„Revolution of Love“

Giora Feidman, bekannt als „King of Klezmer“, ist einer der weltweit renommiertesten Klarinettisten und hat sich einen Namen gemacht durch seine einzigartige Interpretation der Klezmer-Musik sowie durch seine vielfältigen musikalischen Projekte, die verschiedene Genres und Stile umfassen. Er selbst hat seine Klarinette einmal als „Mikrofon seiner Seele“ bezeichnet: Das neueste Projekt von Klarinettenvirtuose Giora Feidman ist mit „Revolution of Love“ überschrieben. Der Maestro will damit ein musikalisches Zeichen für Frieden, Liebe und Hoffnung setzen.

Giora Feidman und Vytis Šakūras (c) Mehran Montazer

Dazu nimmt uns das Giora Feidman Duo, bestehend aus Giora Feidman und dem Pianisten Vytis Šakuras mit auf eine Reise voller Sinnlichkeit mit neuen Stücken von Majid Montazer. Die Stücke aus dem neuen Programm tragen Titel wie The Sound of Soul, Silent Heroes, The Sweet Melody of Life oder Miracle of Love und sie alle eint eine faszinierende kulturelle Verschmelzung von populären Melodien des Klezmers mit modernen Kompositionen.

Der „King of Klezmer“ war Interpret der oscarprämierten Filmmusik von Steven Spielbergs „Schindlers Liste“, auch in den deutschen Filmen „Jenseits der Stille“ von Caroline Link und „Comedian Harmonists“ (1997) von Joseph Vilsmaier war er zu hören.
Für sein Engagement für Frieden und seine besonderen Verdienste um die Aussöhnung zwischen Völkern, wurde der „Botschafter der Versöhnung“ immer wieder geehrt und ausgezeichnet. Zudem trägt Giora Feidman das Große Bundesverdienstkreuz, welches seinem Einsatz um die Versöhnung zwischen Juden und Deutschen Respekt zollt.

Tour-Termine in BW:
20. Mai, Kultur und Kongresscentrum Schwäbisch-Gmünd
23.05.24, 19:30 Uhr Christuskirche, DONAUESCHINGEN
24.05.24, 20 Uhr, Stadthalle, METZINGEN
Samstag, 25.05.24, 19:30 Uhr, Kurhaus, BAD RAPPENAU
23.07.24, 20 Uhr Franziskanerkirche, ÜBERLINGEN
24.07.24, 20 Uhr Lutherkirche, KONSTANZ
Karten: eventim

Literaturbühne zur Leipziger Buchmesse

Gebündelte Literaturkompetenz: Zur Leipziger Buchmesse präsentieren sich ZDF, ARD und 3sat vom 21. bis 24. März 2024 mit einer gemeinsamen Literaturbühne, die Schauplatz zahlreicher Lesungen, Gespräche und Veranstaltungen vor Ort und im TV sein wird.  

Zu den Highlights des gemeinsamen Programms gehört die gemeinschaftlich produzierte TV-Sendung „dein buch – das Beste von der Leipziger Buchmesse 2024“, die über zwei Stunden die Höhepunkte der Gespräche und Lesungen von der ZDF, ARD und 3sat- Literaturbühne zeigt.
Literaturbühne von ZDF, ARD und 3sat: Die täglichen Gespräche und Lesungen von der gemeinsamen Literaturbühne werden als Live-Stream an allen Tagen der Buchmesse in den Mediatheken der Sender zu sehen sein: ardkultur.de, buchmesse.zdf.de, 3sat.de. ARD Kultur bietet zudem ausgewählte Programmhöhepunkte als Videos und Audios auf ardkultur.de an.
Bekannte Moderatorinnen und Moderatoren der Sender wie Jo Schück, Katty Salié, Salwa Houmsi, Thea Dorn, Gert Scobel, Cécile Schortmann, Vivian Perkovic, Nina Brunner, Katrin Schumacher, Denis Scheck, Mona Ameziane und viele mehr stellen ausgewählte Neuerscheinungen vor.
Ihre Gäste sind unter anderen Omri Boehm (Träger des Leipziger Buchpreises zur europäischen Verständigung), die drei neuen Leipziger Buchpreisträgerinnen und -träger, dazu Alex Capus, Dana Grigorcea, Bodo Kirchhoff, Bernhard Schlink, Uschi Glas, Didier Eribon und viele mehr.

Ein neues Gemeinschafts-Event von ZDF, ARD Kultur, MDR und 3sat im Rahmen der Leipziger Buchmesse ist die „LitPop“ am Freitag, 22. März 2024, ab 18.00 Uhr, in der Kongresshalle am Zoo. Mehr als 24 Autorinnen und Autoren kommen zum Gespräch und zum Lesen auf vier Bühnen zusammen: Fünf Minuten Interview und 20 Minuten Lesung ermöglichen einen prallen Kosmos an einzigartigen Persönlichkeiten und kontroversen Themen. Zu erleben sind Michael Nast, Friedemann Karig, Sebastian 23, Toxische Pommes, Thomas Hitzlsperger, Ole Liebl und viele weitere Autorinnen und Autoren. Musik gibt es von Michael Meyer (Kompakt), Mine, Katja Ruge und vielen mehr. Es moderieren, kommentieren und debattieren Moderatorinnen und Moderatoren von ZDF, ARD und 3sat wie Jo Schück, Vivian Perkovic, Yara Hoffmann und Mona Ameziane.

Drei Stunden „ARD Radio Kulturnacht Unter Büchern“ gehen am Samstag, 23. März 2024, von 20.00 Uhr bis 23.00 Uhr in der gesamten ARD on air.

Leipziger Buchmesse 2024
Auf der Leipziger Buchmesse (21. bis 24. März) bekommen aktuell wichtige politische Debatten mit dem Forum Offene Gesellschaft zum zweiten Mal eine eigene Bühne. Im Fokus stehen unter anderem Demokratie und Rechtsruck, Krisen und Kriege, Fake News, Meinungsfreiheit und Menschenrechte. (Quelle Börsenblatt.net)


Infos zum Gesamtprogramm www.leipziger-buchmesse.de

Ludwigsburger Schlossfestspiele

Die Saison 2024 der Ludwigsburger Schlossfestspiele ist die fünfte und letzte Spielzeit des »Fests der Künste, Demokratie und Nachhaltigkeit« in der Intendanz von Jochen Sandig und reicht vom 1. Juni bis 20. Juli 2024. Geprägt wird sie unter anderem von drei Künstlerresidenzen – dem Mahler Chamber Orchestra, Fazıl Say sowie dem A-cappella-Ensemble VOCES8.

Mahler Chamber Orchestra (c) Manu Agah

Zu Gast sind außerdem in über acht Festivalwochen internationale Orchester wie das Oslo Philharmonic und das Kammerorchester Basel, Pianisten wie Alexandre Kantorow und Michael Wollny, gefeierte Talente wie der Dirigent Klaus Mäkelä oder die Cellistin Anastasia Kobekina, Streichquartette wie Quatuor Ébène, das Minguet Quartett und das Rothko String Quartet, weitere Vokalensembles wie Chanticleer und Sjaella und singuläre Künstlerpersönlichkeiten wie die Sopranistin Asmik Grigorian, die Geiger Lawrence Power und Renaud Capuçon, der Cellist Jens Peter Maintz oder die Schauspielerin Martina Gedeck.

Asmik Grigorian (c) Lina Jushke
Martina Gedeck (c) Jens Koch

Eine Koproduktion mit der Staatsoper Stuttgart inszeniert der Bildende Künstler Norbert Bisky im Schlosstheater. Der zeitgenössische Tanz wird mit zwei zukunftsweisenden Kreationen von Sasha Waltz & Guests und der Akram Khan Company gefeiert.
12 Konzerte der Reihe »Frei Luft Musik« lassen wöchentlich die Innenstadt Ludwigsburgs erklingen, die mit etwas Vorlauf bereits am Freitag, 3. Mai beginnt. Inklusive der Außenspielstätten finden 45 verschiedene Produktionen mit insgesamt 54 Veranstaltungen statt.

Schloss Ludwigsburg und barocker Garten (c) Rafael Kroetz
Schloss Monrepos Open Air (c) Oliver Eggle

Alle Infos auf www.schlossfestspiele.de
Zentraler Vorverkauf:
Palais Grävenitz, Marstallstraße 5, 71634 Ludwigsburg
Öffnungszeiten: Mo–Fr 10–15 Uhr
Neu ab 2024: Ab 4. Mai und bis einschließlich 20. Juli ist die Kasse auch samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet.
Kartentelefon: (07141) 939 636
karten@schlossfestspiele.de

Jörg Widmann

Jörg Widmann zählt zu den bedeutendsten europäischen Komponisten der Gegenwart. Orchester wie die Wiener und die Berliner Philharmoniker oder das New York Philharmonic haben seine Werke in ihrem Repertoire, Dirigenten wie Daniel Barenboim, Christian Thielemann oder Andris Nelsons haben sie aufgeführt. Am 13. März um 20 Uhr ist Jörg Widmann zu Gast beim „Komponistenporträt“ in der Stadtkirche Stuttgart-Bad Cannstatt. Das musikalische Multitalent, das auch als Klarinettist und Dirigent gefragt ist, gibt im Gespräch mit Björn Gottstein Auskunft über sein Schaffen. Johanna Zimmer und Clémence Martel, Sopran, Lars Jönsson, Tasteninstrumente, Bernhard Lörcher, Violoncello, und das Lotus Quartett laden mit Interpretationen seiner Kammermusik zur Entdeckung eines faszinierenden Œuvres ein.

Joerg Widmann
Photo: Marco Borggreve

Programm:
2. Streichquartett „Choralquartett“
Labyrinth V für Sopran
„Schwester Tod“ für Sopran, Violoncello und Tasteninstrumente
„Versuch über die Fuge“ für Sopran und Streichquartett

Eintritt frei, Spenden erbeten
Termin: Mittwoch, 13. März 2024, 20 Uhr
Veranstaltungsort: Evang. Stadtkirche Bad Cannstatt, Marktplatz 1, 70372 Stuttgart

Weitere Informationen: www.musik-am-13.de , 0711 54 99 73-75


Die Stuttgarter „Komponistenporträts“ wurden 2003 von Jörg-Hannes Hahn gegründet und sind eine renommierte Reihe innerhalb der Konzertreihe „Musik am 13.“. Zu Gast waren hier bereits Adriana Hölszky, Dieter Schnebel, Wolfgang Rihm, Helmut Lachenmann, Younghi Pagh-Paan, Krzysztof Penderecki, Sofia Gubaidulina, Aribert Reimann, Peteris Vasks, Mark Andre, Beat Furrer und weitere Komponist:innen unserer Zeit.

KONZERT-Tipp

Verleihung des Heidelberger Künstlerinnenpreises an Kathrin A. Denner und Uraufführung von »aerify« für Trompete und Orchester

Programm: Jean Sibelius »Tapiola« op. 112
Kathrin A. Denner »aerify« für Trompete und Orchester (UA)
Josef Suk »Pohádka« op. 16 – Ein Märchen

Ein Podiumsgespräch mit der Preisträgerin findet am 28. Februar 2024 um 19:15 Uhr statt.

Konzert / 28. und 29. Februar 2024 / 20:00 Uhr / Aula der Neuen Universität

Kathrin A. Denner (c) Rene Blazevic

Beim 5. Philharmonischen Konzert am 28. und 29. Februar 2024 um 20:00 Uhr spielt das Philharmonische Orchester Heidelberg unter der Leitung von Christoph Altstaedt in der Aula der Neuen Universität Werke von Kathrin A. Denner, Jean Sibelius und Joseph Suk. Kathrin A. Denner wird im Rahmen des Konzerts am 28. Februar 2024 der Heidelberger Künstlerinnenpreis 2024 verliehen. Dabei kommt ihr eigens für diesen Anlass komponiertes Werk »aerify« für Trompete und Orchester zur Uraufführung. Als Solist an der Trompete ist Jeroen Berwaerts zu hören.

Der Heidelberger Künstlerinnenpreis zählt zu den wichtigsten Kulturpreisen des Landes und ist weltweit der einzige Preis, der ausschließlich an Komponistinnen vergeben wird. Die Jury des Künstlerinnenpreises begründet die Vergabe des diesjährigen Preises an Denner mit ihrer Werkbiografie – diese belege »bei großer, ja experimenteller Vielseitigkeit in vokalen und instrumentalen Genres, Theatermusik und Elektronik, eine außergewöhnlich enge praktische Zusammenarbeit mit ausführenden Musiker*innen und Veranstaltern.«

Zu Beginn des Abends ist die sinfonische Dichtung »Tapiola« von Jean Sibelius zu hören. Das Werk wurde 1926 im Auftrag von Walter Damrosch für die New York Symphony Society komponiert und porträtiert den finnischen Waldgott Tapio und seine geheimnisvolle Welt. Die Musik basiert auf einem einzigen Streicherthema, das in vielfältiger Weise variiert und entwickelt wird, um die verschiedenen Stimmungen und Charaktere des Waldes auszudrücken. »Tapiola« gilt als eines der letzten großen Werke von Sibelius, der danach sein kompositorisches Schaffen beendete.

Danach kommt Kathrin A. Denners »aerify« zu Uraufführung – ein musikalisches Werk für Trompete und Orchester, das die Stille als Hintergrund für eine lebendige und dynamische Klangwelt nutzt. Die Trompete spielt mal leise, mal laut, mal pulsierend, mal zerbrechlich, und wird vom Orchester in verschiedenen Farben und Schattierungen begleitet. Die Blechbläser bilden dabei eine Art »Metainstrument« in dem sie mit dem Solisten zu einer Einheit verschmelzen. Im Anschluss wird der Heidelberger Künstlerinnenpreis 2024 übergeben.

Nach der Preisverleihung spielt das Philharmonische Orchester Heidelberg die Orchestersuite »Pohádka« (Märchen) von Josef Suk. Diese Suite basiert auf der Bühnenmusik, die Suk für das dramatische Gedicht »Radúz und Mahulena« von Julius Zeyer komponierte. Die Handlung ist eine tragische Liebesgeschichte zwischen zwei Kindern aus verfeindeten Familien, die an das slowakische Volksmärchen und an »Romeo und Julia« erinnert. Die Suite besteht aus vier Sätzen, die jeweils einen Aspekt der Geschichte musikalisch darstellen. Die Suite zeichnet sich durch eine reiche und farbenfrohe Instrumentation, eine romantische Melodik und einen volkstümlichen Einfluss aus. Die Suite wurde 1901 in Prag uraufgeführt und ist eines der bekanntesten Werke von Suk.

Kathrin A. Denner im Gespräch mit Dr. Egbert Hiller

Zur Einführung findet am 28. Februar 2024 vor Konzertbeginn das Podiumsgespräch »Heidelberger Künstlerinnengespräche – Komponistinnen im Dialog« mit Dr. Egbert Hiller vom Deutschlandfunk und der Preisträgerin Kathrin A. Denner um 19:15 Uhr im Hörsaal 14 der Neuen Universität statt.

Mehr über die Komponistin erfährt man auf ihrer Homepage

Das 5. Philharmonische Konzert wird vom Deutschlandfunk aufgezeichnet. Sendetermin: 14. April 2024, 21:05 Uhr.

Weitere Informationen sowie Karten unter www.theaterheidelberg.de oder an der Theaterkasse, Theaterstraße 10; 06221 / 58 20 000; tickets@theater.heidelberg.de

art Karlsruhe

177 Galerien, von denen 32 aus dem Ausland stammen, haben sich im Jurierungsverfahren der art KARLSRUHE durchgesetzt und bestücken vom 22. – 25. Februar 2024 die vier lichtdurchfluteten Hallen mit zwei- und dreidimensionalen Kunstwerken unterschiedlichster Materialität. Bewährtes und neue Formate gehen einher mit der Reduktion des Teilnehmerfeldes und werden die Messe qualitativer, strukturierter und interessanter machen. Dabei setzt die art KARLSRUHE weiterhin auf ihre Kompetenzen im Bereich der Klassischen Moderne, der Nachkriegs- und Gegenwartskunst. Zugleich strahlt sie in die Stadt Karlsruhe hinein, verbindet noch stärker das Lokale mit dem Überblick aus 120 Jahren internationalem Kunstschaffen.

Impression art KARLSRUHE 2023 © Messe Karlsruhe / Jürgen Rösner

Jahrzehntelang sind Künstlerinnen von Museen und vom Kunsthandel vernachlässigt worden. Hier ändert sich etwas. Nur noch wenige Galerien haben ein ausschließlich männliches Programm. Drei Galerien bringen 2024 ausschließlich Frauen mit auf die Messe (BEGE, Ulm; Claeys, Freiburg und Judith Andreae, Bonn). Auch die One Artist Shows machen dies deutlich. Von fast 60 künstlerischen Einzelpräsentationen sind ein Drittel weiblich.

Besucherinnen und Besucher können außerdem noch mehr Skulpturen entdecken als in den vergangenen Jahren: Neben den Skulpturenplätzen und dem Skulpturengarten im Atrium gibt es zusätzlich „Skulpturenspots“ und damit noch mehr Wahrnehmung für Großformatiges beispielsweise im Besucher-Umlauf.

Impression art KARLSRUHE 2023 © Messe Karlsruhe / Jürgen Rösner

Klassische Moderne in vielen Spielarten
Die Klassische Moderne erfreut sich noch immer großer Beliebtheit. Das schlug sich erst vor Kurzem in der Versteigerung eines Picasso-Gemäldes mit Millionenwert bei Sotheby’s nieder. Insgesamt fünf Galerien, darunter auch die neu gegründete LE Gallery (Keerbergen/Belgien), zeigen Werke des spanischen Künstlers. Die Klassische Moderne wird in ihren verschiedenen Facetten, vom Impressionismus über den Surrealismus, den Kubismus bis zum Expressionismus mit herausragenden Kunstwerken von musealer Qualität vertreten sein. Max Liebermann (Ludorff, Düsseldorf, Nöth, Ansbach), Ernst Ludwig Kirchner (Ludorff, Düsseldorf; Henze & Ketterer, Riehen; St. Gertrude, Hamburg), Erich Heckel (Henze & Ketterer, Riehen; Kampen, Sylt; Schrade, Ehingen) und Marc Chagall (Jeanne, München; Raphael, Frankfurt; Kampen, Sylt; Gildens Art, London) sind nur einige der Künstler, die gezeigt werden.

Ein breites Spektrum der Nachkriegskunst
Informel, ZERO und Konkrete Kunst: alles Kunstrichtungen, die im Europa der Nachkriegszeit eine essenzielle Rolle spielen. Die art KARLSRUHE hat auf diese unterschiedlichen Stile seit jeher ein Augenmerk und gibt alljährlich einen profunden Überblick zur Kunst der 1950er und 60er-Jahre. Ob weniger bekannte Informel-Pioniere, wie Eugen Batz (Döbele, Mannheim), oder Namen, die landläufig mit der gestisch-spontanen Malweise der ersten Nachkriegszeit verbunden werden, wie Hans Hartung (Brita Prinz, Madrid) oder Antoni Tàpies (Cortina, Barcelona und MDA, Höganäs) – der vom Gegenstand befreite Aufbruch in der Bildenden Kunst ist ein wichtiger Bereich auf der Messe.

Impressionen art KARLSRUHE 2023 © Messe Karlsruhe / Jürgen Rösner

Einen anderen bildnerischen Neuanfang nach dem Krieg proklamierte von Düsseldorf aus die Gruppe ZERO um Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker. Sie waren die Enfants terrible der rheinischen Kunstszene, feierten wilde Feste, ließen Luftballons in den Nachthimmel steigen und eroberten sich den Galerie- wie den Außenraum auf lebensfrohe Art. Ihre Kunstwerke können an insgesamt neun Ständen, darunter Geißler-Bentler (Bonn) und van der Koelen (Mainz) sowie bei Geiger (Konstanz) betrachtet werden. Passend dazu zeigt das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien in einer groß angelegten Retrospektive einen Überblick über das vielseitige Gesamtwerk von Heinz Mack. Der inzwischen 92jährige Künstler schlägt – mit einer weiteren Schau im Konzernsitz der EnBW – den Bogen zur in Karlsruhe beheimateten Medienkunst.

Impression art KARLSRUHE 2023 © Messe Karlsruhe / Lars Behrendt

Von Pop Art bis heute
Im Kanon der Nachkriegskunst darf die Pop Art mit wichtigen Vertretern wie Andy Warhol, Tom Wesselmann, Claes Oldenburg oder Mel Ramos und ihrer ins künstlerische gewandten Darstellung der Waren- und Konsumwelt nicht fehlen. Aber auch die eher kritische britische Spielart ist mit David Hockney (Benden & Ackermann, Köln) vertreten. Es wird deutlich, dass die Jahrzehnte nach 1945 nicht nur abstrakt gewesen sind. Von hier aus lässt sich eine Linie zu Gerhard Richter und Peter Dreher, aber auch zu den oft großformatigen Gemälden von Karin Kneffel (Ludorff, Düsseldorf) oder den überspitzt realistischen Skulpturen von Carolee Feuerman (Hübner & Hübner, Frankfurt) ziehen. Dass die Strichmännchen-Zeichnungen eines Keith Haring bis heute inspirieren, zeigen aufs deutlichste dagegen die Werke der 2000 geborenen Ambra Durante (Friese, Berlin), die 2022 mit dem art KARLSRUHE-Preis ausgezeichnet wurde.
Auch die Konkrete Kunst mit Hauptvertretern wie Josef Albers (Ludorff, Düsseldorf), Georg Karl Pfahler oder Otto Herbert Hajek (Luzán, Berlin) sowie der eher Insidern bekannten Marie-Thérèse Vacossin (Wagner, Paris) wird auf der Kunstmesse vertreten sein. Von hier aus lässt sich eine weitere Linie in die Gegenwart ziehen zu den farbintensiven Kompositionen von Peter Anton (Braunbehrens, Stuttgart) oder den teils zu Raumkonzepten aufgeweiteten Farbfeldmalereien von Arvid Boecker (Monica Ruppert, Frankfurt). Fotografie und Videokunst, das Crossover der Medien, lassen sich ebenso auf der kommenden art KARLSRUHE finden, wie die Gegenwartskunst im Allgemeinen den Bogen in die vielfältige Karlsruher Kunstszene mit ihren Pop Up-Galerien und Projekträumen schlägt.

Ort: Messe Karlsruhe
Messeallee 1
76287 Rheinstetten

Alle Besucher-Informationen finden Sie hier

Figaros Hochzeit

Das Nationaltheater Mannheim gastiert mit Mozarts wohl bekanntester Oper im Schwetzinger Schloss.
»Der tolle Tag oder die Hochzeit des Figaro« – so hat Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais seine aufrührerische Komödie aus dem Jahr 1784 überschrieben, die zur Grundlage der Erfolgsoper von Lorenzo Da Ponte und Wolfgang Amadeus Mozart wurde. Und »toll« ist dieser Tag in jedem Fall: Hochzeit soll gehalten werden zwischen Figaro und Susanna, die beide im Dienst des Grafen Almaviva stehen. Während der Graf ein Auge auf Susanna geworfen hat, wirbelt der junge Cherubino das emotionale Gleichgewicht gleich mehrerer Anwesender durcheinander. Zwischen abgefangenen Briefen, skurrilen Verwechslungen, angestachelter Eifersucht, falschen Versprechungen und echtem Gefühlschaos bleibt bis zuletzt offen, ob die titelgebende Hochzeit nun tatsächlich stattgefunden hat oder nicht.

Szene aus „Die Hochzeit des Figaro“ von W. A. Mozart / Nationaltheater Mannheim, Foto: Christian Kleiner

Regisseurin Barbora Horáková und das Orchester und Sänger-Ensemble des Nationaltheater Mannheim begegnet den Figuren der Oper mit Humor und feinem Gespür für deren Abgründe und rückt das Geschehen auf diese Weise ganz nah an ihr Publikum. Und das Schwetzinger Schlosstheater wird zur stimmungsvollen Bühne einer rasanten Komödie zwischen Versteckspiel und Entgrenzung.

Szene aus „Die Hochzeit des Figaro“ von W. A. Mozart / Nationaltheater Mannheim, Foto: Christian Kleiner

Weitere Info:
Kartentelefon: 0621 1680 150
www.nationaltheater-mannheim.de
Termine: 15. März 19:00 Uhr,
So, 17.03.2024, 17:00 Uhr
Mi, 20.03.2024, 19:00 Uhr
Di, 26.03.2024, 19:00 Uhr
Do, 28.03.2024, 19:00 Uhr
Sa, 30.03.2024, 18:00 Uhr
Mo, 01.04.2024, 18:00 Uhr

Kunst im Cyperspace

Technologischer Fortschritt trifft auf kreative Freiheit, die jedoch auch ihre Schattenseiten birgt. Eine analoge Ausstellung im Zeppelin Museum Friedrichshafen und ein virtuelles Kunstprojekt an der Kunsthalle Mannheim haben sich mit dem Phänomen auseinandergesetzt – beide stellen wir ihnen nachfolgend vor.

Einführung– Im heutigen digitalen Zeitalter hat der Begriff „Crypto“ eine immer größere Bedeutung erlangt. Der Cyberspace ist zu einem Ort geworden, an dem Innovation und Kreativität aufeinandertreffen. Hier haben sich nicht nur Unternehmen und Technologiebegeisterte versammelt, sondern auch die Kunstszene hat Einzug gehalten. Immer mehr Künstlerinnen und Künstler nutzen die Möglichkeiten des Internets, um ihre Werke einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und neue Ausdrucksformen zu finden. Zum Beispiel im Kreieren von sogenannten Nicht-fungible Tokens, kurz NFTs. Sie ermöglichen es, digitale Inhalte wie Kunstwerke, Musik und Videos als einzigartige digitale Objekte ohne Zwischenhändler oder Galerien weltweit zu verbreiten und zu verkaufen. Dabei spielt auch künstliche Intelligenz eine entscheidende Rolle. Diese ermöglicht es den Künstlerinnen und Künstlern, mit Algorithmen zu experimentieren und einzigartige Werke zu schaffen. Einer der Hauptvorteile von NFTs besteht darin, dass sie die Authentizität und Einzigartigkeit digitaler Werke garantieren können. Durch die Verwendung einer Blockchain-Technologie werden Informationen über den Besitz des NFTs transparent und unveränderbar gespeichert. Dies schafft eine neue Art von Wert für Künstlerinnen und Künstler sowie Sammlerinnen und Sammler. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit der direkten Monetarisierung von digitalen Inhalten durch ihre Verbindung mit NFTs. Kreative können ihre Werke als NFT verkaufen und davon profitieren, jedes Mal wenn ihr Werk weiterverkauft wird im Gegensatz zum traditionellen Modell des einmaligen Verkaufsrechts. Jedoch gibt es auch einige Nachteile bei der Nutzung von NFTs. Eine Herausforderung liegt in den hohen Transaktionsgebühren und dem hohen Energieverbrauch beim Betrieb von Blockchains. Ein weiteres Problem sind Urheberrechtsfragen: Da digitale Inhalte leicht kopiert werden können, besteht die Gefahr von Plagiaten oder Diebstahl geistigen Eigentums. Obwohl die Blockchain-Technologie dazu beitragen kann, den Besitz des Originalwerks nachzuweisen, muss weiterhin an Lösungen gearbeitet werden, um das geistige Eigentum effektiv zu schützen. Zudem äußern Künstler auch ihre Kritik am Cyberspace über ihren Wirkungskreis hinaus und weisen mit künstlerischen Mitteln auf die Nachteile und Missstände im Bereich Wissenschaft und Finanzwesen hin. So entsteht auch in der virtuellen Welt eine neue Form der Kunstkritik, aber auch eine neue Form einer kritischen Auseinandersetzung an unserer Welt. Besonders junge Künstlerinnen und Künstler nutzen diese Möglichkeiten und begeistern damit eine ebenfalls junge Zielgruppe, die über die analoge Welt oft schon gar nicht mehr zu erreichen wäre. Eines ist klar: Die virtuelle Realität kann niemals das echte Erleben und Schaffen von Kunst und Kultur ersetzen, aber sie kann neue Zielgruppen erreichen und Menschen weltweit verbinden. Durch den Einsatz von Technologie darf aber der persönliche Bezug nicht verloren gehen. Vielmehr sollten wir in der Virtualität eine Ergänzung sehen und als Spielraum für Experimente. Wenn wir die Stärken und Grenzen der jeweiligen Möglichkeiten – analog und digital – noch besser erkennen und voneinander abgrenzen, werden wir beide Welten künftig noch sinnvoller nutzen können. Nur so können wir sicherstellen, dass künstlerische Ausdrucksformen ihre volle Bedeutung entfalten können und die Vielfalt der Kunst weiterhin bestehen bleibt.

Cryptogallery #ONE in Decentraland

Die Cryptogallery #ONE ist ein virtuelles online Kunstprojekt im Metaversum Decentraland von Christoph Faulhaber in Kooperation mit der Kunsthalle Mannheim. Botto ist das bislang radikalste Projekt zur Umsetzung einer vollständig autonom sich selbst generierenden Kunst in die bereits alle Aspekte der Kreation, ästhetischen Beurteilung und Ökonomisierung eingeschlossen sind.

Kommt nach dem Ende der Autonomie der Kunst die Evolution des autonomen Künstlers? Die Frage, ob eine selbstlernende Kunst-Maschine originäre Kunst schaffen kann und als eigenständiger Künstler anerkannt wird, versucht Mario Klingemann, KI-Künstler und Schöpfer von Botto seit 2021 auf exemplarische und experimentelle Weise zu beantworten. Noch bis 10. März 2024 präsentiert die CRYPTOGALLERY #ONE den dezentralisierten autonomen Künstler Botto, einen der ersten seiner Art weltweit.

botto@cryptogallery#one, Außenansicht Galerie
Chatbot Ruja Ignatova © Christoph Faulhaber / Kunsthalle Mannheim 2022

Jede Woche erstellt Botto autonom ca. 8000 Bilder. Aus diesen Bildern werden anhand eines Geschmacksmodells die besten herausgefiltert. Dieser Prozess erfolgt ohne menschlichen Eingriff. Bilder und Texteingaben, die sogenannten „prompts“, werden dabei nicht verändert. Der einzige Trainingsinput erfolgt, indem die Botto-Community (BottoDAO) über ihre Lieblingsstücke aus dem Pool von Bildern abstimmt, die ihnen vom Geschmacksmodell vorgeschlagen wurden. Die Abstimmung wird in den Botto Kanälen des Instant Messengers Discord durchgeführt. Dabei können die Mitglieder ihre persönlichen Vorlieben und kuratorischen Entscheidungen näher ausführen. Das Geschmacksmodell von Botto, seine Urteilsfähigkeit, wird also im Laufe der Zeit durch das Feedback der Community geprägt. Nur das beliebteste Werk einer Abstimmungsrunde wird schließlich als NFT geprägt, verkauft und erhält die höhere Weihe eines vollendeten Kunstwerks. Der Erlös aus dem Verkauf fließt zurück in die Gemeinschaft, um sie für ihre Beiträge zu entlohnen und Betriebskosten von Botto zu decken. Dieser wirtschaftliche Aspekt ist ein wesentliches Merkmal Bottos, das Mitwirkende anzieht, den kreativen Prozess aufrechterhält und Botto nicht nur ästhetisch, sondern auch wirtschaftlich generativ macht. Mehr erfahren unter: www.botto.com
In der CRYPTOGALLERY #ONE zeigen Christoph Faulhaber und die Kunsthalle Mannheim eine Auswahl von Werken Bottos, die aus verschiedenen Perioden des evolutionär anwachsenden Gesamtwerkes entstammen. Die Titel der Werkperioden werden von der Community vorgegeben und stellen die einzige direkte Einflussmöglichkeit auf Botto dar: Rebellion, Paradox, Fragmentation, Genesis und Absurdism.
Besuch der Ausstellung:
Die CryptoGallery #One kann man nur online von zu Hause aus über die Plattform Decentraland erreichen. Der Login als Gast ist kostenlos. Mehr Informationen und Zugangslink finden Sie unter https://www.kuma.art/de/cryptogallery-one-0
Der Besuch Decentralands setzt eine gute Internetverbindung sowie bestimmte Hardwarespezifikationen voraus, da es sonst zu ruckelnden Bewegungen oder Abbrüchen kommen kann. Nähere Informationen und Tipps findet man direkt bei Decentraland. Alternativ dazu gibt es eine Kuratorenführung mit Heiko Daniels im Auditorium der Kunsthalle Mannheim. Die CryptoGallery #One ist dann als Beamerprojektion zu erleben. Die nächsten Kuratorenführungen finden am 24.05. um 18.00 Uhr, am 14.06. um 18:30 Uhr und am 19.07. um 18.30 Uhr statt.

Kryptomania.
Die Verheißungen der Blockchain

Sind Kryptowährungen ein unkalkulierbares Spekulationsobjekt oder alternative Zahlungsmittel? Befördern sie radikale Dezentralität oder technologische Monopole? Werden sie zu Klimakillern oder stärken sie Transparenz, Selbstbestimmung und Demokratisierungsprozesse? Bei Bitcoin, Ethereum und Co scheiden sich die Geister. Die Ausstellung „Kryptomania. Die Verheißungen der Blockchain“ bringt im Zeppelin Museum Friedrichshafen Werke zeitgenössischer Künstler*innen unterschiedlicher Perspektiven zusammen, um die Potentiale und Risiken von dezentralem Internet, digitalen Zahlungsmitteln oder NFTs kritisch einzuordnen.

Noëlle Kröger, Dr. Julia Schneider, Non-Fungible Comic, 2022-2023 Zeichnungen und Text © Noëlle Kröger, Dr. Julia Schneider, nonfungiblecomic.org
Demokratisierung zählt zu den zentralen Versprechen der Blockchain. BeeDAO ist eine web3-Organisation, die artenübergreifende Demokratie und Ökonomie prototypisch untersucht und praktiziert.. © Zeppelin Museum Friedrichshafen, Foto/Photo: Tretter ZM_
Im Themenbereich Nachhaltigkeit findet sich das Video Crypto Farmers des Künstlers Nick Aldridge, das zeigt, wie sich Bauern in Wales mithilfe von Kryptomining-Anlagen, die durch die bei der Tierhaltung anfallenden Biogase betrieben werden, neue Verdienstmöglichkeiten erschließen. / The Sustainability section includes the video Crypto Farmers by artist Nick Aldridge, which shows how farmers in Wales are opening up new earning opportunities with the help of cryptomining systems powered by the biogases produced by livestock farming. © Zeppelin Museum Friedrichshafen, Foto/Photo: Tretter

Wie nichthierarchische Organisationsstrukturen im Digitalen neue Räume für Kollaboration, Aktivismus und Widerstand öffnen und wie eine Gesellschaft aus menschlichen und nichtmenschlichen Akteuren funktionieren könnte, untersucht das BlockLab mit praktischen Grundlagen, sodass die lernende Ausstellung durch den Diskurs mit ihren Besucher*innen stetig wächst.
Kryptowährungen basieren auf der Blockchain-Technologie. Ihre Erfindung kommt vielen einer digitalen Revolution und Zeitenwende gleich: Digitale Zahlungen können in Sekundenschnelle und autonom, ohne Intermediäre wie Banken, verschickt werden, da die Gültigkeit der Transaktionen durch die Transparenz der Blockchain zu jeder Zeit und an jedem Ort nachvollziehbar ist. Kryptowährungen ermöglichen dadurch, so die Verfechter*innen, barrierearme Zugänge zum Finanzsystem, DAOs (Dezentralisierte Autonome Organisationen) etablieren digitale Genossenschaftsformen, Smart Contracts ersetzen Banken oder Notare, Tokenisierungen schaffen Teilhabe an Vermögenswerten. In El Salvador werden Kryptowährungen bereits zum gesetzlichen Zahlungsmittel. Doch was bedeutet Demokratisierung und wie dezentral operieren Blockchain-Technologien wirklich? Kann die Macht globaler Unternehmen reduziert werden oder bilden sich neue Monopole in finanzieller und technologischer Hinsicht? Und was bedeutet es, wenn ein hoch verschuldeter Staat wie El Salvador auf eine volatile Kryptowährung setzt?
Die Ausstellung nimmt sich dieser Fragen in der Auseinandersetzung mit verschiedenen künstlerischen Positionen an. Kollaborationen menschlicher und nichtmenschlicher Akteure, veränderte Möglichkeiten des politischen Aktivismus und DAOs als neue Organisationsformen werden mit ihren Chancen und Risiken diskutiert. Einen Einstieg bietet das Non-Fungible Comic von Comic-Essayistin Julia Schneider und Künstlerin Noëlle Kröger, das die ökonomischen und technologischen Grundlagen von NFTs erklärt. Wie neue Wirtschaftsräume etabliert werden können, zeigt die Künstlerin und Programmiererin Sarah Friend auf. Als Teil des Kollektivs Circles beschäftigt sie sich mit der Frage, wie eine blockchainbasierte, gemeinschaftseigene Währung entwickelt werden kann, die sich nicht am Prinzip der Kapitalakkumulation orientiert. Geld wird als Gemeingut neu gedacht und monatlich ein bedingungsloses Grundeinkommen mithilfe von Smart Contracts ausgezahlt, das auf der xDAI Blockchain basiert. Unabhängig von Banken oder Nationalstaaten wird so ein eigenes dezentrales, ökonomisches System aufgebaut.
Der Einsatz von Blockchain-Technologien ermöglicht auch neue Räume von Gemeinschaftlichkeit in der artenübergreifenden Kooperation. Nichtmenschlichen Akteuren wird Handlungsmacht gegeben, mithilfe blockchainbasierter Codes werden die Gemeinschaft, ihr Vermögen und ihre Finanzmittel transparent und dezentral verwaltet. BeeDAO ist eine web3-Organisation, die das Wohlergehen von Bienen sichern möchte. Bienen und Menschen können der DAO beitreten, indem sie ihre Daten (proof-of-life) beisteuern oder eine NFT-Mitgliedschaft eingehen, die in Versammlungen zu Abstimmungen genutzt werden kann. Dafür können auch Delegierte über Bestäubung ernannt werden, die die Interessen vertreten und Vorschläge zur Verbesserung des Bienenlebens einbringen. terra0 ermöglicht einem Wald die digitale Selbstverwaltung. Holz und andere wirtschaftliche Erträge werden mittels Blockchain-Technologie so gesteuert, dass der Wald mit der Außenwelt über automatisierte Smart Contracts interagiert und dadurch zum einzigen An-teilseigner seiner Produktion wird. Darüber hinaus erhebt der Wald Daten über sich, mithilfe von Drohnen kann Saatgut verteilt oder ein Jäger engagiert werden, der sich um das Damwild kümmert.

Neue Formen für Aktivismus und Widerstand werden bei Künstler Egor Kraft sichtbar. Er untersucht das technologische Potenzial hinter Blockchain-Anwendungen, um die Verbreitung von Propaganda und Fehlinformationen, wie es zurzeit im Kontext des Ukraine-Kriegs passiert, zu verhindern. So hat er Prototypen entwickelt, die Journalist*innen ein blockchainbasiertes Set an Werkzeugen zur Verfügung stellen, um die erweiterten Metadaten ihres Film- und Fotomaterials aufzuzeichnen. Bereits während der Bild- und Filmaufnahmen können diese registriert und fälschungssicher gespeichert werden. Da nachträgliche Änderungen auf der Blockchain nicht möglich sind, wird so ein dezentrales öffentli-ches Beweisarchiv mit einem effektiven Faktennachweis etabliert.

Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Vermittlungsprogramm, das die Entwicklungen rund um die Blockchain, das web3 und die Metaversen, ihre Potentiale und Risiken kritisch einordnet. Das BlockLab vermittelt in Zusammenarbeit mit lokalen Partner*innen und Communities die Grundlagen der Blockchain-Technologie, hinterfragt die zentralen Konzepte Kryptographie, Dezentralität, Transparenz und Unveränderbarkeit und stellt Anwendungsbereiche bei den Vereinten Nationen, im Gaming oder in Musik-NFTs vor. Als weitere Perspektive werden lokal ansässige Unternehmen eingeladen, Bereiche vorzustellen, in denen sie bereits mit Blockchain-Technologien arbeiten. Aber auch der Energieverbrauch von Kryptowährungen und der CO2e-Abdruck sollen analysiert werden. Der Diskurs steht dabei stets im Mittelpunkt. Die lernende Ausstellung wird sich im Laufe der Zeit verändern, nicht nur, um der schnelllebigen Technologie gerecht zu werden, sondern auch um den gemeinsamen Lernprozess aufzuzeigen.
Bis 07.04.2024 im Zeppelin Museum

 

Transform!

XTU architectes, X_Land, Rendering, 2020 © XTU architectes

Energie ist die zentrale Antriebskraft unserer Gesellschaft; Energie ist politisch; Energie ist unsichtbar. Sämtliche Bauten, Infrastrukturen und Produkte für die Gewinnung, Verteilung und Nutzung von Energie werden jedoch von Menschen gestaltet. In der aktuellen und dringend notwendigen Energiewende spielt Design daher eine wichtige Rolle. Die Ausstellung im Vitra Design Museum »Transform! Design und die Zukunft der Energie« widmet sich der radikalen Transformation des Energiesektors aus der Designperspektive: vom Alltagsprodukt für die Nutzung erneuerbarer Energien bis zur Gestaltung von Solarhäusern und Windkraftanlagen, vom intelligenten Mobilitätskonzept bis zur Zukunftsvision energieautarker Städte. Dabei beleuchtet und hinterfragt die Ausstellung den weltweiten Bedarf nach Energie. Wie kann Design dazu beitragen, dass erneuerbare Energien stärker genutzt werden und der Energieverbrauch reduziert wird? Was müssen Industrie und Politik, was können wir alle zum Gelingen
der Energiewende beitragen?

Charles und Ray Eames, Solar Do Nothing, Machine, 1957 © Eames Office / LLC

23. März 2024 bis 1. September 2024, Vitra Design Museum

Buch-Katalog

Die Publikation »Transform! Design und die Zukunft der Energie« beleuchtet die radikale Transformation des Energiesektors aus der Designperspektive. Sie umfasst eine breite Palette an Themen, von Alltagsprodukten für die Nutzung erneuerbarer Energien bis hin zu Zukunftsvisionen energieautarker Städte.
Der Architekturhistoriker Daniel Barber beleuchtet die Entstehungsgeschichte der ersten Solarhäuser, die Literaturwissenschaftlerin Donatella Germanese untersucht die Kampagne „Atoms for Peace“ und Carola Hein, Professorin für Architektur und Stadtplanung an der TU Delft, zeigt auf, wie die Abhängigkeit vom Erdöl bis heute den Planeten prägt.

Ein Auszug aus den Fortschrittsmythen des Kulturkritikers Ivan Illich stellt die Frage, wie sich Energie und Gerechtigkeit zueinander verhalten und wie viel Energie wir eigentlich wirklich brauchen.
Softcover mit Leineneinband, fadengeheftet
24 x 32 cm
ca. 196 Seiten, ca. 221 Abbildungen
Sprache: Deutsch
ISBN 978-3-945852-59-0
55,00 €
inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten

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Sklaven mit Strapsen

Diese Bilder und Figuren kennt jeder: die gefährliche Schlange, den kauzigen Vogelfänger, den schönen Prinzen, der sich in das Bild der schönen Prinzessin verliebt, die gute Königin der Nacht, die ihre Tochter zurückhaben will, den bösen Priester Sarastro. Oder umgekehrt: die böse Königin und den auf fast unerträgliche Weise guten Sarastro. Sie alle gehören zu einer Oper, die vielen als Einstiegsstück ins Musiktheater gilt. Auch wegen Mozarts Musik, die zwischen Singspiel, Volkstümlichkeit, „hohem“ Opern-Ton und hochartifiziellen Koloraturen hin- und her kobolzt. Seitdem der Deutsche Bühnenverein die Aufführungszahlen an den Opernhäusern des Landes erfasst, liegt „Die Zauberflöte“ vorne.

Szenenfoto: Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart, Inszenierung von Barrie Kosky, Foto: Martin Sigmund

Dabei ist das Stück schwer zu inszenieren. Es erzählt gleich mehrere Geschichten gleichzeitig, und es steckt voller Ungereimtheiten. Und gerade dies hat Barrie Kosky 2012 gereizt. In seiner ersten Spielzeit als Intendant der Komischen Oper Berlin hat der australische Regisseur das Stück gemeinsam mit den beiden Animationsspezialisten der britischen Gruppe 1927 als Revue inszeniert, die von Elementen des Stummfilms ebenso lebt wie von Assoziationen an Comic und Trickfilm. Weil dabei nicht nur eine neuartige Form der Opernbebilderung herauskam, sondern ein wirkliches Miteinander von Film und Bühnenaktion, und weil der Abend auf wundervolle Weise alles zugleich ist – Opernmärchentheater, Zelluloid-Spektakel, Kintopp-Bilderkiste, Klamauk und tiefer Ernst –, wurde die Produktion zu einem Verkaufshit. In 23 Ländern, auf vier Kontinenten, vor gut 600 000 Menschen ist diese „Zauberflöte“ schon gezeigt worden.

Szenenfoto: Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart, Inszenierung von Barrie Kosky, Foto: Martin Sigmund

Auch an der Staatsoper Stuttgart sollte das so sein. Dann aber kam die Pandemie, und um die Premiere zu retten, fügte man dem Neben- und Miteinander von Film und Live-Aktion noch eine weitere Ebene hinzu: Auf der Bühne standen anstelle von Sängern Statisten- und Tänzer-Doubles mit Mund-Nasen-Masken, die auch körperliche Nähe möglich machten. Gesungen wurde aus den Proszeniumslogen. Den Orchesterpart übernahm ein kleines Ensemble, der Staatsopernchor sang aus dem Off.

Text: Susanne Benda

Szenenfoto: Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart, Inszenierung von Barrie Kosky, Foto: Martin Sigmund

Jetzt dürfen die Sängerinnen und Sänger, angeführt von den Damen Klatsch, Tratsch und Schwatz (alias: die drei Damen), einander auf der Bühne wieder nahekommen, und so wird man nicht nur die Kostüme im Stil der 1920er Jahre mitsamt ihren filmischen Anspielungen (Papageno als Buster Keaton, Monostatos als Nosferatu) ganz anders erleben als in Corona-Zeiten, sondern auch Koskys Mischung von Bühnenaktion und (projizierten) gezeichneten Comic-Elementen. Da schweben Noten, Herzen, rote Lippen, Feen und rosa Elefanten durch den Raum. Da schleudert die Königin einen Blitz auf den schockverliebten Tamino. Da wringt Pamina ein tränennasses Taschentuch Papagenos über einer Pflanze aus, die dann die ganze Bühne überwuchert. Durch Sarastros Reich rollen (endlich wirken die Priesterchöre mal nicht so schrecklich salbungsvoll!) merkwürdige mechanische Figuren. Und zum „Das klinget so herrlich“ verlängert der Film die Körper der Sklaven um Damenbeine mit Strapsen, die zum Beat der Musik zucken. Der Film entgrenzt die Bühne – jetzt in ihrer ganzen Fülle und Lebendigkeit. Und diese Inszenierung entgrenzt unsere Fantasie und unsere Vorstellungen davon, wie „Die Zauberflöte“ auszusehen habe. Unbedingt hingehen!

Vorstellungen:  17., 20., 22., 23. Februar,
13. März. Karten: 07 11 / 20 20 90 oder
www.staatsoper-stuttgart.de