Anne-Sophie Mutter – VIVACE

Anne-Sophie Mutter VIVACE (c) Juergen Carle

Im zarten Alter von 13 Jahren wurde Anne-Sophie Mutter von Stardirigent Herbert von Karajan entdeckt. Es folgt eine beispiellose Weltkarriere. Über sich selbst hat sie mal gesagt: „Wenn Sie mich kennenlernen wollen, müssen Sie mich auf der Bühne erleben“. Wie porträtiert man also eine solche Ausnahmekünstlerin? Der Filmemacherin Sigrid Faltin ist dies gelungen, sie hat einen spannenden Dokumentarfilm über Anne-Sophie Mutter gedreht, darin porträtiert sie die Künstlerin und Weltklasse-Geigerin in dem sie sie auf Reisen, bei Proben und in ihrer Freizeit begleitet, sie zeigt sie aber auch als sportliche, politisch und sozial engagierte Persönlichkeit.

Anne-Sophie Mutter und John Williams, Filmstill – VIVACE (c) Juergen Carle
Roger Federer, Filmstill – VIVACE (c) Juergen Carle

Befragt, wen sie sich als Gesprächspartner für den Film wünscht, nannte Anne-Sophie Mutter spontan: den Tennisstar Roger Federer, den New Yorker Magier Steve Cohen, den Dirigenten Daniel Barenboim, den legendären Filmkomponisten John Williams (u.a. „Star Wars“), Komponist Jörg Widmann und ihren langjährigen Pianisten Lambert Orkis, „musikalisch my best buddy“. Im Austausch mit diesen Wegbegleitern erzählt sie, warum sie sich mit Hochleistungssportlern identifiziert, wie sie zu ihren Konzert-Roben gekommen ist, und warum sie bedauert, mit dem Klavierspielen aufgehört zu haben.

Die Künstlerin mit Daniel Barenboim, Filmstill – VIVACE (c) Juergen Carle
Die Künstlerin und Lambert Orkis, Filmstill – VIVACE (c) Juergen Carle

Sie spricht ausführlich über den frühen Tod ihres Mannes, ihr Leben als alleinerziehende Mutter, und den Drahtseilakt, all das mit einer atemberaubenden Weltkarriere als professionelle Musikerin in Einklang zu bringen.
Der Film ANNE-SOPHIE MUTTER – VIVACE kommt ab Dienstag, den 28.3.2023 bundesweit in die Kinos.
Weitere Info: auf der Website der Künstlerin. In diesen Kinos läuft der Film bundesweit

Eine Produktion des SWR in Kooperation mit Naxos Audiovisual Division und Deutsche Grammophon

40 Jahre Gegenwartsdramatik in Heidelberg!

Vom 28. April bis 7. Mai 2023 lädt das Theater und Orchester Heidelberg zum 40. Heidelberger Stückemarkt ein. Das Programm wird zum Vorverkaufsstart am 3. März 2023 auf der Website des Theaters und Orchesters Heidelberg veröffentlicht.
Das renommierte Festival spiegelt in großer Formenvielfalt die Entwicklungen in der deutschsprachigen Gegenwartsdramatik. Dabei legt die Jubiläumsausgabe einen Fokus auf unterschiedliche Konzepte von Identität und Dasein sowie die Auseinandersetzung mit Körperbildern und Rollenzuschreibungen. Wie empfinde ich mich selbst? Wie setze ich mich mit anderen in Bezug? Was ist das Bild meiner selbst für mich – und für andere? Viele der Texte des Autor*innenwettbewerbs und Inszenierungen des Gastspielprogramms verhandeln solche Fragen und verknüpfen sie mit anderen, aktuellen gesellschaftspolitischen Themen.
»Die Stücke und Uraufführungen dieses Jahrgangs bezeugen zudem unseren Eindruck, dass die Gegenwartsdramatik einen Aufschwung erlebt, originäre Texte von Autor*innen für die Bühne wieder relevanter geworden sind.«, so Festivalleiter Jürgen Popig und Intendant Holger Schultze.

Nicht nur die Neugier auf neue Theatertexte ist beim Heidelberger Stückemarkt ungebrochen, auch die Begeisterung für neue Formate bleibt! So widmet sich die Geburtstagsausgabe dem Theater in vielerlei Gestalt: analog in Aufführungen und szenischen Lesungen, via Live-Stream, als digitales Kunstwerk oder Hörspiel. Herzstück des Festivals sind die Lesungen der deutschsprachigen und internationalen Autor*innenwettbewerbe, die samt Nachgesprächen wie schon 2022 hybrid stattfinden – für das Publikum vor Ort im Zwinger 3 und als Live-Stream. Der jüngste Wettbewerb in der Geschichte des Stückemarkts ist der SWR2 Hörspielpreis: Zum zweiten Mal wird das Gewinnerstück des Vorjahres – »zwei herren von real madrid« von Leo Meier – zum Festivalstart als SWR2-Hörspielproduktion uraufgeführt. Termin der Ursendung ist der 29. April. 2023 wird der Hörspielpreis zum dritten Mal vergeben. Mit dem Netzmarkt bietet der Heidelberger Stückemarkt weiterhin auch ein Forum für Theaterarbeiten, die eigens für den digitalen Raum entwickelt wurden.

Zur Eröffnung des Festivals ist am 28. April 2023 Ivana Sokolas Stück »Pirsch« in der Regie von Jana Vetten im Zwinger 1 zu sehen. Das Gewinnerstück des Autor*innenpreises 2022 wurde am Deutschen Theater Göttingen uraufgeführt, anlässlich des 40. Heidelberger Stückemarkt entsteht nun die Zweitaufführung. Für den deutschsprachigen Autor*innenpreis 2023 wurden aus insgesamt 72 eingereichten Texten für den Wettbewerb sechs Stücke von Lamin Leroy Gibba, Kim de l’Horizon, Svealana Kutschke, Caspar-Maria Russo, Miriam Unterthiner und Leonie
Lorena Wyss ausgewählt. Die Lesungen für den von der Manfred Lautenschläger- Stiftung finanzierten Preis finden am 29. und 30. April 2023 hybrid im Zwinger 3 sowie als Live-Stream statt. Nach jeder Lesung wie auch nach allen Gastspielen wird ein Publikumsgespräch angeboten.

Ins Rennen um den Nachspielpreis, mit einer Einladung zu den Autor*innentheatertagen in Berlin verbunden, gehen am 30. April das Theater Dortmund mit »Über Leben oder ἀτλαντὶς νῆσος. oder näher, mein gott, zu dir. oder alles war für immer bis es aufhörte« von Annalena Küspert und Konstantin Küspert, am 4. Mai Sören Hornungs »Die letzte Geschichte der Menschheit« vom Schauspiel Frankfurt sowie am 5. Mai 2022 das Schauspiel Leipzig mit Leo Meiers »zwei herren von real madrid«, das beim Stückemarkt 2022 den Publikumspreis sowie den SWR2 Hörspielpreis gewann.

Drei Kameradinnen: Naffie Janha, Mariann Yar, Süheyla Ünlü (C) Kamil Janus

Für den Jugendstückepreis sind »What the Body?!« von Lisa Bräuniger, Anne Wittmiß, Anna Fritsch und dem Theater im Marienbad Freiburg (zu sehen am 2. Mai), »Drei Kameradinnen« von Shida Bazyar (Fassung: Golda Barton) und dem Staatstheater Darmstadt (ebenfalls am 2. Mai) sowie Stanislava Jevićs »Out There« vom Jungen SchauSpielHaus Hamburg (am 3. und 4. Mai) nominiert. Der Preis wird von dem Heidelberger Unternehmerehepaar Bettina Schies und Klaus Korte, KORTE
Bauteile GmbH gestiftet. In diesem Jahr haben Bettina Schies und Klaus Korte entschieden, den Preis zu erweitern und zusätzlich zu den 6.000 Euro für den ersten Platz jeweils 2.000 Euro für die beiden anderen nominierten Stücke zu stiften. »Wir möchten mit dieser Aufwertung die Arbeit für das Kinder- und Jugendtheater noch stärker in den Fokus rücken, alle ermutigen, die in diesem Bereich tätig sind, und zeigen, wie sehr uns das Publikum von morgen und seine Förderung am Herzen
liegen.«, so Bettina Schies.
Das Gewinnerstück des Mülheimer KinderStückePreises, »Oma Monika. Was war?« von Milan Gather und dem Jungen Ensemble Stuttgart, ist am 2. Mai zu Gast in Heidelberg.

Am 6. und 7. Mai 2023 steht das Gastland Schweden im Fokus. Die schwedische Theaterlandschaft zeichnet sich durch ein dynamisches Miteinander von generationsübergreifenden Spielplänen aus. Der 40. Heidelberger Stückemarkt präsentiert in szenischen Lesungen drei neue Theatertexte aus Schweden, die zum Teil eigens für den Stückmarkt übersetzt wurden, sowie eine Reihe von Gastspielen in schwedischer Sprache mit deutschen Übertiteln. Für den internationalen Autor*innenwettbewerb sind drei Stücke von Adel Darwish,
Åsa Lindholm und Alejandro Leiva Wenger nominiert, die nach der Eröffnung des Gastlandprogramms am Samstag, 6. Mai 2023 von Schauspieler*innen des Theaters und Orchesters Heidelberg gelesen und auch via Live-Stream präsentiert werden.
Am Abend des 6. Mai ist Paula Stenström Öhmans Stück »Ambulanz«, eine
Koproduktion des freien Lumor Teater mit Dramaten, dem Königlichen Dramatischen Theater Stockholm, zu Gast. Der 7. Mai 2023 beginnt mit einem Podiumsgespräch über Theater in Schweden; im Anschluss sind »… Anna Karenina« von Tone Schunnesson, eine Koproduktion von Orionteatern und Riksteatern, sowie »Glücklich bis ans Ende unserer Tage« von Emma Palmkvist und dem Backa Teater zu erleben.

Ambulans av Paula Stenström Öhman
Dramaten 2021
Regi: Paula Stenström Öhman
Scenografi och kostym: Anna Heymowska

Für das Netzmarkt-Programm hat Kuratorin Lea Goebel den Theaterfilm »ROT. Die Outtakes des Fabian Michael Möntges« von Clemens J. Setz und dem Berliner Ensemble (Vorführung am 30. April), den VR-Film »Die Wand (360°)« von Thomas Krupa nach Marlen Haushofer, eine Produktion des Schauspiel Essen, (Vorführung am 6. Mai) sowie die interaktive Dokumentararbeit »In ghosts we trust« von OutOfTheBox in Kooperation mit dem LOT-Theater Braunschweig ausgewählt (am 5. Mai im Programm).

Neben den Aufführungen der Wettbewerbe präsentiert der Jubiläums-Stückemarkt eine Vielzahl herausragender Uraufführungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum: Am 28. April ist mit »Die Revolution lässt ihre Kinder verhungern« von André Erlen und Stefan H. Kraft eine Zusammenarbeit des Schauspiel Köln mit FUTUR3 und Orangerie Theater Köln mit einem deutsch-ukrainischen Ensemble zu erleben. Am 29. April sind die Produktionen »FUGUE FOUR : REPSONSE« von Olivia Axel Scheucher und Nick Romeo Reimann, eine Kooperation von Olivia Axel Scheucher mit dem Volkstheater Wien, und »Baroque« von Lies Pauwels und dem Schauspielhaus Bochum zu Gast. Am 1. Mai zeigen das Schauspiel Hannover »Wir sind nach dem Sturm« von Kevin Rittberger und das Deutsche SchauSpielHaus Hamburg »Aus dem Leben«, eine Stückentwicklung von Brigitte Venator und Karin Beier. Das Staatsschauspiel Dresden gastiert am 2. Mai mit Caren Jeß‘ Monolog »Die Katze Eleonore«, das Burgtheater Wien zeigt am 3. Mai »Adern« von Lisa Wentz; am 4. Mai steht Manuela Infantes »Wie alles endet« vom Theater Basel auf dem Programm. Nicht zuletzt ist am 6. Mai »Das Augenlid ist ein Muskel« von Alexander Stutz und dem Deutschen Theater Berlin zu erleben. Ein für das Festivalzentrum auf dem Theaterplatz geplantes Rahmenprogramm vervollständigt das diesjährige Festival und
wird bald unter www.heidelberger-stueckemarkt.de zu finden sein.

Auf die Präsentation der schwedischen Gastspiele folgt als Festivalfinale die
Preisverleihung zu allen Wettbewerben im Rahmen des 40. Heidelberger
Stückemarkts (deutschsprachiger Autor*innenpreis, internationaler Autor*innenpreis, Publikumspreis, Jugendstückepreis, Nachspielpreis, SWR2 Hörspielpreis).

Das gesamte Programm des 40. Heidelberger Stückemarkts und alle Infos zum Ticketverkauf sind ab dem Vorverkaufsstart am 3. März 2023 unter
www.theaterheidelberg.de/de/ und www.theaterheidelberg.de/de/festivals/11-heidelberger-stueckemarkt verfügbar.

Weitere Informationen sowie Karten unter www.theaterheidelberg.de oder an der Theaterkasse, Theaterstraße 10, 69117 Heidelberg; Tel.: 06221 / 58 20 000; tickets@theater.heidelberg.de

ANTIGONE

Die thebanische Königsfamilie ist mit einem Fluch belegt, der in jeder Generation zu neuer Gewalt führt: Nun treten die vier Kinder des Vatermörders und Muttergatten Ödipus – neben den Schwestern Antigone und Ismene auch die Brüder Eteokles und Polyneikes – ein schweres Erbe an. Vor einiger Zeit hatte man sich noch darauf geeinigt, dass sich Ödipus‘ Söhne die Herrschaft über Theben teilen sollten. Nun ist alles anders: Der vertriebene Polyneikes steht mit einer übermächtigen Streitmacht vor den Toren Thebens und fordert Eteokles heraus, der die Alleinherrschaft nicht abgeben will. Ein Opfer verhindert zwar den Krieg und die Zerstörung der Stadt, nicht aber den Tod beider Brüder, die sich im Zweikampf gegenseitig umbringen.

Szene aus Antigone, Foto: Martin Sigmund / Theater Pforzheim

Ödipus‘ Schwager Kreon, auf den die Königswürde nun übergeht, könnte die Stadt befrieden, sät aber weitere Zwietracht. So ordnet er an, dass allein Eteokles mit allen Ehren begraben werden darf; die Leiche des ‚Verräters‘ Polyneikes dagegen bei Androhung der Todesstrafe unbestattet bleiben muss. Doch das kann Antigone nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren: Für sie ist das göttliche Gesetz, dass man alle Toten begraben muss, um ihnen den Eintritt in die Unterwelt zu ermöglichen, mehr wert als das von Kreon erlassene Gebot. Sie handelt. Und Kreon, der vom Ungehorsam seiner Nichte erfährt, steht vor einem Dilemma: Darf und muss er Antigone, die Braut seines Sohnes Haimon, für ihren Ungehorsam töten oder kann er sich ihrer Argumentation anschließen?

Ungeheuerlich, mit welcher Wucht uns der vor rund 2400 Jahren entstandene griechische Mythos auch heute noch begegnet. Im Spannungsfeld zwischen Götterfluch und Menschenfrevel, Recht und Ungerechtigkeit, Befehl und Ungehorsam, Individuum und Staat entrollt sich eine menschliche Tragödie von zeitloser Gültigkeit, die mühelos die Jahrtausende überspringt und uns auch heute noch direkt ins Mark trifft.

Fr. 31.03.2023  19:30
Sa. 29.04.2023  19:30
So. 30.04.2023  15:00

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Rusalka

Szene aus Rusalka in der Inszenierung des Theater Heidelberg, Foto: Jochen Klenk

Dvořák hat mit seiner 1900 entstandenen Oper »Rusalka« ein Meisterwerk hinterlassen. In der unverkennbaren musikalischen Sprache seiner tschechischen Heimat erschuf er eine faszinierende magische Welt. Gleich zwei Theater in BW widmen sich im Frühjahr der Märchenoper Rusalka. Vorlage für den Opern-Stoff sind die vielen Märchen und Mythen aus unterschiedlichen Ländern rund um die schönen Wasserfrauen mit menschlichem Oberkörper und Fischschwanz. Hans Christian Andersens »Kleine Meerjungfrau« oder Friedrich de la Motte Fouqués »Undine« sind wohl die bekanntesten Beispiele. In den slawischen Sprachen heißt Wasserjungfrauen Rusalki. Die großen lyrischen Melodiebögen und Arien wie das »Lied an den Mond« berühren bis heute. Nicht umsonst gehört die Oper neben Smetanas »Die verkaufte Braut« zu den viel gespielten Werken auf internationalen Bühnen. Das Theater Heidelberg gastiert mit Axel Vornams Inszenierung im Frühjahr mit mehreren Vorstellungen im Theater Heilbronn. Kateryna Sokolova, die mit ihrer filmischen Lesart von Leoš Janáčeks Oper DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN einen überaus fantasievollen Einstand in Freiburg gegeben hat, setzt mit den spätromantischen Klangwelten Antonín Dvořáks ihre Erkundung des tschechischen Opernrepertoires fort.

Theater Freiburg
Premiere am Samstag, 11.03.2023 // 19:30 Uhr
Weitere Vorstellungen:
Fr 17.03.2023 19:30 Uhr
Sa 08.04.2023 19:30 Uhr
Do 27.04.2023 19:30 Uhr
Do 25.05.2023 19:30 Uhr
Sa 03.06.2023 19:30 Uhr
So 11.06.2023 15:00 Uhr
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Theater Heilbronn
Fr 17.03.2023 19:30 Uhr
Do 30.03.2023 19:30 Uhr
Di 02.05.2023 19:30 Uhr
Fr 05.05.2023 19:30 Uhr

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Die Liebe zu den drei Orangen

Foto: Winfrid Mikus als der Prinz in »Die Liebe zu den drei Orangen« (Foto: Susanne Reichardt

Am 11. März 2023 feiert »Die Liebe zu den drei Orangen« von Sergej Prokofjew in der Fassung von Jürgen Beythien und Eberhard Sprink unter der Regie von Guillermo Amaya im Marguerre-Saal des Theaters und Orchesters Heidelberg Premiere. Die musikalische Leitung der Musiktheaterpremiere übernimmt GMD Elias Grandy.
In »Die Liebe zu den drei Orangen« herrscht Aufruhr im Theater. Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Divertissement von Wsewolod Meyerhold und Wladimir Solowjow. Als ein fiktives Publikum darüber streitet, ob Tragödie, Komödie oder lyrisches Drama die beste Theatergattung sei, wird eine Oper auf die Bühne gebracht, die allen Ansprüchen gleichermaßen gerecht werden soll. Ihre Handlung erzählt die Geschichte des Prinzen, der unter schwerer hypochondrischer Depression leidet. König Treff und seine Vertrauten versuchen den Prinzen mit Lachen zu heilen, um zu verhindern, dass Prinzessin Clarice den Thron erbt. Als der Prinz schließlich von der Hexe Fata Morgana verflucht wird, sich in drei Orangen zu verlieben, macht er sich trotz aller Warnungen auf die Suche nach den Orangen und bricht zum Palast der Zauberin Kreonta auf.

Prokofjew gilt heute als einer der einflussreichsten Komponisten der Moderne. Seine Musik und seine Kompositionen prägten die moderne Filmmusik und beeinflussten viele Komponisten des ausgehenden 20. Jahrhundert, die oftmals klassisch-romantische Stilkopien schufen oder sogar direkte Zitate aus seinen Werken verwendeten. Der Marsch aus dem zweiten Akt der Oper »Die Liebe zu den drei Orangen« ist eines der bekanntesten Fragmente der Musikgeschichte. John Williams etwa ließ sich von diesem Part für den »Marsch der Ewoks« für die Filmmusik zu »Die Rückkehr der Jedi-Ritter« inspirieren.

Die Rolle des Prinzen übernimmt Kammersänger Winfrid Mikus, der Kreuz-König wird von Bariton James Homann dargestellt und Mezzosopranistin Vera Semieniuk ist Prinzessin Clarice. Zu hören sind außerdem unter anderem Ipča Ramanović als Leander, João Terleira als Truffaldino, William Desbiens als Pantalone, Kammersänger Wilfried Staber als Zauberer Celio und Zlata Khershberg als Fata Morgana. Begleitet werden sie vom Philharmonischen Orchester Heidelberg sowie von Chor und Extrachor des Theaters und Orchesters Heidelberg. Die Darsteller*innen sind in einem Bühnenbild von Ralph Zeger und in Kostümen von Nina Lepilina zu sehen.

Weitere Informationen, Karten unter www.theaterheidelberg.de  
Theaterkasse, Fon 06221 / 58 20 000

Internationales Trickfilm-Festival Stuttgart

Das ITFS findet in dieses Jahr vom 25. bis 30. April 2023 statt. Nachfolgend einige Einblicke in die Themen und das Programm: Von „Best of-Programmen“ über den Länderschwerpunkt Südafrika bis hin zu aktuellen Themen wie „KI – Künstliche Intelligenz“ – das Rahmenprogramm bietet zusätzlich zu den zahlreichen Wettbewerbsfilmen facettenreiche und spannende Insights für Professionals und das interessierte Publikum. Wie beispielsweise die inspirierende Lecture zu „A Winters Journey“ (Alex Helfrecht) mit Monika Folkierska-Żukowska, hochkarätige Studiopräsentationen von Triggerfish Animation Studios (Südafrika) oder Those Eyes (Dänemark) und JOB, JORIS & MARIEKE (Niederlande). In beeindruckenden Werkschauen zeigt das ITFS Werke der renommierten Filmemacherin Izabela Plucińska (Deutschland, Polen) sowie vom herausragenden jungen Talent Sander Joon (Estland). Außerdem würdigt das Festival den großen Filmemacher und ITFS-Freund Gil Alkabetz in einem Tribute.

 www.itfs.de

Das Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart  Ort der Begegnung, Ideenschmiede und Karriere-Sprungbrett von Filmemacher*innen und Animations-Künstler*innen aus der ganzen Welt 

Seit 1982 bringt das Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart (ITFS) – damals noch im Zweijahres-Rhythmus und seit 2006 jährlich – die internationale Animationsszene in der Baden-Württembergischen Landeshauptstadt zusammen und hat sich zu einem der wichtigsten Festivals in der Animationsbranche etabliert. Mit einem ausgewählten Jubiläumsprogramm in den Innenstadtkinos Stuttgart und auf dem Open Air wird dies gefeiert. In vier „Best of Animation“-Programmen zeigt das ITFS die Bandbreite an Künstler*innen und Filmen der vergangenen Jahre: Von Talenten aus Baden-Württemberg in „Best of Locals“ über Filme, die das ITFS geprägt haben bis hin zu internationalen Größen, die eine langjährige intensive Bindung zum Festival wahren.

Das ITFS als Karriere-Sprungbrett

Wie wichtig Festivals und das ITFS auch für den Karrierestart junger Talente ist, zeigt ein Blick in die letzten Jahre: Der US-Amerikaner Stephen Hillenburg, damaliger Student des California Institut of the Arts, war 1994 im Wettbewerb Young Animation mit seinem Film „Wormholes“(1992) vertreten und gewann den Preis für den besten Studentenfilm in der Kategorie „Young Animation“. 2009 kehrte er als weltberühmter „SpongeBob – Schwammkopf“-Erfinder zurück nach Stuttgart und übernahm den Posten als Jurypräsident. Darüber hinaus interessierte sich Hillenburg auch für die regionale Kultur: Zu Recherchezwecken für einen neuen Film organisierte ihm das ITFS eine Tour in den nahen gelegenen Schwarzwald. 2018 wurde Hillenburg, der am bereits dritten SpongeBob-Film arbeitete, mit einem Spezial-Emmy für seinen Beitrag zur Zeichentrick- und Animationswelt ausgezeichnet.

Animator, Filmregisseur und Synchronsprecher Pierre Coffin aus Frankreich stattete Stuttgart 1994 einen Besuch ab und brachte seinen Abschlussfilm „We’re Back! A Dinosaur’s Story“ (1993) mit. Gefeiert wurde er später u.a. für seine Arbeit an dem Animationsfilm „Ich, einfach unverbesserlich“ (1-3) und als Erfinder und Sprecher der beliebten gelben „Minions“, die als Spin Off eine eigene Filmreihe bekamen. 2011 kehrte er mit einem Making of und einer Open Air-Aufführung von „Ich, einfach unverbesserlich“ nach Stuttgart zurück.

Ein weiteres Beispiel ist Mark Baker: 1988 wurde „The Hill Farm“ (1988) im Wettbewerbsprogramm des ITFS gezeigt und 1990 für einen Oscar nominiert. Der britische Animationsfilmer ist aber vor allem durch die erfolgreiche Kinderserie „Peppa Wutz“ (mit Neville Astley und Phil Davis) bekannt, von der derzeit über 100 Folgen weltweit ausgestrahlt werden und deren Marke als britischer Exportschlager gilt.

ITFS-Filme für die 95. Oscar-Verleihung 2023 nominiert

Wiederholt beweist das Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart, dass sein Programm internationale Qualität aufweist: Nominiert für einen Oscar 2023 in der Kategorie „Kurzfilm (animiert)“ ist „An ostrich told me the world is fake and I think I believe it”(Australien 2021) von Lachlan Pendragon – der Kurzfilm war beim ITFS 2022 in den Programmen Internationaler Wettbewerb und Young Animation vertreten und war für den Lotte Reiniger Preis nominiert. Ein weiterer Oscar-nominierter Film in der Kategorie Animationslangfilm ist „Turning Red“ (USA, 2022) von Domee Shi und Lindsey Collins. Den Langfilm konnte das Stuttgarter Publikum vergangenes Jahr kostenlos auf der großen Open Air-Leinwand auf dem Stuttgarter Schlossplatz genießen. Auch dieses Jahr laufen weitere für den Academy Award nominierte Filme beim ITFS, das Programm für 2023 wird zeitnah bekannt gegeben. Das ITFS ist eines der wenigen Oscar-qualifizierenden Festivals in Deutschland. Der Grand Prix-Gewinner des Internationalen Wettbewerbs qualifiziert sich automatisch für die Longlist der Oscars.

Zum Tod von Peter Weibel

Mit großer Trauer hat das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe bekanntgegeben, dass der künstlerisch-wissenschaftliche Vorstand des ZKM, Peter Weibel, nach kurzer schwerer Krankheit, am 1. März 2023 im Alter von 78 Jahren in Karlsruhe verstorben ist.

Als Künstler, Theoretiker und Kurator prägte der 1944 in Odessa geborene Peter Weibel die Kunstwelt durch seine visionäre Kraft, sein umfassendes Wissen und seinen Mut. Über 24 Jahre lang entwickelte er das ZKM zu einer international renommierten Kunstinstitution mit einem weltweit einzigartigen Profil. Bis zuletzt arbeitete er intensiv an den kommenden Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationen des ZKM.
 Der ZKM-Film blickt auf die Highlights 1999 – 2023 mit Peter Weibel

Richards Wagners Ring

Der «Ring des Nibelungen» ist ein Meilenstein der Operngeschichte und hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren. Mit der neuen Produktion des Opernhauses Zürich, dieses monumentale Werk in einer zeitgemäßen und beeindruckenden Inszenierung zu erleben. Die Tetralogie erzählt an vier (Opern)-Abenden (Rheingold, Die Walküre, Siegfried und Götterdämmerung) von nichts Geringerem als der Entstehung und dem Untergang einer Welt. Zugleich ist der Ring des Nibelungen auch eine Familiengeschichte um den Göttervater Wotan und sein Ringen um das Wahren und Brechen von Verträgen, um Freiheit und Unfreiheit und sein verzweifeltes Bestreben, den von ihm selbst verschuldeten Untergang aufzuhalten.

Szene aus „Die Walküre“(c) Monika Rittershaus
Szene aus „Die Walküre“(c) Monika Rittershaus
Szene aus „Die Walküre“(c) Monika Rittershaus

Wenngleich das Opernhaus Zürich architektonisch zu den eher kleineren Opernhäusern zählt, so ist es seine hervorragende Akustik und modernster Technik bietet es ideale Voraussetzungen. Die Inszenierung von Andreas Homoki begeistert durch seine moderne und zugleich respektvolle Auseinandersetzung mit Wagners Werk. Mit dazu beiträgt das internationale Team, darunter Bühnenbildner Paul Steinberg, Kostümbildnerin Meentje Nielsen und Lichtdesigner Franck Evin. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Gianandrea Noseda, der bereits in der vergangenen Spielzeit mit seiner Interpretation von Wagners «Tristan und Isolde» begeisterte.  Homoki, der seit 2012 Intendant des Opernhauses Zürich ist, hat bereits mehrere erfolgreiche Wagner-Produktionen auf die Bühne gebracht, darunter «Parsifal» und «Die Meistersinger von Nürnberg». Seine Regiearbeit fasziniert jetzt auch im „Ring“ vor allem durch die Lebendigkeit und Sensibilität, wie er die Figuren durch die Handlung führt. Zurück zum Ursprung, so lautet eins der Leitmotive seiner Gesamtkonzeption für dieses Monumentalwerk, die endlich mal wieder ohne politische Botschaften und Sozialkritik auskommt. Da gibt es kein zu viel und kein zu wenig. Als Zuschauer gelingt es durch diesen Ansatz tief in die einzelnen Akte einzutauchen: Der Emotionsfaktor ist hoch bei diesem Ring – weil es gelungen ist Regie und Inszenierung zu einem homogenen Ganzen mit Wagners Musik zu verbinden, mit ihr zu korrespondieren und so Wagners Credo mit seinen Opern Gesamtkunstwerke zu erschaffen einmal mehr gerecht werden.
Mit ihrer Stimmgewalt und hohen darstellerischer Bühnenpräsenz vermitteln in der „Walküre“ Christof Fischesser (Hunding), Tomasz Konieczny (Wotan) Daniela Köhler (Sieglinde), Patricia Bardon (Fricka) und allen voran Camilla Nylund als Brünnhilde die Emotionen der Charaktere authentisch und verleihen dem Stück Tiefe.

Szene aus „Siegfried“(c) Monika Rittershaus
Szene aus „Siegfried“(c) Monika Rittershaus

Ebenso überzeugt das Sänger*innen-Ensemble im „Siegfried“ mit Klaus Florian Vogt (Siegfried) und Wolfgang Ablinger-Sperrhacke (Mime). Camilla Nylund als Brünnhilde zu besetzen war ein Glückgriff, umso mehr weil die Sängerin jahrelang gezögert hatte die Rolle zu singen, zu groß war der Respekt vor der Partie – am Ende konnte Homoki vor allem aber auch sein schlüssiges Regiekonzept sie überzeugen, dass hier in Zürich der richtige Moment für das Rollendebüt sei. Nylund lebt die Rolle und verkörpert sie mit einer emotionalen Tiefe und einer lyrischen Stimme, die zeigt, dass es nicht immer einen hochdramatischen Sopran für eine Brünhilde braucht.

Vorstellungen:
Siegfried 22 und 26. März 2023
Mit der Götterdämmerung wird der neue Zürcher Ring des Nibelungen im Herbst 2023 vollendet –

Ring-Zyklus 1
Fr 3 Mai 2024, 19.00 Das Rheingold
So 5 Mai 2024, 16.00 Die Walküre
Di 7 Mai 2024, 17.30 Siegfried
Do 9 Mai 2024, 16.00 Götterdämmerung
Ring-Zyklus 2
Sa 18 Mai 2024, 19.00 Das Rheingold
Mo 20 Mai 2024, 16.00 Die Walküre
Fr 24 Mai 2024, 17.30 Siegfried
So 26 Mai 2024, 16.00 Götterdämmerung
Der «Ring» als Zyklus
Im Frühling 2024 werden alle vier Teile von Richard Wagners grandiosem Weltdeutungsmythos – als Zyklus aufgeführt, in kurzer zeitlicher Abfolge der vier Werke, wie vom Komponisten gedacht. Die zyklische Aufführung des gesamten Rings ermöglicht es, diese äußerst komplexen szenischen und musikalischen Entwicklungen, das dicht gewobene Netz der musikalischen und erzählerischen Motive über alle vier Abende zu verfolgen; dies ist nicht zuletzt deshalb besonders reizvoll, weil in der Neuinszenierung die Figuren in allen vier Teilen von denselben Sängerinnen und Sängern verkörpert werden.

Weitere Info, auch zu den Aufführungen: www.opernhaus.ch

Tina Turner

.„TINA – Das Tina Turner Musical“ erzählt die Geschichte der Frau, die es wie keine zweite Künstlerin wagte, die Grenzen von Alter, Geschlecht und Hautfarbe zu sprengen. Von ihren bescheidenen Anfängen in Nutbush, Tennessee, über ihre Verwandlung bis zu ihrem Aufstieg zur international gefeierten und geliebten Rockikone. Mit Songs wie „What’s Love Got To Do With It“ und „The Best“ sang sich Tina Turner an die Spitze der internationalen Musikszene. Die Verantwortlichen von Stage Entertainment, Joop van den Ende und Tali Pelman, haben das Musikcal gemeinsam mit Tina Turner entwickelt. Das Buch für das Stück schrieb die wie Tina Turner aus dem US-Bundesstaat Tennessee stammende Autorin Katori Hall, mit der Regie beauftragte Stage Entertainment die weltweit gefeierte Theater- und Filmregisseurin Phyllida Lloyd. Dynamisch, kraftvoll und außerordentlich stimmgewaltig: TINA – Das Tina Turner Musical bietet eine einzigartige Show über die wahre Geschichte der lebenden Legende Tina Turner und begeistert mit emotionaler Story und überwältigendem Gesang.

Absolut beeindruckt und mitgerissen zeigten sich auch die rund 1.800 Premierengäste, die das Musical am Abend des 16. März 2023 zum ersten Mal in Stuttgart erlebten.  Die Theatergäste waren während der Show kaum auf ihren Plätzen zu halten – sie sangen, tanzen, feierten und genossen die enorme Spielfreude und Energie von Cast und Orchester des Stage Apollo Theater.

Die Wahl-Stuttgarterin Aisata Blackman spielt die Hauptrolle der „Queen of Rock“ und lebenden Legende Tina Turner.

Bereits seit der Deutschlandpremiere in Hamburg im März 2019 hat sich die Stage Entertainment Eigenproduktion TINA – Das Tina Turner Musical zu einem internationalen Publikumsliebling entwickelt. Aisata Blackman, stimmgewaltige Niederländerin mit karibischen Wurzeln, brillierte bereits mit kraftvollen Performances in zahlreichen Hit-Musicals: In Deutschland spielte sie zuletzt Tina Turner im gleichnamigen Musical am Stage Operettenhaus in Hamburg sowie die Hauptrolle im Musical Sister Act am Stage Theater des Westens in Berlin. Auch Stuttgarter Musicalfans konnten sie bereits in verschiedenen Rollen bewundern: Sie spielte von 2017 bis 2018 die Hauptrolle der Rachel Marron in Bodyguard und war von 2015 bis 2016 als Apollo Girl in Rocky zu sehen.
2015 stand ich das erste Mal in Stuttgart mit dem Musical Rocky auf der Bühne, 2018 dann bei Bodyguard. Inzwischen wohne ich seit gut zwei Jahren dauerhaft in Stuttgart und habe die Stadt zu meiner Wahlheimat gemacht. Dass ich die TINA jetzt in Stuttgart spiele, ist ein Heimspiel für mich. Die Rolle der Tina Turner ist meine bisher größte, – damit ist ein Traum für mich wahr geworden. „

Heimkehr der legendären Kunstschätze des Königreiches Benin

Mitte Dezember 2022 reiste die baden-württembergische Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Petra Olschowski mit einer Delegation rund um Bundesaußenministerin Annalena Baerbock und Kulturstaatsministerin Claudia Roth nach Nigeria, um dort die ersten Benin-Objekte zurückzugeben. Unter den Kunstschätzen befindet sich auch eine in Deutschland singuläre Maske aus Elfenbein. Sie stammt aus dem 16. Jahrhundert und zeigt die Königinmutter. 1897 war sie von britischen Truppen aus dem Schlafgemach des Königs Ovonramwen geraubt worden und gehört zu den sehr wenigen weltweit erhaltenen Masken dieser Art. Weitere Masken befinden sich u. a. im Metropolitan Museum in New York sowie im British Museum in London. Wie emotional diese Reise und Übergabe war, formuliert Ministerin Olschowski mit den Worten: „Es bedeutet mir sehr viel, die einzigartige Elfenbeinmaske der Iyoba Idia, der Königsmutter Idia, als erstes Objekt aus dem Stuttgarter Linden-Museum persönlich in das Land, aus dem sie stammt und wohin sie gehört, zu begleiten.“

Bundesaußenministerin  Annalena Baerbock am Flughafen von Maiduguri
Zeremonie zur Rückgabe der Benin-Bronzen an Nigeria in Abuja, 20.12.2022.  Bundesaußenministerin Baerbock sowie Kulturstaatsministerin Roth und die baden-württembergische Kunstministerin Olschowksi (Mitte)

1897 wurde Benin City, die Hauptstadt des Königreichs Benin, Ziel eines britischen Angriffs im Rahmen der Kolonialisierung. Große Teile der Stadt wurden dabei verbrannt und zerstört. Die meisten Benin-Bronzen in den deutschen und internationalen Sammlungen wurden 1897 im Rahmen einer brutalen britischen Strafexpedition geplündert, nach Großbritannien verbracht und vom Foreign Office, Offizieren und Soldaten profitbringend verkauft. Käufer waren Privatpersonen, Museen sowie Ethnografika-Händler, die vom Zwischenhandel an Museen profitierten. Auch das Linden-Museum hat bereits 1899 über die Hälfte seiner Sammlung beim Hamburger Händler Heinrich Bey angekauft.

14.12.2022, Stuttgart: Benin-Objekte: Unterzeichnung Rückgabevereinbarung und Übergabe Elfenbeinmaske / Baden-Württemberg und Landeshauptstadt Stuttgart restituieren Objekte aus dem Königreich Benin an Staat Nigeria (Foto: MWK BW / Jan Potente)

Die Benin-Bronzen umfassen Artefakte aus unterschiedlichen Materialien. Sie sind hauptsächlich aus Bronze, aber auch aus Holz, Elfenbein und Messing. Sie wurden von Künstlern im heutigen Bundesland Edo der Bundesrepublik Nigeria seit dem 13. Jahrhundert gefertigt und schmückten den Palast des Herrschers des Königreichs Benin. Viele der Reliefs und Skulpturen erzählen die Geschichte des Landes und einige haben rituelle Bedeutung. International werden sie für ihre ausgeprägte künstlerische Qualität geschätzt.

Figurenrelief, Foto: Dominik Drasdow, Linden-Museum Stuttgart

Doch neben ihrem großen kunsthistorischem Wert geht es bei der Rückgabe um mehr: Sie sind Teil der Geschichte Benins und des heutigen Nigerias. Ihre Plünderung 1897 symbolisiert zugleich das tiefe Unrecht und die koloniale Gewalt. Baden-Württemberg bekennt sich zu seiner historischen Verantwortung bei der Aufarbeitung des Kolonialismus und zur ethisch-moralischen Verpflichtung, Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten an Herkunftsgesellschaften und -staaten zurückzugeben. Die Folgen des Kolonialismus sind bis heute sichtbar. Dies werde auch in den musealen Sammlungen des Landes deutlich, in denen sich zahlreiche Kulturgüter befinden, die in kolonialem Kontext angeeignet wurden.

Plastik, Foto: Dominik Drasdow, Linden-Museum Stuttgart

Nachdem nun die ersten Objekte nach Nigeria zurückgebracht wurden, darf ein Drittel als Leihgabe im Linden-Museum bleiben. „Ich freue mich, dass die nigerianische Seite in Aussicht gestellt hat, rund ein Drittel der Objekte als Leihgaben im Linden-Museum zu belassen. Das ist eine großzügige Geste von weitreichender Bedeutung. Über die Objekte in unseren ethnologischen Museen lernen wir die Welt besser kennen, sie verbinden uns und bringen uns die Vielfalt der Kulturen näher“, so Olschowski. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst wird die Restitution der Benin-Objekte gemeinsam mit der Landeshauptstadt Stuttgart und dem Linden-Museum weiterführen und abschließen.

Reliefplatten, Königreich Benin, Nigeria, © Linden-Museum Stuttgart, Foto Harald Völkl

„Das Linden-Museum hat die Rückgabe in der Benin Dialogue Group in enger Abstimmung mit nigerianischen Partnern seit 2018 ausgehandelt und vorbereitet. Es ist schön zu sehen, dass dieser Prozess nun zu einem guten Abschluss kommt“, sagt Inés de Castro, die Direktorin des Linden-Museums Stuttgart.
Im oberen Foyer des Museums wurde vor kurzem eine Wandpräsentation mit Medienstationen unter dem Titel „Benin: Restitution als Prozess“ eröffnet. Darin zeichnet das Museum den Weg der Objekte ins Linden-Museum historisch nach, macht Stationen ihrer Rückführung nach Benin City sichtbar und stellt Perspektiven auf ihre Zukunft vor. Zu den Objekten hat das Linden-Museum zudem digital bereits umfassend Transparenz geschaffen. So sind alle Exponate in der Datenbank des German Contact Point for Collections from Colonial Contexts sowie auf Digital Benin – Reconnecting Royal Art Treasures eingestellt.
Die Restitution eröffnet aber auch neue Perspektiven für die Kooperationspartner*innen und die beteiligten Institutionen, um die Museumssammlungen über geografische Grenzen hinweg gemeinsam zu erforschen und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nachfahr*innen des Königshauses, die nigerianische Bevölkerung und Besuchende können sich die Kunstwerke von Benin künftig im Edo Museum of West African Art (EMOWAA) ansehen und ihre historische wie gegenwärtige kulturelle Bedeutung an dem Ort erfahren, wo sie vor 125 Jahren geplündert wurden. Zusätzlich ermöglichen Digitalisierungsverfahren wie Fotografien oder 3D-Scans die weltweite Erforschung, Dokumentation und Vermittlung von Kunstwerken unabhängig vom Standort der Objekte.

Mehr erfahren Sie auf der Sonderseite des Linden-Museum