Metamorphosen-
Hannah Zenger

Die Erfindung des europäischen Porzellans ist eine Geschichte von Persönlichkeiten voller Neugier, Wissensdrang, dem Hang zu schönen Dingen und folglich genau das richtige Material für die Designerin und Künstlerin Hannah Zenger. Sie begeistert sich am Sichtbarmachen, an Prozessen, am Forschen und an Materialität.

Hannah Zenger, Foto: Arne Hübner

„Mein Weg zur bildenden Kunst führte mich über die Architektur“, so Hannah Zenger, die während ihres Studiums eine große Faszination für das räumliche Sehen, Denken und Arbeiten entwickelte. „Mir wurden Parallelen an der Schnittstelle von Architektur und bildender Kunst bewusst. Charakteristische Denk- und Verfahrensweisen lassen sich in bildhauerische Arbeiten transferieren: Positiv und Negativ, Leere und Fülle, Stapelung und Reihung, Maß und Proportion oder Material und Oberfläche“.

Foto: Hannah Zenger

Ihre Arbeiten mit Porzellan und anderen keramischen Stoffen ist eine ausgesprochen sinnliche Arbeit, u. a., weil sie alle Elemente – Erde, Wasser, Luft und Feuer – in sich vereint. Und – werken mit Porzellan erfordert Sensibilität, Konzentration und Zeit.
Ihr klar durchdachtes, komplexes, konzeptuell-analytisches Konzept, das Charakteristika, Erscheinungsformen und Veränderlichkeit von Materialität erforscht, dabei Bekanntes transformiert und in neue Aggregatszustände überführt, transportieren ihre Objekte sichtbar nach außen. Trotzdem ist das, was man nicht sieht, oft entscheidender als das Sichtbare.
Ihre Inspirationen findet die Designer und Künstlerin vor allem in der Natur, u. a. im Wald. „Dort lässt sich wunderbar über mein großes Thema mit dem Arbeitstitel ‚alles ist in allem und alles ist eins‘ nachdenken“, erklärt Zenger. Und weiter: „Ich bin ein sehr visueller Mensch, mich prägt und inspiriert alles, was mich umgibt, auch Räume, Stimmungen, Farben.“ Vor vier Jahren fand sie bei einem Spaziergang im Schönbuch ein großes Stück Eichenrinde. Fasziniert vom fein strukturierten Rindenaufbau, der bei genauem Hinsehen wie die Gesteinsschichten eines Gebirges wirkten, nahm sie es mit. Es ist nicht das einzige Naturmaterial, das sie nach Hause geschleppt hat, aber es ist das einzige, das einen Platz in ihrem Porzellanstudio hat: Denn es dient als Vorlage für Skulpturen. Doch auch wenn Hannah Zenger die Ideen für ihre Porzellanarbeiten in der Natur findet, ist das Erscheinungsbild ihrer Kreationen modern und geradlinig. Vielleicht sogar gerade deshalb…

Foto: Hannah Zenger

Derzeit konzentriert sich Hannah Zenger verstärkt auf das freie künstlerische Schaffen. Für ihre neueste Arbeit „Erde & Wind auf Papier“ hat sie an ganz verschiedenen Orten Erden gesammelt und begonnen, ein Archiv anzulegen. Einige davon hat sie pulverisiert und in der Natur bei starkem Wind (unter anderem Sturmtief Mortimer) auf ihre Papierblätter gestreut – eine verkleinerte Form der Wirklichkeit. „Es gibt kein anderes Material, mit dem man mit einer Handvoll so viel über den Planeten aussagen kann wie durch Erde, Stein oder Sand“, ist die Künstlerin überzeugt. Elemente, die zur Natur gehören, erzeugen eine Harmonie, ganz egal wie man sie anordnet. „Die Natur ist für mich ein guter Ort, um über die Welt und die Wirklichkeit nachzudenken, in der man lebt.“ Auch Kunst zu machen, bedeutet für Zenger, genau das: über die Wirklichkeit nachzudenken.
„Erde & Wind auf Papier“ ist also eher als Hinweis auf die Dinge zu verstehen. Darauf, dass die Natur in allem gegenwärtig ist, in allem was wir sind, was wir sehen und was wir denken können. Hannah Zenger versucht ihr Vorhandensein sichtbar zu machen und dadurch eine Beziehung zu den uns umgebenden Dingen herzustellen. Das ehrfürchtige Schauen, Respekt und Achtung vor der Vergänglichkeit unserer Umwelt und die Rückbesinnung auf das Wesentliche bilden das Fundament ihres Werks.
Ein Beitrag von Susanne Heeber

Hannah Zenger
1988 in Böblingen geboren, studierte Hannah Zenger erst Architektur an der Universität und danach an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. 2015 setzte sie an der AK das Studium der Bildenden Kunst obendrauf, u. a. in der Fachklasse für Bildhauerei bei Professor Udo Koch. 2018 schloss sie mit dem Diplom ab. Schon seit 2015 lehrt Zenger am Institut für Darstellen und Gestalten, Universität Stuttgart unter Professorin Sybil Kohl und präsentiert ihre Arbeiten in Galerien und Museen, beteiligt sich an Messen und Wettbewerben.
2018 wurde sie mit dem Förderpreis des Staatspreises Kunst, Handwerk Design Baden-Württemberg und 2019 mit dem Blickfang Designpreis ausgezeichnet. Noch bis 2022 ist Zenger Stipendiatin des Landkreises Esslingen.

studio@hannahzenger.de
Hannah Zenger, Porzellan Studio, werkraum18, Vogelsangstraße 57
70197 Stuttgart
Termine nach Vereinbarung.

Friedemann Vogel

Er ist gefeierter Solist am Stuttgarter Ballett, ein begehrter Gast an vielen Theatern und – ja, dass darf man in aller Bescheidenheit konstatieren – ein Weltstar! Vor kurzem wurde Friedemann Vogel von der Zeitschrift Tanz zum Tänzer des Jahres 2019 ernannt. arsmondo hat mit dem gebürtigen Stuttgarter über seinen Werdegang, seine Arbeitsauffassung und seine Vorlieben, über Rollen, Orte und Menschen gesprochen.

Foto: Carlos Quezada

Sie werden derzeit in Stuttgart für Ihre Rolle in „Mayerling“, dem Handlungsballett von Kenneth MacMillan stürmisch gefeiert.
Es erzählt das tragische Leben und Sterben des letzten Thronfolgers Rudolf im Kaiserreich Österreich des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die Rolle gilt in jeder Hinsicht als extrem schwierig. Wie haben Sie sich auf das Stück vorbereitet?

Für „Mayerling“ hatten wir drei Monate intensive Probenarbeit. Wir hatten dafür sogar ein separates Studio, ein abgeschottetes Resort, in dem wir uns intensiv auf unsere Rollen vorbereitet konnten. Ich habe sehr viel über Rudolf gelesen, mir Verfilmungen angeschaut, Bücher gelesen – zudem gibt es ja so viele Geschichten und Gerüchte, die sich um ihn und seinen Tod ranken. Auch mit den politischen Verhältnisse jener Zeit in Österreich und zur Habsburger Monarchie habe ich mich beschäftigt. Ich habe mich gefragt, wie es ist, als Thronfolger zur Welt zu kommen, in eine lieblose und strenge Welt voller Zwänge, Erwartungen und Pflichten. Rudolf war ein eher sensibler und musischer Mensch und ist an dieser Diskrepanz gescheitert und zerbrochen. Ich wollte seine Persönlichkeit durchdringen, indem ich viel über ihn erfahre und dadurch verstehe, wie er zu dem Menschen wurde. Dazu habe ich mich in ihn hinein zu versetzen versucht, wie er fühlte und welche Haltung er nach außen hin hatte. Ich habe versucht, diesen Keim auch in mir zu finden.

Szene aus „Mayerling“, Foto: Roman Novitzky
Szene aus „Mayerling“ /Choreografie von Kenneth MacMillan mit Elisa Badenes, Friedemann Vogel © Stuttgarter Ballett
Szene aus „Mayerling“ – Choreografie: Kenneth MacMillan, Tänzer/Dancer: Elisa Badenes, Friedemann Vogel
© Stuttgarter Ballett

Wie gelang Ihnen der Zugang zu Rudolfs komplexer Gefühlswelt – nicht nur als Tänzer, sondern auch als Darsteller?
Das Stück ist wie eine Spirale aufgebaut, die sich langsam nach unten dreht – eine Art Abwärtssog. Da muss man emotional voll einsteigen und bis zum Ende der Vorstellung drin bleiben: körperlich und mit allen Sinnen. Als Tänzer ist natürlich das Körperliche der erste Schritt, um in die Gefühlswelt und in den Charakter einer Rolle einzutauchen – man verinnerlicht also über die Bewegung. „Mayerling“ erzählt die Geschichte Rudolfs vor allem auch durch seine Beziehungen zu den Frauen, die ihm nahestanden. Es gibt insgesamt acht Pas-de-deux – so viel wie in keinem anderen Stück –, die die unterschiedlichen Beziehungen charakterisieren. Rudolf ist fast die ganze Zeit auf der Bühne – das ist schon ein Kraftakt, mental und körperlich, in den man hineinwachsen muss. Am Abend der Aufführung kommt es dann jedes Mal zu einzigartigen Begegnung mit meinen Tanzpartnerinnen, es geht um die Tagesform – kein Moment auf der Bühne wiederholt sich emotional. Das heißt, man muss aus dem Moment heraus reagieren, auch wenn man alles geprobt hat, muss man dann aus dem Gefühl heraus agieren – keine Sprünge mehr analysieren, sondern voll und ganz dem Körper vertrauen und loslassen. Nur so kann man eine solche Rolle und ihre Entwicklung auch überzeugend und folgerichtig aufbauen.

Ist das auch bei anderen Rollen in Handlungsballetten so?
Ja, nehmen wir zum Beispiel den Romeo in „Romeo und Julia“: Diese Rolle zu tanzen, ist körperlich auch sehr anstrengend. Aber im Unterschied zu Rudolf gibt die Rolle viel Liebe und Leidenschaft – da kommt also Energie zurück. Bei „Mayerling“ ist es ein Kampf, ein permanentes Ringen. Cranko, Neumeier, McMillan – sind für mich Genies – wahre Meister des Erzählens – sie haben ein intuitives Bewusstsein für die Geschichten, die sie erzählen wollen und entwickeln daraus ihre Choreografien. Bei McMillans Stück gibt es sehr viele Einzeldrehungen und die dann auch noch auf einem Bein – da geht es um Balance, um Gewichtsverteilung. Das muss man sich körperlich hart erarbeiten und man hat zahlreiche Phasen und Momente, die viel Kraft kosten.
Das Tanzen im Kostüm ist eine weitere Herausforderung – wobei die Enge und Schwere der Stoffe auch helfen, sich selbst zurückzunehmen und in die Rolle zu finden. Die Premiere von „Mayerling“ und auch die Vorstellungen bisher habe ich dann aber wirklich genossen, weil ich in die Rolle hineingewachsen bin. Dazu kam das Publikum, das extrem mitgegangen ist – das fühlst Du auf der Bühne und das trägt Dich. Was die Rolle mir tatsächlich abverlangt hat, habe ich allerdings erst bemerkt, als ich eine Woche nach der Premiere den Albrecht in „Giselle“ in Zürich getanzt habe – das fühlte sich plötzlich ganz leicht an – pure Romantik – fast schon schwerelos.

Friedemann Vogel in Romeo und Julia, Choreografie: John Cranko. Julia: Alicia Amatriain, Foto: Stuttgarter Ballett

Orte, Menschen, Rollen – Meilensteine Ihrer Entwicklung?
Sie stammen aus Dettenhausen, einem kleinen Ort zwischen
Tübingen und Stuttgart. Ihre Eltern sind keine Künstler.
Wie wurden Sie zu dem, der sie sind?
Gute Frage…Ich weiß nur, dass ich schon als kleines Kind immer tanzen wollte. Mein elf Jahre älterer Bruder war bereits Tänzer, er war u.a. auch Erster Solist beim Stuttgart Ballett und hat mich von klein auf in viele Vorstellungen mitgenommen. Als Kind habe ich so alle wichtigen Ballette gesehen von Schwanensee bis hin zu Onegin und natürlich auch viele Ballettabende. Ich hatte das Glück, dass ich alle körperlichen Voraussetzungen mitbrachte, die man für den klassischen Tanz braucht.
Entscheidend für mich und meinen weiteren Weg waren dann meine Ausbildung in der John Cranko Schule hier in Stuttgart und das Stipendium an der Académie Princess Grace in Monte Carlo. Marika Besobrasova aus Monte Carlo habe ich viel zu verdanken. Sie war eine berühmte russische Ballettlehrerin, die mit großen Tänzern wie z.B. Nurejew gearbeitet hat. Sie hatte einen ganzheitlichen Lehransatz und sah den ganzen Menschen. Wir Schüler lernten bei ihr nicht nur klassisches Ballett, sondern auch Yoga, Ausdruckstanz, Schauspiel, richtig zu atmen und Improvisation. Sie hat uns gezeigt, wie man auf der Bühne neben Tanzen auch richtig geht. Wissen Sie, als Romeo läuft man anders als in der Rolle des Onegin oder Siegfried, auch das prägt eine ganze Rolle. Sie war in jeglicher Hinsicht formend und hat mir gezeigt, wohin meine Reise führen könnte – übrigens auch privat. Ich war oft bei ihr zu Besuch und habe ihr geholfen, Einladungen vorzubereiten. Von ihr habe ich gelernt, wie man mit Menschen umgeht. Außerdem hat sie mich schon ganz früh allein zu Wettbewerben geschickt. Ich musste alles organisieren, von den Kostümen bis hin zur musikalischen Begleitung. Das war eine Vorbereitung für mein Leben, denn so wurde ich selbstständig. Da ich schon früh in meiner Karriere gastiert habe, kam ich auf Reisen immer gut allein zurecht. Ich brauche bis heute keinen Agenten, der das für mich regelt.

Friedemann Vogel in Onegin, Choreografie: John Cranko,
Foto: Stuttgarter Ballett

Was Rollen betrifft, so war Onegin für mich sicher einer der Meilensteine – ich glaube für viele Tänzer, inklusive mir selbst, ist das ein nahezu heiliges Stück – es stand immer ganz weit oben auf meiner Wunschliste. Vor ein paar Jahren sagt Reid Anderson (Stuttgarter Intendant bis 2018): „Jetzt bist Du bereit, auch den Onegin zu tanzen“. Das war eine Sternstunde für mich. Da hat sich ein Traum erfüllt und zwar genau zum richtigen Zeitpunkt. Ich hatte die Rolle bis dahin bereits von vielen Tänzern gesehen… – doch in diesem Moment fühlte ich mich tatsächlich selbst reif dafür, Onegin meine ganz eigene Persönlichkeit zu geben.

Sie haben in Ihrem bisherigen Tänzerleben alles erreicht – jetzt sind Sie vierzig Jahre alt. Was würden Sie sich für Ihre Bühnen-Karriere noch wünschen?
Ein ganz neues Ballett zum ersten Mal zu tanzen. Am liebsten ein Handlungsballett. Eine Geschichte zu erzählen – etwas komplett neu aufbauen, was noch nicht da ist, das wäre mein Traum.

Sie sind viel unterwegs gastieren auf der ganzen Welt…
Ja, ich gastiere viel, aber ich bin nicht der Typ, der einfach kommt und tanzt. Ich will meine Tanzpartnerinnen und -partner kennenlernen, gemeinsam proben.

Was darf in ihrem Gepäck nie fehlen?
Meine Ballettschuhe und -trikots, Trainingssachen – seit einmal mein Koffer nicht ankam, packe ich die immer ins Handgepäck. Der Verlust war richtig schlimm für mich. Gerade an anderen Orten will ich meine eigenen Sachen haben und tragen – und meine Ballettschuhe sind mein wichtigstes Werkzeug!

Künstler, die Sie bewundern?
Menschen im allgemeinen und zwar diejenigen, die eine innere Kraft und Stärke ausstrahlen, die Visionen haben, diese unbeirrt verfolgen und andere dafür begeistern können. Solche Menschen bewundere ich und kann ihnen stundenlang zuhören.

Dinge, die Ihnen wichtig sind?
Nichts Materielles – es gibt eigentlich keine Gegenstände, an denen ich so hänge, dass ich sie unbedingt auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Es sind eher Erlebnisse und Menschen.
Ich habe in China einmal verzweifelt nach Wasser mit Kohlensäure gesucht – das gibt es dort so gut wie nicht. Und ich trinke gerne guten Kaffee… Es sind eher die ganz normalen Dinge, an denen ich hänge, die einem Vertrautheit und Heimat vermitteln und die mir dann fehlen, wenn sie plötzlich mal nicht da sind.
Landschaften oder Städte, die Ihnen in Erinnerung bleiben?
Ich liebe Italien. Ich arbeite viel in Rom und Mailand. Diese Städte zu erkunden, durch die alten Gassen und entlang wunderbarer Bauwerke zu schlendern, das liebe ich. Ebenso wie mit Leuten aus der Compagnie nach Proben und Vorstellungen noch essen zu gehen. Wichtiger aber als die Städte selbst sind für mich die Tanzcompagnien. Zum Beispiel Helsinki – für mich keine sonderlich schöne Stadt – aber das Tanzen war großartig und die Menschen erst, da bleiben dann andere schöne Erinnerungen.

Bringen Sie von Ihren Reisen auch gerne etwas mit?
Früher ja, heute eher weniger – aber ich hatte mir aus China einmal ein antikes Pferdegeschirr mitgebracht. Das hat mich fasziniert – obwohl ich ja weder reite, noch ein Pferd habe…

Das absurdeste Verrückteste, das Ihnen je auf Reisen passiert ist?
Da fällt mir spontan Japan ein, weil es in diesem Land so viele Extreme gibt. Einerseits sind die Japaner ja verrückt nach Klassik – egal ob Ballett oder Musik. Dann fährt man andererseits aber mit der Metro und kommt sich vor wie in einem virtuellen Raum – du siehst Menschen als Puppen und Comicfiguren verkleidet – überall leuchten Neonfarben, laute Musik und überall Technik – die totale Reizüberflutung. Dann wieder betritt man eine kleine Seiten-straße und stößt auf ein uraltes historisches Sushi-Restaurant und an der nächsten Ecke warten bereits wieder computergesteuerte Kraken-Arme, die Spielzeuge aus einem Automaten fischen.

Stuttgart ist für Sie…
Ganz klar: Stuttgart ist meine Heimat.

Wo könnte man Sie hier treffen?
Ich bin gerne in der Stadtmitte mitten drin. Ich wohne am Eugensplatz, das ist mein Revier – von dort aus kann ich zu Fuß ins Theater gehen. Ich gehe gerne in den Mineralbädern in Bad Cannstatt schwimmen. Und ich mag die schwäbische Küche, am liebsten Maultaschen mit Kartoffelsalat, Schnitzel mit Pommes oder Käsespätzle – ganz einfach, schwäbische Hausmannskost.

Wie entspannen Sie? Wo und wie können Sie am schnellsten
abschalten?
Entspannung ja, abschalten muss ich nicht! Ich habe mit dem Tanzen das gefunden, was mich ausfüllt und glücklich macht. Ich habe auch nie richtig lange Urlaub gemacht. Ich liebe die Natur, gehe gerne in den umliegenden Wäldern rund um Stuttgart laufen. Ich höre gerne Musik, nichts Spezielles; es kommt auf meine Stimmung an, reicht aber von Elektronik bis zu Gustav Mahler. Musik als Dauerberieselung ist dagegen nicht mein Ding, weder auf Reisen, noch in Hotels oder beim Kochen. Denn ich mag es auch, wenn es einfach mal ganz ruhig ist – dann genieße ich einfach die Stille.

Szene aus „Kaash“ (c) )Stuttgarter Ballett

Wie lautet Ihr Credo?
Das müssten Sie eigentlich andere fragen…(lacht). Ich versuche authentisch zu sein, Dinge zu akzeptieren, wie sie sind. Ich glaube, jeder Mensch sollte das, was ihn besonders macht, zuerst in sich selbst suchen, nicht zu sehr im Außen. Seiner Umgebung und sich selbst nichts vorzuspielen – akzeptieren wer man ist.

Wie finden Sie auch in schwierigen Zeiten zu sich?
Ich bin kein Analytiker. Meine Bewältigung ist die Bewegung, das Tanzen – das macht mich stark. Wenn ich einen schwierigen Termin habe oder ein Problem lösen muss, dann hilft es mir, in die Bewegung, in die körperliche Aktion zu gehen – das ist mein Ausgleich. Nach der körperlichen Erschöpfung kann ich dann meistens klarer denken.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Claudia Fenkart-Njie


Mehr über Friedemann Vogel und das Stuttgart Ballett…

Am Württembergischen
Staatstheaterin Stuttgart»
bleibt alles anders«.

Alle drei Sparten starten zum ersten Mal in der Geschichte des traditionsreichen Hauses in eine neue Intendanz: für das Schauspiel verantwortet Burkhard C. Kosminski, für die Oper Viktor Schoner und das Ballett Tamas Detrich. Zudem wurde Cornelius Meister zum neuen Generalmusikdirektor berufen.
Das ist ein willkommener Anlass für eine spartenübergreifende Koproduktion. Das Herzstück dieser Inszenierung in der Regie von Anna-Sophie Mahlerbilden sind »Die sieben Todsünden« von Kurt Weill und Bertolt Brecht.

Die OPER stellt statt Antworten Fragen an den Beginn dieser neuen Intendanz: Ausgehend von »Lohengrins« verstörend absolutem Frageverbot über seine Herkunft (Inszenierung: Árpád Schilling) sollen mit den Neuproduktionen Fragen gestellt werden – philosophische, naive, persönliche. »Es ist der Versuch, die komplexen Zusammenhänge unserer Gegenwart mit der wunderbaren Kunstform Oper zu erforschen; der Versuch einer Differenzierung – auch als Reaktion auf vereinfachende Antworten«, so Viktor Schoner.

Viktor Schoner und Cornelius Meister (c) Matthias_Baus

Die Opernpremieren, davon ein Gastspiel, schlagen den Bogen von der Frühklassik bis ins Jahr 2018. Daneben stehen 17 Opern des Repertoires auf dem Spielplan.
Am Vorabend zu Allerheiligen, am 31. Oktober 2018, stellen Alain Platel und Fabrizio Cassol mit der zweiten Saison-Premiere »Requiem pour L.« die Frage: »Wohin gehst du?« In dieser musikalischen Überschreibung von Mozarts »Requiem« befragen 14 Musikerinnen und Musiker aus Afrika und Europa Mozarts Fragment gebliebenes letztes Opus aus einer globalen Perspektive.
Am Sonntag, 2. Dezember 2018 feiert Sergej Prokofjews »Die Liebe zu drei Orangen« in deutscher Sprache als Familienproduktion Premiere im Opernhaus: Axel Ranisch, der als Independent-Filmemacher, Tatort-, Löwenzahn-, Theater- und Opernregisseur arbeitet und gerade seinen ersten Roman veröffentlicht hat, wird das Werk als skurril-farbenfrohe Märchenoper in Szene setzen und damit die Frage stellen »Worüber lachst du?«.
Zwei Werke aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägen die Premieren im Frühjahr 2019: Generalmusikdirektor Cornelius Meister leitet am 17. März 2019, die Neuproduktion von Hans Werner Henzes »Der Prinz von Homburg« nach Heinrich von Kleists gleichnamigem Drama über Disziplin, Gehorsam und Träumerei. Die im Zeitalter von Fake News, der vermeintlichen medialen Falschinformation, zentrale Frage »Wem glaubst du?« steht im Zentrum der Premiere von John Adams’ »Nixon in China« am 7. April 2019; Regie: Marco Štorman.
Die inzwischen in Paris zum Kult avancierte Produktion von Christoph Willibald Glucks »Iphigénie en Tauride« in der Inszenierung von Krzysztof Warlikowski aus dem Jahr 2006 geht der Frage »Wem vergibst du?« nach. Sie feiert am 28. April 2019, als Übernahme von er Opéra national de Paris Premiere. Damit wird zum ersten Mal eine Opernarbeit des polnischen Regisseurs und seiner Ausstatterin Malgorzata Szczesniak in Stuttgart zu sehen sein. Stefano Montanari dirigiert und steht damit erstmals am Pult des Staatsorches-ters Stuttgart.
Am Ende des Premierenreigens dieser Spielzeit steht mit Arrigo Boitos »Mefistofele« am 16. Juni 2019 die Frage: »Was verlangst du?«. Die Neuproduktion mit der italienischen Sicht auf den deutschen Faust-Mythos inszeniert Àlex Ollé, Mitglied des katalanischen Theater-Kollektivs La Fura dels Baus.
Die Saison 2018/19 schließt mit drei außergewöhnlichen Produktionen aus dem Stuttgarter Opernrepertoire der vergangenen 20 Jahre: Calixto Bieitos Interpretation von Wagners »Der fliegende Holländer«, Kirill Serebrennikovs Sicht auf Richard Strauss‘ »Salome« und schließlich Bellinis »Norma« in der Regie von Jossi Wieler und Sergio Morabito aus dem Jahre 2002.
Darüber hinaus gibt es bei den Sinfoniekonzerten 2018/19 neben spannenden Dirigentendebüts auch Wiederbegegnungen mit einigen dem Stuttgarter Publikum bekannten Gastdirigenten Dennis Russell Davies, Marek Janowski und Daniele Rustioni. Zum ersten Mal gibt es in dieser Saison zusätzlich zu den etablierten Reihen zwei neue Konzertformate im Opernhaus: ein Filmkonzert sowie ein großes Familienkonzert.

Tamas Detrich (c) Roman Novitzky

Die erste Spielzeit von Tamas Detrich als Intendant des BALLETTS steht unter dem Motto »One of a Kind«. Zu Deutsch: einzigartig. Das Motto ist gleichzeitig der Titel eines abendfüllenden Stückes von Jirí Kylián, eines in jeglicher Hinsicht einzigartigen Künstlers, der im Jahr 1968 – also vor genau 50 Jahren – seine Weltkarriere in Stuttgart startete.
Die Spielzeit beginnt ganz puristisch mit dem Ballett-abend »Shades of white«: drei Werke – ein jedes in weiß gekleidet – die verschiedene Facetten des klassischen Balletts zelebrieren. Neu im Repertoire ist »Das Königreich der Schatten« aus La Bayadère, eine der erlesensten Szenen, die der Ballettkanon zu bieten hat, choreographiert von Marius Petipa – dem Vater des klassischen Balletts. Umrahmt wird dieses Juwel von John Crankos geistreichem »Konzert für Flöte und Harfe« und George Balanchines funkelnder »Sinfonie in C«.
Außerdem hat sich Theaterlegende Jürgen Rose bereiterklärt, nach 30 Jahren wieder ein Ballett auszustatten – und zwar eines von Kenneth MacMillans fesselndsten, aufwühlendsten Stücken, das die letzten, verzweifelten Tage im Leben des Habsburger Kronprinzen Rudolf schildert: »Mayerling«. Das Werk ist ein Unikat im Kanon der Handlungsballette des 20. Jahrhunderts.
Im Jahr 2019 wird mit dem Ballettabend »Aufbruch!« das 100. Jubiläum der Weimarer Verfassung sowie der Gründung des Staatlichen Bauhauses in Weimar begangen. Drei sehr unterschiedliche Choreographen brechen auf, um diesen beiden Ereignissen zu begegnen: Katarzyna Kozielska, Nanine Linning und Edward Clug.
Am Ende der Spielzeit steht ein Stück von einem weiteren »One of a Kind«-Künstler auf dem Programm: Akram Khan, dessen Fusion von indischem Kathak mit zeitgenössischem Tanz ihn zu einer der originellsten Stimmen der Tanzwelt gemacht hat. Sein »Kaash« kommt gemeinsam mit einer weiteren Erstaufführung – Johan Ingers »Out of Breath« – und der Wiederaufnahme von Itzik Galilis »Hikarizzato« auf die Bühne. Außerdem steht das 40. Jubiläum von John Neumeiers »Die Kameliendame« an. Selbstverständlich werden außerdem weitere Werke von John Cranko getanzt, allen voran »Romeo und Julia« hier in Stuttgart sowie sein »Schwanensee« und »Onegin« während eines großen Gastspiels in Japan.

Spielzeiteröffnungsfest 2018/19
Auf dem Bild
Burkhard C. Kosminski
Foto: Björn Klein

Unter dem Leitmotiv »Warum denn nicht warum« möchte Burkhard C. Kosminski das SCHAUSPIEL Stuttgart als eine Plattform für Fragen und konstruktiven Dialog etablieren, wobei ihm drei große Themenkomplexe besonders am Herzen liegen: Stuttgart als eine moderne Stadt, anhand derer man Utopien zukunftsorientierter und nachhaltiger Stadtentwicklung entwerfen und diskutieren kann.
Stuttgart als eine internationale Stadt und das Schauspiel als Denk- und Begegnungsraum für internationale Perspektiven und Identitätskonstruktionen.
Und das Schauspiel Stuttgart als Ort für Literaturtheater, mit einem besonderen Fokus auf dem zeitgenössischen Autorentheater.
Zeitgenössische Autoren und Autorinnen werden für das Schauspiel und das Stuttgarter Ensemble neue Stücke schreiben und dabei ihre Sicht auf unsere Gegenwart reflektieren und zur Diskussion stellen. In dieser Spielzeit sind dies Texte von Wajdi Mouawad, Clemens J. Setz, Nis-Momme Stockmann (in Zusammenarbeit mit den Frankfurter Positionen) und Roland Schimmelpfennig. Außerdem werden Texte von Theresia Walser, Elfriede Jelinek und Simon Stephens zu sehen sein.
Das umfangreiche Programm 2018/2019 umfasst insgesamt 24 Produktionen, darunter sechs Uraufführungen und deutschsprachige Erstaufführungen, eine spartenübergreifende Produktion mit Oper und Ballett sowie drei Koproduktionen, u.a. mit dem renommierten Schweizer Theatermacher Milo Rau. Diskursive Formate mit Partnern wie der Robert-Bosch-Stiftung und dem SWR sowie zahlreiche Extraveranstaltungen und theaterpädagogische Angebote runden das Programm ab. Eröffnet wird die neue Spielzeit mit einem doppelten Premierenwochenende am 16./17./18. Und 23./24./25.November und einer begehbaren Stadtraum-Installation des Künstlers Tobias Rehberger.
Neben dem Schauspielhaus wird das Kammertheater zukünftig der zweite zentrale Spielort des Schauspiels sein.

Konzert-Highlights

Kiss of Fire – Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim
meets Spark – Die klassische Band

Die Senkrechtstarter der internationalen Klassikszene verbindet den Feinsinn und die Präzision eines klassischen Kammermusikensembles mit der Energie und dem Biss einer Rockband. Tradition und Innovation werden bei den fünf jungen Musikern von Spark zu einem Klangerlebnis, das sich virtuos und unverkrampft zwischen den verschiedensten musikalischen Welten bewegt: Barocke Ohrwürmer verschmelzen mit Filmmusik und Minimal Music, slawische Folklore und jazzige Grooves treffen auf klassische Avantgarde. So erreichen Spark besonders auch die junge Generation. Auf dem Konzertprogramm am 12. November stehen Werke von der barocken Opernwelt eines Henry Purcell bis hin zu rockig-klassischen Klängen, wie sie der niederländische Komponist Chiel Meijering in seiner Suite „Kiss of Fire“ verbindet. In acht kurzen Charakterstücken zeigt das Werk für Spark und Kammerorchester mit den unterschiedlichsten musikalischen Mitteln vom afrikanischen Rhythmus bis hin zu Popelementen die unterschiedlichsten Facetten der Musik, der Liebe und des Lebens…
Weitere Info & Karten: www.swdko-pforzheim.de

Foto oben: Spark 1d ┬® Bartosch Salmanski


Nachtschwärmer-Konzerte
„Nachtschwärmer-Konzerte“ – heißt die neue Veranstaltungsreihe, die die Stuttgarter Philharmoniker gemeinsam mit dem Jazzclub BIX im Gustav-Siegle-Haus aus der Taufe gehoben haben. Ziel der Reihe ist es, neue Begegnungen zwischen unterschiedlichen Publikumsgruppen zu ermöglichen. Die Programme der „Nachtschwärmer-Konzerte“ sind mehrteilig angelegt: der erste Teil ertönt im Saal des Gustav-Siegle-Hauses der zweite klingt dann im Jazzclub BIX aus. Das erste Konzert der Reihe startet mit einer Sinfonie von Mendelssohn, gefolgt von einem Klavierkonzert von Bach, für Akkordeon und Orchester arrangiert, und Tangos von Astor Piazzolla. Anschließend spielt die Akkordeonistin Ksenija Sidorova (Foto) im Jazzclub mit Jazzern weiter. Die Konzertreihe eignet sich aber auch hervorragend für besondere Kammermusikprogramme, beispielsweise die Gesamtaufführung aller sechs Streichquartette op. 18 von Beethoven an einem Abend durch Quartettformationen des Orchesters. Hierbei werden die Ensembles in der Mitte des Parketts platziert, während das Publikum die Aktion ringförmig umgibt. Anschließend gibt’s Jazz-Kammermusik im BIX. In einem weiteren Konzert tritt der Jazztrompeter, Pianist und Komponist Sebastian Studnitzky mit in seinem Projekt „Memento“ auf, ein anderes mit dem jungen Pianisten und Dirigenten Frank Dupree (Foto) verbindet Orchester- und Klaviermusik von Beethoven mit der von Duke Ellington und George Gershwin.
Weitere Informationen zum Programm und Karten:
www.stuttgarter-philharmoniker.de

Anzeige

Martin-Stadtfeld (c) Marco-Borggreve/Sony-Classical

Der Goldstadtzirkel weltberühmter Pianisten“
Martin Stadtfeld
Martin Stadtfeld spielt erneut mit der Badischen Philharmonie Pforzheim und eröffnet mit dem „Goldstadtzirkel weltberühmter Pianisten“ die Sinfoniekonzert-Reihe der neuen Spielzeit. Stadtfelds Karriere begann 2002 mit dem ersten Preis des Internationale Bach-Wettbewerbs. Seine Einspielungen auf CD (u.a. bei SONY Music) erhielten mehrfach den ECHO Klassik-Preis. In Pforzheim spielt Martin Stadtfeld nun Sergej Rachmaninows 2. Klavierkonzert c-moll op. 18:. Romantisch-expressiv ist dieses Klavierkonzert, das seit der Urraufführung 1901 das erfolgreichste Rachmaninows ist. Eröffnet wird das Konzert mit Maurice Ravel Suite für Orchester „Ma mère l‘ oye“. Eine Sammlung von Märchen ist „Meine Mutter Gans“, die ursprünglich als Fassung von fünf Kinderstücken für Klavier zu vier Händen entstand. Abschließend stimmt die Badische Philharmonie Pforzheim mit der „Reformations-Symphonie“ in das Luther-Jubiläum mit ein. Felix Mendelssohn-Bartholdy komponierte sie 1830 zum 300. Jubiläum der Confessio Augustana. 
15. Oktober CongressCentrum Pforzheim, Karten: Online-Ticketshop arsmondo


Bartoli / Gabetta (c) Decca/Esther Haase

„Dolce Duello“ –
Cecilia Bartoli & Sol Gabetta

Musikalisches Gipfeltreffen: Cecilia Bartoli liebt es, die Register wie ihre Rollen zu wechseln und die ganze Palette von Gefühlszuständen auszuspielen – von innig zart bis rasend, von schüchtern bis wild, von verliebt bis wütend. Die Mezzosopranistin gehört seit über zwei Jahrzehnten zu den absoluten Topstars der Klassik-Szene, mit einem dunkel-satten Timbre von bewegender Schönheit, einem herausragenden darstellerischen Talent, außerordentlicher Musikalität und einer elektrisierenden Bühnenausstrahlung im Konzert und auf der Opernbühne. Im Baden-Badener Festspielhaus, wo La Bartoli zuletzt in Bellinis „Norma“ glänzte, trifft sie nun auf ihre Freundin Sol Gabetta, die ihrerseits zu den besten Cellistinnen weltweit gezählt wird. Dabei kann sie auf den vier Saiten ihre Violoncellos nicht nur beseelt singen, sondern auch dramatisch auftrumpfen und immer wieder spieltechnisch glänzen – etwa, wenn sie mit hochemotionalem und überaus riskantem Spiel die virtuosesten Werke in schwindelerregendem Tempo präsentiert, so dass die Musik unter ihrem Bogen Funken zu schlagen scheint wie bei einem Vulkanausbruch. Cecilia Bartoli und Sol Gabetta präsentieren im Baden-Badener Festspielhaus mit „Dolce Duello“ ein abwechslungsreiches Barockprogramm gemeinsam mit der Cappella Gabetta, einer handverlesenen Originalklang-Truppe, die Sol Gabetta im Dezember 2010 gemeinsam mit ihrem Bruder Andrés Gabetta, einem brillanten Barockviolinisten und Konzertmeister, gegründet hat. Für „Dolce Duello“ haben Cecilia Bartoli und Sol Gabetta einige wunderbare Werke für Gesang und Violoncello ausgegraben. Darunter finden sich berührende Lamenti wie in Händels Ode für die Heilige Cäcilie sowie energiegeladenere Arien wie „Di verde ulivo“ von Vivaldi.
23. November im Festspielhaus Baden-Baden, Karten: www.festspielhaus.de


Mischa Maisky (c) Deutsche Grammophon

Emotionale Freigiebigkeit –
Mischa Maisky & Musikkollegium Winterthur

Mischa Maisky ist der wohl berühmteste Cellist unserer Zeit, weltweit gefeiert als „großer Romantiker“. Sein Spiel ist emotional, intensiv, brennend vor Leidenschaft, dabei edel und seelenvoll im Ton: „Ich gebe nicht 100, sondern 120 Prozent“, sagt der lettische Jahrhundertmusiker mit der Silbermähne über sich. Und: „Ich spiele jedes Konzert, als wäre es mein letztes. Ich verschwende, sagen manche, jedes Mal sehr viel Energie. Aber ich glaube, dass die Konzertbesucher die emotionale Freigiebigkeit eines Musikers fühlen, die viel wichtiger ist als Technik.“ Kurz vor seinem 70. Geburtstag (am 10. Januar 2018) darf sich das Göppinger Publikum auf 120 Prozent Mischa Maisky in Schostakowitschs erstem Cellokonzert freuen – an seinem kostbaren Montagnana-Cello, im Dialog mit dem traditionsreichen schweizerischen Musikkollegium Winterthur unter der inspirierten Leitung seines neuen Chefdirigenten Thomas Zehetmair. Dass die Winterthurer zudem eine Deutsche Erstaufführung im Gepäck haben, macht den Abend desto spannender!
6. November 2017, 20 Uhr, Stadthalle Göppingen


Maximillian Hornung, Photo: Marco Borggreve

Münchener Kammerorchester
& Maximilian Hornung

Mit bestechender Musikalität, instinktiver Stilsicherheit und musikalischer Reife hat der Cellist Maximilian Hornung die internationalen Konzertpodien erobert. Für seine erste Sony-CD erhielt er den ECHO Klassik-Preis 2011 als Nachwuchskünstler des Jahres, für die Veröffentlichung von Dvořáks Cellokonzert den ECHO Klassik 2012 für die »Konzerteinspielung des Jahres«. Mit dem Münchener Kammerorchester wird er ein Auftragswerk des MKO für Violoncello und Orchester von Tobias PM Schneid aufführen. Der finnische Dirigent John Storgårds ist speziell für eine auf drei Spielzeiten angelegte Reihe engagiert worden, nämlich Haydns Londoner Sinfonien den Ligetis Solokonzerten – hier das Konzert für Violoncello und Orchester – gegenüberzustellen. An diesem Abend bilden die Sinfonien Nr. 97 und Nr. 103 »Mit dem Paukenwirbel« den Rahmen des Konzerts. Das Konzert findet am 6. Dezember im Konzerthaus Ravensburg statt.-
Karten: www.ravensburg.de

Werbebanner-Platzhalter


„EINE WEIHNACHTSGESCHICHTE“ VON CHARLES DICKENS
Miroslav Nemec & Udo Wachtveitl in einem Bühnenmärchen mit Musik

Sie ist – neben der Geschichte von Jesu Geburt – das vermutlich meisterzählte Literatursujet der Adventszeit: Charles Dickens‘ „Weihnachtsgeschichte“. Die sozialkritische Erzählung über den alten Geizhals Ebenezer Scrooge, der am Vorabend des Weihnachtsfests von vier Geistern heimgesucht wird und durch sie seine Menschlichkeit wiederentdeckt, ist ein Klassiker. Kaum ein Theater, das dieses Werk nicht schon mehrfach gespielt hat. Warum dann eine neue Fassung? Der Regisseur und Produzent Martin Mühleis hat mit seinen Bühnenbearbeitungen von literarischen Werken in den vergangenen Jahren große Erfolge gefeiert. Allein seine Bearbeitung von Erich Kästners autobiographischer Erzählung „Als ich ein kleiner Junge war“ mit Walter Sittler in der Hauptrolle wurde mehr als 400 Mal gespielt. Für die beiden Schauspieler Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl hat er nun gemeinsam mit dem Komponisten Libor Síma ein musikalisches Bühnenmärchen geschaffen. Es erinnert in seiner Ästhetik an alte Schwarzweißfilme und spielt mit Elementen literarischer Revuen. Durch die Musik und die geschickte Lichtregie werden Räume geschaffen – und doch spielt der literarische Text immer die Hauptrolle: Tempo, Rhythmus und Struktur der Novelle bleiben auch in der Lesefassung bewahrt. Und in der Interpretation von Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl erhält die Erzählung, trotz des moralischen Grundtons, eine unglaubliche Lebendigkeit. Beide sind bekanntermaßen seit vielen Jahren durch ihre gemeinsame Arbeit als Münchner Tatort-Kommisare eng verbunden und geben auch auf der Bühne ein tolles Team ab, dem es gelingt im Zusammenspiel mit der Bühnenmusik den typischen, skurrilen britischen Humor auf anrührende Weise herauszuarbeiten.
TOURDATEN 2017: 03.12.2017 Fellbach, Schwabenlandhalle, 04.12.2017 Theater Heilbronn, 09.12.2017 Stadthalle Singen, 10.12.2017  Tuttlinger Hallen, 12.12.2017 Stuttgart Theaterhaus, 20.12.2017 Stuttgart Theaterhaus; Karten und Info beim jeweiligen Veranstalter erhältlich

Sammlung digital

Ab Dezember 2020 bietet das Linden-Museum Stuttgart virtuelle Zugänge zu seinen Museumsbeständen. Mit rund 160.000 Alltagsgegenständen, Kunstwerken und sakralen Objekten aus den Sammlungsbereichen Afrika, Islamischer Orient, Nord- und Lateinamerika, Ozeanien sowie Süd-, Südost- und Ostasien beherbergt das Linden-Museum eine der bedeutendsten ethnologischen Sammlungen in Europa.

Maske, Mapuche, Chile, Sammlung Holz, Eingang ins Museum: 1898, Copyright: Linden-Museum Stuttgart, Foto: Dominik Drasdow |

Die „Sammlung digital“ präsentiert detaillierte Informationen, interessante Geschichten und Hintergründe zu den Objekten. Sie macht Methoden und Ergebnisse der Provenienzforschung sichtbar und ist essentieller Teil der aktiven Aufarbeitung der (post-)kolonialen Vergangenheit des Museums. Die Plattform will mit seiner neuen Präsentations- und Kommunikationsplattform möglichst vielfältige Nutzergruppen ansprechen: Wissenschaftler*innen und Vertreter*innen der verschiedenen „Herkunftsgesellschaften“ der Ausstellungsstücke, ein lokales sowie internationales Publikum.

www.lindenmuseum.de

Auktionen bei Neumeister

Pünktlich zu den Dezemberauktionen Kunsthandwerk und Antiquitäten & Schmuck am Mittwoch, den 2. Dezember und Graphik und Gemälde & Moderne, Post War, Zeitgenössische Kunst am 3. Dezember des Auktionshauses NEUMEISTER ist jetzt die zweite Ausgabe des vielbeachteten neuen Magazins erschienen. Gehen Sie auf Entdeckungstour und erfahren Sie mehr zu Ihren Lieblingsstücken in den außergewöhnlichen Geschichten rund um die Highlights der nächsten Auktion.
Sie suchen noch nach ungewöhnlichen Weihnachtsgeschenken? Anregungen für Tischdekorationen aus Meissner Porzellan, bildschöne Silberteller, ein funkelndes Schmuckstück für die Liebste oder einen kleinen Picasso mit dem Sie sich selbst beschenken – die Auswahl in der Dezemberauktion ist groß. Die vollständigen Kataloge stehen ab sofort online auf der Website zur Verfügung: www.neumeister.com

Klicken Sie auf den Titel

Das elegant designte und hochwertig produzierte Magazin erscheint ab sofort zu allen regulären und Sonderauktionen und ersetzt die bisherigen gedruckten Kataloge. Wo der reguläre Auktionskatalog nun ausschließlich online abrufbar ist, setzt das haptische Magazin auf emotionale und kulturgeschichtliche Hintergrundgeschichten.
Das Magazin ist online abrufbar und bestellbar unter: www.neumeister.com
Wenn Sie weiterhin interessiert sind das Magazin digital zu erhalten, melden Sie sich bitte per Mail bei Sarah Fischer: sfischer@goldmannpr.de

Auktionstermine: www.neumeister.com

Studio Spielhaus

Mit einem neuen Podcast geht das Nationaltheater ab Donnerstag, 26. November an den Start. Dann erscheint die erste Folge von »Studio Spielhaus« mit Maik Dessauer und Clara Günther aus der Presseabteilung des NTM. Mit ihren Gästen aus Politik, Sport, Wissenschaft und Kunst diskutiert das Moderator*innen-Duo über Fragen des Zusammenlebens, der Gesellschaft und menschliche Bedürfnisse.

Maik Dessauer und Clara Günther moderieren den neuen NTM-Podcast »Studio Spielhaus«.Foto: Christian Kleiner

Dabei wollen sie zeigen, dass Theater überall drinsteckt. Zum Start sprechen sie mit der Mannheimer Tanztherapeutin Natascha Waßerfall darüber, warum Berührung wichtig ist, was passiert, wenn sie ausbleibt und wie Berührung ersetzt werden kann. Dabei nehmen Maik Dessauer und Clara Günther auch die Situation der NTM-Tänzer*innen in den Blick, die im Training und auf der Bühne Abstand voneinander halten müssen.

Der neue NTM-Podcast »Studio Spielhaus« ist bei Spotify, Soundcloud, Youtube und auf der NTM-Webseite abrufbar.

„ÖKOZID“ von Andres Veiel

Am 18. November 2020 strahlt die ARD um 20:15 Uhr den neuen Film des Autors und Regisseurs Andres Veiel im Rahmen der Themenwoche „#WIE LEBEN – Bleibt alles anders“ im deutschen Fernsehen aus. Ökozid spielt in der nahen Zukunft im Jahr 2034 und zeigt, wie zum ersten Mal vor dem Internationalen Gerichtshof verhandelt wird, ob Staaten grundsätzlich die Pflicht haben, gegen den Klimawandel vorzugehen. Auf der Anklagebank sitzt die Bundesrepublik Deutschland. Ihr wird von 31 Staaten des globalen Südens vorgeworfen, durch Abschwächung und Blockade europäischer Klimaschutzvorgaben ihre völkerrechtliche Pflicht verletzt zu haben, einer Erhöhung der weltweiten CO2-Konzentration entgegenzuwirken. Die Rollen sind mit Friederike Becht, Nina Kunzendorf, Ulrich Tukur, Edgar Selge exzellent besetzt.

Foto: ARD/rbb  In den Hauptrollen: Nina Kunzendorf, Friederike Becht, Ulrich Tukur, Edgar Selge (v.l.n.r.). © rbb/zero one film/Julia Terjung, Quelle: „obs/ARD Das Erste“

 

Hier gehts zum Direktlink – Der Film  Sendung ist nach der Ausstrahlung noch 2 Monate lang in der ARD Mediathek verfügbar.

Im Mai 2021 findet Ökozid dann den Weg auf die Theaterbühne im Schauspielhaus Stuttgart: Schauspielintendant Burkhard C. Kosminski wird das Gerichtsdrama im Schauspielhaus uraufführen. Aktuell ist Andres Veiel in Gesprächen mit Burkhard Kosminski und arbeitet gemeinsam mit seiner Co-Autorin Jutta Doberstein an der Stückfassung von Ökozid.

Andres Veiel arbeitet seit 1990 als Autor und Regisseur an Film- und Theaterprojekten, die meist in den Grenzbereichen zwischen Realität und Fiktion angesiedelt sind. Für seine Filme Winternachtstraum, Balagan, Die Überlebenden, Black Box BRD, Die Spielwütigen, Wer wenn nicht wir hat er mehr als vierzig nationale und internationale Auszeichnungen erhalten, darunter mehrfach den Deutschen Filmpreis und den Europäischen Filmpreis. Er schrieb und inszenierte die Theaterstücke Der Kick und Das Himbeerreich, das im Schauspiel Stuttgart uraufgeführt wurde. Jutta Doberstein ist freischaffende Autorin und Stoffentwicklerin im Bereich Film und Fernsehen. Neben der Realisierung fiktionaler Formate hat sie sich vor allem auf die Entwicklung dokumentarischer Stoffe und Online-Formate spezialisiert. Mit Andres Veiel verbindet sie eine mehrjährige Zusammenarbeit.

Mehr unter
www.schauspiel-stuttgart.de

 

Birgit Brenner. Promise Me

Die Künstlerin Birgit Brenner (*1964 in Ulm) ist die diesjährige Preisträgerin des Wolfsburger Kunstpreises Junge Stadt sieht Junge Kunst. Die in Berlin und Stuttgart lebende Künstlerin beschäftigt sich in ihren Installationen, Videos und Zeichnungen mit gesellschaftlichen und privaten Zuständen und der Eintönigkeit des Alltags. Ihre gesellschaftskritischen Arbeiten kreisen um die Themen Ungerechtigkeit, Zwang, Scheitern, Glücksversprechen, Überwachung, Gewalt und Angst. Diese Universalthemen verdichtet sie in einfachen Bildern, um eine große Welt zu fassen zu bekommen. In der Begründung der Jury heißt es: „Birgit Brenner hat eine ganz eigene Bildsprache entwickelt, die sich nicht auf ein Medium beschränkt. In der Gegenüberstellung von analogen und digitalen Sehmustern, von Perfektion und Do-it-yourself, von realem Leben und künstlicher Konstruktion formuliert die Künstlerin Kommentare und Fragen zu aktuell virulenten Themen.“

Porträt Birgit Brenner, Foto Otto Felber

In der Ausstellung im Schloss Wolfsburg zeigt Birgit Brenner drei neue Arbeiten, die während ihres Stipendienaufenthaltes in der Villa Massimo in Rom (September 2019 – Juni 2020) entstanden sind. Die in Italien konzipierten Arbeiten erhalten vor dem Hintergrund der CoVid -19 – Pandemie eine besondere Relevanz. Auch wenn die Themen nicht als direkte Reaktion darauf entwickelt wurden, sondern schon vorher gedanklich virulent waren. Im ersten Raum präsentiert sie zwei neue Kurzfilme. Bei ihren Recherchen ist sie darauf gestoßen, dass die sogenannte Weltuntergangsuhr dieses Jahr erstmals historisch von fünf Minuten vor zwölf auf hundert Sekunden vor zwölf umgestellt wurde. „Damit eröffnete sich mir eine Möglichkeit, Umweltbedrohung oder Atomkriegsgefahr so umsetzen, dass es nicht plakativ wirkt. Die Uhr wird zur Metapher, in der sich der ganze Themenkomplex verdichtet, sie ist ein starkes Bild dafür, dass wir nicht mehr viel Zeit haben, wenn wir das Ruder noch rumreißen wollen. Daraus habe ich die Idee zu dem Kurzfilm Hundred Seconds to Midnight entwickelt, mit all diesen Figuren, die allein und selbstvergessen wie in Trance vor sich hin tanzen.“ Die Illusion von Bewegung wird durch das Aneinanderreihen von gezeichneten Bildern erzeugt.

Birgit Brenner: Hundred seconds to midnight, 2020 / Video, 20 Zeichnungen Tusche auf Papier je 21 x 29,7 cm, Laufzeit: 3:42 min, Auflage von 3

In der zweiten filmischen Arbeit, Shifting Baseline, dominieren rasante Bewegungen und intensive Töne, die an Alarmsysteme – auch aus dem medizinischen Bereich – erinnern. Die Themen sind ebenfalls Weltuntergang, Zerstörung, Auflösung und das Ignorieren und Davonlaufen vor Gefahr. Er beginnt mit einem strauchelnden, um sich selbst drehenden Flugzeug, das senkrecht zur Erde zu stürzen scheint – das Sinnbild des stürzenden Engels wird hervorgerufen. Die Bildcollage setzt sich zusammen aus gesichtslosen Menschen und aus Spiralen, Wundmalen, Blut, Beinen, zwei statischen, roten Linien der Verwundung, die wie Hemmnisse, Barrieren wirken.

Künstler-Buch

„Ich werfe Bilder in die Welt und sage, 
so könnte man die Dinge sehen.“ Birgit Brenner

Ungerechtigkeit, Gewalt, Scheitern, Glücksversprechen und Überwachung sind nur einige der Themen, mit denen sich Birgit Brenner in ihren gesellschaftskritischen Werken auseinandersetzt und die sie mit Bild und Text verdichtet. In ihren Zeichnungen, raumgreifenden Installationen und Videos thematisiert sie, oftmals ironisch unterfüttert und mit schwarzem Humor, das Gefangensein ihrer Protagonistinnen in unterschiedlichsten Lebensverhältnissen, voller Zwänge und Enttäuschungen. Erfahrungen von Angst, Verzweiflung und Tod kommen zu Wort. Brenner wirft aber auch den Blick auf aktuelle politische Situationen und gesellschaftliche Entwicklungen.

Ihren Werken fügt Brenner Textcollagen hinzu, die auch aus 
unserem Alltag stammen könnten: „Selbst Schuld“, „Die Tränen falsch, der Kummer echt“ oder „I Wish I had A Vision“, sind da zu lesen. 
Als Preisträgerin des Wolfsburger Kunstpreises "Junge Stadt sieht Junge Kunst" zeigt Birgit Brenner in ihrer Ausstellung neue Videoarbeiten sowie eine raumgreifende Installation. Das im Kontext entstehende Buch zeigt eine Auswahl ihrer Werke aus den Jahren 2014 bis 2020.
Link zum Verlag/Shop
https://vfmk.org/de/shop/birgit-brenner

Im nächsten Raum ist eine apokalyptische, übergroße Installation Promises And Other Lies. Sie wirkt wie in den Raum hineingepresst, sprengt sie diesen doch formal und visuell. Gearbeitet in gelasertem oder gebogenem Stahl und partiell mit Kunststoff ausgefüllt, collagiert die Künstlerin hier verschiedene Bildwelten wie einen Filmstill, der eingefroren im Raum zu stehen scheint. Viele Elemente aus den beiden vorherigen Filmen tauchen hier wieder auf. Nur dass man jetzt physisch hineingezogen wird, quasi mittendrin steht. Im letzten Raum zeigt Birgit Brenner den 2019 entstandenen Film Sommer, Sonne, Sicherheit. Er visualisiert kein lautes Inferno, sondern ein stilles Psychodrama in drei Akten – mit Hinweisen auf Wachstum und Weltbevölkerung.

Birgit Brenner: Sommer, Sonne, Sicherheit, 2019 / Video, Laufzeit: 27:50 min, Auflage von 3
Birgit Brenner: Sommer, Sonne, Sicherheit, 2019 / Video, Laufzeit: 27:50 min, Auflage von 3

Die Arbeiten von Birgit Brenner sind voller Spannung, so dass sie uns unmittelbar und intensiv erreichen. Dem fügt sie noch Textcollagen hinzu, die von uns selbst, aus unserem Alltag stammen könnten. Es geht ja auch um uns. Birgit Brenner führt uns die immer stärker ins Bewusstsein kommende Gefahr für die Menschen und die Umwelt vor Augen. „Wir machen einfach immer weiter und tun so, als würde um uns herum nichts passieren.“ Mit dieser Ausstellung erzeugt Birgit Brenner einen maximalen Zustand der Unruhe. Dabei stellt sie weder Fragen noch beantwortet sie welche. „Ich werfe lediglich Bilder in die Welt und sage, so könnte man die Dinge sehen.“
Insgesamt ist der Wolfsburger Kunstpreis mit knapp 100.000 € dotiert, verbunden mit einer Einzelausstellung in der Städtischen Galerie Wolfsburg und einer Publikation. Zusätzlich gibt es einen Ankauf für die Sammlung der Städtischen Galerie Wolfsburg.

Mehr über die Ausstellung finden Sie hier

Städtische Galerie Wolfsburg
SCHLOSSSTRASSE
38448 WOLFSBURG
TELEFON: +49.5361.28 10 12/ 17/ 21
FAX: +49.5361.28 10 25

ÖFFNUNGSZEITEN
DIENSTAG 13.00–20.00 UHR
MITTWOCH BIS DONNERSTAG 10.00–17.00 UHR
FREITAG 14.00–17.00 UHR
SAMSTAG 13.00–18.00 UHR
SONNTAG 11.00–18.00 UHR

Alle Abbildungen: courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin, VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Magische Räume

Die Institution Musik der Jahrhunderte (MDJ) sieht die pandemische Situation seit dem Frühjahr auch als Herausforderung, neue Konzertformate in Corona-Bedingungen zu entwickeln, die die aktuelle Situation aufgreifen und alle Möglichkeiten digitaler Medien einbeziehen. Jenseits „klassischer“ Streamingformate hat MDJ für die Reihe Magische Räume Komponist*innen beauftragt, kammermusikalische Konzertformate für die Räume von MDJ zu entwickeln, die sich leicht für andere Veranstalter/Räume adaptieren lassen. Die Grundidee: eine enge Verknüpfung von analogem Geschehen und virtueller, auch interaktiver Übertragung. Das Ziel der Reihe: den magischen Moment einer Aufführung zu ermöglichen, der so vielen Streamingformaten bisher fehlt.

Wie flexibel die Grundidee des Projekts ist, zeigt sich bereits jetzt, im zweiten Lockdown. Die Reihe Magische Räume wird derzeit als interaktives Format für ein Internet-Publikum weiterentwickelt. Bis zum Sommer 2021 werden insgesamt fünf Projekte, die mit der Vereinze-lung des Publikums und mit digitalen Wahrnehmungsformaten spielen, in der Reihe „Magi-sche Räume“ ihre Premiere erleben.

Am 19. und 20. November 2020 (jeweils 19 Uhr) geht es los mit SuperSafeSociety. Ein interaktiv digital-musiktheatraler Abend von Andreas Eduardo Frank.Akteur*innen sind die Neuen Vocalsolisten Stuttgart.

SuperSafeSociety ist als musikalische Reise durch verschiedene mögliche Zukunftsszenarien angelegt, wie sie vom zukunftsInstitut in einem Whitepaper als „Corona Effekt“ skizziert wurden. In „SuperSafeSociety“ wird dem Publikum u.a. ermöglicht, selbst zu „senden“ und somit Einfluss auf das Live-Geschehen zu nehmen. Dabei geht es explizit nicht darum, einen Betrachtungsraum zu schaffen, der die Aura einer Live-Performance zu imitieren versucht, sondern es soll ein neuer Raum für die Entwicklung eigener Betrachtungsformen eröffnet werden. Für dieses Spiel mit den Parametern Distanz und Nähe auf einer eigens konstruierten Web-Oberfläche hat Andreas Eduardo Frank in Zusammenarbeit mit drei Web-Designern die Versuchsanordnung für eine „Systemcrash Simulation mit anschließendem Resilienztraining!“ geschaffen. Und er hat eine Bühne in Form einer „Membran zwischen der analogen und digitalen Welt“ entwickelt. Der Zuschauerraum ist ins Wohnzimmer verlagert, als neu formulierte Antwort auf die gegenwärtige Situation: „Kein Kino, keine Party, keine Freunde, keine Konzerte.“

Konzept / Regie / Komposition // Andreas Eduardo Frank
Gesang / Performance // Neue Vocalsolisten
Johanna Vargas, Susanne Leitz-Lorey, Truike van der Poel,
Martin Nagy, Guillermo Anzorena, Andreas Fischer

Mit Musik von Andreas Eduardo Frank, L. v. Beethoven,
Oscar Bianchi, Gordon Kampe, Jay Schwartz, Mika Vainio,
Vacuum Soundperformance, inspiriert von Carola Bauckholt

Grafikdesign / Web-Entwicklung / Video // Valentin Alisch, Niklas Berlec, Tobias Hönow

Detaillierte Informationen zu den zwei Aufführungen von „SuperSafeSociety“ unter: www.supersafesociety.org

Gefördert im Impulsprogramm „Kunst trotz Abstand“
des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Neuer Editions-Katalog
erschienen

Die Galerie von Braunbehrens bildet mit ihrem ambitionierten Ausstellungsprogramm eine feste Größe innerhalb der Kunstszene in Stuttgart und in Deutschland. Mitten im Herzen Stuttgarts gelegen zeigt sie auf 500 qm Fläche seit 2015 regelmäßig Einzel- und Gruppenausstellungen von international erfolgreichen Künstlerinnen und Künstlern. Die vorliegenden Editionen zeigen das breite Spektrum einmal mehr. Teilweise finden Sie als Besucherinnen und Besucher unserer Galerie
in diesem Katalog Arbeiten, die Sie an die gesehenen Ausstellungen erinnern werden – Arbeiten, die zwar mit einer Auflage editiert werden, aber im Zentrum des Schaffens einer Künstlerin oder eines Künstlers
stehen. Teilweise aber sind es auch besondere Einfälle, Sonderformate, wertvolle Nebenwege und spannende Bravourstücke, die am Rande des
künstlerischen Hauptwerkes entstanden sind.

Freuen Sie sich beim Durchblättern des Kataloges auf eine
Entdeckungsreise durch das Programm der Galerie von Braunbehrens.

Alle Arbeiten sind signiert und datiert, die Editionen zusätzlich
nummeriert. Sie können direkt über die Galerie erworben werden.
Nicht alle Arbeiten konnten hier abgebildet werden.

Weitere Werke und Varianten oder Ergänzungen sowie Informationen
zu den Künstlerinnen und Künstlern finden Sie auf der Homepage
www.galerie-braunbehrens.de.

https://indd.adobe.com/view/952d428d-2170-4b5b-ba5a-fa889d6d88bd

Bestellungen & Kontakt:

Galerie von Braunbehrens
Rotebühlstraße 87, 70178 Stuttgart
Telefon +49.711.528514-50
art@galerie-braunbehrens.de
www.galerie-braunbehrens.de

Gut gespielt ist nicht genug!

1 Ensemble, 17 Musiker, durchschnittlich 90 Konzerte im Jahr – seit 75 Jahren nimmt das Stuttgarter Kammerorchester einen herausragenden Platz in der internationalen Orchesterlandschaft ein. Mit einem vollkommen neuartigen, verschlankten Klangkörper startete das Ensemble unter Karl Münchinger seine Erfolgsgeschichte in der unmittelbaren Nachkriegszeit und setzte schnell weltweit Maßstäbe. Heute musiziert das älteste Kammerorchester der Welt unter der Intendanz und Künstlerischen Leitung von Markus Korselt und Chefdirigent Thomas Zehetmair auf allen Kontinenten. Im Lauf des 75-jährigen Bestehens hat das Stuttgarter Kammerorchester viele Wandlungen erfahren, Traditionen bewahrt und doch stets neue Wege beschritten. Neben dem Kernrepertoire von Bach bis zur Musik des 20. Jahrhunderts gehören längst auch Brückenschläge zum Jazz oder zur elektronischen Musik zum Orchesteralltag. Mehr als 80 Einspielungen dokumentieren die musikalische Bandbreite, die seit dem Gründungskonzert am 18. September 1945 erarbeitet wurde. Neben klassischen Abonnement-Konzerten bietet das Orchester u.a. mit seiner Konzertreihe »Concerto Mobile« Musikgenuss in sozialen Brennpunkten und arbeitet in seinem »SKOhr-Labor« mit Kindern und Jugendlichen zusammen.

Der Fotograf Reiner Pfisterer hat das Stuttgarter Kammerorchester 10 Jahre lang bei seinen Aktivitäten fotografisch in 16 Ländern begleitet. Er machte in den schönsten Konzertsälen der Welt ebenso faszinierende Aufnahmen wie Backstage, auf Reisen, im Hotel oder bei eher privaten Begegnungen der Orchestermitglieder. Entstanden ist ein opulenter Jubiläums-Bildband, der auf 200 Seiten und 160 farbigen Fotos das Zusammenspiel eines Orchesters in all seinen Facetten einfängt und die Liebe der Musiker zu ihrem Spiel sowie ihrem Publikum einfühlsam porträtiert. O-Töne der Orchestermitglieder ergänzen den Band.
Gut gespielt ist nicht genug. – Die Welt des Stuttgarter Kammerorchesters, Verlag Urachhaus, ISBN 978-3-8251-5259-8

RESPONSE I und II

Welche Antwort kann der Tanz auf plötzlich eintretende, bis dahin unvorstellbare Hürden, Beschränkungen und vor allem sich ständig ändernde Richtlinien geben? Mit dem neuen Ballettabend RESPONSE I reagiert das Stuttgarter Ballett auf die aktuelle Situation. Herausgekommen ist eine kreative, flexible und mit Lust auf diese Herausforderungen angegangene Antwort. Unter dem Motto Something old, something new, something classic, something blue besteht der Abend aus Herzstücken und Neukreationen von drei Choreografen innerhalb der Compagnie: Fabio Adorisio, Roman Novitzky und Louis Stiens. Alle Choreografen erhielten von Ballettintendant Tamas Detrich dieselbe Aufgabe: ein neues Stück zu kreieren, unter Berücksichtigung aller in dem Moment herrschenden Abstands- und Hygieneregeln sowohl während der Proben als auch während des fertigen Stückes. Hinzu kam die Bitte, sich Musik auszusuchen, die zwar live, aber in kleiner Besetzung gespielt werden kann. So individuell die Choreografen, so individuell fielen ihre Antworten auf diese Situation aus: Und so wie diese Stücke gänzlich neue Vorgehensweisen von Choreografen und Tänzerinnen verlangten, so werden sich dem Publikum neue Sehgewohnheiten eröffnen.

Die Premiere findet am 17.Oktober 2020 im Opernhaus statt. Krisen bergen bekanntlich auch Chancen, in diesem Falle große Chancen für fünf junge Künstlerinnen, auf die Ballettintendant Tamas Detrich schon lange ein Auge geworfen hat. Der Ballettabend RESPONSE II Young Bloods ist die zweite Antwort auf die zurückliegenden Monate, zugleich aber auch Reaktion auf die Zeit, die kommt. Tamas Detrich hat seinen fünf „jungen Wilden“ den Auftrag erteilt, neue, kurze Stücke mit jeweils kleiner Besetzung und großem Abstand zwischen den Tänzerinnen zu entwickeln. Inhaltlich haben die ChoreografInnen freie Wahl; nicht wenige aber werden ihre Beobachtungen und Empfindungen der letzten Monate mit einfließen lassen. Getanzt werden Uraufführungen von Alessandro Giaquinto, Vittoria Girelli, Shaked Heller, Aurora De Mari und Agnes Su. Die Premiere findet am 30. Oktober 2020 im Schauspielhaus statt.

Ernst ist das Leben (Bunbury)

Beide Hauptpersonen in Oscar Wildes Theaterstück haben sich eine eigene fiktive Person erschaffen, um so aus den gesellschaftlichen Zwängen auszubrechen und sich zu vergnügen. Algernon Moncrieff erfindet einen kranken Freund namens Bunbury, an dessen Krankenlager auf dem Land er angeblich immer wieder gerufen wird. John Worthing dichtet sich einen Bruder namens Ernst an, der in der Großstadt einen ausschweifenden Lebensstil pflegt und dem er immer wieder zu Hilfe eilen muss. In London gibt John sich dann als eben dieser Ernst aus und führt dessen luxuriöses Lotterleben. Die Liebe sorgt schließlich für Aufruhr in den penibel gepflegten Doppelleben…

Szenenbild © Theater Heidelberg

Regisseur Christian Brey, den unter anderem eine enge Zusammenarbeit mit Entertainer Harald Schmidt verbindet, inszeniert Oscar Wildes Komödie in einer neuen Übersetzung von Elfriede Jelinek: absurd, aberwitzig, schonungslos, heutig, voll böser Pointen – und wahnsinnig komisch.