Das Schmuckmuseum Pforzheim

Rund 2.000 Exponate zeigen Schmuckkunst aus fünf Jahrtausenden, von der Antike bis zur Gegenwart: kunstvoll und fein gearbeitete Schmuckstücke der Etrusker, üppige Kleinodien aus dem Barock, bedeutende Stücke aus dem Jugendstil sowie eine renommierte Sammlung modernen Schmucks. Die ethnografische Sammlung Herion gibt Einblick in die schmückenden Ausdrucksformen außereuropäischer Gesellschaften, und kunstvolle Taschenuhren aus der Sammlung des Pforzheimer Uhrenfabrikanten Philipp Weber, eine Dauerleihgabe der Sparkasse Pforzheim Calw, dokumentieren Uhrmacher- und Goldschmiedekunst vom 17. bis ins 19. Jahrhundert. Auch eine Abteilung über die Geschichte der Pforzheimer Schmuckindustrie ist zu sehen.
Sonderausstellungen geben den Besuchern die Möglichkeit, das Museum immer wieder neu zu entdecken. Nur fünf Minuten entfernt, im Technischen Museum der Pforzheimer Schmuck- und Uhrenindustrie, können sie zudem lebendige Einblicke in Aspekte der Herstellung erhalten.
Das Reuchlinhaus, in dem sich das Schmuckmuseum befindet, ist ein architektonisches Juwel. Es wurde 1961 nach Entwürfen des Architekten Manfred Lehmbruck im »International Style« errichtet und erinnert an die Baukunst von Ludwig Mies van der Rohe.
Öffnungszeiten des Schmuckmuseums Pforzheim Di bis So und feiertags 10 bis 17 Uhr
www.schmuckmuseum.de
Das Programm 2020 – Hier klicken

PEAC – Ein Museum
für zeitgenössische Kunst

Der Kunstraum wandelt sich zum „PEAC Museum“- Die Kunstsammlung des 2019 verstorbenen Freiburger Unternehmers, Sammlers und Mäzens Paul Ege wächst in seinem Sinne weiter in die Zukunft.

Paul Ege (links) /Dieter Kiessling, PE DK 2014, 2014, Digitalprint, Alu-Dibond, 81,2 x 118 cm. © Paul Ege Art Collection, VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Das „PEAC Museum“, ehemals Kunstraum Alexander Bürkle, zeigt auf mehr als 1000 Quadratmetern die „Paul Ege Art Collection“. Neben themenbezogenen Sonderausstellungen, bei denen Werke der Sammlung in Dialog treten mit internationalen Leihgaben, zeigt ein Saal künftig dauerhaft einen repräsentativen Ausschnitt aus der mehr als 900 Werke umfassenden Sammlung.

Phil Sims, Where the Sea stands still, 2016, Aquarell auf Papier, 36-teilig, je 32 xc 32 cm. © Paul Ege Art Collection, Foto: Bernhard Strauss

Der im Juni 2019 verstorbene Kunstsammler und Mäzen Paul Ege hat in mehr als sechzigjähriger Sammeltätigkeit eine der europaweit bedeutendsten Sammlungen mit Werken des sogenannten Radical Painting und den entsprechenden Fortschreibungen, zusätzlich zu minimalistischen Tendenzen, aufgebaut. Er begann bereits in den 1950er-Jahren, Kunst zu sammeln. Anfang der 1990er-Jahre lernte Paul Ege über die Galerie Krohn in Badenweiler, unweit von Freiburg, nationale und internationale Malereiipositionen kennen, die dem sogenannten Radical Painting zugeschrieben werden. Von da ab galt seine Begeisterung der Farbe selbst. Ab dieser Zeit machte er die Kunstwerke auch immer wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Seit 2004 ist die Sammlung dauerhaft in eigens dafür geschaffenen musealen Räumen im Norden Freiburgs beheimatet. 2008 überführte Paul Ege seine Kunstsammlung in eine Stiftung, die Ege Kunst- und Kulturstiftung, die seit 2015 auch den Ausstellungsbetrieb unterhält. In der „Paul Ege Art Collection“ fnden sich namhafte Positionen wie Marcia Hafif, Joseph Marioni, Phil Sims oder Günter Umberg. Zusammen mit zahlreichen Werken von Peter Tollens, Dieter Villinger, Marc Angeli, Martina Klein, Stephan Baumkötter, Winston Roeth und Rudolf de Crignis bietet die Sammlung einen repräsentativen und qualitätsvollen Überblick zur Farbmalerei bis in die Gegenwart. Seit 2007 wird zudem, auf Initiative von Paul Ege, alle drei Jahre von der Alexander Bürkle Gruppe der mit 10.000 Euro dotierte Kunstpreis Alexander Bürkle an junge bildende Künstlerinnen und Künstler verliehen.

Reto Boller, SF-12.1, 2012, Hartschaum, Acryl, Kunststoff, Metall, 128 x 185 x 31 cm. © Paul Ege Art Collection, Foto: Bernhard Strauss

Das Gesamtbild der Sammlung wurde in den letzten Jahren durch Ankäufe im Bereich der Minimal Art, wie z.B. von Donald Judd, Dan Flavin, Sol LeWitt, Carl Andre oder Fred Sandback weiter geschärft. Damals neu gedachte Parameter wie Material, Raum und Farbe sowie das Verhältnis von Materialität und Visualität werden von der jüngsten in der Sammlung vertretenen Künstlergeneration, zu der beispielsweise Reto Boller, Henrik Eiben, Michal Budny, Sebastian Dannenberg oder auch Myriam Holme gehören, weiter gedacht.

Peter Tollens, Ausstellungsansicht „Im Garten der Farben“. © Paul Ege Art Collection, Foto: Bernhard Strauss

Schließlich wurde in jüngster Zeit durch Ankäufe in den Bereichen Fotografie und Video (u.a. Jörg Sasse, Axel Hütte, Elge Esser und Dieter Kiessling) begonnen, die letzte wichtige Lücke zu schließen. So zeichnet sich die Sammlung auch dadurch aus, dass sie danach fragt, wie die jüngere Künstlergeneration in ihren Bildern – egal ob gemalt, gezeichnet, fotografiert, gefilmt oder installiert – das Verhältnis von Materialität und Visualität weiter untersucht.
PEAC Paul Ege Art Collection, Robert-Bunsen-Straße 5
79108 Freiburg, Fon 07 61-51 06-606

Der Sammler Paul Ege (1936-2019)- Paul Ege wurde 1936 in Freiburg geboren. Bis 1999 war er Seniorgesellschafter des Traditionsunternehmens Alexander Bürkle in Freiburg, wo er eine Ausbildung zum Kaufmann absolviert hatte. Bereits mit 25 Jahren war er geschäftsführender Gesellschafter geworden. Er führte das Unternehmen erfolgreich von 1961 bis 2000. Heute beschäftigt der Elektrogroßhandel und Technologiedienstleister 800 Mitarbeiter in 22 Niederlassungen deutschlandweit.

Henning Ziebritzki

Henning Ziebritzki © Björn Klein

Der vom Land Baden-Württemberg und dem Südwestrundfunk gestiftete Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik wird seit 1983 für ein herausragendes lyrisches Werk des vergangenen Jahres verliehen und würdigt die literarische Arbeit deutschsprachiger LyrikerInnen. Mit 10.000 Euro dotiert, gilt er zudem als der wichtigste deutsche Lyrikpreis. Namensgeber des Preises ist den bedeutende Lyriker und langjähriger Chefredakteur der Literaturzeitschrift „Sinn und Form“: Peter Huchel (1903 – 1981). Mit Henning Ziebritzkis Gedichtband „Vogelwerk“ prämiert die Jury „ein lyrisches Kalendarium sinnlicher Grenzerfahrungen und Überwältigungsmomente“.

Zweiundfünfzig Vögel aller Arten sind in „Vogelwerk“ versammelt, und am Anfang fast aller Gedichte steht die genaue konkrete Beobachtung des darin thematisierten Vogels. Aber der Dichter bleibt natürlich nicht bei vogelkundlichen Beschreibungen stehen, es ist immer auch ein Psychogramm von Assoziationen des Wahrnehmenden und spiegelt Erinnerungen, Gedanken und Gefühle. Die Beobachtung der Vögel, beim Futtersuchen, beim Fliegen, in ihrem Überlebenskampf, führt Ziebritzki zu existentiellen Fragen, zu Momenten, in denen Leben und Tod sichtbar zu werden scheinen. Von der Feldlerche bis zur Wasseramsel zeichnet der Dichter Vogelporträts, die ausgehend von deren Eigenarten Risse in der Realität des Beobachters offenbaren. Zugleich lesen sich die Miniaturen als Manifestation des Glaubens an Sprache und die Kraft des Wortes:

Habicht

Im Wald ist er unsichtbar. Er ist eine Hohlform.
Er fängt dort an, wo du aufhörst.
Er schreit
im Verborgenen und schreckt Teile von dir auf,
die sagen:
Wir schmecken bitter, verbrannt wie deine Opfer.
Er ist dafür geschaffen, mit einem einzigen
tödlichen Griff
ein flüchtendes Gewissen festzunageln, dass es splittert.
Im Herz des Habichts lodern keine Vergleiche.
Plötzlich fällt er lautlos aus der Blätterwand
und wölbt, zwischen zwei Verstecken gleitend, über dir
das Wunderwerk von Schrift auf seiner Brust,
unfassbar wie ein Evangelium

In der Stille der Beobachtung erscheint immer wieder etwas auf, das jenseits aller Sagbarkeit ist, das trotz der Präzision der Worte offen bleibt und immer wieder einen Raum für existenzielle Selbstbefragungen bietet.

Rotkehlchen

Ich kann dich nicht sehen,
ohne dass Freude und Schmerzsiedend ineinander schießen, so zart
und so verletzlich ist deine zögernde
Gestalt im Schnee, fast abstrakt.
Wie auf einer englischen Weihnachtskarte,
in den Zeilen eines frommen Dichters
zeigst du die rote Brust,
den Kopf ins Profil gedreht, das Auge,
etwas zu groß geraten, ein schwarzes Loch,
in das Licht eingefädelt wird.

Die Gedichte von Henning Ziebritzki sind verstörend und doch beglückend und gehören zum Besten, was in der deutschsprachigen Lyrik zurzeit zu lesen ist.


Henning Ziebritzki:
Vogelwerk – Gedichte
Wallstein-Verlag, Göttingen

Über den Lyriker & Autor
Henning Ziebritzki (*1961)studierte Evangelische Theologie in Tübingen, München und Mainz, wo er 1992 auch dissertierte. Ab 1995 arbeitete er als Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Hahnenklee (Oberharz),
2001 wechselte er als Lektor in den Wissenschaftsverlag Mohr Siebeck, den er heute als Geschäftsführer leitet. Er lebt in Tübingen. Ziebritzki veröffentlichte Gedichte und Essays in Zeitschriften wie manuskripte, Sinn und Form, Akzente, Neue Rundschau, die horen, Gegenstrophe und Bella triste sowie in zahlreichen Anthologien.

Sammlung Domnick

Skulpturenpark Sammlung Domnick

Ottomar und Greta Domnick konnten 1976 das Grundstück erwerben, das direkt neben dem ihres Sammlungshauses lag. Hier legten sie einen parkähnlichen Garten an. Bestimmt wird er von einer der natürlichen Landschaft folgenden Rasenfläche: sanft abfallend bis zu einem kleinen Wald. Drei Wegschleifen von je 330 Metern Länge strukturieren den Garten in Inseln von unterschiedlicher Höhe. Auf diesen Inseln stehen Metallplastiken, ergänzt durch Baumgruppen aus Birken und Weiden. Eine hohe Hainbuchenhecke umgibt das gesamte Grundstück.

Bildnachweis: Staatliche Schlösser und Gärten Badeen-Württemberg, Rose Hajdu

Der Garten der Sammlung Domnick besticht durch seine einheitliche und schlichte Gestaltung. Auf einer abfallenden Rasenfläche ergänzen sich Metallplastiken und ausgesuchte Baumarten. Geführt wird der Besucher über einen Rundweg mit leichten Anhöhen und Blick auf die Schwäbische Alb.

Bildnachweis: Staatliche Schlösser und Gärten Badeen-Württemberg, Rose Hajdu

Skulpturen aus Eisen, Stahl und Bronze

Angelegt hatten die Domnicks den Landschaftsgarten für ihre Skulpturensammlung, heute bestehend aus insgesamt 32 abstrakten Plastiken aus Metall. Skulpturen brauchen, nach Auffassung Ottomar Domnicks, mehr Raum als Gemälde und eignen sich deshalb besonders gut für den Freiraum eines Gartens. Bei der Aufstellung der Kunstwerke achtete er genau auf die Blickachsen. Die Plastiken stehen inmitten der Baumgruppen und korrespondieren untereinander, mit der Natur und mit der Architektur der Sammlung Domnick.

Weitere Informationen finden Sie hier und auf der Website der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg (Menüpunkt: Kleinode)

Classy Classics

Wer angesichts des augenzwinkernden Stücktitels an einen opulenten Ballettabend denkt, liegt falsch: Classy Classics feiert Meisterstücke des zeitgenössischen Tanzes, ergänzt durch zwei länger nicht gezeigte Lieblingsstücke aus dem Gauthier Dance-Repertoire. Wer Ballettmoderne sagt, kommt an William Forsythe nicht vorbei: Sein beeindruckendes Œuvre verleiht dem zeitgenössischen Tanz seit mehreren Jahrzehnten Eleganz und klare Linie. Das Herman Schmerman Duet ist dennoch der beste Beweis dafür, wie viel Leichtigkeit und Humor in Forsythes souveränen, fast mathematisch strukturierten Arbeiten steckt. Eine Tänzerin auf Spitzenschuhen und ihr männlicher Partner scheinen anfangs alle Erwartungen an einen neoklassischen Pas de deux zu erfüllen. Doch Forsythe braucht nur wenige Minuten, um die bekannten Muster ironisch zu durchbrechen und die Geschichte einer sehr heutigen Beziehung zu erzählen. Spöttisch, lässig – und unglaublich virtuos. Das Herman Schmerman Duet galt als eine der Paraderollen der großen Sylvie Guillem und ist vielleicht deshalb mittlerweile kaum noch auf den Tanzbühnen weltweit zu sehen. Dass Forsythe grünes Licht für Gauthier Dance gab, darf die Company zu Recht als Ritterschlag betrachten …

Bruna Andrade & Nicholas Losada in William Forsythe, Herman Schmerman Duet, Szenenfoto: Regina Brocke

Nach mehreren, für beide Seiten bereichernden Kollaborationen ist Marco Goecke Gauthier Dance seit Januar 2019 als Artist-in-Residence verbunden. Klar, dass der weltweit gefragte Choreograph bei den Classy Classics nicht fehlen darf. Vertreten ist er mit der Produktion, die seinen Durchbruch markierte und seine unverwechselbar vibrierende Handschrift einem breiten Publikum bekannt machte. Im Gefüge des Abends vertritt Äffi nicht nur die Solo-Position. Es ist auch eine ausgesprochen selbstbewusste Wahl. Schließlich verlangt das atemlose Stück zu Musik von Johnny Cash seinem Performer tänzerische Höchstleistungen ab, technisch wie emotional.

DECADANCE wiederum ist die ultimative Wundertüte. Kein Stück, sondern ein sich ständig veränderndes work-in-progress. Wie bei einem Kaleidoskop stellt Ohad Naharin für jede Stadt, für jede Company eine neue Version zusammen, allesamt Auszüge aus seinen bisherigen Arbeiten. Und das sind eine ganze Menge seit der Urfassung aus dem Jahr 2000. Nun gibt es DECADANCE auch für Gauthier Dance! Ein Zeichen der Verbundenheit, das kein Zufall ist. Denn nach Kamuyot und Minus 16 konnte sich der Hauschoreograph der Batsheva Dance Company und weltberühmte Schöpfer der Gaga-Methode nun das dritte Mal direkt vor Ort von der tänzerischen Qualität überzeugen, mit der die Company seine Werke interpretiert.

Rosario Guerra, Joana Martins, Nora Brown, Maurus Gauthier, Réginald Lefebvre in Ohad Naharin, DECADANCE, Szenenfoto: Regina Brocke

Malasangre pustet sein Publikum durch wie ein Wirbelsturm. In kurze Röcke gekleidet, die Hände zu Krallen geformt, fegen die Tänzerinnen und Tänzer nur so über die mit schwarzen Stoffschmetterlingen bedeckte Bühne. Cayetano Sotos tief empfundene Hommage an die kubanische Sängerin La Lupe zeigt die Dunkelheit einer gequälten Seele – und schafft es, diese Zerrissenheit zur Quelle der größtmöglichen Energie zu machen. In Kombination mit der strahlenden Musik der Queen of Latin Soul wird daraus eine exzentrische, fiebrige Revue, die es ihrem Publikum buchstäblich schwer macht, sitzen zu bleiben.

Anneleen Dedroog, Réginald Lefebvre & Alessio Marchini in Cayetano Soto, Malasangre, Szenenfoto: Regina Brocke

Sorgte bereits bei der Uraufführung 2009 für Begeisterungsstürme: Die Miniaturkomödie Orchestra of Wolves. Heute unvorstellbar: Eric Gauthier kreierte den humorvollen Showdown zwischen einem Dirigenten und seinem Orchester für sein damals nur achtköpfiges (!) Ensemble. Zu den pochenden Klängen aus dem bekannten ersten Satz aus Beethovens 5. „Schicksalssinfonie“ ziehen die Musiker in Wolfsmasken immer engere Kreise um ihren Chef…

Rosario Guerra & Réginald Lefebvre in Eric Gauthier, Orchestra of Wolves, Szenenfoto: Regina Brocke

Weitere Info: www.theaterhaus.com/theaterhaus

Gauthier Dance // Dance Company Theaterhaus Stuttgart: 
Classy Classics - TRAILER
William Forsythe: Herman Schmerman Duet
Eric Gauthier: Orchestra of Wolves
Marco Goecke: Äffi
Ohad Naharin: DECADANCE
Cayetano Soto: Malasangre

Eine Produktion von Theaterhaus Stuttgart // A Theaterhaus Stuttgart production

Klosterkonzerte Maulbronn

Zu 25 Konzerten zwischen 15. Mai und 27. September 2020 ist wieder eine Vielzahl renommierter Künstler und Ensembles im UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Maulbronn zu Gast. In dessen einzigartiger Architektur und Atmosphäre tritt seit 1968 die nationale und internationale Künstlerprominenz auf.
Das erste Konzert gestaltet das SIGNUM saxophone quartet mit dem Percussionisten Alexej Gerassimez: In ihrem Programm »Starry Night« erkunden die Musiker ausgehend von Gustav Holsts »Planeten« gemeinsam mit dem Publikum grenzenlose Klangwelten. Nachtmusiken aus Europa unter anderem von Antonio Vivaldi und Jacob van Eyck widmen sich Dorothee Oberlinger (Blockflöte) und die Sonatori de la gioiosa marca in ihrem Programm »Round Midnight«.

Dorothee Oberlinger © Henning Ross

Der Kreuzganggarten bietet im Juli wieder die einmalige Kulisse für abwechslungsreiche und hochklassige Unterhaltung in vier Konzerten: Das Stuttgarter Kammerorchester präsentiert in seinem Programm »Junge Virtuosen«. Dem schwedischen Vokalquartett Ringmasters gelang als erstem nicht-amerikanischem Ensemble das Kunststück, die Weltmeisterschaft im Barbershop-Gesang für sich zu entscheiden. In perfekter Harmonie kleiden sie schwedische Volkslieder, Musical- und Popsongs in ein Barbershop-Gewand. Das russische Ensemble Dobranotch lässt sich wohl am ehesten als »Klezmer-Balkan-Gypsy-Band« bezeichnen – ausgelassene Stimmung ist hier programmiert. Klazz Brothers & Cuba Percussion, die »Meister des Classical Crossover«, widmen sich passend zum 250. Geburtstag in einem kompletten Programm dem Schaffen Ludwig van Beethovens: »Beethoven meets Cuba«.
Bernd Glemser, Permanent Artist in Residence der Klosterkonzerte, wird im Rahmen seiner Kammermusikwoche Bernd Glemser & Freunde je einen Duoabend mit den renommierten Künstlerkollegen Nimrod Guez (Viola) und Mirijam Contzen (Violine) gestalten. Dazu kommen sein traditioneller Soloabend und das Abschlusskonzert mit dem traditionsreichen Gewandhaus-Quartett.

Zu Gast bei den Klosterkonzerten Maulbronn – SIGNUM + Alexej Gerassimez © Hayrapet Arakelyan

Der Maulbronner Kammerchor präsentiert Ende Juni sein neues a cappella-Programm. Zum Abschluss der Saison setzt der Chor der Klosterkonzerte dann in zwei Konzerten seinen Maulbronner Mendelssohn-Zyklus fort. Innerhalb des Zyklus‘ beginnt 2020 eine vierjährige Reihe »Mendelssohn im Dialog«, die ausgewählte Werke Felix Mendelssohns den Arbeiten anderer Komponisten aus bestimmten Epochen gegenüberstellt. Den Auftakt bildet der »barocke Mendelssohn« – im Programm kombiniert werden das »Magnificat« von Johann Sebastian Bach und das »Magnificat« von Felix Mendelssohn sowie dessen Vertonungen des 114. und 115. Psalms.

Isabelle Faust © Felix Broede

Weitere Höhepunkte des Konzertsommers 2020 bilden Konzerte mit Thierry Escaich (Orgel), Isabelle Faust (Violine) und Kristin von der Goltz (Violoncello), Ulrich Noethen und dem delian::quartett , Spark – die klassische Band, Theo Plath (Fagott) und vielen anderen.

Klosterkonzerte Maulbronn, www.klosterkonzerte.de,
Karten. Fon (0 70 43) 1 03 11

 

Louis van Beethoven
-Der Film

Im Fernsehfilm anlässlich des Beethovenjahres 2020 übernehmen Stars wie Tobias Moretti, Anselm Bresgott und Colin Pütz die Rolle des großen Komponisten in drei Lebensaltern. Der aufwendig inszenierte Historienfilm erzählt die Geschichte des großen Komponisten aus unterschiedlichen Perspektiven neu: Aus Sicht eines jungen Genies, das im späten 18. Jahrhundert in einer Zeit der politischen Umbrüche aufwächst, die Europa für immer verändern. Und aus Sicht eines tauben und einsamen Mannes, der – gefangen in einer höchst ungewöhnlichen Familienkonstellation – auf sein Leben zurückblickt.

ARD „Louis van Beethoven“ – mit Tobias Moretti, Foto (c) ARD Degeto/WDR/ORF/EIKON Media/Zuzana Panská“ (S2+).

Das TV-Ereignis wird anlässlich des Beethovenjahres
2020 im Ersten ausgestrahlt.
(Info: www.daserste.de) LOUIS VAN BEETHOVEN (AT) ist eine Produktion der EIKON Media GmbH in Koproduktion mit der ARD Degeto, WDR und ORF. Die Federführung liegt bei der ARD Degeto, Redaktion Christine Strobl und Carolin Haasis.

Beethoven und sein neidischer Dämon

Der volle Nachttopf stand nachmittags noch unter seinem Flügel, Essensreste lagen zwischen den Manuskripten herum. Sein Äußeres wird als untersetzt, sein Gesicht als pockennarbig beschrieben. So sehr sich Ludwig van Beethoven (1770-1827) in jungen Jahren als rheinische Frohnatur gab, so griesgrämig und cholerisch muss er wohl im Alter gewesen sein. Er selbst führte das in seinem sogenannten „Heiligenstädter Testament“ auf seine Taubheit zurück.
Und dagegen war einfach kein Kraut gewachsen! Weder Tees noch Pillen, weder Tropfen aus Mandelöl oder mit Meerrettich bestrichene Baumwolle, die er in die Ohren stopfte – nichts hat geholfen! Selbst die Galvano-Therapie mit Gleichstrom, eine quälende Prozedur, brachte nicht die erhoffte Wirkung. Voller Verzweiflung suchte Beethoven unzählige Mediziner auf, die besten Ärzte seiner Zeit. Doch die Ertaubung ließ sich nicht aufhalten. Heute wäre das wahrscheinlich anders…
Ab 1818 begann er fast ausschließlich, mit schriftlichen Botschaften zu kommunizieren. In den letzten Jahren vor seinem Tod war er völlig taub.

Der neidische Dämon

Mit 31 Jahren, in einem Brief vom 29. Juni 1801 an seinen Freund den Mediziner Franz Gerhard Wegeler (1765-1848), klagt Beethoven erstmals über Gehörverlust: „Der neidische Dämon hat meiner Gesundheit einen schlimmen Streich gespielt, nämlich mein Gehör ist seit drei Jahren immer schwächer geworden [Schwerhörigkeit]. (…) nur meine Ohren, die sausen und brausen Tag und Nacht fort [Tinnitus]. Ich bringe mein Leben elend zu. Seit zwei Jahren meide ich alle Gesellschaften, weil’s mir nicht möglich ist, den Leuten zu sagen, ich bin taub. Hätte ich irgendein anderes Fach, so ging’s noch eher, aber in meinem Fach ist es ein schrecklicher Zustand. (…) Die hohen Töne von Instrumenten und Singstimmen höre ich nicht [Hochtonverlust], wenn ich etwas weit weg bin, auch die Bläser im Orchester nicht. Manchmal auch höre ich den Redner, der leise spricht, wohl, aber die Worte nicht [Sprachverständlichkeitsverlust], und doch, sobald jemand schreit, ist es mir unausstehlich [Hyperakusis].“ Als wäre das alles noch nicht schlimm genug, hörte er das, was in seinen Ohren ankam, verzerrt [Recruitment].
Trotzdem komponierte Ludwig van Beethoven weiter und wird zu dem Sonderling, als der er – wie aktuelle Biografen sagen – zu Unrecht in Erinnerung geblieben ist.
Er selbst muss das bereits sehr früh gemerkt und darunter gelitten haben. Denn er schrieb 1802 in sein „Heiligenstädter Testament“: “Sobald ich tot bin, (…), so bittet ihn [seinen Arzt Professor J. Adam Schmidt] in meinem Namen, dass er meine Krankheit beschreibe, (…) damit wenigstens so viel als möglich die Welt nach meinem Tode mit mir versöhnt werde (…)“.

Hochtonverlust

Der Gehörverlust beeinflusste seine Arbeit deutlich: Mit fortschreitender Taubheit konnte Beethoven hohe Töne, die von den Musikern gespielt wurden, kaum mehr hören und begann, zunehmend auf sie zu verzichten. Das untersuchte der Forscher vom Niederländischen Zentrum für Stoffwechsel in Leiden Edoardo Saccenti gemeinsam mit seinen Kollegen anhand von Beethovens Streichquartetten. Diese lassen sich demnach in vier Perioden einteilen: von den frühen Kompositionen der Jahre 1798 bis 1800 bis hin zu den Spätwerken, die er von 1824 bis 1826 komponierte. Dabei zählten die Wissenschaftler Töne, die auf der Notenskala über G6 liegen, was einer Frequenz von 1,568 Hertz entspricht. Während es in den Frühwerken viele dieser Töne gab, wurden sie mit zunehmender Taubheit des Komponisten seltener.

Beethovens Schatz

Faszinierend – bei seinen letzten Werken finden sich erstaunlicherweise wieder zahlreiche hohe Töne!
Warum das?
Wie sich die Welt für Beethoven anhörte, nachdem das Sausen und Brausen verstummt war – darüber lässt sich nur mutmaßen. Er hatte ein absolutes Gehör, konnte sich also die Töne und ihren Zusammenklang im Kopf vorstellen. Wissenschaftler vermuten, dass sich Beethoven versunken in völlige Stille nur noch auf sein inneres Ohr verließ. Er hatte eine reiche innere musikalische Welt, wie die meisten anderen Musiker auch. Das war Beethovens Schatz. Hieraus konnte er sich bedienen. Nichts anderes ist Musikalität als das Neu-Kombinieren von musikalischen Gestalten. Außerdem hatte er sich als Pianist ein hohes Qualitätsbewusstsein antrainiert.
Manche Wissenschaftler, vor allem Neurologen und Hörakustiker sagen sogar, Beethoven habe es leichter gehabt als hörende Komponisten, eine eigene Handschrift zu entwickeln und seinen eigenen Sound zu finden. Denn bei Menschen, die im Alter schwerhörig werden oder taub sind, treten häufig musikalische Halluzinationen auf. Man spricht dann von einem „Enthemmungsphänomen“. Wenn die Nervenzellen, die musikalische Gedächtnisinhalte codieren, keine Anregung mehr von außen erfahren, beginnen sie selbst Melodien zu produzieren – unaufhörlich und ohne Rücksicht auf Konventionen.

Für die Welt verloren

Bei allem Positiven, was die Wissenschaft der Taubheit Beethovens abgewinnen kann: Der Preis bleibt trotzdem unvorstellbar hoch und die persönliche Tragik enorm! Es war Emanuel Kant, der einmal konstatierte, dass schlechtes Sehen von den Dingen trenne, Schwerhörigkeit aber von den Menschen. Beethoven beschreibt mehrfach die charakteristische, soziale Isolation des Schwerhörigen. Er zieht sich aus der Welt zurück und hat Suizidgedanken. Nur seine Kunst war es, die ihn rettete!
Text: Susanne Heeber

Metamorphosen-
Hannah Zenger

Die Erfindung des europäischen Porzellans ist eine Geschichte von Persönlichkeiten voller Neugier, Wissensdrang, dem Hang zu schönen Dingen und folglich genau das richtige Material für die Designerin und Künstlerin Hannah Zenger. Sie begeistert sich am Sichtbarmachen, an Prozessen, am Forschen und an Materialität.

Hannah Zenger, Foto: Arne Hübner

„Mein Weg zur bildenden Kunst führte mich über die Architektur“, so Hannah Zenger, die während ihres Studiums eine große Faszination für das räumliche Sehen, Denken und Arbeiten entwickelte. „Mir wurden Parallelen an der Schnittstelle von Architektur und bildender Kunst bewusst. Charakteristische Denk- und Verfahrensweisen lassen sich in bildhauerische Arbeiten transferieren: Positiv und Negativ, Leere und Fülle, Stapelung und Reihung, Maß und Proportion oder Material und Oberfläche“.

Foto: Hannah Zenger

Ihre Arbeiten mit Porzellan und anderen keramischen Stoffen ist eine ausgesprochen sinnliche Arbeit, u. a., weil sie alle Elemente – Erde, Wasser, Luft und Feuer – in sich vereint. Und – werken mit Porzellan erfordert Sensibilität, Konzentration und Zeit.
Ihr klar durchdachtes, komplexes, konzeptuell-analytisches Konzept, das Charakteristika, Erscheinungsformen und Veränderlichkeit von Materialität erforscht, dabei Bekanntes transformiert und in neue Aggregatszustände überführt, transportieren ihre Objekte sichtbar nach außen. Trotzdem ist das, was man nicht sieht, oft entscheidender als das Sichtbare.
Ihre Inspirationen findet die Designer und Künstlerin vor allem in der Natur, u. a. im Wald. „Dort lässt sich wunderbar über mein großes Thema mit dem Arbeitstitel ‚alles ist in allem und alles ist eins‘ nachdenken“, erklärt Zenger. Und weiter: „Ich bin ein sehr visueller Mensch, mich prägt und inspiriert alles, was mich umgibt, auch Räume, Stimmungen, Farben.“ Vor vier Jahren fand sie bei einem Spaziergang im Schönbuch ein großes Stück Eichenrinde. Fasziniert vom fein strukturierten Rindenaufbau, der bei genauem Hinsehen wie die Gesteinsschichten eines Gebirges wirkten, nahm sie es mit. Es ist nicht das einzige Naturmaterial, das sie nach Hause geschleppt hat, aber es ist das einzige, das einen Platz in ihrem Porzellanstudio hat: Denn es dient als Vorlage für Skulpturen. Doch auch wenn Hannah Zenger die Ideen für ihre Porzellanarbeiten in der Natur findet, ist das Erscheinungsbild ihrer Kreationen modern und geradlinig. Vielleicht sogar gerade deshalb…

Foto: Hannah Zenger

Derzeit konzentriert sich Hannah Zenger verstärkt auf das freie künstlerische Schaffen. Für ihre neueste Arbeit „Erde & Wind auf Papier“ hat sie an ganz verschiedenen Orten Erden gesammelt und begonnen, ein Archiv anzulegen. Einige davon hat sie pulverisiert und in der Natur bei starkem Wind (unter anderem Sturmtief Mortimer) auf ihre Papierblätter gestreut – eine verkleinerte Form der Wirklichkeit. „Es gibt kein anderes Material, mit dem man mit einer Handvoll so viel über den Planeten aussagen kann wie durch Erde, Stein oder Sand“, ist die Künstlerin überzeugt. Elemente, die zur Natur gehören, erzeugen eine Harmonie, ganz egal wie man sie anordnet. „Die Natur ist für mich ein guter Ort, um über die Welt und die Wirklichkeit nachzudenken, in der man lebt.“ Auch Kunst zu machen, bedeutet für Zenger, genau das: über die Wirklichkeit nachzudenken.
„Erde & Wind auf Papier“ ist also eher als Hinweis auf die Dinge zu verstehen. Darauf, dass die Natur in allem gegenwärtig ist, in allem was wir sind, was wir sehen und was wir denken können. Hannah Zenger versucht ihr Vorhandensein sichtbar zu machen und dadurch eine Beziehung zu den uns umgebenden Dingen herzustellen. Das ehrfürchtige Schauen, Respekt und Achtung vor der Vergänglichkeit unserer Umwelt und die Rückbesinnung auf das Wesentliche bilden das Fundament ihres Werks.
Ein Beitrag von Susanne Heeber

Hannah Zenger
1988 in Böblingen geboren, studierte Hannah Zenger erst Architektur an der Universität und danach an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. 2015 setzte sie an der AK das Studium der Bildenden Kunst obendrauf, u. a. in der Fachklasse für Bildhauerei bei Professor Udo Koch. 2018 schloss sie mit dem Diplom ab. Schon seit 2015 lehrt Zenger am Institut für Darstellen und Gestalten, Universität Stuttgart unter Professorin Sybil Kohl und präsentiert ihre Arbeiten in Galerien und Museen, beteiligt sich an Messen und Wettbewerben.
2018 wurde sie mit dem Förderpreis des Staatspreises Kunst, Handwerk Design Baden-Württemberg und 2019 mit dem Blickfang Designpreis ausgezeichnet. Noch bis 2022 ist Zenger Stipendiatin des Landkreises Esslingen.

studio@hannahzenger.de
Hannah Zenger, Porzellan Studio, werkraum18, Vogelsangstraße 57
70197 Stuttgart
Termine nach Vereinbarung.

Eric Golo Stone

Der US-Amerikaner Eric Golo Stone beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der rechtlichen und sozialen Situation von Künstlerinnen und Künstlern – seit diesem Jahr ist er der neue Leiter am Künstlerhaus Stuttgart
Eric Golo Stone (1980*) wirkte u.a. in Los Angeles als Autor, Künstler und Kurator, hat in Kalifornien kuratorische Praxis studiert und sich in den vergangenen Jahren immer wieder mit der Frage beschäftigt, wie rechtliche und sozioökonomische Aspekte , die die Produktion, Verteilung und Rezeption von Kunst prägen, in die Kunst hineinspielen. Von 2013 bis 2017 war er Kurator bei LAXART, Los Angeles. Im Jahr 2018 organisierte er die Ausstellung und das Programm Contractual Situations We Live By in der Kunsthalle Bern. Zusätzlich zu seiner derzeitigen Arbeit an mehreren Buchprojekten organisiert er den US Code: Titel 26, eine Forschungsinitiative und Ausstellung im Artists Space, New York, die sich mit Beziehungen zwischen Kunstbereich, Steuerrecht und systemischer Ungleichheit in den Vereinigten Staaten beschäftigt. Seine Essays wurden unter anderem in den Kunstzeitschriften Afterall, Oktober, Texte zur Kunst und Flash Art veröffentlicht. Für das Buch Artist Contracts in the Political Economy erhielt er den Arts Writers Grant Creative Capital Preis der Andy Warhol Foundation. In diesem Buch untersucht er, wie Künstler*innen Verträge nutzen, um in die rechtlichen Rahmenbedingungen, Transaktionsstrukturen, Eigentumsbeziehungen, Schuldenverpflichtungen und Arbeitsbedingungen einzugreifen, in denen sie durch ihre künstlerische Produktion tätig sind.

Das Künstlerhaus Stuttgart ist für Stone insofern eine ideale neue Wirkunstsstätte in Europa, weil auch sie seit jeher ein Ort ist, der es ermöglicht, Ideen der institutionellen Steuerung in Frage zu stellen. Die Position ist als mehrjähriges Projekt angelegt und erlaubt es, sich auf die jeweilis eigene künstlerische Praxis zu beziehen und auf strukturelle Probleme zu reagieren, die in der Kunstwelt offensichtlich sind.
Eine junge Generation von Praktizierenden erkennt heute, wie das Kunstfeld weltweit zu einem Indikator und Begleiter für die weit verbreitete sozioökonomische Ungleichheit und Ausbeutung geworden ist. „Ich halte es für unerlässlich“, so Eric Golo Stone anlässlich seiner Berufung, „dass Kunstinstitutionen diesem Bewusstsein Raum geben, indem sie die tatsächlichen Lebensbedingungen und Beziehungen betrachten, in denen die künstlerische Produktion operiert.“

Das Künstlerhaus 

wurde 1978 von Stuttgarter Künstler*innen gegründet und hat sich seitdem zu einer überregional und international wirkenden Institution für Gegenwartskunst entwickelt. Schwerpunkte des Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramms sind die Vermittlung neuester Tendenzen im Bereich bildende Kunst, Architektur, Design und Theorie sowie die Verknüpfung lokaler und internationaler Auseinandersetzungen. Daneben unterhält das Künstlerhaus technische Werkstätten, die Künstler*innen zur Verfügung stehen, sowie ein Atelierprogramm. Das Programm des Künstlerhauses wird durch die Künstlerische Leitung ausgerichtet, die jeweils auf bis zu fünf Jahre durch den Beirat des Künstlerhauses berufen wird. Es befindet sich im Gebäude einer ehemaligen Kofferfabrik in der Reuchlinstraße im Stuttgarter Westen und verfügt über insgesamt vier Stockwerke mit 600 qm Ausstellungsfläche.
Mehr zum Programm: www.kuenstlerhaus.de