Sehenswerte und preisgekrönte Bauten aus dem ganzen Land finden Interessierte über eine App der Architektenkammer Baden-Württemberg. Darunter sind öffentliche, private und gewerbliche Bauten, sie können neu sein oder renoviert. Man kann in einem bestimmten Umkreis nach interessanten Bauwerken suchen oder über andere Kriterien, wie etwa den Namen des Architekten. Die App gibt es auf Deutsch, Englisch und Französisch.
Die App ist für iOS (ab Version 8.0) und Android (ab Version 4.4) verfügbar und steht im App Store und im Google Play Store zum Download bereit.
Luigi Colani. Popstar des Designs
Design-Visionär und Design-Revolutionär, der Name Luigi Colani steht wie kein anderer für neue deutsche Designkultur. In ihrer Winterausstellung präsentiert die Galerie Stihl Waiblingen den Designer Luigi Colani, der 2019 verstorben ist. Gerade Linien und Ecken sucht man vergebens in Colanis Werk; die Natur inspirierte Colani zu runden und organische Formen oder wie es Colani auf den Punkt brachte: „90% Natur, 10% Colani“. Mit seinen knallig bunten Kunststoffmöbeln entwickelte sich Colani in den 70er Jahren zum Popstar des Designs. Von Alltagsgegenständen wie Brillen und Teeservices über Sitzmöbel bis hin zu aerodynamischen Autos und Flugzeugen, Colani widmete sich allen Bereichen des Lebens, um den Menschen das Leben mit seinen Ideen zu erleichtern. Er war mit seinen Visionen seiner Zeit weit voraus. Ab dem 18. November sind in der Galerie Stihl Entwurfszeichnungen und Skizzen von Prototypen von der Hand Colanis im Dialog mit Möbelstücken und einzigartigen Designobjekten zusehen.

In den 1960er Jahren avancierte Luigi Colani (1928-2019) zu einem der einflussreichsten deutschen Industriedesigner. Er rebellierte mit seinen knallbunten Kunststoffobjekten in runden und futuristischen Formen gegen das deutsche minimalistische Design der Nachkriegszeit. Colani gelang es nicht nur aufgrund seiner Schöpfungen, sondern mit seinem Namen, als Marke bekannt zu werden und als Urheber seiner Produkte aufzutreten. Alle seine Werke tragen seine Signatur: den Colani-Schriftzug und später das Signet mit charakteristischem Colani-Portrait. Er inszenierte sich als Schlossherr mit Schnauzer, weißer Kleidung und Zigarre oder als Jäger von Geschwindigkeitsrekorden mit aerodynamischen Fahrzeugen und etablierte sich mit kantigen Sprüchen als Popstar des Designs.
Überraschend muten, neben dem Popstar-Image, die weiteren Facetten des Designers an. Bereits als Kleinkind schuf Colani erste plastische Objekte und gestaltete sein Spielzeug selbst. Ein Studium der Bildhauerei und Malerei an der Berliner Hochschule der Künste brach der gebürtige Berliner ab. Es zog ihn nach Paris an die Sorbonne. Hier, an der ältesten Universität Frankreichs, studierte Luigi Colani Aerodynamik und erlernte die Grundlagen für sein Biodesign, wie er seine ureigene spätere Formensprache nannte. Ergonomische und die von der Natur inspirierten runden und organischen Formen kennzeichnen das Biodesign, das, wie Colani sagte, „Neunzig Prozent Natur und zehn Prozent Colani – höchstens!“ beinhaltete. Dieser Anspruch offenbart sich in der Schau: Sie zeigt über alle Ausstellungssektionen hinaus die von runden Formen dominierten Objekte, weder gerade Linien noch Ecken und Winkel werden sichtbar.

Im Mittelpunkt von Colanis Ideen steht sein Manifest YLEM (griech. „Urmaterie“) aus dem Jahr 1971. Darin entwickelte Luigi Colani auf 120 losen Blättern eine allumfassende Designtheorie des Lebens und der Zukunft des Menschen. Das YLEM setzt sich aus Zeichnungen und Fotografien sowie erläuternden Texten zu den Abbildungen zusammen. Ausgehend vom YLEM und dessen Aufteilung in Themenblöcke, wie beispielsweise Wohnen, Gesellschaft oder Auto, sind verschiedene Ausstellungssektionen abgeleitet. Die YLEM-Blätter führen durch die Inhalte der Schau und sind neben weiteren Entwürfen im Original zu sehen.
Es verblüfft immer wieder, wie lebensnah und gleichzeitig visionär das YLEM ist. So hat Colani mit seinen Vorhersagen die gegenwärtige Wirklichkeit oftmals vorweggenommen; früh entwarf er beispielsweise ein elektronisch angetriebenes Minifahrzeug oder prognostizierte das Ende des klassischen Automobils. Gleichzeitig bleibt, fasziniert von Geschwindigkeit und Aerodynamik, Colanis Leidenschaft für Fahrzeuge, ob zu Land, zu Wasser oder in der Luft, bis zu seinem Lebensende bestehen. In der Ausstellung findet sich seine Begeisterung in Fahrzeugentwürfen, 3D-Modellen und original Colani-Fahrzeugen wieder.
Die Schau reicht von ersten Entwürfen Luigi Colanis bis in die 2000er Jahre und umfasst dabei spektakuläre Objekte, so einen Colani-GT Sportwagen aus den 1960er Jahren. Sie werden ergänzt um eine Vielzahl von originalen Entwürfen und Zeichnungen aus einer Privatsammlung. Der Dialog von Objekten und angewandten Zeichnungen gibt einen Einblick in das wegweisende Form- und Designverständnis Luigi Colanis, des Popstars des Designs. Mit seinen ikonischen Designs ist er weltweit in Sammlungen, wie dem MoMA New York, vertreten.
Weitere Informationen finden Sie hier
Hommage à Härtling

Am 13. November 2023 wäre der Schriftsteller und Nürtinger Ehrenbürger Peter Härtling 90 Jahre alt geworden. In seinem Leben verdichtet sich deutsche Geschichte – und zeigt sich die Aktualität einer von Flucht geprägten Identität. 1946 kam Härtling nach Nürtingen, wo er wenig später Fritz und Hildegard Ruoff kennenlernte. Insbesondere mit dem Maler und Bildhauer verbindet Peter Härtling eine lebenslange Freundschaft.
Die aktuelle Ausstellung, Hommage À Härtling in der Ruoff Stiftung in Nürtingen beleuchtet noch bis 14. November die wechselvolle und doch innige Beziehung Peter Härtlings zu dem Ehepaar und zu Nürtingen. Präsentiert werden Briefe, zum Teil unveröffentlichte literarische Zeugnisse und Werke Fritz Ruoffs aus der Sammlung von Mechthild Härtling. Zur Ausstellung ist außerdem ein Heft der renommierten Marbacher Reihe SPUREN erschienen, geschrieben von Andreas Warausch, der Härtling mehrfach interviewt hat.

Ebenfalls begleitend zur Ausstellung präsentiert die Stadtbücherei viele Bücher von und über Peter Härtling.
Weitere Info: www.ruoff-stiftung.de, Fon 07022 75-347
Voices
Was treibt junge Menschen dazu an, Sänger, Schauspieler, Musiker, Dirigenten oder Regisseure zu werden? Was hat den Wunsch geweckt: „Das möchte ich auch können!“? Welche Erlebnisse und Begegnungen waren entscheidend?


In dem opulenten Bildband VOICES (STIMMEN) erzählen 70 bekannte Künstlerinnen und Künstler (u.a. Jonas Kaufmann, Diana Damrau, Sol Gabetta, Jörg Widmann, Sunnyi Melles) von ihren ganz persönlichen Schlüsselmomenten in Familie und Schule sowie von persönlichen Erfahrungen mit Werken und Komponisten, Lehrern und Mentoren, Dirigenten and Regisseuren. Sie erklären warum die Bühne als emotionales Kraftwerk unvergleichlich ist. Und warum sie trotz Stress, Angst Zweifel and Rückschlägen für sie der ideale Lebens-raum bleibt. Ergänzt wird der Bildband von Porträts zu Ikonen wie Maria Callas, Christa Ludwig sowie Essays von Elke Heidenreich und Jürgen Kesting. Texte und Künstlergespräche haben auch die beiden Initiatoren des Projekts, Mäzenin and Sängerin Christine Cerletti und der Journalist Thomas Voigt (Redakteur bei Opernwelt and Chefredakteur des Klassik Magazins Fono Forum) beigesteuert. Zusammen mit einer exzellenten Bildauswahl vermittelt das Buch ein äußerst lebendiges und gelungenes Stück Musikgeschichte seit 1945 bis heute.
VOICES Prägende Musik- und Theatererlebnisse
ISBN 978-3-903439-44-3 (Deutsch) , Verlag für moderne Kunst
Um 1500. Europa zur Zeit
Albrecht Dürers
Wir schreiben das Jahr 1500 – die Menschen in Europa stehen tief in der Tradition des Mittelalters. Zugleich bricht aber auch mit Macht ein neues Zeitalter an: Amerika wird erschlossen. Die Möglichkeit des Buchdrucks stellt die Welt auf den Kopf. Der Humanismus rückt den Menschen in den Mittelpunkt. Eine neue Kunst entsteht, die Renaissance. Und aus dem ewigen Wunsch nach einer Reform der katholischen Kirche resultiert die Spaltung in viele Konfessionen. Der Geschichtshistoriker Romedio Schmitz-Esser entfaltet ein faszinierendes Panorama Europas am Beginn der Neuzeit. Durch die Brille des Universalgenies Albrecht Dürer erleben wir die vielfältige Lebenswirklichkeit einer ungemein dynamischen Epoche. Dürer war Maler und Mathematiker, Kupferstecher, Vielreisender und Tagebuchschreiber. Durch Ihn als Zeitgenossen lernen wir (fast) alles über Kindheit, Familie und Sexualität; erkunden Handwerk, Handel und Bankwesen; reisen von Nürnberg nach Venedig oder Antwerpen.

Romedio Schmitz-Esser ist Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Heidelberg. Seine literarischen Arbeiten zeichnen sich besonders dadurch aus, dass sie die Brücke zwischen Geschichte, Kunstgeschichte und Archäologie zu schlagen vermögen.
Um 1500. Europa zur Zeit Albrecht Dürers,
ISBN 978-3-8062-4608-7, Verlag wbg Theiss
Stuttgarter Buchwochen
Auch in diesem Winter steht Stuttgart wieder im Zeichen des Büchermachens und Bücherlesens: Etwa 150 deutschsprachige Verlage präsentieren vom 16.11. – 3.12. im Haus der Wirtschaft Schwerpunkte aus ihrem Verlagsprogramm. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Sonderpräsentationen und ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm. Neu sind die Thementage ›Nachhaltigkeit‹, ›Gesundheit‹ und ›Gesellschaft‹ sowie ›New Adult‹ und ›Hören statt Lesen‹.
Programmhighlights:
30.11. Denis Scheck: »Meine Lieblingsbücher 2023«
Denis Scheck hat bereits im Alter von 13 Jahren eine
literarische Agentur gegründet. Lange arbeitete er als
Literaturkritiker im Radio, heute ist er Moderator der
Fernsehsendungen »Lesenswert« im SWR.
Am 30. November stellt er seine persönliche
literarische Bestenliste vor.
21.11. Lesung und Gespräch
Maren Kroymann liest Annie Ernaux: »Das andere Mädchen«
Annie Ernaux ist zehn Jahre alt, als sie ein Gespräch zwischen ihrer Mutter und der Nachbarin mithört und dadurch zufällig von ihrer Schwester erfährt, die bereits vor Annies Geburt verstorben ist. Jahrzehnte später schreibt Ernaux ihr einen Brief. Aber was gibt es einer Schwester zu sagen, der man nie begegnet ist? Die bekannte Schauspielerin und Kabarettistin Maren Kroymann hat dieses und weitere Bücher der Literaturnobelpreisträgerin 2023 als berührende Hörerlebnisse eingelesen. In einem Gespräch mit Claudia Gehre berichtet sie anschließend von ihren persönlichen Leseeindrücken sowie ihren Erlebnissen und Reflexionen beim Einlesen des Hörbuchs.
16.11. Podiumsdiskussion mit Table Sessions
KI als Kreativbooster für Publishing und Verlage
Welche Potenziale aber auch Herausforderungen für Verlage, Lektorat, Redaktion bedeutet KI? Als Gäste diskutieren:
Dr.Julia König (Ehrenmüller GmbH); Jonas Al-Nemri
(Skriptbakery); Dr. Andreas Falkinger (Klett-Cotta);
Phillip Lindinger (Herder Verlag);
Prof. Dr. Michael Veddern (HdM);
Iris Bode (Haufe Group).
Eintritt frei, Anmeldung erforderlich
17.11. Lesung und Gespräch mit Joachim Gauck:
»Erschütterungen – Was unsere Demokratie
von außen und innen bedroht«
Moderation: Muhterem Aras, Landtagspräsidentin
Weitere Info und Gesamtprogramm: https://buchwochen.de
HOLO HARMONIES – Der Tod und das Mädchen
Was sich das Stuttgarter Kammerorchester (SKO) mit der Weltpremiere von HOLO HARMONIES vorgenommen hat, ist eine echte Innovation innerhalb der Kulturszene: Modernste Technik mit 4K-Auflösung verbindet zwei Spielstätten, die fast 600 km voneinander entfernt liegen. Das Orchester wird unter der Leitung von Thomas Zehetmair gemeinsam mit dem Tschechische Nationalballett live und zeitgleich als täuschend echte Hologramme an die Seite der physisch anwesenden Künstler*innen auf die jeweils andere Bühne im Festspielhaus Baden-Baden und in der Staatsoper Prag „gebeamt“.

Neu ist jedoch nicht nur die digitale Technik, auch szenisch verbindet die Produktion in der XR-Regie von Jana Günther gleich drei Uraufführungen: die neue Kreation des italienischen Starchoreographen Mauro Bigonzetti für das Tschechische Nationalballett, der elektronische Soundtrack von Sven Helbig, als zeitgenössische Fortschreibung von Franz Schuberts Der Tod und das Mädchen, sowie die Animationen von Moritz Mayerhofer, die ein filmisches Element ins Spiel bringen und eine visuelle Meta-Dimension eröffnen. So gewinnt Franz Schuberts ikonisches kammermusikalisches Werk, ergänzt durch Helbigs Kompositionen und gespiegelt in Tanz und Film, noch zusätzliche Bedeutungsebenen. Dem Publikum verspricht HOLO HARMONIES in jedem Fall ein einzigartiges Erlebnis: die Begegnung von Mensch und Transzendenz, eine Reise in andere Sphären – getragen und geschaffen durch das innovative, intensive Zusammenspiel dreier Künste.

HOLO HARMONIES – Der Tod und das Mädchen
Weltpremiere
Freitag, 1. Dezember 2023 um 20:00 Uhr
Stuttgarter Kammerorchester und Tschechisches Nationalballett
Karten: Ticket Hotline+49 (0) 72 21/30 13-101 und www.festspielhaus.de
Festspielhaus Baden-Baden und Staatsoper Prag
Eine Produktion des Stuttgarter Kammerorchesters in Kooperation mit dem Tschechischen Nationalballett
Musik: Franz Schubert, Streichquartett Nr. 14 d-Moll Der Tod und das Mädchen (eingerichtet für Streichorchester) // Uraufführung Sven Helbig – Prolog und Interludien zu Schuberts Streichquartett Nr. 14
Musikalische Leitung: Thomas Zehetmair
Live-Elektronik: Sven Helbig
Choreographie: Mauro Bigonzetti
XR-Regie: Jana Günther
Animationsregie: Moritz Mayerhofer
Gesamtkonzept: Jana Günther, Markus Korselt, Tobias Scherer
XR-Konzept: Jana Günther, Tobias Scherer
Stuttgarter Kammerorchester
Tschechisches Nationalballett
Über Mauro Bigonzetti
Mauro Bigonzetti ist aus der europäischen Ballettwelt nicht wegzudenken. Schließlich gilt der langjährige künstlerische Leiter von Aterballetto als großer Neuerer des modernen Tanzes, nicht nur in Italien. Fast wie ein Bildhauer legt er mit seiner unverwechselbaren Bewegungssprache zwischen zeitgenössisch und klassisch die atemberaubende Schönheit des Körpers frei. Trotzdem sind seine Schöpfungen alles andere als akademisch. Dafür ist Bigonzetti zu sehr verwurzelt in der lebensprallen Volkskultur seiner italienischen Heimat, von der er sich häufig musikalisch inspirieren lässt, unter anderem in seinem signature piece Cantata.
Franz Schuberts Der Tod und das Mädchen hat er übrigens schon einmal choreographisch umgesetzt, in Kombination mit den antipodischen Klängen von Helmut Lachenmann. In seinem berühmten Pression von 1994 modellierte Bigonzetti die Körper seiner Tänzer*innen poetisch, sehr plastisch und mit beeindruckender tänzerischer Virtuosität. Man darf gespannt sein, wie die erneute Auseinandersetzung mit diesem Stoff ausfallen wird. Das Tschechische Nationalballett ist Mauro Bigonzetti übrigens bestens vertraut – seine erste Kooperation mit Prag war 2019 das abendfüllende Ballett Kafka: The Trial.
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Über Sven Helbig
Sven Helbig (*1968) zählt zu den profiliertesten und vielseitigsten deutschen Komponisten der Gegenwart. Stilistisch kommt er von der elektronischen und minimalistischen Musik – die er vorwiegend für traditionell besetzte Orchester und Ensembles instrumentiert. Das macht Helbigs Werke gleichermaßen anschlussfähig in der Klassikszene wie im Pop. Entsprechend selbstverständlich kooperiert der Co-Gründer der Dresdner Sinfoniker einerseits mit den BBC Singers, dem Fauré Quartett oder dem Cellisten Jan Vogler und auf der anderen Seite mit den Pet Shop Boys, Rammstein oder Snoop Dogg.
Helbigs Originalmusik für HOLO HARMONIES besteht aus einem Prolog und drei Interludien, die zwischen den einzelnen Sätzen Schuberts zu hören sind. Für die Begegnung von Mensch und Unendlichkeit hat er ein ganz spezielles Register gewählt, die sogenannte Drone Music. Sie arbeitet mit Borduntönen und langgezogenen Tonclustern, um eine große, in diesem Fall extreme Dehnung zu erzeugen. Konkret hat Helbig Passagen aus Schuberts Vorlage um 800 Prozent elektronisch verlangsamt, um eine Wahrnehmung außerhalb unseres Zeitgefühls zu erzeugen. Dazu Helbig: „Der Tod ist in meiner Deutung keine Märchenfigur, kein wilder Knochenmann, sondern etwas Fluides, der aus dem Unendlichen auftaucht und wieder eintaucht. Unser zeitlich begrenztes Leben spielt sich sozusagen vor einem ewig währenden Hintergrund ab – so wie die Stille ja nicht aufhört zu existieren, auch wenn jemand spricht.“
Mehr unter: www.svenhelbig.com
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Über Thomas Zehetmair
In der Saison 2019/2020 übernahm Thomas Zehetmair die musikalische Leitung des Stuttgarter Kammerorchesters und treibt gemeinsam mit dem Intendanten Markus Korselt die konsequente Innovationsstrategie des SKO weiter voran. Parallel bekleidet er seit 2021 den Posten als Chef principal des Orchestre National d’Auvergne und ist Conductor Laureate der Royal Northern Sinfonia, die er von 2002 bis 2014 als Music Director leitete zu einem der führenden Orchester Englands formte. Thomas Zehetmair gelingt das Kunststück, als Violinist, Kammermusiker und Dirigent gleichermaßen erfolgreich zu sein. So scheinbar mühelos wie seine Rollen wechselt der gebürtige Österreicher auch das Repertoire. Das Klassisch-Romantische und die Moderne liegen ihm ebenso wie das Zeitgenössische. Als Kammermusiker ist er seit 1994 mit dem Zehetmair Quartett auf den internationalen Konzertpodien präsent. Als Geiger bringt er regelmäßig Stücke zur Uraufführung, darunter auch das ihm gewidmete Violinkonzert von Heinz Holliger. Eine Fülle preisgekrönter Einspielungen und die Zusammenarbeit mit Dirigenten wie Sir Simon Rattle, Daniel Barenboim oder Herbert Blomstedt zeugen von seinem weltweiten Standing als Solist. Besondere Beachtung fand zuletzt seine Neueinspielung der Sei soli von Bach auf Barockgeige. Sie eröffnete die Bestenliste der New York Times 2019, war eine von sechs ZEIT-Empfehlungen des Jahres und gewann den Opus Klassik 2020 für die beste solistische Einspielung.
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Animation & XR
Das spektakuläre virtuelle Universum von HOLO HARMONIES ist ein gemeinschaftliches Gesamtkunstwerk von Jana Günther, Tobias Scherer und Moritz Mayerhofer. Alle drei haben ihr Know-how an der Filmakademie Baden-Württemberg erworben und sind nach ihrem Diplom in eine erfolgreiche Karriere im Bereich Film und Medien gestartet. Ebenfalls verbindet die Drei ihre Vorliebe für Produktionen auf dem aktuell avanciertesten Stand der Technik.
HOLO HARMONIES ist das Ergebnis von vier Jahren Entwicklungsarbeit und operiert einmal mehr an der Grenze des derzeit technisch Machbaren, mit einem hohen Echtzeit-Anteil und höchsten Anforderungen an die Präzision der sich überlagernden Ebenen von Projektion, Musik und Tanz. Ein „maximal immersives Erlebnis für das Publikum“ wünscht sich XR-Director & Creative Producer Jana Günther folgerichtig für das Publikum. Und gleichzeitig eine schillernde, entrückte, mehrdeutige Erfahrung. So wie der ständig changierende visuelle Kosmos, den die Drei für HOLO HARMONIES entworfen haben. Ein Flow von Bildern, die die Schwebe halten zwischen Diesseits und Jenseits. Nicht festlegen lässt sich im Übrigen auch die Produktion selbst. Dazu noch einmal Jana Günther: „Bei der Arbeit an HOLO HARMONIES fasziniert mich, wie wir eine ganz neue Dimension von Gleichzeitigkeit schaffen. Denn wir werden dank der Technik an beiden Orten das Gleiche erleben – aber nie dasselbe sehen!“
Jana Günther
hat sich auf die Entwicklung profilierter digitaler, meist transdiziplinärer Projekte für Kulturinstitutionen spezialisiert. Möglich macht das ihre reiche Erfahrung in so unterschiedlichen Rollen wie Autorin, XR-Regisseurin und Creative Producer. Die notwendige Praxis sammelte sie unter anderem in Stationen beim Saarländischer Rundfunk, der Grundy UFA und Constantin Television. Als Autorin war sie außerdem beteiligt am Erfolg der Wegesrand-Produktion Wo ist Goldi? – Sicher Surfen im Netz, die mit dem kanadischen International Serious Play Award 2022 ausgezeichnet wurde.
Mehr unter: www.super-volt.de
Moritz Mayerhofer
ist Animationsregisseur, Autor und Gründer von StudioNICE creative. Seine Arbeiten wurden auf Festivals weltweit gezeigt und erhielten zahlreiche Preise, allen voran sein Kurzfilm Urs, der 2011 auch auf der Short List für einen Oscar stand. Erst vor wenigen Tagen war Mayerhofer an einer viel beachteten Premiere im Londoner Barbican Centre beteiligt – mit animierten Konzertvisuals zu Alev Lenz’ Komposition 7 Planets, uraufgeführt von dem Grammy-prämierten Vokalensemble Roomful of Teeth.
Mehr unter: www.moritzmayerhofer.com
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Über das Stuttgarter Kammerorchester
78 Jahre nach seiner Gründung sieht sich das Stuttgarter Kammerorchester (SKO) – mit seinem Führungstrio aus Chefdirigent Thomas Zehetmair, Jörg Widmann als Künstlerischem Partner und Markus Korselt als Geschäftsführendem und Künstlerischem Intendanten – als kulturelle Instanz mit Verantwortung in einer Doppelrolle. Die Tradition bewahren und gleichzeitig klangliche und programmatische Maßstäbe für die Zukunft setzen: Daraus schöpft das SKO seine kreativen Ideen. Ein reiches Repertoire vom Barock bis hin zu Uraufführungen, die Zusammenarbeit mit international bekannten Solist*innen und das selbstbewusste Überschreiten von Genregrenzen mit herausragenden Künstler*innen aus Jazz und Elektronischer Musik in publikumsnahen Formaten machen es zu einem der vielseitigsten Ensembles der Gegenwart mit weltweiter Konzerttätigkeit. Einen besonderen Schwerpunkt legt das SKO auf die Digitalisierung, mit der in schneller Taktung neue Projekte und Visionen entstehen, um Menschen über alle Grenzen hinweg im Hier und Jetzt zu erreichen. Im März 2022 erreichte das SKO als erstes Orchester in Deutschland die Klimaneutralität.
Mehr unter: www.stuttgarter-kammerorchester.com
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Über das Tschechische Nationalballett
Offen für die Tanzmoderne, ohne die großen Klassiker zu vernachlässigen: Mit seiner Entdeckungsfreude und Offenheit für den zeitgenössischen Tanz geht das Tschechische Nationalballett in der vorwiegend klassisch ausgerichteten Tanzszene von Osteuropa einen ganz eigenen Weg. Dafür sorgt nicht zuletzt der Künstlerische Leiter Filip Barankiewicz, ein in der Ballettwelt außerordentlich gut vernetzter Chef, dessen Karriere maßgeblich durch seine Jahre als Erster Solist beim Stuttgarter Ballett geprägt wurde.
Paul Kleinschmidt –
Hymnen der Malerei
Sein zwischen Realismus, Expressionismus und Neuer Sachlichkeit angesiedelter Stil ist unverwechselbar: In Kooperation mit Schloss Achberg widmet die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen dem Ausnahmekünstler Paul Kleinschmidt eine umfassende Retrospektive mit rund 120 Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen und Druckgrafiken. Darunter auch seine weniger bekannten Werke wie seine von Industrie und Fortschritt geprägten Landschaften, in denen er Eindrücke von Reisen nach Oberschwaben, Südfrankreich und New York verarbeitete. Der große Kunstschriftsteller der Weimarer Republik Julius Meier-Graefe, ein entschiedener Verfechter der Kunst Paul Kleinschmidts, nannte ihn einen Dichter und Minnesänger. Seine Bilder seien Hymnen der Malerei – ob im Figurenbild, den Stillleben oder den Landschaften.

Paul Kleinschmidt wurde vor 140 Jahren in eine künstlerisch geprägte Familie geboren. In den 1920er Jahren entwickelte er sich zum Maler des ausschweifenden Berliner Großstadtlebens, der Varietés, Theater und Kaffeehäuser. Von großer Sinnlichkeit sind auch seine opulenten Stillleben. Als Kleinschmidt 1934 – inzwischen nahe Ulm lebend – auf dem Höhepunkt seiner Malerkarriere stand, wurden seine Bilder von den Nationalsozialisten als entartet diffamiert und er selbst ins Exil getrieben. Nach Aufenthalten in der Schweiz, Holland und Frankreich wurde er 1943 zwangsweise ins Deutsche Reich zurückgeführt und starb 1949 im hessischen Bensheim.
Das umfangreiche Begleitprogramm beinhaltet – neben den beliebten Sonntagsführungen um 11.30 Uhr – auch spezielle Führungen für Familien am Nachmittag, für Senior*innen und Menschen mit Demenz am Vormittag sowie After-Work-Kurzführungen mit Aperitif. Darüber hinaus bieten die Kuratorinnen Rundgänge mit anschließendem Kaffee und Kuchen an oder auch mit Gästen wie den beiden Kleinschmidt-Experten Michael Maurer von Schloss Achberg oder Dr. Uwe Degreif sowie der Diplom-Restauratorin Barbara Springmann.
Dauer: 18. November 2023 bis 25. Februar 2024.
Weitere Informationen: https://galerie.bietigheim-bissingen.de,
Fon 07142/74-483 und -819

Weitere Informationen unter www.galerie.bietigheim-
Fon: 07142 74-483
Tonangebend

Fotograf: Peter Gaul
Die aktuelle Sonderausstellung „Tonangebend – Starke Frauen und ihre Kunst 1918 – 1954“ im Keramikmuseum in Staufen präsentiert das Schaffen von zehn herausragenden Keramikerinnen, die in der Zwischenkriegszeit tätig waren. Durch ihre Werke wird nicht nur ihr Streben nach Selbständigkeit und Anerkennung im Bereich der Keramikkunst deutlich, sondern es entsteht auch ein faszinierender Einblick in die stilistischen, kulturgeschichtlichen und politischen Entwicklungen dieser Zeit. Zur Ausstellung ist auch ein Bildband erschienen.
Buch und Ausstellung stellen berühmte Persönlichkeiten wie Eva Zeisel, Margarete Heymann-Loebenstein oder Vally Wieselthier vor, die einen modernen und emanzipierten Frauentypus par excellence verkörperten. Hinzu kommen ebenso weniger bekannte Keramikerinnen wie Martha Katzer, oder auch jene, die nahezu vollständig in Vergessenheit geraten sind, wie Ilse Hohenreuther und Else Bach.
Das Keramikmuseum befindet sich in einem historischen Hafnerhaus in der Altstadt Staufens. Die Töpfertradition wurde in diesem Haus bereits seit dem Mittelalter ausgeübt. Während des 20. Jahrhunderts wohnten und arbeiteten hier der Hafner Josef Maier und der Kunstkeramiker Egon Bregger. Josef Hafner produzierte in der Werkstatt Gebrauchsgeschirr und als die Nachfrage sank, entwickelte er eine bunte, mit volkstümlichen Sprüchen belebte Zierkeramik – und traf damit den Geist eines heimatbegeisterten, städtischen Kundenkreises. Nach seinem Tod übernahm sein Schwiegersohn Egon Bregger den Handwerksbetrieb und verwandelte ihn in eine künstlerische Experimentierstätte. Der Künstler wurde am Bauhaus von Otto Lindig ausgebildet. In seiner Werkstatt in Staufen fertigte er kostbare Einzelstücke an. Seine Vasen und Schalen sind beeindruckende Erzeugnisse keramischen Schaffens des 20. Jahrhunderts. Einiges von der Ausstattung, die Josef Maier und Egon Bregger in ihrer Werkstatt nutzten, ist bis heute erhalten. In dem Museum, in das sich das Wohnhaus mit Werkstatt 1991 wandelte, können eine Tongrube, eine Drehscheibe und zwei unter Denkmalschutz stehenden Holzbrennöfen betrachtet werden. In einer Dauerausstellung werden das Töpferhandwerk und Kunstkeramik nahegebracht. Sechsmal jährlich werden in Wechselausstellungen Keramikarbeiten aktueller Kunstschaffender gezeigt und durch das Landesmuseum Karlsruhe werden jedes Jahr in einer Sonderausstellung Keramikarbeiten aus unterschiedlichen Jahrhunderten gezeigt. Zu den Ausstellungen werden Führungen angeboten und das Museum organisiert gemeinsame Atelierbesuche.

Fotograf: Peter Gaul

1. Februar 2024 – 30. November 2024 im Keramikmuseum Staufen
Öffnungszeiten:
Mi–Sa 14–17 Uhr So 12–17 Uhr
Reality and the Cosmos
In seiner neuen Kreation »Reality and the Cosmos« spielt der
künstlerische Leiter des Dance Theatre Heidelberg Iván Pérez,
mit kosmologischen Visionen auf der Bühne. In Zusammenarbeit
mit der japanischen bildenden Künstlerin Yoko Seyama und
inspiriert von Transformationsprozessen legt Pérez einen starken
Fokus auf unsere Faszination für das Universum. Ausgehend von
der Idee, dass kreative Akte unser evolutionäres Identitätsgefühl
widerspiegeln, lädt »Reality and the Cosmos« das Publikum dazu
ein, unsere Realität aus einer andersartigen Perspektive zu betrachten.
Tänzer*innen und Musiker*innen des Philharmonischen
Orchesters Heidelberg erkunden zu Musik von Bach, Beethoven,
Riley und Sumera neue Territorien und erschaffen ein poetisches
Universum, das reich an musikalischen, körperlichen und visuellen
Kompositionen ist.

Termine:
Mi 22.11. // 19:30
So 26.11. // 19:00
Fr 1.12. // 19:30
Di 5.12. // 19:30
Sa 16.12. // 19:30
Do 28.12. // 19:30
Karten und weiter Informationen unter www.theaterheidelberg.de.