Konzert-Highlights

Kiss of Fire – Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim
meets Spark – Die klassische Band

Die Senkrechtstarter der internationalen Klassikszene verbindet den Feinsinn und die Präzision eines klassischen Kammermusikensembles mit der Energie und dem Biss einer Rockband. Tradition und Innovation werden bei den fünf jungen Musikern von Spark zu einem Klangerlebnis, das sich virtuos und unverkrampft zwischen den verschiedensten musikalischen Welten bewegt: Barocke Ohrwürmer verschmelzen mit Filmmusik und Minimal Music, slawische Folklore und jazzige Grooves treffen auf klassische Avantgarde. So erreichen Spark besonders auch die junge Generation. Auf dem Konzertprogramm am 12. November stehen Werke von der barocken Opernwelt eines Henry Purcell bis hin zu rockig-klassischen Klängen, wie sie der niederländische Komponist Chiel Meijering in seiner Suite „Kiss of Fire“ verbindet. In acht kurzen Charakterstücken zeigt das Werk für Spark und Kammerorchester mit den unterschiedlichsten musikalischen Mitteln vom afrikanischen Rhythmus bis hin zu Popelementen die unterschiedlichsten Facetten der Musik, der Liebe und des Lebens…
Weitere Info & Karten: www.swdko-pforzheim.de

Foto oben: Spark 1d ┬® Bartosch Salmanski


Nachtschwärmer-Konzerte
„Nachtschwärmer-Konzerte“ – heißt die neue Veranstaltungsreihe, die die Stuttgarter Philharmoniker gemeinsam mit dem Jazzclub BIX im Gustav-Siegle-Haus aus der Taufe gehoben haben. Ziel der Reihe ist es, neue Begegnungen zwischen unterschiedlichen Publikumsgruppen zu ermöglichen. Die Programme der „Nachtschwärmer-Konzerte“ sind mehrteilig angelegt: der erste Teil ertönt im Saal des Gustav-Siegle-Hauses der zweite klingt dann im Jazzclub BIX aus. Das erste Konzert der Reihe startet mit einer Sinfonie von Mendelssohn, gefolgt von einem Klavierkonzert von Bach, für Akkordeon und Orchester arrangiert, und Tangos von Astor Piazzolla. Anschließend spielt die Akkordeonistin Ksenija Sidorova (Foto) im Jazzclub mit Jazzern weiter. Die Konzertreihe eignet sich aber auch hervorragend für besondere Kammermusikprogramme, beispielsweise die Gesamtaufführung aller sechs Streichquartette op. 18 von Beethoven an einem Abend durch Quartettformationen des Orchesters. Hierbei werden die Ensembles in der Mitte des Parketts platziert, während das Publikum die Aktion ringförmig umgibt. Anschließend gibt’s Jazz-Kammermusik im BIX. In einem weiteren Konzert tritt der Jazztrompeter, Pianist und Komponist Sebastian Studnitzky mit in seinem Projekt „Memento“ auf, ein anderes mit dem jungen Pianisten und Dirigenten Frank Dupree (Foto) verbindet Orchester- und Klaviermusik von Beethoven mit der von Duke Ellington und George Gershwin.
Weitere Informationen zum Programm und Karten:
www.stuttgarter-philharmoniker.de

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Martin-Stadtfeld (c) Marco-Borggreve/Sony-Classical

Der Goldstadtzirkel weltberühmter Pianisten“
Martin Stadtfeld
Martin Stadtfeld spielt erneut mit der Badischen Philharmonie Pforzheim und eröffnet mit dem „Goldstadtzirkel weltberühmter Pianisten“ die Sinfoniekonzert-Reihe der neuen Spielzeit. Stadtfelds Karriere begann 2002 mit dem ersten Preis des Internationale Bach-Wettbewerbs. Seine Einspielungen auf CD (u.a. bei SONY Music) erhielten mehrfach den ECHO Klassik-Preis. In Pforzheim spielt Martin Stadtfeld nun Sergej Rachmaninows 2. Klavierkonzert c-moll op. 18:. Romantisch-expressiv ist dieses Klavierkonzert, das seit der Urraufführung 1901 das erfolgreichste Rachmaninows ist. Eröffnet wird das Konzert mit Maurice Ravel Suite für Orchester „Ma mère l‘ oye“. Eine Sammlung von Märchen ist „Meine Mutter Gans“, die ursprünglich als Fassung von fünf Kinderstücken für Klavier zu vier Händen entstand. Abschließend stimmt die Badische Philharmonie Pforzheim mit der „Reformations-Symphonie“ in das Luther-Jubiläum mit ein. Felix Mendelssohn-Bartholdy komponierte sie 1830 zum 300. Jubiläum der Confessio Augustana. 
15. Oktober CongressCentrum Pforzheim, Karten: Online-Ticketshop arsmondo


Bartoli / Gabetta (c) Decca/Esther Haase

„Dolce Duello“ –
Cecilia Bartoli & Sol Gabetta

Musikalisches Gipfeltreffen: Cecilia Bartoli liebt es, die Register wie ihre Rollen zu wechseln und die ganze Palette von Gefühlszuständen auszuspielen – von innig zart bis rasend, von schüchtern bis wild, von verliebt bis wütend. Die Mezzosopranistin gehört seit über zwei Jahrzehnten zu den absoluten Topstars der Klassik-Szene, mit einem dunkel-satten Timbre von bewegender Schönheit, einem herausragenden darstellerischen Talent, außerordentlicher Musikalität und einer elektrisierenden Bühnenausstrahlung im Konzert und auf der Opernbühne. Im Baden-Badener Festspielhaus, wo La Bartoli zuletzt in Bellinis „Norma“ glänzte, trifft sie nun auf ihre Freundin Sol Gabetta, die ihrerseits zu den besten Cellistinnen weltweit gezählt wird. Dabei kann sie auf den vier Saiten ihre Violoncellos nicht nur beseelt singen, sondern auch dramatisch auftrumpfen und immer wieder spieltechnisch glänzen – etwa, wenn sie mit hochemotionalem und überaus riskantem Spiel die virtuosesten Werke in schwindelerregendem Tempo präsentiert, so dass die Musik unter ihrem Bogen Funken zu schlagen scheint wie bei einem Vulkanausbruch. Cecilia Bartoli und Sol Gabetta präsentieren im Baden-Badener Festspielhaus mit „Dolce Duello“ ein abwechslungsreiches Barockprogramm gemeinsam mit der Cappella Gabetta, einer handverlesenen Originalklang-Truppe, die Sol Gabetta im Dezember 2010 gemeinsam mit ihrem Bruder Andrés Gabetta, einem brillanten Barockviolinisten und Konzertmeister, gegründet hat. Für „Dolce Duello“ haben Cecilia Bartoli und Sol Gabetta einige wunderbare Werke für Gesang und Violoncello ausgegraben. Darunter finden sich berührende Lamenti wie in Händels Ode für die Heilige Cäcilie sowie energiegeladenere Arien wie „Di verde ulivo“ von Vivaldi.
23. November im Festspielhaus Baden-Baden, Karten: www.festspielhaus.de


Mischa Maisky (c) Deutsche Grammophon

Emotionale Freigiebigkeit –
Mischa Maisky & Musikkollegium Winterthur

Mischa Maisky ist der wohl berühmteste Cellist unserer Zeit, weltweit gefeiert als „großer Romantiker“. Sein Spiel ist emotional, intensiv, brennend vor Leidenschaft, dabei edel und seelenvoll im Ton: „Ich gebe nicht 100, sondern 120 Prozent“, sagt der lettische Jahrhundertmusiker mit der Silbermähne über sich. Und: „Ich spiele jedes Konzert, als wäre es mein letztes. Ich verschwende, sagen manche, jedes Mal sehr viel Energie. Aber ich glaube, dass die Konzertbesucher die emotionale Freigiebigkeit eines Musikers fühlen, die viel wichtiger ist als Technik.“ Kurz vor seinem 70. Geburtstag (am 10. Januar 2018) darf sich das Göppinger Publikum auf 120 Prozent Mischa Maisky in Schostakowitschs erstem Cellokonzert freuen – an seinem kostbaren Montagnana-Cello, im Dialog mit dem traditionsreichen schweizerischen Musikkollegium Winterthur unter der inspirierten Leitung seines neuen Chefdirigenten Thomas Zehetmair. Dass die Winterthurer zudem eine Deutsche Erstaufführung im Gepäck haben, macht den Abend desto spannender!
6. November 2017, 20 Uhr, Stadthalle Göppingen


Maximillian Hornung, Photo: Marco Borggreve

Münchener Kammerorchester
& Maximilian Hornung

Mit bestechender Musikalität, instinktiver Stilsicherheit und musikalischer Reife hat der Cellist Maximilian Hornung die internationalen Konzertpodien erobert. Für seine erste Sony-CD erhielt er den ECHO Klassik-Preis 2011 als Nachwuchskünstler des Jahres, für die Veröffentlichung von Dvořáks Cellokonzert den ECHO Klassik 2012 für die »Konzerteinspielung des Jahres«. Mit dem Münchener Kammerorchester wird er ein Auftragswerk des MKO für Violoncello und Orchester von Tobias PM Schneid aufführen. Der finnische Dirigent John Storgårds ist speziell für eine auf drei Spielzeiten angelegte Reihe engagiert worden, nämlich Haydns Londoner Sinfonien den Ligetis Solokonzerten – hier das Konzert für Violoncello und Orchester – gegenüberzustellen. An diesem Abend bilden die Sinfonien Nr. 97 und Nr. 103 »Mit dem Paukenwirbel« den Rahmen des Konzerts. Das Konzert findet am 6. Dezember im Konzerthaus Ravensburg statt.-
Karten: www.ravensburg.de

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„EINE WEIHNACHTSGESCHICHTE“ VON CHARLES DICKENS
Miroslav Nemec & Udo Wachtveitl in einem Bühnenmärchen mit Musik

Sie ist – neben der Geschichte von Jesu Geburt – das vermutlich meisterzählte Literatursujet der Adventszeit: Charles Dickens‘ „Weihnachtsgeschichte“. Die sozialkritische Erzählung über den alten Geizhals Ebenezer Scrooge, der am Vorabend des Weihnachtsfests von vier Geistern heimgesucht wird und durch sie seine Menschlichkeit wiederentdeckt, ist ein Klassiker. Kaum ein Theater, das dieses Werk nicht schon mehrfach gespielt hat. Warum dann eine neue Fassung? Der Regisseur und Produzent Martin Mühleis hat mit seinen Bühnenbearbeitungen von literarischen Werken in den vergangenen Jahren große Erfolge gefeiert. Allein seine Bearbeitung von Erich Kästners autobiographischer Erzählung „Als ich ein kleiner Junge war“ mit Walter Sittler in der Hauptrolle wurde mehr als 400 Mal gespielt. Für die beiden Schauspieler Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl hat er nun gemeinsam mit dem Komponisten Libor Síma ein musikalisches Bühnenmärchen geschaffen. Es erinnert in seiner Ästhetik an alte Schwarzweißfilme und spielt mit Elementen literarischer Revuen. Durch die Musik und die geschickte Lichtregie werden Räume geschaffen – und doch spielt der literarische Text immer die Hauptrolle: Tempo, Rhythmus und Struktur der Novelle bleiben auch in der Lesefassung bewahrt. Und in der Interpretation von Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl erhält die Erzählung, trotz des moralischen Grundtons, eine unglaubliche Lebendigkeit. Beide sind bekanntermaßen seit vielen Jahren durch ihre gemeinsame Arbeit als Münchner Tatort-Kommisare eng verbunden und geben auch auf der Bühne ein tolles Team ab, dem es gelingt im Zusammenspiel mit der Bühnenmusik den typischen, skurrilen britischen Humor auf anrührende Weise herauszuarbeiten.
TOURDATEN 2017: 03.12.2017 Fellbach, Schwabenlandhalle, 04.12.2017 Theater Heilbronn, 09.12.2017 Stadthalle Singen, 10.12.2017  Tuttlinger Hallen, 12.12.2017 Stuttgart Theaterhaus, 20.12.2017 Stuttgart Theaterhaus; Karten und Info beim jeweiligen Veranstalter erhältlich

Theater als Schocktherapie

Ein Orchester, eine Schauspielerin, eine Performerin, ein Tänzer, vier Opernsänger, eine Charaktertänzerin, ein Tonpult und viele Lautsprecher: Die Schauspiel- und Opern Regisseurin Anna-Sophie Mahler, die sich verstärkt auch mit experimentellen Formen im Musiktheater beschäftigt, inszeniert Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins.
Am Samstag, den 2. Februar 2019 feierte im Schauspielhaus erstmals seit 23 Jahren wieder eine Neuproduktion Premiere, an der alle drei künstlerischen Sparten der Staatstheater Stuttgart beteiligt sind.
Der Theaterabend besteht aus drei Teilen und beginnt mit Kurt Weills und Bertolt Brechts mehr als 80 Jahre altem Stück: Die sieben Todsünden. Dem Ballett mit Gesang wird im 2. Teil mit Seven Heavenly Sins ein zeitgenössischer Standpunkt entgegengesetzt. Seven Heavenly Sins dreht das Konzept der Todsünden um und setzt ihm eine queere Lesart entgegen, in der die Freiheit des*der Einzelnen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, an erster Stelle steht. Seven Heavenly Sins ist damit nicht nur eine zeitgenössische Aneignung der vom Katholizismus erfundenen Todsünden, sondern ebenso eine feministische Antwort auf das Autorenduo Brecht und Weill.

Im 3. Teil des Abends kommt noch einmal der symphonische Klang zurück und das Stuttgarter Staatsorchester spielt The Unanswered Question des amerikanischen Komponisten Charles Ives. Die gealterte oder zukünftige Anna verabschiedet sich mit einem letzten Tanz vom Leben. „In The Unanswered Question von Ives gibt es neben sphärischen, liegenden Akkorden immer wieder einschneidende Störungen durch eine Trompete, die den himmlisch sanften Klang durch ,Fragen‘ unterbricht. Interessanterweise sind es sogar wieder genau sieben Fragen, die dann ein Holzbläserpart zu beantworten versucht.“, konstatiert die Regisseurin des Abends Anna-Sophie Mahler.
Auf der Bühne stehen in der Hauptrolle der Anna folglich gleich mehrere Künstler*innen: Josephine Köhler, neues Ensemblemitglied am Schauspiel Stuttgart, sowie Halbsolist Louis Stiens vom Stuttgarter Ballett sind ebenso dabei wie die kanadische Electroclash-Sängerin und Musikproduzentin Peaches und die ehemalige Erste Solistin des Stuttgarter Balletts Melinda Witham. Mit von der Partie außerdem: die Sänger Elliott Carlton Hines, Gergely Németi, Christopher Sokolowski und Florian Spieß. Balletttänzer Louis Stiens choreografiert und Stefan Schreiber dirigiert das Staatsorchester Stuttgart.

Der Abend ist ausgesprochen speziell, ja ein Spektakle, stellt viele Fragen und bietet Raum für eigene Schlüsse und Lösungen. Hier wird alles aufgefahren, was unsere moderne Welt an Entertainment geschaffen hat: Wir werden geblendet von hellem Scheinwerferlicht und beschallt mit modernster Soundtechnik. Das Publikum mag und kann es kaum erfassen, was es vor allem im 2. Teil des Abends zu sehen bekommt. Doch wenn sich die Schockstarre erst einmal gelegt hat, bleibt etwas anderes haften; nämlich, dass es manchmal genau diese Dosis an Irritation braucht, um uns wirklich zum Nachdenken zu bringen!

Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins: Josephine Köhler, Foto: Bernhard Weis

Im 1. Teil wird mit Die sieben Todsünden von Brecht und Weill die Geschichte einer jungen Frau, namens Anna erzählt, die von ihrer Familie auf eine siebenjährige Reise geschickt wird, um Geld für ein Eigenheim zu beschaffen. Dabei ist Anna ohne Unterlass den Erwartungen einer patriarchal strukturierten Gesellschaft ausgesetzt, die von ihr Anpassung und Gehorsam erwartet.

Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins: Christopher Sokolowski, Gergely Németi, Louis Stiens, Florian Spiess, Elliott Carlton Hines, Josephine Köhler, Foto: Bernhard Weis

Die Regisseurin Anna-Sophie Mahler verlegte die Geschichte in eine Box-Ring Arena. Die junge Anna (Josephine Köhler) steigt in den Ring und kämpft. Angefeuert wird sie dabei von ihrer Familie – die aber wird verkörpert von einer reinen Männerriege. Ihre Gegnerin – ist sie selbst (verkörpert durch den Balletttänzer Louis Stiens). Umrahmt wird die Szenerie von Musikern des Staatsopernorchester. Die kanadische Punk-Sängerin und Musikproduzentin Peaches übernimmt den Part der Erzählerin.
Die beiden Annas kämpfen sich durch ihr Schicksal. Der Doppelpart symbolisiert dabei wirkungsmächtig, dass es hier nicht nur um von außen zugemutete Zwänge und Erniedrigungen geht, sondern auch um den Kampf mit sich selbst. Fast könnte man meinen, zwei Seelen kämpfen da auf der Bühne um alle Existenzfragen, die uns Menschen umtreiben. Die Annas – beide, Mann und Frau – führen einen Geschlechterkampf und stellen die Fragen, was ist männlich was ist weiblich. Die Anna in der Stuttgarter Inszenierung ist auch rein äußerlich ein Zwischenwesen (Gender lässt grüßen).

Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins: Christopher Sokolowski, Gergely Németi, Louis Stiens, Florian Spiess, Elliott Carlton Hines, Peaches, Staatsorchester Stuttgart, Foto: Bernhard Weis

Die Anna des 2. Teils des Abends ist wütend, ja zornig – ihr Monolog eine zornige Abrechnung mit all dem, was Frauen seit Jahrhunderten beschäftigt. Sie spricht von denen, die nicht ins gängige Raster passen, von all den unerfüllten heimlichen Sehnsüchten – es geht um Sex, aber vor allem um das Andersseinwollen und um das Überleben in diesem Andersseinwollen. Es geht aber auch um den eigenen inneren Zwiespalt, dem Frauen jeden Tag ausgesetzt sind, zwischen den gängigen Rollenklischees, denen sie entsprechen sollen (möchten?) und dem Wunsch gleichzeitig frei und emanzipiert zu sein.
Mit Blick auf die jüngste Instagram-Studie, die die Schauspielerin Maria Furtwängler gemeinsam mit ihrer Tochter veröffentlich hat – wird eines dieser Rollenklischees (frau weigert sich fast, dies zu glauben) – vor allem von jungen Frauen weltweit zelebriert. Es geht ums Aussehen, ums richtige Schminken, um die Figur und ums Kochen. Dass aber genau das von den Frauen selbst inszeniert wird, macht nachdenklich – so kann man auch Annas Monolog deuten.
Natürlich weht noch die Unterdrückung der Frau aus dem 1 Teil herüber – in dem sie instrumentalisiert und geschunden wurde. Aber sie selbst scheint sich weiterentwickelt zu haben: Denn sie hat begriffen, dass es nicht nur um das Außen geht, um die Welt, in der das Patriachat noch immer vielerorts das Sagen hat, sondern darum, sich selbst als Frau zu hinterfragen. Wer und wie will ich sein oder noch besser, wie finde ich Antworten in mir selbst und für meine Situation.

Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins
Louis Stiens, Peaches, Foto: Bernhard Weis
Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins: Josephine Köhler, Peaches, Foto: Bernhard Weis

Was will Peaches? Sie verkörpert im 2. Teil die aggressive Anna, die, die mit gleicher Münze, ja sogar noch entschieden drastischer, auf das Patriachat, dass sie unterdrückt hat, zurück- und einschlägt.
Zwei Vulven umtanzen sie lasziv, auf der Bühne erscheint ein Riesenpenis aus Netzgewebe, in den sie hineinsteigt. Dazu dröhnen wilde Clubbeats der Sängerin, in denen sie die sieben Todsünden noch einmal neu erfasst und musikalisch interpretiert. Sie will Sex, sie will Spaß, weil sie ihn will und sie will vor allem eines – Freiheit. Die fordert sie mit so viel Power und Aggressivität ein, dass einem angst und bange werden kann. Frauen können auch, wenn sie wollen, und ja, noch schlimmer!
Der 2. Teil macht aber auch klar – dass dieser Aktionismus auch nicht die Antwort sein kann. Eventuell kann man dieses Gebaren als eine Art Zwischenphase verstehen, als Paukenschlag zu Beginn einer Entwicklung in eine Emanzipation, deren Weg (und vielleicht auch Ziel) noch nicht definiert ist: Am Anfang steht unüberhör- und übersehbar der Zorn und die damit verbundene Einsicht, dass sich nur etwas ändert, wenn dafür gekämpft wird.

Das Ende – der 3. Teil ist kontemplativ. Anna, so scheint es, hat ihren Frieden gemacht. Zu den sphärischen Klängen von Ives beginnt sie ihren Tanz, richtet ihre Bewegungen mehr an sich selbst als an die Welt – jetzt geht es nur noch um sie, die Kämpfe liegen hinter ihr – sie ist müde und gleichzeitig stark im Innern – souverän schreitet, nein tanzt sie ihrem Ende entgegen. Abschied? Oder doch Aufbruch? Wie können wir die Antwort der Regie verstehen? Welche Botschaft will sie uns mit diesem letzten Teil überbringen? Hoffnung? Wenn ja auf was? Vielleicht darauf, dass am Ende alles gut werden wird: Aber nur wenn wir Frauen selbst zur Veränderung bereit sind, die eben immer auch Kraft kostet, um (vor allem vom Patriachat) ausgelöste Zwänge zu überwinden?

Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins
Melinda Witham (hinten), Louis Stiens, Peaches, Josephine Köhler, Foto: Bernhard Weis

Spätestens nach diesem Abend ist klar: Theater als Ort für Utopien einer besseren oder schlechteren Welt kann mehr. Theater kann härter und unmittelbarer wirken als die Realität: Theater als Schocktherapie.
Andererseits: so neu ist das gar nicht.
Bereits im antiken Griechenland, der Wiege des Theaters hatte man ähnliche Intentionen. Die Griechen nannten jene besondere Art emotional-erzieherischer Maßnahmen Katharsis. Die Dramenstoffe waren oft drastisch, brutal und oft auch blutig: Die Zuschauer sollten den Schmerz und die Angst fühlen – um hernach geläutert und verändert herauszukommen.
Für einen Abend wurde das Schauspielhaus in Stuttgart zu einem solchen Ort. Da sah man eine wilde orgiastische Bühnenschau, nackte Körper, entblößte Brüste, wilde Tänze und hörte laute Beats. Damit haben sich die Stuttgarter viel getraut! Sie konfrontierten uns Zuschauer mit einem Experiment – einem harten, schwer verdaulichen Brocken, der nachwirkt!
Wahrscheinlich war eine Premierenfeier noch nie so turbulent erregt im Gesprächs- und Diskussionsrausch. Unsere Welt ist mitten im Umbruch – kein Tag vergeht, ohne dass wir nicht über Klimakatastrophen, Flüchtlings-Not, Kriege, regierende Despoten, me-too-Debatten, Fragen zur Geschlechterrollen Gender-Diskurse, Eurokrise, Dieselskandal, Umwelt-Vergehen, auf allen medialen Kanälen zu bombardiert werden. Jetzt ist das alles also auch im Theater angekommen. Warum so mag man sich fragen jetzt also auch noch im Theater? Vielleicht weil das Theater sich selbst hinterfragt. In der Pressemeldung vom Staatstheater ist zu lesen „Die Stadt- und Staatstheater in Deutschland sind wahrscheinlich die am wenigsten queer und feministisch orientierten Institutionen überhaupt, sie sind hierarchisch, patriarchisch und durch den Kanon, den sie aufgerufen sind, am Leben zu halten, sind sie konservativ…“ Also höchste Zeit für drastische Veränderungen! Oder – das Stück an diesem Abend jedenfalls hat dies gründlich widerlegt.

(Text: Claudia Fenkart-Njie & Susanne Heeber)

Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins Ballett mit Gesang von Kurt Weill, Text von Bertolt Brecht/ Live Testimonial by Peaches Koproduktion von Staatsoper Stuttgart, Stuttgarter Ballett und Schauspiel Stuttgart
Regie: Anna-Sophie Mahler, featuring Peaches
Musikalische Leitung: Stefan Schreiber
Choreographie: Louis Stiens
Bühne: Katrin Connan
Kostüme: Marysol del Castillo
Licht: Jörg Schuchardt
Dramaturgie: Katinka Deecke

Mehr unter https://www.oper-stuttgart.de/spielplan/a-z/die-sieben-todsuenden/

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Open Codes II.
Die Welt als Datenfeld

Nachdem in der ersten Phase der Ausstellung Open Codes im ZKM – Zentrum für Kunst- und Medientechnologie in Karlsruhe (20.10.2017-05.08.2018) vielfältige Beispiele der Codierung, vom Morse Code bis zum genetischen Code, und deren künstlerische und industrielle Anwendung gezeigt wurden, liegt der Schwerpunkt der aktuellen zweiten Phase (01.09.2018- 07.04.2019) auf der Untersuchung einer Welt, die nicht alleine von Dingen, Worten und Bildern, sondern vor allem von Daten erzeugt, gesteuert und kontrolliert wird. Deswegen heißt die Ausstellung Open Codes II. Dazu bietet das ZKM ein umfangreiches Workshop- und Vermittlungsprogramm an.

 

2018-zkm-open-codes-II-Chapon Gourault-faces-in-the-mist.jpg – Antoine Chapon und Nicolas Gourault: Faces in the Mist (2017) Installation, unterschiedliche Größe © Antoine Chapon und Nicolas Gourault, Foto: Nicolas Gourault

Rund 40 Werke sind zu sehen, Höhepunkt ist die Großinstallation Die Welt als Datenfeld mit 40 Bildschirmen von Peter Weibel und Christian Lölkes, die im Lichthof 8. Präsentiert wird. Sie konfrontiert uns auf übersteigerte Weise mit Daten auf zahlreichen Bildschirmen, die uns rund um die Uhr begleiten: vom Flughafen über den Bahnhof bis zur Börse, in der Wohnung und unterwegs. Der Mensch im digitalen Zeitalter richtet sich nach verfügbaren Mobilfunkmasten, sichtbaren Satelliten am Himmel und lässt sich durch Algorithmen zu seinem Ziel leiten. Migranten von heute reisen mit Smartphone anstatt Reisepass.

Seit dem Start von Open Codes am Oktober 2017 hat das ZKM binnen acht Monaten knapp 110.000 BesucherInnen verzeichnet. Die erste Auslandsstation von Open Codes in der Galerie des Goethe-Institut Mumbai hatte in zwei Monaten ca.
3.500 BesucherInnen. Die Besucherzahlen der ersten Phase von Open Codes in Karlsruhe und Mumbai sind beeindruckend hoch. Sie belegen, wie sehr das völlig neuartige Ausstellungsund
Bildungsexperiment – mit freiem Eintritt, freien Snacks und Getränken, freiem WLAN und freiem Strom – vom Publikum angenommen wird.


Bildungsexperiment Open Codes auf Youtube
»Open Codes« ist nicht nur eine Ausstellung, sondern ein einzigartiges Bildungsexperiment im ZKM | Karlsruhe. Seit dem 01. September 2018 ist das Projekt nun unter dem Titel »Open Codes. Die Welt als Datenfeld« in seine zweite Phase gegangen. Blanca Gimenez ist eine der Kuratorinnen der Ausstellung. Im Gespräch mit Regina Hock erklärt sie, was der zweite Teil der Ausstellung ihren BesucherInnen zu bieten hat.

Mit der Ausstellung Open Codes hat das ZKM ein gänzlich neues Ausstellungsformat entwickelt, das bislang in der Museumslandschaft einzigartig ist: eine Wissensplattform, die frei zugänglich und unserer
tatsächlichen Lebens- und Arbeitsumwelt sehr ähnlich ist. Mit diesem neuen Ausstellungsformat, einer Mischung aus Labor und Lounge, trägt das ZKM nicht nur den Anforderungen des digitalen Wandels
Rechnung, Wissen als zentrale Ressource zu begreifen, sondern integriert die individuellen Wünsche und Anforderungen seiner BesucherInnen in den Raum des Museums. Damit formuliert das ZKM, seinem Bildungsauftrag folgend, eine Neudefinition des Museums für das 21. Jahrhundert. Die Co-Working-Bereiche in der Ausstellung, die zum gemeinsamen Lernen und Arbeiten in einer gelösten Atmosphäre anregen sollen, werden auch weiterhin für Workshops, Partys, Camps, Scienceslams und Meet-ups genutzt. Das ZKM hat auch für die zweite Phase der Ausstellung gemeinsam mit engagierten Gruppen aus Karlsruhe ein umfassendes Vermittlungs- und Rahmenprogramm entwickelt.

Weitere Info: ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe Lorenzstraße 19 76135 Karlsruhe, Fon +49 (0) 721 – 8100 – 0,  https://zkm.de/de

Björks Oper »Vespertine«
erscheintals DVD in der Reihe »Edition NTM«

Mehr Info – Cover anklicken

Begleitet von einem großen Medienecho feierte 2018 am Nationaltheater Mannheim eine außergewöhnliche Oper Premiere: »Vespertine«. Björks legendäres Studioalbum wurde hier zur Partitur für Opernsänger, Chor und Orchester in spätromantischer Besetzung. Die Künstlergruppe Hotel Pro Forma verwandelte diese in ein bildgewaltiges Theaterspektakel, das Björk-Fans und Opernenthusiasten aus ganz Deutschland nach Mannheim lockte. Presse und Zuschauer waren sich einig: Mit »Vespertine – Opera Based on Björk’s Album« ist eine zukunftsweisende Verbindung der Genres Oper und Popmusik gelungen.
Nun erscheint am 12. April 2019 beim Musiklabel OehmsClassics dazu eine CD, die zugleich den Auftakt der neuen Reihe »Edition NTM« und der Zusammenarbeit zwischen dem Nationaltheater Mannheim und Label Oehms Classic bildet. Die »Edition NTM« soll wichtige Aufführungen des Nationaltheaters dokumentieren. Bereits in Planung sind Olivier Messiaens »Turangalîla-Sinfonie« (in Zusammenarbeit mit der Musikalischen Akademie), der Mannheimer »Parsifal« sowie »Elektra« von Richard Strauss. Albrecht Puhlmann, Intendant der Oper des NTM, hob hervor: »Mit ›Vespertine‹ ist es gelungen, eine Zukunftsperspektive für die Oper zu entwickeln und neben unserem Stammpublikum auch viele junge Leute zu begeistern. Umso erfreulicher ist es, dass Björks für die Oper arrangierte und vom Orchester des Nationaltheaters, seinem Chor und seinen Solisten eingespielte Musik nun auch auf CD erhältlich sein wird. Mit künftigen CD-Produktionen werden wir das Spektrum der Mannheimer Oper beleuchten und die Raritären ihres Repertoires präsentieren.«

»Vespertine« ist in der Mannheimer Opernfassung ab 12. April 2019 als CD sowie bei den bekannten Streaming- und Onlinediensten erhältlich.
Bei einer Release Party wird die CD außerdem am 11. April 2019 im Mannheimer Jazzklub »Ella & Louis« vorgestellt. Sopranistin Ji Yoon und Dirigent Matthew Toogood sorgen an diesem Abend mit einigen Auszügen aus dem Album in einer exklusiven Klavierversion für Vorfreude.

19h Livepiano /20h CD release/ im Anschluss Barbetrieb
Bar Ella & Louis, Mannheim Rosengarten

Über das Stück
Björk ist eine Künstlerin, die ihre Musik immer mit theatralischen Ideen verschränkt und sie gehört zu den experimentierfreudigsten Musikern unserer Zeit. Inspiriert von der elektronischen Musik der 90er­Jahre, erforscht sie ungehörte Klangwelten, die sie oft mit klassischen Instrumenten, Sinfonieorchestern, Chören oder volkstümlich isländischer Musik kombiniert. Eine ihrer schönsten Platten hat das Nationaltheater Mannheim 2018 für die Opernbühne adaptieren: Vespertine aus dem Jahr 2001. Mit Celesta, Harfe und Sounds von Alltagsgegenständen entspinnt sie eine feine, fast intime Klangwelt.“Vespertine“ (zu Deutsch: abendlich) ist wie die Nahaufnahme einer Frau, die von der Außenwelt abgeschnitten, auf irgendetwas wartend, neue Stufen der Wahrnehmung erreicht. Inszeniert hat die Bildwelt für die Bühne am Nationaltheater Mannheim die Regisseurin Kirsten Dehlholm und ihre Künstlergruppe Hotel Pro Forma. Charakteristisch für die Gruppe ist ihr stark konzeptueller und ästhetischer Zugriff, der weniger in der Theatertradition als in Bildender Kunst und Musik verankert ist. Damit hat Hotel Pro Forma bereits international Theatergeschichte geschrieben und Dehlholm wird als eine der wichtigsten zeitgenössischen Künstlerinnen Dänemarks geehrt. Gemeinsam mit den Arrangeuren der Himmelfahrt Scores, dem Nationaltheater­-Orchester und Sängern des Ensembles entstand „Vespertine“ als grandioses Bildertheater: Die Extreme der isländischen Landschaft, der Mensch zwischen Wissenschaft und Mythologie und psychologische Grenzerfahrungen stehen im Mittelpunkt.

Weitere Info: Nationaltheater Mannheim, Mozartstraße 9, 68161 Mannheim
www.nationaltheater-mannheim.de
Kartentelefon: 0621 – 16 80 150

art KARLSRUHE
Internationale Messe
für Klassische Moderne und
Gegenwartskunst

om 21. bis 24. Februar 2019 vereinen sich während der art KARLSRUHE 208 Galerien aus 16 Ländern in den Karlsruher Messehallen. Diese werden zum Schauplatz für Kunst aus einer Spanne von über 120 Jahren. Zusätzlich schaffen insgesamt 20 Skulpturenplätze raumgebende Situationen und laden zum Verweilen ein, kombiniert mit 120 One-Artist-Shows, die einen vertiefenden Einblick in das künstlerische Schaffen Einzelner ermöglichen. Die limitierte Anzahl an Messekojen wurde von dem Beirat der art KARLSRUHE an national sowie international renommierte Galerien vergeben.

Besucher der Art Karlsruhe (c) Bildnachweis: KMK, Fotograf: Jürgen Rösner

Kunsthistoriker bieten Führungen über die Messe an, die einen allgemeinen Überblick zur art KARLSRUHE liefern oder tiefergehende Erläuterungen zu den ausstellenden Galerien und präsentierten Künstlern vermitteln. In 2019 wird es zudem eine Führung zum Sonderthema „100 Jahre Bauhaus“ geben. Diese zeigt Arbeiten verschiedener Bauhaus-Künstler und informiert über die wegweisende Bildungsstätte, die mit ihren Ideen und in ihrer Formensprache bis heute fortwirkt.

Monica Bonvicini ist Hans Platschek Preisträgerin 2019

Seit über zehn Jahren vergibt die Hans Platschek Stiftung den gleichnamigen Kunstpreis auf der art KARLSRUHE. Dieser erinnert an den verstorbenen Maler und Schriftsteller Hans Platschek, einer der bedeutenden Vor- und Nachdenker, aber auch Kritiker künstlerischer Positionen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Monica Bonvicini, Foto Andreas Lux

Monica Bonvicini ist eine der einflussreichsten Künstlerinnen der Gegenwart und konzentriert sich in ihren Arbeiten auf sozialpolitische Gegebenheiten. Unter Verwendung unterschiedlicher künstlerischer Ausdrucksformen wie Zeichnung, Skulptur, Installation, Video und Fotografie untersucht sie Themen wie Architektur, Geschlechterrollen, Kontrolle sowie Macht und reflektiert die besondere Bedeutung von Sprache und ihrer Wirkung. Ihr Werk wurde in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellung sowie auf Biennalen auf der ganzen Welt präsentiert.
Die Arbeiten von Monica Bonvicini werden im Dialog mit ausgewählten Bildern von Hans Platschek am Stand der Stiftung in Halle 1 auf der art KARLSRUHE ausgestellt.

Loth-Skulpturenpreis wird zum zweiten Mal ausgelobt

Den mit 20 000 Euro dotierten Preis vergibt eine Fachjury auf der art KARLSRUHE 2019 an einen der insgesamt 20 Skulpturenplätze. Diese zählen zu den unverwechselbaren Eigenheiten der Kunstmesse. Mit dem Preis werden die Galerie und der Künstler gleichermaßen ausgezeichnet.

art KARLSRUHE-Preis für die beste One-Artist-Show

Seit über zehn Jahren wird jährlich auf der art KARLSRUHE der gleichnamige Preis für die beste One-Artist-Show der Messe vergeben. Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Karlsruhe würdigen damit gleichermaßen einen Künstler und einen Galeristen für die beste One-Artist-Show, welche eine Fachjury auswählt. Im Gegenwert von 15 000 Euro werden Werke aus der ausgezeichneten Einzelpräsentation für die art KARLSRUHE-Collection erworben, die die Städtische Galerie Karlsruhe verwaltet.

Sonderausstellung art KARLSRUHE 2019:
Sammlung Peter C. Ruppert – Konkrete Kunst in Europa nach 1945

Rosemarie und Peter C. Ruppert 2011 vor Kunstwerken von Heijo Hangen Foto: A. Schollenberger

Von Anfang an begeisterte sich Peter C. Ruppert für die Reduktion auf das Wesentliche, ein Merkmal konstruktiv-konkreter Kunst, die sich durch rationalen Bildaufbau und gleichzeitig überraschende Wahrnehmungseffekte auszeichnet. Mit viel Geduld und großer Fachkenntnis entstand in mehr als 30 Jahren die Sammlung „Peter C. Ruppert – Konkrete Kunst in Europa nach 1945“.

Victor Vasarely Lapidaire, 1972 Acryl auf Leinwand, Museum im Kulturspeicher Würzburg Sammlung Peter C. Ruppert – Konkrete Kunst in Europa nach 1945 Foto: Elmar Hahn, Veitshöchheim © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Auf der art KARLSRUHE 2019 werden unter anderem Werke von Künstlern wie Josef Albers, Max und Jakob Bill über Leo Erb bis hin zu Richard Paul Lohse oder David Nash gezeigt. Insgesamt umfasst die Sammlung 420 Werke – darunter Gemälde, Skulpturen, Objekte und Arbeiten auf Papier – von circa 240 Künstlern und Künstlerinnen aus 23 europäischen Ländern. Zunächst alleine und dann im Zuspiel mit Ehefrau Rosemarie stellte der 1934 geborene, in Berlin lebende Sammler eine der vielfältigsten und in ihrer Qualität europaweit einmaligen Kollektionen zur Konkreten Kunst zusammen. Zu den Besonderheiten gehören die konkrete Fotografie und Werke von Künstlern und Künstlerinnen aus Großbritannien. Als Dauerleihgabe ist die Sammlung fast vollständig in Würzburg im Museum im Kulturspeicher zu sehen.

Weitere  Informationen: www.art-karlsruhe.de

Öffnungszeiten
11 bis 19 Uhr,

Preview (nur für geladene Gäste)
20. Februar, 14 bis 21 Uhr

Veranstaltungsort: Messe Karlsruhe, Messeallee 1, D-76287 Rheinstetten

(Wieder-)Entdecken –
Die Kunsthalle Mannheim 1933 bis 1945 und die Folgen

„(Wieder-)Entdecken – Die Kunsthalle Mannheim 1933 bis 1945 und die Folgen“. Unter dieser Überschrift hat die Kunsthalle Mannheim als eines der ersten deutschen Museen ihre siebenjährige Provenienzforschung in die Sammlungspräsentation integriert.
Erstmals zeigt die Kunsthalle Mannheim damit die Ergebnisse ihrer siebenjährigen Provenienzforschung als thematische Sammlungspräsentation im Westflügel des Jugendstilbaus.  die 1909 gegründete städtische Kunsthalle bildete die Moderne im damaligen Deutschland exemplarisch ab  und fiel wie viele andere Museen der beispiellosen Zerstörung durch die nationalsozialistischen Diktatur zum Opfer. Die Präsentation wurde von Provenienzforscher Dr. Mathias Listl kuratiert. Sie veranschaulicht in einer bewegenden Erzählung über vier Galerien hinweg, welche Auswirkungen der Nationalsozialismus bis heute auf die Kunsthalle und ihre Sammlung hat – und auch auf die mit dem Museum verbundenen Menschen: Sie wurden aus Ämtern gedrängt, zur Emigration gezwungen oder ermordet. Für nicht wenige unter ihnen war und blieb die Kunsthalle eine prägende Institution, die sie liebten und förderten. Das mit dieser Präsentation abgeschlossene Langzeit- Forschungsprojekt der Kunsthalle Mannheim wurde vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert.

Franz Marc, Drei Tiere (Hund, Fuchs und Katze), 1912 Öl und Tempera auf textilem Bildträger, 80 x 105 cm, Foto: Kunsthalle Mannheim / Cem Yücetas

Die Schau beleuchtet die Folgen des Nationalsozialismus in drei Themenfeldern: 1. die nationalsozialistische Enteignungsaktion „Entartete Kunst“, 2. das Schicksal jüdischer Sammlerfamilien rund um die Kunsthalle und 3. die Provenienzforschung als fundamentales und spannendes Arbeitsfeld im Museum. Verdeutlicht werden dabei auch die teils widersprüchlichen Rollen des Mannheimer Kunstmuseums und handelnder Personen als Opfer wie als Täter sowie vom Schicksal anderer profitierender Mitläufer. Durch die 1937 durchgeführten Beschlagnahmungen „entarteter Kunst“ hat die Kunsthalle den dauerhaften Verlust von über 500 Gemälden, Skulpturen und Graphiken, darunter Schlüsselwerken der Kunstgeschichte, zu beklagen.

Max Beckmann, Tannenbaum geht nach New York, 1947, Öl auf textilem Bildträger, 95,4 x 35,9 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Kunsthalle Mannheim / Cem Yücetas

Mit der Ausstellung „Kulturbolschewistische Bilder“ verantwortete das Museum Anfang 1933 aber auch die allererste Propaganda-Ausstellung, die die Ideologie und Ästhetik der folgenden nationalsozialistischen Hetzkampagnen gegen die moderne Avantgarde definierte. Damals wurden 64 (ausgerahmte) Gemälde, 2 Plastiken und 20 Graphiken von 55 Künstlern aus der Sammlung öffentlich als „kulturbolschewistische Machwerke“ denunziert – in denselben Museumsräumen in denen sie zuvor als sorgfältig ausgewählte, neu erworbene Gegenwartskunst für Publikums- und Pressedebatten, aber auch für überregionales Aufsehen und fachwissenschaftliche Anerkennung sorgten.

Max Beckmann, Fastnacht (Pierrette und Clown),, 1925, Öl auf textilem Bildträger, 160 x 100 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Kunsthalle Mannheim / Kathrin Schwab

2011 erforscht die Kunsthalle systematisch die Herkunft aller Gemälde, Skulpturen und Graphiken in ihrem Bestand. Ziel des vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projekts ist es, die Besitzerwechsel aller vor 1946 entstandenen Objekte möglichst lückenlos zu klären. Kunstwerke, die ihre politisch oder aufgrund der Abstammung verfolgten Vorbesitzer während des Nationalsozialismus unter Druck verkaufen mussten oder die diesen geraubt oder enteignet wurden, werden identifiziert, um sie den früheren Besitzern und deren Erben zurückzugeben oder faire Lösungen für eine Entschädigung treffen zu können.

Zur Ausstelluntg ist der Katalog „(Wieder-)Entdecken – Die Kunsthalle Mannheim 1933 bis 1945 und die Folgen“ erschienen, herausgegeben von Dr. Ulrike Lorenz und Dr. Mathias Listl. (Deutsch/Englisch, 120 Seiten, ca. 90 Abb., erhältlich im Museumsshop.

Kunsthalle Mannheim, Friedrichplatz 4, 68165 Mannheim
Besucher-Tel. +49 (0)621 293-23, www.kuma.art

Öffnungszeiten: Di, Do – So, Feiertage 10 – 18 Uhr Mi 10 – 20 Uhr
1. Mi im Monat 10 – 22 Uhr, Mo geschlossen

Alle Macht den Farben
– Die Maler der BRÜCKE 1905-1914

Alle Macht den Farben: Die Maler der „Brücke“ und ihre Werke faszinieren uns bis heute durch ihre expressiven Farben und durch eine zumeist archaisch-klare Formensprache. Zur Gruppe der „Brücke“ gehörten unter anderem deren Gründer Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff sowie die 1906 hinzugekommenen Mitglieder Max Pechstein und Emil Nolde. Der „Brücke“-Expressionismus zählt heute neben der Kunst des „Blauen Reiter“ zu den wichtigsten Kunst-Bewegungen innerhalb Deutschlands und der sogenannten Klassischen Moderne des 20. Jahrhunderts. Er ist dem Fauvismus und Kubismus Frankreichs oder dem Futurismus Italiens ebenbürtig. Neben der Darstellung des Menschen in der Natur, die vor allem die frühe „Brücke“-Zeit prägt, wird der Kosmos der modernen Großstadt ein zunehmend wichtiges Thema. Immer ist der Mensch, der im Taumel der bunten Farben und kraftvollen Formen auftaucht, ein zerrissener.

Emil Nolde, Holzfigur, 1912, Bruecke-Museum Berlin (c) Nolde Stiftung Seebuell

Denn die Moderne des Jahrhundertbeginns spiegelt eine Krisenerfahrung des Ichs: Die Organisation von Massen und Arbeit im Stadtbild, Mobilität und Beschleunigung als Alltagserfahrung, moderne Technik in Wirtschaft und Militär – der Mensch muss seinen Platz erst wiederfinden. Und mit ihm seine Identität. Die Welt überschlägt sich – und erschlägt ihn beinahe. Und die Künstler des Expressionismus waren ein Teil davon. „Wovon wir wegmussten, war uns klar – wohin wir kommen würden, stand allerdings weniger fest“, erinnerte sich der Maler Erich Heckel später. Die Natur- und Landschaftsdarstellungen zeigen die Idyllen des schönen und einfachen Lebens auf dem Lande, das Freisein von Zwängen, das sich oft auch im Nacktsein und erotischen Begegnungen äußert. Auf der anderen Seite ist da das Eintauchen in das moderne Großstadtleben mit seiner Betriebsamkeit, den Vergnügungen des Nachtlebens, aber auch seinen Abgründen.

Max Pechstein, Das gelbschwarze Trikot 1910, Bruecke-Museum Berlin (c) Pechstein, Hamburg-Toekendorf

Inmitten steht der Mensch, der Einzelne – dessen Stimmungen und Gefühle drücken die Maler durch Farben wie Rot, Blau oder Gelb aus. Überhaupt ist die Loslösung der Farbe von ihrer ursprünglichen Zugehörigkeit eine der Charakteristika des Expressionismus und löste bei Zeitgenossen oft Unverständnis und Ablehnung hervor. Bilder werden plötzlich zu Psychogrammen, die nicht länger nur „schön“ sein, sondern aufrütteln, ja schockieren wollen. Jene Zerrissenheit als Existenzerfahrung spiegelt sich auch in der Baden-Badener Ausstellung wider. Sie breitet den ganzen Kosmos der „Brücke“-Welt(en) aus: Von der Sehnsucht nach einer harmonischen Naturerfahrung, in der der Mensch – oft als Akt dargestellt – ganz aufgeht, bis zum Verlorensein desselben in einer übermächtigen Großstadterfahrung, in einer Moderne, die seine Sinne bis aufs Äußerste reizt und strapaziert. Zudem hinterließen andere zeitgenössische Kunstströmungen unterschiedliche Eindrücke auf die „Brücke“-Künstler. Die Begegnung mit dem Kubismus wirkte vor allem bei Heckel, der zu seinem „kristallinen“ Stil fand, während Kirchner auf die Stilelemente des Futurismus reagierte. Ebenso war die Großstadtlyrik der expressionistischen Dichter von wesentlicher Bedeutung. 1913 entstanden Kirchners erste Berliner Straßenszenen, die ersten Bilder der modernen Großstadt schlechthin. Mit diesen Werken erreicht Kirchner 1914 seinen künstlerischen Höhepunkt und bildet damit gleichzeitig den Abschluss des „Brücke“-Expressionismus – sowie der Ausstellung.

Karl Schmidt-Rottluff, Sinnende Frau 1912, Bruecke-Museum_Berlin (c) VG Bildkunst Bonn 2018

Die Ausstellung dokumentiert den Prozess der künstlerischen Annäherung aller beteiligten Maler aneinander, die sich in der Ausprägung eines fast identischen Stils ausdrückt. Sie zeigt aber auch jene Phase des Auseinanderdriftens, in der jeder zu seinem individuellen Stil (zurück-)findet und der schließlich 1913 zum Auseinanderbrechen der Brücke als Künstlervereinigung führte.

Adresse
Museum Frieder Burda
Lichtentaler Allee 8 b
76530 Baden-Baden
Telefon 07221 39898-0
www.museum-frieder-burda.de

Deuces –
8 Duos. 8 Uraufführungen.

Das gab es noch nie bei Gauthier Dance – eine Produktion, die fast ausschließlich im Ausland entstand. Und auch das gab es noch nie bei Gauthier Dance – eine Produktion mit gleich acht Uraufführungen internationaler Star-Choreographen, von denen die meisten schon lange auf Eric Gauthiers Wunschliste standen. Natürlich hängt beides miteinander zusammen. Denn da es aussichtslos schien, die Vielbeschäftigten zeitgleich für die Kreation nach Stuttgart zu holen, hat Eric Gauthier den Spieß einfach umgedreht und ließ seine Tänzerinnen und Tänzer im Januar und Februar nach ganz Europa ausschwärmen. Zwei der acht Künstler haben schon direkt mit der Company gearbeitet, die anderen sechs freuen sich sehr auf das Kennenlernen.

Plakatmotiv zu Deuces, Foto Maks Richter

Die Deuces-Choreographen im Überblick:
Nacho Duato –
Proben in Madrid: Ein Duo des spanischen Meisterchoreographen zählt bereits zu den Publikumslieblingen im Repertoire von Gauthier Dance: VIOLONCELLO, der poetische Pas de deux aus Duatos legendärer J.S. Bach-Hommage Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere, der die Tänzerin in das Instrument, den Tänzer in den Cellisten verwandelt. Nun wird der frühere Chef der Compañía Nacional de Danza sowie des Berliner Staatsballetts und derzeitige Hauschoreograph des Michailowski-Theaters St. Petersburg erstmals für Gauthier Dance kreieren.
Roni Haver & Guy Weizman –
Proben in Groningen (Niederlande): Das preisgekrönte Choreographenpaar begann seine Karriere bei der „Mutter aller israelischen Ensembles“, der Batsheva Dance Company in Tel Aviv. Nach Stationen in Belgien, Spanien und den Niederlanden gründeten sie ihre eigene Kompanie Club Guy & Roni in Groningen, die für ihre konsequent interdisziplinäre Arbeit gerühmt wird. In Deutschland wurden sie vor allem durch ihre Residenzen beim Staatstheater Mainz und dem Oldenburgischen Staatstheater bekannt.
Rui Horta –
Proben in Montemor-o-Novo (Portugal): Choreograph und Multitalent Horta hat sich auch als Bühnenbildner, Licht-Designer, Film- und Opernregisseur einen Namen gemacht. Tanzstücke kreierte er unter anderem für das Cullberg Ballett, das Ballett Gulbenkian, das Nederlands Dans Theater sowie in Residenzen am Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt und Muffatwerk München. Mit dem O espaço do Tempo in einem Kloster aus dem 16. Jahrhundert leitet er seit 18 Jahren DAS multidisziplinäre Research-, Residence- und Produktionszentrum für zeitgenössischen Tanz in Portugal.
Barak Marshall –
Proben in Tel Aviv: Gebürtig aus Los Angeles, teilt Barak Marshall seine Zeit zwischen LA und Israel. Heute arbeitet er für Topkompanien auf der ganzen Welt. Dabei sah es nach einem schlimmen Beinbruch mehrere Jahre lang so aus, als würde sich der damalige Hauschoreograph der Batsheva Dance Company komplett vom Tanz verabschieden. Künstlerisch umzusatteln wäre ihm nicht schwergefallen: Marshall ist im zweiten Leben Sänger, für Klassik und die Musik des Nahen Ostens, und stand unter anderem mit Yo-Yo Ma und dessen Silk Road-Ensemble auf der Bühne.
Richard Siegal –
Proben in Madrid: Der bekennende Avantgardist und Wanderer zwischen den Disziplinen zählt zu den derzeit höchst gehandelten Choreographen. Mit seinem 2016 gegründeten Ballet of Difference mit Doppelsitz in Köln und München feiert der längst europäisierte US-Amerikaner Freiheit und Vielfalt jenseits von sexuellen, politischen oder sozialen Festschreibungen. Sein Duo für Gauthier Dance packt er zwischen gleich zwei Beiträge zum Festival BAUHAUS 100 und eine neue Kreation für Balanchine | Forsythe | Siegal, ein Programm des Berliner Staatsballetts.
Ed Wubbe –
Proben in Rotterdam: Es sind Choreographen wie Ed Wubbe, die die Niederlande zum Mekka des zeitgenössischen Tanzes gemacht haben. Der langjährige, vielfach preisgekrönte Direktor des Scapino Ballett Rotterdam ist berühmt für seine stark musikalisch geprägten Stücke, die inspiriert sind von großen Werken des europäischen Kulturerbes und die klassische und moderne Elemente zu einer unverwechselbaren eigenen Handschrift verschmelzen.
Mauro Bigonzetti –
Proben in Fano (Italien): Der langjährige Künstlerische Leiter von Aterballetto hat den zeitgenössischen Tanz in Italien geprägt wie kein anderer. Mit Gauthier Dance hat er schon mehrfach und sehr erfolgreich zusammengearbeitet. Cantata, seine leidenschaftliche Hommage an die Musik und die Menschen aus dem äußersten Süden Italiens, wurde zu einem der beliebtesten Stücke im Repertoire der Company. Eigens kreiert für Gauthier Dance waren der Pas de deux Pietra Viva und vor allem das visuell überwältigende, abendfüllende Ballett Alice nach Lewis Carroll.
Marco Goecke –
Proben in Stuttgart: Marco Goecke und Gauthier Dance verbindet eine Beziehung, über die man nicht mehr viel zu sagen braucht. Nach dem umjubelten Solo I Found a Fox für Eric Gauthier, dem inzwischen als Klassiker geltenden NIJINSKI und zuletzt Infant Spirit für den Tanzabend Grandes Dames kreiert der weltweit gefragte Choreograph das neue Duo für Deuces erstmals in seiner Funktion als Artist-in-Residence für Gauthier Dance. Das Theaterhaus Stuttgart und die Company sagen: Willkommen, Marco! (Pressetext: Nikola Steller)

Ort: Theaterhaus Stuttgart, T2
Tanzprofil am Montag, 11. März 2019 um 19:30 Uhr

Theaterhaus Stuttgart, T1
Premiere am Samstag, 16. März 2019 um 20:00 Uhr / Sonntag, 17. März 2019 um 14:00 Uhr & 19:00 Uhr / Mittwoch, 20. März 2019 / Donnerstag, 21. März 2019 / Freitag, 22. März 2019 / Samstag, 23. März 2019 – jeweils um 20:00 Uhr / Sonntag, 24. März 2019 um 19:00 Uhr

Künstlerische Leitung/Choreograph: Eric Gauthier
Ballettmeisterinnen: Louisa Rachedi, Federica Dadamo, Alexandra Brenk
Company Coach: Egon Madsen
Künstlerische Koordination Bühne und Kostüme: Gudrun Schretzmeier
Technische Produktionsleitung: Mario Daszenies
Produktionsleitung: Lisa Beck
Tanz: Douglas de Almeida, Bruna Andrade, Louiza Avraam, Nora Brown, Sandra Bourdais, Anneleen Dedroog, Maurus Gauthier, Rosario Guerra, Réginald Lefebvre, Nicholas Losada, Joana Martins, Alessio Marchini, Barbara Melo Freire, Garazi Perez Oloriz, Jonathan dos Santos, Robert Stephen, Sidney Elizabeth Turtschi, Theophilus Veselý

Mehr Informationen: www.theaterhaus.com

ECLAT Festival
neue Musik Stuttgart

„Alles wird auf den Prüfstand gestellt: die Konzertformate, die Räume, die Medien, künstlerische Ikonen, das Klavier, das Publikum. Aber auch unser Wirtschaftssystem“, sagt die künstlerische Leiterin von ECLAT Festival Neue Musik Stuttgart, Christine Fischer. Und weiter: „In der Zeit vom 6. bis 10. Februar 2019 wird in allen Sälen vom Theaterhaus Stuttgart zu erleben sein, welche Querverbindungen in alle Gesellschaftsbereiche hinein heute von der Musik hergestellt werden. Denn die 26 Komponistinnen und 24 Komponisten, die zu ECLAT 2019 eingeladen sind, arbeiten ausgeprägt interdisziplinär, d.h. sie bedienen sich intensiver denn je der „sprachlichen“ Charakteristika anderer Künste und rufen auf zum künstlerischen wie gesellschaftlichen Perspektivenwechsel. Nicht zuletzt steht hinter jedem dieser Werke – darunter 37 Uraufführungen – ein Narrativ, ein Experiment, eine Sehnsucht, eine Utopie, eine riskante Idee. Wir sind gespannt auf einen außergewöhnlich großen Querschnitt von zeitgenössischer Musik-Kunst.“

Klangforum Wien, Foto: Lukas Beck

Eröffnet wird das Festival vom Klangforum Wien mit dem Preisträgerkonzert zum 63. Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart. Einer Ouvertüre gleich steht dieses Konzertprogramm exemplarisch für das, was in ECLAT 2019 wichtig ist, sei es die politische Position, die Mirela Ivičević in Case Black einnimmt, die Klang-Ausleuchtung, die der junge Augustin Braud in seinem Kontrabasskonzert zelebriert, oder das Hör-Theater, das sich in den beiden sehr unterschiedlichen Werken der Kompositionspreisträger Ondřej Adámek und Ole Hübner aus der Musikalität von Sprache entspinnt.
6.2. 20:00

Mit seinem Projekt Happiness Machine – 3 Stunden Glück mit dem Klangforum Wien bringt das Ensemble ein ebenso brisantes wie hochaktuelles Thema ins Festival ein: Zehn Animationsfilmerinnen und 10 Komponistinnen nehmen künstlerisch Stellung zu der Idee der Gemeinwohl-Ökonomie des österreichischen Autors und Polit-Aktivisten Christian Felber. In der Inszenierung der Werke schaffen Musiker*innen und Mitarbeiter*innen des Klangforum Wien durch persönliche Testimonials „Raum für das Nachdenken und die Diskussion über eine (menschen)gerechtere Wirtschaftsordnung als es jene ist, deren Kollateralschaden gerade die Polkappen abschmelzen lässt.“ Den Epilog gestaltet die Trägerin des Ernst von Siemens Musikpreises 2019, Rebecca Saunders.
8.2. 19:00

„3 Stunden Empathie mit den Neuen Vocalsolisten“ könnte man deren experimentelles Projekt CIRCLES – Gemeinschaft zwischen Spiel und existentieller Erfahrung überschreiben. Ricardo Eizirik, Alessandro Bosetti, Antje Vowinckel, Huihui Cheng, Hannes Seidl, Martin Schüttler sowie Alexander Schubert stellen Ensemble und Publikum in immer neuen Konstellationen einander gegenüber und erfinden dafür diskursive, partizipative oder auch pur konzertante Situationen, „zeichnen“ Bilder von Spiel- oder Gesprächsrunden, von Hausmusik oder Gruppentherapie. Ein großes musikalisches Plädoyer für das Zuhören und für gegenseitige Aufmerksamkeit.
7.2. 19:30 und 8.2. 15:30

Ebenfalls mit den Neuen Vocalsolisten werden die sogenannten Privatopern weiterentwickelt, die im Juni 2018 in Kooperation mit der Münchener Biennale entstanden und dort uraufgeführt worden sind. Der Countertenor Daniel Gloger gewährt einen Einblick in sein selbstoptimiertes Künstler-Dasein (Up close and personal, 8.2. 17:00 und 22:00). Clara Iannotta verfeinert ihr Konstrukt einer hermetisch abgeschotteten Welt, aufgeladen mit subtilen Klängen (skull ark, upturned with no mast, 8.2. 22:00). Und Saskia Bladt evoziert in ihrer „Musik in Szenen“ unter dem Titel terra nera einen mittelalterlichen Grals-Mythos.
10.2. 14:30

Und auch das SWR Vokalensemble ist zweimal im Festival zu hören: Zusammen mit dem Raschèr Saxophone Quartet und dem Badischen Jugendchor widmet es sich in Werken von Michael Pelzel, Bernhard Gander und Christian Wolff dem poetischen Thema „Hexen, Elfen und Menschen“. 9.2. 18:00
Darüber hinaus ist das SWR Vokalensemble in das Abschlusskonzert des SWR Symphonieorchesters eingebunden mit Werken von Vykintas Baltakas, Christian Winther Christensen und Vito Žuraj. Für dessen das Festival abschließendes Werk Der Verwandler wurden eigens von der Porzellanmanufaktur Meissen Porzellanglocken hergestellt.
Beide Konzerte bringt der SWR im Rahmen seiner Reihe JetztMusik ins Festival ein.
10.2. 18:30

Einen sehr besonderen, fast nostalgisch anmutenden Liederabend bringt die Oslo Sinfonietta mit Eivind Buenes Schubert Lounge zur Uraufführung. Franz Schubert wird hier als „Singer-Songwriter“ imaginiert. Seine Lieder werden zur Projektionsfläche eines einzigartigen Encounters von drei denkbar unterschiedlichen Gesangspersönlichkeiten: dem Liedbariton Halvor F. Melien, der Chanson- und Theater-erfahrenen Tora Augestad und dem Pop-Liebhaber Eivind Buene selbst.
9.2. 21:00

Impossible Situations zu erfinden haben Karin Hellqvist (Violine) und Heloise Amaral (Klavier) die Komponisten*innen Lars Petter Hagen, Alberto Bernal, Kristine Tjøgersen, Øyvind Torvund und Lisa Streich eingeladen: ein ebenso melancholisches, klangsinnliches wie spielerisch-freches Projekt.
9.2. 15:30

Das Ensemble ascolta stellt mit Kammermusik von sechs sehr jungen Komponist*innen, darunter Mikel Urquiza, Milica Djordjevic und der sehr jungen Hristina Šušak, wie so oft in ECLAT seine außergewöhnliche Experimentierfreude und Virtuosität unter Beweis.
10.2. 16:30

Ebenfalls ausgeprägt experimentell angelegt sind die drei Nacht-Sessions mit den Klangkünstlerinnen/Performerinnen Andrea Neumann, Sabine Ercklentz und Ute Wassermann (Trio N.E.W.).
7., 8. und 9.2., jeweils 23:00

In der installativen Performance at close quarters von dem Komponisten Philipp Krebs und der Pianistin Neus Estarellas ist zu erleben, wie ein Klavier buchstäblich die Hass-Liebe eines Komponisten über sich ergehen lassen muss.
9.2. 14:45 bis 23:00

Ebenfalls im Rahmen einer interaktiven Installation erkunden Lara Hampe (Schriftstellerin/Medienkünstlerin) und Vera Sebert (Medienkünstlerin) unter dem Titel Tiefenschärfe einer neu betretenen Fläche. Zwischen digitalem und realem Raum die Wechselwirkungen unseres Handelns mit computergenerierten Prozessen.
9.2. 15:00 bis 23:00
ECLAT Festival Neue Musik Stuttgart ist ein Festival von Musik der Jahrhunderte

Tickets
+49 (0)711 / 40 20 720,  tickets@theaterhaus.com, www.theaterhaus.com

Danielle Zimmermann –
Heute schon gepopt?

Danielle Zimmermanns Arbeiten könnten Hochglanzmagazinen entnommen sein, denn sie führen uns in die Welt des schönen Scheins. Sie zeigen aber auch, dass dieser Schein ein trügerischer ist. Ihre Arbeiten entstehen nicht auf Leinwand, sie nutzt Plastiktüten, Kartonagen aus dem Supermarkt. In Pop-Art-Manier zeigen sie die harte Werbe-Realität, den Kommerz und nicht zuletzt schlicht und einfach das Plastik-Abfall-Problem. Ein schöner Nebeneffekt: Durch die Verwendung von Plastiktüten, Kartonagen und anderen Gebrauchsstoffen führt die Künstlerin vor, wie das, was von anderen als Müll einfach weggeworfen wird, Basis für echte Schönheit werden kann.



Danielle Zimmermann wurde 1974 in Hechingen geboren. Sie studierte Bildende Kunst und Intermediales Gestalten an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (ABK) sowie Computer Grafik und Interaktive Medien am Pratt Institut in New York. Sie gewann zwei Mal den Akademiepreis der Kunstakademie Stuttgart und den 1. Preis des Fraunhofer IPA Kunstwettbewerbs.Regelmäßig stellt sie in Galerien, Kunstvereinen aber auch in Bildungseinrichtungen und Technologiezentren aus. Danielle Zimmermann arbeitet und lebt in Stuttgart. Mehr unter www.danielle-zimmermann.com

Dauer der Ausstellung: 12.01.2019 bis 08.02.2019 in der
Galerie von Braunbehrens Stuttgart, weitere Informationen:
www.galerie-braunbehrens.de

Watch the Movie:  arsmondo besuchte die Ausstellung „Heute schon gepopt“  in der Galerie von Braunbehrens . Produzenten: arsmondo & ZimmermannFilm