, Jonas Kaufmann, Igor Levit und Beatrice Rana mit Highlights aus ihren ausgezeichneten aktuellen CD-Veröffentlichungen vertreten.

Schauspiel

Nationaltheater Mannheim
Woyzeck von Georg Büchner
Der Soldat Woyzeck hetzt durch sein Leben: Militärischer Drill, Untersuchungen beim Doktor, den Hauptmann rasieren, Dienst – und wieder von vorne. Seine Partnerin Marie und das gemeinsame Kind sehen ihn nur selten und wenn, dann mit Schweiß auf der Stirn. Die Fremdbestimmung zerrt an Woyzeck und greift seinen Körper und Verstand an. Er entwickelt Wahnvorstellungen, die Realität entgleitet ihm und Woyzeck rastet aus. Georg Büchners Fragment gebliebenes Stück ist inspiriert von Mordprozessen aus der Gegenwart des Autors. Schreibend legt der Sozialrevolutionär Büchner Widerspruch gegen die ausschließlich moralische Verurteilung der Täter ein, versucht, ihre Lebensumstände zu rekonstruieren und ihre Beweggründe zu verstehen. Woyzeck ist schuldig – aber ist er auch schuldfähig? Und welchen Anteil hat die Gesellschaft an seinem Verbrechen? Regisseur und das Ensemble übersetzen den Text ins hier und jetzt und blicken auf die Machtverhältnisse und Beziehungen der Figuren untereinander – ein Psychogramm, das in unserer Zeiten aktueller erscheint als je.
Premiere am 20. Oktober 2022 Nationaltheater Mannheim

Theater Konstanz
Quijote
sehr frei nach Miguel de Cervantes
Ein klappriges altes Pferd wird zu einem stolzen Ross namens Rosinante, ein verarmter Mann wird zum Knappen Sancho Panza, eine Frau aus einfachen Verhältnissen wird zur schönen Dulcinea. Cervantes` Quijote sucht das Abenteuer und zieht seit 1605 aus, um Herzen zu erobern und – natürlich – gegen Windmühlen und Gespenster zu kämpfen. Quijotes Abenteuer sind ein Beispiel für Erzählungen, in denen Menschen in ihren Träumen und Fantasien gefangen sind und die Realität ausblenden. Doch was, wenn sich die Wirklichkeit nicht länger leugnen lässt? Oder wenn sich diese noch absurder zeigt als jede fantastische Vorstellung? – Aber braucht es nicht große Gegenentwürfe, ja fantastische Überschreibungen der Wirklichkeit, um Veränderungen herbeizuführen? Regisseur Hannes Weiler zeigt uns den Klassiker der Weltliteratur in seiner Neuinszenierung am Theater Konstanz mit neuen Perspektiven.
Premiere am 21. Oktober 2022, weitere Termine im Okt/Nov/Dez 2022 unter www.theaterkonstanz.de

Badisches Staatstheater Karlsruhe
Anna Iwanowa nach Anton Tschechow
Schauspieldirektorin Anna Bergmann wirft einen neuen Blick auf Tschechows erstes Theaterstück Iwanow und erzählt es aus der Perspektive der in dieser Inszenierung weiblichen Titelfigur. Die privaten Schicksale ereignen sich in Bergmanns Inszenierung vor dem Hintergrund einer nahenden globalen Katastrophe – es droht das Ende der Welt, wie wir sie bisher kannten.

Handlung: „Was ist los mit mir? In welchen Abgrund jage ich mich?“, fragt sich Anna Iwanowa. Ihr Gut ist hochverschuldet. Die Gefühle für ihren Mann abgeflaut, ebenso ihr früheres Interesse für politische Reformen. Als ihr Mann Ärztin unheilbar erkrankt,  flieht sie immer häufiger in die heiteren Abendgesellschaften auf dem Gut der reichen Nachbarn. Dort verliebt sich deren Sohn Sascha heillos in die deutlich ältere Iwanowa. Ein neues Glück wäre denkbar. Denn nach dem Tod ihres Mannes scheint der Weg frei für eine neue – sie auch finanziell sanierende – Liebe zum jungen Sascha. Doch sie zweifelt an der Kraft der Liebe wie an der Zweckhaftigkeit zu Handeln. Der unbeirrbare Glaube an Fortschritt und eine glückliche Zukunft ist ihr abhandengekommen.

Premiere am 29.Oktober 2022 Badisches Staatstheater Karlsruhe

Das Leben des Galilei
von Bertolt Brecht und Musik von Hanns Eisler

Unter den Eindrücken der Novemberpogrome in Deutschland und dem Großen Terror in der Sowjetunion begann Bertolt Brecht 1939 im dänischen Exil die Arbeit an seinem epischen Stück. Anhand der historischen Figur des Wissenschaftlers Galilei, thematisiert Brecht das Dilemma des modernen Gelehrten, Wissenschaftlers und Intellektuellen: Die Abwägung zwischen dem eigenen Wohl und der gesellschaftlichen Verantwortung. Durch eine Mehrfachbesetzung Galileis hebt Regisseur Ronny Jakubaschk das Charakteristikum der Gelehrtenparabel hervor und verdeutlicht die Zeitlosigkeit und Relevanz Brechts für ein heutiges Publikum.
Premiere am 5. November 2022 am Badischen Staatstheater Karlsruhe

Der Gott des Gemetzels
Schwarze Komödie von Yasmina Reza
In Yasmina Rezas preisgekrönter Komödie geraten die beiden Elternpaare Alain und Annette sowie Michel und Véronique in einem fulminanten Schlagabtausch aneinander. Zwei Jungs haben sich geprügelt, und der eine hat dem anderen einen Zahn ausgeschlagen. Nun wollen die Eltern der beiden Haltung zeigen und vorbildlich in aller Ruhe über das Geschehene sprechen. Als der Alkohol auf den Tisch kommt, eskaliert der Abend. Aus Sticheleien werden Wortgefechte, die sogar in Handgreiflichkeiten münden. Am Ende bleibt nur ein Gewinner zurück: Der Gott des Gemetzels.
Die französische Autorin Yasmina Reza erlangte 1994 ihren internationalen Durchbruch mit dem Theaterstück „Kunst“. Seitdem gilt sie als eine der erfolgreichsten Theaterautorinnen der Gegenwart.  2011 wurde das Stück Der Gott des Gemetzels von Roman Polanski mit Stars wie Kate Winslet und Christoph Waltz verfilmt. Mit großem Gespür für psychologische Tiefen wird Anna Bergmann Yasmina Rezas Kammerspiel als virtuoses Schauspielerfeuerwerk auf die Bühne bringen.
Premiere am 10.12.2022 am Badischen Staatstheater Karlsruhe

Der Besuch der alten Dame
Eine tragische Komödie von Friedrich Dürrenmatt
Sie ist wieder da. Ein ganzes Menschenleben liegt zwischen Jugendzeit und Gegenwart der alten Dame. Jetzt ist sie zurück in ihrer Heimatstadt. In Güllen. Was damals geschehen ist, beherrschte ihren Lebensweg. Nun soll es endlich auch das Leben ihres damaligen Liebhabers beherrschen – und beenden. Multimilliardärin Claire Zachanassian, ehemals Kläri Wäscher, und Alfred Ill treffen also in Güllen wieder aufeinander. Zuletzt sahen sie einander vor Gericht, als Ill die Vaterschaft ihres gemeinsamen unehelichen Kindes leugnete und Kläri ins soziale Elend stürzte. Nun träumt die Bürgerschaft der bankrotten Stadt vom ganz großen Geld, das die steinreiche Rückkehrerin wohl hoffentlich sponsert. Sie macht es. Unter einer Bedingung …
Premiere am 18. November im Theater Heidelberg

Weitere Schauspiel-Tipps aus unserer redaktion folgen  – schauen Sie wieder mal vorbei!

Masterclass mit
Thomas Hampson

Für die diesjährige Werkstatt wurden aus 114 Bewerbungen aus 40 Ländern 14 Sängerinnen und Sänger ausgewählt. Sechs Tage lang werden sie mit der Sopranistin Melanie Diener und dem US-amerikanischen Bariton Thomas Hampson öffentlich arbeiten, wobei im Mittelpunkt Werke und Opernrollen von Mozart stehen. Die Meisterkurse finden im Bürgerzentrum Waiblingen statt, ebenso das Abschlusskonzert am 8. Oktober 2022. Begleitet werden die Künstlerinnen und Künstler von der Württembergischen Philharmonie Reutlingen.

Foto: Jimmy Donelan

Die 3. Internationale Opernwerkstatt Waiblingen 2022 findet vom
3. bis 8. Oktober statt
Die öffentlich zugängliche  Kurse (am 4. und 5. Oktober 2022)  werden auch auf der Website der Internationalen Opernwerkstatt ausgestrahlt.  
 www.internationale-opernwerkstatt-waiblingen.de

Konzert-Tipp:
NO TENORS ALLOWED
Thomas Hampson & Luca Pisaroni
In ihrem gemeinsamen Abend „No Tenors Allowed“ erklingen Opern-Arien und Duette von Mozart bis Verdi.  Und es werden musikalische Ausflüge in die Welt der Operette und des Musicals unternommen. Am Dirigentenpult steht Martin Panteleev. Seit 2018 begleitet der aus Sofia stammende Violinist, Dirigent und Komponist als Erster Gastdirigent die Würth Philharmoniker.
Datum: Sa, 10.12.2022, 17:00 Uhr
Ort: Carmen Würth Forum / Karten: Würth Kultur Künzelsau

Europa Erhören

Europa mit all seinen Sprachen, Klängen und Gestalten – erhörbar durch die Stimmen seiner Erzählerinnen und Erzähler.

Einer der wertvollsten Reichtümer Europas ist die Vielfalt seiner Kulturen.

Zahlreiche Geschichten aus den unterschiedlichen Regionen, Städten und Landschaften des Kontinents sind jedoch außerhalb ihrer Herkunftsgebiete kaum bekannt. Es sind Geschichten, die sich nicht in den Geschichtsbüchern finden, obwohl sie uns differenziert und eindrücklich von den mannigfaltigen Völkern und Gegenden berichten. Sie wurden mittels alter Traditionen weitergegeben, immer aufs Neue verändert, um wieder und wieder weitergegeben zu werden.

Diese Geschichten sind ein bestimmender Teil europäischer Identität. Sie zu hören, bedeutet, auf Reisen und zugleich auch zu Hause zu sein.


Die Idee der Hörbuchedition

EUROPA ERHÖREN ist eine literarisch-musikalische Entdeckungsreise quer durch Europa – mit österreichischen Publikumslieblingen als lesenden und musizierenden Reiseführern.

Schauspielerin Mercedes Echerer setzte sich hinters Mikrofon und begann zu lesen, und nach und nach gesellten sich Kolleginnen und Kollegen, Freundinnen und Freunde dazu. Die Stimmung war prächtig, man begann zu singen – und so entstand die erste Staffel von EUROPA ERHÖREN.

Die literarischen Blicke auf Städte und Regionen, in Form von Romanauszügen, Novellen, Gedichten, Tagebuchnotizen oder Feuilletons, sind ebenso vielfältig wie die Autorenschaft. Teils weltberühmte, teils noch zu entdeckende Autorinnen und Autoren werden hörbar gemacht. Ihre Texte stammen aus allen Epochen, der Bogen spannt sich quer über die Jahrhunderte, von der Antike bis zur Gegenwart. Neben den eimischen Autorinnen und Autoren der einzelnen Gegenden berichten auch Schreibende auf der Durchreise, kurz Verweilende, Zugezogene oder präzise Beobachter von außerhalb von ihren bezaubernden, bewegenden, berührenden, verstörenden und prägenden Eindrücken und Erlebnissen aus der bereisten Landschaft.

Die Texte, sorgsam und in Absprache mit den Interpretinnen und Interpreten ausgewählt, sind existenzielle Puzzlesteinchen eines Ganzen – und vermitteln letztlich die sehr persönlichen Eindrücke der Verfasser. Zu jeder Stadt und jeder Region wurde ein bestimmter dort beheimateter Musikstil ausgewählt – manches hinsichtlich seiner Herkunft sofort erkennbar, manches vielleicht überraschend und unbekannt. Jedes Hörbuch enthält neben solchen Musikstücken auch Variationen bestehender Werke oder eigens für die Edition neu komponierte Stücke.

Die erste Staffel von EUROPA ERHÖREN umfasst zehn Hörbücher mit Literatur und Musik aus und über neun Regionen Europas: Athen, Budapest, Bukarest, Dalmatien, Linz, Mähren, Steiermark, Südtirol und Wien. Erhältlich als komplette Staffel mit zehn CDs in der Leinenbox oder einzeln.
Eine Kooperation von DIE2 und dem Wieser Verlag

https://webshop.mohrmorawa.at/

Şakir Gökçebağ und italienische Kunst aus der Sammlung

Das Museum Ritter präsentiert in einer Einzelausstellung Werke von Şakir Gökçebağ, der in seiner Kunst einfachen Alltagsobjekten wie etwa einem Schuh eine neue Ästhetik verleiht. Der türkischstämmige Künstler verfremdet die bekannten Gegenstände, sodass deren ursprüngliche Funktion zwar noch erkennbar ist, zugleich aber erscheinen die Dinge in überraschend andersartiger Gestalt.

Şakir Gökçebağ, A05, 2007, © VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Şakir Gökçebağ

Die rund 20 vorgestellten Arbeiten schärfen den Blick für die Schönheit des Alltäglichen, stets begleitet von einem Augenzwinkern.

Tutto bene! Italienische Kunst aus der Sammlung
Wie sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts zahlreiche Künstlerinnen und Künstler in Italien vom realen Gegenstand lösten und in ihren Werken auf der Grundlage von mathematischen Prinzipien und geometrischen Formen zu einer abstrakten Bildsprache fanden, zeigt parallel eine Ausstellung mit über 60 Gemälden, Bildobjekten und kinetischen Arbeiten aus der Sammlung Marli Hoppe-Ritter.

Bruno Munari, Quadrati amorfi, 1932/89 © Künstler, Foto: Gerhard Sauer
Marcello Morandini, 56 B, 1969 © Künstler, Foto: Olaf Nagel

 

Ausstellung
Şakir Gökçebağ. Twists & Turns
Tutto bene! Italienische Kunst aus der Sammlung Marli Hoppe-Ritter
Dauer: 16. Oktober 2022 bis 16. April 2023

MUSEUM RITTER / Sammlung Marli Hoppe-Ritter
Alfred-Ritter-Str. 27, 71111 Waldenbuch
www.museum-ritter.de

»Wiedersehen und Widerstehen«

Das Theater Heidelberg eröffnet seine Spielzeit mit dem Widerstandsfestival Remmidemmi (vom 7. bis 9. Oktober 2022). Acht Uraufführungen und eine deutsche Erstaufführung gehen der Frage nach: »Was ist Widerstand und wo muss er geleistet werden?« Die Uraufführungstexte entstanden nach Schreibaufträgen des Theaters an Autor*innen. Unter ihnen sind nicht nur bekannte Namen wie Roland Schimmelpfennig und Rebekka Kricheldorf, oder Newcomer wie Peter Thiers, sondern auch die Ukrainerin Oksana Sawtschenko. Alle Stücke des Festivals werden in der Spielzeit 2022/23 weiter im Repertoire zu sehen sein.

Neben der Spielzeiteröffnung mit »Die verlorene Ehre der Katharina Blum« nach der Erzählung von Heinrich Böll am 16. September 2022, präsentiert das Schauspiel weitere bekannte Titel wie die Bühnenversion von Agatha Christies »Mord im Orientexpress« und William Shakespeares »Hamlet« in einer Inszenierung von Intendant Holger Schultze. Wiederaufgenommen werden unter anderem das Gewinnerstück des Autor*innenpreises des 38. Heidelberger Stückemarkt »Maria Magda« von Svenja Viola Bungarten oder auch Bertolt Brechts »Mutter Courage und ihre Kinder«.

Szene aus »Maria Magda«, Foto: Susanne Reichardt
Szene aus Bertolt Brechts »Mutter Courage und ihre Kinder«, Foto: Susanne Reichardt

Im Musiktheater ist mit »Les Contes d’Hoffmann« eine fantastische Oper von Jacques Offenbach und mit »Die Liebe zu den drei Orangen« von Sergej Prokofjew wieder groß besetztes Musiktheater zu erleben! Mit Andrew Lloyd Webbers Erfolgsstück »Sunset Boulevard« kommt ein abendfüllendes Musical auf die Bühne. Wiederaufgenommen werden die Opern »Rusalka« und »Madama Butterfly«. Zudem entstehen drei Uraufführungen, die unter dem Arbeitstitel »Europäisches Archiv der Stimmen« zusammengefasst sind.

Szene aus »Rusalka«, Foto: Susanne Reichardt

Das Barock-Fest Winter in Schwetzingen wird von 3. Dezember 2022 bis 2. Februar 2023 im prunkvollen Rokokotheater des Schlosses zu erleben sein und widmet sich weiterhin der Wiederentdeckung der Werke deutscher Barockkomponist*innen. In dieser Spielzeit kommt das zu Unrecht in Vergessenheit geratene Werk »Ulysses« von Reinhard Keiser auf die Bühne.

Ein Spielzeit- und Festival-Highlight 2022/23 ist die Tanzbiennale ( 27. Januar bis 5. Februar 2023). Mit dabei ist die »TANZallianz« – die freie Szene ist in Deutschland einmalig.  Außerdem wird es eine internationale Koproduktion zwischen dem Dance Theatre Heidelberg und einem internationalen Partner geben.
Im regulären Spielplan zeigt die Neukreation »Reality and the Cosmos« von Iván Pérez und den spartenübergreifenden Tanzabend »Island« frei nach »Der Sturm« von William Shakespeare. In ihm wird das Tanz-Ensemble gemeinsam mit dem Opernchor des Theaters auftreten.

Firebird & Rite of Spring von Iván Pérez mit Musik von Igor Strawinsky, Foto: Susanne Reichardt

Wiederaufnahme: Der brasilianische Gastchoreograf Renan Martins schafft mit »No Tears Left to Cry« eine vielseitige Reise rund um die Rückkehr des Saturn, der für seine  transformatorische Kraft bekannt ist.  In einem fiktiven Clubbing-Raum wird Popmusik zum Motor der Bewegungen und die Tänzer:innen präsentieren sich als saturnische Körper, durch die verschiedene Geschichten und popkulturelle Referenzen zum Ausdruck gebracht werden. die zweite Wiederaufnahme ist Firebird & Rite of Spring von Iván Pérez mit Musik von Igor Strawinsky. Darin zeigt Iván Pérez, die in Zusammenarbeit mit Elias Grandy und dem Philharmonischen Orchester Heidelberg  die Wirkung eines fremden Elements auf ein gegebenes soziales Arrangement.

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Der Heidelberger Stückemarkt, das renommierte Festival für Gegenwartsdramatik  präsentiert zum 40. Mal die Avantgarde des Gegenwartstheaters und feiert somit einen runden Geburtstag. Eröffnet wird am 28. April 2023 mit »Pirsch« von Ivana Sokola – dem Gewinnerstück des Autor*innenwettbewerbs aus dem Vorjahr.

Das Konzertprogramm setzt mit acht Philharmonischen Konzerten den Fokus auf Werke von Komponistinnen quer durch die Jahrhunderte. Neben etablierten Formaten – wie den Bachchor-Konzerten oder auch dem Silvester- und Neujahrskonzert in den verschiedenen Spielstätten in der Stadt, wie Peterskirche, Johannes-Brahms-Saal oder der Aula der Neuen Universität –darf man auf die neue Reihe »Hingehört!« gespannt sein: Werkstattkonzerte im Orchestersaal.
Im Sommer 2023 schließt die Spielzeit wie immer mit den Heidelberger Schlossfestspielen. Vom 11. Juni bis 6. August 2023 bespielt das Theater dann wieder den Schlosshof, Dicken Turm und Englischen Bau des Heidelberger Schlosses.


Weitere Informationen sowie Karten unter www.theaterheidelberg.de oder an der Theaterkasse, Fon 06221 | 58 20 000; tickets@theater.heidelberg.de

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