Friedemann Vogel

Er ist gefeierter Solist am Stuttgarter Ballett, ein begehrter Gast an vielen Theatern und – ja, dass darf man in aller Bescheidenheit konstatieren – ein Weltstar! Vor kurzem wurde Friedemann Vogel von der Zeitschrift Tanz zum Tänzer des Jahres 2019 ernannt. arsmondo hat mit dem gebürtigen Stuttgarter über seinen Werdegang, seine Arbeitsauffassung und seine Vorlieben, über Rollen, Orte und Menschen gesprochen.

Foto: Carlos Quezada

Sie werden derzeit in Stuttgart für Ihre Rolle in „Mayerling“, dem Handlungsballett von Kenneth MacMillan stürmisch gefeiert.
Es erzählt das tragische Leben und Sterben des letzten Thronfolgers Rudolf im Kaiserreich Österreich des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die Rolle gilt in jeder Hinsicht als extrem schwierig. Wie haben Sie sich auf das Stück vorbereitet?

Für „Mayerling“ hatten wir drei Monate intensive Probenarbeit. Wir hatten dafür sogar ein separates Studio, ein abgeschottetes Resort, in dem wir uns intensiv auf unsere Rollen vorbereitet konnten. Ich habe sehr viel über Rudolf gelesen, mir Verfilmungen angeschaut, Bücher gelesen – zudem gibt es ja so viele Geschichten und Gerüchte, die sich um ihn und seinen Tod ranken. Auch mit den politischen Verhältnisse jener Zeit in Österreich und zur Habsburger Monarchie habe ich mich beschäftigt. Ich habe mich gefragt, wie es ist, als Thronfolger zur Welt zu kommen, in eine lieblose und strenge Welt voller Zwänge, Erwartungen und Pflichten. Rudolf war ein eher sensibler und musischer Mensch und ist an dieser Diskrepanz gescheitert und zerbrochen. Ich wollte seine Persönlichkeit durchdringen, indem ich viel über ihn erfahre und dadurch verstehe, wie er zu dem Menschen wurde. Dazu habe ich mich in ihn hinein zu versetzen versucht, wie er fühlte und welche Haltung er nach außen hin hatte. Ich habe versucht, diesen Keim auch in mir zu finden.

Szene aus „Mayerling“, Foto: Roman Novitzky
Szene aus „Mayerling“ /Choreografie von Kenneth MacMillan mit Elisa Badenes, Friedemann Vogel © Stuttgarter Ballett
Szene aus „Mayerling“ – Choreografie: Kenneth MacMillan, Tänzer/Dancer: Elisa Badenes, Friedemann Vogel
© Stuttgarter Ballett

Wie gelang Ihnen der Zugang zu Rudolfs komplexer Gefühlswelt – nicht nur als Tänzer, sondern auch als Darsteller?
Das Stück ist wie eine Spirale aufgebaut, die sich langsam nach unten dreht – eine Art Abwärtssog. Da muss man emotional voll einsteigen und bis zum Ende der Vorstellung drin bleiben: körperlich und mit allen Sinnen. Als Tänzer ist natürlich das Körperliche der erste Schritt, um in die Gefühlswelt und in den Charakter einer Rolle einzutauchen – man verinnerlicht also über die Bewegung. „Mayerling“ erzählt die Geschichte Rudolfs vor allem auch durch seine Beziehungen zu den Frauen, die ihm nahestanden. Es gibt insgesamt acht Pas-de-deux – so viel wie in keinem anderen Stück –, die die unterschiedlichen Beziehungen charakterisieren. Rudolf ist fast die ganze Zeit auf der Bühne – das ist schon ein Kraftakt, mental und körperlich, in den man hineinwachsen muss. Am Abend der Aufführung kommt es dann jedes Mal zu einzigartigen Begegnung mit meinen Tanzpartnerinnen, es geht um die Tagesform – kein Moment auf der Bühne wiederholt sich emotional. Das heißt, man muss aus dem Moment heraus reagieren, auch wenn man alles geprobt hat, muss man dann aus dem Gefühl heraus agieren – keine Sprünge mehr analysieren, sondern voll und ganz dem Körper vertrauen und loslassen. Nur so kann man eine solche Rolle und ihre Entwicklung auch überzeugend und folgerichtig aufbauen.

Ist das auch bei anderen Rollen in Handlungsballetten so?
Ja, nehmen wir zum Beispiel den Romeo in „Romeo und Julia“: Diese Rolle zu tanzen, ist körperlich auch sehr anstrengend. Aber im Unterschied zu Rudolf gibt die Rolle viel Liebe und Leidenschaft – da kommt also Energie zurück. Bei „Mayerling“ ist es ein Kampf, ein permanentes Ringen. Cranko, Neumeier, McMillan – sind für mich Genies – wahre Meister des Erzählens – sie haben ein intuitives Bewusstsein für die Geschichten, die sie erzählen wollen und entwickeln daraus ihre Choreografien. Bei McMillans Stück gibt es sehr viele Einzeldrehungen und die dann auch noch auf einem Bein – da geht es um Balance, um Gewichtsverteilung. Das muss man sich körperlich hart erarbeiten und man hat zahlreiche Phasen und Momente, die viel Kraft kosten.
Das Tanzen im Kostüm ist eine weitere Herausforderung – wobei die Enge und Schwere der Stoffe auch helfen, sich selbst zurückzunehmen und in die Rolle zu finden. Die Premiere von „Mayerling“ und auch die Vorstellungen bisher habe ich dann aber wirklich genossen, weil ich in die Rolle hineingewachsen bin. Dazu kam das Publikum, das extrem mitgegangen ist – das fühlst Du auf der Bühne und das trägt Dich. Was die Rolle mir tatsächlich abverlangt hat, habe ich allerdings erst bemerkt, als ich eine Woche nach der Premiere den Albrecht in „Giselle“ in Zürich getanzt habe – das fühlte sich plötzlich ganz leicht an – pure Romantik – fast schon schwerelos.

Friedemann Vogel in Romeo und Julia, Choreografie: John Cranko. Julia: Alicia Amatriain, Foto: Stuttgarter Ballett

Orte, Menschen, Rollen – Meilensteine Ihrer Entwicklung?
Sie stammen aus Dettenhausen, einem kleinen Ort zwischen
Tübingen und Stuttgart. Ihre Eltern sind keine Künstler.
Wie wurden Sie zu dem, der sie sind?
Gute Frage…Ich weiß nur, dass ich schon als kleines Kind immer tanzen wollte. Mein elf Jahre älterer Bruder war bereits Tänzer, er war u.a. auch Erster Solist beim Stuttgart Ballett und hat mich von klein auf in viele Vorstellungen mitgenommen. Als Kind habe ich so alle wichtigen Ballette gesehen von Schwanensee bis hin zu Onegin und natürlich auch viele Ballettabende. Ich hatte das Glück, dass ich alle körperlichen Voraussetzungen mitbrachte, die man für den klassischen Tanz braucht.
Entscheidend für mich und meinen weiteren Weg waren dann meine Ausbildung in der John Cranko Schule hier in Stuttgart und das Stipendium an der Académie Princess Grace in Monte Carlo. Marika Besobrasova aus Monte Carlo habe ich viel zu verdanken. Sie war eine berühmte russische Ballettlehrerin, die mit großen Tänzern wie z.B. Nurejew gearbeitet hat. Sie hatte einen ganzheitlichen Lehransatz und sah den ganzen Menschen. Wir Schüler lernten bei ihr nicht nur klassisches Ballett, sondern auch Yoga, Ausdruckstanz, Schauspiel, richtig zu atmen und Improvisation. Sie hat uns gezeigt, wie man auf der Bühne neben Tanzen auch richtig geht. Wissen Sie, als Romeo läuft man anders als in der Rolle des Onegin oder Siegfried, auch das prägt eine ganze Rolle. Sie war in jeglicher Hinsicht formend und hat mir gezeigt, wohin meine Reise führen könnte – übrigens auch privat. Ich war oft bei ihr zu Besuch und habe ihr geholfen, Einladungen vorzubereiten. Von ihr habe ich gelernt, wie man mit Menschen umgeht. Außerdem hat sie mich schon ganz früh allein zu Wettbewerben geschickt. Ich musste alles organisieren, von den Kostümen bis hin zur musikalischen Begleitung. Das war eine Vorbereitung für mein Leben, denn so wurde ich selbstständig. Da ich schon früh in meiner Karriere gastiert habe, kam ich auf Reisen immer gut allein zurecht. Ich brauche bis heute keinen Agenten, der das für mich regelt.

Friedemann Vogel in Onegin, Choreografie: John Cranko,
Foto: Stuttgarter Ballett

Was Rollen betrifft, so war Onegin für mich sicher einer der Meilensteine – ich glaube für viele Tänzer, inklusive mir selbst, ist das ein nahezu heiliges Stück – es stand immer ganz weit oben auf meiner Wunschliste. Vor ein paar Jahren sagt Reid Anderson (Stuttgarter Intendant bis 2018): „Jetzt bist Du bereit, auch den Onegin zu tanzen“. Das war eine Sternstunde für mich. Da hat sich ein Traum erfüllt und zwar genau zum richtigen Zeitpunkt. Ich hatte die Rolle bis dahin bereits von vielen Tänzern gesehen… – doch in diesem Moment fühlte ich mich tatsächlich selbst reif dafür, Onegin meine ganz eigene Persönlichkeit zu geben.

Sie haben in Ihrem bisherigen Tänzerleben alles erreicht – jetzt sind Sie vierzig Jahre alt. Was würden Sie sich für Ihre Bühnen-Karriere noch wünschen?
Ein ganz neues Ballett zum ersten Mal zu tanzen. Am liebsten ein Handlungsballett. Eine Geschichte zu erzählen – etwas komplett neu aufbauen, was noch nicht da ist, das wäre mein Traum.

Sie sind viel unterwegs gastieren auf der ganzen Welt…
Ja, ich gastiere viel, aber ich bin nicht der Typ, der einfach kommt und tanzt. Ich will meine Tanzpartnerinnen und -partner kennenlernen, gemeinsam proben.

Was darf in ihrem Gepäck nie fehlen?
Meine Ballettschuhe und -trikots, Trainingssachen – seit einmal mein Koffer nicht ankam, packe ich die immer ins Handgepäck. Der Verlust war richtig schlimm für mich. Gerade an anderen Orten will ich meine eigenen Sachen haben und tragen – und meine Ballettschuhe sind mein wichtigstes Werkzeug!

Künstler, die Sie bewundern?
Menschen im allgemeinen und zwar diejenigen, die eine innere Kraft und Stärke ausstrahlen, die Visionen haben, diese unbeirrt verfolgen und andere dafür begeistern können. Solche Menschen bewundere ich und kann ihnen stundenlang zuhören.

Dinge, die Ihnen wichtig sind?
Nichts Materielles – es gibt eigentlich keine Gegenstände, an denen ich so hänge, dass ich sie unbedingt auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Es sind eher Erlebnisse und Menschen.
Ich habe in China einmal verzweifelt nach Wasser mit Kohlensäure gesucht – das gibt es dort so gut wie nicht. Und ich trinke gerne guten Kaffee… Es sind eher die ganz normalen Dinge, an denen ich hänge, die einem Vertrautheit und Heimat vermitteln und die mir dann fehlen, wenn sie plötzlich mal nicht da sind.
Landschaften oder Städte, die Ihnen in Erinnerung bleiben?
Ich liebe Italien. Ich arbeite viel in Rom und Mailand. Diese Städte zu erkunden, durch die alten Gassen und entlang wunderbarer Bauwerke zu schlendern, das liebe ich. Ebenso wie mit Leuten aus der Compagnie nach Proben und Vorstellungen noch essen zu gehen. Wichtiger aber als die Städte selbst sind für mich die Tanzcompagnien. Zum Beispiel Helsinki – für mich keine sonderlich schöne Stadt – aber das Tanzen war großartig und die Menschen erst, da bleiben dann andere schöne Erinnerungen.

Bringen Sie von Ihren Reisen auch gerne etwas mit?
Früher ja, heute eher weniger – aber ich hatte mir aus China einmal ein antikes Pferdegeschirr mitgebracht. Das hat mich fasziniert – obwohl ich ja weder reite, noch ein Pferd habe…

Das absurdeste Verrückteste, das Ihnen je auf Reisen passiert ist?
Da fällt mir spontan Japan ein, weil es in diesem Land so viele Extreme gibt. Einerseits sind die Japaner ja verrückt nach Klassik – egal ob Ballett oder Musik. Dann fährt man andererseits aber mit der Metro und kommt sich vor wie in einem virtuellen Raum – du siehst Menschen als Puppen und Comicfiguren verkleidet – überall leuchten Neonfarben, laute Musik und überall Technik – die totale Reizüberflutung. Dann wieder betritt man eine kleine Seiten-straße und stößt auf ein uraltes historisches Sushi-Restaurant und an der nächsten Ecke warten bereits wieder computergesteuerte Kraken-Arme, die Spielzeuge aus einem Automaten fischen.

Stuttgart ist für Sie…
Ganz klar: Stuttgart ist meine Heimat.

Wo könnte man Sie hier treffen?
Ich bin gerne in der Stadtmitte mitten drin. Ich wohne am Eugensplatz, das ist mein Revier – von dort aus kann ich zu Fuß ins Theater gehen. Ich gehe gerne in den Mineralbädern in Bad Cannstatt schwimmen. Und ich mag die schwäbische Küche, am liebsten Maultaschen mit Kartoffelsalat, Schnitzel mit Pommes oder Käsespätzle – ganz einfach, schwäbische Hausmannskost.

Wie entspannen Sie? Wo und wie können Sie am schnellsten
abschalten?
Entspannung ja, abschalten muss ich nicht! Ich habe mit dem Tanzen das gefunden, was mich ausfüllt und glücklich macht. Ich habe auch nie richtig lange Urlaub gemacht. Ich liebe die Natur, gehe gerne in den umliegenden Wäldern rund um Stuttgart laufen. Ich höre gerne Musik, nichts Spezielles; es kommt auf meine Stimmung an, reicht aber von Elektronik bis zu Gustav Mahler. Musik als Dauerberieselung ist dagegen nicht mein Ding, weder auf Reisen, noch in Hotels oder beim Kochen. Denn ich mag es auch, wenn es einfach mal ganz ruhig ist – dann genieße ich einfach die Stille.

Szene aus „Kaash“ (c) )Stuttgarter Ballett

Wie lautet Ihr Credo?
Das müssten Sie eigentlich andere fragen…(lacht). Ich versuche authentisch zu sein, Dinge zu akzeptieren, wie sie sind. Ich glaube, jeder Mensch sollte das, was ihn besonders macht, zuerst in sich selbst suchen, nicht zu sehr im Außen. Seiner Umgebung und sich selbst nichts vorzuspielen – akzeptieren wer man ist.

Wie finden Sie auch in schwierigen Zeiten zu sich?
Ich bin kein Analytiker. Meine Bewältigung ist die Bewegung, das Tanzen – das macht mich stark. Wenn ich einen schwierigen Termin habe oder ein Problem lösen muss, dann hilft es mir, in die Bewegung, in die körperliche Aktion zu gehen – das ist mein Ausgleich. Nach der körperlichen Erschöpfung kann ich dann meistens klarer denken.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Claudia Fenkart-Njie


Mehr über Friedemann Vogel und das Stuttgart Ballett…

Am Württembergischen
Staatstheaterin Stuttgart»
bleibt alles anders«.

Alle drei Sparten starten zum ersten Mal in der Geschichte des traditionsreichen Hauses in eine neue Intendanz: für das Schauspiel verantwortet Burkhard C. Kosminski, für die Oper Viktor Schoner und das Ballett Tamas Detrich. Zudem wurde Cornelius Meister zum neuen Generalmusikdirektor berufen.
Das ist ein willkommener Anlass für eine spartenübergreifende Koproduktion. Das Herzstück dieser Inszenierung in der Regie von Anna-Sophie Mahlerbilden sind »Die sieben Todsünden« von Kurt Weill und Bertolt Brecht.

Die OPER stellt statt Antworten Fragen an den Beginn dieser neuen Intendanz: Ausgehend von »Lohengrins« verstörend absolutem Frageverbot über seine Herkunft (Inszenierung: Árpád Schilling) sollen mit den Neuproduktionen Fragen gestellt werden – philosophische, naive, persönliche. »Es ist der Versuch, die komplexen Zusammenhänge unserer Gegenwart mit der wunderbaren Kunstform Oper zu erforschen; der Versuch einer Differenzierung – auch als Reaktion auf vereinfachende Antworten«, so Viktor Schoner.

Viktor Schoner und Cornelius Meister (c) Matthias_Baus

Die Opernpremieren, davon ein Gastspiel, schlagen den Bogen von der Frühklassik bis ins Jahr 2018. Daneben stehen 17 Opern des Repertoires auf dem Spielplan.
Am Vorabend zu Allerheiligen, am 31. Oktober 2018, stellen Alain Platel und Fabrizio Cassol mit der zweiten Saison-Premiere »Requiem pour L.« die Frage: »Wohin gehst du?« In dieser musikalischen Überschreibung von Mozarts »Requiem« befragen 14 Musikerinnen und Musiker aus Afrika und Europa Mozarts Fragment gebliebenes letztes Opus aus einer globalen Perspektive.
Am Sonntag, 2. Dezember 2018 feiert Sergej Prokofjews »Die Liebe zu drei Orangen« in deutscher Sprache als Familienproduktion Premiere im Opernhaus: Axel Ranisch, der als Independent-Filmemacher, Tatort-, Löwenzahn-, Theater- und Opernregisseur arbeitet und gerade seinen ersten Roman veröffentlicht hat, wird das Werk als skurril-farbenfrohe Märchenoper in Szene setzen und damit die Frage stellen »Worüber lachst du?«.
Zwei Werke aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägen die Premieren im Frühjahr 2019: Generalmusikdirektor Cornelius Meister leitet am 17. März 2019, die Neuproduktion von Hans Werner Henzes »Der Prinz von Homburg« nach Heinrich von Kleists gleichnamigem Drama über Disziplin, Gehorsam und Träumerei. Die im Zeitalter von Fake News, der vermeintlichen medialen Falschinformation, zentrale Frage »Wem glaubst du?« steht im Zentrum der Premiere von John Adams’ »Nixon in China« am 7. April 2019; Regie: Marco Štorman.
Die inzwischen in Paris zum Kult avancierte Produktion von Christoph Willibald Glucks »Iphigénie en Tauride« in der Inszenierung von Krzysztof Warlikowski aus dem Jahr 2006 geht der Frage »Wem vergibst du?« nach. Sie feiert am 28. April 2019, als Übernahme von er Opéra national de Paris Premiere. Damit wird zum ersten Mal eine Opernarbeit des polnischen Regisseurs und seiner Ausstatterin Malgorzata Szczesniak in Stuttgart zu sehen sein. Stefano Montanari dirigiert und steht damit erstmals am Pult des Staatsorches-ters Stuttgart.
Am Ende des Premierenreigens dieser Spielzeit steht mit Arrigo Boitos »Mefistofele« am 16. Juni 2019 die Frage: »Was verlangst du?«. Die Neuproduktion mit der italienischen Sicht auf den deutschen Faust-Mythos inszeniert Àlex Ollé, Mitglied des katalanischen Theater-Kollektivs La Fura dels Baus.
Die Saison 2018/19 schließt mit drei außergewöhnlichen Produktionen aus dem Stuttgarter Opernrepertoire der vergangenen 20 Jahre: Calixto Bieitos Interpretation von Wagners »Der fliegende Holländer«, Kirill Serebrennikovs Sicht auf Richard Strauss‘ »Salome« und schließlich Bellinis »Norma« in der Regie von Jossi Wieler und Sergio Morabito aus dem Jahre 2002.
Darüber hinaus gibt es bei den Sinfoniekonzerten 2018/19 neben spannenden Dirigentendebüts auch Wiederbegegnungen mit einigen dem Stuttgarter Publikum bekannten Gastdirigenten Dennis Russell Davies, Marek Janowski und Daniele Rustioni. Zum ersten Mal gibt es in dieser Saison zusätzlich zu den etablierten Reihen zwei neue Konzertformate im Opernhaus: ein Filmkonzert sowie ein großes Familienkonzert.

Tamas Detrich (c) Roman Novitzky

Die erste Spielzeit von Tamas Detrich als Intendant des BALLETTS steht unter dem Motto »One of a Kind«. Zu Deutsch: einzigartig. Das Motto ist gleichzeitig der Titel eines abendfüllenden Stückes von Jirí Kylián, eines in jeglicher Hinsicht einzigartigen Künstlers, der im Jahr 1968 – also vor genau 50 Jahren – seine Weltkarriere in Stuttgart startete.
Die Spielzeit beginnt ganz puristisch mit dem Ballett-abend »Shades of white«: drei Werke – ein jedes in weiß gekleidet – die verschiedene Facetten des klassischen Balletts zelebrieren. Neu im Repertoire ist »Das Königreich der Schatten« aus La Bayadère, eine der erlesensten Szenen, die der Ballettkanon zu bieten hat, choreographiert von Marius Petipa – dem Vater des klassischen Balletts. Umrahmt wird dieses Juwel von John Crankos geistreichem »Konzert für Flöte und Harfe« und George Balanchines funkelnder »Sinfonie in C«.
Außerdem hat sich Theaterlegende Jürgen Rose bereiterklärt, nach 30 Jahren wieder ein Ballett auszustatten – und zwar eines von Kenneth MacMillans fesselndsten, aufwühlendsten Stücken, das die letzten, verzweifelten Tage im Leben des Habsburger Kronprinzen Rudolf schildert: »Mayerling«. Das Werk ist ein Unikat im Kanon der Handlungsballette des 20. Jahrhunderts.
Im Jahr 2019 wird mit dem Ballettabend »Aufbruch!« das 100. Jubiläum der Weimarer Verfassung sowie der Gründung des Staatlichen Bauhauses in Weimar begangen. Drei sehr unterschiedliche Choreographen brechen auf, um diesen beiden Ereignissen zu begegnen: Katarzyna Kozielska, Nanine Linning und Edward Clug.
Am Ende der Spielzeit steht ein Stück von einem weiteren »One of a Kind«-Künstler auf dem Programm: Akram Khan, dessen Fusion von indischem Kathak mit zeitgenössischem Tanz ihn zu einer der originellsten Stimmen der Tanzwelt gemacht hat. Sein »Kaash« kommt gemeinsam mit einer weiteren Erstaufführung – Johan Ingers »Out of Breath« – und der Wiederaufnahme von Itzik Galilis »Hikarizzato« auf die Bühne. Außerdem steht das 40. Jubiläum von John Neumeiers »Die Kameliendame« an. Selbstverständlich werden außerdem weitere Werke von John Cranko getanzt, allen voran »Romeo und Julia« hier in Stuttgart sowie sein »Schwanensee« und »Onegin« während eines großen Gastspiels in Japan.

Spielzeiteröffnungsfest 2018/19
Auf dem Bild
Burkhard C. Kosminski
Foto: Björn Klein

Unter dem Leitmotiv »Warum denn nicht warum« möchte Burkhard C. Kosminski das SCHAUSPIEL Stuttgart als eine Plattform für Fragen und konstruktiven Dialog etablieren, wobei ihm drei große Themenkomplexe besonders am Herzen liegen: Stuttgart als eine moderne Stadt, anhand derer man Utopien zukunftsorientierter und nachhaltiger Stadtentwicklung entwerfen und diskutieren kann.
Stuttgart als eine internationale Stadt und das Schauspiel als Denk- und Begegnungsraum für internationale Perspektiven und Identitätskonstruktionen.
Und das Schauspiel Stuttgart als Ort für Literaturtheater, mit einem besonderen Fokus auf dem zeitgenössischen Autorentheater.
Zeitgenössische Autoren und Autorinnen werden für das Schauspiel und das Stuttgarter Ensemble neue Stücke schreiben und dabei ihre Sicht auf unsere Gegenwart reflektieren und zur Diskussion stellen. In dieser Spielzeit sind dies Texte von Wajdi Mouawad, Clemens J. Setz, Nis-Momme Stockmann (in Zusammenarbeit mit den Frankfurter Positionen) und Roland Schimmelpfennig. Außerdem werden Texte von Theresia Walser, Elfriede Jelinek und Simon Stephens zu sehen sein.
Das umfangreiche Programm 2018/2019 umfasst insgesamt 24 Produktionen, darunter sechs Uraufführungen und deutschsprachige Erstaufführungen, eine spartenübergreifende Produktion mit Oper und Ballett sowie drei Koproduktionen, u.a. mit dem renommierten Schweizer Theatermacher Milo Rau. Diskursive Formate mit Partnern wie der Robert-Bosch-Stiftung und dem SWR sowie zahlreiche Extraveranstaltungen und theaterpädagogische Angebote runden das Programm ab. Eröffnet wird die neue Spielzeit mit einem doppelten Premierenwochenende am 16./17./18. Und 23./24./25.November und einer begehbaren Stadtraum-Installation des Künstlers Tobias Rehberger.
Neben dem Schauspielhaus wird das Kammertheater zukünftig der zweite zentrale Spielort des Schauspiels sein.

Konzert-Highlights

Kiss of Fire – Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim
meets Spark – Die klassische Band

Die Senkrechtstarter der internationalen Klassikszene verbindet den Feinsinn und die Präzision eines klassischen Kammermusikensembles mit der Energie und dem Biss einer Rockband. Tradition und Innovation werden bei den fünf jungen Musikern von Spark zu einem Klangerlebnis, das sich virtuos und unverkrampft zwischen den verschiedensten musikalischen Welten bewegt: Barocke Ohrwürmer verschmelzen mit Filmmusik und Minimal Music, slawische Folklore und jazzige Grooves treffen auf klassische Avantgarde. So erreichen Spark besonders auch die junge Generation. Auf dem Konzertprogramm am 12. November stehen Werke von der barocken Opernwelt eines Henry Purcell bis hin zu rockig-klassischen Klängen, wie sie der niederländische Komponist Chiel Meijering in seiner Suite „Kiss of Fire“ verbindet. In acht kurzen Charakterstücken zeigt das Werk für Spark und Kammerorchester mit den unterschiedlichsten musikalischen Mitteln vom afrikanischen Rhythmus bis hin zu Popelementen die unterschiedlichsten Facetten der Musik, der Liebe und des Lebens…
Weitere Info & Karten: www.swdko-pforzheim.de

Foto oben: Spark 1d ┬® Bartosch Salmanski


Nachtschwärmer-Konzerte
„Nachtschwärmer-Konzerte“ – heißt die neue Veranstaltungsreihe, die die Stuttgarter Philharmoniker gemeinsam mit dem Jazzclub BIX im Gustav-Siegle-Haus aus der Taufe gehoben haben. Ziel der Reihe ist es, neue Begegnungen zwischen unterschiedlichen Publikumsgruppen zu ermöglichen. Die Programme der „Nachtschwärmer-Konzerte“ sind mehrteilig angelegt: der erste Teil ertönt im Saal des Gustav-Siegle-Hauses der zweite klingt dann im Jazzclub BIX aus. Das erste Konzert der Reihe startet mit einer Sinfonie von Mendelssohn, gefolgt von einem Klavierkonzert von Bach, für Akkordeon und Orchester arrangiert, und Tangos von Astor Piazzolla. Anschließend spielt die Akkordeonistin Ksenija Sidorova (Foto) im Jazzclub mit Jazzern weiter. Die Konzertreihe eignet sich aber auch hervorragend für besondere Kammermusikprogramme, beispielsweise die Gesamtaufführung aller sechs Streichquartette op. 18 von Beethoven an einem Abend durch Quartettformationen des Orchesters. Hierbei werden die Ensembles in der Mitte des Parketts platziert, während das Publikum die Aktion ringförmig umgibt. Anschließend gibt’s Jazz-Kammermusik im BIX. In einem weiteren Konzert tritt der Jazztrompeter, Pianist und Komponist Sebastian Studnitzky mit in seinem Projekt „Memento“ auf, ein anderes mit dem jungen Pianisten und Dirigenten Frank Dupree (Foto) verbindet Orchester- und Klaviermusik von Beethoven mit der von Duke Ellington und George Gershwin.
Weitere Informationen zum Programm und Karten:
www.stuttgarter-philharmoniker.de

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Martin-Stadtfeld (c) Marco-Borggreve/Sony-Classical

Der Goldstadtzirkel weltberühmter Pianisten“
Martin Stadtfeld
Martin Stadtfeld spielt erneut mit der Badischen Philharmonie Pforzheim und eröffnet mit dem „Goldstadtzirkel weltberühmter Pianisten“ die Sinfoniekonzert-Reihe der neuen Spielzeit. Stadtfelds Karriere begann 2002 mit dem ersten Preis des Internationale Bach-Wettbewerbs. Seine Einspielungen auf CD (u.a. bei SONY Music) erhielten mehrfach den ECHO Klassik-Preis. In Pforzheim spielt Martin Stadtfeld nun Sergej Rachmaninows 2. Klavierkonzert c-moll op. 18:. Romantisch-expressiv ist dieses Klavierkonzert, das seit der Urraufführung 1901 das erfolgreichste Rachmaninows ist. Eröffnet wird das Konzert mit Maurice Ravel Suite für Orchester „Ma mère l‘ oye“. Eine Sammlung von Märchen ist „Meine Mutter Gans“, die ursprünglich als Fassung von fünf Kinderstücken für Klavier zu vier Händen entstand. Abschließend stimmt die Badische Philharmonie Pforzheim mit der „Reformations-Symphonie“ in das Luther-Jubiläum mit ein. Felix Mendelssohn-Bartholdy komponierte sie 1830 zum 300. Jubiläum der Confessio Augustana. 
15. Oktober CongressCentrum Pforzheim, Karten: Online-Ticketshop arsmondo


Bartoli / Gabetta (c) Decca/Esther Haase

„Dolce Duello“ –
Cecilia Bartoli & Sol Gabetta

Musikalisches Gipfeltreffen: Cecilia Bartoli liebt es, die Register wie ihre Rollen zu wechseln und die ganze Palette von Gefühlszuständen auszuspielen – von innig zart bis rasend, von schüchtern bis wild, von verliebt bis wütend. Die Mezzosopranistin gehört seit über zwei Jahrzehnten zu den absoluten Topstars der Klassik-Szene, mit einem dunkel-satten Timbre von bewegender Schönheit, einem herausragenden darstellerischen Talent, außerordentlicher Musikalität und einer elektrisierenden Bühnenausstrahlung im Konzert und auf der Opernbühne. Im Baden-Badener Festspielhaus, wo La Bartoli zuletzt in Bellinis „Norma“ glänzte, trifft sie nun auf ihre Freundin Sol Gabetta, die ihrerseits zu den besten Cellistinnen weltweit gezählt wird. Dabei kann sie auf den vier Saiten ihre Violoncellos nicht nur beseelt singen, sondern auch dramatisch auftrumpfen und immer wieder spieltechnisch glänzen – etwa, wenn sie mit hochemotionalem und überaus riskantem Spiel die virtuosesten Werke in schwindelerregendem Tempo präsentiert, so dass die Musik unter ihrem Bogen Funken zu schlagen scheint wie bei einem Vulkanausbruch. Cecilia Bartoli und Sol Gabetta präsentieren im Baden-Badener Festspielhaus mit „Dolce Duello“ ein abwechslungsreiches Barockprogramm gemeinsam mit der Cappella Gabetta, einer handverlesenen Originalklang-Truppe, die Sol Gabetta im Dezember 2010 gemeinsam mit ihrem Bruder Andrés Gabetta, einem brillanten Barockviolinisten und Konzertmeister, gegründet hat. Für „Dolce Duello“ haben Cecilia Bartoli und Sol Gabetta einige wunderbare Werke für Gesang und Violoncello ausgegraben. Darunter finden sich berührende Lamenti wie in Händels Ode für die Heilige Cäcilie sowie energiegeladenere Arien wie „Di verde ulivo“ von Vivaldi.
23. November im Festspielhaus Baden-Baden, Karten: www.festspielhaus.de


Mischa Maisky (c) Deutsche Grammophon

Emotionale Freigiebigkeit –
Mischa Maisky & Musikkollegium Winterthur

Mischa Maisky ist der wohl berühmteste Cellist unserer Zeit, weltweit gefeiert als „großer Romantiker“. Sein Spiel ist emotional, intensiv, brennend vor Leidenschaft, dabei edel und seelenvoll im Ton: „Ich gebe nicht 100, sondern 120 Prozent“, sagt der lettische Jahrhundertmusiker mit der Silbermähne über sich. Und: „Ich spiele jedes Konzert, als wäre es mein letztes. Ich verschwende, sagen manche, jedes Mal sehr viel Energie. Aber ich glaube, dass die Konzertbesucher die emotionale Freigiebigkeit eines Musikers fühlen, die viel wichtiger ist als Technik.“ Kurz vor seinem 70. Geburtstag (am 10. Januar 2018) darf sich das Göppinger Publikum auf 120 Prozent Mischa Maisky in Schostakowitschs erstem Cellokonzert freuen – an seinem kostbaren Montagnana-Cello, im Dialog mit dem traditionsreichen schweizerischen Musikkollegium Winterthur unter der inspirierten Leitung seines neuen Chefdirigenten Thomas Zehetmair. Dass die Winterthurer zudem eine Deutsche Erstaufführung im Gepäck haben, macht den Abend desto spannender!
6. November 2017, 20 Uhr, Stadthalle Göppingen


Maximillian Hornung, Photo: Marco Borggreve

Münchener Kammerorchester
& Maximilian Hornung

Mit bestechender Musikalität, instinktiver Stilsicherheit und musikalischer Reife hat der Cellist Maximilian Hornung die internationalen Konzertpodien erobert. Für seine erste Sony-CD erhielt er den ECHO Klassik-Preis 2011 als Nachwuchskünstler des Jahres, für die Veröffentlichung von Dvořáks Cellokonzert den ECHO Klassik 2012 für die »Konzerteinspielung des Jahres«. Mit dem Münchener Kammerorchester wird er ein Auftragswerk des MKO für Violoncello und Orchester von Tobias PM Schneid aufführen. Der finnische Dirigent John Storgårds ist speziell für eine auf drei Spielzeiten angelegte Reihe engagiert worden, nämlich Haydns Londoner Sinfonien den Ligetis Solokonzerten – hier das Konzert für Violoncello und Orchester – gegenüberzustellen. An diesem Abend bilden die Sinfonien Nr. 97 und Nr. 103 »Mit dem Paukenwirbel« den Rahmen des Konzerts. Das Konzert findet am 6. Dezember im Konzerthaus Ravensburg statt.-
Karten: www.ravensburg.de

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„EINE WEIHNACHTSGESCHICHTE“ VON CHARLES DICKENS
Miroslav Nemec & Udo Wachtveitl in einem Bühnenmärchen mit Musik

Sie ist – neben der Geschichte von Jesu Geburt – das vermutlich meisterzählte Literatursujet der Adventszeit: Charles Dickens‘ „Weihnachtsgeschichte“. Die sozialkritische Erzählung über den alten Geizhals Ebenezer Scrooge, der am Vorabend des Weihnachtsfests von vier Geistern heimgesucht wird und durch sie seine Menschlichkeit wiederentdeckt, ist ein Klassiker. Kaum ein Theater, das dieses Werk nicht schon mehrfach gespielt hat. Warum dann eine neue Fassung? Der Regisseur und Produzent Martin Mühleis hat mit seinen Bühnenbearbeitungen von literarischen Werken in den vergangenen Jahren große Erfolge gefeiert. Allein seine Bearbeitung von Erich Kästners autobiographischer Erzählung „Als ich ein kleiner Junge war“ mit Walter Sittler in der Hauptrolle wurde mehr als 400 Mal gespielt. Für die beiden Schauspieler Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl hat er nun gemeinsam mit dem Komponisten Libor Síma ein musikalisches Bühnenmärchen geschaffen. Es erinnert in seiner Ästhetik an alte Schwarzweißfilme und spielt mit Elementen literarischer Revuen. Durch die Musik und die geschickte Lichtregie werden Räume geschaffen – und doch spielt der literarische Text immer die Hauptrolle: Tempo, Rhythmus und Struktur der Novelle bleiben auch in der Lesefassung bewahrt. Und in der Interpretation von Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl erhält die Erzählung, trotz des moralischen Grundtons, eine unglaubliche Lebendigkeit. Beide sind bekanntermaßen seit vielen Jahren durch ihre gemeinsame Arbeit als Münchner Tatort-Kommisare eng verbunden und geben auch auf der Bühne ein tolles Team ab, dem es gelingt im Zusammenspiel mit der Bühnenmusik den typischen, skurrilen britischen Humor auf anrührende Weise herauszuarbeiten.
TOURDATEN 2017: 03.12.2017 Fellbach, Schwabenlandhalle, 04.12.2017 Theater Heilbronn, 09.12.2017 Stadthalle Singen, 10.12.2017  Tuttlinger Hallen, 12.12.2017 Stuttgart Theaterhaus, 20.12.2017 Stuttgart Theaterhaus; Karten und Info beim jeweiligen Veranstalter erhältlich

THE TURN OF THE SCREW

„Welcome to Bly“ – die Einladung klingt verlockend! Eine junge Gouvernante soll sich auf dem bilderbuchhaften Landsitz Bly der Erziehung und dem Wohlergehen der elternlosen Kinder Flora und Miles annehmen. Doch sind die kleinen Wesen tatsächlich so unbeschwert und unbedarft, wie sie ihr auf den ersten Blick erscheinen?

„Szene aus The Turn of the Screw“ mit Judith Braun, Solen Mainguené, Foto: Paul Leclaire / Theater Freiburg

Das Motiv der verlorenen Unschuld beschäftigte den Komponisten Benjamin Britten sein gesamtes Leben. Permanent versuchte er, in seinem künstlerischen Schaffen Schutzwälle, Behausungen und Rückzugsorte für die Unschuld zu errichten. Doch die ersehnte Geborgenheit stellte sich nur allzu selten ein. In seiner Oper THE TURN OF THE SCREW dreht er die Vorzeichen um, indem er seine Figuren bewusst dem Unbehausten aussetzt – und das, obwohl er mit Bly, dem friedlichen Anwesen mit seinen starken Mauern, di-cken Türmen und dem weitläufigen Park, den Inbegriff der häus-lichen Idylle auf die Bühne stellt. Doch das ist nur der Anstrich. Hinter den Kulissen lauert eine übermächtige Gefahr. Und so ent-spinnt sich vor den Augen der namenlosen Gouvernante nach und nach ein namenloses Grauen. Mit großer musikalischer Verführungskunst vertonte Britten Henry James’ vieldeutige Gespenstergeschichte über den Untergang der Geborgenheit, die Herrschaft des Verbotenen und die Faszination am Abgrund. Intendant Peter Carp, dessen Inszenierung von Tschaikowskys EUGEN ONEGIN in Freiburg mit großer Begeisterung aufgenommen wurde, nimmt sich der szenischen Umsetzung des verlockenden Musiktheaterwerkes an – und zeigt eine Geschichte voller erotischer Obsessionen, voll von „Thrill und Suspense“, bei der schon die meis-terhafte Musik die Wirkung der Schraubendrehung vollzieht, die der Titel vollmundig verspricht: Hat man sich einmal in diese Geschichte hineindrehen lassen, gibt es kein Entwinden mehr.

Regie:  Peter Carp; Bühne: Kaspar Zwimpfer; Kostüme Gabriele Rupprecht; Dramaturgie: Heiko Voss

Weitere Informationen: www.theater.freiburg.de

 

 

Sivan Ben Yishai

Sivan Ben Yishai, Foto ® Christian Kleiner

Schwarzes Minikleid, Sneakers und eine elegante Goldkette um den Hals – so sitzt Sivan Ben Yishai in der Lobby des Mannheimer Werkhauses. In der kommenden Spielzeit ist die 41-jährige Israelin Hausautorin am Nationaltheater Mannheim. Seit 2012 lebt sie in Berlin und begann dort, Theaterstücke auf Englisch zu schreiben. Sie startete sofort durch mit Einladungen zu den Berliner Autorentheatertagen, Inszenierungen am Gorki Theater, in Helsinki, Luxemburg oder New York. In Mannheim wird ihr „Liebe/ Eine argumentative Übung“ am 26. September uraufgeführt. Am Vorabend der Premiere performt Yishai ihr Stück selbst auf der Bühne.

Sie werden bald in Mannheim wohnen. Mögen Sie die Stadt?
SBY: In Mannheim sieht man Menschen mit vielen unterschiedlichen Identitäten auf der Straße. Das interessiert mich an Städten. Wenn ich das sehe, fühle ich mich wohl. „Homogene“ Gesellschaften erschrecken mich dagegen.

Sie sind eine sehr politische Autorin, befassen sich in Ihren Stücken mit Gendergerechtigkeit, mit Flüchtlingen und der Art und Weise, wie wir mit ihnen umgehen. Für Mannheim haben Sie ein Stück geschrieben, in dem es um Identitäten geht. Wovon handelt es genau?
SBY: Im Zentrum stehen die Comicfiguren Popeye der Seemann und Olivia Öl. Ich beobachte diese zwei ikonischen, 90 Jahre alten Comicfiguren und positioniere sie in #MeToo-Zeiten in einer zeitgenössischen feministischen Beziehung. Meine Frage in diesem Stück ist: Wo beherrschen immer noch die alten antifeministischen Muster unsere Beziehungen? Welche Form von weiblicher Identität haben wir, wenn wir in einer Beziehung mit einer sehr besonderen Art von Mann sind? Das Stück dringt in das Innenleben Olivias vor und stellt alles dar, wofür sie sich schämt – die Ängste, die Scham für ihren Körper, die Scham, die sie für ihre Nacktheit empfindet, die Scham vor Sexualität mit ihrem Partner. Das geht immer weiter und es wird eine immer höhere Stufe der Scham erreicht.

Das heißt, in einer Beziehung sind auch emanzipierte Frauen plötzlich nicht mehr emanzipiert?
SBY: Im Stück gibt es diese Szene: Nachdem Popeye Olivia umarmt hat, möchte die weibliche Figur etwas sagen, gibt aber auf. Wenn man ein Zeichen der Liebe empfängt, ist nicht der richtige Zeitpunkt, gegen Geschlechterrollen zu kämpfen. Wir übersehen dann unsere Fähigkeit, anders reagieren zu können als unsere Mütter und Großmütter. Wir demonstrieren heute. Es ist selbstverständlich für uns, dass die Frauenquote existieren sollte. Aber wir rasieren immer noch unsere Beine und folgen den Ratschlägen unserer Großmütter bei der Frage, wie wir uns verhalten sollen, um als echte Frau, als attraktive Frau wahrgenommen zu werden. Der unbewusste Bereich der zeitgenössischen Feministin ist das Thema meiner Forschung.

Sind für Sie neben dem Drama auch andere Gattungen wie Essay, Prosa oder Lyrik interessant?
SBY: Was eine Dramatikerin, einen Dramatiker ausmacht, ist der Drang und das Bedürfnis im Hier und Jetzt zu sein und mit den Zuschauern zu kommunizieren. Ich spreche mit dem Publikum. Ich möchte das Publikum wirklich mit meinen Worten erreichen, und viele meiner Konflikte habe ich im Grunde mit dem Publikum. Ich beschäftige mich ja mit dem „Male Gaze“, dem männlich-aktiven, kontrollierenden und neugierigen Blick. Das ist mein Hauptthema und das Theater ist ein Ort, an dem man schaut und gesehen wird. Eine Person, die spricht und beobachtet wird und die Wörter benutzt, um die Realität zu verändern – das ist etwas sehr Performatives, und das liebe ich absolut.

Wie empfinden Sie es, dass Sie als Hausautorin ans
Mannheimer Nationaltheater eingeladen wurden?
SBY: Der erste Hausautor in Mannheim war Friedrich Schiller.
Es ist eine sehr politische Entscheidung, wer mit dieser Tradition hier Hausautor oder -autorin wird. Spricht diese Person Deutsch? Wer ist sie? Und was ist, wenn eine Person ausgewählt wird, die erst seit einigen Jahren in Deutschland lebt und auf Englisch schreibt. Ich bin Israelin, Jüdin, eine Frau. Und jetzt bin ich eine Perle in der Kette, die mit Friedrich Schiller begann. Was bedeutet dies für die zeitgenössische Literatur und das Theater? Es ist immer eine politische Frage, wer eingeladen wird, wer nicht und aus welchem Grund. Mich als Außenseiterin der deutschen Gesellschaft einzuladen in das Herz ihrer Literatur, um diese in einem anderen Licht zu sehen, ist eine radikale Entscheidung. Also, was bedeutet dann Sprache, und nach was suchen wir mit zeitgenössischen Autoren in diesen so politischen Zeiten?

Trotzdem lernen sie Deutsch. Was war die Motivation dafür?
SBY: Den ersten Satz, den ich auf Deutsch gelernt habe, war: Das Leben ist zu kurz, um Deutsch zu lernen (lacht). Ich bin ein Sprachenmensch. Daher bin ich an allen Sprachen interessiert und vor allem an Sprachen, die an Orten gesprochen werden, an denen ich lebe. Ich glaube, dass eine Sprache eine Möglichkeit ist, die Identität einer Gruppe zu kodieren, um zu verstehen, wie eine Gesellschaft denkt. Das war das eine. Auf der anderen Seite ist es einfach passiert, weil ich viel lese. Ich lese auf Deutsch und kommuniziere auf Deutsch, aber als Schriftstellerin ist es noch nicht meine Sprache. Auch Interviews wie dieses gebe ich auf Englisch, um sicher zu gehen, dass ich die richtigen Wörter verwende.

Das Interview führte Astrid Möslinger

Liebe / Eine argumentative Übung
von Sivan Ben Yishai –
Zahlreiche Aufführungstermine im Oktober, November
und Dezember; Infos & Karten: www.nationaltheater-mannheim.de

Deutscher Dokumentarfilmpreis

Filmemacherinnen und -macher haben bis zum 1. März wieder die Möglichkeit, Dokumentarfilme und Dokumentationen für den Deutschen Dokumentarfilmpreis 2020 einzureichen. Diese müssen zwischen dem 1. März 2019 und dem 28. Februar 2020 im Kino oder auf einem Festival uraufgeführt worden sein oder ihre Erstausstrahlung in einem deutschsprachigen Fernsehprogramm gehabt haben. Erforderlich ist eine Mindestlänge von 50 Minuten. Aus den eingereichten Werken trifft eine Vorjury eine Auswahl von rund 20 Filmen, aus der die Hauptjury zwölf Filme nominiert. Alle Preise werden im Rahmen des vierten SWR Doku Festivals verliehen, das vom 17. bis 20. Juni 2020 in Stuttgart stattfindet.

Deutscher Dokumentarfilmpreis 2018.© SWR/Monika Maier“ (S2). SWR-Pressestelle/Fotoredaktion, Baden-Baden, foto@swr.de

Bedeutende Preise für besonders herausragende filmische Leistungen Der Deutsche Dokumentarfilmpreis ist mit 20.000 Euro dotiert und einer der wichtigsten Preise des deutschsprachigen Films. Seit 2003 vergibt der SWR in Kooperation mit der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg diesen bedeutenden Hauptpreis. Zusätzlich verleiht das Haus des Dokumentarfilms einen Förderpreis in Höhe von 3.000 Euro für einen herausragenden Nachwuchsfilm. Über beide Preise entscheidet eine unabhängige Jury aus sieben Repräsentanten des Film- und Kunstschaffens aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Einen weiteren Preis vergibt eine eigene Jury der Opus GmbH für einen dokumentarischen Film aus dem Bereich Musik, dotiert mit 5.000 Euro. Dieser prämierte Film wird auch auf dem Musikfestival `Jazz Open` gezeigt. Es ist geplant, dass mit dem „Preis der Leserjury der Stuttgarter Zeitung“ auch 2020 wieder ein Publikumspreis verliehen wird.

Preisvergabe auf dem SWR Doku Festival in Stuttgart Die Preise werden am 19. Juni 2020 im Rahmen des SWR Doku Festivals verliehen. Dieses findet vom 17. bis 20. Juni 2020 im Stuttgarter Metropol-Kino und im Haus der Katholischen Kirche auf der Königstraße statt. Alle nominierten Filme werden auf diesem Festival öffentlich aufgeführt. Anschließende Diskussionsrunden mit den Filmemacherinnen und -machern sind ebenfalls wieder vorgesehen. Neben den Wettbewerbsfilmen werden weitere Dokumentarfilme gezeigt, darunter Porträts, Reportagen, Transmediaprojekte oder Projekte des Jungen Angebots von ARD/ZDF. Integriert in das Festival ist `Dokville`, der jährliche Branchentreff des Hauses des Dokumentarfilms. Das SWR Doku Festival und Dokville bieten damit vier Tage viel Film und Gespräch für alle Fans von dokumentarischen Produktionen. Ein medienpädagogisches Angebot begleitet das Festival. Weiterer wichtiger Träger des Festivals ist die Landesanstalt für Kommunikation.

Einreichungen
Die Einreichungen können ab sofort online auf der Seite
www.swr-doku-festival.de erfolgen. Hier sind auch weitere Details zum Reglement sowie die Möglichkeiten der Filmübermittlung aufgeführt. Infos und weiterführende Links unter: http://swr.li/swrfernsehen-einreichungsfrist-dokufestival-gestartet
Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an die Geschäftsstelle „Deutscher Dokumentarfilmpreis, Telefon 0711 929 14004, E-Mail: irene.kluender@swr.de

Tom Sachs und sein Kosmos

Tom Sachs ist ein Bastler. Aus vorgefundenen Materialien baut er die unterschiedlichsten Gegenstände im Prinzip des DIY nach. Klebestellen und Schweißnähte bleiben dabei meist sichtbar und erzeugen eine Ästhetik des Selbstgemachten.

Tom Sachs Foto: Mario Sorrenti, © Tom Sachs

Der amerikanische Künstler eignet sich die berühmten Corporate Designs von McDonald’s und NASA an und baut Nachbildungen von Markenprodukten wie Prada, Chanel und Hermès.

Tom Sachs YBCA timeline, 2016, Sperrholz, Latexfarbe, diverse Materialien, 121,9 x 591,8 x 15,2 cm, Tom Sachs: Space Program 3.0: Europa, Yerba Buena Center for the Arts, San Francisco, CA, 2016, Foto: Josh White, © Tom Sachs
Tom Sachs, Nutsy’s McDonald’s Trash Bin, 2001, SCHAUWERK Sindelfingen © Tom Sachs

Teilweise provoziert er damit, zum Beispiel wenn er aus einer Prada-Hutschachtel das Modell eines Konzentrationslagers baut oder die Szene der Geburt Christi mit Hello Kitty-Figuren und den Simpsons nachstellt. Seine Motive entnimmt Tom Sachs nicht nur der Konsumwelt, sondern auch der amerikanischen Geschichte und Identität. So baut er in Teamarbeit mit seinem Studio für die Ausstellung in Sindelfingen die Zwillingstürme des World Trade Centers vor dem 11. September 2001 nach.

Tom Sachs Ashtray, 2018, Diverse Materialien, 52 x 31,8 x 32,4 cm, SCHAUWERK Sindelfingen, © Tom Sachs; Photo by Studio Tom Sachs
Ausstellungsansicht TOM SACHS. Timeline, SCHAUWERK Sindelfingen, 2019, Foto: Frank Kleinbach, © Tom Sachs

Das SCHAUWERK zeigt außerdem die Rauminstallation Tea Ceremony, für die Sachs die japanische Tradition studierte, transformierte und das Ritual seinen Spielregeln unterstellte. Alle Elemente der Zeremonie – Teehaus, Garten, Waschbecken, Koi-Teich, Teeschalen – bildete er detailreich nach. Nur die Fische im Teich sind nicht gebastelt, sondern lebendig. Mit Erfindergeist und Ironie hinterfragt der Künstler kritisch den Sinn von bestehenden sozialen Ritualen und Lebensweisen.

Tom Sachs Flag, 2014, Kunstharz, Sperrholz, Stahl, 106,7 x 160 x 10,1 cm, SCHAUWERK Sindelfingen, Foto: Frank Kleinbach, © Tom Sachs

Die Werke des Künstlers befinden sich unter anderem in den Sammlungen des Centre Georges Pompidou, des MoMA und des Metropolitan Museum of Art. Tom Sachs hatte Einzelausstellungen in der SITE Santa Fe (1999), der Bohen Foundation in New York (2002), dem Deutschen Guggenheim Berlin (2003), dem Astrup Fearnley Museet for Modern Art in Oslo (2006), dem Des Moines Art Center (2007) und The Noguchi Museum in New York City (2016). Tom Sachs lebt und arbeitet in New York.

TOM SACHS.Timeline
22.09.2019–26.04.2020
SCHAUWERK Sindelfingen, Eschenbrünnlestraße 15, 71065
Sindelfingen, Tel. 07031 932–49 00
www.schauwerk-sindelfingen.de.
Öffnungszeiten:
Samstag und Sonntag, 11:00 bis 17:00 Uhr;  Dienstag und Donnerstag, 15:00-16:30 Uhr (öffentl. Führung)

Editru –
Faszinierende Farbströme

Sarah Schrof bannt Textilbilder auf Stoff und diese sind einfach der Wahnsinn! Jedes einzelne Kleidungsstück daraus ist definitiv ein überraschendes Unikat. Doch alle zeigen unverkennbar dieselbe Handschrift – die der Stuttgarter Textil-und Modedesignerin.

Foto: Sarah Wendler 2019

Alles begann im Jahr 2016 mit einer alten Strickmaschine, der Leidenschaft für Farbe und hochwertigen Stoffen.
Nachdem Sarah Schrof das Schneiderhandwerk erlernt hatte, arbeitete sie zunächst am Staatstheater Stuttgart. An der Kunstakademie Stuttgart studierte sie Textildesign, umgeben von Malern, Bildhauern und Designern. In dieser Zeit experimentierte sie ausgiebig mit textilen Färbe- und Stricktechniken.
Die Konsequenz: Sie gründete editru – ihr eigenes Label für handgefärbte Stoffunikate. Der Name ist eine Hommage an die Familientradition, denn Oma und Großtante – Edith und Trude – haben in den 1950er-Jahren in Heimarbeit Strickwaren hergestellt.
Mit deren stattlicher Strickmaschine entwickelte Sarah Schrof ihr ganz eigenes, aufwendiges Verfahren für feinste Maschen. Jedes Kleidungsstück wird von der Färbung der Wolle, über das Stricken der Stoffe, die Konfektion und das Nähen bis zum letzten Stich von ihr selbst in Handarbeit ausgeführt.

Einzigartige, wohlüberlegte, chromatische Textilien entstehen, die sich durch eine beeindruckende Sensibilität für den Rhythmus und Klang von Farben auszeichnen.
„Meine Interpretation von moderner Handwerkskunst führt zu sorgfältig gefertigten Stücken von zeitloser Eleganz und stimuliert eine kontinuierliche Innovation beim Färben von Textilien“, so Sarah Schrof. Dabei hat sie als Trägerin ihrer Produkte die natürlich selbstbewusste Frau vor Augen, die Farben liebt und ein Gefühl von Leichtigkeit in ihrer Kleidung spüren möchte.
Der aufregende Weg vom Rohmaterial zum einzigartigen Textilbild verlangt handwerkliche Sorgfalt und ist entsprechend aufwendig. Am Anfang des Herstellungsprozesses stehen reines Garn aus Merinowolle und hochwertige Pigmente aus Naturfarben, die von Sarah Schrof eigens angemischt werden.
Schon zu Beginn des Prozesses hat die Designerin das fertige Gewebe im Kopf. Nichts bleibt dem Zufall überlassen.
Sie kombiniert die ausgewählten Farbtöne in feinen Nuancen zur gewünschten Farbstimmung. Wie sie das genau macht, ist Betriebsgeheimnis! Nur so viel: Sie färbt die nähgarnfeinen Fäden mit der Pipette, sodass sich beim Stricken ein von ihr festgelegter Farbverlauf ergibt, der den einzigartigen, lebendigen und individuellen Charakter ihrer Produkte ausmacht.

Sobald die Strickmaschine eingerichtet ist, bewegt Schorf den manuell zu bedienenden Schlitten vorsichtig Reihe für Reihe vorwärts und webt die Wolle zu fein differenzierten, farbigen Flächen. Diese Strickgespinste verarbeitet die Textilkünstlerin als Applikationen in Seidenkleidern oder edlen Jacken aus Georgette-Stoff. Die Schnitte sind im Allgemeinen einfach gehalten, um der malerischen Sprache des Strickbereichs Raum zu lassen.

Schrof verbindet in ihrer Technik nicht nur Handwerk mit technischer Raffinesse, sondern verarbeitet ihre Strickprodukte auch digital weiter. Am Computer werden die abfotografierten Maschenbilder verfremdet und dann als Motive für den Stoffdruck genutzt. Diese Hightech-Version dienen ihr als Muster auf Seidentüchern. „Manchmal kann man die Strickstruktur noch erkennen“, konstatiert die Design-erin.
Seit 2017 verkauft Sarah Schorf ihre Stücke im Atelier und Eckladen „Werk. Raum.18_ Raum für besondere Werke“ im Stuttgarter Westen. Sie ist Teil eines interdisziplinären Kollektivs, das unter seinem Dach alle Schritte von der Herstellung bis zum Verkauf vereint.
2018 erhielt Sarah Schorf den Designpreis für „Mode & Schmuck“ der internationalen Designmesse Blickfang und war für den German Design Award nominiert.
www.editru.de


atelier editru
werkraum18 – Raum für besondere Werke
Vogelsangstr. 57
D-70197 Stuttgart
Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag, 11-18 Uhr; Samstag 11-16 Uhr und nach Vereinbarung

Alle Fotos auf dieser Seite © editru

Von Bach bis Berlioz

Musik von Barock bis Romantik, spannungsreiche Dialoge zwischen Bach, seinen Zeitgenossen und Nachfolgern und ungewöhnliche Konzertorte erwarten das Publikum in der neuen Konzertsaison 2019/20 der Internationalen Bachakademie Stuttgart. Hinzu kommen auch einige Neuerungen: Das neue Konzertformat »Hin und weg!« bezieht die Zuhörer und die Stadt mit ein. Eine neue Abokonzertreihe startet in Ludwigsburg. und die Bachwoche 2020 stellt »Bach im Dialog mit seiner Familie« vor. Das Musikfest wird im Zusammenspiel mit weiteren Stuttgarter Institutionen zum überregionalen Leuchtturm und findet erstmals im Frühsommer statt.

Gaechinger Cantorey Orchester (c) Martin Foerster

Neues Konzertormat »Hin und weg!«

In den Wagenhallen, der Domkirche St. Eberhard und im Kunstmuseum präsentieren die Ensembles der Internationalen Bachakademie unter Hans-Christoph Rademann ihr neues Konzertformat. Die Konzerte konzentrieren sich auf die Aufführung einer Bach-Kantate, dazu spricht der Akademieleiter hier über seine persönlichen Eindrücke und Zugänge zur Musik. Raum und Präsentation schaffen eine Atmosphäre der Begegnung, die auch im Anschluss an die Aufführung zum Verweilen einlädt. (17.10.19, 30.1.20, 2.4.20).

Abonnementkonzerte in Stuttgart und erstmals auch in Ludwigsburg

Die Internationale Bachakademie hat die Abonnementkonzerte mit ihren Ensembles neu strukturiert: Es gibt eine Konzertreihe mit fünf Konzerten im Stuttgarter Beethovensaal der Liederhalle und eine weitere mit fünf Konzerten im Forum am Schlosspark in Ludwigsburg. Gemeinsam ist beiden Reihen die Aufführung italienischer Weihnachtsmusik von Vivaldi, Corelli und Locatelli (7. und 8.12.19), von Mozarts c-Moll-Messe und der »Jupiter-Sinfonie« (22. und 23. 2.20) sowie Schönbergs »Friede auf Erden«, kombiniert mit der Sinfonie Nr. 9 von Beethoven (9. und 31.5.20).

Nach wie vor lädt die Bachakademie immer donnerstags vor den Stuttgarter Konzerten zum Musikalischen Salon in das Hospitalhof-Café, wo Henning Bey und Holger Schneider ihre illustren Gäste zum inhaltlichen Umfeld des jeweiligen Konzertthemas befragen.

»Bach im Dialog mit seiner Familie« ist das Thema der Bachwoche 2020. Sie wendet sich an den musikalischen Nachwuchs und hat gleichzeitig Festivalcharakter.
Zum Auftakt präsentiert die Gaechinger Cantorey die Trauermusik des »Meininger Bachs« Johann Ludwig von 1724 (14.3.20). Cantus Cölln musiziert unter der Leitung von Konrad Junghänel das »Altbachische Archiv« mit Werken von Johann, Johann Michael, Johann Christoph und Johann Sebastian Bach (15.3.20). In zwei Werkstattkonzerten stellt das JSB-Ensemble Johann Sebastians »Köthener Trauermusik« vor (16. und 17.3.20), in zwei weiteren Werkstattkonzerten werden die Kantaten der Bachsöhne analysiert (18. und 19.3.20).

Erstmals ist die Stiftsmusik Stuttgart Kooperationspartner der Bachwoche: Kay Johannsen stellt mit seinen Ensembles stimmkunst und Stiftsbarock Stuttgart im Rahmen der »Stunde der Kirchenmusik« drei Kantaten aus Johann Sebastian Bachs Anfangszeit vor (20.3.20). Beim traditionsreichen Abschlusskonzert zu Bachs Geburtstag führt das JSB-Ensemble die h-Moll-Messe auf (21.3.20).

Musikfest mit neuer Ausrichtung
Zusammen mit der Staatsoper, dem SWR-Symphonieorchester, den Stuttgarter Philharmonikern und weiteren Stuttgarter Institutionen plant die Internationale Bachakademie vom 12. bis zum 28. Juni 2020 ein Musikfest, das weit über die Grenzen Stuttgarts strahlen möchte. Das Motto heißt »heilignüchtern« und bezieht sich auf den schwäbischen Dichter Friedrich Hölderlin, der 2020 seinen 250. Geburtstag feiern würde.

Das Programm wird durch die Möglichkeit zum Probenbesuch, Vorträge und Podiumsdikussionen abgerundet.


Karten: Tel. 0711 619 21 61 und www.easyticket.de Weitere Infos: www.bachakademie.de

 

Ballettklassiker
zur Weihnachtszeit

Zwei große Klassiker und edle Juwelen bringt das Mariinsky-Ballett in diesem Jahr ins Festspielhaus: Bei ihrem traditionellen Weihnachts-Gastspiel vom 21. bis 27. Dezember zeigt die berühmte St. Petersburger Kompanie dreimal „Dornröschen“, dreimal den „Nussknacker“ und als strahlenden Abschluss „Jewels“ von George Balanchine, einen abstrakten, von Edelsteinfarben inspirierten Dreiteiler über die wichtigsten Epochen der Balletthistorie.
Fast sämtliche große Ballettklassiker wurden einst im St. Petersburger Marientheater uraufgeführt, so auch „Dornröschen“ und „Der Nussknacker“, beide zu Partituren von Peter Tschaikowsky. Das Märchen vom hundertjährigen Schlaf, der nur durch den Kuss eines Prinzen beendet werden kann, wurde 1890 zum ersten Mal getanzt.

Sleeping Beauty, Mariinsky Theater, Tereshkina, Shklyarov by N.Razina

Das Mariinsky-Ballett zeigt „Die schlafende Schöne“, wie der russische Titel übersetzt lautet, in einer traditionellen Fassung aus dem Jahr 1952. Mit Feen und Prinzen, mit zahllosen Märchenfiguren und blühenden Dornenhecken schmückt diesen Klassiker die aufwendigste Ausstattung aller großen Ballettwerke, nicht umsonst wollte Petipa damit auch an die Pracht des Sonnenkönigs Ludwig XIV erinnern. Die Ballett-Féerie legt zugleich auch das reinste Zeugnis von Marius Petipas choreografischem Genie ab, mit unzähligen, feinziselierten Variationen im klassisch-akademischen Vokabular und mit großen, architektonisch aufgebauten Ensembleszenen wie dem Blumenwalzer. Tschaikowskys Musik schildert den Kampf zwischen Gute und Böse mit Leitmotiven und fließt bei aller liebenswerten Schilderung von jaulenden Kätzchen oder dem bösen Wolf immer wieder in breiter Symphonik dahin. Bis Aurora und ihr Prinz Desiré mit einem großen Pas de deux die Hochzeit feiern, absolviert die nach der Morgenröte benannte Prinzessin eine der technisch anspruchsvollsten Rollen der Ballettgeschichte.

Ebenfalls ein Märchenballett, aber ein wenig dunkler ist „Der Nussknacker“, entstanden 1892 nach einer Vorlage von E.T.A. Hoffmann. Das Mädchen Mascha verliebt sich in den Nussknacker, den sie zu Weihnachten geschenkt bekommt, der wird nach einem Kampf der Spielsachen unter dem Weihnachtsbaum lebendig und flieht mit Marie in den schneebedeckten Wald hinaus…

The Nutcracker by Valentin Baranovsky © State Academic Mariinsky Theatre

Zwischen dem weihnachtlichen Familienfest und den Träumen eines heranwachsenden Mädchens findet sich in der Choreografie von Marius Petipa und Lew Iwanov das gesamte Spektrum russischer Tanzkunst: wilde Pantomimen, Charaktertänze im spanischen oder orientalischen Stil, der große Schneeflockenwalzer und ein virtuoser Grand Pas de deux für das liebende Paar. Tschaikowsky setzte für seine Partitur ganz neue Instrumente ein und mit besonders schöner Wirkung auch einen Kinderchor. Die Fassung des Mariinsky-Balletts von Wassili Wainonen entstand 1934 und zeigt das Märchenballett in einer der schönsten unter den traditionellen Fassungen – als einen schönen Kindertraum, die letzte Reise ins Land der Süßigkeiten vor dem Erwachsenwerden.

Schon in „Dornröschen“ tanzen die Edelsteine im letzten Akt ein kleines Divertissement, der Exilrusse und Neuamerikaner George Balanchine huldigte ihnen 1967 mit einem ganzen Abendfüller: Die Idee zu „Jewels“ entstand, so geht die Legende, bei einem Spaziergang des Choreografen vor den Schaufenstern des berühmten New Yorker Juweliers Van Cleef & Arpels. „Emeralds“, „Rubies“ und „Diamonds“ heißen die drei Teile des Werkes, sie funkeln mit unzähligen Strass-Kristallen auf den Kostümen in Smaragdgrün, Rubinrot und im klaren Weiß der Diamanten.

Rubies by Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre

Zu ganz unterschiedlicher Musik zeigt uns Balanchine dabei die drei großen Traditionen des klassischen Balletts: den französischen, romantischen Stil, der in langen Tutu-Röcken zu Musik von Gabriel Fauré getanzt wird, dann die amerikanische Neoklassik, die zu jazzigen Rhythmen von Igor Strawinsky frech die Hüften kippt, und schließlich den russischen Klassizismus, der zu Tschaikowskys dritter Symphonie in einer prachtvollen Polonaise des Corps de ballet triumphiert. Abstrakt und doch voller sprechender Bilder ist „Jewels“ das erste abendfüllende Ballett, das den Tanz zu seinem Thema macht: Die wunderbaren Tänzer des Mariinsky-Balletts zeigen den Weg des klassischen Tanzes von Paris über St. Petersburg nach New York.

Termine:
Mariinsky- Residenz 21. bis 27. Dezember 2019
„Dornröschen“ 21., 22. und 23. Dezember 2019
„Der Nussknacker“ 25. und 26. Dezember 2019

Weitere Informationen und Tickets: www.festspielhaus.de
Persönliche Beratung und Reservierungen: Tel. 07221 / 30 13 101

Die Welt neu geordnet – Schätze aus der Zeit Napoleons

Napoleon Bonaparte, dessen Geburtstag sich 2019 zum 250. Mal jährt, ordnete die europäische Welt in vieler Hinsicht neu. Dies nimmt das Schmuckmuseum Pforzheim zum Anlass für eine Sonderausstellung zur neuen Art des Schmucks und der Mode, die die napoleonische Zeit prägten. Es sind der Klassizismus als »Stil der Revolution« sowie der dekorative Empire-Stil, die sich in ganz Westeuropa bis nach Russland ausbreiteten.

Brosche mit Porträt-Kamee Napoleons Achat, Diamanten, Silber, Gold Nicola Morelli,
frühes 19. Jh. Albion Art Collection, Tokyo

Die Wertvorstellungen der Aufklärung verlangten nach einer Ästhetik der Vernunft. Sie traf auf den Geschmack eines erstarkenden, selbstbewussten und gebildeten Bürgertums und bestimmte alle Bereiche der Kultur – von Architektur über Malerei, Möbel, Kleidung und Schmuck bis hin zu Literatur und Musik. Die bildende Kunst hatte den Geistesadel zu schaffen, um mit der Tradition des Geburtsadels zu brechen. Im Zuge der kaiserlichen Herrschaft Napoleons entfaltete der Empire-Stil seine repräsentative Pracht. Mit Arbeiten von Chaumet, dem Hofjuwelier Napoleons, wird auch Schmuck aus seinem Umfeld zu sehen sein.

Halsschmuck, Deutsch (?), um 1820. Angeblich aus dem Besitz von Marie Louise, der zweiten Gemahlin Napoleons © Schmuckmuseum Pforzheim, Foto Petra Jaschke

Weitere Informationen unter www.schmuckmuseum.de
Öffnungszeiten: Di bis So und feiertags 10 bis 17 Uhr (außer Hl. Abend und Silvester)

Lust auf mehr – Neues aus der Sammlung Würth zur Kunst nach 1960

Die Ausstellung in der Kunsthalle Würth zeigt alles: das Spektakuläre, das Stille, das Arrivierte, das noch Aufstrebende. Rund 170 meist neu erworbene Werke zur Gegenwartskunst sind in Schwäbisch Hall zu sehen: von Georg Baselitz und Christo, Alex Katz, Anselm Kiefer, Maria Lassnig und A. R. Penck bis zu Yngve Holen und Michael Sailstorfer.

Georg Baselitz, Vier Streifen Jäger (Remix) 2007 Öl auf Leinwand 300 x 250 cm Sammlung Würth, Inv. 17725 Foto: Jochen Littkemann, Berlin © Georg Baselitz
A. R. Penck, Weltbild Berlin I, o.J., Acryl auf Leinwand
, 300 x 500 cm, Inv. 2936, Foto: Bernd Borchardt, Berlin

Auf Wohin das Auge reicht (2018/19), den ersten Teil unserer Sammlungsausstellung zu den Neuerwerbungen von Gegenwartskunst seit den 1960er-Jahren, folgt nun der zweite Teil unserer ausgewählten Neuzugänge, die sowohl neue Richtungen innerhalb des Sammlungsgefüges einschlagen als auch bereits bestehende Stärken pointieren und weiterdenken. Die Schau zeigt eine Bandbreite von fast 70 Künstlerinnen und Künstlern, die insbesondere in den 1980er- und 1990er-Jahren wegweisend waren. Großen Raum nehmen dabei die US-Amerikaner ein, darunter Altmeister wie John Baldessari, Sam Francis, Peter Halley sowie David Lynch, der außer durch seine Arbeit als Filmregisseur auch als Maler erfolgreich ist.

David Salle, For Andrew 1996, Öl, Acryl und fotosensibilisiertes Leinen auf Leinwand, 183 x 243,5 cm, Sammlung Würth, Inv. 17791, Foto: Stefan Fiedler – Salon Iris, Wien © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Stars wie David Salle, Frank Stella, Robert Rauschenberg und Julian Schnabel bezeugen darüber hinaus die Fülle künstlerischer Ansätze, die aus den USA nach Europa strömten. Sie schlagen neue Töne innerhalb der Sammlung Würth an und sorgen für überraschende Akzente.

Gerade diese grundsätzliche Offenheit der Sammlung Würth erweist sich zunehmend als zentraler Aspekt ihrer Struktur und trägt elementar dazu bei, sie lebendig zu halten. Denn mit seiner engagierten Erwerbungsstrategie in drei Richtungen – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – baut der Unternehmer Reinhold Würth seine Sammlung beständig aus und entwickelt sie fort.

Gehen Sie mit auf Entdeckungsreise und erkunden Sie die Bandbreite der Kunst seit den 1960er-Jahren bis zu aktuellen, zeitgenössischen Positionen. Diese bewegt sich »Zwischen Geste und Raster«, lenkt unseren Blick auf »Anverwandlungen und Annäherungen«, um schließlich einer »Rückkehr zur Figuration« den Weg zu bereiten. Die visuelle Umsetzung von Zeitphänomenen, die Suche nach Neuem, aber auch die Auseinandersetzung mit Literatur, Theater und Kunstgeschichte verbinden sich hier zu einem facettenreichen Rundgang durch die weitverzweigte Sammlung Würth, der sich in acht Abschnitte gliedert und im begleitenden Ausstellungskatalog intensiv reflektiert wird.

Alexander Calder, Many Loops, One Black 1972, Gouache auf Papier, 78 x 58 cm, Sammlung Würth, Inv. 18116 Foto: Volker Naumann, Schönaich © 2019 Calder Foundation, New York /Artists Rights Society (ARS), New York

Flyer zur Ausstellung – Klicken Sie hier
Veranstaltungen & Begleitprogramm – klicken Sie hier

KünstlerInnen der Ausstellung
Horst Antes • John Baldessari • Stephan Balkenhol • Ivan Baschang • Georg Baselitz • Joseph Beuys • Bretz / Holliger • Cecily Brown • Daniel Buren • Alexander Calder • Rui Chafes • Jake and Dinos Chapman • Christo • Tony Cragg • Kris Dewitte • Tatjana Doll • Felix Droese • Tim Ernst • Barry Flanagan • Günther Förg • Sam Francis • Günter Fruhtrunk • Antony Gormley • Peter Halley • K. H. Hödicke • Yngve Holen • Jenny Holzer • Jörg Immendorff • Lore Jahnel • Magdalena Jetelová • John Kalunda • Alex Katz • Anselm Kiefer • Per Kirkeby • Franz Kline • Maria Lassnig • Andreas Lau • Markus Lüpertz • David Lynch • Nicola de Maria • Paul McCarthy • Jonathan Meese • Mario Merz • Robert Motherwell • David Nash • Albert Oehlen • Chris Ofili • Mimmo Paladino • A. R. Penck • Marc Quinn • Arnulf Rainer • Neo Rauch • Robert Rauschenberg • Gerhard Richter • Dieter Roth • Michael Sailstorfer • David Salle • Julian Schnabel • Bernard Schultze • Fillipus Sheehama • Pierre Soulages • Frank Stella • Lun Tuchnowski • Günther Uecker • Emilio Vedova • Johannes Vetter • Felix Weinold • Ben Willikens • Andrea Zaumseil


Kunsthalle Würth
Lange Straße 35
74523 Schwäbisch Hall
T +49 791 94-6720
F +49 791 94-67255
kunsthalle@wuerth.com
Öffnungszeiten
Täglich 10 – 18 Uhr
24. und 31. Dezember sowie während des Umbaus der Wechselausstellungen geschlossen.
25. und 26. Dezember und 1. Januar 12 – 17 Uhr

Website-Link:
https://kunst.wuerth.com/de/portal/startseite.php

Mondjäger

Erstmals werden im Kunstmuseum Ravensburg malerische und skulpturale Werke des herausragenden dänischen Künstlers Asger Jorn (1914–1973) gemeinsam mit den Animationsfilmen des renommierten schwedischen Künstlerduos Nathalie Djurberg & Hans Berg (*1978) präsentiert. Obwohl die skandinavischen Künstler Generationen und Medien voneinander trennen, verbindet sie eine Welt des Kreatürlichen, die von Mischwesen zwischen Mensch und Tier bevölkert ist.

Nathalie Djurberg & Hans Berg, Kunstmuseum Ravensburg Ausstellungsansicht

Die farbmächtigen Bildwelten der skandinavischen Künstler entführen den Betrachter auf eine Reise in die unbeherrschbare Zone zwischen Traum und Wirklichkeit. »Mondjäger« zeigt insgesamt 46 Werke Asger Jorns und setzt einen Schwerpunkt bei seinen malerischen Arbeiten aus den 1950er- und 1960er-Jahren sowie bei acht raumgreifenden Filmen von Djurberg & Berg, die zwischen 2008 und 2018 entstanden sind.

Nathalie Djurberg und Hans Berg,
I Am Saving This Egg For Later II
Kunstmuseum Ravensburg Ausstellungsansicht

Asger Jorn (1914–1973) gilt als einer der wichtigsten und facettenreichsten Künstler der europäischen Avantgarde nach dem Zweiten Weltkrieg. Djurberg & Berg (*1978) haben durch ihre verzaubernd-irritierenden Animationsfilme mit Figuren aus Knetmasse und hypnotischem Sound internationale Bekanntheit erlangt. Obwohl die skandinavischen Künstler Generationen und Medien voneinander trennen, verbindet sie eine Welt des Kreatürlichen, die von Mischwesen zwischen Mensch und Tier bevölkert ist. Die von Metamorphosen und Verwandlungen bestimmten Wesen verweisen auf die triebhaften Anteile unserer Spezies und lassen die mit »dem Tier« assoziierten Begriffe von Freiheit, Wildheit und Instinkthaftigkeit aufscheinen. Im spielerischen ergebnisoffenen Prozess werden klassische Wert- und Formbegriffe gesprengt, um dem Unbekannten und der Imagination Platz zu geben.

Kunstmuseum Ravensburg Ausstellungsansicht –
Werke von Asger Jorn

Die farbmächtigen Bildwelten entführen die Betrachter auf eine Reise voller Verwandlungen und Überraschungen und versprechen Einblicke in die Tiefen und Untiefen des Geistes. Ausgangspunkt der Ausstellung bildeten wichtige Gemälde Asger Jorns aus der Sammlung Selinka des Kunstmuseum Ravensburg, die durch zahlreiche Leihgaben ergänzt werden. »Mondjäger« zeigt insgesamt 46 Werke des dänischen Künstlers und setzt einen Schwerpunkt bei seinen malerischen Arbeiten aus den 1950er- und 1960er-Jahren sowie bei acht raumgreifenden Filmen von Djurberg & Berg, die zwischen 2008 und 2018 entstanden sind.

Ausstellungskatalog MONDJÄGER
ist im Verlag Hatje Cantz erschienen. Mit Texten von Axel Heil, Katharina Dohm, Selima Niggl, Lucas Haberkorn. Hrsg. Kunstmuseum Ravensburg, Ute Stuffer; Axel Heil.


Kunstmuseum Ravensburg
Burgstraße 9
88212 Ravensburg
Di bis So 11-18 Uhr
Do 11-19 Uhr
montags geschlossen, außer feiertags

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