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Skulpturenplatz von Bean Finneran bei der Davis-Klemm-Gallery. Bildnachweis: KMK, Fotograf: Jürgen Rösner
art KARLSRUHE Internationale Messe für Klassische Moderne und Gegenwartskunst
om 21. bis 24. Februar 2019 vereinen sich während der art KARLSRUHE 208 Galerien aus 16 Ländern in den Karlsruher Messehallen. Diese werden zum Schauplatz für Kunst aus einer Spanne von über 120 Jahren. Zusätzlich schaffen insgesamt 20 Skulpturenplätze raumgebende Situationen und laden zum Verweilen ein, kombiniert mit 120 One-Artist-Shows, die einen vertiefenden Einblick in das künstlerische Schaffen Einzelner ermöglichen. Die limitierte Anzahl an Messekojen wurde von dem Beirat der art KARLSRUHE an national sowie international renommierte Galerien vergeben.
Besucher der Art Karlsruhe (c) Bildnachweis: KMK, Fotograf: Jürgen Rösner
Kunsthistoriker bieten Führungen über die Messe an, die einen allgemeinen Überblick zur art KARLSRUHE liefern oder tiefergehende Erläuterungen zu den ausstellenden Galerien und präsentierten Künstlern vermitteln. In 2019 wird es zudem eine Führung zum Sonderthema „100 Jahre Bauhaus“ geben. Diese zeigt Arbeiten verschiedener Bauhaus-Künstler und informiert über die wegweisende Bildungsstätte, die mit ihren Ideen und in ihrer Formensprache bis heute fortwirkt.
Monica Bonvicini ist Hans Platschek Preisträgerin 2019
Seit über zehn Jahren vergibt die Hans Platschek Stiftung den gleichnamigen Kunstpreis auf der art KARLSRUHE. Dieser erinnert an den verstorbenen Maler und Schriftsteller Hans Platschek, einer der bedeutenden Vor- und Nachdenker, aber auch Kritiker künstlerischer Positionen nach dem Zweiten Weltkrieg.
Monica Bonvicini, Foto Andreas Lux
Monica Bonvicini ist eine der einflussreichsten Künstlerinnen der Gegenwart und konzentriert sich in ihren Arbeiten auf sozialpolitische Gegebenheiten. Unter Verwendung unterschiedlicher künstlerischer Ausdrucksformen wie Zeichnung, Skulptur, Installation, Video und Fotografie untersucht sie Themen wie Architektur, Geschlechterrollen, Kontrolle sowie Macht und reflektiert die besondere Bedeutung von Sprache und ihrer Wirkung. Ihr Werk wurde in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellung sowie auf Biennalen auf der ganzen Welt präsentiert.
Die Arbeiten von Monica Bonvicini werden im Dialog mit ausgewählten Bildern von Hans Platschek am Stand der Stiftung in Halle 1 auf der art KARLSRUHE ausgestellt.
Loth-Skulpturenpreis wird zum zweiten Mal ausgelobt
Den mit 20 000 Euro dotierten Preis vergibt eine Fachjury auf der art KARLSRUHE 2019 an einen der insgesamt 20 Skulpturenplätze. Diese zählen zu den unverwechselbaren Eigenheiten der Kunstmesse. Mit dem Preis werden die Galerie und der Künstler gleichermaßen ausgezeichnet.
art KARLSRUHE-Preis für die beste One-Artist-Show
Seit über zehn Jahren wird jährlich auf der art KARLSRUHE der gleichnamige Preis für die beste One-Artist-Show der Messe vergeben. Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Karlsruhe würdigen damit gleichermaßen einen Künstler und einen Galeristen für die beste One-Artist-Show, welche eine Fachjury auswählt. Im Gegenwert von 15 000 Euro werden Werke aus der ausgezeichneten Einzelpräsentation für die art KARLSRUHE-Collection erworben, die die Städtische Galerie Karlsruhe verwaltet.
Sonderausstellung art KARLSRUHE 2019: Sammlung Peter C. Ruppert – Konkrete Kunst in Europa nach 1945
Rosemarie und Peter C. Ruppert 2011 vor Kunstwerken von Heijo Hangen Foto: A. Schollenberger
Von Anfang an begeisterte sich Peter C. Ruppert für die Reduktion auf das Wesentliche, ein Merkmal konstruktiv-konkreter Kunst, die sich durch rationalen Bildaufbau und gleichzeitig überraschende Wahrnehmungseffekte auszeichnet. Mit viel Geduld und großer Fachkenntnis entstand in mehr als 30 Jahren die Sammlung „Peter C. Ruppert – Konkrete Kunst in Europa nach 1945“.
Auf der art KARLSRUHE 2019 werden unter anderem Werke von Künstlern wie Josef Albers, Max und Jakob Bill über Leo Erb bis hin zu Richard Paul Lohse oder David Nash gezeigt. Insgesamt umfasst die Sammlung 420 Werke – darunter Gemälde, Skulpturen, Objekte und Arbeiten auf Papier – von circa 240 Künstlern und Künstlerinnen aus 23 europäischen Ländern. Zunächst alleine und dann im Zuspiel mit Ehefrau Rosemarie stellte der 1934 geborene, in Berlin lebende Sammler eine der vielfältigsten und in ihrer Qualität europaweit einmaligen Kollektionen zur Konkreten Kunst zusammen. Zu den Besonderheiten gehören die konkrete Fotografie und Werke von Künstlern und Künstlerinnen aus Großbritannien. Als Dauerleihgabe ist die Sammlung fast vollständig in Würzburg im Museum im Kulturspeicher zu sehen.
Gauthier Dance präsentiert in Stuttgart einen neuen Tanzabend mit gleich acht Uraufführungen internationaler Star-Choreographen, von denen die meisten schon lange auf Eric Gauthiers Wunschliste standen.
Plakatmotiv zu Deuces, Foto Maks Richter
Die Deuces-Choreographen im Überblick: Nacho Duato –
Ein Duo des spanischen Meisterchoreographen zählt bereits zu den Publikumslieblingen im Repertoire von Gauthier Dance: VIOLONCELLO, der poetische Pas de deux aus Duatos legendärer J.S. Bach-Hommage Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere, der die Tänzerin in das Instrument, den Tänzer in den Cellisten verwandelt. Nun wird der frühere Chef der Compañía Nacional de Danza sowie des Berliner Staatsballetts und derzeitige Hauschoreograph des Michailowski-Theaters St. Petersburg erstmals für Gauthier Dance kreieren.
Nacho Duato Julia Brown, Melo Freire Foto: Regina Brocke
Roni Haver & Guy Weizman –
Das preisgekrönte Choreographenpaar begann seine Karriere bei der „Mutter aller israelischen Ensembles“, der Batsheva Dance Company in Tel Aviv. Nach Stationen in Belgien, Spanien und den Niederlanden gründeten sie ihre eigene Kompanie Club Guy & Roni in Groningen, die für ihre konsequent interdisziplinäre Arbeit gerühmt wird. In Deutschland wurden sie vor allem durch ihre Residenzen beim Staatstheater Mainz und dem Oldenburgischen Staatstheater bekannt. Rui Horta –
Choreograph und Multitalent Horta hat sich auch als Bühnenbildner, Licht-Designer, Film- und Opernregisseur einen Namen gemacht. Tanzstücke kreierte er unter anderem für das Cullberg Ballett, das Ballett Gulbenkian, das Nederlands Dans Theater sowie in Residenzen am Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt und Muffatwerk München. Mit dem O espaço do Tempo in einem Kloster aus dem 16. Jahrhundert leitet er seit 18 Jahren DAS multidisziplinäre Research-, Residence- und Produktionszentrum für zeitgenössischen Tanz in Portugal. Barak Marshall –
Gebürtig aus Los Angeles, teilt Barak Marshall seine Zeit zwischen LA und Israel. Heute arbeitet er für Topkompanien auf der ganzen Welt. Dabei sah es nach einem schlimmen Beinbruch mehrere Jahre lang so aus, als würde sich der damalige Hauschoreograph der Batsheva Dance Company komplett vom Tanz verabschieden. Künstlerisch umzusatteln wäre ihm nicht schwergefallen: Marshall ist im zweiten Leben Sänger, für Klassik und die Musik des Nahen Ostens, und stand unter anderem mit Yo-Yo Ma und dessen Silk Road-Ensemble auf der Bühne. Richard Siegal –
Proben in Madrid: Der bekennende Avantgardist und Wanderer zwischen den Disziplinen zählt zu den derzeit höchst gehandelten Choreographen. Mit seinem 2016 gegründeten Ballet of Difference mit Doppelsitz in Köln und München feiert der längst europäisierte US-Amerikaner Freiheit und Vielfalt jenseits von sexuellen, politischen oder sozialen Festschreibungen. Sein Duo für Gauthier Dance packt er zwischen gleich zwei Beiträge zum Festival BAUHAUS 100 und eine neue Kreation für Balanchine | Forsythe | Siegal, ein Programm des Berliner Staatsballetts.
Richard Siegal, Prima Andrade, Losada Foto: Regina Brocke
Ed Wubbe –
Es sind Choreographen wie Ed Wubbe, die die Niederlande zum Mekka des zeitgenössischen Tanzes gemacht haben. Der langjährige, vielfach preisgekrönte Direktor des Scapino Ballett Rotterdam ist berühmt für seine stark musikalisch geprägten Stücke, die inspiriert sind von großen Werken des europäischen Kulturerbes und die klassische und moderne Elemente zu einer unverwechselbaren eigenen Handschrift verschmelzen. Mauro Bigonzetti
Der langjährige Künstlerische Leiter von Aterballetto hat den zeitgenössischen Tanz in Italien geprägt wie kein anderer. Mit Gauthier Dance hat er schon mehrfach und sehr erfolgreich zusammengearbeitet. Cantata, seine leidenschaftliche Hommage an die Musik und die Menschen aus dem äußersten Süden Italiens, wurde zu einem der beliebtesten Stücke im Repertoire der Company. Eigens kreiert für Gauthier Dance waren der Pas de deux Pietra Viva und vor allem das visuell überwältigende, abendfüllende Ballett Alice nach Lewis Carroll.
Mauro Bigonzetti: Deep Down Dedroog M.Gauthier, Foto: Regina Brocke
Marco Goecke –
Marco Goecke und Gauthier Dance verbindet eine Beziehung, über die man nicht mehr viel zu sagen braucht. Nach dem umjubelten Solo I Found a Fox für Eric Gauthier, dem inzwischen als Klassiker geltenden NIJINSKI und zuletzt Infant Spirit für den Tanzabend Grandes Dames kreiert der weltweit gefragte Choreograph das neue Duo für Deuces erstmals in seiner Funktion als Artist-in-Residence für Gauthier Dance. Das Theaterhaus Stuttgart und die Company sagen: Willkommen, Marco! (Pressetext: Nikola Steller)
Ort: Theaterhaus Stuttgart, T2 Tanzprofil am Montag, 11. März 2019 um 19:30 Uhr
Theaterhaus Stuttgart, T1 Premiere am Samstag, 16. März 2019 um 20:00 Uhr / Sonntag, 17. März 2019 um 14:00 Uhr & 19:00 Uhr / Mittwoch, 20. März 2019 / Donnerstag, 21. März 2019 / Freitag, 22. März 2019 / Samstag, 23. März 2019 – jeweils um 20:00 Uhr / Sonntag, 24. März 2019 um 19:00 Uhr
Künstlerische Leitung/Choreograph: Eric Gauthier Ballettmeisterinnen: Louisa Rachedi, Federica Dadamo, Alexandra Brenk Company Coach: Egon Madsen Künstlerische Koordination Bühne und Kostüme: Gudrun Schretzmeier Technische Produktionsleitung: Mario Daszenies Produktionsleitung: Lisa Beck Tanz: Douglas de Almeida, Bruna Andrade, Louiza Avraam, Nora Brown, Sandra Bourdais, Anneleen Dedroog, Maurus Gauthier, Rosario Guerra, Réginald Lefebvre, Nicholas Losada, Joana Martins, Alessio Marchini, Barbara Melo Freire, Garazi Perez Oloriz, Jonathan dos Santos, Robert Stephen, Sidney Elizabeth Turtschi, Theophilus Veselý
Danielle Zimmermanns Arbeiten könnten Hochglanzmagazinen entnommen sein, denn sie führen uns in die Welt des schönen Scheins. Sie zeigen aber auch, dass dieser Schein ein trügerischer ist. Ihre Arbeiten entstehen nicht auf Leinwand, sie nutzt Plastiktüten, Kartonagen aus dem Supermarkt. In Pop-Art-Manier zeigen sie die harte Werbe-Realität, den Kommerz und nicht zuletzt schlicht und einfach das Plastik-Abfall-Problem. Ein schöner Nebeneffekt: Durch die Verwendung von Plastiktüten, Kartonagen und anderen Gebrauchsstoffen führt die Künstlerin vor, wie das, was von anderen als Müll einfach weggeworfen wird, Basis für echte Schönheit werden kann.
Danielle Zimmermann wurde 1974 in Hechingen geboren. Sie studierte Bildende Kunst und Intermediales Gestalten an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (ABK) sowie Computer Grafik und Interaktive Medien am Pratt Institut in New York. Sie gewann zwei Mal den Akademiepreis der Kunstakademie Stuttgart und den 1. Preis des Fraunhofer IPA Kunstwettbewerbs.Regelmäßig stellt sie in Galerien, Kunstvereinen aber auch in Bildungseinrichtungen und Technologiezentren aus. Danielle Zimmermann arbeitet und lebt in Stuttgart. Mehr unter www.danielle-zimmermann.com
Dauer der Ausstellung: 12.01.2019 bis 08.02.2019 in der Galerie von Braunbehrens Stuttgart, weitere Informationen: www.galerie-braunbehrens.de
Watch the Movie: arsmondo besuchte die Ausstellung „Heute schon gePOPt“ in der Galerie von Braunbehrens . Produzenten: arsmondo & ZimmermannFilm
Das Roomers in Baden-Baden
Das Roomers in Baden-Baden beeindruckt mit Größe und Opulenz und ist schon von weitem ein echter Blickfang. Eine ultra-moderne Fassade prägnant in schwarz-weiß gehalten, vollflächige Fensterfronten dominieren den ersten äußeren Eindruck. Doch welch Überraschung: Empfangen wird der Gast von einem mächtigen antiken Eingangsportal – die Holztüren messen eindrucksvolle 3,80 Meter und schmückten ursprünglich einmal eine spanische Kirche. Modernes Design und internationale Hotelkultur der neueren Generation trifft auf Individualität und Kunst und lässiger Gastfreundschaft auf höchstem Niveau. Fast leitmotivisch ziehen sich genau diese Gegensätze durch das gesamte Hotelkonzept. Den Neubau an der Lange Straße gestaltet das ortsansässige KHP Architektenbüro von Urban Knapp und Marcus Haedecke. Das ehrgeizige Ziel der Initiatoren war es einen einzigartigen neuen zeitgeistigen Anziehungspunkt für Einheimische und Besucher gleichermaßen zu schaffen. Für die Gestaltung im Innenbereich konnte der bekannte italienische Designer Piero Lissoni gewonnen werden. Der für seinen sinnlichen Minimalismus bekannte Mailänder Stararchitekt schuf zum einen weite, lichtdurchflutete Räume, zum anderen setzte er auf rustikale Opulenz. Dunkles Holz und Glas treffen auf Naturtöne und ein ausgeklügeltes Lichtkonzept sorgt für eine wohnliche und zugleich elegante und kultivierte Atmosphäre, in der man sich sofort wohlfühlt.
Kurz: Urbanes Design trifft auf Naturverbundenheit – und der spielerische Umgang mit unterschiedlichen Materialien, Texturen und scheinbar Gegensätzen macht einfach Spaß, weckt die Neugierde und lädt zu Erkundungsspaziergängen ein. Lorenza Marenco vom Team Lissoni betreute und überwachte seinerzeit alle Arbeiten vor Ort. Ihr besonderes Anliegen war es dabei auch die Besonderheiten der Standorts mit in das Einrichtungskonzept einfließen zu lassen. Dazu erwanderte sie sogar die anliegenden Schwarzwald-Höhen, um Eindrücke und Inspiration zu gewinnen. Ein Gewinn für das Interieur – denn durch die Verwendung ortsspezifischer Materialien und Designobjekte und nicht zu zuletzt der Kunst unter anderem auch von einigen bedeutenden Künstlern der Region begeistert das Roomers nicht nur als typischer Designtempel mit internationalem Flair, der überall auf der Welt funktioniert, sondern auch durch die gelungene, wohldosierte Einbindung von regionalen und für den Schwarzwald typischen Elementen. Die bodentiefen Fenster im ganzen Haus holen aber auch die Landschaft ins Innere in dem sie den Blick auf die umliegenden Hügel und Berge des Schwarzwaldes freigeben.
Lobby (c) roomers/gekko group(c) roomers/gekko group
Die Lobby ist großzügig und einladend gestaltet und hat museale Raumdimensionen. Überall laden Tische und Sitzlandschaften zum entspannten Verweilen ein. Ein offener Kamin, ein riesiger Billardtisch, ein gigantisches Bücherregal und Kunst, Kunst soweit das Auge reicht komplettieren und verstärken den Eindruck sich hier eher in einem übergroßen Wohnraum zu befinden, als im Entree eines Hotels. Hinzu kommt, dass man in der Lobby auf den üblichen Empfangstresen gänzlich verzichtet hat, stattdessen darf man sich auf einen der Sessel fallen lassen und wird vom freundlichen Servicepersonal via Laptop in die Gepflogenheiten des Hotels inklusive Check-in eingewiesen. Im Erdgeschoss im Restaurant moriki wird moderne panasiatische Küche serviert und symbolisieren eine Verbindung aus ostasiatischen Aromen und frischen, regionalen Zutaten. Die bestens sortierte Bar, ebenfalls im Erdgeschoss und begehbar durch eine kleine unauffällige Tür lässt für Nachtschwärmer keine Wünsche offen.
Bar mit begenbarem Humidor (c) roomers/gekko groupBar (c) roomers/gekko group
Sie besitzt sogar einen begehbaren Humidor. Der Gang hinaus ins Freie entführt im hinteren Gebäudeteil in einen parkähnlichen Innenhof mit herrlichen Grünpflanzen und einem Teich. An sonnigen Tagen ein herrlich stiller Ort, um nach einem Museums- oder Stadtbesuch einen Drink zu genießen.
Auf dem Dach der fünften Etage lockt dazu eine weitere und in der Stadt einzigartige, großzügige Rooftop Bar mit beeindruckendem Panoramablick auf die Berge.
(c) roomers/gekko group
Die 130 Zimmer und Suiten stehen im Zeichen schlichter Eleganz – puristisch und sinnlich. Tageslicht strömt durch deckenhohe Fenster in den Raum.
Der 500 m² große Spa- und Fitnessbereich ist die Wellness-Oase im Roomers. Mit der Lage in der vierten Etage bietet das Spa zudem einen unglaublichen Blick in die grüne Natur des Schwarzwaldes. Das Spa steht auch Nicht-Hotelgästen zur Verfügung.
Ein besonderes Highlight für mich als Herausgeberin eines Kulturmagazins war bei meinem Besuch an Ostern neben dem unaufgeregten, lässigen jedoch dabei stets superfreundlichem Servicepersonal fraglos die Einbindung von Kunst in das Ausstattungskonzept, denn auch hier wurde unkonventionell und mit spannenden Gegensätzen gearbeitet. Und so wird der Rundgang durch das Haus zu einer lohnenden Entdeckungsreise zwischen Fotografie, Skulptur, Graffiti-Art. Auf den Etagen begegnet man großformatigen Fotografien von Kai Struth, den man auch als „David Lynch der europäischen Fotografenszene“ bezeichnet; 1964 in Hamburg geboren, begann Struths Karriere in den 90ern. Für jede Etage portraitierte er starke, schöne Frauen in der typischen Schwarzwald-Tracht. Aus seiner Serie „Super Flemish“ finden sich zwei Werke von Sascha Goldberger in der Lobby, während die die ausdrucksstarken Fotografien des Freiburger Künstlers Frank Wassmer alias Frank Bale (sein Künstlername) die Zimmer und Suiten bereichern. Bale nennt seine mystisch anmutenden Landschaftsaufnahmen, die er alle im Schwarzwalds gefunden und aufgenommen „Lost Places“.
(c) roomers/gekko group
Nicht fehlen darf natürlich Stefan Strumbel! Er ist gleich mit mehreren ganz unterschiedlichen Arbeiten präsent. Der Künstler stammt aus dem Schwarzwald, genauer aus Offenburg und sorgte in den 90ern zunächst durch seine Sprühbilder für Aufsehen. Für ihn spielt das Thema „Heimat“ eine zentrale Rolle, seine künstlerische Interpretation dazu ist immer ambivalent und provokativ. Seine Graffiti-Schwarzwaldmädels mit Bomben und Spritzen erhitzten die Gemüter, ebenso wie seine knallbunten Pop-Art-Schwarzwaldwanduhren. Heute mischt er im internationalen Kunstmarkt mit, seine Arbeiten werden in Basel, Miami, Berlin, Hamburg, Hongkong und Shanghai ausgestellt und finden sich in renommierten Sammlungen von Karl Lagerfeld oder Hubert Burda wieder.
(c) roomers/gekko group
Dass das Roomers aber nicht nur im eigenen Haus Kunstverstand besitzt, zeigt auch die offene und intensive Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Kulturinsitutionen. Hier seien vor allem die beiden Leuchttürme der Stadt das Festspielhaus Baden-Baden und das Museum Frieder Burda genannt, mit denen das Roomers immer wieder besondere Veranstaltungsformate kreiert.- Claudia Fenkart-Njie
Welch wunderbares, modulierendes Instrument die Stimme sein kann und wie wichtig es ist, in schwierigen Zeiten die Stimme zu erheben, darüber gibt die vielseitige Schauspielerin in diesem Gespräch Auskunft. Für die 12. Internationalen Stuttgarter Stimmtage im November hat Iris Berben die Schirmherrschaft übernommen.
arsmondo: Sie haben sich bei Ihren Rollen und auch beim Genre nie festlegen lassen. Das hat sie vor der gefährlichen „Schublade“ bewahrt. Sie spielten Rollen wie die der Rosa Roth, eine engagierte Kommissarin, in Sketchup waren sie die Comedy-Partnerin von Dieter Krebs, darüber hinaus haben Sie in vielen Filmen facettenreiche Frauenfiguren verkörpert mit denen man mitfiebert, lacht oder leidet. Das bedeutet jede Menge Stimmungen, Gefühle zu entwickeln und auf den Punkt abrufen zu können. – Wie nähern Sie sich diesen unterschiedlichen Rollen?
In der Comedyserie Sketchup gab es viele kleine kurze Szenen – Miniaturen – dort habe ich gelernt viel und sehr genau zu arbeiten. – Comedy hat ja in Deutschland leider nicht den Stellenwert wie beispielsweise im englischsprachigen Raum – dabei ist es eigentlich eine Königsdisziplin für jeden Schauspieler, denn dort lernst du viel über Timing, das schnelle Begreifen einer Situation und wie du sie möglichst reduziert und spontan rüberbringst. Die Unterschiedlichkeit meiner Rollen ist ein Glücksfall für mich – weil gerade dadurch keine Routine aufkommt. Es sind ganz unterschiedliche Wege, die mich in meine unterschiedlichen Rollen führen. Ich habe kein festes Konzept – man muss sich jedes Mal aufs Neue auf einen Charakter einlassen. In manchen Rollen trägst du ein historisches Korsett, zum Beispiel als ich in dem Film Die Buddenbrocks die Konsulin Bethsy Buddenbrook gespielt habe oder die Berta Krupp (Krupp – Eine deutsche Familie ist ein dreiteiliger Historienfilm/2009 , A. d. R.). Dafür musste ich erst einmal sehr viel Lesen über die jeweilige Zeit. Solche Frauen-Figuren darfst du ja nicht aus unserer heutigen Sprachgewandtheit und Offenheit herausspielen, sondern aus dem damaligen Bewusstsein heraus entwickeln. Natürlich bin ich glücklich, dass ich das ganze Rollen-Spektrum so breit füllen darf und kann. Mein Credo lautet immer maximale Empathie für eine Rolle mitbringen auch wenn es ein Charakter mit negativen Seiten ist. Du musst sie in dem Moment mögen und verstehen. – Manchmal fiel mir das sehr schwer, weil es so weit von einem weg sein kann. Das ging mir bei der Rolle der Cosima Wagner so („Die Wagners“ A.d.R.), nicht zuletzt auch, weil sie eine bekennende Antisemitin war. Aber man muss versuchen, eine solche Figur aus ihrer Zeit heraus zu begreifen und dann eben jenen Punkt in sich selbst finden. Warum bin ich wie ich bin. Es geht um Identifikation. Sie ist jedes Mal mit einer langen und intensiven Vorarbeit verbunden, die einen unglaublichen Einblick in andere Welten, Menschen und Lebensformen eröffnet.
arsmondo: Die Stimme drückt unsere Stimmungen aus und ist der Spiegel der Seele – sie offenbart der Umwelt unsere Gefühlswelt – ob wir wollen oder nicht. Im Alltagsleben ist das für uns ja selbstverständlich, da denken wir ja gar nicht nach. Aber wie ist das auf der Bühne und im Film?
Wichtig ist, in der Figur zu sein, sie nicht von außen zu spielen. Du musst mit einer Figur verschmelzen in ihr drin sein. Nur dann überzeugst du dein Publikum. Aber wie finde ich die richtige Stimme? Ich habe jetzt einen 5-Teiler abgedreht, der im Oktober im Fernsehen startet. Er heißt „Die Protokollantin“. Da geht es sehr viel um Stimme. Die Frau, die ich spiele, ist düster. Dafür musste ich die Stimme suchen. Welche Stimmlage brauche ich. Hier ging es um Reduktion, um das „Abschleifen“ von Worten und Emotionen – in solchen Momenten merkst Du welch wunderbares Instrument die Stimme sein kann. Ich arbeite und übe ständig an meiner Stimme – sie zu modellieren, den richtigen Ton zu treffen. Ich schätze eine klare und verständliche Sprache – auch wenn man flüstert oder nuschelt oder schnoddrig sein muss. Man sollte trotzdem immer verstanden werden. Ich finde, dass heute oft die Sprache vernachlässigt wird. Oft versteht man die Schauspieler nicht mehr. Man muss die Sprache gut beherrschen, um mit ihr umgehen zu können.
„Beim Einstudieren von Rollen geht es um
Identifikation. Sie ist jedes Mal mit einer langen und intensiven Vorarbeit verbunden, die einen unglaublichen Einblick in andere Welten, Menschen und Lebensformen eröffnet.“
arsmondo: Sie absolvierten eine Tanz- und Bewegungsausbildung in London sowie eine Sprech- und Gesangsausbildung. Gibt es Unterschiede zwischen Stimme und Sprache im Film, Bühne und realem Leben? Wie finden Sie in Ihren verschiedene Rollen – den richtigen Ton?
Ich war nie auf einer Schauspielschule. In London habe ich eine Tanz- und Bewegungsausbildung sowie eine Sprech- und Gesangsausbildung absolviert, aber das war nur auf eine bestimmte Rolle hin bezogen. Alles was ich kann, habe ich durch learning bei doing erlernt. Und das Schöne ist, dass du als Schauspieler nie auslernst! Jedes Projekt ist anders und eine neue Herausforderung. Da geht es um innere Ansprüche und um eigene Vorstellungen. Dazu muss ich jedes Mal die Emotionen in mir suchen. Wie spreche ich als alte Frau? Ich habe ja auch schon Achzigjährige gespielt, oder wie klingt eine Frau mit vierzig oder wie klingt ein Kind oder eine Jugendliche? Wie fühlt ein junges Mädchen? In meinen Lesungen über Selma Meerbaum-Eisinger beispielsweise – sie starb früh und schrieb ihre wunderbar ergreifenden Gedichte zwischen dem15. bis 18. Lebensjahr.* Wie finde ich dieses Lebensgefühl, diese Lebensgier, diese Offenheit und Wachheit? Ich liebe solche Arbeiten, die mich fordern und in der ich nach richtiger Stimme und Ton suchen muss.
arsmondo: Sie stehen für Dinge ein – für Toleranz und Gerechtigkeit – sie äußern sich auch zu politischen und gesellschaftlich relevanten Themen – d.h. Sie erheben Ihre Stimme und setzen sie ein, um etwas zu bewegen.
Wir leben in einer Welt in der vieles lauter wird – auch die Forderungen. Und es gibt heute unzählige Möglichkeiten, Meinungen zu verbreiten. Generell glaube ich nicht, dass man das Einstehen für etwas in der Öffentlichkeit von jedem verlangen sollte, auch nicht expliziert von uns Künstlern. Aber ich komme aus einer anderen Zeit – der Zeit als man sich in den 68er-Jahren gegen die Verkrustungen der Vergangenheit frei zu machen versuchte, es ging auch um Frauenrechte, um Öffnung gegenüber dem Neuen und Anderen. Wir wollten die Welt verändern und das Nachkriegsdeutschland. In die Sprachlosigkeit eingreifen. Sprache kann eine Waffe sein. Wir merken das heute wieder sehr, wie man mit Worten treffen kann. Menschen kann man mit Worten einlullen und fangen. Es gibt sie wieder die Menschfänger, die mit vermeintlich leichten Worten einfache „Wahrheiten“ verbreiten – einfache und leichte Antworten geben für komplexe Themen. Das hat ja auch alles mit Sprache zu tun. Wie vermittle ich etwas? Wie aggressiv oder sanft bin ich dabei? und ja da sehe ich für mich eine große Notwendigkeit, auch meine Stimme zu erheben. Ich versuche auch, meine Haltung klar zu machen und dadurch vielen Menschen zu zeigen: Wir alle können etwas tun! Natürlich macht du dir dadurch nicht nur Freunde, und du machst dich angreifbar. Das muss man aushalten können und wollen.
arsmondo: Sie widmen sich neben Ihrer Filmarbeit auch leidenschaftlich gerne der Literatur – was würden Sie sagen: Ist das Einsprechen von Hörbüchern und Synchronisation eine gute Übung für Selbstreflektion und Kontrolle – Körper, Gesicht, Mimik entfallen, man wird ja ganz auf seine Stimme beschränkt – sich wieder der eigenen Stimme und Sprache ganz direkt zu stellen?
In diesem Bereich muss man noch genauer arbeiten. Gleichzeitig merkt man was für eine ungeheure Macht die Stimme haben kann. Je nach Thema und Figur in Texten muss man blitzschnell in einen anderen Sprachduktus schlüpfen. Ich habe ein Hörbuch und Lesungen zu Anne Frank und Josef Goebbels gemacht. Da musste ich mir im Vorfeld ganz genau überlegen: Unterstreichst du? Übertreibt du? Oder lässt du perfide Sätze eines Goebbels in der Distanz – ohne sie zu interpretieren einfach im Raum stehen. Wie kann ich etwas nur durch meine Stimme spannend machen?
Ich habe immer noch einen Riesenrespekt vor meinem Beruf – ich liebe ihn und nehme ihn sehr ernst – das bedeutet, ich versuche immer alle Möglichkeiten zu nutzen, diesen Beruf auszufüllen – wach und offen zu sein. Beobachten – Kollegen zuzuhören und zuzuschauen – wahrnehmen, was um mich herum geschieht. All das nimmt man in seinen Erfahrungsschatz auf.
arsmondo: Muse und Muse-Stunden – welche Lieblingsbeschäftigungen gehen Sie in Ihrer freien Zeit nach?
Ich lese sehr gern und viel, und ich gehe ebenso gerne in Buchhandlungen. Ich kämpfe dafür, dass diese auch erhalten bleiben, ich mag es, dort zu stöbern und zu blättern, mich mit anderen auszutauschen. Dann reise ich viel. Die Welt so ausgiebig kennenlernen wie es nur geht, denn es gibt nichta aufregenderes als andere Kulturen und Lebensformen, Gegenden und Orte kennenzulernen. Und ich koche leidenschaftlich!
Teodor Currentzis – Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters
Er macht Fenster auf“, konstatiert ein Hornist des SWR Symphonieorchesters begeistert über den neuen Mann, der seit der Spielzeit 18/19 das Dirigat übernommen hat. Das Dirigat? Ja schon, aber Teodor Currentzis wiegelt ab. Er mag die Bezeichnung „Chefdirigent“ nicht besonders. Er sieht sich als Musiker, setzt auf Begegnungen auf Augenhöhe. Er verlangt nicht mehr, als er selbst gibt, was zugegebenermaßen beinahe alles ist: bedingungslose Liebe und totale Hingabe an die Musik und das in jedem Moment. Musik ist für den detailversessenen Perfektionisten die Sprache der Engel.
Das Symphonieorchester war im vergangenen Jahr aus einer umstrittenen Fusion, des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg sowie des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart hervorgegangenen, der auch Currentzis skeptisch gegenüberstand. Er hat beide Orchester in der Vergangenheit dirigiert. „Für mich ist es von besonderer Bedeutung, den Reichtum beider Ensemble-Traditionen aufzugreifen und das neue Orchester aus dem Besten der beiden Klangkörper zu gestalten“, beteuert Currentzis heute. Und weiter: „Mein goldenes Ziel ist es, die Identität jedes einzelnen zu respektieren – und jeden dazu zu bringen, sein eigenes Geschenk für einen großen Sound zu geben.“
Der leicht exzentrisch anmutende, auch privat zumeist schwarz gekleidete, russisch sozialisierte Grieche ist aktuell einer der wohl meistdiskutierten Interpreten des Klassikbetriebs; er elektrisiert und polarisiert. Die Aussagen reichen von „Klassikrebell“ und „revolutionärem Geist“ über „Ausnahmetalent“. bis zu „manieriertem Übertreiber“. Doch wie auch immer man ihn beschreibt, Teodor Currentzis liebt die Bühne, die Inszenierung und lässt sich nicht beirre! Er gehört definitiv zu den vielseitigsten und interessantesten Dirigenten seiner Generation. Sein Repertoire umfasst sämtliche Epochen, Werke von der Barockzeit bis zur Avantgarde. Das Wichtigste ist für ihn im Konzert die Kommunikation, zwischen Dirigent und Musikern sowie zwischen Orchester und Publikum. Nur wenn diese gelingt, wird die spirituelle Kraft der Musik erlebbar.
Der besondere Impuls des Neubeginns und die Mission des „Klassikrebellen“ war im September im spontan anberaumten „Überraschungskonzert“ bereits deutlich zu spüren. Experimente mit Licht, Präsentationsformen, Tempi, Dynamik und Klangfarbe, überraschende Zugaben und Improvisationen zeichneten den Abend aus. Das Publikum erfuhr ungewöhnlicherweise erst nach der Präsentation, was ihm da eigentlich zu Gehör gebracht wurde. Die Intention des Chefdirigenten dabei: Das Publikum kann so einfach mal ganz unbefangen zuhören. Und so wurde zwischen den Sätzen von Beethovens 7. geklatscht – scheinbar noch immer ein kulturelles Politikum, da sich die Berichterstattung bemüßigt fühlte, ganz aufgeregt davon zu erzählen. Currentzis stört Applaus zwischen den Sätzen im Übrigen nicht im Geringsten. Schließlich ist es ihm viel wichtiger, auch klassikunerfahrene Zuhörer zu gewinnen. Der „berüchtigte Radikale“ möchte das klassische Konzert aus der philharmonischen Routine und von kommerziellen Zwängen befreien. Klang ohne Spiritualität ist für ihn ein bloßes Geräusch. „Virtuosität allein“, so sagt er, „ist nur eitel“. Und das Orchester folgte seinem Dirigenten über die Grenzen der klassischen Konzertkonventionen hinaus. Seine Liebe zur Musik inspiriert und alle Beteiligten merkten, dass er jeden einzelnen Musiker hört und beschwört, mit Leib und Seele dabei zu sein.
Mit dem Engagement des in der Klassikwelt umworbenen Teodor Currentzis als Chefdirigent ist dem SWR in jedem Fall ein ausgesprochener Coup gelungen. Man darf auf die kommenden Konzerte mehr als gespannt sein.
Teodor Currentzis, geboren 1972 in Athen, besuchte bereits mit zwölf Jahren Kurse für Violine am Nationalen Konservatorium der Stadt. 1987 begann er dort ein Dirigierstudium. Nachdem er in St. Petersburg von 1994 bis 1999 bei dem legendären Ilya Musin studiert hatte – und das war kein Zufall, gilt der doch als einer der bedeutendsten Lehrer in der Kunst des Dirigierens – übernahm er von 2004 bis 2010 die Position des Chefdirigenten am Nowosibirsker Staatlichen Akademischen Opern- und Ballett-Theater. Dort gründete er die Ensembles MusicAeterna sowie den MusicAeterna-Chor, die er zu weltweiten Erfolgen führte, und die bis heute in Perm, wo er seit 2011 Musikdirektor des Opern- und Ballett-Theaters ist, beheimatet sind. Internationale Gastdirigate gehören ebenso zu seinem Musikalltag, wie er auch künstlerischer Leiter des Internationalen Diaghilev-Festivals in Perm und Mitbegründer des Festivals Territoria in Moskau ist. Und besonders außergewöhnlich: Im Film Dau des russischen Regisseurs Ilja Chraschanowsiki von 2011, der das Leben des russisch-jüdischen Physik-Nobelpreisträgers Lew Landau schildert, übernahm Currentzis die Hauptrolle.
Zur Spielzeit 2018/19 hat der für seine richtungsweisenden Interpretationen vielfach ausgezeichnete Ausnahmekünstler die Leitung des SWR Symphonieorchesters übernommen. Teodor Currentzis und die Musiker des SWR Symphonieorchesters blicken bereits auf eine umfangreiche gemeinsame Konzerterfahrung zurück. Er dirigierte sowohl das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg sowie das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR und hinterließ begeisternde Konzerterlebnisse.
Als der rebellische junge Paulo aus Brasilien und die Holländerin Karla sich in Amsterdam begegnen, trifft sie die Liebe wie ein Blitz. Sie beschließen, gemeinsam aufzubrechen und als Reisende auf dem Hippie-Trail Erfahrungen zu sammeln, nach eigenen Werten zu suchen und danach zu leben. Mit an Bord sind ihre Freunde Rahul, Ryan und Mirthe sowie die Musik, die damals die Welt aus den Angeln hob. Eine inspirierende Reise von Amsterdam nach Kathmandu, an Bord des ›Magic Bus‹. Geschrieben von Paulo Coelho, der uns an einem unbekannten, frühen Kapitel seines Lebens teilhaben lässt.
Cover
Inhalt
Wer sich selbst kennenlernen will, sollte zunächst die Welt kennenlernen. In den späten 1960er Jahren entwickelte sich in vielen Ländern eine gegenkulturelle Jugendbewegung, für die ›Hippie‹ zum globalen Synonym geworden ist. Die Hippiebewegung richtete sich gegen Konsumgesellschaft, vorgeprägte Lebensentwürfe, Militarismus – alles, was für ein Leben in Entfremdung stand.
Die Suche nach einem eigenen, selbstbestimmten und sinnhaften Leben erfasste eine ganze Generation – auch den jungen Paulo Coelho in dem damals von einer Militärdiktatur beherrschten Brasilien. Paulo will Schriftsteller werden und bricht auf, die Welt zu bereisen auf der Suche nach Freiheit und seinem Lebenssinn. 1970 trifft er in Amsterdam die junge Niederländerin Karla, die einen Reisebegleiter für ihren Trip nach Nepal mit dem Magic Bus sucht.
Aus dem Brasilianischen übersetzt von Maralde Meyer-Minnemann
Hardcover Leinen
304 Seiten
erscheint am 26. September 2018 im Diogenes Verlag / ISBN 978-3-257-07049-1
Thomas Mann House in Los Angeles
Im Juni wurde das ehemalige Wohnhaus von Thomas Mann in Los Angeles feierlich eröffnet. Hier lebte und arbeitete der Literatur-Nobelpreisträger von 1942 bis 1952 in der Zeit seines Exils in den USA. Hier verfasste und sprach er seine Aufrufe, die unter dem Titel „Deutsche Hörer!“ von der BBC ausgestrahlt wurden.
Das Thomas Mann House ist ein Ort von historischer Bedeutung für die Geschichte der deutschen Literatur, der Deutschen und für das deutsch-amerikanische Verhältnis. Die Instandsetzung, die Ausstattung und das Programm des Thomas Mann House werden von der Berthold Leibinger Stiftung (Ditzingen) mit 3,5 Millionen Euro unterstützt.
Was bringt eine Einrichtung wie die Berthold Leibinger Stiftung GmbH dazu, sich bei einem derartigen Projekt zu engagieren? Der Grund ist in der Person des Stiftungsgründers Berthold Leibinger zu finden. Seine Liebe zur Literatur und speziell zu Thomas Mann und seine guten transatlantischen Beziehungen – Berthold Leibinger verbrachte als junger Ingenieur mehrere Jahre in den USA – führten zu der Förderzusage der Berthold Leibinger Stiftung, verteilt über mehrere Jahre. Nicht nur die Einrichtung des Hauses, in dem Thomas Mann zehn Jahre lang lebte, wird von der Stiftung gefördert, sondern auch die Ausstattung der Bibliothek sowie der Katalog zur Vita und zu den literarischen und politischen Aktivitäten des Schriftstellers während seines Exils. Der Verein Villa Aurora & Thomas Mann House e.V. verantwortet das Programm und Fellowships für Intellektuelle aus allen Bereichen der deutschen Gesellschaft, insbesondere für Vertreter aus Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Medien. Die Berthold Leibinger Stiftung unterstützt die Fellowships mit dem Ziel, in die amerikanische Gesellschaft hineinzuwirken.
Für Berthold Leibinger ein wichtiger Schritt: „Es war klug, das Haus der Manns … zu erwerben. Es ist zunächst eine Reverenz an den Geist, der von ihm ausging. Darüber hinaus ist es eine Möglichkeit für uns, den Dialog mit dem geistigen Amerika – auch in diesen Tagen, in denen wir nicht ohne Sorge nach Amerika blicken – zu führen. Wobei die Anliegen und Fragen, die durch Thomas Mann damals besprochen wurden, von beklemmender Aktualität sind.“
Thomas Mann in Pacific Palisades
Zehn Jahre lang lebten Thomas Mann und seine Familie in dem Haus am San Remo Drive im Stadtteil Pacific Palisades. Es wurde in diesen Jahren zu einem bedeutenden Treffpunkt für Künstler und Intellektuelle von beiden Seiten des Atlantiks. Philosophen wie Martin Buber und Theodor Adorno trafen sich hier, weltberühmte Wissenschaftler wie Albert Einstein ebenso wie die Schriftsteller Lion Feuchtwanger, Alfred Döblin, Franz Werfel und Bertolt Brecht oder die Komponisten Bruno Walter und Arnold Schönberg.
Hier entstanden große literarische Werke wie der Schlussband der Joseph-Trilogie und der „Doktor Faustus“. Im Zentrum seines Schaffens jedoch stand die Auseinandersetzung mit der geistigen und politischen Situation jener Zeit. So stellte Thomas Mann bald nach seiner Übersiedlung in die Vereinigten Staaten im Jahr 1939 fest, „daß es ein Irrtum deutscher Bürgerlichkeit gewesen war, zu glauben, man könne ein unpolitischer Kulturmensch sein.“ Fortan führte er aus dem US-Exil seinen Kampf gegen die ideologischen Verteidiger Hitlers.
Thomas Mann suchte während seiner Zeit im amerikanischen Exil die intensive Auseinandersetzung mit der US-Kultur. 1944 nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Amerika veränderte seine Sicht auf die Welt und sein Heimatland. Doch sein unermüdlicher Einsatz gegen Hitlerdeutschland hatte ihn auch ins Fadenkreuz des FBI gebracht und er entging nur knapp einer Vorladung vor den Ausschuss für unamerikanische Umtriebe. Er warnte im Jahr 1948 in einem Flugblatt, das sich gegen die Politik McCarthys richtete, davor, dass sich in den USA eine spezifische, amerikanische Form des Faschismus abzeichne.
Das Thomas Mann House: Ein Debattenort am Pazifik
Der Verein Villa Aurora & Thomas Mann House e. V. betreibt in Los Angeles bereits seit 1995 die Künstlerresidenz Villa Aurora, das ehemalige Exildomizil Marta und Lion Feuchtwangers, ebenfalls in Pacific Palisades. Er verfügt über eine etablierte Infrastruktur vor Ort. Im Thomas Mann House wird er ein Residenzprogramm in Form von Fellowships verantworten. Es soll Intellektuellen und Denkern aus allen Bereichen der deutschen Gesellschaft, insbesondere aus Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Medien, Gelegenheit zur Stellungnahme zu den großen Fragen der Zeit sowie zum Austausch und zur Vernetzung mit Persönlichkeiten und Institutionen in den USA bieten. Die Thomas Mann Fellowships haben in der Regel eine Dauer von mindestens drei und maximal zehn Monaten.
Ein Beirat von Expertinnen und Experten auf diesen Gebieten aus Deutschland und den USA, der vom Kuratorium und vom Vorstand des Villa Aurora & Thomas Mann House e. V. nominiert wird, wählt einmal jährlich die Fellows für das Folgejahr aus.
Das Residenzprogramm wird vom Auswärtigen Amt und von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert und von der Berthold Leibinger Stiftung, der Robert Bosch Stiftung und der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung unterstützt.
Alle Fotos in diesem Beitrag: (c) Villa Aurora & Thomas Mann House
TWO ON THE ROAD
Filmemacher Dieter Zimmermann und Comedian Michael Gaedt verbindet eine langjährige Freundschaft. Als Frontmann der Kulttruppe „Die Kleine Tierschau“ schrieb Gaedt ein Stück Schwäbischer Kulturgeschichte. Zimmermann drehte Dokumentarfilme z.B. über das Stuttgarter Ballett und die Fanta Vier. In seinem jüngsten Werk „Ein Tier schaut zurück“ blickt er „behind The red curtain“ und findet neben knallfarbenen Trainingsanzügen, Hühnern und dem sympathischen Grössenwahn auch die leisen Töne der Ostalb-Entertainer.
Dieter Zimmermann Ich bin heute mit dem Auto zu dir gefahren und habe unterwegs ein Plakat gesehen mit der Aufschrift „Hölzel und sein Kreis“… Wie würde das auf uns bezogen heißen: Zimmermann und sein Kreis oder umgekehrt Gaedt und sein Kreis? Michael Gaedt Ganz klar: Zimmermann und sein Kreis! Erst durch den Kontakt zu dir kam ja die ganze Wahrheit über „Die kleine Tierschau“ ans Licht. Du und deine Filme waren von Anfang an wie eine Art Katalysator für das, was wir alles angestellt haben. Dieter Zimmermann Na, ich würde eher sagen, ich war euer Transformator über eine lange Wegstrecke. Kannst du dich denn noch daran erinnern, wie wir uns eigentlich kennengelernt haben? Michael Gaedt Auf der Geburtstagsfeier von Prof. Kurt Weidemann Anfang der 80er-Jahre! Wir, „Die kleine Tierschau“ waren das Geburtstagsgeschenk von Walter Giers, seines Zeichens
Konzept- und Medienkünstler. Giers hatte uns bei einem Aufritt in Schwäbisch Gmünd gesehen und war begeistert. Und so bekamen wir unseren ersten Auftritt in Stuttgart. An diesem Abend haben wir uns kennengelernt.
Dieter Zimmermann Ein toller Abend – es herrschte entspannte Salon-Atmosphäre in Kurts schönem Haus in typischer Stuttgarter Halbhöhenlage. Jede Menge illustre Gäste waren da, unter anderem sogar der Modemacher Willi Bogner aus München und
Tänzerinnen und Tänzer vom Stuttgarter Ballett. Um Mitternacht habt ihr dann auf einer Holz-Platte gesteppt, die kaum größer war als ein Quadratmeter; dazu habt ihr gesungen und allerlei Klamauk veranstaltet. Würdest du rückblickend sagen, dass das
die Keimzelle für euer späteres Bühnenkonzept war? Michael Gaedt Das Improvisatorische war immer unsere Grundlage – ich denke da gerade an einen unserer späteren Auftritte beim Jungfernflug der Virgin Atlantic Airways des britischen Unternehmers Richard Branson. Auf dem Flug von London nach New York haben wir auch auf kleinstem Raum, auf Tabletts im Mittelgang gesteppt… Dieter Zimmermann Ihr kamt ja vom Straßentheater. Doch wie habt ihr drei, Michael Schulig, Ernst Mantel und du, eure eigene Sprache für die „Tierschau“ gefunden und jene unverwechselbaren Performances entwickelt? Michael Gaedt Ich habe meine Steinmetzlehre mit Straßenmusik finanziert – das Lehrgeld hätte für die Miete meiner Wohnung in Stuttgart nicht gereicht. Mit Michael und Ernst hatte ich bereits damals immer wieder gemeinsam Musik gemacht – irgendwann haben wir festgestellt, dass wir zu dritt einfach sehr gut können. Unsere gemeinsamen Straßenauftritte haben uns dann lustigerweise ins Fernsehen gebracht. In München hat uns ein Späher von Alfred Biolek gesehen, und so kamen wir in seine Show beim Bayerischen Rundfunk… Dieter Zimmermann Alfred Biolek war ein großer Förderer. Übrigens: Wusstest du, dass er mit Kurt Weidemann damals gemeinsam Kabarett gemacht hat? Michael Gaedt Biolek war Justiziar beim ZDF, bevor er begann, selbst Fernsehgeschichte zu schreiben, und Kurt war ja schon damals eine Ikone, was Schriftgestaltung anging, Professor für Typografie – eine Riesen-Persönlichkeit! Wusstest du, dass bis heute Bibeln in einer Schrift gedruckt werden, die „Weidemann“ heißt? Dieter Zimmermann Nein, aber die Zeit damals war ja insgesamt sehr von besonderen und starken Typen geprägt. Kurt Weidemann war mein Lehrer an der Kunstakademie in Stuttgart. Er sagte mal: „Ein Film ist nicht gut, wenn er fertig ist, sondern ein Film ist dann fertig, wenn er gut ist.“ Das hat sich bei mir eingraviert. Ich dachte jedenfalls auch viel über meine Filmsprache nach. Als ich die Idee hatte, meinen ersten Film über und mit euch zu machen, hatte ich noch keine Ahnung, wo unser gemeinsamer Weg hinführen würde. Ich war damals ein engagierter Jungfilmer beim SWR und meine Themen waren Sport, Natur und Kultur. Das mit euch war etwas ganz anderes… Michael Gaedt Du hast doch damals einen Film über den Querfeldeinfahrer Klaus Peter Thaler gemacht. Der war toll. Du bist doch auch ein ganz guter Improvisator… Dieter Zimmermann … und ewiger Quereinsteiger – auch bei meinen Themen. Als studierter Kommunikationsdesigner komme ich vom stehenden Bild. Durch meine Arbeit beim SWR kam ich zum bewegten Bild, sprich zum Medium Film. Wenn mich ein Thema begeistert, dann fuchse ich mich gerne rein und zwar mit Haut und Haaren. Ich hatte von Literatur wenig Ahnung und habe einen Film über das Literaturmuseum in Marbach gemacht – und einen über den Stuttgarter Weissenhof auf dem Killesberg und wie dort oben ein neuer Stadtteil entsteht. Da habe ich eine Menge über Architektur und Bauen gelernt. Ich muss den Zeiger immer auf Null stellen – Angst vor der eigenen Courage haben, mich reinarbeiten. Das ist mein Weg; nur so werden meine Arbeiten gut. Ich muss mir meine Strukturen suchen, mit dem Material arbeiten, das mir angeboten wird. Ich bin dann wie eine Art Schwamm, der alles aufsaugt, und das kommt dann in der realen Bildsprache wieder heraus. Und genauso authentisch wollte ich euch mit meiner Filmsprache einfangen – ich glaube sogar, ich wollte euch mit meiner Sprache übertrumpfen, aber das ist mir nicht gelungen… Michael Gaedt Weil Eitelkeit immer ein schlechter Ratgeber ist…(lachen beide) Dieter Zimmermann Ihr wart eine extreme Truppe und genau das hat mich gereizt und herausgefordert. Dem wollte ich eine extreme Filmsprache entgegensetzen. Im Vorfeld zu den Drehs hatte ich jede Menge Exposés geschrieben – die hatte ich euch gezeigt, aber als es dann losging, habt ihr nichts von alldem umgesetzt, sondern alles neu nach eurem Gusto interpretiert. Alles kam spontan und chaotisch – da wart ihr für mich wieder die Kinder des Straßentheaters – war euch das bewusst? Michael Gaedt Nein. „Die kleine Tierschau“ umwehte eben stets die „Ästhetik des Spontanen“. Das haben wir auch mit in die Shows genommen und sind dann hochglanzpoliert damit durchgerauscht… Dieter Zimmermann Aber ich wollte keinen dieser hochglanzpolierten Bühnen-Filme mit euch machen, sondern euch draußen im Off zeigen. Wir waren ja dann auch auf Hunde-, Sport- und Schrottplätzen und in einer alten Papierfabrik am Neckar zugange. Ich wollte in den „Zwischenräumen“ herumexperimentieren, ungeschminkte Wahrheiten entdecken. Ich wollte eine andere Kulisse für euch und dazu seidene, knallfarbene Trainingsanzüge aus Prag… Ich habe viel in Ballettsälen gedreht – da hat es nach Schweiß und alten Socken gerochen, aber da war für mich immer das wahre Künstlerleben, das ich filmisch erkunden wollte. Mit meinem Credo „What is behind the red curtain?“ bin ich damals aus dem Rahmen gefallen, weil man mit Kunst oft das Rampenlicht definierte. Aber der perfekte Pas de Deux auf der Bühne hat mich nie interessiert.
Michael Gaedt Ja, das ist eines deiner Markenzeichen, deshalb fotografierst du auch seit Jahren hässliche Eingangstüren! Dieter Zimmermann …und Aral-Tankestellen, Schrebergärten, Industriegebiete und Neckar-Container – nichts ist vor mir sicher. Ich mag halt die Dirty Things… Michael Gaedt … und wir hatten dank dir gigantische Kulissen: Ob Flughafen oder Steinbruch – wir haben tolle Roadmovies gedreht. Dieter Zimmermann Euer extremer Bühnenaufwand damals war für mich Ansporn, ebenfalls mit dem großen Team aufzukreuzen. – An einem superheißen Tag im Stuttgarter Stadtteil Fasanenhof haben wir mal mit Schienen und Kran und viel Schminke gearbeitet. Für euren Song haben wir einen ganzen Tag gebraucht. Da werde ich im Rückblick fast wehmütig – warum haben wir uns da so wohl gefühlt? Michael Gaedt Ich glaube, wir waren einfach das richtige Team in der richtigen Zeit – all das ist ja heute nicht mehr möglich, weil Fernsehen heute anders funktioniert. Früher hatten wir ja nur drei Fernsehprogramme – und trotzdem würde ich sagen: Es gab mehr Vielfalt als heute. Und die Art zu arbeiten, so wie mit dir, gibt es heute ebenfalls nicht mehr. Damals hatte man Zeit, etwas zu entwickeln und auszuprobieren. Ich erinnere mich in dem Zusammenhang an deine Drehbücher, die aussahen wie grafische Kunstwerke – alles von Hand gezeichnet. Dieter Zimmermann Für mich und den SWR wart ihr eine Art magischer Türöffner – „Die kleine Tierschau“ war ja Kult! Sie aber ins Unterhaltungsprogramm des Senders aufzunehmen, in dem bislang ein Wort wie „Comedy“ gar nicht vorkam, war dennoch ein Risiko. Für mich gab es immer die Frage: Schaffen wir es, euch auch filmisch zu fassen? Wir sind dazu vor nichts zurückgeschreckt – in einer Szene ließen wir sogar Hühner im SWR-Sendestudio im Orchestergraben los. Im Probenraum der Villa Berg – ihr habt eure berühmte Nacktnummer als Streichquartett gespielt – und die Hühner haben auf die Monitore geschissen – und ihr habt am Ende in die Ecke gepinkelt. Michael Gaedt Das war nach einem Auftritt im wilden Berlin, und etwas davon wollten wir ins Schwabenländle bringen. Der komplette Wahnsinn – wir wollten Revoluzzer sein… und die Techniker sind ausgeflippt… Dieter Zimmermann … und heute ist die Villa Berg verwaist… Michael Gaedt Rückblickend kann ich es oft selbst nicht fassen, was und wie wir das alles gemacht haben – ich schau mir deine Filme an und denke: Ah, so war das also damals, und ich war ja auch dabei – irgendwie seltsam… du warst immer so nah dran an uns. Dieter Zimmermann Ob meine Filme mit euch, zum Stuttgarter Ballett oder zu den Fantastischen Vier – sie alle verbindet meine Leidenschaft für die Backstage, am Ungeschminkten. Meine Idee mit den Fanta 4 einen Film zu machen, kam übrigens über einen Zeitungsartikel von Michi Beck in den Stuttgarter Nachrichten, über den ich gestolpert bin. Das war der Auslöser für meinen Anruf bei der Band. Bis dahin wusste ich nicht was Hip-Hop ist. Zu Drehbeginn habe ich mir erst mal rote Hosen gekauft – und das Hemd über die Hose hängen lassen und viel Musik gehört (schmunzelt) – ich wollte mich auch wie ein Hip-Hopper fühlen. Man will immer irgendwie Teil einer Familie sein… Michael Gaedt … weil alles was wir machen, so emotionsgeladen ist und einen Puffer braucht. Manchmal rede ich stundenlang über Dinge, die ich intuitiv gemacht habe und die ich dann in Worte und Gedanken fassen möchte. Es geht mir nicht um intellektuellen
Tiefgang, eher sie für mich einzuordnen – ich mache bis heute fast alles aus dem Bauch und aus dem Gefühl heraus. Das ist oft anstrengend. Dieter Zimmermann Ihr wart Zeitzeugen – allen voran, du Michael, der Steinmetz, der Ex-Zirkusmensch, der „Reinhauer“, der Testosteron gesteuerte Bühnen-Macho. Du hast die ganzen irren Maschinen für eure Bühnenshows gebaut. Aber ich kenne auch deine andere Seite: den nachdenklichen sensiblen Menschen, der nah am Wasser gebaut hat… Wie passt das zusammen? Michael Gaedt So paradox ist das aber doch gar nicht – schau dir zum Beispiel die Hände von Hirnchirurgen und Uhrmachern an: Die sind oft ganz groß und kräftig. Dieter Zimermann Wie gehst du heute mit deiner Zeit bei der „kleinen Tierschau“ um? Michael Gaedt Es „mäntelt“ sich… Ich vermisse sie, weil ich mich dort künstlerisch so gut aufgehoben gefühlt habe – vor allem das blinde Verstehen – in guten und weniger guten Momenten. Aber klar – ich bin wehmütig, weil ich weiß, dass ich heute nicht mehr die Zeit habe, etwas Vergleichbares wachsen zu lassen. Ich glaube, bei der „kleinen Tierschau“ gab es ein paar Wunder – keiner hatte Soloambitionen über ganz lange Zeit hinweg – wir haben im Chor gesungen, wir waren eine gut funktionierende Mannschaft. Heute zerbrechen solche Allianzen viel früher. Der Ensemblecharakter hat uns zusammengeschweißt und wir haben immer an uns gearbeitet, haben Kurse in New York besucht und selbst unterrichtet – wir waren jahrelang bei Ray Lynch im Tanzunterricht. Das Lernen hört ja nie auf. Heute lerne ich übrigens Hindi – damit ich meine Bollywoodkarriere weiter anstoßen kann… Dieter Zimmermann Wo siehst du dich denn heute? In meinem Film gab es eine Szene, in der du schweigst… Da merkt jeder Zuschauer, da ist jemand zutiefst berührt – ein schöner stiller Moment! „Ein Tier schaut zurück“ heißt der Film – bist du heute anders? Ist der Tierschau-Virus noch da? Was ist davon übrig geblieben?
Das Film-Team von „Ein Tier schaut zurück“
Michael Gaedt Mir wurde klar, dass in jeder künstlerischen Arbeit das Erzeugen ganz anders ist als die Wirkung und auch, wie man sie rückblickend erlebt… Die lauteste Gitarre wird oft ganz sanft gespielt, obwohl der Elektrosound ihn grob und laut rüberbringen kann. – In einem Film habe ich einmal gesehen, wie Roy Lichtenstein malt. Man denkt, er tut dies mit einem feinen Pinsel ganz vorsichtig Punkt für Punkt, stattdessen malte er mit einem dicken, groben voller Farbe. Wie ist das bei dir? Wie ist dein Innen und Außen? Du bist ja nicht nur Filmemacher, sondern auch Künstler…. Dieter Zimmermann In mir wohnen auch zwei Seelen. In meiner Kunst wollte ich zurück zum stehenden Bild – zu meinen Wurzeln als Gestalter. Dabei habe ich aber gemerkt, dass das gar nicht mehr funktioniert. So kam ich in eine Zwischenzone – ich nenne sie Screenografie. Eine Mischform zwischen Film und Bild. Ein wiederkehrendes Thema ist Urbanität. Ich gehe oft auf Motivsuche an den Peripherien, da wo eine Stadt aufhört und das Land anfängt. In meinem aktuellen Hölderlin-Projekt setze ich seine Texte in die schmutzige Alltagswelt zwischen Neckarhafen und Graffity. Die Übergänge und das scheinbar Unvereinbare zum Eindeutigen machen, daraus schöpfe ich mein Material. Ich mag Kopfkino. Ich fotografiere, male, kratze und zeichne. Daraus entstehen dann mehrere Bild-Ebenen, die aussehen wie ein überschriebenes Dia, in das ich noch zusätzlich Störungen hineinsetze – Kaffeeflecken, Kratzer, Eselsohren. Die verschiedenen Bildebenen schiebe ich dann übereinander und illuminiere sie mit Hinterlicht. Michael Gaedt Du machst auch immer weiter, findest neue Ausdrucksmöglichkeiten, das verbindet uns. Man ist nicht immer im Leben der eigene Steuermann, sondern auch Passagier – entscheidend ist nur, dass man sich immer noch auf dem großen Ozean befindet – da wo man sein will – und noch lernen darf und kann. Dieter Zimmermann Was uns auch verbindet, ist die permanente Suche nach der eigenen Sprache, das Authentische – Christoph Sonntag sagt im Tierschau- Film „Steh zu deinen Fehlern, steh zu deinem Dialekt“. Ich glaube, für uns müssen die Dinge nie perfekt, aber immer faszinierend sein. Michael Gaedt Ja, there must be some kind of magic. – Wir haben mit der Tierschau immer versucht, nach den Sternen zu greifen – ein Wunder, dass wir das 30 Jahre lang geschafft haben! In der Gruppe so lange durchzuhalten, das ist schon etwas Besonderes. Wir drei mussten uns gegenseitig immer voneinander überzeugen. Heute als Solist ist das etwas ganz anderes. Aber – The Show must go on – wir müssen uns immer wieder auf den Weg zu neuen Ufern machen. Dieter Zimmermann Du arbeitest heute als Schauspieler, zum Beispiel in der Krimiserie Soko Stuttgart und stehst im Theaterhaus Stuttgart auf der Bühne. Michael Gaedt Bei der Soko Stuttgart spiele ich den Schrotti – eine Nebenrolle. Doch auch für meine kleinen Szenen sind oft sechzig Leute am Set. Die wollen einfach nur, dass du lieferst. Was keiner brauchen kann, ist eine Diva, ist jemand der sagt: „Ich bin noch nicht in der Szene…“. „Halt die Gosch und lern deinen Part“. Das Gleiche gilt auch auf der Bühne im Theaterhaus – ich muss immer noch basteln und gleichzeitig hart arbeiten – ob als Schrotti oder wenn ich Regie führe. Dieter Zimmermann Du inszenierst jetzt zum zweiten Mal eine Oper bei den Schlossfestspielen in Zwingenberg. Das finde ich übrigens sehr mutig… Michael Gaedt Ich habe ja letztes Jahr bereits die Oper „Freischütz“ für die Schlossfestspiele in Zwingenberg inszeniert – und dieses Jahr ist es Mozarts „Entführung aus dem Serail“. Ich wusste zuvor nicht, wie viel Power, Rock´n Roll und Punk in einer klassischen Oper stecken, und ich gebe zu, ich hatte und habe Angst und einen riesen Respekt vor dieser Aufgabe. Die Regiearbeit nimmt mich emotional total mit – das Orchester, die Sänger, die ganze Mannschaft hinter der Bühne, der ganze Aufwand, den eine Oper mit sich bringt. Ich heule jeden zweiten Tag, weil das alles so groß ist. So etwas lehrt einen auch, dass man nie alles ganz schaffen kann. Aber ich gebe mein Bestes! Dieter Zimmermann Wir sind jetzt beide älter geworden… und trotzdem auch irgendwie jung geblieben, ich glaube, weil wir uns immer wieder an Neues heranwagen. Wir sind Optimisten – das ist unsere Triebfeder. Uns gefällt es, irgendwo hingeworfen zu werden – und das kostet eben auch die eine oder andere durchwachte Nacht. Und schweißnasse, einsame und stille Momente, in denen man denkt: Oh my God, warum hast du denn da zugesagt? Schaffst du das überhaupt? Aber die Zweifel gehören dazu… Sie machen uns besser!
Das Gespräch moderierte Claudia Fenkart-Njie, Herausgeberin von arsmondo
Michael Gaedt, Baujahr 1957, wuchs in Heubach im östlichen Teil der Schwäbischen Alb auf und absolvierte eine Lehre als Steinmetz. Er verdingte sich anschließend als Schiffsjunge und Bordmechaniker. 1981 gründete er gemeinsam mit seinen Schulfreunden Ernst Mantel und Michael Schulig „Die kleine Tierschau“. Neben seinem langjährigen Engagement bei derselben, war er als Schauspieler in der Rolle des Gastwirts und KFZ-Mechanikers Schrotti in der Krimireihe SOKO Stuttgart zu sehen. Kleinere Gastauftritte hatte Gaedt bereits 1998 im Tatort „Bienzle und der Champion“ und 2006 in „Bienzle und der Tod in der Markthalle“. Derzeit steht er auf der Bühne im Theaterhaus Stuttgart und versucht sich erfolgreich als Opernregisseur für die Schlossfestspiele in
Zwingenberg.
Der Filmemacher, Produzent, Autor und Zeichner Dieter Zimmermann studierte in Stuttgart an der Akademie der Bildenden Künste bei Prof. Eugen Funk und Prof. Kurt Weidemann Fotografie, Grafik und Visuelle Kommunikation. Seit 1976 hat er neben anderen künstlerischen Tätigkeiten zahlreiche Dokumentationen und Filme in semi-szenischem Format gedreht, u.a. „Das Wunder lebt“ (Stuttgarter Ballett),„Last Applaus“ (Sportporträt), „Herzfalten“ (Heimat), „Stuttgarter Gefühle“ (Livestyle), „Die kleine Tierschau“ (Comedy), „Was geht – Die Fantastischen Vier“ (Musik), „Ja, Du bist’s-Eduard Mörike“, „vomdunkelanslicht– Museumsfilm Marbach“, „Von der Baugrube zur weißen Stadt –die Killesberghöhe (Architektur),“Care-O-Bot4 – der Servicerobot (Design, Image) und “Eine Spur Wilder-Juniorranger im NationalparkSchwarzwald“ (Lebensraum). Noch in diesem Jahr wird die
Ausstellung „Standphotos – Dias und Screenografien mit Hinterlicht“ zu sehen sein.
Die DVD „Ein Tier schaut zurück“ und „Best of Tierschau“- ebenfalls eine Retrospektive auf Showhiglights der letzten 35 Jahre – ist vor kurzem erschienen. „Ein Tier schaut zurück“ kann auch in der SWR Mediathek abgerufen werden. Die DVD ist unter anderem hier erhältlich: http://goo.gl/6PDJd3. Außerdem ist das Film-Doppel zum Deutschen Dokumentarfilmpreis 2018 im Rahmen des SWR Doku Festivals (27.- 30. Juni 2018 in Stuttgart
Watch the-Making-of-Video von Philipp Contag-Lada zum arsmondo-Gespräch über die gemeinsame Arbeit am Film "Ein Tier schaut zurück" mit Comedy-Legende Michael Gaedt und Filmemacher Dieter Zimmermann. Das Interview ist auch in der April-Juni-Ausgabe im Baden-Württembergischen Kulturmagazin arsmondo erschienen.
oben: Philipp Contag-Lada mit Michael Gaedt, unten: Michael Gaedt, Dieter Zimmermann und Claudia Fenkart-Njie
„Strategisches Kulturmarketing“
Das Seminar „Strategisches Kulturmarketing für kleine Kultureinrichtungen“ am Dienstag, 15. Mai, im Kloster Bronnbach, beschäftigt sich mit der Frage, wie auch kleine Kultureinrichtungen durch ein Kulturmarketingkonzept langfristig und vor allem nachhaltig einen treuen Besucherstamm aufbauen können.
Viele Kultureinrichtungen glauben entweder, dass sie sich Marketing „nicht leisten können“ oder sie betreiben „Marketing aus dem Bauch“, das heißt sie hoffen, „gefühlsmäßig das Richtige“ zu tun. Im Seminar wird ein Konzept vorgestellt, das auch kleinen Kultureinrichtungen bei der Kundenbindung helfen soll.
Die Leitung des Seminars übernimmt Prof. Dr. Armin Klein, der von 1994 bis 2017 als Professor für Kulturmanagement und Kulturwissenschaften in Ludwigsburg tätig war und zahlreiche Bücher zum Thema Kulturmarketing verfasst hat.
Das Seminar dauert von 9.30 bis 16.30 Uhr und findet in der Bibliothek statt. Die Teilnehmergebühr beträgt 80 Euro. Darin enthalten sind die Getränke in den Kaffeepausen und das Mittagessen. Anmeldungen sind noch bis Montag, 9. April, unter der Telefonnummer 09342 / 935 20 20 28 oder per E-Mail an stefanie.baerlein@kloster-bronnbach.de möglich. Die maximale Teilnehmerzahl liegt bei 25 Personen.
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