Hermann Hesse – Bereit zum Aufbruch

Künstlerisches und literarisches Werk im Dialog in der kunsthalle messmer in Riegel bei Freiburg.

Hermann Hesse (1877 in Calw – 1962 in Montagnola) gehört zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts und erlangte mit seinen literarischen Werken wie Siddhartha (1922), dem Steppenwolf (1927), Narziß und Goldmund (1930) oder dem Glasperlenspiel (1943) Weltruhm. Doch Hesse war nicht nur Schriftsteller und Dichter, sondern auch Maler: Die Kunsthalle Messmer in Riegel bei Freiburg rückt in ihrer aktuellen Sonderausstellung diese Seite in den Fokus.

Hermann Hesse, Foto: Martin Hesse (c) Erben Martin Hesse

„Hermann Hesse – Bereit zum Aufbruch“ noch bis 11.10.26 zeigt in einer Werkschau rund 130 Aquarelle, Tusche- und Federzeichnungen, Typoskripte von Gedichten, illustrierte Briefe, Erstausgaben sowie Fotografien. „Tiefere Wonne weiß ich nicht auf Erden, als im Weiten unterwegs zu sein“, dichtet Hesse in seinem Reiselied. Die Ausstellung integriert Zitate aus dessen literarischen Werken und unternimmt den Versuch, das Wechselspiel zwischen Hesses Farb- und Wortwelten aufzuzeigen.

Hermann Hesse Aquarell zeigt Montagnola 1931 © Kunststiftung Sparkasse Pforzheim Calw
Hermann Hesse Montagnola 1931 © Kunststiftung Sparkasse Pforzheim Calw

„Als Dichter wäre ich ohne das Malen nicht so weit gekommen“, sagt Hesse, dem das Malen u. a. half, Schreibkrisen zu überwinden. In seinen leuchtenden, farbenfrohen Aquarellen kommen seine Liebe zur Natur und zu seiner Wahlheimat Tessin besonders zum Ausdruck. Ebenso seine Themen wie Aufbruch, Erneuerung, Suche nach der eigenen Identität, nach einem Leben im Einklang mit sich und der Umwelt.
Der Rundgang der Ausstellung beginnt bei Hesses Berner Jahren, in denen er unter dem Eindruck persönlicher Schicksalsschläge und während seiner psychoanalytischen Arbeit mit J.B. Lang und später C.G.Jung zur Malerei fand: Selbstbildnisse und Traumbilder entstanden ab 1916. Mit dem Umzug nach Montagnola 1919 beginnt für Hesse ein neuer Lebensabschnitt: Die südliche Landschaft inspiriert ihn und löst eine intensive Schaffensperiode aus. In Montagnola entfaltet Hesse eine leuchtende Bildsprache, geprägt von der Inspiration durch Künstler wie Louis Moilliet, Cuno Amiet oder August Macke und getragen von der utopischen Kraft der Tessiner Landschaft.
Mehrfach besuchte Hesse auch die von der Lebensreform beeinflusste alternative Gemeinschaft auf dem nahegelegenen Monte Verità oberhalb von Ascona: dieser Treffpunkt für Aussteiger und Lebenskünstler, allesamt auf der Suche nach einem authentischen, naturverbundenen Leben fernab bürgerlicher Zwänge steht in großer Resonanz zu Hesses eigener Suche und die dortigen Erfahrungen prägten sein Werk nachhaltig.

In Zusammenarbeit mit der Kunststiftung der Sparkasse Pforzheim-Calw.

Silver Egg. Die Sinnlichkeit der Medienkunst

Den Sehnsüchten und Mängeln unserer Zeit begegnen. Jahresausstellung 2026 des ZKM Karlsruhe zu Medienkunst und Sinnlichkeit.

Die Ausstellung Silver Egg stellt die sinnliche Haltung zur Welt in den Fokus und fragt: Welche Medien und Wahrnehmungsformen nutzen Medienkünstler:innen, um die Sehnsüchte und Mängel unserer Zeit zu skizzieren? Welche inhaltlichen und formalen Entscheidungen treffen sie und wie treten wir als Betrachtende mit ihnen in Verbindung? Die Ausstellung versammelt dazu rund 50 internationale Positionen engagierter, experimenteller und poetischer Kunst, die eine erotische Haltung zur Welt veranschaulichen. Anhand unterschiedlicher künstlerischer Medien verhandeln die gezeigten Werke aktuelle Verhältnisse zwischen Gesellschaft, Kunst, Ökologie und Technologie.

Yunchul Kim, MERCURIAL II, 2026 © Yunchul Kim © ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: Felix Grünschloß

Erotische Anziehung als Lebensprinzip
Eros, der Gott der begehrlichen Liebe, erscheint in Mythos und Philosophie als treibende Urkraft für kulturelle Evolution und Erneuerung. Von ihm gehen Verbindungsenergien aus, die die künstlerische, wissenschaftliche und gesellschaftliche Praxis der Menschen beeinflussen. Durch seinen Impuls ent-steht der Wunsch, in der Welt tätig zu sein, sich in die Lebens- und Kreativprozesse einzubringen.
Einer Urszene zufolge schlüpfte der Schöpfergott als Ordnungskraft inmitten kosmischer Winde aus einem silbernen Welt-Ei. In der griechischen Philosophie entwickelte sich Eros zum Mittler zwischen Himmel, Erde und den Künsten. Er bewirkt, dass der Mensch sich lustvoll in das Leben hineingezogen fühlt und mit der Welt in Resonanz treten will.

Marco Barotti, Coral Sonic Resilience, 2025 © Marco Barotti © ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: Felix Grünschloß

Mit allen Sinnen denken und erleben
Die ausgestellten Kunstwerke versetzen in Situationen, in denen sie ihre eingeübte Mediennutzung zugunsten eines sinnlichen Gebrauchs vergessen: Sehen, Hören, Riechen, Berühren und Bewegen.

Die Ausstellungskonzeption setzt bewusst auf Genre- und Medienvielfalt. Präsentiert werden Fotografie, Film, Keramik, Textilkunst, Künstliche Intelligenz, Körperschallkomposition, Sound- und Videoinstallationen, hybride Skulpturen, kinetische, sensorische und robotische Kunstwerke sowie Gesang, Literatur, Malerei und Musik.

Tristan Schulze, ZEITGEIST, 2026 © Tristan Schulze © ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: Felix Grünschloß

Zur Ausstellung gibt es eine begleitende Publikation in deutscher und englischer Sprache sowie ein Workshop- und Vermittlungsprogramm.
Weitere Infos finden Sie unter folgendem Link – Dauer der Ausstellung: Bis 21.02.2027

Die Ausstellung präsentiert Werke von Marco Barotti, Honey Biba Beckerlee, Stefano della Bella, Bériou, Elda Cerrato, Salvador Dalí, Stine Deja, Edith Dekyndt, Frederik Duerinck, Margret Eicher, Anselm Feu-erbach, Thomas Feuerstein, Christoph Girardet und Matthias Müller, Johan Grimonprez, Andreas Gursky, Philippe Halsman, Derek Jarman, Jonas Jørgensen und Cody Lukas, Yunchul Kim, Angelina Koz-hevnikova, Gašper Kunšič, Ryoichi Kurokawa, Karen Lancel und Hermen Maat, Eunhee Lee, Shuang Li, Bernd Lintermann, Richard Mosse, Alicja Patanowska, Irving Penn, Ciara Phillips, Charmaine Poh, Helen Pynor und Gail Priest, Gerhard Richter und Corinna Belz, Pipilotti Rist, robotlab, Günter Scharein, Nika Schmitt, Tristan Schulze, Jill Scott, Jessica Segall, Ief Spincemaille, René Aquarius und Ajla R. Steinvåg, Stelarc, Sissel Marie Tonn, Timm Ulrichs, Milja Viita, ::vtol::, Yeongju Yang, Weidi Zhang und Rodger Luo.

Freilichtspiele Schwäbisch Hall

Die Freilichtspiele Schwäbisch Hall verwandeln alljährlich die historische Altstadt in eine spektakuläre Bühne und beeindrucken mit mitreißenden Theaterinszenierungen. Vor der majestätischen Kulisse der Großen Treppe an der Stadtkirche St. Michael sowie im Neuen Globe erwartet die Besucher ein abwechslungsreiches Programm, das Klassiker, moderne Stücke und musikalische Highlights verbindet.

Szene aus West Side Story © Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Ufuk Arslan Fotografie.

Auf der Großen Treppe gibt es zwei Neuinszenierungen. Friedrich Schillers Trauerspiel „Kabale und Liebe“ erzählt, wie Standesdenken und Machtintrigen in einer feudalen Gesellschaft die Liebenden Ferdinand und Luise in den Tod treiben. Das Musical „Cabaret“ aus dem Jahr 1966 (wie seine gleichermaßen berühmte Verfilmung mit Liza Minnelli) zeichnet mit seinen mitreißenden Revuenummern, Jazzrhythmen und einer vom Ragtime inspirierten Musik die grandiosen Klangwelten der untergehenden Weimarer Republik nach. Als Kinder- und Familienstück (ab 6 Jahren) zeigt „Der gestiefelte Kater“ in einer Neufassung des Grimm‘schen Märchens mit viel Musik, wie man mutig und gewitzt, mit guten Stiefeln bekleidet, dem armen Müllersohn zum Glück verhilft. In der musikalischen Komödie „Stolz und Vorurteil* (*oder so)“ verwandelt Isobel McArthur Jane Austens berühmten Roman in eine rasante Show voller Rollenwechsel, Popsongs und pointierter Gesellschaftskritik.

Szene aus Jedermann © Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Ufuk Arslan Fotografie.

Als Wiederaufnahme aus 2025 werden auf der Großen Treppe das Musical „West Side Story“ mit der Musik von Leonard Bernstein und die Jubiläumsinszenierung von Hofmannsthals „Jedermann“ unter Mitwirkung des Großen Siedershofs und des Festspielchores gezeigt. Im Neuen Globe spielen wiederum Shakespeares „Romeo und Julia“ und das Schauspiel „All das Schöne“ von Duncan Macmillan (jetzt in der fünften Spielzeit).

Szene aus Romeo & Julia © Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Ufuk Arslan Fotografie.

Sommerprogramm: noch bis 6. September 2026 auf der Großen Treppe und im Neuen Globe, das Kinder- und Familienstück ab 17. Mai. Karten online unter: www.freilichtspiele-hall.de, Tourist Information Schwäbisch Hall, Fon 0791 751-600

Musik auf Schloss Filseck

The Real Comedian Harmonists, Foto: Urban-Ruths

Vom 24. Juli bis 2. August 2026 öffnet Schloss Filseck in Uhingen (Kreis Göppingen) seine Tore für das 31. Sommerfestival. Die Konzerte finden im stimmungsvollen Innenhof des historischen Schlosses statt. Und auch in diesem Jahr präsentieren Solo-Künstlerinnen und Künstlern, Ensembles, Chören aus der Region und international ein breites Spektrum aus allen musikalischen Genres.

Eröffnet wird das Festival am Freitag, 24. Juli, mit The Real Comedian Harmonists. Die Gruppe greift den Stil des legendären Sänger-Ensembles aus den 1930er Jahren auf und begeistert mit Klangvielfalt und stimmlicher Präzision inklusive Klassikern wie „Mein kleiner grüner Kaktus“. Am Samstag folgt GlasBlasSing mit ihrem Programm „Liedgut aus Leergut“, bei dem Flaschen zu Instrumenten werden. Der Sonntag gehört der Uhinger Musikszene und einem Konzertspaziergang mit mehreren Stationen im Wald. Am Montag bringt das Rotary-Projekt „Play und Listen“ Grundschulkinder aus dem Landkreis Göppingen mit Tanz, Theater und Musik zusammen.

DF Tribute to Paul Gerhardt (Foto Jörg Steinmetz)

Am Dienstag zeigt das international renommierte 100köpfige Jugendsinfonieorchester Göppingen sein Können. Mittwochs zieht das Festival dann in die Oberhofenkirche Göppingen: Dieter Falk interpretiert dort Werke von Paul Gerhardt neu. Weitere Höhepunkte sind die Schlagzeugmafia mit ihrer humorvollen Bühnenshow sowie der Gitarrist Siggi Schwarz, der seit Jahrzehnten mit vielen weltbekannten Stars der Rockmusik die Bühnen und Tonstudios teilt mit seinem Santana-Tribute.

Laura Kiep, Foto: Yamaly Bayer-Gomez

„Laura & Band“ spielen am Samstag „Sunset Balcony“ und verbinden mit ihrem facettenreichen Sound Jazz, Pop, Folk und Chanson, bevor beim Abschlusskonzert „Piazzolla meets Latin“ der Rhythmus Lateinamerikas auf die Eleganz europäischer Klangwelten trifft. Es verschmelzen Klänge des südamerikanischen Komponisten Astor Piazzolla mit mitreißender „Libertango“ und die farbenreiche „Missa Latina“ von Bobbi Fischer zu einem faszinierenden Crossover-Programm unter freiem Himmel.
Weitere Informationen und Tickets unter www.schloss-filseck.com

Foto: Schlosshof Filseck © Veranstalter

Erinnerungen. Was bleibt?

Was bleibt. Erinnern und Vergessen in der Kunst. 10. Juni bis 4. Oktober 2026 in der Städtischen Wessenberg-Galerie Konstanz.
Was bleibt von einem Leben, einem Ort, einem Ereignis? Und wer entscheidet eigentlich, woran wir uns erinnern – und was verschwindet? Die Ausstellung „Was bleibt. Erinnern und Vergessen in der Kunst“ in der Städtischen Wessenberg-Galerie Konstanz geht diesen Fragen nach und macht Erinnerung als etwas sichtbar, das nie abgeschlossen ist. Sie entsteht im Erzählen und Verschweigen, im Bewahren und Umdeuten, im persönlichen Blick ebenso wie im großen historischen Zusammenhang.
Die Schau fragt nicht nur, was Kunst festhält. Sie zeigt auch, wie Künstlerinnen und Künstler Erinnerungen formen, befragen, überlagern oder bewusst ins Wanken bringen.

Schnell wird deutlich: Erinnerung ist kein Archiv, in dem alles ordentlich abgelegt ist. Sie verändert sich, verblasst, leuchtet plötzlich wieder auf. Sie ist emotional, brüchig und abhängig davon, wer erzählt. Zwischen persönlichen Erfahrungen und kollektivem Gedächtnis, zwischen Nähe und Distanz entfaltet die Ausstellung ein Spannungsfeld, das unmittelbar berührt.

Karl Einhart, Die drei Schwestern; 1929, Öl auf Leinwand; 94,5 x 137,5 cm Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz Foto: Franz-Josef Stiele-Werdermann

Kuratiert wurde die Ausstellung von Annika Seeger, wissenschaftliche Volontärin bei den Museen Konstanz. Auf diese neue Form der Nachwuchsförderung sind die Museen zurecht stolz – Für sie ist es ein Projekt mit besonderem Gewicht: Von der Auswahl der Werke über Leihanfragen und Rechteklärungen bis zu Transporten und Abstimmungen mit Künstlerinnen und Künstlern reicht die Arbeit hinter den Kulissen. Was am Ende selbstverständlich wirkt, ist das Ergebnis vieler Entscheidungen – und genau dieser Blick auf das Entstehen einer Ausstellung macht das Projekt zusätzlich interessant.

Martha Sophie Burkhardt Perlen; 2023 – Sisalseil, Keramik; Größe variabel Eigentum der Künstlerin © Martha Sophie Burkhardt Foto: Nadja Kuras

Zu sehen sind nicht nur klassische Arbeiten auf Papier und Leinwand, sondern auch raumgreifende Installationen, Collagen, textile Arbeiten und Gewebtes. So entsteht ein abwechslungsreicher Parcours.
Raum für Raum treten die Werke miteinander in Beziehung und öffnen einen vielstimmigen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Vertreten sind unter anderem Ruth Biller, Hans Breinlinger, Martha Sophie Burkhardt, Dar Guez, Matthias Holländer, Susanne Kiebler und Finja Sander.
Hinzu kommen eigens für die Ausstellung entstandene Arbeiten von Charlotte English, Stanislaw Heinzel, Barbara Marie Hofmann und Sarah Maria Steuer. Sie nähern sich dem Erinnern aus unterschiedlichen Richtungen – persönlich, materiell, räumlich und erzählerisch.

Charlotte English VERGESSESN IST EIN TEIL VON MIR; 2026, Textil (Applikation, Patchwork und Quilt]; 200x 140 cm – Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz © Charlotte English Foto: Alexander Stertzik

Neben Menschen – spielen auch Orte in den Darstellungen eine zentrale Rolle. Landschaften, Räume und Architektur. Auch die die nicht mehr sind. Die Kunst kann sie wiederbeleben aber nicht als bloße Rekonstruktion, sondern als lebendige Verbindung zwischen dem, was war und dem Gegenwärtigen.

Dar Guez Lilies ofthe field #4, Jerusalem, Mount Olives; 2019, archival inkjet print; 172 x 130,5 cm; 2/3 + 1AP, Courtesy the artist and carlier I gebauer, Berlin/Madrid
Matthias Holländer TURM, 1996, Radierung, Aquatinta auf Büttenpapier; 29,5 x38,9cm, Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz

Die Ausstellung regt an und lässt Spielräume der eigenen Interpretation – wir sehen und dabei kommen Fragen zur eigenen Erinnerungskultur auf – und gerade darin liegt ihre Stärke. Sie macht sensibler welche Bilder, Geschichten und Leerstellen wir am Ende selbst mitnehmen …

Ruth Biller Schriftengel, 1994 – Öl auf Leinwand; 140 x 160 cm Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz © VG Bild-Kunst Bonn, 2026, Foto: Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz

Bloom up

Bloom up! Die Sprache der Blumen. Große Sonderausstellung des Landes Baden-Württemberg. 13.06.2026–10.01.2027 in der Kunsthalle Baden-Baden.

Schönheit, Duft, Bedeutung: Kaum ein Motiv ist so allgegenwärtig, so wandelbar und so vielsagend wie die Blume. Seit Jahrtausenden begleitet sie den Menschen, prägt Gefühle, markiert Rituale und spricht dort weiter, wo Worte manchmal fehlen. Blumen sind eben nicht nur schön – sie bedeuten etwas. Die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden und das Badische Landesmuseum machen dieses Motiv nun zum Ausgangspunkt ihrer ersten gemeinsamen Ausstellung: Bloom up!

Edward Burne-Jones & William Morris, Wirkteppich, Der Pilger im Garten, Entwurf: London, vor 1896, Ausführung: Merton Abbey, London, 1901, Wolle, Baumwolle, Seide, gewirkt, gestickt, Badisches Landesmuseum, © Badisches Landesmuseum, Foto: Hannes Deters

Die unterschiedlichen Schwerpunkte beider Häuser eröffnen dabei eine reizvolle Begegnung von zeitgenössischer Kunst und Kulturgeschichte. Für die Ausstellung wurden wertvolle Exponate aus den reichen historischen Beständen des Badischen Landesmuseums ausgewählt und zeitgenössischen künstlerischen Positionen gegenübergestellt. Darüber hinaus wurden Künstlerinnen und Künstler wie Willem de Rooij, Ketuta Alexi-Meskhishvili oder Sissel Tolaas eingeladen, sich in neuen Arbeiten mit Objekten des Landesmuseums auseinanderzusetzen. So ist Bloom up! nicht nur eine Ausstellung über Blumen, sondern zugleich der Auftakt zu einer engeren Zusammenarbeit der beiden Häuser.

Prof. Dr. Eckart Köhne, Wissenschaftlicher Direktor, Christina Lehnert, Kuratorin Staatliche Kunsthalle Baden-Baden und Christiaan Veldman, Kurator Badisches Landesmuseum, © Badisches Landesmuseum, Foto: Hannes Deters

Diese Kooperation soll, so das Leitungsteam, mehr sein als ein einmaliges gemeinsames Projekt. Sie versteht sich als Auftakt für weitere Vorhaben – künstlerisch sinnvoll, institutionell klug und in Zeiten knapper Kassen auch kulturpolitisch ein Zeichen. Kräfte bündeln, Perspektiven teilen, gemeinsam mehr möglich machen: Damit wollen beide Häuser auch ein Signal an andere Museen und Kultureinrichtungen senden.

Im Zeichen der Blume – Kunst regional bis international

Entstanden ist in Baden-Baden ein Parcours, in dem Blumen nicht nur blühen, sondern erzählen, verführen, erinnern und widersprechen. Die Exponate treten in spannungsreiche Beziehungen: politische Statements begegnen privaten Gesten, symbolische Macht trifft auf intime Paarbeziehungen. Gesticktes, Fotografisches, Filmisches und Installatives steht neben feinem Gewirk, goldgefassten Blüten, frischen Arrangements und welkenden Formen. Über allem liegt die Schönheit des Blühens – und zugleich die Frage, was diese Schönheit sichtbar macht und was sie verdeckt.
Der besondere Reiz der Ausstellung liegt in der Begegnung regionaler und internationaler Perspektiven. Schon der Auftakt überrascht: Der Rundgang beginnt mit Bauernschränken aus dem 18. und 19. Jahrhundert aus der Region – Möbeln, die häufig als Hochzeitsgeschenke dienten. Ihre Blumenmotive erzählen von Liebe, Fruchtbarkeit, Wohlstand und Zukunftswünschen. Ihnen werden die Blütenskulpturen des Künstlerduos Petrit Halilaj und Álvaro Urbano zur Seite gestellt: Zeugnisse privater Momente einer Beziehung, in denen intime Zweisamkeit eine monumentale Form annimmt.

Blick in die Ausstellung, Schrank mit Füllhörnern aus Blumen, Friedenweiler, 1832 und Petrit Halilaj und Álvaro Urbano, 16th of March 2019 (Poppy), 2020, © Badisches Landesmuseum, Foto: ARTIS – Uli Deck

Auch die weiteren Werke öffnen neue Blickwinkel auf die Kulturgeschichte der Blume: darunter Requiem des bedeutenden Avantgarde-Filmemachers Jonas Mekas, die Rauminstallation des in Puerto Rico lebenden Künstlerduos Allora & Calzadilla sowie die Fotoserie der amerikanischen Künstlerin Taryn Simon.

Belia Zanna Geetha Brückner, Everytime we’d fight and I sustained bruises, there would be a bouquet of flowers in the living room, aus der Serie „Hard to say I’m sorry“ (2024), © Dorothea Dittrich, VG Bild-Kunst 2024.
Eine App erweitert die Ausstellung in den digitalen Raum und bietet neben klassischen Audioguides vertiefende Einblicke: Studio Visits entführen in die Kunst-Ateliers und verraten mehr über den Entstehungsprozess der Werke. Die App bietet auch neue Möglichkeiten für das gemeinsame Erle-ben der Ausstellung: Im Gruppenmodus sorgen Spiele oder Abstimmungen für einen unterhaltsamen Austausch. Und im Dating-Modus kann man nicht nur die Ausstellung, sondern auch sich gegenseitig besser kennenlernen.
Giovanni Battista Foggini, Pietra Dura / Mosaik Verkündigung, Florenz, 1720, © Badisches Landesmuseum, Foto: Hannes Deters
Das Begleitprogramm umfasst zahlreiche Veranstaltungen, Führungen und Workshops sowie inklusive Veranstaltungen. Mehr erfahren unter www.landesmuseum.de/bloom-up
Ketuta Alexi-Meskhishvili, Tulip Season for Henri Analog C-Print (AP II/II of an edition of Two + II AP), 2024, © Ketuta Alexi-Meskhishvili and LC Queisser Tbilisi, Cologne, Foto: George Kolbaia
Bloom up! Die Sprache der Blumen
13. Juni 2026 – 10. Januar 2027

Staatliche Kunsthalle Baden-Baden
Lichtentaler Allee 8a
76530 Baden-Baden
Öffnungszeiten
Dienstag – Sonntag, 10–18 Uhr
An allen Feiertagen geöffnet, außer 24. und 31. Dezember

www.kunsthalle-baden-baden.de
Impression aus der Ausstellung, Taryn Simon, Paperwork and the Will of Capital, 2015, Classified “Spare Parts” deal, Oval Office, White House, Washington, D.C., United States, May 16, 1975, © Badisches Landesmuseum, Foto: ARTIS – Uli Deck

Musikfest am Neckar

Ein Nachmittag voller Musik von Klassik bis Rock und Hip-Hop in entspannter Sommerstimmung mit dem Stuttgarter Kammerorchester.

Stuttgarter Kammerorchester, Foto: Wolfgang Schmidt Ammerbuch

Das Stuttgarter Kammerorchester lädt zu einer großen Open-Air-Party auf dem Rilling-Areal. Auf zwei Bühnen im Freien und weiteren Spielorten in den alten Kellereigebäuden kann man und ein bunt gemischtes Programm erleben. Das Stuttgarter Kammerorchester spielt in verschiedenen Formationen, auch gemeinsam mit anderen Gästen. Gespannt sein darf man auch auf den ersten gemeinsamen Auftritt mit dem frisch gegründeten Fan-Orchester. Außerdem stehen der Beatboxer Pheel, Bassist Sebastian Schuster, Rapper Conejo und weitere Mitwirkende auf der Bühne. Rockiges kommt von lokalen Bands und Acts. Aber auch der musikalische Nachwuchs bekommt beim Fest am Neckar eine Bühne, ebenso Straßenmusik und Figurenspiel. Gefolgt von Performances auf den Open-Air-Bühnen und in den ehemaligen Lagerräumen der ehemaligen Sektkellerei – eine einmalige Gelegenheit, die Atmosphäre des alten Industriebaus mit Musik zu erleben.
28.06.2026 ab 14.00, Rilling-Areal Bad Cannstatt. Der Eintritt ist frei. Eiswagen, Foodtruck und Getränkewagen bieten Gastroangebote vor Ort.

Weitere Info: stuttgarter-kammerorchester.com

STIMMEN Festival

Lörrach veranstaltet im Juni und Juli 2026 wieder das STIMMEN-Festival. Es zählt seit 1994 zu den größten Musikfestivals im Dreiländereck. Das Programm umfasst zahlreiche musikalische Höhepunkte aus verschiedenen Genres wie Rock, Pop, Klassik und Jazz und bietet Auftritte internationaler Künstler. Das Festival legt großen Wert auf künstlerische Qualität, innovative Ansätze, Offenheit und regionale Verankerung. Konzertorte wie Burghof, Rosenfelspark, Marktplatz und das Theater Augusta Aurica in der benachbarten Schweiz bilden stimmungsvolle Kulissen. Das Programm für 2026 umfasst unter anderem Auftritte von Foreigner, Leony, Donots, Capital Bra, Giant Rooks, Dobet Gnahoré, Thanda Choir, Latvian Voices, Camerata Vocale Freiburg sowie das Kammerorchester Basel mit Emmanuelle de Negri und Bruno de Sá. Tickets sind über reservix erhältlich.

Dobet Gnahoré (c) Jean Goun

Eröffnet wird das Festival am 18. Juni mit Dobet Gnahoré. Die Musik der ivorischen Sängerin ist voller Rhythmus, Richtung und Haltung. Musikalisch verbindet Zouzou pulsierende westafrikanische Rhythmen mit zeitgenössischem Afro-Pop und urbanen Klängen. Für ihre Zusammenarbeit mit India. Arie wurde sie mit einem Grammy ausgezeichnet. Sie wird u.a. Stücke aus ihrem neuesten Album „Zouzou“ mitbringen, das sehr persönlich und auch politisch ist. Zouzou (zu Deutsch Engel) ist den Kindern Afrikas gewidmet. Das Album markiert zudem den Beginn eines von ihr initiierten Waisenhausprojekts in Côte d’Ivoire.

Informationen zum Gesamtprogramm: www.stimmen.com

Lotto Museumspreis 2026

Bis Ende Juni können sich noch nichtstaatliche Museen in BW bewerben.
Ob Kunst-, Geschichts-, Wissenschafts- oder Freilichtmuseen – die Museumslandschaft in Baden-Württemberg ist unglaublich vielfältig und begeistert jedes Jahr Millionen Menschen im Land. Und Museen haben eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, die es zu fördern gilt. Dafür steht auch Lotto Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Musemsverband Baden-Württemberg ein und schreibt erneut den Lotto-Museumspreis aus. Der Wettbewerb ist mit insgesamt 45.000 Euro dotiert und richtet sich an nichtstaatliche Museen, die sich noch bis zum 30. Juni bewerben können.

2025 wurden die Städtische Galerie Karlsruhe (Hauptpreis) und das Deutsche Fleischermuseum Böblingen (eXtra-Preis) ausgezeichnet

Der Lotto-Museumspreis richtet sich an kommunale, private oder von Vereinen getragene Museen in Baden-Württemberg. Vergeben wird der Preis in zwei Kategorien: Mit dem Hauptpreis wird ein Museum mit herausragendem Konzept und regionaler Verankerung ausgezeichnet. Er ist mit 30.000 Euro dotiert. Der eXtra-Preis würdigt das gewisse Etwas eines Museums in einem speziellen Bereich und ist mit einem Preisgeld von 15.000 Euro versehen. Seit der Premiere 2015 konnten dank des Lotto-Museumspreises bereits 26 Gewinner-Museen wichtige Maßnahmen, Programme und Projekte umsetzen.  Die Preisverleihung des Lotto-Museumspreises findet am Samstag, 28. November, beim Hauptpreisträger statt. Weitere Informationen und die Bewerbungsunterlagen finden Interessierte unter

www.lotto-bw.de/museumspreis.

Lotto Baden-Württemberg trägt 2026 mit rund 37,4 Millionen Euro über den Wettmittelfonds des Landes dazu bei, die Kultur im Land zu unterstützen. Von den Lotterieerträgen profitieren so neben staatlichen Museen unter anderem auch die sieben Freilichtmuseen Baden-Württembergs sowie Kulturzentren, Orchester, Theater oder die Kunst.

Der Museumsverband Baden-Württemberg e.V. ist der Fachverband und die Interessenvertretung der kommunalen, staatlichen, privaten und vereinsgeführten Museen. Er fördert den wissenschaftlichen Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit. Zugleich vertritt er die Interessen seiner Mitglieder in Öffentlichkeit und Politik und ist das Forum für die Zukunftsentwicklung des Museumswesens.

Hohenloher Kultursommer

Der Hohenloher Kultursommer feiert 2026 seine 40. Saison – und lädt zu einer außergewöhnlichen Reise durch Musik, Geschichte und Innovation ein. Aus einer kleinen Initiative im Jahr 1987 ist eines der renommiertesten Festivals für Klassik und Weltmusik in Baden-Württemberg entstanden. Zwischen dem 6. Juni und 27. September finden 54 Konzerte in 48 Spielstätten, verteilt über fünf Landkreise statt. Über 100 internationale Künstler, Ensembles und Orchester gastieren auf historischen Bühnen: von Schlössern und Klöstern bis hin zu Kirchen, Keltern und Scheunen.

Rebekka Hartmann, Foto: Christine Schneider

Der Auftakt am 6. Juni im Schloss Neuenstein bringt eine echte Premiere: Komponist Andreas Begert hat eigens für das Festival ein Doppelkonzert geschaffen, das von Rebekka Hartmann (Violine), Hiyoli Togawa (Viola) und dem Orchester der KlangVerwaltung München uraufgeführt wird – gewidmet dem Fürstenhaus Hohenlohe-Oehringen. Die Eröffnung im Landkreis Schwäbisch Hall übernimmt das Schweizer Casal Quartett auf Schloss Langenburg.

Pe Werner © Det Kempke

Auch das weitere Programm verspricht jede Menge Vielfalt und musikalische Überraschungen bei denen immer wieder die Grenzen zwischen Klezmer, Volksmusik, Klassik und Pop im wahrsten Sinne des Wortes „spielerisch“ aufgehoben werden. Dazu gibt es spannende Instrumenten-Kombinationen wie Nyckelharpa und Marimba auf Schloss Weikersheim oder Tuba und Orgel in Künzelsau. Genreübergreifende Projekte, etwa das Weltmusikduo Fetén Fetén mit den Nürnberger Symphonikern, und Popsänger Joris mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn.

Ensari & Schuch © Nikolaj Lund

Weitere Gäste sind die Sängerin Pe Werner, das Klavierduo Herbert Schuch und Gülru Ensari mit ihrem Programm „Spurensuche – Ungarischer Bolero“. Und natürlich dürfen Horn- und Blechklänge bei diesem Festival nicht fehlen: In Künzelsau gastiert German Hornsound, ebenso werden das Damenblechbläser-Quintett „quinTTTonic“ und das Septett Federspiel Auftritte haben.

www.federspiel.at, Foto: by Felix Groteloh

Weltmusikfans dürfen sich auf Manouche-Swing, Bluegrass aus Louisiana, Irish Folk und fernöstliche Klänge freuen. Auch die Alte Musik von Mittelalter bis Barock ist fest verankert: zum Beispiel mit Konzerten des Barocktrompetenensemble Berlin und dem Ensemble BachWerkVokal aus Salzburg. Ein besonderer Höhepunkt: das Musikfest auf Schloss Weikersheim am 4. Juli.

Schloss Weikersheim, Foto: Jens Hackmann

Beim Flanierkonzert können Besucher ihr Kulturerlebnis selbst zusammenstellen – zwischen Musik, Akrobatik und kulinarischen Genüssen in Orangerie, Gärtnerhaus und Rittersaal. Foodtrucks und vorbestellbare Menüs runden das Erlebnis ab. Der Festabend der Kulturstiftung Hohenlohe am 13. September in der Kultura Öhringen steht im Zeichen des Jubiläums im Sinne von Danksagung und Austausch mit Publikum, Förderern und Initiatoren und bietet mit dem Chamber Choir of Europe ein gemeinsames Mitsing-Erlebnis. Den glanzvollen Abschluss bildet Star-Klarinettist Sebastian Manz mit einem Crossover-Ensemble und ebensolchen Programm im Kloster Schöntal.

Schloss Langenburg © Schloss Langenburg

Weitere Info: Junge Talente, Kinderkonzerte
und Familienkonzerte, und Angebote zu Kulinarik & Musik
bereichern die Festivalausgabe.
Gesamtprogramm und Karten:
www.hohenloher-kultursommer.de,
Telefon: 07940 18-348,
www.reservix.de