Jazz in Rottweil

Festival u.a. mit Chilly Gonzales und Marla Glen.
Konzert mit Bernd Konrad und den Brüder Mehl.

Jeden Frühling verwandelt sich Rottweil in eine Jazz-Hochburg: Das renommierte Musikfestival bietet ein vielfältiges Programm, bei dem Jazzlegenden, internationale Weltstars sowie hochkarätige nationale und internationale Acts gemeinsam mit der lokalen und regionalen Musikszene auftreten – und das alles in einem einzigartigen und stimmungsvollen Ambiente.´

Auch in diesem Jahr sind bereits hochkarätige Künstler bestätigt: Chilly Gonzales (2. Mai), Marla Glen (8. Mai), Wolfgang Haffner Trio & Special Guest Nils Landgren (7. Mai), Rainbirds (9. Mai) und das Joshua Redman Quartet (16. Mai).

Marla Glen, Foto: Frank+Nader
Chilly Gonzales (c) Alexandre Isard

Den Auftakt des Jazzfest Rottweil gestaltet der Verein mit dem großen Musikspektakel „Jazz in Town“ am 30. April: Die gesamte Innenstadt lädt dazu ein, Gaststätten, Galerien, Cafés, Bars und Restaurants zu besuchen und dabei über 30 Live-Musikgruppen verschiedenster Stilrichtungen zu erleben. Neben „Jazz in Town“ sorgen Workshops, Musikprojekte, Kunstaktionen und Ausstellungen für ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm zum Festivalstart.
30. April Jazz in Town
Jazzfest 30. April – 16. Mai 2026., weitere Infos: www.jazzfest-rottweil.de

Und hier ein weiterer Tipp für Jazzliebhaber: 
Saxophonist und Komponist Bernd Konrad trifft auf die Brüder Mehl – ein musikalisches Gipfeltreffen der Extraklasse.

Bernd Konrad zählt zu den renommiertesten Persönlichkeiten der europäischen Jazzszene. Seine beeindruckende Karriere umfasst zahlreiche Konzerte im In- und Ausland, Kompositionsaufträge unter anderem für die New Yorker Philharmoniker sowie die Leitung der Jazzabteilung der Musikhochschule Stuttgart als Professor. Bis 2013 förderte er als Leiter des Landesjazzorchesters Baden-Württemberg den Jazznachwuchs des Landes auf höchstem Niveau.

Die Bruder Mehr Fotoquelle: www.magnusmehl.de
Foto (c) privat, Brüder Magnus, Ferenc Mehl und Bernd Konrad

Die Brüder Magnus und Ferenc Mehl sammelten ihre ersten musikalischen Erfahrungen in den Landesjugendjazzorchestern verschiedener Bundesländer – Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Nordrhein-Westfalen – und wurden maßgeblich von Bernd Konrad im baden-württembergischen Landesjazzorchester geprägt. Beide gehörten zudem zum Deutschen Bundesjazzorchester und haben sich als herausragende Musiker etabliert. Vervollständigt wird das Konrad/Mehl Project durch den serbischen Bassvirtuosen Fedor Ruskuc. Er begann seine musikalische Laufbahn als Geiger, bevor er zum Kontrabass wechselte und an den Musikhochschulen in Graz und Köln studierte. Heute arbeitet er regelmäßig mit renommierten Musikern und Ensembles zusammen.

Das Konzert findet am 27. März 2026 um 20:30 Uhr im Refektorium des Kapuziners statt. Eintritt: 20 Euro, ermäßigt 15 Euro. Kartenreservierungen sind ab sofort möglich unter jazzimrefektorium@gmail.com.

Klassik trifft Beat: SYMPHONIACS und die Kunst der musikalischen Grenzüberschreitung

In einer Zeit, in der musikalische Genregrenzen zunehmend verschwimmen, beschreiten die SYMPHONIACS einen bemerkenswert innovativen Weg: Hier begegnet Bach pulsierenden Beats, klassische Virtuosität verschmilzt mit den Klängen moderner Clubkultur. Sechs exzellente Musiker, deren Karrieren bislang fest im klassischen Kanon verankert waren – darunter etwa der Solocellist der Deutschen Oper Berlin – wagen gemeinsam den Sprung ins Unbekannte und beweisen eindrucksvoll, dass klassische Musik tatsächlich grooven, ja, pulsieren kann.
Vor zehn Jahren gegründet, verfolgt das Ensemble die Mission, insbesondere ein junges Publikum für die klassische Musik zu begeistern.

(c) symphoniacs.com

Doch ihr Anspruch reicht weiter: Hinter der Bühneninszenierung verbirgt sich die Vision, auch jenen Gesellschaftsgruppen ein musikalisches Erlebnis zu bieten, die sich von traditionellen Konzertsälen bislang ferngehalten haben. Das Ergebnis sind genreübergreifende Live-Shows, die Generationen, Kulturen und musikalische Konventionen miteinander vereinen.
Die SYMPHONIACS agieren als Grenzgänger zwischen Klassik und Elektro. Mit Violine, Cello, Klavier und Synthesizer transformieren sie Meisterwerke und Clubmusik in berauschende Klanglandschaften. Die künstlerische Leitung hat Andy Leomar inne, dessen Erfahrung als Komponist, Produzent und Elektronik-Artist das Projekt prägt. Gemeinsam mit den Musikern Konstantin Manaev, Paul Kropfitsch, Philipp Scheucher, Arthur Hornig, Johannes Fleischmann, Mon-Puo, Christian Kim und Colin Stokes entsteht eine musikalische Symbiose zwischen klassischer Virtuosität und elektronischer Innovation.

(c) symphoniacs.com

Leomar entwickelte eigens für die Jubiläumstournee neue Arrangements, die dem Ensemble erlauben, ihre Energie voll zu entfalten. So begeistern die SYMPHONIACS nicht nur in Baden-Württemberg, sondern weltweit ein Publikum, das von genreübergreifenden Live-Erlebnissen fasziniert ist. Ihre Auftritte gelten als verbindendes Element zwischen den Generationen und setzen Maßstäbe für musikalische Offenheit.
Das aktuelle Tour-Programm vereint Werke von Bach, Beethoven und Mozart mit modernen Kompositionen, etwa Coldplay und Rosalia. Die Interpretation von Rosalias Hit „Berghain“ steht dabei stellvertretend für die künstlerische Risikobereitschaft des Ensembles. Besonders bemerkenswert: Die Version von Coldplays „A Sky Full of Stars“ sorgte mit über 20 Millionen YouTube-Aufrufen für internationales Aufsehen und demonstriert den globalen Erfolg. Mit 123.000 Abonnenten und insgesamt 53 Millionen Views zählen die SYMPHONIACS zu den erfolgreichsten Projekten, die klassische Musik in neuem Gewand präsentieren.

(c) symphoniacs.com

Alben bei Universal Music Deutschland und Warner Music Japan sowie Top-Platzierungen in internationalen Charts untermauern diesen Erfolg, ebenso wie die zahlreichen TV-Auftritte vor insgesamt über 20 Millionen Zuschauern – darunter Sendungen wie Kulturnews (ARD), das ZDF-Morgenmagazin und die Silvestershow am Brandenburger Tor.
Die Jubiläumstournee führt das Ensemble durch ganz Deutschland, Österreich, die Slowakei und die Schweiz. Mit ihren Konzerten schaffen die SYMPHONIACS nicht nur musikalische Brücken, sondern erinnern daran, dass Innovation und Tradition sich keineswegs ausschließen, sondern vielmehr einander inspirieren können.

Termine in BW
24. März
Pforzheim Congress Centrum

19. März 2026
Ulm Ratiopharm Arena

21. März 2026
Ludwigsburg MHP Arena

23. März 2026
Karlsruhe Konzerthaus Karlsruhe

24. Mai 2026
Lörrach Burghof

19 Oktober 2026
Esslingen Neckar-Forum

Weitere Termine und Informationen: www.symphoniacs.com           

Jesus Christ Superstar

Rockoper von Andrew Lloyd Webber am Theater Pforzheim.
Mobilisierung der Massen, Verrat und Verleumdung: In Andrew Lloyd Webbers Rockoper „Jesus Christ Superstar“ werden die hochdrama­tischen letzten sieben Tage im Leben des Jesus von Nazareth dargestellt. Dabei rückt Tom O’Horgans Buch den politischen Aspekt der Erzählung in den Vordergrund. Welche Motive treiben die Hohepriester an, Jesus anzuklagen? Warum unterschreibt der römische Statthalter ­Pilatus das Todes­urteil?

Szene aus „Jesus Christ Superstar“ am Theater Pforzheim, Foto: Jochen Klenk

Im Zentrum der Handlung steht neben dem Mann aus Nazareth Judas, der Jesus’ Haltung gegenüber der römischen Besatzung als zu radikal ansieht. Der Verrat der religiösen Bewegung durch ihn, Jesu Gefangennahme und Hinrichtung sind dramaturgisch geschickt verdichtet. Die Passions-Erzählung erhält durch die revolutionären Töne der 1960er Jahre weitere, überraschende Facetten.
Webber entwickelte die Rock-Oper aus bereits veröffentlichten Einzelnummern. 1969 erschien die Aufnahme des Titelsongs, 1971 erfolgte die umjubelte Uraufführung im Mark Hellinger Theatre in New York, einem ehemaligen Kino, das 1991 sogar zu einer Kirche wurde. „Jesus Christ Superstar“ lief über acht Jahre lang am Londoner Westend, was das ­Musical zu einer der erfolgreichsten Produktionen in der britischen ­Metropole machte.
Weitere Info:www.theater-pforzheim.de

Internationales Bachfest Stuttgart

Vom 13. bis 28. März 2026 lädt die Internationale Bachakademie Stuttgart zum Internationalen Bachfest Stuttgart ein – diesmal unter dem Motto „Weil wir Bach lieben!“. Zwei Wochen lang steht die Musik des großen Leipziger Thomaskantors dann im Mittelpunkt eines vielfältigen Programms, das Tradition und Innovation miteinander verbindet. Die ungebrochene Faszination, die von Bach bis heute ausgeht, feiert das Festival mit Konzerten, Tanz, Mitmachveranstaltungen und Vorträgen, die vielfältige Zugänge zu seinem Schaffen eröffnen. Mit dabei sind die Klangkörper der Bachakademie: die Gaechinger Cantorey unter der musikalischen Leitung von Hans-Christoph Rademann sowie das Junge Stuttgarter Bach Ensemble (JSB). Dieses bringt erneut junge Musiker*innen aus aller Welt zusammen, um Bachs Werke gemeinsam zu interpretieren und zu erforschen. Ergänzt werden sie durch hochkarätige Künstler*innenen und Ensembles von internationalem Rang – von Vox Luminis über das Freiburger Barockorchester, Concerto Copenhagen und Voces Suaves. Und solchen, die kreative Grenzen ausloten wie Patrick Bebelaar & Friends, das Jazz-Duo Peirani & Salque, der Pianist Tim Allhoff oder die Hanke Brothers.

Hans-Christoph Rademann
Photo: Marco Borggreve

Dazu werden Liederhalle, Stiftskirche, Neues Schloss, Johanneskirche, Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Landesmuseum, Domkirche St. Eberhard und viele weitere Orte zur Bühne. Zu den Höhepunkten 2026 zählen das Eröffnungskonzert „Klangpracht des Dresdner Barock“ (13.3.) mit der Gaechinger Cantorey unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann, das innovative „Bach & Khayyam“ mit dem Ensemble Constantinople (14.3.), das Freiburger Barockorchester und Vox Luminis mit mit Werken von Telemann (16.3.), „Bach to Minimalism“ mit Le Concert de l’Hostel Dieu (20.3.) sowie die Markus-Passion 1726 mit Solomon’s Knot (25.3.).

Tim Allhoff © Maximilian König;

Den festlichen Schlusspunkt setzt am 28. März die Aufführung von Bachs h-Moll-Messe mit der Gaechinger Cantorey in der Liederhalle. Auch die Geburtstagsfeier für Johann Sebastian Bach am 21. März wird wieder zu einem besonderen Ereignis: Unter dem Titel „Happy Birthday Bach!“ trifft Tanz auf Instrumentalmusik, Barockensemble auf Bewegungskunst verschiedener Epochen – ein Fest für alle Bachfans.

Voces Suaves © Markus Räber

Zum Herzstück des Festivals gehört auch die Nachwuchsakademie mit dem JSB Ensemble und den Meisterkursen Gesang, die in der Reihe „Messe im Kontext“ am 15., 16., 18. und 19. März zu erleben sein werden. Mit dabei ist auch in diesem Jahr wieder Kathy Saltzman Romey. Den feierlichen Schlusspunkt setzt das JSB Ensemble am 22. März in der Liederhalle, wo die jungen Musiker*innen unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann die Lutherischen Messen von J.S. Bach präsentieren.

Ensemble Constantinople © moduleplus

Begleitend setzen sich Experten wie Prof. Dr. Peter Wollny (Bach-Archiv Leipzig) und Dr. Bernhard Schrammek (u. a. Bach-Kanal MDR, rbb) in den Vorträgen „Zur Sprache gebracht“ mit den historischen, theologischen und musikalischen Kontexten jener Werke auseinander.
Weitere Informationen & Karten: www.bachfest-stuttgart.de,
www.easyticket.de sowie telefonisch unter Fon 0711 / 619 21 61

Den (Augen)Blick sehen!

Malerei und Fotografie aus der Sammlung Klein. Die Hängung lädt dazu ein, die Vielschichtigkeit des Blicks und zugleich das Schauen auf den Blick zu erkunden.

Shirin Neshat: The Last Word, 2003, Silbergelatine Print, 94 x 241,3 cm © 2026 Shirin Neshat, courtesy neugerriemschneider, Berlin

Unter dem Motto Den (Augen)Blick sehen! lädt das Kunstwerk Nussdorf ein Werke aus der eigenen Sammlung zu entdecken, die sich auf das Schauen und Sehen beziehen. Es geht um Projektionen und Wahrnehmungen. Wie sehen wir die Welt und wie sieht die Welt uns? Was kann, darf und will ein Blick und welche Beziehungen können daraus entstehen?

Gottfried Helnwein: The Disasters of War 1, 2007, Öl und Acryl auf Leinwand, 140 x 248,5 cm © 2026 Gottfried Helnwein, VG Bild-Kunst, Bonn

Die Kraft des Blicks ist mächtig, schließlich sind die Augen Fenster tief in unser Inneres – das zeigen die über 60 gezeigten Gemälde und Fotografien u.a. von Gregory Crewdson, Xenia Hausner, Gottfried Helnwein, Alex Katz, Tracey Moffatt, Shirin Neshat, Michelangelo Pistoletto und Arnulf Rainer.

Christian Thompson: Scorch the Earth, 2013, C-Print, 121 x 121 cm © 2026 Christian Thompson

Richtet sich ihr Blick auf etwas innerhalb oder außerhalb des Bildraumes? Sind ihre Augen geschlossen und richtet sich ihr Blick nach innen? Sehen sie das betrachtende Gegenüber? Was verraten ihre Augen und ihre Mimik über ihre inneren Welten? Sagt ihr Blick etwas aus über ihre soziale oder gesellschaftliche Situation oder Rolle aus? Lässt sich etwas über Beziehungen oder Machtverhältnisse erfahren? Ein scheuer oder offensiver Blick, ein forschender Blick, ein verträumter, in sich gekehrter oder nachdenklicher Blick… oft sind es allein die Augen, die eine große Geschichte erzählen.

Die unendliche Vielfalt des Blicks macht deutlich: Der Blick ist eine der faszinierendsten und komplexesten Ausdrucksformen menschlicher Identität. Er fungiert als Türöffner zu versteckten Empfindungen und inneren Zuständen. Die Betrachtung der Dargestellten und ihrer unterschiedlichen Blicke kann zu ganz unterschiedlichen Reaktionen führen. Vorstellungen, Emotionen, Erwartungen, Vermutungen, Projektionen und Deutungen werden auf das Gegenüber projiziert. Während einige den frontalen Blick als provokativ empfinden, empfinden ihn andere als zugewandt und interessiert. Wie beeinflusst die eigene Wahrnehmung, was gesehen und wie der Ausdruck der Anderen eingeordnet wird? Wie verändern sich die Interpretationen je nach Kontext und Stimmung?

Michelangelo Pistoletto: Gemelle (Mirror Triptych), 1998, Siebdruck auf Acrylspiegel, jeweils 50 x 40 cm © 2026 Michelangelo Pistoletto

Gerade in unserer Zeit schauen sich Menschen immer seltener in die Augen – denn heute schaut man im Aufzug, im Wartezimmer, an der Bushaltestelle oder in der Bahn meist auf das Smartphone , statt Blickkontakt mit Mitmenschen aufzunehmen. Obwohl doch die Sehnsucht nach Kommunikation und Verbundenheit nie größer war wird der Blickkontakt immer seltener. Diese Ausstellung will dazu anregen, diesen Phänomen mit Mitteln der Kunst entgegen zu wirken und wieder anregen „neu zu schauen“ (!) …

Den (Augen)Blick sehen!
1. Februar bis 31. Juli 2026
KUNSTWERK – Sammlung Klein
Siemensstraße 40, 71735 Eberdingen-Nussdorf
Tel. 0 704 2 / 37 69 566
www.sammlung-klein.de
Öffnungszeiten: Freitag und Sonntag 13 bis 17 Uhr
Eintritt frei

Die letzten Tage der Menschheit

Das Schauspiel von Karl Kraus wirft einen schonungsloser Blick hinter die Kulissen des Ersten Weltkriegs. Das Theater Heilbronn präsentiert mit „Die letzten Tage der Menschheit“ ein Werk von seltener Wucht und aktueller Relevanz. Karl Kraus, einer der bedeutendsten österreichischen Publizisten und Schriftsteller, nimmt in seinem monumentalen Drama nicht die Hölle der Front ins Visier, sondern beleuchtet die Abgründe des Hinterlands: Er erzählt von jenen, die den Ersten Weltkrieg aus sicherer Entfernung verfolgen, bejubeln und von ihm profitieren. Entstanden ist das Stück zwischen 1915 und 1922 und gilt als einer der wichtigsten pazifistischen Texte der modernen Literatur.

Die letzten Tage der Menschheit, Foto: Candy Welz / Theater Heilbronn
Die letzten Tage der Menschheit, Foto: Candy Welz / Theater Heilbronn

Die Aufführung am Theater Heilbronn macht deutlich, wie Propaganda und menschliche Schwächen Kriege befeuern und zivilisatorische Gewissheiten ins Wanken bringen. Die zentrale Botschaft ist aktueller denn je: Frieden muss das Ziel allen politischen Handelns sein.Die Inszenierung verzichtet bewusst auf eine klassische Handlungsführung und setzt stattdessen auf 220 Szenen, in denen reale Figuren wie Kaiser Franz Joseph, Wilhelm II., Soldaten, Pastoren und Journalisten agieren. Rund ein Viertel des Textes stammt aus Originaldokumenten – von Zeitungsartikeln über Tagesbefehle bis hin zu Briefen und Predigten –, wodurch die Atmosphäre der damaligen Zeit greifbar wird.

Die letzten Tage der Menschheit, Foto: Candy Welz / Theater Heilbronn
Die letzten Tage der Menschheit, Foto: Candy Welz / Theater Heilbronn

Kraus verbindet bitteren Humor mit gnadenloser Satire und entlarvt so die Absurdität und Unmenschlichkeit des Krieges. Wir begegnen sensationshungrigen Kriegsberichterstattern, profitgierigen Unternehmern und Offizieren, die im sicheren Hinterland schwelgen, während an der Front Leid und Tod herrschen. Zwei Figuren führen streitend durch das Geschehen: Der Optimist sieht im Krieg eine reinigende Kraft, der Nörgler – das Sprachrohr des Autors – widerspricht und zeigt auf, dass der Krieg die Guten verzweifeln und die Schlechten noch schlechter werden lässt.

Die letzten Tage der Menschheit, Foto: Candy Welz / Theater Heilbronn
Die letzten Tage der Menschheit, Foto: Candy Welz / Theater Heilbronn
Die letzten Tage der Menschheit, Foto: Candy Welz / Theater Heilbronn
Die letzten Tage der Menschheit, Foto: Candy Welz / Theater Heilbronn

 

Weitere Info: www.theater-heilbronn.de

Pretty Privilege

Nach Oscar Wildes Roman Das Bildnis des Dorian Gray, adaptiert von Wilke Weermann am Schauspiel Stuttgart.
Was heißt Schönheit im Zeitalter von Social Media? Wilke Weermann hinterfragt in seiner modernen Interpretation des Klassikers, wie der Wunsch nach ewiger Jugend und makellosem Aussehen durch gesellschaftliche Ideale und digitale Bildbearbeitung geprägt wird. In Wildes Geschichte verführt Lord Henry den jungen Dorian, sein Leben im Rausch der Jugend zu genießen.

Screen: Teresa Annina Korfmacher (Sibyl-2), von hinten: Mina Pecik (Jane), Felix Jordan (Henry), Tim Bülow (Dorian), Sebastian Röhrle (Basil) // PRETTY PRIVILEGE, Foto: Björn Klein
Screen: Teresa Annina Korfmacher (Sibyl-2), von hinten: Mina Pecik (Jane), Felix Jordan (Henry), Tim Bülow (Dorian), Sebastian Röhrle (Basil) // PRETTY PRIVILEGE, Foto: Björn Klein

Dorians Wunsch, für immer schön zu bleiben, erfüllt sich – nur sein Porträt altert, während er selbst skrupellos und narzisstisch durchs Leben geht, was ihn schließlich ins Verderben stürzt. Weermann greift aktuelle Themen wie Ethik und den Einfluss von Technologie auf das Selbstbild auf und stellt die Frage, wie viel Wert Schönheit wirklich hat. Die Rolle des Dorian spielt Tim Bülow. Geboren in Berlin, studierte er u.a. Schauspiel am Mozarteum Salzburg. Schon während seiner Ausbildung war er in Film- und Fernsehproduktionen wie „Zwischen uns die Mauer“, „Sløborn“ und dem Stuttgarter „Tatort“ zu sehen. Sein Bühnendebüt feierte er 2023 als Laertes im „Hamlet“ am Tiroler Landestheater Innsbruck. Seit der Spielzeit 2023/24 gehört er fest zum Ensemble des Schauspiel Stuttgart.

Tim Bülow als Dorian in PRETTY PRIVILEGE, er tanzt vor einer Videoeinblendung von sich selbst,Foto: Björn Klein
Tim Bülow (Dorian) // PRETTY PRIVILEGE, Foto: Björn Klein

Uraufführung: Samstag, 7. Februar 2026, Kammertheater Stuttgart. Weitere Info & Karten finden Sie hier

„Kultur sucht Geld“

Eine ZDF-Doku in der Reihe „WISO“.
Kleine Ausstellungen oder große Konzerte: Kultur kostet immer mehr. Ohne Zuschüsse geht es kaum – doch die öffentlichen Kassen sind leer. Wie soll das Angebot noch bezahlt werden? Das Moderatoren-Duo Marcus Niehaves („WISO“) und Katty Salié („aspekte“) begibt sich auf eine Erkundungstour durch Deutschland. Ihr Budget: der Betrag, den in Deutschland eine Person im Monat durchschnittlich für Kultur ausgibt – rund 24 Euro. Sie wollen herauszufinden, wie viel Musik, Schauspiel oder Kunstwerke man sich davon leisten kann.

Katty Salié spricht mit Kunstsammler und Förderer Reinhard Ernst über privates Mäzenatentum und sein Engagement für die Allgemeinheit. Foto: ZDF und Daniel Waldhecker.

Fast 15 Milliarden Euro Steuergelder fließen jedes Jahr in Theater, Museen, Orchester oder Kunstevents. Doch es wird gekürzt. Neue Geldgeber werden deshalb gesucht. Kann die Wirtschaft helfen? Und was wäre der Preis? Bestimmen dann Konzerne das Programm?
Deutschlands Kulturlandschaft ist einzigartig. Nirgendwo sonst gibt es so viele Theater und Opernhäuser. Städte und Landkreise bieten zudem vom Malkurs bis zur Musikschule ein breites Kulturprogramm an – doch das ist ein finanzieller Kraftakt.

"WISO"-Moderator Marcus Niehaves wird von Opernregisseurin Anja Nicklich gefesselt – Vorbereitung für seine Rolle im Gefangenenchor von Verdis "Nabucco". Foto: ZDF und Daniel Waldhecker.
„WISO“-Moderator Marcus Niehaves wird von Opernregisseurin Anja Nicklich gefesselt – Vorbereitung für seine Rolle im Gefangenenchor von Verdis „Nabucco“. Foto: ZDF und Daniel Waldhecker.

Ohne Sponsoring keine Kultur? Schon heute fördern Privatbanken und Unternehmen Kunst und Kulturprojekte. Sie investieren in Künstlerinnen und Künstler, in Musikerziehung und machen aufwändige Blockbuster-Ausstellungen überhaupt erst möglich. Sollten sie sich noch stärker engagieren? Kritiker sehen die Unabhängigkeit von Kultur in Gefahr, wenn Künstler immer stärker auf Sponsoren und Mäzene angewiesen sind.
Kunst findet immer wieder ungeplante Aufmerksamkeit – wie im Herbst 2025. Weil ein Kunstwerk aus dem Landesmuseum in Wiesbaden einem aktuellen Musikvideo von Taylor Swift als Vorlage diente, stürmen die Swifties das Museum. Der Direktor bedankt sich sogar mit einem besonderen Event bei den Fans. Braucht es vielleicht mehr solcher Kulturverstärker wie Taylor Swift?
Die „WISO-Dokumentation: Kultur sucht Geld: Was wollen wir uns noch leisten?“ ist im ZDF (Mediathek) zu streamen. Link

Rihm und Wagner

Ein Konzertereignis mit dem SWR-Symphonieorchester unter der Leitung seines Chefdirigenten François-Xavier Roth. Auf dem Programm stehen Wolfgang Rihms faszinierendes Orchesterwerk „In-Schrift“ sowie der erste Aufzug aus Richard Wagners Oper „Die Walküre“.
Wolfgang Rihms „In-Schrift“ setzt sich intensiv mit der Frage auseinander, wie Musik als Schrift im Raum wirken kann, und lädt dazu ein, sich auf moderne orchestrale Klanglandschaften einzulassen. Wagners „Die Walküre“ ist Teil des monumentalen Ring-Zyklus und führt mit ihrem dramatischen ersten Aufzug in die spannungsgeladene Handlung über Liebe, Verrat und Schicksal zwischen Götter und Menschenwelt ein.

Johanni van Oostrum, fotografiert Klara Beck
Johanni van Oostrum © Klara Beck

Die gefeierte Sopranistin Johanni van Oostrum übernimmt die Partie der Sieglinde. Die Südafrikanerin ist international auf den großen Opernbühnen zu Hause und wird für ihre einfühlsame Interpretation deutscher und italienischer Partien geschätzt. Maximilian Schmitt, Tenor, gibt den Siegmund. Schmitt zählt zu den gefragtesten lyrischen Tenören seiner Generation und begeistert regelmäßig an der Bayerischen Staatsoper, der Wiener Staatsoper sowie bei internationalen Festivals. Den Hunding verkörpert der finnische Bass Mika Kares, der für seine kraftvolle Stimme und seine intensive Bühnenpräsenz weltweit anerkannt ist. Kares gastiert regelmäßig an Häusern wie der Mailänder Scala, der Metropolitan Opera New York und den Bayreuther Festspielen.
Termine: 26. und 27. Februar 2026 – Stuttgart, Liederhalle und 1. März 2026 – Freiburg, Konzerthaus

Weitere Info finden Sie hier

Foto: François-Xavier Roth: Marco Borggreve

Winterlandschaften in Konstanz

Die Ausstellung „Verschneites Land. Winterbilder“ widmet sich den Künstlern der Düsseldorfer Malerschule. Inspiriert von niederländischen Altmeistern und geprägt von der Freilichtmalerei, fangen die Werke die Magie verschneiter Landschaften in ihrer ganzen Vielfalt ein. In der Schau in der Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz, sind noch bis 1. März 2026 rund 60 Werke aus der Sammlung der Dr. Axe-Stiftung zum Thema Winter von zahlreichen Künstlern jener Zeit ausgestellt. Die Landschaftsmalerei war früh ein Schwerpunkt der Düsseldorfer Malerschule. Seit den Anfängen in den 1820er Jahren gingen die Künstler zum Malen ins Freie, und zwar zu allen Jahreszeiten (!). Dabei orientierten sie sich zumeist an den Werken der alten niederländischen Meister des 16. und 17. Jahrhunderts.

Max Clarenbach, Winterlandschaft am Niederrhein (Altwasser bei Wittlaer). Öl auf Leinwand, © Dr. Axe-Stiftung, Bonn, Foto: Barbara Frommann
Carl Nonn, Wintersonne (Schleiden in der Eifel) Öl auf Holz, 35 x 50 cm © Dr. Axe-Stiftung, Bonn Max. Foto: Barbara Frommann
Fritz von Wille, Verschneite Landschaft an der Urft, 1906, Öl auf Leinwand, 110,8 x 150,5 cm © Dr. Axe-Stiftung, Bonn, Foto: Barbara Frommann
Fritz von Wille, Verschneite Landschaft an der Urft, 1906, Öl auf Leinwand, 110,8 x 150,5 cm © Dr. Axe-Stiftung, Bonn, Foto: Barbara Frommann

Verschneite Klanglandschaften….Ein immersiver Raum in der Wessenberg-Galerie bereichert die Ausstellung: In Kooperation mit der Bodensee Philharmonie ist eine Installation entstanden, die sowohl visuell als auch akustisch die winterliche Atmosphäre intensiviert. Musiker*innen der Bodensee Philharmonie haben für diesen Raum vielfältige Klangwelten eingespielt – von klassisch bis experimentell. Umgeben von bewegten, digital projizierten Winterlandschaften entsteht ein immersiver Bildraum, der sich je nach musikalischer Atmosphäre immer wieder neu erschließt.

Jean Hendrichs, Verschneite Landschaft am Niederrhein, ohne Jahr, Öl auf Leinwand, 70,5 x 50,5 cm © Dr. Axe-Stiftung, Bonn
Jean Hendrichs, Verschneite Landschaft am Niederrhein, ohne Jahr, Öl auf Leinwand, 70,5 x 50,5 cm © Dr. Axe-Stiftung, Bonn

wessenberg-galerie.de