„Schreiben, während
die Welt geschieht“

Vom 11. bis zum 21. Mai 2023 findet in Stuttgart erstmals das Literaturfestival Stuttgart statt.

Im Fokus des Literaturfestivals Stuttgart stehen zeitgenössische lokale, bundesweite sowie internationale Entdeckungen aus Prosa, Lyrik, Nonfiction, Comic/Graphic Novel und mehr. Unter dem Titel „Schreiben, während die Welt geschieht“ will das Festival vielstimmig die diverse Stadtbevölkerung ansprechen sowie Begegnungen und Dialoge ermöglichen. Dabei werden neue Perspektiven auf aktuelle gesellschaftspolitische Diskurse verhandelt und literarische Positionen sicht- und hörbar gemacht. Es wird vom Kulturamt der Landeshauptstadt Stuttgart ausgerichtet, in Kooperation mit dem Literaturhaus Stuttgart, unter Einbeziehung der Stuttgarter Literatur und Kulturszene, des Buchhandels und der Verlage.

Lena Gorelik © Charlotte Troll
Die Autorin Lena Gorelik kuratiert das Literaturfestival Stuttgart 2023.
Lena Gorelik, geboren 1981 in Sankt Petersburg, kam 1992 zusammen mit ihrer russisch jüdischen Familie als „Kontingentflüchtling“ nach Deutschland. Sie veröffentlichte mehrere Romane, ein Sachbuch und schreibt Essays und Reportagen, unter anderem für DIE ZEIT, die Süddeutsche Zeitung und Deutschlandradio. Außerdem arbeitet sie an Theaterstücken und ihrem ersten Drehbuch. Lena Gorelik wurde mit dem Bayerischen Kunstförderpreis, dem Ernst Hoferichter Preis und dem Förderpreis Friedrich Hölderlin Preis der Stadt Bad Homburg ausgezeichnet. Sie lebt mit ihrer Familie in München.

Überspringende
Erkenntnisfreude

Er ist unbestritten eine der wichtigsten Stimmen des deutschen Literaturbetriebs, ein Mensch des Geistes und der Bücher – Rüdiger Safranski.

Rüdiger Safranski 2010 © Peter-Andreas Hassiepen

Die Klassiker der Literatur stehen bei ihm auf der Tagesordnung.
Es habe eine Zeit gegeben, erzählt er, da habe er versucht, jeden Morgen ein Gedicht auswendig zu lernen. Sein Markenzeichen aber sind meisterhafte Monografien von Größen der Geistesgeschichte und ganzer Epochen, wie beispielsweise „Romantik. Eine deutsche Affäre“ (2007) oder zuletzt „Einzeln sein. Eine philosophische Herausforderung“ (2021) über das Spannungsverhältnis zwischen Individualität und Gemeinschaft.
Rüdiger Safranskis Veröffentlichungen zeugen von der Fähigkeit, historische Tiefe mit zeitaktueller Sensibilität zu verbinden. „Literatur ist auch ein Stück Zeitgeist und ein Spiegel der Gesellschaft der jeweiligen Zeit“, konstatiert der Literaturwissenschafter, Autor und Philosoph. Man könne mit der Literatur von der Vergangenheit auf die Gegenwart sehen und die Gegenwart mit der Bekanntschaft der Vergangenheit relativieren. Durch seine Biografien u.a. zu Philosophen wie Schopenhauer, Nietzsche und Heidegger und Dichtern wie Schiller, Goethe und Hölderlin, hat Rüdiger Safranski wie kaum ein anderer Publizist in Deutschland einem großen und kulturell breit interessierten Publikum das bleibende geistige Vermächtnis der deutschen Klassik erschlossen.
Seine Werke finden u.a. deshalb so viele begeisterte Leser*innen – und das nicht nur unter Spezialist*innen – weil er sich mit Leidenschaft in die Thematik vertieft und brillant erzählen kann. Seine überspringende Erkenntnisfreude ist einfach ansteckend.
Jetzt erhält Rüdiger Safranski den Preis der Internationalen Hermann Hesse Gesellschaft 2023, der an Personen verliehen wird, die sich im Geiste Hermann Hesses auf nationaler oder internationaler Ebene für den interkulturellen und interreligiösen Dialog eingesetzt haben. Und den hat sich der Erzähler intellektueller Biografien mehr als verdient: Erfüllt er diese Kriterien doch gleich im doppelten Sinn. Zum einen steht sein Werk in der geistigen Tradition eines Hermann Hesses, der in seinem Leben und damit auch in seinem Werk immer wieder die Suche des Menschen nach Authentizität, Selbsterkenntnis und Spiritualität thematisierte. Und zum anderen hat sich der Literaturwissenschaftler immer wieder mit Hesses Werk direkt auseinandergesetzt. Dazu die Jury in der Begründung zur Preisvergabe: „Sein programmatischer Vortrag zur Aktualität des Glasperlenspiels, gehalten in Sils-Maria in der Schweiz und in Calw, zeugt von einer intensiven Auseinandersetzung insbesondere mit dem Alterswerk des Nobelpreisträgers, das er in einer Zeit neuer politisch-ideologischer Extremismen als Hüterin der Freiheit des spielenden Menschen neu zu lesen versteht.

Rüdiger Safranski, geboren 1945 in Rottweil, studierte Philosophie, Germanistik,Geschichte und Kunstgeschichte. Der Literaturwissenschaftler, Essayist und Schriftsteller war Herausgeber und Redakteur der Berliner Hefte, Dozent in der Erwachsenenbildung und Honorarprofessor der FU Berlin. Gemeinsam mit Peter Sloterdijk moderierte er von 2002 bis 2012 das Philosophische Quartett des ZDF.
Bereits seit 1986 wirkt Rüdiger Safranski als freier Autor und feierte
Erfolge mit Monografi en zu Goethe, Schiller, E.T.A. Hoffmann, Schopenhauer, Nietzsche und Heidegger, veröffentlichte Betrachtungen über die Romantik, die Zeit und, jüngst, über den Gegensatz zwischen Individuum und Gesellschaft in „Einzeln sein“ (Hanser, 288 Seiten, 26 Euro). Für sein in 26 Sprachen übersetztes Werk wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet: u.a. mit dem Preis der Leipziger Buchmesse (2005), dem Thomas-Mann-Preis (2014), dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie dem Ludwig-Börne-Preis (2017) und dem Deutschen Nationalpreis (2018). Seit 2009 lebt Rüdiger Safranski in Badenweiler bei Freiburg.

Zum Preis:
Die Auszeichnung wird alle zwei Jahre an Personen verliehen, die sich –
ob wissenschaftlich, journalistisch oder publizistisch – um das Werk von Hermann Hesse verdient gemacht oder sich im Geiste Hermann Hesses
auf nationaler oder internationaler Ebene fü r den interkulturellen und
interreligiösen Dialog eingesetzt haben. Preisträger*innen waren bisher
Adolf Muschg (2017), Eugen Drewermann (2019) und Bärbel Reetz (2021).
Rüdiger Safranski wird den Preis am 20. Mai 2023 in Calw entgegennehmen.
Die Laudatio hält der Publizist und Hesse-Biograph Heimo Schwilk.

Klosterkonzerte Maulbronn

In diesem Jahr feiern die Klosterkonzerte Maulbronn ein kleines Jubiläum: Seit 55 Jahren erfüllt das Musikfestival das ehemalige Zisterzienserkloster mit Musik, welches in diesem Jahr selbst sein 30. Jubiläum als UNESCO Weltkulturerbestätte feiern darf. Geprägt wird die Saison 2023 allerdings noch von weiteren runden Geburtstagen. Den Auftakt in die Saison gestaltet der Chor des Evangelischen Seminars Maulbronn mit zwei Aufführungen des Oratoriums »Die Weltharmonik« von Karsten Gundermann. Die Klosterschüler feiern damit den 450. Geburtstag Johannes Keplers nach, einer ihrer berühmtesten Vorgänger, den sie pandemiebedingt 2021 nicht begehen konnten.
Vor 40 Jahren wurde der Maulbronner Kammerchor von KMD Prof. Jürgen Budday gegründet und ist seitdem als Chor der Klosterkonzerte neben einer regen Konzerttätigkeit im In- und Ausland fester Bestandteil einer jeden Klosterkonzertsaison. Seinen Geburtstag feiert das Ensemble gemeinsam mit dem Kammerchor CONSONO (17. Juni) und setzt außerdem zum Abschluss der Saison seinen Zyklus mit den Chorsinfonischen Werken Felix Mendelssohns fort (23. und 24. September). Seit nun schon 10 Jahren bringt die Grenzing-Orgel in zahlreichen Gottesdiensten und Konzerten die Klosterkirche zum Klingen. Im Rahmen der Klosterkonzerte wird die Orgel bei Soloabenden mit Bezirkskantor Thorsten Hülsemann (18. Mai), dem amerikanischen Konzertorganisten Nathan Laube (8. Juni) und der Stuttgarter Domkapellmeisterin Lydia Schimmer (9. Juli) sowie in drei weiteren Veranstaltungen zu hören sein.

Domkantorin Lydia Schimmer in St. Eberhard © Heinz Heiss
David-Orlowsky u. David-Bergmueller © Christian-Debus
Kloster Maulbronn © Conrad Schmitz

Neben all diesen Jubiläumskonzerten kann man zwischen dem 13. Mai und 24. September zahlreiche weitere Konzerthöhepunkte im Kloster Maulbronn erleben: Kammermusik mit David Orlowsky & David Bergmüller (9. Juni), Alina Pogostkina, Nimrod Guez & Danjulo Ishizaka (11. Juni) und natürlich die Kammermusikwoche Bernd Glemser & Freunde (1. – 9. September). Größere Besetzungen sind mit dem Stuttgarter Kammerorchester & Manuel Hofer (20. Mai) und mit Avi Avital & Staatsorchester Darmstadt (18. Juni) zu Gast. Musikalische Kleinode aus dem Barock präsentieren Maurice Steger & Max Volbers (15. September) sowie Miriam Feuersinger & Les Escapades (17. September). Musikalische Grenzgänge wagen das Pindakaas Saxophon Quartett & Léon Berben (21. Mai) sowie das Stuttgarter Klavierduo imPuls (14. Juli) mit ihrer Interpretation von Bachs Wohltemperiertem Klavier. Und natürlich lockt auch wieder der Kreuzganggarten mit seiner einmaligen Atmosphäre zu Open-Air-Konzerten in sommerlichem Ambiente: Zu Gast sind Renaud Garcia-Fons mit »Le souffle des cordes« (30. Juni), Apollo5 (1. Juli) und German Brass (2. Juli).

Weitere Infos auf www.klosterkonzerte.de, Fon 07043 /10311,

Karten ab 20. März 2023

Kultur in Rottweil

Der Geiger Florian Donderer setzt in seiner Konzeption des Festivals
zum einen auf renommierte Musiker mit „Rottweil-Bezug“ und in der Klassikszene bekannte, internationale Namen, wie auch auf zeitgenössische Kompositionen in Gegenüberstellung klassischer Werke aus verschiedenen Epochen. Aber auch einzigartige Crossover-Programme finden sich hier regelmäßig. Und Florian Donderer hat sich zur Aufgabe gemacht, die Sommersprossen weiblicher zu machen – sowohl bei den Komponistinnen, als auch den Musikerinnen. Fünf Konzerte und ein Kinderkonzert erwarten das Publikum beim diesjährigen Festival. Die meisten finden wieder in der  stimmungsvollen Werkstatthalle der Kunststiftung Erich Hauser statt. Kern des Festivals sind 2023 die extra für Rottweil erarbeiteten Programme,
aufgeführt von international renommierten Musikerinnen und Musikern, darunter auch einige mit Wurzeln in Rottweil. Das Signum Quartett des Intendanten Florian Donderer wird, wenige Wochen nach seinem Debut in der Carnegie Hall, hier zu hören sein. Im Mai wird die neueste CD des vielfach ausgezeichneten Signum Quartetts bei Pentatone erscheinen. Außerdem wird das Quartett der Südafrikanischen Komponistin Priaulx Rainier aufgeführt, das im Mai beim Debut des Signum Quartetts in der Carnegie Hall und in der Library of Congress in Washington gespielt werden wird. Die bekannte Cellistin Tanja Tetzlaff bringt das SIGNUM saxophone quartet mit, und bei einem übergreifenden Orchesterprojekt mit Profis und Laien wird unter anderem das weitgehend vergessene Werk des Rottweiler Komponisten Max Seifriz wiederentdeckt.

Signum Quartett © IreneZandel

Weitere Informationen: www.sommersprossen-rottweil.de

32 x Beethoven mit
Daniel Barenboim

32 Klaviersonaten – das „Neue Testament“ der Klaviermusik Appassionata, Mondscheinsonate, Pathétique – Beethovens 32 Klaviersonaten gehören zu den bedeutendsten Werken der Klavierliteratur. Extravagant, anspruchsvoll und grenzüberschreitend sind sie bis heute ein leidenschaftliches und prägendes Gesamtkunstwerk. Komponiert über einen Zeitraum von fast 30 Jahren, decken sie eindrucksvoll alle Schaffensphasen des Komponisten ab und gelten nach Bachs Wohltemperiertem Klavier als das „Neue Testament“ der Klaviermusik.

SWR/Monika Rittershaus (S2). SWR Presse/Bildkommunikation, Baden-Baden foto@swr.de

Beethovens Klaviersonaten widmete der Pianist im Laufe seiner Karriere ganze fünf Kompletteinspielungen und setzte damit Maßstäbe. Zum ersten Mal im Jahr 1960 – und nun, rund 60 Jahre später erneut, als die Pandemie den Konzertbetrieb verstummen ließ. In konzentrierter Stille erarbeitete Barenboim die 32 Sonaten  und nahm sie im Pierre Boulez Saal der Barenboim-Said Akademie in Berlin auf. Entstanden ist eine in der Tiefe durchdrungene und reife Interpretation von Beethovens Klaviersonaten.

Die Aufnahme der Beethoven-Klaviersonaten  ist bis  zum 21. Juni 2023 in der ARD Mediathek: ww.ard-klassik.de abrufbar

SWR/Monika Rittershaus (S2). SWR Presse/Bildkommunikation, Baden-Baden foto@swr.de

Ausgewählte unabhängige Verlage präsentieren sich und ihr Programm am 11. Mai wieder einen ganzen Tag lang im Literaturhaus Stuttgart. An Einzelständen werden sie ihr Verlagsprogramm im Foyer und auf der Außenterrasse (bei schönem Wetter) präsentieren sie. Ergänzt wird die Schau von Lesungen, Ausstellungen, Führungen und Workshops.
Mit dabei sein werden:
8 grad verlag * Alfred Kröner Verlag * avant-verlag * danube books Verlag * Das Kulturelle Gedächtnis * DerDiwan Hörbuchverlag * Dieterich`sche Verlagsbuchhandlung * Edition CONVERSO* edition.fotoTAPETA * Edition Hibana * Edition Moderne * édition totale éclipse * Edition W * Elster & Salis * Guggolz Verlag * InterKontinental Verlag * Jaja Verlag * Karl Rauch Verlag * Katapult-Verlag * Kibitz Verlag * Kindermann Verlag * Kjona Verlag * Kommode Verlag * KRACHKULTUR * KUPIDO Literaturverlag * Lilienfeld Verlag * Limmat Verlag * Luftschacht Verlag * MaroVerlag * Merve * Merz Akademie * Mitteldeutscher Verlag * PalmArtPress * parasitenpresse * Philipp Reclam jun. Verlag * Prima.Publikationen * Quiqueg Verlag * Reprodukt * Unionsverlag * Verlag Das Wunderhorn * Verlag Klaus Wagenbach * Voland & Quist * worten & meer

Plitsch Platsch – Stuttgarter Wassergeschichten

Stuttgarts Sehnsucht nach Wasser ist größer als das Wissen um den tatsächlichen Reichtum an Mineralquellen, Brunnen, Bädern, Bächen, Flüssen, Seen und Ideen. Die Autorin und Buchgestalterin Christina Schmid und die Stadtplanerin Aida Nejad haben Stuttgarter Wassergeschichten zusammengetragen. Aus ihrer Quellenrecherche entstand ein kunstvolles Logbuch, ein poetisches Sachbuch, ein Stadtführer für Stuttgart: Ein Pool zum Mitnehmen und Eintauchen, Lesen, Vorlesen oder einfach nur Anschauen.

Dafür  durchstreiften sie die Geschichte der Bäderkultur, tauchten ein in Schwimmbadtechnik, Trinkwasserversorgung und die Kanalisation der Stadtentwässerung, ergründeten die Sehnsucht nach Wasser als Charakterzug der Stadt. Die Ergebnisse ihrer Quellenrecherche flossen in ein künstlerisches Logbuch, das die Reise zum Wasser chronologisch dokumentiert. Eine handgezeichnete Stadtwasserkarte liegt als Lesezeichen im türkisblauen Pool.

Christina Schmid, 1985 an der Donau geboren, studierte am Bodensee und an der Limmat, seit 2013 lebt sie bereits zum dritten Mal am Neckar. Seit 2018 führt sie den Verlag Prima.Publikationen. Als freie Gestalterin, Künstlerin und Autorin beobachtet und belauscht sie das Leben, mit Blick für das Besondere im Alltäglichen. Im Zusammenspiel von Inhalt und Form erschafft sie eigensinnige Bücher wie ›Treppauf – Treppab | Stuttgarter Stufennotizen‹ und das interaktive Geometriebuch ›Vom Punkt zur Kugel und zurück‹, die von der Stiftung Buchkunst als Schönste Deutsche Bücher aus­gezeichnet wurden. Dazu entwickelt sie performative Formate wie die Wasserspaziergänge mit Trinkpausen zu diesem Buch.www.christinaschmid.de

Aida Nejad, 1989 am Neckar geboren, lebte an der Elbe und studierte an der Oker und am Neckar. Seit 2017 arbeitet sie freischaffend als Architektin und Stadtplanerin an performativen Planungs- und Gestaltungsprozessen. 2019 gründete sie mit drei Partner·innen ›Studio Malta‹, ein Büro für Stadt, Architektur und Design in Stuttgart und Berlin. Außerdem kuratiert sie den Stuttgarter Offspace ›Lagune‹, der seit 2020 Künstler·innen eine Plattform für Experimente gibt. Als Künstlerin widmet sie sich Fragestellungen an der Schnittstelle von Kunst und (Natur-)Raum in unterschiedlichen Maßstäben.www.studiomalta.eu

Stuttgarter Wassergeschichten, ISBN 978-3-9821198-7-8
Prima.Publikationen,  Verlag für Design- und Künstlerbücher, und ist bestellbar über www.primapublikationen.com
Weitere Informationen: www.primapublikationen.com

Wasserspaziergänge mit Trinkpausen und Lesung
Termine und Anmeldung:  www.primapublikationen.com/termine
Beschränkte Teilnehmerzahl, Eintritt frei, Spende willkommen.

Literarischer Schatz

Neben Franz Kafka zählt Rainer Maria Rilke zu den weltweit wichtigsten deutschsprachigen Autoren der literarischen Moderne. Das nun in den Bestand des Deutschen Literaturarchivs Marbach eingehende Rilke-Archiv Gernsbach ist literaturgeschichtlich von unschätzbarem Wert.

Die Superlativen scheinen nicht auszureichen: Die „Rilke-Sensation“ titelte die FAZ, andere Medien sprachen von einem „Literaturschatz“, als im Dezember bekannt wurde, dass die Erben von Rainer Maria Rilke (1875-1926) den nahezu 100 Jahre lang im Familienbesitz gehegten und gepflegten Nachlass des Dichters dem Deutschen Literaturarchiv Marbach (DLA) anvertrauen möchten. Damit reiht sich der letzte große Bestand eines deutschsprachigen Autors der Moderne, der noch in Privatbesitz war, in die Sammlung ein, die rund 1.600 Nachlässe beherbergt. Einen Hinweis, welche Bedeutung diesem Transfer beizumessen ist, zeigt ein Blick auf die Koalition, die ihn finanziell ermöglicht hat: Der Erwerb des „Rainer Maria Rilke-Archivs Gernsbach“ war eine „gemeinsame Kraftanstrengung von öffentlicher Hand und privaten Stiftungen“, an der sich neben dem Land Baden-Württemberg durch die Baden-Württemberg Stiftung auch die Kulturstiftung der Länder, die Wüstenrot Stiftung, die Berthold Leibinger Stiftung, die Staatsministerin für Kultur und Medien und die Carl Friedrich von Siemens Stiftung beteiligt haben. Entsprechend begeistert äußerte sich DLA-Direktorin Sandra Richter dann auch bei einer Pressekonferenz in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg in Berlin über den Nachlass: „Das Rilke-Archiv Gernsbach ist ein Jahrhunderterwerb. Mein großer Dank gilt dem Kreis der Förderer, die diese epochale Erwerbung in wunderbarem Zusammenwirken ermöglicht haben.“ Dabei waren die zuletzt verhältnismäßig zügigen Verhandlungen mit den drei Urenkelinnen Rilkes – innerhalb eines Jahres sei man sich schlussendlich einige geworden – das letzte Kapitel einer längeren Geschichte: „Seit seiner Gründung hat sich das
Deutsche Literaturarchiv um das Rilke-Archiv Gernsbach bemüht und gleichzeitig die weltweit größte Rilke-Sammlung zusammengetragen.“ Jetzt ist also eine der wichtigsten Nachlass-Erwerbungen in der Geschichte der Deutschen Schillergesellschaft gelungen.

Im Kern handelt es sich um Manuskripte, Briefe und Bücher, die 1914 in Paris von Rilkes Zugehfrau, Andre Gide und Romain Rolland vor der drohenden Vernichtung gerettet wurden, die im Familienbesitz, zunächst in Weimar, später in Fischerhude und schließlich im badischen Gernsbach, zusammengehalten wurden. Das Konvolut umfasst insgesamt mehr als 10.000 handschriftliche Seiten mit Werkentwürfen und Notizen, etwa 8.800 Briefe und über 470 Bücher und Zeitschriften, neben deutschsprachigen Titeln auch viele in französischer, italienischer und russischer Sprache, die mit zahlreichen Annotationen und Widmungsgedichten versehen sind. Zudem befinden sich 131 bislang unbekannte Zeichnungen von Rilke sowie rund 360 Fotografien aus allen Lebensphasen und weitere biografische Materialien im Gernsbacher Nachlass. 86 weitgehend unbekannte Skizzen- und Taschenbücher eröffnen mit Tagebucheinträgen, Notizen, Exzerpten, Gedichtund Briefentwürfen neue Perspektiven zum Verhältnis von Biografie und Werk. Rilkes außerordentlich umfangreiche Korrespondenzen, die von der Forschung als ein wichtiger Teil seines literarischen Werks angesehen werden, umfassen 2.500 Briefe von ihm mit mehr als 7.500 Seiten und rund 6.300 B riefe an ihn. Erhalten sind unter anderem Briefe von bzw. an Lou Andreas-Salomé, Max Brod, Hans Carossa, Eugène Carrière, Eleonora Duse, Stefan George, André Gide, Oskar Maria Graf, Gerhart Hauptmann, Hermann Hesse, Hugo von Hofmannsthal, Harry Graf Kessler, Ellen Key, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Annette Kolb, Karl Kraus, Else Lasker-Schüler, Gustav Meyrink, Robert Musil, Boris Pasternak, Alfred Polgar, Walter Rathenau, Auguste Rodin, Romain Rolland, Arthur Schnitzler, Georg Simmel, Paul Valéry, Heinrich Vogeler, Clara Westhoff-Rilke und Stefan Zweig. Sie zeigen, wie intensiv Rilke in die europäischen Literaturund Kunstszenen seiner Zeit eingebunden war. Überliefert sind auch zahlreiche Zuschriften von Lesern, Verehrerinnen und Verehrern, Zusendungen von jungen Schreibenden und von politischen Gruppierungen, die den Autor um Mitwirkung baten. Abrechnungen von Verlagen und Anträge auf Unterstützungen geben Auskunft über seine zeitweise prekäre finanzielle Situation. Unter den Briefen befindet sich einer, der für den sensiblen Dichter zu den schmerzlichsten gehört haben dürfte: „Letzter Zuruf!“ hat Lou Andreas-Salomé ihren Abschiedsbrief vom 26. Februar 1901 an den von ihr miterfundenen Rainer Maria Rilke überschrieben (der Künstler-Vorname – Rilke hieß eigentlich René – geht genauso auf sie zurück wie eine veränderte, „auratischere“ Handschrift).
Der in Prag geborene Autor verstand sich als Europäer und Weltbürger. Er lebte längere Zeit in Frankreich und in Italien, in Deutschland und in der Schweiz. Dort befindet sich auch sein Grab. Ausgedehnte Reisen führten ihn nach Russland und Spanien, nach Skandinavien und Ägypten. Er schrieb Gedichte nicht nur in deutscher, sondern auch in französischer und russischer Sprache und übersetzte Werke unter anderem von Gabriele d’Annunzio, Augustinus, Elizabeth Barrett Browning, Charles Baudelaire, André Gide, Jens Peter Jacobsen, Sören Kierkegaard, Michail J. Lermontow, Stéphane Mallarmé, Michelangelo, Francesco Petrarca, William Shakespeare und Paul Valéry.
Dass das Stillschweigen über den Kaufpreis der „epochalen Erwerbung“ (Richter) sogar im Kaufvertrag fi xiert wurde, verwundert nicht, entspricht es doch der allgemeinen Praxis des Hauses auf der Marbacher Schillerhöhe. Der literaturgeschichtliche Wert des Konvoluts ist indessen noch kaum abzuschätzen: Viele Dokumente des Gernsbacher Rilke-Archivs sind noch unveröffentlicht und werden durch die archivarische und bibliothekarische Erschließung am DLA der Öffentlichkeit erstmals zugänglich werden.
Bereits vor diesem Erwerb war die Rilke-Sammlung des DLA neben der des
Schweizer Literaturarchivs in Bern, das sich vorwiegend den späten Jahre
widmet, eine der größten öffentlichen Sammlung dieser Art. In gemeinsamer Arbeit mit Forschungs- und Archivpartnern werde sich das DLA nun in einem Arbeitsschwerpunkt der Erschließung, Erforschung und Edition des Nachlasses widmen, so Sandra Richter. Eine große Ausstellung zum Rilke-Nachlass ist ebenfalls geplant: Vernissage soll am 4. Dezember 2025, dem 150. Geburtstag Rilkes stattfinden, die Finissage folgt am 29. Dezember 2026, dem 100. Todes tag des Schriftstellers, der mit Gedichten wie „Der Panther“, den „Duineser Elegien“ und den „Sonetten an Orpheus“ unsterblich wurde.

Text: Harry Schmidt

Alma & Oskar

Nach EGON SCHIELE – TOD UND MÄDCHEN widmet sich der renommierte österreichische Filmemacher Dieter Berner in ALMA & OSKAR zwei weiteren Ikonen des Kunstbetriebs des frühen 20. Jahrhunderts: Im Mittelpunkt steht die leidenschaftlichen Affäre Alma Mahlers mit Oskar Kokoschka, deren Intensität die beiden exzentrischen Künstler:innen an ihre Grenzen führt und ihre Existenzen bedroht. Filmischer Ausgangspunkt ist das Jahr 1012 in Wien: Nach dem Tod ihres Mannes, des weltbekannten Komponisten Gustav Mahler ist Alma eine wohlhabende Frau.

Die feine Gesellschaft Wiens liegt der jungen Witwe zu Füßen, doch sie verabscheut die Konventionen. Ihr Interesse gilt vielmehr dem „Enfant terrible“ der Kunstszene, dem expressionistischen Maler Oskar Kokoschka, der mit seinen radikalen Arbeiten für Skandale sorgt. Es beginnt eine leidenschaftliche Affäre, bei der unterschiedliche Lebensentwürfe aufeinanderprallen. Oskar betrachtet Alma als seine Muse, ist eifersüchtig und besitzergreifend. Doch Alma hat selbst Ambitionen als Künstlerin und Komponistin in einer Zeit, in der das für eine Frau nicht üblich ist. Ein Spiel um Macht und Abhängigkeit entsteht, das Alma und Oskar an den Rand der Selbstzerstörung führt. Die beiden Hauptdarsteller Emily Cox und Valentin Postlmayr begeistern mit ihrer kompromisslosen Darstellung in einem fesselnden Film, der einen faszinierenden und unmittelbaren Einblick in die Wiener Kunstszene der untergehenden Donaumonarchie bietet.
ALMA & OSKAR startet voraussichtlich am 6. Juli 2023 bundesweit in den deutschen Kinos.

Podcast kunstundquer

Welche Relevanz hat Kultur in der Gesellschaft? Was bedeutet der oftmals abstrakte Begriff der »Kultur« überhaupt? In welcher Verbindung stehen Kultur und Kunst in unser aller Alltag? Diesen Fragen quer durch Kultur und Gesellschaft widmet sich Ingmar Volkmann, Redakteur der Stuttgarter Zeitung/Stuttgart Nachrichten, im neuen Podcast der KulturRegion Stuttgart. Alle zwei Monate bringt er Künstler:innen und Kulturverantwortliche aus der Region Stuttgart mit Fachexpert:innen zusammen und verweist auf die Vielseitigkeit von Kultur und welchen Einfluss sie auf unsere Gesellschaft hat.

Link: www.kulturregion-stuttgart.de