Klosterkonzerte Maulbronn

Die Magnolie im Kreuzganggarten der ehemaligen Zisterzienserabtei treibt ihre ersten Knospen. Ein Hoffnungssymbol auch für die Klosterkonzerte, die in diesem Jahr vom 20. Mai bis zum 25. September wieder Künstler von internationalem Renommee in die Mauern des UNESCO-Weltkulturerbes laden. Das Publikum kann sich auf einige außergewöhnliche Künstlerbegegnungen auf den Podien in Klosterkirche, Laienrefektorium und Kreuzganggarten freuen.

Midori Seiler (c) Maike-Helbig

Zum Auftakt begegnet die Geigerin Midori Seiler einer Virtuosin des 18. Jahrhunderts: Anna Maria dal Violin, der Antonio Vivaldi einst eine Reihe von Konzerten gewissermaßen auf den Leib geschrieben hatte. In ganz unnachahmlicher Weise treffen Worte auf Musik, wenn der Schauspieler Sky du Mont seine Sprachkunst vom Ensemble Mirror Strings widerspiegeln lässt. Gleichermaßen anregend ist auch das Zusammentreffen von Mandoline und Akkordeon mit Avi Avital und Aydar Gaynullin oder der Duo-Abend mit dem ARD-Musikpreisträger und Fagottisten Theo Plath mit dem Pianisten Aris Alexander Blettenberg.

Sky du Mont & Mirror Strings (c) Christian Barz
Avi Avital (c )Harald Hoffmann

Ein ganz besonderer Abend verspricht das Konzert von Pieter Wispelwey zu werden. Der Cellist widmet sich den Sechs Cellosuiten Johann Sebastian Bachs. Ein Abend, der in seiner Intensität zweifellos an das Konzert mit Isabelle Faust aus der vergangenen Saison anknüpfen wird.
Im einzigartigen Flair des Kreuzganggartens spielen im Juli vier ganz unterschiedliche Formationen auf. Nach einem Abend mit ausgelassener Klezmer-Musik tischt das Blechbläserensemble Salaputia Brass musikalische Gaumenfreuden aus Frankreich auf. Am zweiten Open-Air-Wochenende machen die Ringmasters aus Schweden ihrem Titel als »Barbersop-Weltmeister« alle Ehre, bevor sich Christoph Sietzen & The Wave Quartet von der Leidenschaft aus Bizets »Carmen« anstecken lassen.
Zur Kammermusikwoche Bernd Glemser & Freunde lädt sich der Pianist und Artist in Residence Anfang September Partner von internationalem Renommee ins Laienrefektorium. Dabei stehen neben seinem Solo-Abend auch Cellosonaten mit Patrick Demenga, Klaviertrios mit Tobias Feldmann und Niklas Eppinger sowie Quintette für Bläser und Klavier unter anderem mit Rie Koyama und Dimitri Ashkenazy auf dem Programm. Das Ensemble Spark verbindet Musik von Bach, Berio und den Beatles in einem sprühenden Konzertabend und das dänische Bläserquintett CARION unternimmt eine Reise nach Kopenhagen.
In einer Reihe von Orgelkonzerten nehmen mit Ulrich Walther, Christian Schmitt, der im Duo mit dem Trompeter Matthias Höfs zu erleben sein wird und Thorsten Hülsemann wieder international gefragte Interpreten am Spieltisch der Grenzing-Orgel Platz.
Den Abschluss macht der Maulbronner Kammerchor. Nachdem im Juli bereits ein A-cappella-Konzert sowie die beliebten Wanderkonzerte durch die malerische Kulturlandschaft rund um das Kloster Maulbronn auf dem Programm standen, widmet sich das Ensemble unter dem Titel »Der barocke Mendelssohn« gemeinsam mit der Hannoverschen Hofkapelle und renommierten Solisten zum Saisonabschluss der Fortführung seines Mendelssohn-Zyklus.

MaulbronnerKammerchor (c) Conrad Schmitz

Klosterkonzerte Maubronn,
www.klosterkonzerte.de , Telefon: +49 7043 10311

Vorschaubild: Brunnen im Kloster Maulbronn /Foto:  Jessen Östergaard

Heidelberger Stückemarkt

Vom 29. April bis zum 8. Mai 2022 lädt das Theater und Orchester Heidelberg zum 39. Heidelberger Stückemarkt ein. Das renommierte Festival spiegelt in analogen, hybriden und digitalen
Formaten die aktuelle deutschsprachige Gegenwartsdramatik. Thematisch prägen Perspektivwechsel – Klassikerüberschreibungen und auch speziell feministische Perspektiven – das Programm. Die Eröffnung des Festivals findet am 29. April 2022 mit der Premiere von Svenja Viola Bungartens »Maria Magda« statt. Für den deutschsprachigen Autor*innenpreis 2022 wurden neue Stücke von Philipp Gärtner, Miriam V. Lesch, Leo Meier, Ivana Sokola, Paula Thielecke sowie dem DIEZEN Kollektiv ausgewählt. Sie werden in Lesungen am 30. April und 1. Mai 2022 im Zwinger 3 sowie zeitgleich als Live-Stream präsentiert.

Hanna Werth, Friederike Wagner in „In den Gärten oder Lysistrata“ Teil 2 von Sibylle Berg. Foto: Thomas Rabsch

Bis zum Abschlusswochenende am 7./8. Mai 2022 mit seinem Schwerpunkt auf das spanische Gegenwartstheater stehen eine Auswahl der besten deutschsprachigen Uraufführungen sowie die nominierten Stücke und Inszenierungen im Rennen um die Autor*innenpreise, den Publikumspreis, den SWR2-Hörspielpreis, den Jugendstückepreis und den Nachspielpreis auf dem Programm. Aus Spanien reisen Gastspiele von Los Bárbaros, José M. Mora, Agrupacíon Señor Serrano und des Teatro Nacional São João & Voadora nach Heidelberg.Die spanischen Gastspiele werden mit mit deutschen oder englischen Übertiteln gespielt. Bereits am 1. Mai 2022 geht es in einem Podiumsgespräch um die Kunst in der Ukraine. Ein Podiumsgespräch über Theater in Spanien wird am 8. Mai 2022 angeboten. Als hochkarätige Gäste aus dem deutschsprachigen Raum kommen unter anderem die Münchner Kammerspiele, das Maxim Gorki Theater Berlin, das Schauspielhaus Wien, das Schauspiel Bochum, das Theater an der Parkaue oder das Theater Bremen. Mit dem Netzmarkt erweitert sich auch 2022 das Programm um drei Theaterproduktionen für den digitalen Raum. Publikumsgespräche werden nach jedem Gastspiel und
jeder Lesung angeboten. Das Festivalzentrum auf dem Theaterplatz lädt ein zu Getränken, Snacks, Gesprächen und Konzerten.
Weitere Informationen sowie Karten unter
www.heidelberger-stueckemarkt.de oder an der Theaterkasse,
06221/58 20 000; tickets@theater.heidelberg.de

Coulours

Gauthier Dance Compagnie tanzt „Kamuyot“ @ Regina Brocke

Vom 25. Juni bis 17. Juli 2022 wird Stuttgart durch das COLOURS International Dance Festival wieder einmal zum Hot-Spot der internationalen Tanzwelt.

Das Festival-Team um Tänzer und Chef von Dance Company Theaterhaus Stuttgart Eric Gauthier und Meinrad Huber planen wieder ein ambitioniertes Bühnenprogramm im Stuttgarter Theaterhaus. Darunter fünf deutsche Erstaufführungen und eine Uraufführung. Mit dem Nederlands Dans Theater, La Veronal, Emanuel Gat Dance, L-E-V Sharon Eyal Gai Behar oder den Companies von Wayne McGregor, Josef Nadj und Dada Masilo kommen weltberühmte Compagnien, flankiert von aufregenden Rising Stars. Und selbstverständlich wird die Dance Company Theaterhaus Stuttgart auch selbst eine aktive Rolle übernehmen: mit der Wiederaufnahme von Ohad Naharins Kultstück Kamuyot. Mehr noch: Diese Produktion wird
auch einen wichtigen Baustein in Eric Gauthiers neuem Education-Off ensive MOVES FOR FUTURE bilden. Und natürlich gibt es wieder diverse Freilicht-Veranstaltungen in der Stuttgarter City – auch zum Mitmachen….
Infos & Karten: Fon 0711/40207 – 20 / -21 / -22 / -23,
www.coloursdancefestival.com

Judith Hill

Wer Judith Hill einmal live erlebt hat, wird verstehen, welche Faszination sie bei so vielen Musikgrößen immer wieder ausgelöst hat. Mit ihrer Verpflichtung als Artist in Residence ist den jazzopen in Stuttgart (7. bis 17. Juli 2022) ohne Zweifel wieder einmal ein großer Coup gelungen. Die US-amerikanische Musikerin wird das Festival über alle Bühnen begleiten.

Judith Hill, Foto: Jeremy Jackson

Die studierte Komponistin wuchs in einer Musikerfamilie auf und arbeitete u.a. mit Pop Stars wie Anastacia, Robbie Williams und Elton John. Hill wurde auch von Michael Jackson für seine große This is It-Tour als Sängerin ausgewählt, als er kurz vor dem Start starb, sang sie bei seiner Trauerfeier und für eine Milliarde Menschen vor den Bildschirmen. Die letzten Jahre vor seinem Tod arbeitete Hill mit Prince zusammen und war auch privat mit ihm liiert. Er produzierte ihr Debutalbum „Back In Time“, das 2015 erschienen ist. Im selben Jahr erhielt sie zudem für ihre Performance in dem Film „20 Feet to Stardom“ einen Grammy. In ihrem jüngsten Album „Baby, I’m Hollywood“ kann Hillwieder alle Facetten ihres Talents zeigen: schwindelerregender Psychedelic Funk, lässiger Retro-Soul, rauchige Bluesnummern, brodelnder R‘n‘B, mitreißende Gospels und Gitarrengrooves. Sicher wird sie einige Songs aus ihrem neuen Album “Baby, I’m Hollywood„ in Stuttgart performen und die Zuschauer auf einen allumspannenden Ausflug in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der schwarzen Musik mitnehmen. Der Album-Titel ist ihr trotzig-persönliches Statement an
die schillernde und zugleich gnadenlose Welt des Entertainments und zu ihrem eigenen bewegten Leben. “Ich wollte Hollywood als Frau personifizieren, die eine Überlebende
ist. In meiner Karriere habe ich so viele Berge und Täler durchschritten, aber die Show muss immer weitergehen. Die Botschaft ist immer dieselbe: Bring all deinen Schmerz und deine Geschichte auf die Bühne.” Am Freitag, 8. Juli, eröffnet sie den Abend von Joe Jackson, am Donnerstag, 14. Juli, tritt sie im BIX auf, und am Sonntag, 17. Juli, eröffnet sie den Abend von Superstar Sting.
Alle Infos und das gesamte Programm: www.jazzopen.com

Mozarts Entführung
Big Opera in Mannheim

Nach der coronabedingten Digitalisierung 2020 kommt die turbulente Mozart-Oper nun endlich auf die Bühne des Opernhauses am Nationaltheater Mannheim: Regielegende Luk Perceval und die Autorin Asli Erdoğan verleihen Mozarts beliebtem Singspiel eine philosophische Dimension jenseits von orientalischen Klischees und ohne humoristische Spielszenen. Perceval und Erdoğan überführen die Geschichte des Edelmanns Belmonte, der auf der Suche nach seiner Frau Konstanze ist, in eine Welt, in der die Gegensätze von Orient und Okzident längst aufgelöst
sind. In dieser schnelllebigen, globalisierten Welt sind die Hauptfiguren allesamt allein inmitten einer geschäftigen Menge, die ein absurdes Leben führt. Dabei findet keine*r von ihnen den einen Weg aus diesem »inneren Serail«.
Einfühlsam, mit berückend schönen Bildern, neuen Dialogen und Zwischentexten spüren Perceval und Erdoğan so dem Gegensatz von Stille und Betriebsamkeit im brutalen Weltgedränge nach.
Die Entführung aus dem Serail – Wolfgang Amadeus Mozart Premiere: Premiere 18. Juni 2022 am Nationaltheater Mannheim

Dan Ettinger


Der israelische Dirigent Dan Ettinger ist seit 2015 Chefdirigent der Stuttgarter Philharmoniker. Mit ihm hat das Orchester einen musikalischen Leiter von internationalem Format bekommen, dessen Karriere ihn in wenigen Jahren unter anderem an die Staatsopern in Berlin, Hamburg, München und Wien, das Royal Opera House Covent Garden in London und die Metropolitan Opera in New York geführt hat. Einige Jahren war er zudem Chefdirigent des Nationaltheaters Mannheim und so bereits in Baden-Württemberg beheimatet. Wir trafen Dan Ettinger zum Gesprächsaustausch.

Man hörte der berühmte Funke zwischen Ihnen und dem Orchester sei gleich bei der ersten gemeinsamen Probe übergesprungen, würden sagen, es war Liebe auf den ersten Blick?

Ich hatte bisher fast nur reine Opernorchester geleitet. Im Gegensatz zu den reinen Sinfonieorchestern sind sie oftmals flexibler und reagieren lebendiger und spontaner, was zum einen am Opernbetrieb liegt, an der besonderen Bühnensituation und natürlich an den Sängern. Diese Art des Musizierens entspricht auch meinem Naturell. Und dann lernte ich die Stuttgarter Philharmoniker kennen und stellte fest, dass sie all diese Eigenschaften dennoch haben. Wir haben uns musikalisch sofort auf einer Wellenlänge bewegt. Es war fast magisch …

Wie würden Sie Ihren Dirigierstil bezeichnen?
Ich benutze meinen ganzen Körper, um etwas zu beschreiben, als ob das ganz Orchester mein Instrument wäre. Ich bin kein distanzierter Typ. Natürlich studiere ich alle Werke sehr sorgfältig ein, lege Wert auf Präzision und Details, aber im Konzert sollte dann trotzdem noch genügend Raum für Entwicklung und neue Farben sein. Ich bin ein Klangdirigent – der Klang ist für mich das Wichtigste. Wenn ich eine Partitur studiere, höre ich vor meinem inneren Ohr bereits den Klang, wie er nach meiner Auffassung sein müsste. Klangfarben entwickeln sich aber auch aus dem richtigen Tempo und der richtigen Artikulation.

Daniel Barenboim war Ihr Mentor, Sie waren sein Assistent an der Staatskapelle Berlin. Was haben Sie von ihm gelernt?
Während meiner Zeit in Berlin habe ich circa 50 Abende im Jahr Opern dirigiert. Von Barenboim habe ich vor allem durch Beobachten und Zuhören gelernt. „Sein“ Orchester zu dirigieren, war der beste Unterricht in puncto Klang, Phrasierung und Technik. In der ersten Konzertsaison in Stuttgart liegt der Schwerpunkt auf Beethoven in der Gegenüberstellung mit Russland; daneben finden sich Wagner und Mahler. Große Sinfonik, Klassik und Romantik – wie bereiten Sie sich auf Proben und Konzerte vor?
Ich schaue die Partitur an, aber auch in die Literatur über den jeweiligen Komponisten. Natürlich höre ich mir auch CDs von Kollegen an, wenn ich mich auf ein Stück vorbereite. Ich glaube es ist wichtig zu wissen, wie andere interpretieren. Aber ich glaube jeder von uns trägt seine ureigene Fassung schon in sich, insofern besteht keine Gefahr etwas nachahmen zu wollen. Würden Sie sagen, dass sich wie unsere Welt auch die Art und Weise, wie man ein Stück interpretiert, ändert?
Jede Zeit hat ihre eigenen Geschmack. Wir erleben ja gerade eine große Retrowelle – was den Klang angeht, so bin auch ich eher „old-fashioned“ – Furtwängler, Celibidache oder auch Karajan sind Vorbilder für mich. Wenn ich Musik höre, habe ich viele Metaphern im Kopf und Emotionen – manches kann man in Worte fassen, aber nicht alles. Deshalb muss mit einem Orchester auch die nonverbale Kommunikation funktionieren, die rein intuitive emotionale.

Sie sind ein gefragter Gastdirigent: New York, Tokio, Wien, Salzburg… wie schaffen Sie dieses enorme Pensum?
Ich liebe meinen Beruf und ich bin sehr dankbar dafür, mit den besten Orchestern der Welt konzertieren zu dürfen. Das ist, Glück, Können – und natürlich viel Arbeiten. Geholfen hat mir auf dem Weg dahin sicher, dass ich ein guter Networker bin. Bis Mitte 30 hilft einfach, dass man
jung ist und Kraft hat. Ab Mitte 40 merkt man dann plötzlich, dass man mit seinen Kräften mehr haushalten muss. Ich mache nach wie vor viel, aber ich wähle mehr aus und mache mir Gedanken darüber, in welche Richtung ich gehen will. Gerade habe ich eine meditierende Phase hinter mir – eine Zäsur im Terminkalender, in der ich mir eine Ruhephase gegönnt habe. Ich meditiere sehr viel und ich brauche viel Zeit für mich – ich bin auch gerne nur für mich und liebe mein Zuhause – in diesem Falle meine Wohnung in Mannheim. Ich habe ein Handvoll wirklich guter Freunde mit denen ich oft und gerne Zeit verbringe – sie sind wie Familie für mich. Künftig möchte ich auch versuchen, meine musikalischen Bande zu vertiefen – ich mag die langjährige Zusammenarbeit mit Solisten – weil man sich kennt und bereits gemeinsame musikalische Erfahrungen gemacht hat. Wenn ich in meiner Heimat Israel bin, dann treffe ich Familie, gehe an den Strand und gut essen. Ich bin ein Stadtmensch, ich schaue mir auch auf Reisen gerne Menschen und Geschäfte an, lieber als dass ich in die Natur gehe, denn ich habe eine Insektenphobie!

Haben Sie einen Masterplan was Ihre weitere Karriere angeht?
Ich will einfach weiter „Wachsen“. Ein konkretes Ziel – nein – das habe ich nicht. Aber wissen Sie, ich habe ja auch Dirigieren nie studiert. In Israel war ich Sänger und Pianist, dann wurde ich eher zufällig Chorleiter. Vieles in meinem bisherigen Leben passierte einfach … Ich glaube im Übrigen auch, dass man ein guter Dirigent vor allem durch Praxis
wird, nicht durch Theorie – man braucht 10 Jahre am Pult, um sagen zu können – jetzt habe ich eine Ahnung von dem was ich mache. Ich bin schicksalsgläubig – nicht dass ich passiv wäre – aber ich lasse die Dinge auf mich zukommen: Spiritualität – Repertoire – manches braucht Zeit – jetzt habe ich die Oper „Der ferne Klang“ von Franz Schreker gemacht – vor zehn Jahren hätte ich mir das noch nicht vorstellen können. Deshalb mag ich den Jugendwahn nicht – denn heute muss alles
möglichst schnell gehen.

Wagner gehört zu Ihrem festen Repertoire. In Mannheim haben Sie den kompletten Ring aufgeführt, in Stuttgart stand er als Querschnitt in einer konzertanten Fassung auf dem Konzertplan. Israel und Richard Wagner ist nach wie vor ein schwieriges Thema – wie sehen Sie das?
In Israel ist Wagner immer noch tabu, zumindest im Konzert und im Rundfunk. Ich habe Wagner privat über CDs kennengelernt. Man muss den Mensch und seine Musik voneinander trennen können und den Holocaust und den Nationalsozialismus – dann versteht man wie Großartig seine Musik ist. Wagner und Mozart haben die Musikwelt revolutioniert und beide faszinieren mich gleichermaßen. Ich denke man sollte Wagner wie Mozart und Mozart wie Wagner dirigieren, dramatisch und romantisch und transparent. Mozart war ein Romantiker im Herzen,
der aber eben in einer Zeit lebte, in der es noch engere musikalische und gesellschaftliche Grenzen gab.
Danke für das Gespräch!


Das Konzertprogramm und mehr über das Orchester und Dan Ettinger erfahren Sie hier

Gabriel

„Es ist ein Stück von Shakespeare! Ich verstehe nicht, dass Sie es nicht auf die Bühne gebracht haben“, ließ der französische Autor Honoré de Balzac seine Kollegin und Freundin George Sand wissen. Bis heute ist der Text der Feministin aus dem 19. Jahrhundert nicht auf einer deutschen Bühne gespielt worden. Zeit für eine Entdeckung! Gabriel, der alles verkörpert, was einen sportlichen, adeligen, intelligenten und bisweilen etwas arroganten Teenager im Italien der Renaissance zum Mann macht, erfährt, dass er biologisch eine Frau ist. Sein Großvater ließ ihn als Mann erziehen, um den direkten männlichen Erben der Familie auszustechen. Nun, da er Sorge haben muss, dass der Sprössling Interesse am anderen Geschlecht entwickelt, sagt er ihm die Wahrheit, um ihn zu ewiger Keuschheit zu zwingen. Das dunkle Geheimnis soll nicht auffliegen. Gabriels Versuch, die Hoheit über die Familiengeschichte und ihre beziehungsweise seine Identität wiederzugewinnen, endet tragisch.

Swana Rhode, Copyright Felix Grünschloß/Badische Staatstheater Karlsruhe

Die Autorin hat mit Gabriel*le eine sensible Figur geschaffen, die sich von einengenden Geschlechterrollen und strikten Familientraditionen zu befreien versucht – und daran zugrunde geht. Die slowakische Regisseurin Sláva Daubnerová inszenierte in Karlsruhe zuletzt Am Königsweg als bildstarken Kampf einer Künstlerin gegen ihr Verstummen angesichts der brutalen politischen Realität. Mit der Produktion Gabriel kehrt sie zurück ins KLEINE HAUS und debütiert in der Opernsparte mit Strauss‘ Salome.

PREMIERE
14.4.2022 am Badischen Staatstheater Karlsruhe
Weitere Termine finden Sie hier

Das schwarze Quadrat

Die Kunsträuber Vincent (Bernhard Schütz) und Nils (Jacob Matschenz) sind kurz vor dem Ziel: In ihrer Kreuzfahrt-Kabine liegt das 60 Millionen Dollar teure Gemälde „Das schwarze Quadrat“, das sie an Bord ihrem Auftraggeber übergeben sollen. Sie haben vorher nur noch einen kleinen unvorhergesehenen Termin, und zwar auf der Showbühne des Schiffes. Während sie sich durch ihr Programm als Elvis- und David-Bowie-Imitatoren quälen, nutzen Unbekannte die Gelegenheit und stehlen das „Schwarze Quadrat“…! Vincent, der verhinderte Maler, fertigt mit etwas eigenwilligen Methoden eine exakte Kopie des Malewitsch an – und als auch die abhanden kommt, gleich noch eine zweite. Währenddessen zieht sich die Schlinge um das Gauner-Duo zu: Nils wird enttarnt, und Vincent merkt vor lauter Verliebtheit nicht, dass seine Bekanntschaft von der Bordbar, die ungemein kunstsinnige Martha (Sandra Hüller), nur deshalb seine Nähe sucht und ihm Modell sitzt, weil auch sie nur eines will – „Das schwarze Quadrat“…

Besetzung: Bernhard Schütz, Sandra Hüller, Jacob Matschenz, Victoria Trauttmansdorff, Pheline Roggan, Christopher Schärf – Regie: Peter Meister.

Vor Kreuzfahrtschiff Werbeplakat – Vincent (Bernhard Schütz), Martha (Sandra Hüller) und Nils (Jacob Matschenz) © Gordon Timpen / Port au Prince Pictures

Der Film: Das Schwarze Quadrat -ist bei Apple iTunes, Amazon Video, maxdome Store, Microsoft Store, Sky Store, Videobuster, MagentaTV online als Download erhältlich

„To Ayüwn und Ayün“

„To Ayüwn & Ayün“ bedeutet „Aus Freude und Liebe“ in Mapudungun, der Sprache der Mapuche, der Ureinwohner des Gebiets, das heute Chile heißt.
Ziel der Künstlerin Andrea Lagos ist es mit ihrer Performance „To Ayüwn & Ayün“ mit dem Publikum ein Testament und Testimonium zu teilen, das aus dem Dialog zwischen verschiedenen Disziplinen entsteht: Stickerei, Tanz und Video. Das E-Werk Studio wird als Tanzbühnenraum und als Treffpunkt konzipiert, an dem das Publikum Mini-Filme sehen kann. Diese visuelle Erfahrung wird durch mehrere Klanglandschaften bereichert.

Andrea Lagos – Foto: Roland Altmann. Erwähnenswert ist das Kleid, das Andrea Lagos während ihres Tanzes trägt und das sie selbst bestickt hat. Darauf hat sie Symbole vorspanischer Kulturen, die in Chile leben, aber auch anderer Kulturen, sowie Texte, die Teil ihres Testaments sind, gestickt.

„Die Entwicklung einer künstlerischen Sprache, welche die Perspektiven und Identitätserfahrungen verschiedener Kulturen einbezieht, stehen im Zentrum meines Interesses,“ so Lagos. Dies spiegelt sich auch in der internationalen Zusammensetzung des künstlerischen Teams wider: Josefina Baez aus der Dominikanischen Republik für Dramaturgie und Roland Altmann aus Deutschland für Film.

Die Performance werden am 26. und 27. März 2022 im Studio von bewegungs-art im E-Werk präsentiert.
bewegungs-art Studio im E-Werk, Ferdinand-Weiß-Str. 6a, Freiburg
Anmeldung unter: andrealagosperformance@gmail.com
Hier finden Sie weitere Infos

The Seven Sins

The Seven Sins – Dieser neue Tanzabend von Gauthier Dance vereint die absolute Crème de la crème internationaler Choreograph*innen. Jede und jeder von ihnen wird für Gauthier Dance eine Todsünde in ein Tanzstück verwandeln. Das Ergebnis: ein Tableau der Ruchlosigkeit, bestehend aus sieben Uraufführungen von Aszure Barton, Sidi Larbi Cherkaoui, Sharon Eyal, Marcos Morau, Sasha Waltz sowie den beiden Artists in Residence von Gauthier Dance, Marco Goecke und Hofesh Shechter. Mit im Boot als Sendepartner ist ARTE, der The Seven Sins aufzeichnen und in seinem TV-Programm ausstrahlen wird. (Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben.) Ein Gesamtkunstwerk ist der ambitionierte siebenteilige Konzeptabend übrigens schon vor der Premiere am 26. März 2022, nämlich in organisatorischer Hinsicht. Ein ganzes Vierteljahr hielt sich die Company für die Probenarbeit frei….

Probe zu The Seven Sins mit Choreografin Sasha Waltz und Avraam Turtschi, Foto: Jeanette Bak

Premiere am Samstag, 26. März 2022 um 20:00 Uhr
weitere Vorstellungen: Sonntag, 27. März 2022 /
Mittwoch, 30. März 2022 / Freitag, 1. April 2022 / Samstag, 2. April 2022 – jeweils um 20:00 Uhr / Sonntag, 3. April 2022 um 14:00 Uhr
im Theaterhaus Stuttgart
www.theaterhaus.com