Corina Nani

Die Künstlerin Corina Nani (*1978 in Timișoara, Rumänien) widmet sich intensiv der Erforschung des menschlichen Körpers und seiner Psyche. In letzter Zeit war sie mit ihren Werken mehrfach in Stuttgart präsent und stellte dort unter anderem ihr neuestes Projekt „The Sleep of Reason“ vor. Eines der Kunstwerke der Serie wurde von der  Galerie der Stadt Böblingen erworben – ein willkommener Anlass, diese spannende und vielseitige Künstlerin näher vorzustellen.

Im Zentrum ihres aktuellen Projekts „The Sleep of Reason“ gestaltet Corina Nani ein visuelles Universum, in dem die strenge Geometrie der Ordnung auf die Zerbrechlichkeit menschlicher Existenz trifft. Reine Formen wie Quadrat, Würfel und Dreieck dienen dabei als Ausgangspunkte für eine Reise durch Gedanken, Erinnerungen und Träume. Der Titel des Projekts ist inspiriert von Francisco de Goyas Werk „El sueño de la razón produce monstruos“ („Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“), das als zentrale Inspirationsquelle diente.

„Was mich an Corina Nanis Arbeit besonders fasziniert, ist ihr feines Gespür für das Unsagbare, Vorgefundene und Vorläufige. Sie arbeitet an der Schnittstelle von Bildfläche, Objekt und Raum und setzt Alltagsbeobachtungen, Erinnerungsstücke und Fundobjekte zu vielschichtigen Bildkonstellationen zusammen. Vergangenes oder Beschädigtes kippt bei Nani in poetische Bildfindungen, die zwischen Abstraktion und Figuration schillern und altvertraute Motive in ein ganz neues Licht tauchen."
Corinna Steimel, Leiterin der Galerie der Stadt Böblingen:
Corinna Steimel, Städtische Galerie Böblingen (links im Bild) und die Künstlerin Corina Nani, Foto: Beatrice Zerwas


Die Themen Vernunft versus Chaos sowie Ordnung versus Fragilität werden in Nanis abstrakter Bildsprache neu interpretiert. Der Würfel, Reflexionen und Transparenzen dienen als Werkzeuge, um über die Instabilität und Komplexität der modernen Welt nachzudenken. Nach Nanis Verständnis symbolisiert der Würfel die Gefahren, die entstehen, wenn Vernunft aufgegeben wird. Betrachtende tauchen in einen Raum ein, in dem sich präzise Linien mit zerbrechlichen Schatten verweben, Korridore sich ins Unendliche zu vermehren scheinen und Klarheit in ein Spiel instabiler Wahrnehmungen übergeht.

Corina Nani erklärt: „Meine Werke sind abstrakt und beginnen stets mit der Idee, einen Würfel auszugraben – den Würfel als Symbol rationaler Ordnung. Durch seine Dekonstruktion und den Einsatz von Papier, spiegelnden Oberflächen und Transparenz erschaffe ich Illusionen von Perspektiven und Räumen, die Betrachter tatsächlich ‚betreten‘ können.“
Der zentrale Würfel fungiert dabei als Anker und zugleich als Tor: Die strenge Geometrie verwandelt sich in eine feine Vibration, während die illusionäre Oberfläche die Realität fragmentiert widerspiegelt – ein Hinweis auf die Verletzlichkeit der schlafenden Vernunft. „Die Geometrie der Abwesenheit“ schafft strikte Symmetrien, die unter dem Einfluss optischer Täuschungen ins Schwanken geraten. Gelbe Bildelemente unterstreichen das fragile Erwachen – kleine Momente der Orientierung in einem Raum, in dem Ordnung und Traum nebeneinander existieren. Diese Spannung wird im Werk „Inner Window“ nochmals gesteigert: Eine konzentrische Architektur, die wie ein Erinnerungstunnel pulsiert. Das gelbe Quadrat markiert das Zentrum des Unterbewusstseins, während diffuse Silhouetten in der fragmentierten Struktur die Zerbrechlichkeit von Identität andeuten.

Die visuelle Sprache vereint tiefes Blau (Introspektion, Ferne), Spiegelpapier (Reflexion und Verzerrung), schemenhafte menschliche Silhouetten (Chaos, Identitätsverlust) und Akzente aus phosphoreszierendem Grün (Warnsignale, Realitätsbrüche). Nanis Werke zeigen keine klassischen „Monster“, sondern Fragmente einer Gegenwart, in der Vernunft schwindet und Instabilität wächst – politisch, gesellschaftlich und global.

 

Corina Nani ist Professorin an der Fakultät für Bildende Künste und Design der Westlichen Universität Timișoara. Darüber hinaus ist sie eine engagierte Urban-Art-Künstlerin und eine prägende Persönlichkeit der lebendigen Kulturszene ihrer Heimatstadt. Als Initiatorin und Leiterin des International Street Art Festival of Timișoara (FISART) hat sie eine der bedeutendsten Plattformen für Straßenkunst in Rumänien geschaffen.
Die Werke von Corina Nani sind auf zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen zu sehen, werden auf digitalen Plattformen präsentiert und tragen so zum weltweiten Dialog zeitgenössischer Kunst bei.

https://corinani.art/

 

„Erste Sahne Soziokultur“

2026  feiert das E-Werk Freiburg unter dem Motto  „Erste Sahne Soziokultur“. Anlass ist das Jubiläum: Seit drei Jahrzehnten ist das E-Werk kreativer Produktionsort für  kulturelle Teilhabe der freien Szene in Darstellender und Bildender Kunst und gilt als lebendiger Begegnungsraum für Freiburg und die Region.  Gegenseitig voneinander lernen, die nachhaltige Nutzung gemeinsamer Ressourcen und die Entfaltung schlummernder Potentiale im Kollektiv stehen dabei im Vordergrund. Zusätzlich zur gewohnten Programmbreite werden 2026 besondere Highlights der Soziokultur präsentiert: Darunter Workshops, Kunst, Performances, choreographische Experimente, Mitmach-Aktionen zum Singen und Gestalten und Angebote zur Förderung von Medienkompetenz.

Alle Infos rund um das Jubiläum und zum Haus: ewerk-freiburg.de

Highlights 2026
Februar
Fr 20.02. 1ab 21:00 Uhr
Club Unique
Der Club Unique ist mehr als nur ein Partyformat: Clubkultur verbindet sich hier mit performativen Elementen, Tanz und künstlerischen Pop-Up-Acts. Durch die Zusammenarbeit mit dem Tanz-netz Freiburg wird die lokale Kulturszene aktiv eingebunden und Menschen aus verschiedenen Hintergründen können teilnehmen. Mit den besten Beats von drei DJs.

März
Sa 07.03. & So 08.03. 120:00 Uhr
shake the silence.
Das Projekt „shake the silence“ von Julia Klockow stellt Partizipation, Begegnung und Gemeinschaft In den Mittelpunkt. 3S Personen mit unterschiedlichen Hintergründen im Alter von 20 bis 77 werden eingeladen, gemeinsam einen kollektiven, friedlichen Tanzkörper zu erforschen. So entsteht ein vibrierender Raum, der die soziale Dimension von Tanzkunst auslotet.

April
Sa 18.04. & So19.04.
LIED FÜR LIED
Ein lebendiges Mitmach-Wochenende: Singen, Tanzen, Basteln, Lesen, Kochen – alles kostenlos und für alle Generationen. Der Süduferchor vernetzt sich mit lokalen Chören und Initiativen, schafft Begegnungen zwischen Nachbarschaften und Generationen und feiert kulturelle Vielfalt. Dieses Jahr stehen die spanischsprachigen Klänge von CantAmerica im Mittelpunkt – Familien über drei Generationen gestalten gemeinsam Musik und Gemeinschaft.

Mai
So 17.05.
Kunstparkour – Showing
Der Kunstparkour Ist ein kostenloses, soziokulturelles Kunst-Angebot von und für junge Menschen Im Alter von 1S-28 Jahren. Er wird von den Institutionen Kubus e.V., ArTik e.V. und E-WERK Freiburg konzeptioniert und veranstaltet. Von Februar bis Mai können die Teilnehmenden ihre eigene Kreativität in wechselnden Ateliers verschiedener Kunstformen entdecken – begleitet von professionellen Künstler:innen. Zum Abschluss werden die entstandenen Arbeiten beim Showing der Öffentlichkeit präsentiert.
kunstparkour-freiburg.de

Juni
Sa 06.06. 114:00-17:00 Uhr
Hacking the Mouse: Mit der Maus kreativ experimentieren
Workshop im Rahmen der Ausstellung „Drifting Futures“ von Michel Winterberg, Medienkünstler Basel. Wie kann man eine Computermaus auf neue Art nutzen? In diesem Workshopkann man entdecken, wie man mit einfachen Materialien digitale Aktionen auslösen kann, ganz ohne Programmieren. Für Jugendllche von 12-18 Jahren

August
Mo-Do 03.-06.08.
Workshops Bildende Kunst
Künstler:lnnen laden in ihre Atelierräume ein, um gemeinsam neue Techniken auszuprobieren und die eigene Kreativität zu entfesseln. Pop Art mit Elisabeth Bereznickl, Ton & Keramik , Collage mit Emeka Udemba u.v.m.

September
So 27.09. 114:00-17:00 Uhr
Jazzfestival Freiburg & Jazz im Garten

Dezember
Do-So 03.-06.12.
Tanzfestival
auftauchen hinterfragt etablierte Normen im zeitgenössischen Tanz und versteht sich als Einladung an alle, die Vielfalt von Körpern, Erfahrungen und Ausdrucksformen zu entdecken. Menschen mit und ohne Behinderung treten gleichberechtigt auf. In Aufführungen, Workshops und Diskussionsrunden werden Barrieren abgebaut und Begegnung ermöglicht.

Neustart – Antiquariatsmesse Stuttgart 2026

Stärker, International, Neu – Die bibliophile Antiquariatsmesse Stuttgart 2026 kehrt nach intensiven Vorbereitungen mit einem kraftvollen Neustart zurück. Mit neuem Team, neuem Standort, stärkerer Internationalität und mehr Ausstellern als in den vergangenen Jahren. Der Relaunch setzt ein kraftvolles Zeichen für die Zukunft der Messe rund um die Welt des Buchs.

Andächtige Betrachtungen, 1700, Antiquariat F. Neidhardt, Böblingen, ANTIQUARIATSMESSE STUTTGART 2026
Andächtige Betrachtungen, 1700, Antiquariat F. Neidhardt, Böblingen, ANTIQUARIATSMESSE STUTTGART 2026
Auf Entdeckungsreise auf der Stuttgarter Antiquariatsmesse

Ein persönlicher Bericht von Claudia Fenkart, 
Herausgeberin von arsmondo

Mit gespannter Erwartung betrete ich die Ausstellungsräume der diesjährige Stuttgarter Antiquariatsmesse. Bereits beim Pressegespräch wird deutlich: Die Messe hat sich viel vorgenommen. Die Veranstalter und Kuratoren setzen darauf, das Event jünger und internationaler auszurichten – eine Reaktion auf die Entwicklungen des globalen Marktes, den man spürbar reflektieren möchte.

Was mich besonders beeindruckt: Das Buch wird nicht nur als Träger von Geschichten präsentiert, sondern als eigenständiges Kunstwerk. In den hell ausgeleuchteten Vitrinen verwandeln sich ledergebundene Erstausgaben, aufwendig gestaltete Einbände aus Seide oder Papier, Künstlerbücher mit Originalzeichnungen und prachtvolle Lexika mit floralen Illustrationen in dreidimensionale Erlebnisräume. Die haptische Qualität rückt ins Zentrum – das Anfassen, das Blättern, der Geruch von altem Papier werden zum sinnlichen Erlebnis.

Neu und spannend ist die sogenannte Art Collectors Zone. Hier richtet sich das Angebot gezielt an Sammlerinnen und Sammler – und das ausdrücklich nicht nur an die erfahrene Generation, sondern auch an die Jugend. Die Szene wächst, und das macht sich auch im digitalen Raum bemerkbar. Die Messe hat hierfür eine junge, engagierte Social-Media-Managerin aus Übersee gewonnen, die mit kreativen Inhalten bereits vor Messebeginn eine beachtliche Community aufgebaut hat.

Das Angebot reicht von uralten Schätzen bis hin zum modernen Antiquariat. Junge Ausstellerinnen und Aussteller bringen frischen Wind, setzen auf digitale Kanäle und handeln weltweit – von den USA bis nach Australien. Zugleich stehen Traditionshäuser aus Deutschland, Frankreich und England für die große Bandbreite: von Rilke bis Picasso, von opulenten Plattencovern bis zu Raritäten wie der wohl größten Struwwelpeter-Sammlung der Welt. Wussten Sie, dass dieses legendäre Bilderbuch heute zahlreiche internationale Fassungen hat – sogar eine auf Papyrus gedruckte Ausgabe aus Ägypten? Der aus der Schweiz stammende Antiquar Hasso Böhme besitzt zudem die weltweit bedeutendste und umfassendste Struwwelpeter-Privatsammlung. Einige hat er auf der Stuttgarter Messe dabei - die Ägyptische Interpretation begeisterte ihn so sehr, dass er gemeinsam mit einem Druckhaus eine aufwendige Neuauflage auf echtem Papyrus fertigen ließ, die man auch auf der Messe kaufen kann.

Die Preisgestaltung ist ebenso vielfältig wie das Publikum: Für Sammlerinnen und Sammler mit großem Budget findet sich ebenso das Besondere wie für junge Einsteiger, die auf der Suche nach dem ersten eigenen "Schatz" sind.

Mein Fazit: Die Antiquariatsmesse Stuttgart ist ein Ort der Begegnung, der Vielfalt und der Inspiration. Sie zeigt, wie lebendig und wandlungsfähig die Welt des antiquarischen Buches ist – und dass Bücher auch im digitalen Zeitalter eine Zukunft haben, wenn sie mit Leidenschaft und Innovationsgeist präsentiert werden.

Die 63. Stuttgarter Antiquariatsmesse findet vom 23. bis 25. Januar 2026 am neuen Messe-Standort, der Liederhalle, im Schiller-Saal, statt. Mit mehr als 70 Antiquariaten aus 11 Ländern (u.a. USA, UK, FR, I, A, CH), darunter zahlreiche internationale Experten, verspricht die Messe ein breiteres und hochkarätigeres Spektrum an Raritäten als je zuvor. Hinzu kommt ein innovatives Rahmen-Programm sowie  attraktive Messe-  bzw. Standpreise.

Fronius, Hans., Der grüne Hut, 1923, Antiquariat Hans Lindner, Mainburg, ANTIQUARIATSMESSE STUTTGART 2026
Fronius, Hans., Der grüne Hut, 1923, Antiquariat Hans Lindner, Mainburg, ANTIQUARIATSMESSE STUTTGART 2026

Es gibt viel zu entdecken…
Das Spektrum reicht von wertvollen Exponaten, seltenen Büchern, Inkunabeln, prachtvollen Handschriften. Dazu stehen besondere Manuskripte, Autographen, Vintage- Fotografie, Meisterwerke der Buchgestaltung, Ikonische Buchobjekte, Künstlerbücher, Kunst und besonders rare Erstausgaben im Fokus.

Zürcherische Seidenwebschule, Theorie, 1882:83 und 1884:85, EOS Buchantiquariat Benz, Zürich, ANTIQUARIATSMESSE STUTTGART 2026
Zürcherische Seidenwebschule, Theorie, 1882:83 und 1884:85, EOS Buchantiquariat Benz, Zürich, ANTIQUARIATSMESSE STUTTGART 2026

Rahmenprogramm:
– Die Messe erweitert ihr Angebot mit einem noch vielfältigeren spannenden Rahmen-Programm – Ausstellungen, Vorträge, Young Collectors Zone & Design & Buchästhetik:
– Ein neuer Bereich lädt erstmals Sammler*innen der nächsten Generation ein, sich auszutauschen, zu lernen und ihre bibliophile Leidenschaft mit anderen zu teilen.
– Women & Bookcraft: Themen wie Buchgestaltung, Illustration und die Rolle von Frauen in der Buchkultur werden erstmals stärker präsent sein.
– Angeboten werden auch Führungen  (Dauer: ca. 15–30 Min., max. 15 Personen). Treffpunkt ist die Cafeteria im Schiller-Foyer.

Roth, Dieter, Das Weinen, 1978, Antiquariat Michael Steinbach, Wien, ANTIQUARIATSMESSE STUTTGART 2026
Roth, Dieter, Das Weinen, 1978, Antiquariat Michael Steinbach, Wien, ANTIQUARIATSMESSE STUTTGART 2026

Generationenwechsel im Messeteam & Synergien durch neue Kooperation:
Der Verband Deutscher Antiquare vollzieht mit dem Relaunch auch einen Generationenwechsel im Messeausschuss, was einen frischen Impuls für die strategische Ausrichtung bringt. Das neue Team verbindet langjährige Erfahrung mit Innovationskraft und stellt den klaren Willen unter Beweis, die Messe nicht nur zu revitalisieren, sondern zukunftsfähig zu machen.

HIER FINDEN SIE  KATALOG & AUSSTELLERLISTE 2026
Die neue Homepage der Antiquariatsmesse bietet alle wichtigen Informationen rund um die Messe.

Joseph Beuys

Das Leben und Werk von Joseph Beuys (1921–1986) sind eng mit der Kunsthalle Tübingen verbunden. Der Künstler war Anfang der 1970er Jahre bis zur Jahrtausendwende nicht nur mehrmals in Ausstellungen in der Universitätsstadt, seine Werke befinden sich auch in der hauseigenen Sammlung. Die Ausstellung „Joseph Beuys – Bewohnte Mythen“ in der Kunsthalle gibt aktuell Einblicke in sein faszinierendes Kunstschaffen mit über 100 Werken.

Ausstellungsansicht Kunsthalle Tübingen, JOSEPH BEUYS - BEWOHNTE MYTHEN, Foto: Ulrich Metz
Ausstellungsansicht Kunsthalle Tübingen, JOSEPH BEUYS – BEWOHNTE MYTHEN, Foto: Ulrich Metz

Als Reaktion auf den Zweiten Weltkrieg und die Krisen-, Umbruchserscheinungen hat der Künstler eine eigene unkonventionelle Kunstrichtung geschaffen – die man auch als eine Art Religion betrachten kann –Seine „Jünger“ versammelte Beuys regelmäßig um sich – ob bei seinen öffentlichen Happenings, in Ausstellungen oder als Lehrender an der Kunstakademie in Düsseldorf. Neben religiösen Traditionen bezog er auch mythologische, alchemistische und anthroposophische Elemente mit ein. Beuys hat den Kunstbegriff so nicht nur radikal hin zu einem menschlich-gesellschaftlichen Konzept erweitert.

Ausstellungsansicht Kunsthalle Tübingen, JOSEPH BEUYS - BEWOHNTE MYTHEN, Foto: Ulrich Metz
Ausstellungsansicht Kunsthalle Tübingen, JOSEPH BEUYS – BEWOHNTE MYTHEN, Foto: Ulrich Metz
Ausstellungsansicht Kunsthalle Tübingen, JOSEPH BEUYS - BEWOHNTE MYTHEN, Foto: Ulrich Metz
Ausstellungsansicht Kunsthalle Tübingen, JOSEPH BEUYS – BEWOHNTE MYTHEN, Foto: Ulrich Metz

Wie kein anderer Künstler des 20. Jahrhunderts hat er auch alte Vorstellungswelten und Riten in die moderne Gesellschaft integriert, um ein Bewusstsein für die Verbindungen aller Lebewesen zu schaffen. So forderte Beuys bereits in den 1960er Jahren in seinem »Energieplan« eine neue Einfühlung in die Tier- und Pflanzenwelt. Das von ihm geforderte künstlerisch verbildlichte Bewusstsein für die spirituellen Energien der Erde und der Natur bietet deshalb auch heute noch eine Grundlage für Versöhnung und Heilung des aus der Balance geratenen Planeten.

Joseph Beuys, Vor der Hütte, 1951 Bleistift und Beize auf Schreibpapier, 17,3 x 27 cm, Museum Schloss Moyland © Joseph Beuys Estate / VG Bild-Kunst, Bonn 2025, Foto: Stiftung Museum Schloss Moyland

Neben Zeichnungen, Skulpturen und Videos des Künstlers sind in der Ausstellung auch Werke von Willi Baumeister, Hermann Nitsch, Richard Oelze, Meret Oppenheim und Fritz Winter vertreten. In einem chronologischen Parcours wird darüber hinaus anschaulich gemacht, dass vormoderne Traditionen das umfangreiche Schaffen von Beuys wie einen roten Faden durchziehen – vom Frühwerk bis zu seinen späten Aktionen und politischen Auftritten: Angefangen von seinen Zeichnungen, über die Heilkunde bis in die 1960er Jahre, in denen er Riten als magische Katalysatoren in Aktionen einsetzte, um beim Publikum kollektive unterdrückte Gefühlskräfte zu provozieren.

Joseph Beuys, Bergblumen, undatiert (1953). Tinte und Wasserfarbe auf Schreibpapier (Notizblockblättchen), 7,5 x 9,6 cm Museum Schloss Moyland , © Joseph Beuys Estate / VG Bild-Kunst, Bonn 2025 , Foto: Stiftung Museum Schloss Moyland / Kai Werner Schmidt

Die Ausstellung trägt einmal mehr zum Verständnis der Kunstsprache von Beuys und seiner Weltdeutung bei. Zu sehen noch bis 08. März 2026.

Weitere Info: kunsthalle-tuebingen.de

Kuratiert wurde die Ausstellung von Dr. Nicole Fritz, Direktorin der Kunsthalle Tübingen. Die Szenografie, Inszenierung der Schau stammt von der Agentur jangled nerves in Stuttgart.
Hauptleihgeber: Museum Schloss Moyland, weitere Leihgaben: Galerie Thaddaeus Ropac, Sammlung Froehlich, Kunstmuseum Basel, Sammlung Lothar Schirmer u. a.

Zur Ausstellung ist im Schirmer/Mosel Verlag, München ein Katalog mit Essays von Dr. Nicole Fritz, Prof. Dr. Volker Leppin, Dr. Cathrin Klingsöhr-Leroy, Prof. Dr. Jessica Ullrich erschienen. Im Museumshop der Kunsthalle Tübingen bestellbar.

FEUERSTÜHLE

In einer Ausstellung präsentiert der Stuttgarter Künstler Michael Gaedt motorisierte Objekte in Mailand, Italien. Ergänzt werden sie von Arbeiten des Fotografen Eric Scaggiante.

Feuerstühle – Michael Gaedt, Foto: Eric Scaggiante

Michael Gaedt (*1957, Deutschland) ist Musiker, Comedian und Schauspieler. Er ist Gründungsmitglied der Band „Die Kleine Tierschau“, mit der er über 35 Jahre auf Tour war. Seit 2009 ist er wöchentlich in der ZDF-Krimiserie SOKO Stuttgart zu sehen. Darüber hinaus ist er als Regisseur, Theaterschauspieler und Moderator tätig.

Feuerstühle - Michael Gaedt, Foto: Eric Scaggiante
Feuerstühle – Michael Gaedt, Foto: Eric Scaggiante
Feuerstühle - Michael Gaedt, Foto: Eric Scaggiante
Feuerstühle – Michael Gaedt, Foto: Eric Scaggiante

Unter dem Titel FEUERSTÜHLE gewährt die Ausstellung in der GALLERIA MONTEGANI in Mailand vom 5. bis 24. Februar2026 Einblicke in Gaedts Garage, wo er seit über 40 Jahren Alltagsgegenstände durch Motorisierung zweckentfremdet: von der Schubkarre bis hin zum Klo. Diese Arbeiten entstanden ursprünglich als Bühnenrequisiten für seine Band „Die Kleine Tierschau“, mit der Gaedt zwischen 1981 und 2016 mehr als 3.200 Auftritte spielte. In FEUERSTÜHLE werden diese Objekte erstmals aus ihrem Bühnenkontext gelöst und als freistehende Arbeiten im Ausstellungsraum gezeigt.

Michael Gaedt in seiner Garage, Foto: Eric Scaggiante
Michael Gaedt in seiner Garage, Foto: Eric Scaggiante

Eric Scaggiantes Fotoserie entstand in und um Gaedts Werkstatt in Stuttgart. Seine Bilder bewegen sich zwischen dokumentarischer Beobachtung und Inszenierung, zwischen der Brutalität der gewaltigen Motoren und kindlicher Fantasie und Bastelei. Fotograf Eric Scaggiante ist fasziniert vom Charme der Realität und versucht, diesen in seiner Arbeit festzuhalten. Seine Arbeiten erschienen unter anderem in GQ, Frieze und Lampoon. Zu seinen kommerziellen Kunden zählen Prada, Marni, Diesel, Ferragamo und On. Scaggiante wird von SevenSix in New York und London vertreten.

Feuerstühle - Michael Gaedt, Foto: Eric Scaggiante
Feuerstühle – Michael Gaedt, Foto: Eric Scaggiante
Feuerstühle - Michael Gaedt, Foto: Eric Scaggiante
Feuerstühle – Michael Gaedt, Foto: Eric Scaggiante

Die Schau läuft parallel zu den Olympischen Winterspielen in Milano–Cortina. Sie wird am 5. Februar eröffnet und endet am 24. Februar mit einem Konzert, bei dem Michael Gaedt die Maschinen live in Betrieb setzt und sie zurück in ihr natürliches Habitat — die Bühne — bringt.

 Parallel zur Ausstellung ist Michael Gaedt derzeit mit seiner Solo-Show DAS GROSSE SCHEPPERN auf Tour.

GALLERIA MONTEGANI in Mailand vom 5 bis 24 FEBRUAR 2026
Via Montegani 7, 20141 Milano, Italia

Vernissage: 5 Februar, 18:00-21:00
Finissage-Konzert: 24 Februar, 20:00
Kurator: ANDREA CERESA
Konzept und kreative Produktion: PAULINA GAEDT

art karlsruhe 2026

Impressionen art karlsruhe 2025 © Messe Karlsruhe/Jürgen Rösner
Impressionen art karlsruhe 2025 © Messe Karlsruhe/Jürgen Rösner

Die Kunstmesse vereint 180 Galerien aus 18 Ländern, Skulpturenplätze und zahlreiche Sonderformate und Programme rund um das Kunst sammeln und kaufen. Vom 5. bis 8. Februar 2026 zeigen die Aussteller künstlerische Positionen aus 120 Jahren Kunstgeschichte. Das Angebot reicht von der hochkarätig besetzten Klassischen Moderne über Konkrete Kunst, Informel und Pop Art bis hin zu aktuellen zeitgenössischen Positionen. 18 großzügige Skulpturenplätze in den Hallen 1, 2 und 4 unterstreichen die Rolle der Skulptur innerhalb der Kunstszene und des Kunstmarktes.-
Vollständige Galerienliste: art-karlsruhe.de/galerien
Alle Infos: www.art-karlsruhe.de

Eindrucksvolle Auswahl künstlerischer Positionen auch im Bereich Skulpturen © Messe Karlsruhe/Jürgen Rösner
Ein breites Kunstspektrum spricht sowohl etablierte Sammler als auch Kunstneulinge an. © Messe Karlsruhe/Carlotta Roob
Ein breites Kunstspektrum spricht sowohl etablierte Sammler als auch Kunstneulinge an. © Messe Karlsruhe/Carlotta Roob
Digitale Spuren, leuchtende Bildwelten, Pop Art und junge Positionen-
Ein persönliches Statement von Projektleiterin Olga Blaß zu den Sonderausstellungen der art karlsruhe 2026

„Wer sammelt, schaut genau hin. Und bleibt dran – oft über viele Jahre hinweg. Hinter jeder Sammlung steht weit mehr als nur der Aufbau eines Bestands, nämlich ein bewusstes, oft lebenslanges Engagement für die Kunst. Persönliche Entscheidungen, Geschichten, manchmal auch Wagnisse. Auf der art karlsruhe würdigen wir dieses Engagement seit vielen Jahren. Wir machen es sichtbar.
2026 setzen wir mit unseren vier Sonderausstellungen inhaltliche Impulse und geben Einblicke in Sammlungen, in künstlerische Handschriften und in Themen, die uns gesellschaftlich bewegen. Denn Sammlungen zeigen nicht nur Kunstwerke; sie erzählen auch etwas darüber, wie wir als Gesellschaft denken, fühlen und uns verändern.

Impressionen Collectors Dinner art karlsruhe 2025 © Messe Karlsruhe/Jürgen Rösner
Impressionen Collectors Dinner art karlsruhe 2025 © Messe Karlsruhe/Jürgen Rösner

Die LBBW zeigt mit ihrer Sammlungspräsentation „Digital Traces“, welche künstlerischen Antworten der digitale Wandel hervorbringt. Das Werk von Rolf Behm steht exemplarisch für konsequente Positionen in Farbe, Form und Erzählung. Die Pop Art-Sammlung von Dietmar Kohlrusch macht erlebbar, wie Sammlerleidenschaft über Jahrzehnte Schätze vereint. Und mit dem academy:square rücken wir für Sie Nachwuchspositionen in den Fokus die ganz neu den Kunstmarkt betreten – erstmals verbunden mit dem LBBW academy:square Award sowie einem Ankauf für die Sammlung der LBBW.

Das ARTIMA art meeting bietet vertiefende Gespräche rund ums Sammeln: Samstag, 7. Februar, 12–14 Uhr auf die Gesprächsrunde „Neues Sammeln“ sowie am Sonntag, 8. Februar, 12-14 Uhr auf die Talks zum „Einstieg in den Kunstmarkt“ – mit spannenden Impulsen für Sammlerinnen und Sammler jeden Erfahrungsstands.
Für mich persönlich ist genau das ein besonderer Moment: wenn Best Practice Beispiele auf begin-nende Sammlerfreude stoßen. Inspiration, unterschiedliche Perspektiven und leidenschaftliche Gespräche schaffen neue Zugänge – für die erfahrenen Kennerinnen ebenso wie für neugierige Neulinge.“

 

 

 

SIRI HUSTVEDT

Sie gehört zu den wichtigsten Stimmen der Gegenwartsliteratur – Der Dokumentarfilm SIRI HUSTVEDT – DANCE AROUND THE SELF feiert Weltpremiere in der Sektion Panorama der 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale).  Regisseurin Sabine Lidl porträtiert die international gefeierte Schriftstellerin und ihre ganz eigene Art zu leben. Hustvedt verbindet ihr Schreiben mit den großen Themen des Lebens: Liebe und Abschied – besonders im Zusammenhang mit der tiefen persönlichen und künstlerischen Verbundenheit zu ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Paul Auster.

 © Medea Film Factory / Dschoint Ventschr Filmproduktion / Meret Madörin
© Medea Film Factory / Dschoint Ventschr Filmproduktion / Meret Madörin

Zum Film: Jung, neugierig und voller Tatendrang verlässt Siri Hustvedt ihre Heimat Minnesota und stürzt sich mitten hinein ins pulsierende New York. Auf der Suche nach der Hauptfigur ihres ersten Romans beginnt eine Reise, die sie nicht nur zur Schriftstellerin macht, sondern zu einer der wichtigsten Stimmen der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Der Film öffnet einen Blick weit über Siri Hustvedt hinaus und feiert die kämpferische Kreativität von Künstlerinnen, denen die Autorin sich verbunden fühlt. Zugleich erzählt der Film auch die einzigartige Liebesgeschichte des legendären Autorenpaares aus Brooklyn: Siri Hustvedt und Paul Auster. Doch während die beiden über Sprache, Identität und die Kraft der Worte nachdenken, bricht das Leben herein: Paul Auster wird schwer krank. Doch auch nach seinem Tod endet die gemeinsame Geschichte nicht: Siri Hustvedt beginnt den Verlust ihres „Lebensmenschen“ im Buch „Ghost Stories: Ein Buch der Erinnerung“ literarisch zu verarbeiten.

Vier Jahre lang folgte die Filmemacherin Sabine Lidl den Gedanken und Geschichten der Autorin.  Das auf diese Weise entstandene intime Portrait SIRI HUSTVEDT – DANCE AROUND THE SELF ist ein Spiegelfilm zum 2019 ebenfalls unter der Regie von Sabine Lidl entstandenen Filmportrait ihres Ehemanns und „Lebensmenschen“: PAUL AUSTER – WAS WÄRE WENN.

Das Buch „Ghost Stories: Ein Buch der Erinnerung“, das die gemeinsame Liebes- und Lebensgemeinschaft des Autorenpaares wiedererstehen lässt, erscheint am 13. März im Rowohlt Verlag.

Kinostart deutschlandweit: 2. April 2026

„Die politische Dimension von Schillers Werk in den Fokus“

Das Schiller-Nationalmuseum lockt in neuem Glanz generalsaniert mit der Dauerausstellung „Schiller!“ nach Marbach.
Ein Beitrag von Harry Schmidt.

Ganze vier Jahre war das Schiller-Nationalmuseum der Öffentlichkeit entzogen, seit 1. November 2021 blieben die Türen des 1903 eröffneten, nach Plänen der Stuttgarter Architekten Ludwig Eisenlohr und Carl Weigle auf der Marbacher Schillerhöhe hoch über dem Neckar thronenden Dichterweihetempels geschlossen, während das Gebäude dahinter denkmalschutzgerecht saniert und die Dauerausstellung neu konzipiert wurde.

Treppenhaus im Schiller-Nationalmuseum mit Schillerbüste. Foto: Valentin Wormbs, Stuttgart.
Treppenhaus im Schiller-Nationalmuseum mit Schillerbüste. Foto: Valentin Wormbs, Stuttgart.

Seit November 2025 ist unter dem Titel „Schiller!“ der Teil des Deutschen Literaturarchivs (DLA) wieder zu sehen, der die Keimzelle und Daseinsberechtigung der gesamten Institution repräsentiert und nach außen trägt. Schließlich beherbergt der hiesige Schiller-Bestand neben dem Weimarer Goethe- und Schiller-Archiv die bedeutendste Sammlung zu Werk und Leben des 1759 in Marbach geborenen Dichters weltweit.

Theaterzettel zur Uraufführung der »Räuber« in Mannheim am 13. Januar 1782. Foto: DLA Marbach.
Theaterzettel zur Uraufführung der »Räuber« in Mannheim am 13. Januar 1782. Foto: DLA Marbach.

Endlich! Schon wieder! Immer noch! Nichtsdestotrotz! Bloß nicht! Ein Ausrufezeichen kann recht viele unterschiedliche Bedeutungen transportieren und verstärkend zum Ausdruck bringen. „Wir wollen damit zur erneuten Auseinandersetzung mit Schillers Werken, zum Anders-Lesen, zum Neu-Lesen einladen“, erklärt Vera Hildenbrandt, die als Leiterin der DLA-Museen die Neukonzeption der Dauerausstellung mit Helmuth Mojem, Alina Palesch und Pascal Quicker kuratiert hat, die Intention der Ausstellungsmacher, dem Dichternamen im Titel ein Satzzeichen folgen zu lassen. Generell rücke man mit rund 400 Exponaten im Vergleich zur 2009 eröffneten Vorgängerschau mehr „die politische Dimension von Schillers Werk in den Fokus“, habe den Schwerpunkt von einer auf „Materialität“ setzenden Präsentation hin zu einem „viel stärker historisch kontextualisierten Zugang“ verschoben, so DLA-Direktorin Sandra Richter. Zwischen Dekonstruktion und Mythenpflege begebe man sich auf einen Weg differenzierterer Betrachtung, der Zwischentöne und Details nicht unterschlägt.

Blick in die Ausstellung. Foto: DLA Marbach (Anja Bleeser).

Blick in die Ausstellung. Foto: DLA Marbach (Anja Bleeser).
Blick in die Ausstellung. Foto: DLA Marbach (Anja Bleeser).

Den Ausrufezeichen im Titel konterkarierend werfen die Stellwandtexte unzählige Fragen auf. Manche Antworten finden sich in den schlicht-vornehm wirkenden Vitrinen. Etwa der berühmte „Bauerbacher Plan“ zu „Don Karlos“ unter der Überschrift „Die Bühne als Experimentierfeld? Schillers Talent fürs Theater“. Oder zum Rubrum „Dichter der Freiheit? Europäische Werte in Schillers Texten“, das den für Schillers Denken zentralen Freiheitsbegriff thematisiert und nach dessen Verhältnis zur französischen Revolution fragt, die Urkunde zur Ehrenstaatsbürgerschaft Schillers in Frankreich, die ihn 1798 mit fünf Jahren Verspätung erreichte – „aus dem Reich der Toten“, so Goethes maliziöser Kommentar: Alle mit diesem Dokument Betrauten, auch der unterzeichnende Danton, waren zu diesem Zeitpunkt bereits der Revolution zum Opfer gefallen.
Raum-Überschriften wie „Medizin oder Poeterei? Literatur und Wissenschaft“ spürt Wechselwirkungen zwischen Schillers Tätigkeit als Mediziner und Historiker einerseits und seinem literarischen Schaffen andererseits nach, „Vom Schreiben leben?“ beleuchtet „Schillers Weg zum Berufsschriftsteller“.

Lederner Hut, mit herunterklappbaren Seiten gegen Wind und Regen. Friedrich Schiller soll ihn als Karlsschüler getragen haben. Foto: DLA Marbach.
Lederner Hut, mit herunterklappbaren Seiten gegen Wind und Regen. Friedrich Schiller soll ihn als Karlsschüler getragen haben. Foto: DLA Marbach.

Ein anderes Kapitel ist dem Balladen-Dichter im Kreis seiner Zeitgenossen gewidmet, hier wurde der Kanon – Hölderlin, Uhland, Hauff, Mörike – auch um einige Frauen wie Annette von Droste-Hülshoff, Sophie Mereau und Sophie von La Roche erweitert, ein weiteres gilt dem Netzwerker, der eines der ambitioniertesten belletristischen Journale der Aufklärung aus der Taufe hob – der „Contract über die litterarische Monatsschrift Die Horen“ mit dem Stuttgarter Verleger Johann Friedrich Cotta findet sich ebenso ausgestellt wie ein Beispiel der mit Goethe verfassten Spottgedichte der „Xenien“ zur Verteidigung jenes Zeitschriftprojekts. Aber auch ein Spielkartendeck zu „Maria Stuart“ und „Wallenstein“-Zinnfiguren sind zu sehen, ebenso zum Thema „Schiller-Kult“ eine Haarlocke mit Echtheitsbestätigung des Dichtersohns Karl von Schiller oder kuriose „Reliquien“ wie drei Splitter vom „Bettgestell Friedrich Schillers Bettstelle in Weimar“ oder zwei Nägel seines Gartenhauses in Jena.

Johann Heinrich Danneckers Gipsmodell zur Schiller-Büste (1805). Foto: DLA Marbach (Mathias Michaelis).
Johann Heinrich Danneckers Gipsmodell zur Schiller-Büste (1805). Foto: DLA Marbach (Mathias Michaelis).

Bislang noch nie gezeigt wurden zwei der legendären „Schnipsel“ – Caroline von Wolzogen, die Nachlassverwalterin Schillers, zerschnitt nach dem Tod des Dichters etliche Manuskripte ihres Schwagers, um die Autographen-Schnipsel freimütig an Schiller-Verehrer zu verteilen. 2010 konnte das DLA das Handschriftenfragment einer frühen Fassung von „Don Karlos“ erwerben. Erst 2019 ins Archiv gelangt ist ein Textbruchstück des „Demetrius“. Bei den meisten Exponaten handelt es sich um Originale, doch nicht alles ist echt: Einige Papiere sind so fragil, dass sie lediglich als Faksimile gezeigt werden können, andere bewusst als Imitationen gekennzeichnet, etwa die sogenannten Gerstenbergʼschen Fälschungen. Ohne Echtheitsnachweis zu sehen ist auch ein kompletter Zopf in einer Pappschatulle, der verbunden mit einer abenteuerlichen Provenienzgeschichte während der Coronazeit als private Schenkung ins Haus kam und sich in der betreffenden Familie als „Schiller-Zopf“ vererbt habe.

Selbstredend fehlt Danneckers Schiller-Büste ebenso wenig wie das Porträt von Ludovike Simanowiz.
Wechselvitrinen, die regelmäßig mit neuen Exponaten bestückt werden, sollen die Brücke aus dem 18./19. Jahrhundert ins 20./21. Jahrhundert, vom Schiller-Nationalmuseum ins Literaturmuseum der Moderne, von der Dauerausstellung zur dynamischen Präsentation schlagen. Der Schillersaal, Herzstück des Museums, soll zu einem Ort der Begegnung und des Austauschs werden.

Näheres unter www.dla-marbach.de

Internationale Händel-Festspiele Karlsruhe

Auch wenn Georg Friedrich Händel persönlich nie in Karlsruhe war, ist sein Name seit fast einem halben Jahrhundert mit der Fächerstadt verbunden: Alljährlich spüren im Badischen Staatstheater bei den Internationalen Händel-Festspiele Karlsruhe Menschen aus aller Welt seinem Geist nach. 2026 wieder vom 20. Februar bis 8. März 2026. Im Rahmen eines vielfältigen Angebots mit unterschiedlichsten Formaten wird internationalen Musik-Größen der Barockszene ebenso ein Podium geboten wie vielversprechendem Nachwuchs.
Der Festival Veranstalter – Das Badische Staatstheater Karlsruhe  – intensiviert 2026 seine Kooperationen mit der Händel-Gesellschaft und der Internationalen Händel-Akademie, aber auch mit der Karlsruher Kirchenmusikszene und weiteren Institutionen der Stadt. Das Motto: Mehr Konzerte und Aufführungen im urbanen Raum zu verankern und so den Zugang für noch mehr Menschen zu ermöglichen.

Das Leitungsteam der Internationalen Händel-Festspiele: Oliver Kersken (Orchesterdirektor und Festspielleitung), Christoph von Bernuth (Operndirektor und Künstlerischer Leiter), Stephanie Twiehaus (Leitende Opern- und Konzertdramaturgin und Kuratorin Konzert- und Rahmenprogramm). Foto: Arno Kohlem
Das Leitungsteam der Internationalen Händel-Festspiele: Oliver Kersken (Orchesterdirektor und Festspielleitung), Christoph von Bernuth (Operndirektor und Künstlerischer Leiter), Stephanie Twiehaus (Leitende Opern- und Konzertdramaturgin und Kuratorin Konzert- und Rahmenprogramm). Foto: Arno Kohlem

Händel war ein freiheitsliebender Künstler, demgemäß stehen die Internationalen Händel-Festspiele 2026 unter einem Motto aus seiner Oper Tamerlano –  die u.a. um Wege der Befreiung aus Diktatur und Despotismus kreisen. In vielen Programmen taucht dies leitmotivisch auf – Selbstbestimmung und Befreiung aus einem starren Regelwerk: Sei es in einer kammermusikalischen Lesung oder in großbesetzten Konzerten mit Staraufgebot, sei es in einem Orgelrezital oder in einem hochenergetischen Cross-Over-Konzert.

Opernprogramm

Premiere: Tamerlano
Dramma per musica in drei Akten von Georg Friedrich Händel
Im Zentrum der Händel-Festspiele 2026 steht Händels 1724 uraufgeführte Oper Tamerlano, musikalisch erarbeitet von René Jacobs mit dem Freiburger Barockorchester und einem erlesenen Cast. Diese Händeloper ist nicht nur für René Jacobs eine der dramaturgisch stärksten und galt schon zur Entstehungszeit als politisches Statement in Sachen Herrschaftsverständnis. Die Oper wird von Allrounder Kobie van Rensburg in Szene gesetzt, der vielerorts ebenso mit seinem ungewöhnlichen, theatralen Einsatz von Videokunst begeistert.

Rinaldo Opera seria in drei Akten (1731) von Georg Friedrich Händel
Mit der Zauberoper Rinaldo legte Händel 1711 den Grundstein für seine beispiellose Londoner Opernkarriere: Nicht nur die Handlung – Liebe, Wut und Leidenschaft inmitten phantastischer Szenenwechsel, feuerspeiender Monster und blühender Zaubergärten – war ein Erfolgsgarant, auch die Musik traf genau den Nerv des damaligen Publikums.

Szene aus der Oper "Rinaldo". Badisches Staatstheater Karlsruhe, Foto: Felix Grünschloß
Szene aus der Oper „Rinaldo“. Badisches Staatstheater Karlsruhe, Foto: Felix Grünschloß

Atalanta
Dramma per musica von Georg Friedrich Händel – konzertant
Händels 1736 in London uraufgeführte italienische Pastoraloper ist eine der wenigen Opern, die seit Gründung der Händel-Festspiele noch nicht in Karlsruhe gespielt wurden. Lars Ulrik Mortensen bringt in der Christuskirche zusammen mit den Deutschen Händel-Solisten die arkadische Welt zum Klingen, in der nicht nur die Verwandlung eines Hirten in die Prinzessin Atalanta zu erleben ist, sondern auch manch angehender Star, darunter Dennis Orellana, der „Farinelli“-Sieger 2025.

Konzerte & Rahmenprogramm
Das vielfältige Konzertprogramm wird von den Deutschen Händel-Solisten maßgeblich mitgestaltet, so im glanzvollen Festkonzert mit Andrea Marcon, auf dessen Programm „Concerti, Arien, Duette zwischen Tyrannei und Versöhnung“ stehen.
Zur Feier des 341. Geburtstag von Georg Friedrich Händel laden die Festspiele zu einem Geburtstags-Salon in die historischen Räumlichkeiten des Stadtpalais Solms, zu einem ungezwungenen Beisammensein in bester Salon-Manier – und mit künstlerischer Inspiration. Und zu einer gelungenen Geburtstagsfeier gehören natürlich auch Getränke, Fingerfood und eine Geburtstagstorte, die im Preis inbegriffen sind.
Auch ein trauriger Jahrestag wird programmatisch aufgegriffen: Am 24. Februar, dem Tag des russischen Überfalls auf die Ukraine, spielt die aus Lwiw stammende und seit Kriegsausbruch in Potsdam lebende Organistin Nadiya Velychko in der Christuskirche ein beziehungsreiches Orgel-Rezital: Ihr Programm vereint Händel-Transkriptionen mit Werken ukrainischer Komponisten von Klassik bis Gegenwart.
In der Evangelischen Stadtkirche ist die große Bandbreite kirchenmusikalischer Werke zu erleben, dazu gehört beispielsweise ein Orgelkonzert und Auszüge aus Arvo Pärts meditativer Berliner Messe. Es singen Solist:innen des Staatstheaters und der Karlsruher CoroPiccolo.

Farinelli-Wettbewerb für Countertenöre

Farinell war einer der berühmtesten Kastratensänger des Barockzeitalters und begeisterte das europäische Publikum mit seiner außergewöhnlichen Stimme und Virtuosität. Er wirkte an den bedeutendsten Opernhäusern seiner Zeit und galt als musikalisches Vorbild für viele nachfolgende Generationen. Mit den Internationalen Händel-Festspielen 2025 wurde vom Künstlerischen Leiter Christoph von Bernuth der weltweit erste Gesangswettbewerb für Countertenöre ins Leben gerufen, dessen Online-Stream mit annähernd 18.000 Aufrufen weltweit und nachhaltig Aufsehen erregte. Mit Spannung erwarten nun Fachwelt und Fans 2026 die zweite Runde: Wieder werden 24 Kandidaten vor einer fünfköpfigen Fachjury gegeneinander antreten.

Lidor Ram Mesika - Gewinner des Nachwuchspreises (U25) des 1. Farinelli-Wettbewerbs für Countertenöre im Rahmen der Internationalen Händel-Festspiele Karlsruhe 2025, Foto: Felix Grünschloß
Lidor Ram Mesika – Gewinner des Nachwuchspreises (U25) des 1. Farinelli-Wettbewerbs für Countertenöre im Rahmen der Internationalen Händel-Festspiele Karlsruhe 2025, Foto: Felix Grünschloß

Das vollständige Programm der Internationalen Händel-Festspiele 2026 ist hier veröffentlicht:
Dort finden Sie auch den Programmflyer als PDF zum Download.
Weitere Informationen unter: www.staatstheater-karlsruhe.de

Die Händel-Gesellschaft Karlsruhe e.V. mit inzwischen über 550 Mitgliedern besteht seit 37 Jahren und versteht sich als Schnittstelle zwischen den Händel-Institutionen in Karlsruhe und mit den Händel-Fans national und international.

Die Internationale Händel-Akademie ist längst als Forum für international renommierte Künstler:innen und junge Musiker:innen aus aller Welt etabliert, auf dem historische Aufführungspraxis erlernt und neue Ansätze erprobt werden.

 

Dieter Zimmermann

News: Der Filmemacher und Künstler Dieter Zimmermann startet mit zwei Ausstellungen ins Jahr 2026

Stand-Bilder – von Downtown L.A. bis Ochsen&Busch
10. Januar bis  15. Februar 2026 ( Finissage am Sonntag, 11 Uhr)
Galerie Altes Rathaus Musberg, Filderstraße 44, 70771 Leinfelden-Echterdingen

Fenster zum Leben – Vom 15. Januar bis zum 6. März 2026
In der Ausstellung „Jahresbilder“ im Marien Hospital Stuttgart porträtiert Dieter Zimmermann die regionale Natur in ihrem Lauf durch die Jahreszeiten. Ab 15. Januar 2026 werden seine farbenfrohen Werke im Marienhospital Stuttgart zu sehen sein. Die Besucher der Ausstellung erwartet eine spannende künstlerische Bilder-Reise durch Natur und Zeit.

Blick in die Ausstellung, Foto: privat
Blick in die Ausstellung, Foto: privat

Über den Künstler, seine Werke, sein Leben

STANDBILDER werden im Stehen gemacht, aus dem Fluss der Bewegung zum Stand der Dinge gebracht. In der Filmsprache nennt man es „Freeze“. Dann steht Bewegung für einen Augenblick still. Die Zeit läuft weiter.

Dieter Zimmermann, Absolvent der Staatlichen Akademie der bildenden Künste Stuttgart, studierte bei den Professoren Eugen Funk angewandte Grafik, bei Kurt Weidemann Visuelle Kommunikation. Wie ein der Wirklichkeit entnommener Augenblicks-Moment in andere Bild-Sprachen wandert, zur Zeichnung mäandert oder wie Lithographie und Serigraphie dem geknipsten Einzelfoto neuen Ausdruck verleihen, wie das Original-Bild zerschnitten oder gut gerissen als Collage zur Kunst wird – diese kompositorischen Veränderungen halfen dem Oberlippen bärtigen Leptosomen, als Dieter Zimmermann nach absolviertem Studium beim Stuttgarter Haussender persönlicher Assistent von Prof. Frieder Grindler werden durfte. In den „Roaring Seventies“ entstanden in der Graphikabteilung der Villa Berg Plakate für den SDR, auch Plakat-Collagen für die avantgardistischen Bühnenstücke des Tübinger Zimmertheaters und der Staatstheater Stuttgart.

Dieter Zimmermann. Foto: privat

In der Aufbruchstimmung jener Zeit, kam Dieter Zimmermann mit 16 MM-Film in Berührung. Schnell durfte der „Künschdler von der Aka“ eigene Filme probieren. Für „Juli-Bilder eines Monats“ erhielt er beim ARD-Festival / Radio Bremen den ersten Preis.

Bis 2022 entstanden weit über 120 Filme in kurzen, mittleren und langen Formaten. Für die SDR-Redaktionen Kultur und Gesellschaft entwarf der Regisseur Backstage-Blicke, u.a. hinter die Kulissen der Kaderschmiede des Stuttgarter Balletts, schärfte den Film-Fokus auf die Hip-Hop-Ghettokinder aus Gerlingen und Degerloch im Baden-Württemberg geförderten allerersten Bandporträt über die Fantastischen Vier, intensivierte Bewegtbildbotschaften aus dem Deutschen Literaturarchiv Marbach und aus dem Limo-Museum über dem Neckar am Neckar. Fünf Jahre Drehzeit brauchte der Juniorranger:innen-Film „Eine Spur wilder“, ein Langzeit-Projekt aus dem Nationalpark Schwarzwald. Der M.F.G. Ba.-Wü. geförderte Lebenswerkfilm „B.E.N. – Ben Willikens – der Maler der leeren Räume“ ist 2022 realisiert worden.

Blick in die Ausstellung, Foto: privat
Blick in die Ausstellung, Foto: privat

Etwa ab 2018 entnimmt Dieter Zimmermann seinem Standphoto-Archiv Motive, die als Einzelbilder nun nicht mehr dem filmischen Aneinanderreihen von Kadrierung, Soundtrack, Montage, gesprochenes Wort gehorchen. Seinen dramaturgischen Platz erzeugt sein STANDBILD hingegen bewegungslos in einem Format komponiert.

Die STANDBILDER stehen jetzt herausgeschnitten und bearbeitet, losgelöst vom bewegten Format. Spartenübergreifend machen sie den Dialog des Überganges selber zum stilistischen Thema.

„Bedeutendes wollen meine Bilder nicht. Wohl aber einen jeweiligen Augenblick aus meinem unaufhörlichen Erinnern festhalten. Denn es sind auch Fragmente des Verschwindens und des Auftauchens, wenn Plakatwände, zerrissene Parolen einer nimmersatten Werbewelt ohne leserlichen Glanz zerschunden im Hin und Her der vergilbten Zeit als Motive auftauchen. Für mich sind’s Insignien staubigen Charms, den manchmal alte Bilder haben“.  Dieter Zimmermann

Blick in die Ausstellung, Foto: privat
Blick in die Ausstellung, Foto: privat

Sie ordnen sich den bestehenden Gattungsbegriffen wie Foto, Zeichnung, Übermalung, Kalligraphie nicht unter. Was im Bild sich ausspricht, sind Zimmermanns Momente eines Bewusstseins, das sich durch die Wirklichkeit bewegt. Der Mixed-Media-Künstler demonstriert diese Wirklichkeit nicht anders, als er sie erfährt. Und seine Erfahrung stiftet zugleich den fort-währenden Wechsel seiner Bildsprache.

Motive aus der allersten Einzel-Ausstellung „INSTANT“ der von Prof. Albrecht Ade aufgelegten Serie „Zwischen Studium und Beruf“ (1980) sind 2025 restauriert worden. Neu editiert erscheint, dass Polaroid SX-70 Material jetzt in Linien und Farbfelder gezeichnet, auf Büttenpapier in müde Farben der 70er getaucht. Coffee-Shop-Sequenzen mit Spiegeleier-Sunny Side-Up, Ketchup bekleckert, sind seriell gegeneinander gekantet. Ein paar alte INSTANT-Frühstücksbilder aus den Down-Town-Revieren von Los Angeles haben im Zuge der Restauration 2025 einen neuen Retro 70er Look erfahren.

Blick in die Ausstellung, Foto: privat
Blick in die Ausstellung, Foto: privat

Seit 2023 lebt und arbeitet Dieter Zimmermann im Schwäbischen Wald.

Motive wie Ochsen & Busch sind ihm Programm, weil er sie an seinem neuen Wohnort praktisch vor der Haustüre hat. Er fotografiert, zeichnet, malt was er dort sieht – Sein Atelier heißt Ochsenbusch 42.

Den Zwischenraum der urbanen Brachen, die INSTANT-Parolen der Werbewelt verlassend, zoomt nun sein Blick verstärkt auf Wald, Holz, Ast, Rand, Wiese. Dazwischen OX XL. So porträtiert er mit dem Handy Zottel-Tiere, seine Nachbarn: Ochsen, ohne je ihre Augen gesehen zu haben. Eine einseitige Angelegenheit. Im Atelier zeichnet er ein neues Bild dieser fotografierten Wirklichkeit auf Papier.

„Ich wechsle vom Stift zum borstigen Haar-Pinsel. Mische Tusche mit Acryl, Kohle, Wasser. Widerborstige Haare wie Rinder sie haben, brauchen den gestischen Widerpart des kalligraphischen Schwungs. Mein Strich wird spröder und schwarz. Vieles lass’ ich weg – manche Linie kommt dazu. Die gestische Methode, bildlich die Diskontinuität des Wirklichen zu reflektieren, ist imstande, all das zu erfassen, was im unaufhörlichen Erinnern den jeweiligen Augenblick bestimmt. Meine Bildabschnitte sind nicht eingezäunt, sondern offene Gravitationsfelder für einen Bildaugenblick, ein STANDBILD, das einmal in Bewegung war.“                 Dieter Zimmermann

Textbeitrag: Katharina Goldbeck-Hoerz

www.zimmermannfilm.com