Er ist unbestritten eine der wichtigsten Stimmen des deutschen Literaturbetriebs, ein Mensch des Geistes und der Bücher – Rüdiger Safranski.

Die Klassiker der Literatur stehen bei ihm auf der Tagesordnung.
Es habe eine Zeit gegeben, erzählt er, da habe er versucht, jeden Morgen ein Gedicht auswendig zu lernen. Sein Markenzeichen aber sind meisterhafte Monografien von Größen der Geistesgeschichte und ganzer Epochen, wie beispielsweise „Romantik. Eine deutsche Affäre“ (2007) oder zuletzt „Einzeln sein. Eine philosophische Herausforderung“ (2021) über das Spannungsverhältnis zwischen Individualität und Gemeinschaft.
Rüdiger Safranskis Veröffentlichungen zeugen von der Fähigkeit, historische Tiefe mit zeitaktueller Sensibilität zu verbinden. „Literatur ist auch ein Stück Zeitgeist und ein Spiegel der Gesellschaft der jeweiligen Zeit“, konstatiert der Literaturwissenschafter, Autor und Philosoph. Man könne mit der Literatur von der Vergangenheit auf die Gegenwart sehen und die Gegenwart mit der Bekanntschaft der Vergangenheit relativieren. Durch seine Biografien u.a. zu Philosophen wie Schopenhauer, Nietzsche und Heidegger und Dichtern wie Schiller, Goethe und Hölderlin, hat Rüdiger Safranski wie kaum ein anderer Publizist in Deutschland einem großen und kulturell breit interessierten Publikum das bleibende geistige Vermächtnis der deutschen Klassik erschlossen.
Seine Werke finden u.a. deshalb so viele begeisterte Leser*innen – und das nicht nur unter Spezialist*innen – weil er sich mit Leidenschaft in die Thematik vertieft und brillant erzählen kann. Seine überspringende Erkenntnisfreude ist einfach ansteckend.
Jetzt erhält Rüdiger Safranski den Preis der Internationalen Hermann Hesse Gesellschaft 2023, der an Personen verliehen wird, die sich im Geiste Hermann Hesses auf nationaler oder internationaler Ebene für den interkulturellen und interreligiösen Dialog eingesetzt haben. Und den hat sich der Erzähler intellektueller Biografien mehr als verdient: Erfüllt er diese Kriterien doch gleich im doppelten Sinn. Zum einen steht sein Werk in der geistigen Tradition eines Hermann Hesses, der in seinem Leben und damit auch in seinem Werk immer wieder die Suche des Menschen nach Authentizität, Selbsterkenntnis und Spiritualität thematisierte. Und zum anderen hat sich der Literaturwissenschaftler immer wieder mit Hesses Werk direkt auseinandergesetzt. Dazu die Jury in der Begründung zur Preisvergabe: „Sein programmatischer Vortrag zur Aktualität des Glasperlenspiels, gehalten in Sils-Maria in der Schweiz und in Calw, zeugt von einer intensiven Auseinandersetzung insbesondere mit dem Alterswerk des Nobelpreisträgers, das er in einer Zeit neuer politisch-ideologischer Extremismen als Hüterin der Freiheit des spielenden Menschen neu zu lesen versteht.
Rüdiger Safranski, geboren 1945 in Rottweil, studierte Philosophie, Germanistik,Geschichte und Kunstgeschichte. Der Literaturwissenschaftler, Essayist und Schriftsteller war Herausgeber und Redakteur der Berliner Hefte, Dozent in der Erwachsenenbildung und Honorarprofessor der FU Berlin. Gemeinsam mit Peter Sloterdijk moderierte er von 2002 bis 2012 das Philosophische Quartett des ZDF. Bereits seit 1986 wirkt Rüdiger Safranski als freier Autor und feierte Erfolge mit Monografi en zu Goethe, Schiller, E.T.A. Hoffmann, Schopenhauer, Nietzsche und Heidegger, veröffentlichte Betrachtungen über die Romantik, die Zeit und, jüngst, über den Gegensatz zwischen Individuum und Gesellschaft in „Einzeln sein“ (Hanser, 288 Seiten, 26 Euro). Für sein in 26 Sprachen übersetztes Werk wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet: u.a. mit dem Preis der Leipziger Buchmesse (2005), dem Thomas-Mann-Preis (2014), dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie dem Ludwig-Börne-Preis (2017) und dem Deutschen Nationalpreis (2018). Seit 2009 lebt Rüdiger Safranski in Badenweiler bei Freiburg. Zum Preis: Die Auszeichnung wird alle zwei Jahre an Personen verliehen, die sich – ob wissenschaftlich, journalistisch oder publizistisch – um das Werk von Hermann Hesse verdient gemacht oder sich im Geiste Hermann Hesses auf nationaler oder internationaler Ebene fü r den interkulturellen und interreligiösen Dialog eingesetzt haben. Preisträger*innen waren bisher Adolf Muschg (2017), Eugen Drewermann (2019) und Bärbel Reetz (2021). Rüdiger Safranski wird den Preis am 20. Mai 2023 in Calw entgegennehmen. Die Laudatio hält der Publizist und Hesse-Biograph Heimo Schwilk.









Im Kern handelt es sich um Manuskripte, Briefe und Bücher, die 1914 in Paris von Rilkes Zugehfrau, Andre Gide und Romain Rolland vor der drohenden Vernichtung gerettet wurden, die im Familienbesitz, zunächst in Weimar, später in Fischerhude und schließlich im badischen Gernsbach, zusammengehalten wurden. Das Konvolut umfasst insgesamt mehr als 10.000 handschriftliche Seiten mit Werkentwürfen und Notizen, etwa 8.800 Briefe und über 470 Bücher und Zeitschriften, neben deutschsprachigen Titeln auch viele in französischer, italienischer und russischer Sprache, die mit zahlreichen Annotationen und Widmungsgedichten versehen sind. Zudem befinden sich 131 bislang unbekannte Zeichnungen von Rilke sowie rund 360 Fotografien aus allen Lebensphasen und weitere biografische Materialien im Gernsbacher Nachlass. 86 weitgehend unbekannte Skizzen- und Taschenbücher eröffnen mit Tagebucheinträgen, Notizen, Exzerpten, Gedichtund Briefentwürfen neue Perspektiven zum Verhältnis von Biografie und Werk. Rilkes außerordentlich umfangreiche Korrespondenzen, die von der Forschung als ein wichtiger Teil seines literarischen Werks angesehen werden, umfassen 2.500 Briefe von ihm mit mehr als 7.500 Seiten und rund 6.300 B riefe an ihn. Erhalten sind unter anderem Briefe von bzw. an Lou Andreas-Salomé, Max Brod, Hans Carossa, Eugène Carrière, Eleonora Duse, Stefan George, André Gide, Oskar Maria Graf, Gerhart Hauptmann, Hermann Hesse, Hugo von Hofmannsthal, Harry Graf Kessler, Ellen Key, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Annette Kolb, Karl Kraus, Else Lasker-Schüler, Gustav Meyrink, Robert Musil, Boris Pasternak, Alfred Polgar, Walter Rathenau, Auguste Rodin, Romain Rolland, Arthur Schnitzler, Georg Simmel, Paul Valéry, Heinrich Vogeler, Clara Westhoff-Rilke und Stefan Zweig. Sie zeigen, wie intensiv Rilke in die europäischen Literaturund Kunstszenen seiner Zeit eingebunden war. Überliefert sind auch zahlreiche Zuschriften von Lesern, Verehrerinnen und Verehrern, Zusendungen von jungen Schreibenden und von politischen Gruppierungen, die den Autor um Mitwirkung baten. Abrechnungen von Verlagen und Anträge auf Unterstützungen geben Auskunft über seine zeitweise prekäre finanzielle Situation. Unter den Briefen befindet sich einer, der für den sensiblen Dichter zu den schmerzlichsten gehört haben dürfte: „Letzter Zuruf!“ hat Lou Andreas-Salomé ihren Abschiedsbrief vom 26. Februar 1901 an den von ihr miterfundenen Rainer Maria Rilke überschrieben (der Künstler-Vorname – Rilke hieß eigentlich René – geht genauso auf sie zurück wie eine veränderte, „auratischere“ Handschrift).








