Der Kraichgau –
die „badische Toskana“

Alles sollte geschehen zur höheren Ehre des heiligen Märtyrers Nazarius, dessen Reliquien im Benediktinerkloster Lorsch höchste Verehrung genossen: Insgesamt fünfeinhalb Hofstellen mit Bauernhäusern und Nebengebäuden, dazu weit über zwanzig Hektar Ackerland, obendrein elf Leibeigene schenkten der wohlhabende Burgolf und seine Gemahlin am 11. Juni 769 „im Namen Gottes“ und „für ewige Zeiten“ der nicht minder begüterten Abtei bei Bensheim. Ihr Besitz jedoch lag recht verstreut in verschiedenen Landesteilen, ein Hofgut bei Mosbach am Neckar, ein anderes südöstlich von Heidelberg, die weiteren „in pago Creichgouue“, in den Dörfern Helmsheim und Odenheim bei Bruchsal.

Burg Neipperg – Nachweis Carsten Götze Kraichgau-Stromberg Tourismus e.V

„In pago Creichgouue“ – mit diesem Eintrag im Codex des Klosters Lorsch vor 1250 Jahren wird erstmals eine Landschaft beim Namen genannt, die heute als „badische Toskana“, als „Land der tausend Hügel“, als „Klein-Italien“ bekannt ist. Die namensgebende Kraich, keine sechzig Kilometer lang und auf modernen Wegekarten als Kraichbach verzeichnet, entspringt westlich des Strombergs nahe Sternenfels, tritt bei Ubstadt in das Tiefland ein und mündet südlich von Ketsch in den Rhein. Eine mögliche Interpretation beruft sich auf den altväterischen Ausdruck „Kreuch“ für „Lehm“, tragen doch die Kraichgaubäche nach starken Regenfällen große Mengen gelbbraunen Schlamms mit sich. Die wahrscheinlichste Sinndeutung aber leitet den Begriff vom germanischen Wort für Krümmung und Biegung ab – „Kraich“ meint also ein mäandrierend sich dahinschlängelndes Fließgewässer.

1250 Jahre später besitzen die Pfunde, mit denen der Kraichgau touristisch wuchern kann, durchaus Gewicht. Das erste ist die Landschaft selbst mit eben jenen – oft zitierten – „tausend Hügeln“ vom Sinsheimer Steinsberg bis zum Heustätt bei Königsbach und vom Untergrombacher Michaelsberg bis zu den zerklüfteten Hessigheimer Felsengärten rechts des Neckars. Ökologisch wertvoll ist diese Region, vom Schwäbischen Heimatbund zur Kulturlandschaft des Jahres 2010 gekürt, vor allem im westlichen Bereich um die großen Schutzgebiete „Pfinzgau“ und „Kraichgau“. Hier prägen kleinstrukturierte Biotope wie Hohlwege, Streuobstwiesen, orchideenreiche Halbtrockenrasen und alte Rebhänge das Bild, während die riesigen Mischwälder des 1980 ausgewiesenen Naturparks Stromberg-Heuchelberg östlich von Bretten einen sehr eigenen Charakter im ansonsten eher baumarmen Kraichgau besitzen.

Das milde Klima verleiht dem Ganzen etwas geradezu Mediterranes. Kein Wunder, dass bereits im hohen Mittelalter vielerorts im Kraichgau Weinberge erwähnt werden. Hier und da liegen ausgedehnte Rebanlagen spektakulär an den Hängen zu Füßen mittelalterlicher Kraichgauer Burgen – und die wiederum spielen ihrerseits eine entscheidende Rolle bei der touristischen Vermarktung der Region. Zu Nobelhotels und Tagungsstätten sind einige von ihnen geworden, so in Michelfeld, Heinsheim und das Schloss Neuhaus bei Ehrstädt, oder sie dienen – etwa das Renaissancepalais in Bad Rappenau und das Deutschordensschloss Kirchhausen – als Veranstaltungszentren und Konzerthäuser.

Zu einem besonderen und noch jungen Werbeträger für den Kraichgau ist die TSG 1899 Hoffenheim geworden. Seit sie in der Fußball-Bundesliga erstklassig mitspielt, fällt nun dieser Landschaftsbegriff häufiger denn je in den Medien, samstags in der „Sportschau“ und darüber hinaus.

Vom Rebhang über die Ritterburg zum Runden, das ins Eckige muss – das und vieles mehr ist der Kraichgau: Eine durchaus noch zu entdeckende Landschaft, deren traditionsreichen Feste und Bräuche, Burgen und Schlösser, Fachwerkdörfer und Heimatmuseen ihren Besuchern eindrückliche Begegnungen mit einer ereignisreichen, vielschichtigen Vergangenheit erlauben.         Ein Beitrag von  Thomas Adam, Stadt Bruchsal

 

Lit.Fest Stuttgart

Das Literaturfestival Lit.Fest Stuttgart lädt am Wochenende vom 19. bis 21. Juli 2019 zum fünften Mal Kulturinteressierte ein, neue Gegenwartsliteratur zu entdecken und mit Autorinnen und Autoren ins Gespräch zu kommen. Drei Tage Programm sind auf der schön gelegenen Weinbergbühne über Stuttgart und in der Innenstadt geboten. Im Zentrum steht die Sonntagslesung Nachwuchstalente, die der diesjährigen Festivalausschreibung mit einem Textbeitrag gefolgt sind. Aus über 400 Einsendungen hat eine Jury sechs herausragende Texte ausgewählt und ihre Verfasser*innen eingeladen, sie mit dem Stuttgarter Publikum zu teilen. Zum Nachlesen sind die Texte im Rahmen der Veranstaltungen in einer Festivalanthologie erhältlich.Das junge Lit.Fest-Team hat es sich zur Aufgabe gemacht, Literaturbegeisterten einen Raum zum Austausch zu schaffen und Stuttgart als einen Fixpunkt der Literaturlandschaft Deutschlands zu stärken. Bisher noch unentdeckte Autor*innen bekommen beim Lit.Fest die Möglichkeit, ihre Texte vorzustellen und mit Leser*innen und Kolleg*innen in einen Dialog zu treten. Die Teammitglieder organisieren das Festival ehrenamtlich.

Den Auftakt macht am Freitag, 19. Juli 2019, eine Lesung mit einer der wichtigsten Lyrikstimmen Deutschlands: Monika Rinck. An ihrer Seite liest die Debütantin Angela Lehner ihre herrlich österreichische Prosa. Beide Autorinnen geben dazu im Gespräch Einblicke in ihr Arbeiten. Musikalisch begleitet wird der Abend von Liedermacher und Slam-Poet Nikita Gorbunov.
Eintritt: 5 €, Einlass 18 Uhr, Beginn 18:30 Uhr.

Am Samstag, 20. Juli 2019, lesen aktuelle und ehemalige Lit.Fest-Teilnehmer*innen im Haus der Musik (im Fruchtkasten) Texte unter dem Motto „Transformation/Metamorphose/Veränderung“. Der Eintritt ist frei. Nähere Informationen, Autor*innen und Ablaufplan ab Juli unter www.lit-fest.de/programm/ Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Landesmuseum Württemberg. Veranstaltungsort: Schillerplatz 1, 70173 Stuttgart.
Weitere Infos unter: https://www.landesmuseum-stuttgart.de/

Am Sonntag, 21. Juli 2019, stellen sechs ausgewählte Autor*innen die Vielfalt der jungen, gegenwärtigen Literatur vor: Marcus Fischer, Jonis Hartmann, Sven Pfizenmaier, Susanne Speth, Eva Strasser und Mirjam Wittig nehmen mit zu Möwen und Riesenkrokodilen, klaustrophobischen Dorfgemeinden und sowjetischen Militärstützpunkten – und gewähren Einblicke in verschiedenste Sprach- und Lebensräume. Dazu gibt es Musik von Singer/Songwriter Tobias Dellit. Der Eintritt ist frei, Einlass 14:30 Uhr, Beginn 15 Uhr.

Veranstaltungsort ist die Doggenburgstraße 17 in 70193 Stuttgart. In Kooperation mit dem Landesmuseum Württemberg findet zudem eine Lesung unter dem Motto „Transformation/Metamorphose/Veränderung“ im Haus der Musik (Schillerplatz 1, Stuttgart) statt.

Abbas Khider

Abbas Khider ist Comburg-Stipendiat 2019. Ab Mitte September wird er vier Wochen im historischen Torbau des ehemaligen Klosters wohnen. Die Jury des Comburg-Stipendiums war einhellig angetan von Abbas Khiders Romanen. Hinzu kam für Kulturbeauftragte Ute Christine Berger, die bereits eine Lesung mit Khider in Schwäbisch Hall organisierte, das kontaktfreudige und humorvolle Wesen des Autors. Khider kommentiert seine Wahl: „Als 16jähriger wurde ich ungläubig und beschloss, nie wieder in die Moschee zu gehen. Jetzt, 30 Jahre später, gehe ich freiwillig ins Kloster und freue mich sehr darauf.“

Abbas Khider, Foto: Olaf Kosinsky/kosinsky.eu

Das ehemalige Benediktinerkloster Comburg ist heute ein Standort der Akademie für Lehrerfortbildung des Landes Baden-Württemberg. Die Akademie stellt für das Stipendium vier Wochen eine Ferienwohnung zur Verfügung, die Stadt Schwäbisch Hall stiftet das Preisgeld von 5.000 Euro.

Abbas Khider wurde 1973 in Bagdad geboren. Mit 19 Jahren wurde er wegen seiner politischen Aktivitäten verhaftet. Nach der Entlassung floh er 1996 aus dem Irak und hielt sich als »illegaler« Flüchtling in verschiedenen Ländern auf. Seit 2000 lebt er in Deutschland. Er studierte Literatur und Philosophie in München und Potsdam. 2008 erschien sein Debütroman Der falsche Inder, es folgten Die Orangen des Präsidenten und Brief in die Auberginenrepublik. Seinen bei Hanser erschienen Roman Ohrfeige stellte er 2016 in Schwäbisch Hall vor.
Im Frühjahr 2019 ist sein Buch erschienen „Deutsch für Alle. Das endgültige Lehrbuch“.

Über das Buch:„Deutsch für Alle. Das endgültige Lehrbuch“ 
 Hitler, Scheiße, Lufthansa. Diese drei deutschen Wörter kennt Abbas Khider, als er aus dem Irak flieht. Zwanzig Jahre später ist er ein vielfach ausgezeichneter deutscher Schriftsteller, der akzentfrei schreibt – aber nicht spricht. Dies ist sein ungewöhnliches Lehrbuch für ein neues Deutsch. „Deutsch für alle“ ist ein Trostbuch für alle Deutschlernenden und deren Angehörige, für Expats, Einwanderer und Menschen in mehrsprachigen Liebesbeziehungen. Und es ist ein herrliches Vademecum für alle Lauchs, die glauben, die deutsche Sprache bereits zu kennen – und Spaß an ihr haben. Provokant, erhellend und unterhaltsam gelingt Abbas Khider dabei auch ein satirischer Blick auf die deutsche Gesellschaft. 


Deutsch für alle / ISBN 978-3-446-26170-9 Hanser Verlag

Khider erhielt u.a. den Nelly-Sachs-Preis, den Hilde-Domin-Preis und den Adelbert-von-Chamisso-Preis. 2017 war er Mainzer Stadtschreiber. Abbas Khider lebt in Berlin.
Öffentliche Termine (Eintritt frei)
Do., 19. September 2019 um 18 Uhr Preisverleihung im Rathaus Schwäbisch Hall
durch Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim
Do. 26. September 2019 um 19.30 Uhr Lesung auf der Comburg, Kaisersaal

Bisherige Comburg-Stipendiat*innen:
Ulf Erdmann Ziegler, Ilija Trojanow, Felicitas Hoppe, Christoph Peters, Judith Schalansky, Finn-Ole Heinrich, Anila Wilms, Reinhard Kaiser-Mühlecker, Monika Zeiner, Tilman Rammstedt, Mariana Leky

»War das jetzt der Anfang?«

Kurz vor dem Leitungswechsel bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen hatten Intendant Thomas Wördehoff und seine Mitstreiterinnen und Begleiter noch einmal das Bedürfnis, über ihre aufregenden zehn Jahre in Ludwigsburg nachzudenken. Ergebnis dieser Bestandsaufnahme ist ein ungewöhnlich gestaltetes Taschenbuch mit dem Titel »War das jetzt der Anfang?« In einer Sammlung aus Essays, Briefen, Beobachtungen und Gesprächen gewinnt der Leser einen Überblick über die vergangene Dekade bei den Schlossfestspielen, einer Periode des Umbruchs, in der Künstler und Festspielmacher gängige Konzertformen und Hörgewohnheiten infrage stellten. Nicht nur der Intendant selbst und seine Mitarbeiter, sondern auch Gastautoren wie der Tenor Simon Bode, der Sternekoch Vincent Klink oder die Musikjournalistin Eleonore Büning, haben sich mit zum Teil sehr persönlichen Texten an der Publikation beteiligt. Dabei haben sie sich verschiedenen Themen und Fragestellungen rund um das Festival gewidmet und versucht, sowohl der Identität der Ludwigsburger Schlossfestspiele auf den Grund zu gehen als auch über deren Tellerrand hinaus zu blicken. Eine Auswahl von Fotografien der »Bildwelten« aus den Saisonprogrammen von 2010 bis 2019 von Fotografinnen und Fotografen wie Christine Schäfer, Monika Rittershaus oder Peter Untermaierhofer illustriert das Buch mit neuen Blickwinkeln auf das vertraute Ludwigsburger Residenzschloss.

»WAR DAS JETZT DER ANFANG?«
ISBN 978-3-947573-03-5

Erhältlich ist das Buch zum Preis von 15 € im Kartenbüro der Ludwigsburger Schlossfestspiele, bei allen Veranstaltungen und online unter www.schlossfestspiele.de sowie im Shop des Residenzschlosses Ludwigsburg und in der Tourist Information in der Eberhardstraße 1.

Museumssammlungen
auf dem Prüfstand

Spätestens seit dem sogenannten Schwabinger Kunstfund beim Kunstsammler Cornelius Gurlitt (1932-2014) im Jahre 2012 ist die Provenienzforschung in aller Munde. Seither wurde auch die Förderungssumme für Projekte, welche die Herkunft von Objekten in den Sammlungen des Landes und in den Kommunen untersuchen, stetig erhöht. Doch die Provenienzforschung kämpft noch immer mit strukturellen Problemen.
Die abgeschlossenen und aktuellen Projekte in Baden-Württemberg können sich dabei durchaus als Erfolgsgeschichte moralisch-ethischer Verantwortung sehen lassen. Mit unbefristet angestellten ProvenienzforscherInnen in den großen Museen des Landes in Stuttgart und Karlsruhe (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Staatsgalerie Stuttgart) wird gezeigt, dass eine kontinuierliche Arbeit notwendig ist. Kleinere Museen sind vor allem auf die Förderung der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg (DZK) angewiesen, um ForscherInnen für diese umfangreiche zusätzliche Arbeit anstellen zu können. Aktuell laufen in Baden-Württemberg elf geförderte Projekte mit Provenienzforschungsbezug, gleichmäßig verteilt auf Museen, Archive, Bibliotheken, eine Universität und eine private Institution. Trotz des bisherigen (20 Projekte wurden bereits abgeschlossen) und aktuellen Engagements ist die Bilanz jedoch ernüchternd: Laut einer Studie des Instituts für Museumsforschung in Berlin von 2016 betreiben weniger als 8 Prozent der insgesamt über 1.000 Museen in Baden-Württemberg Provenienzforschung.

Copyright: Stadtmuseum Tübingen, Foto: Peter Neumann

Oft haben kleinere Museen nicht genug Kapazitäten, um überhaupt den Antrag auf Förderung stellen zu können oder die Eigenmittel aufzubringen, die mit einem solchen Antrag in Verbindung stehen. Oder es scheitert aus Personalmangel schon daran, die erste eigene Recherche in den Beständen nach Verdachtsfällen vorzunehmen, die Grundlage für den Antrag sind. Zuletzt gilt aber auch noch immer weitläufig die Annahme, dass sich kein NS-Raubgut in der Sammlung befinden könne. Hier wird oft angeführt, dass sich das entsprechende Museum erst nach 1945 gegründet habe. Die Gründung eines Museums ist jedoch nicht ausschlaggebend dafür, ob sich in der Sammlung Raubgut befindet. Alle Objekte, egal ob Kunst oder Alltagsgegenstände, können ihrem vorherigen Besitzer geraubt worden sein, wenn sie vor 1945 entstanden sind und nach 1933 in die Sammlung kamen.

Copyright: Stadtmuseum Tübingen / Foto: Christoph Jäckle
Copyright: Stadtmuseum Tübingen / Foto: Christoph Jäckle

Die befristeten Projekte können aber auch nur Teile der jeweiligen Bestände untersuchen. Bei einer Höchstförderungsdauer von drei Jahren pro Projekt bleibt auch diese Forschung immer zeitlich beschränkt. Nach Abschluss der Projektförderung gehen die ForscherInnen dann in andere Institutionen. Ihr gesammeltes Wissen um die Sammlungsstrukturen und deren Geschichte nehmen sie meistens mit.
Zudem sind die Erwartungen der Öffentlichkeit an die ForscherInnen und die Ergebnisse ihrer Recherchen sehr hoch. Die langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der Provenienzforschung spricht aber eine andere Sprache: Die Erforschung der Herkunft von Objekten ist nicht nur zeitaufwendig, sondern oft auch frustrierend. Nur wenige Fälle können lückenlos rekonstruiert werden. Der größte Teil, meist über die Hälfte der zu untersuchenden Fälle pro Sammlung, kann aufgrund von Lücken in der Provenienzgeschichte weder eindeutig als verdachtsfrei noch eindeutig als verdächtig eingestuft werden. Auch wenn man mehrere Vorbesitzer gefunden hat, reicht dies oft nicht aus, um die Lücken in der Provenienzkette für die Zeit des Nationalsozialismus schließen zu können.

Copyright: Stadtmuseum Tübingen / Foto: Christoph Jäckle

Dass die Arbeit und die damit zusammenhängende intensive Auseinandersetzung mit der Sammlungsgeschichte der jeweiligen Institution aber auch in attraktiven Ausstellungen münden können, haben in den letzten Jahren viele Museen bewiesen. Noch bis zum Januar 2020 ist im Zeppelin Museum in Friedrichshafen die Ausstellung „Eigentum verpflichtet. Eine Kunstsammlung auf dem Prüfstand“ zu sehen. Die Kunsthalle Mannheim nimmt in der Ausstellung „(Wieder)entdecken – Die Kunsthalle Mannheim 1933 bis 1945 und die Folgen“ die eigene Institutionsgeschichte sowie das Schicksal von fünf jüdischen Stifter-Familien in den Fokus. Und im Stadtmuseum Tübingen wird unter dem Titel „Abgestaubt! Museumsschätze erzählen Geschichten“ die Herkunft der Sammlungsobjekte noch bis Mitte Juni 2019 beleuchtet.
Um der gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Relevanz der Arbeit der ProvenienzforscherInnen neue Aufmerksamkeit zu geben, wurde in diesem Jahr der 1. Internationale Tag der Provenienzforschung vom Arbeitskreis Provenienzforschung e. V. eingeführt. Am 10. April 2019 werden im Rahmen von Führungen, Präsentationen, Ausstellungen oder anderen Aktionen mehr als 80 Kulturinstitutionen und ForscherInnen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Großbritannien und den Niederlanden Einblicke in die Ergebnisse und Probleme bei der Erforschung der Herkunft von Sammlungen und Objekten geben. U. a. wird auch die Provenienzforscherin der Staatsgalerie Stuttgart eine Führung zu ausgewählten Kunstwerken und deren Geschichten durchführen. Hier wird bereits seit 2009 proaktiv und systematisch der Sammlungsbestand untersucht. Zunächst ebenfalls vom DZK gefördert wird diese Stelle seit 2013 vom Land Baden-Württemberg allein getragen. 2015 wurde die Stelle entfristet, um nachhaltig der moralisch-ethischen Verpflichtung gemäß der Washingtoner Prinzipien nachkommen zu können. Als erster Förderverein eines Museums in Deutschland und als erste private Institution in Baden-Württemberg haben 2018 auch die Freunde der Staatsgalerie Stuttgart e. V. einen Antrag bei der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste Magdeburg gestellt. Seit dem 1. April 2019 wird nun systematisch und proaktiv die Sammlung des Vereins erforscht. 1906 als Stuttgarter Galerieverein gegründet haben die Freunde der Staatsgalerie Stuttgart e.V. seither mehr als 2.000 Kunstwerke erworben und sie als Dauerleihgabe der Staatsgalerie überlassen. Im zunächst zweijährigen Projekt geht es nun um rund 183 Kunstwerke, die vor 1945 entstanden sind und nach 1933 vom Verein erworben wurden.

Ein Beitrag von Johanna Poltermann und Andrea Richter

Fotos: Raumaufnahmen und Objekte der Provenienzforschung aus der Ausstellung „Abgestaubt! Museumsschätze erzählen Geschichten“ im Stadtmuseum Tübingen, noch bis zum 16. Juni 2019

 

Veranstaltungshinweise:

Provenienzgeschichten. Einblicke in die Provenienzforschung an der Staatsgalerie Stuttgart Führung mit der Provenienzforscherin Johanna Poltermann, am 10. April 2019, 15-16 Uhr

Ausstellung „Abgestaubt! Museumsschätze erzählen Geschichten“ im Stadtmuseum Tübingen, noch bis zum 16. Juni 2019

Ausstellung „Eigentum verpflichtet. Eine Kunstsammlung auf dem Prüfstand“ im Zeppelin Museum in Friedrichshafen, noch bis zum 6. Januar 2020

Ausstellung „(Wieder)entdecken – Die Kunsthalle Mannheim 1933 bis 1945 und die Folgen“, in der Kunsthalle Mannheim, noch bis zum 1. Januar 2020


 

 

 

»Geschichten unter der Haube«

Die KulturRegion Stuttgart begibt sich 2019 auf die Suche nach unbekannten Geschichten aus der Region. Und wo könnten diese besser erzählt werden als in einem Friseursalon? So schickt die KulturRegion einen ganz speziellen Wagen auf die Reise: Von Juni bis Oktober 2019 reist ein mobiler Pop-up-Salon durch die Region Stuttgart und macht an öffentlichen Plätzen in rund 20 Städten und Gemeinden Halt. Innen erwartet die Besucher ein gemütliches Ambiente wie beim Friseur – unter den Friseurhauben wartet die Überraschung: Sie spielen Geschichten von Menschen aus der Region ab.
Gesammelt werden die Geschichten von den jungen Stuttgarter Künstlern Jonas Bolle, Christian Müller und Simon Kubat vom »Citizen.KANE.Kollektiv«, das zuletzt mit der Performance »Die Stille der Stadt« im Stuttgarter Osten einen Erfolg feierte. Das Autoren-Team wird mit Menschen aus der Region sprechen und gemeinsam mit ihnen ihre Geschichten erzählen. Diese bewegen sich in den Themengebieten erste Liebe, Paradies oder Arbeit – Bereiche des menschlichen Lebens, in denen sich viele prägende Geschichten ereignen. Darüber hinaus werden frühere Projekte der KulturRegion Stuttgart thematisch aufgegriffen.
Geschichten erzählen etwas über die Menschen einer Region. »Die Kultur vermag es in besonderer Weise Orte und Räume zu ermöglichen, an denen ein gesellschaftlicher Austausch stattfinden kann«, erläutert der erste Vorsitzende OB Werner Spec. »Der Salon soll dazu einladen, unsere Mitmenschen in der Region kennenzulernen und vor Ort ins Gespräch zu kommen. Gerade im öffentlichen Raum auf diese Weise Platz für soziales Miteinander zu schaffen, ist besonders reizvoll.« Als offener Treffpunkt stellt der Pop-up-Salon für einige Tage einen Rückzugsort, einen Ort für die Begegnung von Menschen mitten im öffentlichen Leben einer Stadt dar.
www.kulturregion-stuttgart.de

„WortMenue“

Küchenkunst und Wortgenuss: Das lässt sich in diesem Frühjahr beim literarischkulinarischen Festival „WortMenue“ in Überlingen wieder aufs Angenehmste verbinden. Vom 6. bis 21. Mai werden mehr als zwanzig Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ihre Romane und kulturgeschichtlichen Beiträge rund um das Thema „Essen und Trinken“ in Restaurants und Landgasthöfen der Bodenseestadt vorstellen. Mal kulinarisch präzise und kenntnisreich, mal abgründig und ironisch augenzwinkernd – auf jeden Fall stets begleitet von passenden Speisen und Getränken.Literarisch „aufgetischt“ wird von Autorinnen und Autoren wie Franz Hohler, Ulla Lachauer, Vincent Klink, Karl-Heinz Ott und vielen mehr.
Weitere Info: www.wortmenue-ueberlingen.de

Nora Krug ist Schubart-Preisträgerin

Der Schubart-Literaturpreis der Stadt Aalen wird jährlich verliehen. Mit dem Förderpreis der Kreissparkasse Ostalb wird Nora Krug 2019 ausgezeichnet. Die Illustratorin und Autorin mit Wurzeln in Karlsruhe erhält den Förderpreis für „Heimat. Ein deutsches Familienalbum“. Das Buch ist im Penguin Verlag erschienen. Der Schriftssteller Daniel Kehlmann erhält den Hauptrei für seinen Roman „Tyll“ (rowohlt).

Nora Krug © Lasse Krug

Ein kluges Bilderbuch für Erwachsene

Buchcover (© Krug)

Heimat
Ein deutsches Familienalbum
Hardcover, 288 Seiten, 19,0 x 26,0 cm
ISBN: 978-3-328-60005-3
Verlag: Penguin

Auch die Entscheidung der Jury für den Förderpreis 2019 fiel einvernehmlich. „Nora Krugs Debut ist kein Comic und keine graphic novel, auch kein Scrapbook, sondern ein kluges, visuell herrlich opulentes Bilderbuch für Erwachsene“, so die Begründung.

Die seit über zehn Jahren in New York lebende Illustratorin geht in „Heimat“ der Frage nach, was denn die deutsche Identität ausmacht und inwiefern das Wissen um die Beteiligung eigener Angehöriger am Aufstieg der Nazis, am Zweiten Weltkrieg und am Holocaust Folgen für die eigene Identität und den Umgang mit der eigenen Familiengeschichte hat. „Nora Krug macht das so differenziert, intelligent und sublim sowohl auf der Bild- wie auf der Textebene ihres deutschen „Familienalbums“, dass dieses Buch selbst zur Heimat werden kann“, lobt die Jury.

Nora Krug, geboren 1977 in Karlsruhe, studierte Bühnenbild, Dokumentarfilm und Illustration in Liverpool, Berlin und New York. Ihre Zeichnungen und Bildergeschichten erscheinen regelmäßig in großen Tageszeitungen und Magazinen (u.a. »The New York Times«, »The Guardian«, »Le Monde diplomatique«). Sie ist Fulbright-Stipendiatin und erhielt zahlreiche Preise und Förderungen, u.a. der John Simon Guggenheim Memorial Foundation, der Pollock-Krasner Foundation und der Maurice Sendak Foundation. Krug ist Professorin für Illustration an der “Parsons School of Design” in New York und lebt in Brooklyn.

Die Stadt verleiht den Schubart-Literaturpreis bereits seit 1956 in zweijährigem Turnus. Im Mittelpunkt stehen herausragende literarische Leistungen in der Tradition des freiheitlichen und aufklärerischen Denkens von Christian Friedrich Daniel Schubart. (*1739 +1791). Der Literat, Journalist und Komponist erlebte seine Jugendjahre in der Reichsstadt Aalen. Sein Lebenswerk war die Herausgabe der Deutschen Chronik, einer zweimal wöchentlich erscheinenden Zeitung voller literarischer, kultureller und tagespolitischer Berichte.

http://www.tourismus-aalen.de/schubart.115343.255.htm

Karlsruher Künstlermesse

Die 24. Karlsruher Künstlermesse 2019 bietet ein vielfältiges, buntes Spektrum aus Malerei, Zeichnung, Aquarell, Collage, Grafik, Druck, Skulptur, Objekt, Fotografie, Video, Installation und der Verbindung verschiedener künstlerischer Ausdrucksformen. Zunächst auf Karlsruhe beschränkt, werden seit 2013 Kunstschaffende aus ganz Baden-Württemberg, aus Rheinland-Pfalz und dem Elsass eingeladen, sich zu bewerben.

Nathalie und Alexander Suvorov-Franz, KLEINES GELBES , 40 x 30 x 4 cm , Leinwand, Acryl, Papprollen auf Wellpappe

Eine Fachjury, die das gesamte Ausschreibungsgebiet repräsentiert, wählte aus 100 Bewerbungen 33 Positionen aus, die für unterschiedlichste Strömungen der Gegenwartskunst stehen. Vertreten sind die Jahrgänge 1948 bis 1992: Das gibt Gelegenheit, die Arbeiten verschiedener Künstlergenerationen im direkten Vergleich zu erleben. Mit Ihrem Profil Künstlerinnen und Künstlern selbst die Möglichkeit zu geben ihre Werke auszustellen, unterscheidet sie sich wesentlich von anderen Kunst¬messen, auf denen Galerien Werke vorstellen.

Dieter Schwerda, O. T., 2016, 100 x 70 cm Tintenrollerzeichnung, Tusche, Collageelemente

Wer von ausgewählten Künstlerinnen und Künstlern den von der Stadt Karlsruhe ausgelobten Preis der Karlsruher Künstlermesse in Höhe von 4 000 Euro erhält, entscheidet die Fachjury nach Sichtung der gezeigten Werke kurz vor Beginn der Messe, verliehen wird der Preis dann bei der Eröffnung. Ebenfalls verbunden mit der Messe ist ein Plakatwettbewerb: Mit dem Entwurf der Gewinnerin Mio Kojima wird für die Karlsruher Künstlermesse geworben. Der zweite Preis geht an Jannis Zell, der dritte an Lena Thomaka. Die Originale der drei Preisträgerplakate sind auf der Messe zu sehen.

Markus Walenzyk, Der Affichist, 2018, Variabel (42“ Monitor/Display: B x H in mm: 972 x 565) HD-Video (1920×1080 px)

Am Samstag, 13. April gibt die Formation Me, Myself & Them mit der Sängerin Sandie Wollasch, mit Martin Meixner, Piano und Wurlitzer, und dem Gitarristen Jörg Teichert ein Konzert in den Räumen der Künstlermesse, Beginn ist 20.00 Uhr.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer
Anna Andris | Gin Bahc | Anna Bläser | Benno Blome | Eléna Blondeau | Silvia Braun | Adam Cmiel | Sarah Degenhardt | Ursula Donn | Hildegard Elma | Anne Ehrhardt | Holger Fitterer | Frank Frede | Anette C. Halm | Naehoon Huh | Dietmar Israel | Eric Junod | Theresa Klumpp | Beate Kuhn | Rina Kurihara | Lars Lehmann | Hanna Viola Moritz | Adrian Peters | Martin Pöll | Grit Reiss | Sanna Reitz | Christian Schmid | Anja Schneider | Dieter Schwerda | Alexander und Nathalie Suvorov-Franz | Claudia Urlaß | Markus Walenzyk | Verena Wippenbeck

Weitere Infos:
Der Eintritt ist frei, es werden kostenlose Führungen angeboten.

24. Karlsruhe Künstlermesse
11. bis 14. April 2019
Regierungspräsidium Karlsruhe am Rondellplatz
Karl-Friedrich-Straße 17, 76133 Karlsruhe
Eröffnung: Donnerstag, 11. April 2019, 19 Uhr
Öffnungszeiten: Freitag, 12., Samstag, 13. und Sonntag, 14. April 2019, 11 – 20 Uhr
www.karlsruhe.de/kuenstlermesse

Clara – Kammeroper
von Victoria Bond

In Lichtental, einem Vorort Baden-Badens, steht das öffentlich zu besichtigende Brahms-Haus. Hier hat die amerikanische Komponistin Victoria Bond ihre Kammeroper „Clara“ komponiert, die Clara Schumann, der berühmtesten Bewohnerin der Stadt, ein Denkmal setzt. Die Premiere bei den Osterfestspielen im Theater Baden-Baden ist zugleich auch die deutsche Uraufführung.
Zehn Jahre lang, von 1863 bis 1873, lebte die Pianistin und Komponistin Clara Schu¬mann in Baden-Baden. Sechs Jahre nach dem Tod ihres Mannes Robert war sie mit ihren Kindern nach Lichtental gezogen. Die amerikanische Komponistin Victoria Bond (*1945) hat 2014 einen Studienaufenthalt im Baden-Badener Brahmshaus dazu genutzt, eine Kammeroper über die berühmte Musikerin zu schreiben. Nun inszeniert ein junges Frauenteam die Uraufführung im Theater, das in Clara Schumanns Zeit in Baden-Baden gerade frisch eröffnet war.
In Baden-Baden-Lichtental steht auf einem Felsen das Brahmshaus. Das über 150 Jahre alte „hübsche Haus auf dem Hügel“ war in den Sommermonaten der Jahre 1865 – 1874 die Wohnung des Komponisten Johannes Brahms. Hier fand er die für ihn so typische Arbeitsatmosphäre: Stille, Abgeschiedenheit, bescheidene Gemütlichkeit. Hier komponierte oder vollendete Johannes Brahms viele seiner berühmten Werke. Noch heute sind das Grundstück und das schindelgedeckte Haus im Stil des 19. Jahrhunderts vollständig unverändert. Die früheren Wohnräume in der Mansarde des Hauses sind als Museum eingerichtet. In einem Ausstellungsraum erzählen Exponate, Autographen, Dokumente und eine umfassende Fotosammlung aus dem Leben von Johannes Brahms und seiner lebenslangen Freundin, der Komponistin und Pianistin Clara Schumann.

Victoria Bond © www.victoriabond.com

Die US-amerikanische Komponistin und Dirigentin Victoria Bond (* 6. Mai 1945 in Los Angeles) entstammt einer Musikerfamilie. Sie studierte u.a. an der Juilliard School of Music Doctor of Musical Arts an der sie auch promovierte. Sie beherrscht sowohl das symphonische als auch das Opernrepertoire in der gesamten Breite. Während ihrer Laufbahn leitete zahlreiche Orchester in Amerika und arbeitet mit Künstlern wie Ray Charles und Billy Taylor. Besonders mit Interpretation zeitgenössischer Musik hat sie sich einen Namen gemacht und hat zahlreiche Erst– und Uraufführungen geleitet. Sie selbst hat acht Opern, sechs Ballette, zwei Klavierkonzerte komponiert. Darüber hinaus auch zahlreiche Kompositionen für Orchester, Kammermusikensembles, Chor und Klavier. Darunter findet sich auch die Oper Mrs. President über Victoria Woodhull, die 1872 als erste Frau für die Präsidentschaft der USA kandidierte und über die Komponistin Clara Schumann. Bond skizziert in ihrem Werk „Clara“ deren Leben sie zwischen künstlerischer Eigenständigkeit, der Abhängigkeit von ihrem Vater und dem Beziehungsgeflecht zu ihrem Mann, Robert Schumann und der Liebe zu Johannes Brahms.

TERMINE: So 14./17.04/21. April // 10./11./12./19. Mai/ 05./06./ 14./15. Juni
(30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Einführung im Spiegelfoyer statt)
VICTORIA BOND: CLARA (UA)
Oper in zwei Akten.
Libretto von Barbara Zinn Krieger.
Koproduktion mit dem Festspielhaus Baden-Baden, den Berliner Philharmonikern und der „Akademie Musiktheater heute“ der Deutsche Bank Stiftung

Im Rahmen der Osterfestspiele (Vorstellungen 14.04., 17.04. und 21.04.) spielen die Stipendiaten der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker eine eigens angefertigte Fassung für Orchester. Die Aufführun¬gen im Repertoire des Theaters (ab 10.05.) werden in der originalen Triobesetzung gespielt.


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