Metamorphosen-
Hannah Zenger

Die Erfindung des europäischen Porzellans ist eine Geschichte von Persönlichkeiten voller Neugier, Wissensdrang, dem Hang zu schönen Dingen und folglich genau das richtige Material für die Designerin und Künstlerin Hannah Zenger. Sie begeistert sich am Sichtbarmachen, an Prozessen, am Forschen und an Materialität.

Hannah Zenger, Foto: Arne Hübner

„Mein Weg zur bildenden Kunst führte mich über die Architektur“, so Hannah Zenger, die während ihres Studiums eine große Faszination für das räumliche Sehen, Denken und Arbeiten entwickelte. „Mir wurden Parallelen an der Schnittstelle von Architektur und bildender Kunst bewusst. Charakteristische Denk- und Verfahrensweisen lassen sich in bildhauerische Arbeiten transferieren: Positiv und Negativ, Leere und Fülle, Stapelung und Reihung, Maß und Proportion oder Material und Oberfläche“.

Foto: Hannah Zenger

Ihre Arbeiten mit Porzellan und anderen keramischen Stoffen ist eine ausgesprochen sinnliche Arbeit, u. a., weil sie alle Elemente – Erde, Wasser, Luft und Feuer – in sich vereint. Und – werken mit Porzellan erfordert Sensibilität, Konzentration und Zeit.
Ihr klar durchdachtes, komplexes, konzeptuell-analytisches Konzept, das Charakteristika, Erscheinungsformen und Veränderlichkeit von Materialität erforscht, dabei Bekanntes transformiert und in neue Aggregatszustände überführt, transportieren ihre Objekte sichtbar nach außen. Trotzdem ist das, was man nicht sieht, oft entscheidender als das Sichtbare.
Ihre Inspirationen findet die Designer und Künstlerin vor allem in der Natur, u. a. im Wald. „Dort lässt sich wunderbar über mein großes Thema mit dem Arbeitstitel ‚alles ist in allem und alles ist eins‘ nachdenken“, erklärt Zenger. Und weiter: „Ich bin ein sehr visueller Mensch, mich prägt und inspiriert alles, was mich umgibt, auch Räume, Stimmungen, Farben.“ Vor vier Jahren fand sie bei einem Spaziergang im Schönbuch ein großes Stück Eichenrinde. Fasziniert vom fein strukturierten Rindenaufbau, der bei genauem Hinsehen wie die Gesteinsschichten eines Gebirges wirkten, nahm sie es mit. Es ist nicht das einzige Naturmaterial, das sie nach Hause geschleppt hat, aber es ist das einzige, das einen Platz in ihrem Porzellanstudio hat: Denn es dient als Vorlage für Skulpturen. Doch auch wenn Hannah Zenger die Ideen für ihre Porzellanarbeiten in der Natur findet, ist das Erscheinungsbild ihrer Kreationen modern und geradlinig. Vielleicht sogar gerade deshalb…

Foto: Hannah Zenger

Derzeit konzentriert sich Hannah Zenger verstärkt auf das freie künstlerische Schaffen. Für ihre neueste Arbeit „Erde & Wind auf Papier“ hat sie an ganz verschiedenen Orten Erden gesammelt und begonnen, ein Archiv anzulegen. Einige davon hat sie pulverisiert und in der Natur bei starkem Wind (unter anderem Sturmtief Mortimer) auf ihre Papierblätter gestreut – eine verkleinerte Form der Wirklichkeit. „Es gibt kein anderes Material, mit dem man mit einer Handvoll so viel über den Planeten aussagen kann wie durch Erde, Stein oder Sand“, ist die Künstlerin überzeugt. Elemente, die zur Natur gehören, erzeugen eine Harmonie, ganz egal wie man sie anordnet. „Die Natur ist für mich ein guter Ort, um über die Welt und die Wirklichkeit nachzudenken, in der man lebt.“ Auch Kunst zu machen, bedeutet für Zenger, genau das: über die Wirklichkeit nachzudenken.
„Erde & Wind auf Papier“ ist also eher als Hinweis auf die Dinge zu verstehen. Darauf, dass die Natur in allem gegenwärtig ist, in allem was wir sind, was wir sehen und was wir denken können. Hannah Zenger versucht ihr Vorhandensein sichtbar zu machen und dadurch eine Beziehung zu den uns umgebenden Dingen herzustellen. Das ehrfürchtige Schauen, Respekt und Achtung vor der Vergänglichkeit unserer Umwelt und die Rückbesinnung auf das Wesentliche bilden das Fundament ihres Werks.
Ein Beitrag von Susanne Heeber

Hannah Zenger
1988 in Böblingen geboren, studierte Hannah Zenger erst Architektur an der Universität und danach an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. 2015 setzte sie an der AK das Studium der Bildenden Kunst obendrauf, u. a. in der Fachklasse für Bildhauerei bei Professor Udo Koch. 2018 schloss sie mit dem Diplom ab. Schon seit 2015 lehrt Zenger am Institut für Darstellen und Gestalten, Universität Stuttgart unter Professorin Sybil Kohl und präsentiert ihre Arbeiten in Galerien und Museen, beteiligt sich an Messen und Wettbewerben.
2018 wurde sie mit dem Förderpreis des Staatspreises Kunst, Handwerk Design Baden-Württemberg und 2019 mit dem Blickfang Designpreis ausgezeichnet. Noch bis 2022 ist Zenger Stipendiatin des Landkreises Esslingen.

studio@hannahzenger.de
Hannah Zenger, Porzellan Studio, werkraum18, Vogelsangstraße 57
70197 Stuttgart
Termine nach Vereinbarung.

Friedemann Vogel

Er ist gefeierter Solist am Stuttgarter Ballett, ein begehrter Gast an vielen Theatern und – ja, dass darf man in aller Bescheidenheit konstatieren – ein Weltstar! Vor kurzem wurde Friedemann Vogel von der Zeitschrift Tanz zum Tänzer des Jahres 2019 ernannt. arsmondo hat mit dem gebürtigen Stuttgarter über seinen Werdegang, seine Arbeitsauffassung und seine Vorlieben, über Rollen, Orte und Menschen gesprochen.

Foto: Carlos Quezada

Sie werden derzeit in Stuttgart für Ihre Rolle in „Mayerling“, dem Handlungsballett von Kenneth MacMillan stürmisch gefeiert.
Es erzählt das tragische Leben und Sterben des letzten Thronfolgers Rudolf im Kaiserreich Österreich des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die Rolle gilt in jeder Hinsicht als extrem schwierig. Wie haben Sie sich auf das Stück vorbereitet?

Für „Mayerling“ hatten wir drei Monate intensive Probenarbeit. Wir hatten dafür sogar ein separates Studio, ein abgeschottetes Resort, in dem wir uns intensiv auf unsere Rollen vorbereitet konnten. Ich habe sehr viel über Rudolf gelesen, mir Verfilmungen angeschaut, Bücher gelesen – zudem gibt es ja so viele Geschichten und Gerüchte, die sich um ihn und seinen Tod ranken. Auch mit den politischen Verhältnisse jener Zeit in Österreich und zur Habsburger Monarchie habe ich mich beschäftigt. Ich habe mich gefragt, wie es ist, als Thronfolger zur Welt zu kommen, in eine lieblose und strenge Welt voller Zwänge, Erwartungen und Pflichten. Rudolf war ein eher sensibler und musischer Mensch und ist an dieser Diskrepanz gescheitert und zerbrochen. Ich wollte seine Persönlichkeit durchdringen, indem ich viel über ihn erfahre und dadurch verstehe, wie er zu dem Menschen wurde. Dazu habe ich mich in ihn hinein zu versetzen versucht, wie er fühlte und welche Haltung er nach außen hin hatte. Ich habe versucht, diesen Keim auch in mir zu finden.

Szene aus „Mayerling“, Foto: Roman Novitzky
Szene aus „Mayerling“ /Choreografie von Kenneth MacMillan mit Elisa Badenes, Friedemann Vogel © Stuttgarter Ballett
Szene aus „Mayerling“ – Choreografie: Kenneth MacMillan, Tänzer/Dancer: Elisa Badenes, Friedemann Vogel
© Stuttgarter Ballett

Wie gelang Ihnen der Zugang zu Rudolfs komplexer Gefühlswelt – nicht nur als Tänzer, sondern auch als Darsteller?
Das Stück ist wie eine Spirale aufgebaut, die sich langsam nach unten dreht – eine Art Abwärtssog. Da muss man emotional voll einsteigen und bis zum Ende der Vorstellung drin bleiben: körperlich und mit allen Sinnen. Als Tänzer ist natürlich das Körperliche der erste Schritt, um in die Gefühlswelt und in den Charakter einer Rolle einzutauchen – man verinnerlicht also über die Bewegung. „Mayerling“ erzählt die Geschichte Rudolfs vor allem auch durch seine Beziehungen zu den Frauen, die ihm nahestanden. Es gibt insgesamt acht Pas-de-deux – so viel wie in keinem anderen Stück –, die die unterschiedlichen Beziehungen charakterisieren. Rudolf ist fast die ganze Zeit auf der Bühne – das ist schon ein Kraftakt, mental und körperlich, in den man hineinwachsen muss. Am Abend der Aufführung kommt es dann jedes Mal zu einzigartigen Begegnung mit meinen Tanzpartnerinnen, es geht um die Tagesform – kein Moment auf der Bühne wiederholt sich emotional. Das heißt, man muss aus dem Moment heraus reagieren, auch wenn man alles geprobt hat, muss man dann aus dem Gefühl heraus agieren – keine Sprünge mehr analysieren, sondern voll und ganz dem Körper vertrauen und loslassen. Nur so kann man eine solche Rolle und ihre Entwicklung auch überzeugend und folgerichtig aufbauen.

Ist das auch bei anderen Rollen in Handlungsballetten so?
Ja, nehmen wir zum Beispiel den Romeo in „Romeo und Julia“: Diese Rolle zu tanzen, ist körperlich auch sehr anstrengend. Aber im Unterschied zu Rudolf gibt die Rolle viel Liebe und Leidenschaft – da kommt also Energie zurück. Bei „Mayerling“ ist es ein Kampf, ein permanentes Ringen. Cranko, Neumeier, McMillan – sind für mich Genies – wahre Meister des Erzählens – sie haben ein intuitives Bewusstsein für die Geschichten, die sie erzählen wollen und entwickeln daraus ihre Choreografien. Bei McMillans Stück gibt es sehr viele Einzeldrehungen und die dann auch noch auf einem Bein – da geht es um Balance, um Gewichtsverteilung. Das muss man sich körperlich hart erarbeiten und man hat zahlreiche Phasen und Momente, die viel Kraft kosten.
Das Tanzen im Kostüm ist eine weitere Herausforderung – wobei die Enge und Schwere der Stoffe auch helfen, sich selbst zurückzunehmen und in die Rolle zu finden. Die Premiere von „Mayerling“ und auch die Vorstellungen bisher habe ich dann aber wirklich genossen, weil ich in die Rolle hineingewachsen bin. Dazu kam das Publikum, das extrem mitgegangen ist – das fühlst Du auf der Bühne und das trägt Dich. Was die Rolle mir tatsächlich abverlangt hat, habe ich allerdings erst bemerkt, als ich eine Woche nach der Premiere den Albrecht in „Giselle“ in Zürich getanzt habe – das fühlte sich plötzlich ganz leicht an – pure Romantik – fast schon schwerelos.

Friedemann Vogel in Romeo und Julia, Choreografie: John Cranko. Julia: Alicia Amatriain, Foto: Stuttgarter Ballett

Orte, Menschen, Rollen – Meilensteine Ihrer Entwicklung?
Sie stammen aus Dettenhausen, einem kleinen Ort zwischen
Tübingen und Stuttgart. Ihre Eltern sind keine Künstler.
Wie wurden Sie zu dem, der sie sind?
Gute Frage…Ich weiß nur, dass ich schon als kleines Kind immer tanzen wollte. Mein elf Jahre älterer Bruder war bereits Tänzer, er war u.a. auch Erster Solist beim Stuttgart Ballett und hat mich von klein auf in viele Vorstellungen mitgenommen. Als Kind habe ich so alle wichtigen Ballette gesehen von Schwanensee bis hin zu Onegin und natürlich auch viele Ballettabende. Ich hatte das Glück, dass ich alle körperlichen Voraussetzungen mitbrachte, die man für den klassischen Tanz braucht.
Entscheidend für mich und meinen weiteren Weg waren dann meine Ausbildung in der John Cranko Schule hier in Stuttgart und das Stipendium an der Académie Princess Grace in Monte Carlo. Marika Besobrasova aus Monte Carlo habe ich viel zu verdanken. Sie war eine berühmte russische Ballettlehrerin, die mit großen Tänzern wie z.B. Nurejew gearbeitet hat. Sie hatte einen ganzheitlichen Lehransatz und sah den ganzen Menschen. Wir Schüler lernten bei ihr nicht nur klassisches Ballett, sondern auch Yoga, Ausdruckstanz, Schauspiel, richtig zu atmen und Improvisation. Sie hat uns gezeigt, wie man auf der Bühne neben Tanzen auch richtig geht. Wissen Sie, als Romeo läuft man anders als in der Rolle des Onegin oder Siegfried, auch das prägt eine ganze Rolle. Sie war in jeglicher Hinsicht formend und hat mir gezeigt, wohin meine Reise führen könnte – übrigens auch privat. Ich war oft bei ihr zu Besuch und habe ihr geholfen, Einladungen vorzubereiten. Von ihr habe ich gelernt, wie man mit Menschen umgeht. Außerdem hat sie mich schon ganz früh allein zu Wettbewerben geschickt. Ich musste alles organisieren, von den Kostümen bis hin zur musikalischen Begleitung. Das war eine Vorbereitung für mein Leben, denn so wurde ich selbstständig. Da ich schon früh in meiner Karriere gastiert habe, kam ich auf Reisen immer gut allein zurecht. Ich brauche bis heute keinen Agenten, der das für mich regelt.

Friedemann Vogel in Onegin, Choreografie: John Cranko,
Foto: Stuttgarter Ballett

Was Rollen betrifft, so war Onegin für mich sicher einer der Meilensteine – ich glaube für viele Tänzer, inklusive mir selbst, ist das ein nahezu heiliges Stück – es stand immer ganz weit oben auf meiner Wunschliste. Vor ein paar Jahren sagt Reid Anderson (Stuttgarter Intendant bis 2018): „Jetzt bist Du bereit, auch den Onegin zu tanzen“. Das war eine Sternstunde für mich. Da hat sich ein Traum erfüllt und zwar genau zum richtigen Zeitpunkt. Ich hatte die Rolle bis dahin bereits von vielen Tänzern gesehen… – doch in diesem Moment fühlte ich mich tatsächlich selbst reif dafür, Onegin meine ganz eigene Persönlichkeit zu geben.

Sie haben in Ihrem bisherigen Tänzerleben alles erreicht – jetzt sind Sie vierzig Jahre alt. Was würden Sie sich für Ihre Bühnen-Karriere noch wünschen?
Ein ganz neues Ballett zum ersten Mal zu tanzen. Am liebsten ein Handlungsballett. Eine Geschichte zu erzählen – etwas komplett neu aufbauen, was noch nicht da ist, das wäre mein Traum.

Sie sind viel unterwegs gastieren auf der ganzen Welt…
Ja, ich gastiere viel, aber ich bin nicht der Typ, der einfach kommt und tanzt. Ich will meine Tanzpartnerinnen und -partner kennenlernen, gemeinsam proben.

Was darf in ihrem Gepäck nie fehlen?
Meine Ballettschuhe und -trikots, Trainingssachen – seit einmal mein Koffer nicht ankam, packe ich die immer ins Handgepäck. Der Verlust war richtig schlimm für mich. Gerade an anderen Orten will ich meine eigenen Sachen haben und tragen – und meine Ballettschuhe sind mein wichtigstes Werkzeug!

Künstler, die Sie bewundern?
Menschen im allgemeinen und zwar diejenigen, die eine innere Kraft und Stärke ausstrahlen, die Visionen haben, diese unbeirrt verfolgen und andere dafür begeistern können. Solche Menschen bewundere ich und kann ihnen stundenlang zuhören.

Dinge, die Ihnen wichtig sind?
Nichts Materielles – es gibt eigentlich keine Gegenstände, an denen ich so hänge, dass ich sie unbedingt auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Es sind eher Erlebnisse und Menschen.
Ich habe in China einmal verzweifelt nach Wasser mit Kohlensäure gesucht – das gibt es dort so gut wie nicht. Und ich trinke gerne guten Kaffee… Es sind eher die ganz normalen Dinge, an denen ich hänge, die einem Vertrautheit und Heimat vermitteln und die mir dann fehlen, wenn sie plötzlich mal nicht da sind.
Landschaften oder Städte, die Ihnen in Erinnerung bleiben?
Ich liebe Italien. Ich arbeite viel in Rom und Mailand. Diese Städte zu erkunden, durch die alten Gassen und entlang wunderbarer Bauwerke zu schlendern, das liebe ich. Ebenso wie mit Leuten aus der Compagnie nach Proben und Vorstellungen noch essen zu gehen. Wichtiger aber als die Städte selbst sind für mich die Tanzcompagnien. Zum Beispiel Helsinki – für mich keine sonderlich schöne Stadt – aber das Tanzen war großartig und die Menschen erst, da bleiben dann andere schöne Erinnerungen.

Bringen Sie von Ihren Reisen auch gerne etwas mit?
Früher ja, heute eher weniger – aber ich hatte mir aus China einmal ein antikes Pferdegeschirr mitgebracht. Das hat mich fasziniert – obwohl ich ja weder reite, noch ein Pferd habe…

Das absurdeste Verrückteste, das Ihnen je auf Reisen passiert ist?
Da fällt mir spontan Japan ein, weil es in diesem Land so viele Extreme gibt. Einerseits sind die Japaner ja verrückt nach Klassik – egal ob Ballett oder Musik. Dann fährt man andererseits aber mit der Metro und kommt sich vor wie in einem virtuellen Raum – du siehst Menschen als Puppen und Comicfiguren verkleidet – überall leuchten Neonfarben, laute Musik und überall Technik – die totale Reizüberflutung. Dann wieder betritt man eine kleine Seiten-straße und stößt auf ein uraltes historisches Sushi-Restaurant und an der nächsten Ecke warten bereits wieder computergesteuerte Kraken-Arme, die Spielzeuge aus einem Automaten fischen.

Stuttgart ist für Sie…
Ganz klar: Stuttgart ist meine Heimat.

Wo könnte man Sie hier treffen?
Ich bin gerne in der Stadtmitte mitten drin. Ich wohne am Eugensplatz, das ist mein Revier – von dort aus kann ich zu Fuß ins Theater gehen. Ich gehe gerne in den Mineralbädern in Bad Cannstatt schwimmen. Und ich mag die schwäbische Küche, am liebsten Maultaschen mit Kartoffelsalat, Schnitzel mit Pommes oder Käsespätzle – ganz einfach, schwäbische Hausmannskost.

Wie entspannen Sie? Wo und wie können Sie am schnellsten
abschalten?
Entspannung ja, abschalten muss ich nicht! Ich habe mit dem Tanzen das gefunden, was mich ausfüllt und glücklich macht. Ich habe auch nie richtig lange Urlaub gemacht. Ich liebe die Natur, gehe gerne in den umliegenden Wäldern rund um Stuttgart laufen. Ich höre gerne Musik, nichts Spezielles; es kommt auf meine Stimmung an, reicht aber von Elektronik bis zu Gustav Mahler. Musik als Dauerberieselung ist dagegen nicht mein Ding, weder auf Reisen, noch in Hotels oder beim Kochen. Denn ich mag es auch, wenn es einfach mal ganz ruhig ist – dann genieße ich einfach die Stille.

Szene aus „Kaash“ (c) )Stuttgarter Ballett

Wie lautet Ihr Credo?
Das müssten Sie eigentlich andere fragen…(lacht). Ich versuche authentisch zu sein, Dinge zu akzeptieren, wie sie sind. Ich glaube, jeder Mensch sollte das, was ihn besonders macht, zuerst in sich selbst suchen, nicht zu sehr im Außen. Seiner Umgebung und sich selbst nichts vorzuspielen – akzeptieren wer man ist.

Wie finden Sie auch in schwierigen Zeiten zu sich?
Ich bin kein Analytiker. Meine Bewältigung ist die Bewegung, das Tanzen – das macht mich stark. Wenn ich einen schwierigen Termin habe oder ein Problem lösen muss, dann hilft es mir, in die Bewegung, in die körperliche Aktion zu gehen – das ist mein Ausgleich. Nach der körperlichen Erschöpfung kann ich dann meistens klarer denken.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Claudia Fenkart-Njie


Mehr über Friedemann Vogel und das Stuttgart Ballett…

Am Württembergischen
Staatstheaterin Stuttgart»
bleibt alles anders«.

Alle drei Sparten starten zum ersten Mal in der Geschichte des traditionsreichen Hauses in eine neue Intendanz: für das Schauspiel verantwortet Burkhard C. Kosminski, für die Oper Viktor Schoner und das Ballett Tamas Detrich. Zudem wurde Cornelius Meister zum neuen Generalmusikdirektor berufen.
Das ist ein willkommener Anlass für eine spartenübergreifende Koproduktion. Das Herzstück dieser Inszenierung in der Regie von Anna-Sophie Mahlerbilden sind »Die sieben Todsünden« von Kurt Weill und Bertolt Brecht.

Die OPER stellt statt Antworten Fragen an den Beginn dieser neuen Intendanz: Ausgehend von »Lohengrins« verstörend absolutem Frageverbot über seine Herkunft (Inszenierung: Árpád Schilling) sollen mit den Neuproduktionen Fragen gestellt werden – philosophische, naive, persönliche. »Es ist der Versuch, die komplexen Zusammenhänge unserer Gegenwart mit der wunderbaren Kunstform Oper zu erforschen; der Versuch einer Differenzierung – auch als Reaktion auf vereinfachende Antworten«, so Viktor Schoner.

Viktor Schoner und Cornelius Meister (c) Matthias_Baus

Die Opernpremieren, davon ein Gastspiel, schlagen den Bogen von der Frühklassik bis ins Jahr 2018. Daneben stehen 17 Opern des Repertoires auf dem Spielplan.
Am Vorabend zu Allerheiligen, am 31. Oktober 2018, stellen Alain Platel und Fabrizio Cassol mit der zweiten Saison-Premiere »Requiem pour L.« die Frage: »Wohin gehst du?« In dieser musikalischen Überschreibung von Mozarts »Requiem« befragen 14 Musikerinnen und Musiker aus Afrika und Europa Mozarts Fragment gebliebenes letztes Opus aus einer globalen Perspektive.
Am Sonntag, 2. Dezember 2018 feiert Sergej Prokofjews »Die Liebe zu drei Orangen« in deutscher Sprache als Familienproduktion Premiere im Opernhaus: Axel Ranisch, der als Independent-Filmemacher, Tatort-, Löwenzahn-, Theater- und Opernregisseur arbeitet und gerade seinen ersten Roman veröffentlicht hat, wird das Werk als skurril-farbenfrohe Märchenoper in Szene setzen und damit die Frage stellen »Worüber lachst du?«.
Zwei Werke aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägen die Premieren im Frühjahr 2019: Generalmusikdirektor Cornelius Meister leitet am 17. März 2019, die Neuproduktion von Hans Werner Henzes »Der Prinz von Homburg« nach Heinrich von Kleists gleichnamigem Drama über Disziplin, Gehorsam und Träumerei. Die im Zeitalter von Fake News, der vermeintlichen medialen Falschinformation, zentrale Frage »Wem glaubst du?« steht im Zentrum der Premiere von John Adams’ »Nixon in China« am 7. April 2019; Regie: Marco Štorman.
Die inzwischen in Paris zum Kult avancierte Produktion von Christoph Willibald Glucks »Iphigénie en Tauride« in der Inszenierung von Krzysztof Warlikowski aus dem Jahr 2006 geht der Frage »Wem vergibst du?« nach. Sie feiert am 28. April 2019, als Übernahme von er Opéra national de Paris Premiere. Damit wird zum ersten Mal eine Opernarbeit des polnischen Regisseurs und seiner Ausstatterin Malgorzata Szczesniak in Stuttgart zu sehen sein. Stefano Montanari dirigiert und steht damit erstmals am Pult des Staatsorches-ters Stuttgart.
Am Ende des Premierenreigens dieser Spielzeit steht mit Arrigo Boitos »Mefistofele« am 16. Juni 2019 die Frage: »Was verlangst du?«. Die Neuproduktion mit der italienischen Sicht auf den deutschen Faust-Mythos inszeniert Àlex Ollé, Mitglied des katalanischen Theater-Kollektivs La Fura dels Baus.
Die Saison 2018/19 schließt mit drei außergewöhnlichen Produktionen aus dem Stuttgarter Opernrepertoire der vergangenen 20 Jahre: Calixto Bieitos Interpretation von Wagners »Der fliegende Holländer«, Kirill Serebrennikovs Sicht auf Richard Strauss‘ »Salome« und schließlich Bellinis »Norma« in der Regie von Jossi Wieler und Sergio Morabito aus dem Jahre 2002.
Darüber hinaus gibt es bei den Sinfoniekonzerten 2018/19 neben spannenden Dirigentendebüts auch Wiederbegegnungen mit einigen dem Stuttgarter Publikum bekannten Gastdirigenten Dennis Russell Davies, Marek Janowski und Daniele Rustioni. Zum ersten Mal gibt es in dieser Saison zusätzlich zu den etablierten Reihen zwei neue Konzertformate im Opernhaus: ein Filmkonzert sowie ein großes Familienkonzert.

Tamas Detrich (c) Roman Novitzky

Die erste Spielzeit von Tamas Detrich als Intendant des BALLETTS steht unter dem Motto »One of a Kind«. Zu Deutsch: einzigartig. Das Motto ist gleichzeitig der Titel eines abendfüllenden Stückes von Jirí Kylián, eines in jeglicher Hinsicht einzigartigen Künstlers, der im Jahr 1968 – also vor genau 50 Jahren – seine Weltkarriere in Stuttgart startete.
Die Spielzeit beginnt ganz puristisch mit dem Ballett-abend »Shades of white«: drei Werke – ein jedes in weiß gekleidet – die verschiedene Facetten des klassischen Balletts zelebrieren. Neu im Repertoire ist »Das Königreich der Schatten« aus La Bayadère, eine der erlesensten Szenen, die der Ballettkanon zu bieten hat, choreographiert von Marius Petipa – dem Vater des klassischen Balletts. Umrahmt wird dieses Juwel von John Crankos geistreichem »Konzert für Flöte und Harfe« und George Balanchines funkelnder »Sinfonie in C«.
Außerdem hat sich Theaterlegende Jürgen Rose bereiterklärt, nach 30 Jahren wieder ein Ballett auszustatten – und zwar eines von Kenneth MacMillans fesselndsten, aufwühlendsten Stücken, das die letzten, verzweifelten Tage im Leben des Habsburger Kronprinzen Rudolf schildert: »Mayerling«. Das Werk ist ein Unikat im Kanon der Handlungsballette des 20. Jahrhunderts.
Im Jahr 2019 wird mit dem Ballettabend »Aufbruch!« das 100. Jubiläum der Weimarer Verfassung sowie der Gründung des Staatlichen Bauhauses in Weimar begangen. Drei sehr unterschiedliche Choreographen brechen auf, um diesen beiden Ereignissen zu begegnen: Katarzyna Kozielska, Nanine Linning und Edward Clug.
Am Ende der Spielzeit steht ein Stück von einem weiteren »One of a Kind«-Künstler auf dem Programm: Akram Khan, dessen Fusion von indischem Kathak mit zeitgenössischem Tanz ihn zu einer der originellsten Stimmen der Tanzwelt gemacht hat. Sein »Kaash« kommt gemeinsam mit einer weiteren Erstaufführung – Johan Ingers »Out of Breath« – und der Wiederaufnahme von Itzik Galilis »Hikarizzato« auf die Bühne. Außerdem steht das 40. Jubiläum von John Neumeiers »Die Kameliendame« an. Selbstverständlich werden außerdem weitere Werke von John Cranko getanzt, allen voran »Romeo und Julia« hier in Stuttgart sowie sein »Schwanensee« und »Onegin« während eines großen Gastspiels in Japan.

Spielzeiteröffnungsfest 2018/19
Auf dem Bild
Burkhard C. Kosminski
Foto: Björn Klein

Unter dem Leitmotiv »Warum denn nicht warum« möchte Burkhard C. Kosminski das SCHAUSPIEL Stuttgart als eine Plattform für Fragen und konstruktiven Dialog etablieren, wobei ihm drei große Themenkomplexe besonders am Herzen liegen: Stuttgart als eine moderne Stadt, anhand derer man Utopien zukunftsorientierter und nachhaltiger Stadtentwicklung entwerfen und diskutieren kann.
Stuttgart als eine internationale Stadt und das Schauspiel als Denk- und Begegnungsraum für internationale Perspektiven und Identitätskonstruktionen.
Und das Schauspiel Stuttgart als Ort für Literaturtheater, mit einem besonderen Fokus auf dem zeitgenössischen Autorentheater.
Zeitgenössische Autoren und Autorinnen werden für das Schauspiel und das Stuttgarter Ensemble neue Stücke schreiben und dabei ihre Sicht auf unsere Gegenwart reflektieren und zur Diskussion stellen. In dieser Spielzeit sind dies Texte von Wajdi Mouawad, Clemens J. Setz, Nis-Momme Stockmann (in Zusammenarbeit mit den Frankfurter Positionen) und Roland Schimmelpfennig. Außerdem werden Texte von Theresia Walser, Elfriede Jelinek und Simon Stephens zu sehen sein.
Das umfangreiche Programm 2018/2019 umfasst insgesamt 24 Produktionen, darunter sechs Uraufführungen und deutschsprachige Erstaufführungen, eine spartenübergreifende Produktion mit Oper und Ballett sowie drei Koproduktionen, u.a. mit dem renommierten Schweizer Theatermacher Milo Rau. Diskursive Formate mit Partnern wie der Robert-Bosch-Stiftung und dem SWR sowie zahlreiche Extraveranstaltungen und theaterpädagogische Angebote runden das Programm ab. Eröffnet wird die neue Spielzeit mit einem doppelten Premierenwochenende am 16./17./18. Und 23./24./25.November und einer begehbaren Stadtraum-Installation des Künstlers Tobias Rehberger.
Neben dem Schauspielhaus wird das Kammertheater zukünftig der zweite zentrale Spielort des Schauspiels sein.

Konzert-Highlights

Kiss of Fire – Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim
meets Spark – Die klassische Band

Die Senkrechtstarter der internationalen Klassikszene verbindet den Feinsinn und die Präzision eines klassischen Kammermusikensembles mit der Energie und dem Biss einer Rockband. Tradition und Innovation werden bei den fünf jungen Musikern von Spark zu einem Klangerlebnis, das sich virtuos und unverkrampft zwischen den verschiedensten musikalischen Welten bewegt: Barocke Ohrwürmer verschmelzen mit Filmmusik und Minimal Music, slawische Folklore und jazzige Grooves treffen auf klassische Avantgarde. So erreichen Spark besonders auch die junge Generation. Auf dem Konzertprogramm am 12. November stehen Werke von der barocken Opernwelt eines Henry Purcell bis hin zu rockig-klassischen Klängen, wie sie der niederländische Komponist Chiel Meijering in seiner Suite „Kiss of Fire“ verbindet. In acht kurzen Charakterstücken zeigt das Werk für Spark und Kammerorchester mit den unterschiedlichsten musikalischen Mitteln vom afrikanischen Rhythmus bis hin zu Popelementen die unterschiedlichsten Facetten der Musik, der Liebe und des Lebens…
Weitere Info & Karten: www.swdko-pforzheim.de

Foto oben: Spark 1d ┬® Bartosch Salmanski


Nachtschwärmer-Konzerte
„Nachtschwärmer-Konzerte“ – heißt die neue Veranstaltungsreihe, die die Stuttgarter Philharmoniker gemeinsam mit dem Jazzclub BIX im Gustav-Siegle-Haus aus der Taufe gehoben haben. Ziel der Reihe ist es, neue Begegnungen zwischen unterschiedlichen Publikumsgruppen zu ermöglichen. Die Programme der „Nachtschwärmer-Konzerte“ sind mehrteilig angelegt: der erste Teil ertönt im Saal des Gustav-Siegle-Hauses der zweite klingt dann im Jazzclub BIX aus. Das erste Konzert der Reihe startet mit einer Sinfonie von Mendelssohn, gefolgt von einem Klavierkonzert von Bach, für Akkordeon und Orchester arrangiert, und Tangos von Astor Piazzolla. Anschließend spielt die Akkordeonistin Ksenija Sidorova (Foto) im Jazzclub mit Jazzern weiter. Die Konzertreihe eignet sich aber auch hervorragend für besondere Kammermusikprogramme, beispielsweise die Gesamtaufführung aller sechs Streichquartette op. 18 von Beethoven an einem Abend durch Quartettformationen des Orchesters. Hierbei werden die Ensembles in der Mitte des Parketts platziert, während das Publikum die Aktion ringförmig umgibt. Anschließend gibt’s Jazz-Kammermusik im BIX. In einem weiteren Konzert tritt der Jazztrompeter, Pianist und Komponist Sebastian Studnitzky mit in seinem Projekt „Memento“ auf, ein anderes mit dem jungen Pianisten und Dirigenten Frank Dupree (Foto) verbindet Orchester- und Klaviermusik von Beethoven mit der von Duke Ellington und George Gershwin.
Weitere Informationen zum Programm und Karten:
www.stuttgarter-philharmoniker.de

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Martin-Stadtfeld (c) Marco-Borggreve/Sony-Classical

Der Goldstadtzirkel weltberühmter Pianisten“
Martin Stadtfeld
Martin Stadtfeld spielt erneut mit der Badischen Philharmonie Pforzheim und eröffnet mit dem „Goldstadtzirkel weltberühmter Pianisten“ die Sinfoniekonzert-Reihe der neuen Spielzeit. Stadtfelds Karriere begann 2002 mit dem ersten Preis des Internationale Bach-Wettbewerbs. Seine Einspielungen auf CD (u.a. bei SONY Music) erhielten mehrfach den ECHO Klassik-Preis. In Pforzheim spielt Martin Stadtfeld nun Sergej Rachmaninows 2. Klavierkonzert c-moll op. 18:. Romantisch-expressiv ist dieses Klavierkonzert, das seit der Urraufführung 1901 das erfolgreichste Rachmaninows ist. Eröffnet wird das Konzert mit Maurice Ravel Suite für Orchester „Ma mère l‘ oye“. Eine Sammlung von Märchen ist „Meine Mutter Gans“, die ursprünglich als Fassung von fünf Kinderstücken für Klavier zu vier Händen entstand. Abschließend stimmt die Badische Philharmonie Pforzheim mit der „Reformations-Symphonie“ in das Luther-Jubiläum mit ein. Felix Mendelssohn-Bartholdy komponierte sie 1830 zum 300. Jubiläum der Confessio Augustana. 
15. Oktober CongressCentrum Pforzheim, Karten: Online-Ticketshop arsmondo


Bartoli / Gabetta (c) Decca/Esther Haase

„Dolce Duello“ –
Cecilia Bartoli & Sol Gabetta

Musikalisches Gipfeltreffen: Cecilia Bartoli liebt es, die Register wie ihre Rollen zu wechseln und die ganze Palette von Gefühlszuständen auszuspielen – von innig zart bis rasend, von schüchtern bis wild, von verliebt bis wütend. Die Mezzosopranistin gehört seit über zwei Jahrzehnten zu den absoluten Topstars der Klassik-Szene, mit einem dunkel-satten Timbre von bewegender Schönheit, einem herausragenden darstellerischen Talent, außerordentlicher Musikalität und einer elektrisierenden Bühnenausstrahlung im Konzert und auf der Opernbühne. Im Baden-Badener Festspielhaus, wo La Bartoli zuletzt in Bellinis „Norma“ glänzte, trifft sie nun auf ihre Freundin Sol Gabetta, die ihrerseits zu den besten Cellistinnen weltweit gezählt wird. Dabei kann sie auf den vier Saiten ihre Violoncellos nicht nur beseelt singen, sondern auch dramatisch auftrumpfen und immer wieder spieltechnisch glänzen – etwa, wenn sie mit hochemotionalem und überaus riskantem Spiel die virtuosesten Werke in schwindelerregendem Tempo präsentiert, so dass die Musik unter ihrem Bogen Funken zu schlagen scheint wie bei einem Vulkanausbruch. Cecilia Bartoli und Sol Gabetta präsentieren im Baden-Badener Festspielhaus mit „Dolce Duello“ ein abwechslungsreiches Barockprogramm gemeinsam mit der Cappella Gabetta, einer handverlesenen Originalklang-Truppe, die Sol Gabetta im Dezember 2010 gemeinsam mit ihrem Bruder Andrés Gabetta, einem brillanten Barockviolinisten und Konzertmeister, gegründet hat. Für „Dolce Duello“ haben Cecilia Bartoli und Sol Gabetta einige wunderbare Werke für Gesang und Violoncello ausgegraben. Darunter finden sich berührende Lamenti wie in Händels Ode für die Heilige Cäcilie sowie energiegeladenere Arien wie „Di verde ulivo“ von Vivaldi.
23. November im Festspielhaus Baden-Baden, Karten: www.festspielhaus.de


Mischa Maisky (c) Deutsche Grammophon

Emotionale Freigiebigkeit –
Mischa Maisky & Musikkollegium Winterthur

Mischa Maisky ist der wohl berühmteste Cellist unserer Zeit, weltweit gefeiert als „großer Romantiker“. Sein Spiel ist emotional, intensiv, brennend vor Leidenschaft, dabei edel und seelenvoll im Ton: „Ich gebe nicht 100, sondern 120 Prozent“, sagt der lettische Jahrhundertmusiker mit der Silbermähne über sich. Und: „Ich spiele jedes Konzert, als wäre es mein letztes. Ich verschwende, sagen manche, jedes Mal sehr viel Energie. Aber ich glaube, dass die Konzertbesucher die emotionale Freigiebigkeit eines Musikers fühlen, die viel wichtiger ist als Technik.“ Kurz vor seinem 70. Geburtstag (am 10. Januar 2018) darf sich das Göppinger Publikum auf 120 Prozent Mischa Maisky in Schostakowitschs erstem Cellokonzert freuen – an seinem kostbaren Montagnana-Cello, im Dialog mit dem traditionsreichen schweizerischen Musikkollegium Winterthur unter der inspirierten Leitung seines neuen Chefdirigenten Thomas Zehetmair. Dass die Winterthurer zudem eine Deutsche Erstaufführung im Gepäck haben, macht den Abend desto spannender!
6. November 2017, 20 Uhr, Stadthalle Göppingen


Maximillian Hornung, Photo: Marco Borggreve

Münchener Kammerorchester
& Maximilian Hornung

Mit bestechender Musikalität, instinktiver Stilsicherheit und musikalischer Reife hat der Cellist Maximilian Hornung die internationalen Konzertpodien erobert. Für seine erste Sony-CD erhielt er den ECHO Klassik-Preis 2011 als Nachwuchskünstler des Jahres, für die Veröffentlichung von Dvořáks Cellokonzert den ECHO Klassik 2012 für die »Konzerteinspielung des Jahres«. Mit dem Münchener Kammerorchester wird er ein Auftragswerk des MKO für Violoncello und Orchester von Tobias PM Schneid aufführen. Der finnische Dirigent John Storgårds ist speziell für eine auf drei Spielzeiten angelegte Reihe engagiert worden, nämlich Haydns Londoner Sinfonien den Ligetis Solokonzerten – hier das Konzert für Violoncello und Orchester – gegenüberzustellen. An diesem Abend bilden die Sinfonien Nr. 97 und Nr. 103 »Mit dem Paukenwirbel« den Rahmen des Konzerts. Das Konzert findet am 6. Dezember im Konzerthaus Ravensburg statt.-
Karten: www.ravensburg.de

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„EINE WEIHNACHTSGESCHICHTE“ VON CHARLES DICKENS
Miroslav Nemec & Udo Wachtveitl in einem Bühnenmärchen mit Musik

Sie ist – neben der Geschichte von Jesu Geburt – das vermutlich meisterzählte Literatursujet der Adventszeit: Charles Dickens‘ „Weihnachtsgeschichte“. Die sozialkritische Erzählung über den alten Geizhals Ebenezer Scrooge, der am Vorabend des Weihnachtsfests von vier Geistern heimgesucht wird und durch sie seine Menschlichkeit wiederentdeckt, ist ein Klassiker. Kaum ein Theater, das dieses Werk nicht schon mehrfach gespielt hat. Warum dann eine neue Fassung? Der Regisseur und Produzent Martin Mühleis hat mit seinen Bühnenbearbeitungen von literarischen Werken in den vergangenen Jahren große Erfolge gefeiert. Allein seine Bearbeitung von Erich Kästners autobiographischer Erzählung „Als ich ein kleiner Junge war“ mit Walter Sittler in der Hauptrolle wurde mehr als 400 Mal gespielt. Für die beiden Schauspieler Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl hat er nun gemeinsam mit dem Komponisten Libor Síma ein musikalisches Bühnenmärchen geschaffen. Es erinnert in seiner Ästhetik an alte Schwarzweißfilme und spielt mit Elementen literarischer Revuen. Durch die Musik und die geschickte Lichtregie werden Räume geschaffen – und doch spielt der literarische Text immer die Hauptrolle: Tempo, Rhythmus und Struktur der Novelle bleiben auch in der Lesefassung bewahrt. Und in der Interpretation von Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl erhält die Erzählung, trotz des moralischen Grundtons, eine unglaubliche Lebendigkeit. Beide sind bekanntermaßen seit vielen Jahren durch ihre gemeinsame Arbeit als Münchner Tatort-Kommisare eng verbunden und geben auch auf der Bühne ein tolles Team ab, dem es gelingt im Zusammenspiel mit der Bühnenmusik den typischen, skurrilen britischen Humor auf anrührende Weise herauszuarbeiten.
TOURDATEN 2017: 03.12.2017 Fellbach, Schwabenlandhalle, 04.12.2017 Theater Heilbronn, 09.12.2017 Stadthalle Singen, 10.12.2017  Tuttlinger Hallen, 12.12.2017 Stuttgart Theaterhaus, 20.12.2017 Stuttgart Theaterhaus; Karten und Info beim jeweiligen Veranstalter erhältlich

Jazzopen Film

Staatstheater Stuttgart


Magie gibt es nur auf der Bühne | Staatstheater Stuttgart
Wie sieht der Arbeitsalltag im Stuttgarter Opernhaus aus? Unter welchen Umständen arbeiten Musiker*innen, Tänzer*innen, Techniker*innen? Mitarbeiter des Hauses geben hier Einblick!

Friedemann Vogel –
Verkörperung des Tanzes

Ein deutscher Tänzer an der Spitze der Ballettwelt – eine absolute Rarität: Friedemann Vogel, Erster Solist des Stuttgarter Balletts, hat die bedeutendsten Ballettbühnen der Welt erobert.  Der neue Dokumentarfilm  FRIEDEMANN VOGEL – VERKÖRPERUNG DES TANZES begleitet den Tänzer in seinem Alltag ausgehend vom Stuttgarter Ballett über Berlin, Stockholm und Moskau bis nach Tokio. Die erste Lang-Dokumentation über Friedemann Vogel entstand als Diplomprojekt von Regisseurin Katja Trautwein im Studiengang Fernsehjournalismus an der Filmakademie Baden-Württemberg. Seine TV-Premiere feierte der Film im SWR Fernsehen bereits am Karfreitag, 10. April 2020 um 14 Uhr. Eine weitere TV-Ausstrahlung folgt am 4. Juli 2020 um 22:55 Uhr auf 3sat. In den Mediatheken der Sender ist die Dokumentation jeweils einen Tag vor dem Sendetermin abrufbar und dann ein Jahr lang verfügbar.

Mit seiner außergewöhnlich vollkommenen Körperlinie gelingt es Friedemann Vogel scheinbar mühelos das Perfektionsstreben des klassischen Balletts zu erreichen. Neben zahlreichen signifikanten Tanzpreisen und Tanzauszeichnungen, wie die Ernennung zum „Dancer of the Year“ im Jahr 2010 sowie erneut 2019, hat ihm das Land Baden-Württemberg 2015 den Titel „Kammertänzer“ verliehen. Zu den globalen Gastspielen hält sich eine Konstante in Friedemann Vogels sagenhafter Karriere: Der gebürtige Stuttgarter ist seinen schwäbischen Wurzeln treu geblieben. Seit seinem Abschluss tanzt er in der Kompagnie der namhaftesten Balletttraditionsstätte Deutschlands – dem Stuttgarter Ballett.Dort feierte Friedemann Vogel 2019 sein 20-jähriges Bühnenjubiläum. Mittlerweile ist er 40 Jahre alt, doch ans Aufhören denkt er noch nicht.

FRIEDEMANN VOGEL – VERKÖRPERUNG DES TANZES ist eine Koproduktion des SWR (Südwestrundfunks) mit der Filmakademie Baden-Württemberg. Autorin ist Katja Trautwein.
Mitwirkende: Marcia Haydée, Reid Anderson, Tamas Detrich, Nicolas Le Riche, Masashi Miura, Alicia Amatriain, Roberto Bolle, Léonore Baulac, Maria Eichwald, Guillaume Côté, Roman Novitzky, Thomas Lempertz, Volker Schlöndorff, Polina Semionova, Olga Smirnova, Macharbek Wasijew u.a.

#ZUSAMMENHALTEN –
SWR Programmaktion für die Kultur

Kulturschaffende hätten aktuell allen Grund zu verzweifeln, doch ihre Kreativität ist nicht zu bremsen. Kabarettist Tobias Mann meldet sich regelmäßig aus dem Humoroffice, Stars wie Eloy de Jong spielen Wohnzimmerkonzerte, Entertainer Lars Reichow grüßt das Publikum mit spitzzüngigen Corona-Einlagen von daheim. Aber die Situation der meisten Künstlerinnen und Künstler ist mehr als ernst, vielen bricht die Existenzgrundlage weg, Lockerungen sind im Kulturbereich noch lange nicht in Sicht. An drei Tagen gibt der Südwestrundfunk ihnen daher auf allen Kanälen eine Bühne, beleuchtet Schicksale und macht Kultur auch in Corona-Zeiten erlebbar. Am 1., 2. und 3. Mai heißt es in den SWR Programmen „#ZUSAMMENHALTEN für die Kultur“. Unter SWR.de/fuer-euch-da werden alle Aktivitäten gebündelt. Auch nach dem Schwerpunkt-Wochenende wird der SWR seiner Verantwortung als öffentlich-rechtliches Medienunternehmen gerecht und bindet Kulturschaffende kontinuierlich in seine Programme ein. Kai Gniffke, Intendant des SWR: „In diesen Wochen ist das Zusammenhalten wichtiger denn je. Kultur gehört zum Kern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Durch das Verbot von großen Veranstaltungen und die Kontaktbeschränkungen hat die Kulturszene wegen Corona sehr zu leiden. Wir geben Kunst- und Kulturschaffenden eine Bühne. Das erste Maiwochenende ist dafür mit geballtem Kulturprogramm im Fernsehen, Hörfunk und online der Auftakt, dem noch viel in den kommenden Wochen und Monaten im SWR folgen wird.“

Programmübersicht
„#ZUSAMMENHALTEN für die Kultur“ im SWR vom 1.-3. Mai 2020:

Freitag, 1. Mai
SWR Fernsehen

Los geht es im SWR Fernsehen mit einer langen Kulturnacht und der Sendung „Für Euch da – Comedy gegen Corona“ ab 23:25 Uhr. Lisa Fitz, Christoph Sonntag, Alice Hoffmann und Tobias Mann setzen den trüben Zeiten von Corona eine gesunde Portion Humor entgegen. Gemeinsam würdigen sie Kabarett, Comedy und Kleinkunst – alles, was das Kulturleben und die Theaterbühnen hergeben. In „Tatort: Vogt meets Becker“ bittet Gerichtsmediziner Vogt, Koryphäe aus Stuttgart, Kollege Becker, den schnoddrigen Ludwigshafener Spurensicherer, um Amtshilfe: Es geht um Atemmasken. Durch die Kulturnacht führen Ariane Binder und Pierre M. Krause.

Hörfunk
DASDING: Zusammen mit den anderen jungen Wellen der ARD wird DASDING einen Schwerpunkt-Tag im Programm setzen. Zwischen 10 und 21 Uhr laufen ausschließlich Titel von deutschsprachigen Künstler*innen und Inhalte rund um die einheimische Kulturszene.

Samstag, 2. Mai
SWR Fernsehen

Ab 18:05 Uhr zeigt das SWR Fernsehen eine 90-minütige Live-Sendung „#ZUSAMMENHALTEN für die Kultur – Landesart live“. Die Sendung zeigt die aktuellen Emotionen der Kulturszene im Land und die ungeheure Vielfalt der Kulturlandschaft. Neben Performances von Künstler*innen und Gesprächen im Studio sind Reporter*innen unterwegs, um dem Schicksal der sogenannten „Solo-Selbständigen“ Namen und Gesichter zu geben. Als Interview-Gast im Studio begrüßt Moderatorin Patricia Küll Julia – ehemals „Jule“ – Neigel. Außerdem im Gespräch: David Meier, Kulturkoordinator in Worms, und Karin Schmidt-Friedrichs, Vorsteherin des Börsenvereins des deutschen Buchhandels.

Hörfunk

SWR1 und SWR4: Kontaktlos Kultur genießen – das geht im Autokino, und der SWR macht es möglich: Im Autokino „Drive-In“ in Bühl. Dort wird am Samstag Heinrich del Core für SWR1 Baden-Württemberg Kabarett präsentieren und am Sonntag Giovanni Zarrella für SWR4 Baden-Württemberg einen Ausschnitt aus seinem Programm „La vita e bella“ spielen. Per Videotechnik wird ein Bild auf die Kino-Leinwand projiziert. Der Ton kommt über eine UKW-Frequenz ins Autoradio. Eine kleine Anzahl an Hörer*innen kann im eigenen Auto vor Ort dabei sein. Plätze werden über das Programm verlost.

SWR2: „Wirtschaftsfaktor Kultur – Überleben in der Krise“: Damit beschäftigt sich „SWR2 Geld, Markt, Meinung“ ab 12:20 Uhr. Am frühen Abend läuft „Komm! Ins Offene, Freund“ – Musik und Lesung bei SWR2. Musiker*innen des SWR Symphonieorchesters und des SWR Vokalensembles kommen in dem Konzert in der maximal erlaubten Quintett-Besetzung zusammen und spannen einen weiten musikalischen Bogen vom Barock bis zum Jazz und Pop. Schauspieler Walter Sittler liest zudem Camus` „Die Pest“, „Nemesis“ von Philipp Roth und schließlich „Komm! Ins Offene, Freund“ von Hölderlin. Dieses Konzert wird von 19-22 Uhr in SWR2 übertragen sowie als Video-Stream auf SWRClassic.de, der Online-Plattform für Orchester und Ensembles.
SWR3: Welche konkreten Folgen hat die Krise für die Menschen, die vom Kulturbereich im Südwesten abhängen? Diese Frage beantworten die Betroffenen selbst, am 2. und 3. Mai in SWR3. Im Fokus steht dabei der breite Bereich der Popkultur: Kino, Theater, Clubs, Schauspieler, Comedians, Musiker & DJ´s. Als besonderes Highlight gibt es am frühen Abend einen Comedy-Video-Stream mit SWR3 Star Andreas Müller & friends: Viele Künstler*innen, die beim SWR3 Comedy-Festival in Bad Dürkheim aufgetreten wären, melden sich in die Show. Für Hörer*innen aus Mainz und Umgebung steigt am Abend ein „SWR3 Autoradio OpenAir“ im Autokino Mainz mit Max Giesinger. Plätze werden über das Programm verlost.

Sonntag, 3. Mai

SWR Fernsehen

Um 21:45 Uhr gibt es eine Sonderausgabe von „Kunscht!“. Die Sendung zeigt, wie Musiker*innen, Bildhauer*innen, Maler*innen, Schauspieler*innen, Tänzer*innen auch unter schwierigen Bedingungen arbeiten, fragt Politiker*innen aus Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, welche Unterstützung Kulturschaffende bekommen und wie eine schrittweise Öffnung kultureller Einrichtungen gelingen kann.

Hörfunk

SWR1 Rheinland-Pfalz am Sonntagabend mit Veit Berthold, 20-24 Uhr: Dieser Abend gehört aufstrebenden Kabarettisten und Kleinkünstlern aus dem Sendegebiet wie Finn Holitzka, dem Duo Weibsbild oder Sven Garrecht. Interviews, Auszüge aus ihren Programmen und exklusiv für die Sendung produzierte Stücke zeigen ihre Kreativität. In einer Live-Challenge dichtet ein Poetry Slammer aus Begriffen der Hörer*innen während der Sendung ein Gedicht.

SWR2: „Alles auf dem Schirm“, 9-12 Uhr. SWR2 und die „Matinee“ haben die Kultur auf dem Schirm und in Zeiten von Corona findet auch ein Großteil der Kultur auf dem Schirm statt – dem Bildschirm. SWR2 Forum spricht ab 20:03 Uhr mit Kulturschaffenden in der Krise über die Frage „Was sind uns Kulturschaffende wert?“ (AT).

SWR4 Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, 12-17 Uhr: Am Sonntagnachmittag gibt es ein Best-of der „SWR4 Daheim-Konzerte“, die seit März regelmäßig online stattfinden, und Interviews mit den Künstler*innen. Mit dabei sind unter anderem Ella Endlich, Laura Wilde, Voxxclub, Bernhard Brink, Stefan Mross, Marie Wegener und Julian David.

Programmübersicht, Kultur-Tipps und Unterstützung für Künstler*innen

Eine vollständige Programmübersicht, Kultur-Tipps für die Quarantäne, Möglichkeiten, Künstler*innen zu unterstützen und weitere Informationen zu „#ZUSAMMENHALTEN für die Kultur“ gibt es auf SWR.de/fuer-euch-da

 

 

 

The Last Unicorn.
Das Einhorn im Spiegel der Popkultur

22. März bis 30. August 2020, Museum im Prediger Schwäbisch Gmünd

Figurenuhr Einhorn, Augsburg, um 1600, Bronze, Ebenholz, Eisenräder, Horn, Messingplatine, Messing, vergoldet; Silber, vergoldet; Silber, 40 × 27 × 18 cm (mit Sockel). © Museum im Prediger

Bis heute beflügelt das Einhorn die menschliche Phantasie. »We live forever!« erklärt das wundersame Tier stolz in The Last Unicorn, dem Zeichentrickfilm-Klassiker von Jules Bass und Arthur Rankin Jr. aus dem Jahr 1982 nach dem gleichnamigen, 1968 erschienenen Roman von Peter S. Beagle. Erzählt wird die Geschichte eines Einhorns, das sich aufmacht, seine verloren geglaubten Artgenossen zu finden. Als erstes seiner Art erfährt es Angst und Leid aber auch Freundschaft und Liebe. Über die Lesart als Fantasy-Epos der Popkultur hinaus verhandelt der Film menschliche Daseinsfragen nach Gut und Böse und Themen wie gesellschaftliche Ausgrenzung, Selbstfindung, Liebe und Tod. Diesen sehr gegenwärtigen Faden nimmt die Ausstellung auf und knüpft daran die nahezu 750-jährige Tradition des Einhorns als Schwäbisch Gmünder Wappentier, die in den Museumssammlungen reich dokumentiert ist. Achtzig ausgewählte Werke verschiedener Epochen und Gattungen treten in einen beziehungsreichen Dialog. Der Bogen spannt sich von Albrecht Dürer über Emmanuel Leutze, Max Ernst, Nan Goldin und dem Meissen-Atelier bis zu zeitgenössischen Werken, die den Surrealismus wie auch die psychedelische Farbigkeit und Ästhetik der 1980er-Jahre ansprechen. In Kooperation mit Martina Tauber Fine Art, München. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Max Ernst, Soleil noir, um 1952, Öl auf Leinwand, 16,2 x 12,1 cm, Sammlung Würth. © VG Bild-Kunst, Bonn 2019; Foto: Volker Naumann, Schönaich

Weitere Informationen:
Museum im Prediger, Johannisplatz 3, 73525 Schwäbisch Gmünd
Telefon: 07171 603-4130,
Web: www.museum-galerie-fabrik.de
Geöffnet: Di, Mi, Fr 14-17, Do 14-19, Sa, So, Feiertage 11-17 Uhr. Montags geschlossen

Kunsthalle Tübingen

Mit Ausstellungen zur modernen und zeitgenössischen Kunst ist ein Anziehungspunkt für Kunstinteressierte weit über die Region hinaus.

Blick in das Café Kunsthalle bei der Vernissage der COMEBACK-Ausstellung in der Kunsthalle Tübingen. Foto: Ulrich Metz

Seit 2018 wird sie von der Kunst- und Kulturwissenschaftlerin Dr. Nicole Fritz geleitet, die neben monografischen Ausstellungen auch Themenausstellungen konzipiert, die kunstimmanente und gesellschaftliche Fragestellungen aufgreifen und epochenübergreifend Einblicke und Erkenntnisse über den Menschen ermöglichen. Auch 2020 wartet die Kunsthalle mit einem facettenreichen Programm auf, das sich – im Sinne einer „Kunsthalle für alle“ – an viele unterschiedliche Zielgruppen richtet. So begann das Jahr bewegt mit Darstellungen zum Tanz im Werk des Expressionisten Max Pechstein. Über den Sommer zeigt die Kunsthalle Tübingen die erste Überblicksschau von Daniel Knorr, Teilnehmer der documenta 14, mitSchwerpunkt auf seinen neuesten Werken. Im Herbst steht dann die Ausstellung „Supernatural – Skulpturale Visionen des Körperlichen“ auf dem Programm. Wie werden die Körper der Zukunft aussehen? In welcher Umwelt werden wir leben? Die Ausstellung gibt Antworten aus dem Bereich der Kunst, bindet aber auch Akteure aus anderen Disziplinen ein, die gerade hier in der Universitätsstadt Tübingen an diesen Fragen forschen und über die von Digitalisierung und Technisierung geprägte Zukunft nachdenken.

Daniel Knorr, Beetle, 2019, Courtesy Sammlung Pohl Marburg, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

„Unser Ausstellungsprogramm wird auch inspiriert vom Ort und den Menschen, die hier wohnen“, so Nicole Fritz, der auch die Vermittlung ihrer Ausstellungen am Herzen liegt. Deshalb gibt es zu jeder Ausstellung ein innovatives Vermittlungsprogramm, Workshops und Veranstaltungen, in denen man Kunst auch ganz praktisch selbst machen kann. Wer will, kann Kunst aber einfach nur genießen und seinen Kunsthallenbesuch im hauseigenen Café Kunsthalle ausklingen lassen.

Weitere Informationen: https://kunsthalle-tuebingen.de

Vera Molnar
Aus Spiel wird Kunst

vom 17. Mai bis 20. September 2020 im Museum Ritter in Waldenbuch

Die Ausstellung Vera Molnar gibt Einblick in das umfangreiche Œuvre der 1924 in Budapest geborenen und seit 1947 in Paris lebenden Künstlerin, die als wichtige Pionierin der Computerkunst gilt. Bereits in den frühen Sechzigerjahren entwickelte Vera Molnar eine computerähnliche, auf einfachen Algorithmen basierende Arbeitsweise. 1968 gelang ihr erstmals mithilfe der Pariser Universität das Zeichnen über einen Plotter. In den vergangenen siebzig Jahren hat sich ihr Werk in bemerkenswerter Stringenz entwickelt. Immer wieder greift sie dieselben Motive und Themen auf, etwa in den berühmten Buchstabenbildern oder Hommagen an andere Künstler sowie durch Arbeiten zur Farbe Rot. Vera Molnar ist in der Sammlung Marli Hoppe-Ritter mit zahlreichen Gemälden und Papierarbeiten aus verschiedenen Jahrzehnten vertreten. Die Einzelausstellung würdigt mit Werken aus dem Sammlungsfundus und zahlreichen Leihgaben eine beeindruckende Künstlerin und Grande Dame der Geometrischen Abstraktion.

Vera Molnar, 9 Rond, 3 Couleurs, Foto: gerhard Sauer, 1966 © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Die Ausstellung „Aus Spiel wird Kunst“ präsentiert zeitgenössische Werke aus der Sammlung Marli Hoppe-Ritter sowie Leihgaben zum Thema Spiel. Ein Teil der Arbeiten spricht den Aktions- und Gestaltungswillen des Besuchers an, der durch spielerisches Handeln Erfahrungen sammelt und kreative Strategien entwickelt. In anderen Werken deuten Künstlerinnen und Künstler bekannte Spiele und Spielmaterialien um und verwandeln sie in Kunst, die neben gestalterischen auch soziologische und kulturelle Aspekte thematisiert. Mit Werken von Jessica Centner, Jacob Dahlgren, Anton Stankowski, Gerold Tagwerker, Timm Ulrichs und anderen.

Weitere Informationen: Museum Ritter, Alfred-Ritter-Straße 27, 71111 Waldenbuch, www.museum-ritter.de

LOVE STORIES

Zehn Jahre nach Eröffnung des SCHAUWERK Sindelfingen im Juni 2010 zeigt das Museum unter dem Titel LOVE STORIES Lieblingsstücke aus der Sammlung Schaufler, die in vergangenen Ausstellungen bereits zu sehen waren.

Nam June Paik, TV Cello, 1996, 3 Fernsehgeräte in Acrylglasgehäusen, Laserdiscplayer, Holz, 126 x 35 x 61 cm, Foto: Frank Kleinbach, © Nam June Paik

Da wäre zum Beispiel der Publikumsliebling „Mother as a Ship“ – ein faszinierender, mit einer tiefschwarzen Pigmentschicht überzogenen Hohlkörper, den der indische Künstler Anish Kapoor gestaltete. Nam June Paiks „TV Cello“ erinnert mit seinem aus Bildschirmen geformten Körper an die Anfänge der Medienkunst. Und Norbert Krickes Raumplastik entfaltet mit ihrer einfachen, unprätentiösen Linie eine beeindruckende Präsenz in einem Ausstellungsraum, der nur mit weißen und schwarzen Werken bestückt ist.

David Salle, Put Out More Flags, 2005, Öl auf Leinwand und Stoffdruck, 2-teilig, 213 x 312 x 4 cm, Foto: Frank Kleinbach, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Während Russell Youngs Doppelbildnis von Hollywood-Star Marylin Monroe einen Hauch von Glamour verströmt, streckt Yasumasa Morimura dem Besucher als Albert Einstein frech die Zunge entgegen. Diese und andere alte Bekannte freuen sich auf ein Wiedersehen!

Dauer: 17. Mai 2020 bis 6. Juni 2021,
weitere Info: www.schauwerk-sindelfingen.de

Tipp: FEIERT MIT!
10 Jahre SCHAUWERK und Internationaler Museumstag ganztägig am         17. Mai mit Live Music, Führungen, Workshops und Kulinarischem u.v.m…

Yasumasa Morimura, A Requiem: Dream of Universe (Albert 2), 2007, schwarzweiß Fotografie, 120 x 96 cm, Foto: Frank Kleinbach, © Yasumasa Morimura

 

Inventing Nature.
Pflanzen in der Kunst

Pflanzen werden genutzt, gezüchtet, geliebt – und ausgerottet. Sie können heilsam für den Menschen sein oder giftig. Sie sind Grundlage allen Lebens und damit unentbehrlich für unser Wissen über uns. Vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels und des global zunehmenden Umweltbewusstseins nimmt die neue Ausstellung in der Kunsthalle Karlsruhe unser Verhältnis zur Welt der Pflanzen in den Blick. In dialogischen Konstellationen führen Werke aus über 500 Jahren Kunstgeschichte vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart den Wandel unserer Bilder und unseres Verständnisses von „grüner“ Natur vor Augen.

Adolf Schrödter, Braslianischer Urwald, um 1868 © Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Werke aus der Sammlung der Kunsthalle werden mit zeitgenössischen Positionen konfrontiert; sie spiegeln über Epochen und Genregrenzen hinweg zentrale Interpretationen der Natur. Dem Schwerpunkt der europäischen Naturphilosophie stehen pointierte Positionen aus dem asiatischen und amerikanischen Kulturraum zur Seite. Das Spektrum der Auseinandersetzung reicht von Paradies-Vorstellungen und Wildnis-Darstellungen bis zu Garten-Bildern und botanischen Studien, von Nachahmungen natürlicher Prozesse bis zur Dokumentation von Wachstums- und Verfallsprozessen. Die vielfältigen künstlerischen Positionen setzen Aspekte wie Schönheit, Fragilität und Fruchtbarkeit in ein Spannungsverhältnis und belegen die Fülle der Perspektiven auf die Biosphäre. Plädierten Künstlerinnen und Künstler nach der Aufklärung noch für eine Rückkehr zur Natur, lässt sich im 21. Jahrhundert ein Paradigmenwechsel erkennen: Sie versuchen, ein ästhetisches Bewusstsein dafür zu bilden, dass wir zukünftig neue Aktionsformen, Symbiosen und Synergien mit der Natur suchen müssen.

30. Mai bis – 27. September in der Kunsthalle Karlsruhe

Museen als erweiterten
Lebensraum sehen

Das Landesmuseum Stuttgart im Alten Schloss befindet sich seit kurzem unter neuer Flagge. Seit März ist Dr. Astrid Pellengahr seine neue Direktorin. „Herzblut“ benennt sie als wichtigste Grundvoraussetzung für ihre Arbeit. Im März 2020 trat Prof. Dr. Astrid Pellengahr, die Nachfolge von Prof. Dr. Cornelia Ewigleben als Direktorin des Landesmuseums Württemberg an. 1967 in Heide (Schleswig-Holstein) geboren, hat sie die Museumsarbeit „von der Pike auf“ gelernt. Die studierte Kulturwissenschaftlerin und Soziologin hatte zunächst das Stadtmuseum Kaufbeuren und das Deutsche Jagdmuseum München geleitet. Seit 2014 betreute sie als Leiterin der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern rund 1250 Museen. Daneben ist sie Mitglied in zahlreichen Kuratorien und wissenschaftlichen Beiräten von Museen und Kultureinrichtungen und hat immer wieder Lehraufträge an Universitäten wahrgenommen

Latènezeit, Landesmuseum Württemberg, Stuttgart, Altes Schloss © Foto: Christoph Düpper

Astrid Pellengahr sieht in der Besucherorientierung so etwas wie einen roten Faden, der ihre bisherigen beruflichen Stationen und ihre künftige Arbeit im Landesmuseum Stuttgart verbindet. Dazu will sie in den Ausstellungen vermehrt Anknüpfungspunkte an die Gegenwart bieten. Das Museum besitzt ein enormes Potenzial als Wissensspeicher und Ort, an dem kritische Reflexion ermöglicht und die Welt in ihrer Multiperspektivität dargestellt wird. Die Rolle von kulturhistorischen Museen in einer Gesellschaft, die sich in raschem Tempo wandelt und diversifiziert, sind Themen, die sie ebenso in den Blick nehmen möchte, wie das Thema Digitalisierung. Denn, da ist auch sie sich sicher, dieser Herausforderung müssen sich heute alle Museumsmacher stellen. Astrid Pellengahr sieht gerade in Baden-Württemberg, wo die digitale Transformation bereits gezielt angegangen wurde, große Gestaltungsmöglichkeiten:
„Wir denken das Museum noch zu oft als ummauerten Raum“. Den analogen Raum hält sie weiterhin für wichtig, als Ort der Begegnung mit Originalen, die ihre Faszination auch im digitalen Zeitalter nicht einbüßen. Aber die Museen sollten die Möglichkeiten des erweiterten Raums nutzen, den das Digitale bietet. Das heutige Publikum sei es gewohnt, sich die Inhalte auf eigene Weise kreativ anzueignen und in neue Kontexte zu bringen.

Kunstkammer, Schausammlung „Wahre Schätze“, Landesmuseum Württemberg, Stuttgart © Foto: Christoph Düpper
Kunstkammer, Schausammlung „Wahre Schätze“, Landesmuseum Württemberg, Stuttgart © Foto: Christoph Düpper

Einst Schutzburg und Machtzentrum der Württemberger besitzt das Alte Schloss im Herzen Stuttgarts eine überreiche Geschichte. Heute beherbergt der mächtige Gebäudekomplex mit seinem prächtigen Arkadenhof das Landesmuseum Württemberg. Dessen hochkarätige Sammlungen laden ein zu einem Streifzug durch die württembergische und europäische Geschichte. Im Alten Schloss in Stuttgart und in mehreren Außenstellen widmet sich das Landesmuseum Württemberg der regionalen Kunst- und Kulturgeschichte. Es verfügt über mehr als eine Million Objekte von der Steinzeit bis zur Gegenwart und zählt jährlich rund 300000 Besucher.

Mittelalterlicher „Skulpturenschatz“ im Dominikanermuseum Rottweil: die Schausammlung „sakrale kunst des mittelalters – sammlung dursch“ im Dominikanermuseum Rottweil, eines der fünf Zweigmuseen des Landesmuseums Württemberg, Die „Sammlung Dursch“ zählt zu den bedeutenden Ausstellungsstätten gotischer Skulpturen. Hier zu sehen: Schutzmantelmadonna Meister des Dornstädter Altars (?), Ulm, um 1430.