Bob Dylan – Planetenwellen

„I’m a poet“ sang Bob Dylan schon 1964. Mit dem Literaturnobelpreis hat die Welt den längst als Singer-Songwriter-Legende etablierten Künstler 2016 mit der renommiertesten aller literarischen Auszeichnungen als Dichter geadelt. Weniger bekannt ist, dass ihm die Lyrik in frühen Jahren eine Ideenwerkstatt war: Sie gab ihm die Möglichkeit zu Selbstkommentaren, verband die Poesie seiner Songs mit den literarischen Traditionen Rimbauds, Brechts und der Beat Poets. Seinen Schallplatten gab er Gedichtzyklen und lyrische Prosa bei und publizierte sie in Zeitschriften der Folk- und der Beat-Szene. Der Dylan-Kenner Heinrich Detering übersetzt Dylans Poesie der Anfänge für diese zweisprachige Ausgabe.

Über den Autor:
Heinrich Detering lehrt Neuere deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Göttingen und ist seit 2011 Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Der Literaturwissenschaftler, Herausgeber, Übersetzer und Lyriker schrieb unter anderem die Werkgeschichte Bob Dylan (Reclam) und die Studie Die Stimmen aus der Unterwelt. Bob Dylans Mysterienspiele (C.H. Beck, 2015) und gab eine kommentierte Auswahl aus Dylans Lyrics heraus (Reclam, 2008).

Heinrich Detering
Bob Dylan
PLANETENWELLEN. Gedichte und Prosa
Verlag: Hoffmann und Campe
ISBN: 978-3-455-00118-1

Marie Luise Kaschnitz

Im südbadischen Bollschweil gibt es eine literarische Dauerausstellung der Georg-Büchner-Preisträgerin. Eröffnet wurde sie anlässlich ihres 40. Todestag (1901–1974). So erhielt eine der bedeutendsten deutschen Dichterinnen in eben jenem Dorf einen Erinnerungsort, das für die Vielgereiste eine »Herzkammer« der Heimat war und dem sie in »Beschreibung eines Dorfes« auch ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Von 1917 bis 1922 verbrachte die Autorin im Bollschweiler Familiengut ihre Jugendjahre.

Ihr Leben lang kehrte sie immer wieder, manchmal monatelang, hierhin zurück. Sie heiratete in Bollschweil, erwartete hier die Geburt ihrer Tochter, und hier wurde sie an der Seite ihres Mannes auf dem Dorffriedhof begraben. Im Jahr 1967 erhielt sie von der Gemeinde die Ehrenbürgerschaft – eine Auszeichnung, über die sich Kaschnitz ganz besonders freute.



Die Rolle des Dorfes in ihrem Werk und in ihrem Leben wird in der Ausstellung anhand von les- und hörbaren Dokumenten kenntlich, aber auch durch eine Verfilmung der »Beschreibung eines Dorfes«, in der die Dichterin ihren Text an Originalschauplätzen liest. Unter dem Titel »›Herzkammer der Heimat‹. Marie Luise Kaschnitz in Bollschweil und andernorts « widmet sich die Ausstellung aber auch den anderen Orten, die Kaschnitz besucht oder in denen sie gewohnt hat, darunter Rom, Königsberg, Frankfurt, Potsdam, Berlin und Karlsruhe. Ihr gesamtes literarisches Werk zeugt davon, wie unmittelbar und gleichsam körperlich sich die Dichterin auf die zahlreichen Orte ihres Lebens einlassen konnte. Mit ihrer großen Offenheit, ihrer Neugier und Wachheit war sie, die mitunter Spröde und scheinbar Unnahbare, auch an fremder Stätte nie unbehaust.


Weitere Informationen: Rathaus Bollschweil, Hexentalstraße 56,
79283 Bollschweil, Tel. 0 76 33/ 5 10-0, www.bollschweil.de,
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8-12 Uhr, Di.14-16 Uhr und
Do. 16 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Kaschnitz Zimmer, Foto: Gemeinde Bollschweil;
Marie Luise Kaschnitz, 1965

Willi Siber

Willi Sibers Kunst wirkt fern und nah, präsent und immateriell zugleich. Seine Werke lassen sich in kein Gattungssystem zwängen: Souverän hat der Künstler aus Oberschwaben die Grenzen zwischen Malerei und Bildhauerei hinter sich gelassen und sich einer Trans-Form von Skulptur-Bild-Objekt angenähert. Sein gesamtes künstlerisches Oevre basiert auf der Beschäftigung mit den Grundlagen sinnlicher Wahrnehmung, optischer und haptischer Anschauung, mit dem Erleben von Form, Oberfläche, Materie und Raum. In welchem Medium
er sich auch ausdrückt, in Malerei, Holzskulptur, Wand- und Bodenobjekt, immer führt er bildnerische Ordnungsprinzipien verschiedenster Art ins Feld – und widmet sich zugleich deren Demontage.

Mit allem, egal ob Form, Farbe oder Material, geht er ungeheuer spielerisch um. Das Spiel dieses Ausnahmekünstlers ist zugleich eine Mischung aus Zufall und strategischem Kalkül, das er tagtäglich in der Auseinandersetzung mit dem von ihm gefundenen Material in einem dialogischen Wettstreit betreibt.

Seine reduzierten Formkörper aus Holz, Karton, Pellets, Folien und neuerdings Stahl überzieht er mit feingliedrigen Besatzstücken – pudrigen Kalken, leuchtenden Kunststoffen oder glänzenden Lacken –, die durch ihre pelzigen, zerklüfteten und skelettierten Strukturen die Artefakte mit einer verletzlich biomorphen Haut überziehen.

2 Wandobjekte, 2016, Holz, PIR, Epoxy, je 35 x 25 x 17 cm, verso sign.

Es sind die Herausforderungen des Experiments, die den Künstler zu seinen
überraschenden Formfindungen, nahezu magischen Verwandlungen des Bildträgers
führen und diesem neue geheime Schönheit verleihen. ->

Tafelobjekt, 2015, Holz, Epoxy, 140 x 90 cm, verso sign.

Voluminöse Gitterobjekte stehen mit ihrer Filigranität und Transparenz neben kompakten stereometrischen Körpern, deren splissige oder sägerauhe, zapfenbesetzte Oberflächen materielle Vitalität, Verletzlichkeit und Entkörperlichung assoziieren. Der Eindruck von Schwere und Leichtigkeit, Dichte und Auflösung prägt auch die hochglanzversiegelten Bildobjekte der jüngsten Zeit, die durch den Einsatz von industriellen Harzen die spröde Stofflichkeit des Naturmaterials Holz konterkarieren und mit Verführungskraft unsere Seherfahrung irritieren – defintiv ein innovativer Beitrag zur Erneuerung der Holzbildhauerei.

Wandinstallation, 2016, Multiplex, Chromlack, 180 x 50 x 10 cm, Einzel-Objekte je ca 25-35 x 10 cm

Im architektonischen Kontext entwickeln Willi Sibers
Werke einen raumbezogenen Charakter. Mit sensiblem
Gespür für ortsspezifische Situationen gestaltet
der Künstler Rauminstallationen, die im Sinne des
Environments das Erscheinungsbild ihrer architektonischen
Umgebung beeinflussen und verwandeln.

Willi Siber
1949 in Eberhardzell (Biberach/Riß) geboren/1970-74 Studium der Kunstwissenschaften
an der Universität Stuttgart/ 1970-76 Staatliche Akademie der Bildenden Künste
Stuttgart, Meisterschüler bei Prof. Herbert Baumann / Seit 1979 Ateliers in Eberhardzell-
Dietenwengen und Reutlingen /Seit 1999 Großskulpturen auf seinem Werkplatz
im Tessin entstehen /Mitglied im Deutschen Künstlerbund/Mitglied im Baden-Württembergischen
Künstlerbund/Mitglied bei XYLON Internationale Vereinigung der Holzschneider
Seit 1990 stellt Willi Siber weltweit in Galerien, Museen und Kunstvereinen aus und
wird durch seine Galerien regelmäßig auf internationalen Kunstmessen repräsentiert.
Zahlreiche Arbeiten sind in öffentlichen Sammlungen vertreten, u. a. Deutscher Bundestag,
Berlin; Ministerium für Kultus und Sport, Land Baden-Württemberg; Deutsche
Botschaft Buenos Aires; Städtisches Kunstmuseum Spendhaus, Reutlingen; Städtisches
Kunstmuseum, Singen; Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd; Braith-Mali-
Museum, Biberach. Sein künstlerisches Werk wird ergänzt durch vielfältige Kunst-am-
Bau-Projekte, z. B. Stadthalle, Ostfildern; Hochschule für Biotechnologie und ENBW,
Biberach; Bodensee-Therme, Konstanz; AEG-Identifikationssysteme, Ulm; Strahlentherapie
Zentrum, Ehingen; PTA, Mannheim.
Vertreten wird der Künstler in Stuttgart von Galerie von Braunbehrens,
Rotebühlstr. 87, 70178 Stuttgart Fon 711-528 51 450 und unter
www.galerie-braunbehrens.de

Alle Fotos /Abbildungen © Willi Siber

staunen erleben, erwerben

Im Andenken an die passionierten Kunstsammler und Museumsgründer Feodora und Hermann Hoenes hat das Museum Villa Rot erstmals 2016 mit dem Roten Kunstsalon ein historisches Ausstellungsformat wiederbelebt, das in der Vergangenheit nicht nur Treffpunkt zeitgenössischer Künstler, Sammler und Händler, sondern stets ein besonderes gesellschaftliches Ereignis war.  Vom 12. bis 15. Oktober findet die 2. Ausgabe des Roten Kunstsalon  statt. Eingeladen wurden zwölf ausgewählte internationale Galerien, sowohl in den intimen Räumlichkeiten der alten Fuggervilla als auch in der großzügigen Kunsthalle sowie dem umgebenden Parkgelände ihr Programm vorzustellen und Werke ihrer Künstlerinnen und Künstler zum Kauf anzubieten.

Museum Villa Rot, Foto: Henry M. Linder

Zeit seines Lebens befasste sich Hermann Hoenes (1900-1978) – Namensgeber der Hoenes-Stiftung als Trägerin des Museums Villa Rot – mit Kunst und Kunsthandwerk; seine Sammlung wurde ihm zur stillen Leidenschaft. Bereits Ende der 1920er- Jahre erwarb er erste asiatische Werke. Gute Kontakte zu namhaften Kunsthändlern und Galeristen, regelmäßige Auktionsbesuche, umfangreiche Fachliteratur und die Korrespondenz mit Experten wiesen den Cellisten und Dirigenten als kundigen und originären Sammler aus.

Beteiligte Galerien: Galerie ArtHouse, Bregenz / Galerie Hrobsky, Wien / Karin Weber Gallery, HongKong / Galerie Kristine Hamann, Wismar / Martina Kaiser Cologne Contemporary Art, Köln / Galerie P13, Heidelberg / Galerie Pfaff, Schwarzenbruck / QuadrArt Dornbirn / Radial Art Contemporain, Strasbourg / Schmalfuss Berlin Contemporary Fine Art, Berlin / Smudajescheck Galerie, München / Galerie Tristan Lorenz, Frankfurt

Die öffentliche Vernissage des zweiten Roten Kunstsalons findet am Donnerstag, 12. Oktober 2017 von 17-21 Uhr statt.
Der Rote Kunstsalon ist an den Folgetagen geöffnet: Freitag, 13. Oktober von 14-18 Uhr,  Samstag, 14.Oktober und Sonntag, 15. Oktober von 11-18 Uhr.
Das Museumscafé ist während des Salons täglich geöffnet.


Weitere Informationen
Museum Villa Rot
Schlossweg 2
D – 88483 Burgrieden – Rot
+49 (0) 73 92 / 83 35
www.villa-rot.de

Pressefoto ganz oben: Ausstellungsansicht Kunsthalle Villa Rot /Luca Vitone Imperium 2014 Staubaquarelle auf Papier, Kirschholz gerahmt Courtesy by the artist und Galerie Nagel Draxler, Foto: Henry M. Linder

Der lange Weg zum Bild in der Sammlung

Neulich, während einer langen Zugreise, habe ich im Kopf die Stunden abgeschätzt, die ich im Schnitt brauche, bis das Bild eines Künstlers in unserer Sammlung Einzug hält: 105 Stunden. Das hat mich nun doch überrascht; denn ich bin kein Neuling im Bereich des Sammelns. Der Zufall wollte, dass ich, sobald ich als kleines Mädchen die Augen offen hatte, um mich herum Kunst sah: eine Arbeit von Ruprecht Geiger im Esszimmer, ein Fontana und ein Yves Klein im Wohnzimmer und ein Schimmelkopf von Dieter Roth auf einem Sims im Gang. Es vergingen danach viele Jahre, bis ich mein erstes Bild gekauft und die Leitung der elterlichen Sammlung übernommen habe. Bis dahin erlebte ich die Wirren und Wege, die Kehrtwendungen und die Richtungsänderungen, die Erfolge und auch die Missgriffe einer Sammlungstätigkeit hautnah mit.
Umso mehr erstaunt mich, dass ich doch so viel Zeit brauche, bis ich mir sicher bin, dass eine Arbeit oder ein Künstler in die Sammlung passt.

Joe Bradley, The Agent © Der Künstler und Galerie Eva Presenhuber

Sicher, seit wir mit unserer Sammlung mit öffentlichen Museen zusammenarbeiten, sammle ich auch immer mit dem Anspruch, dass die Neuerwerbungen einem öffentlichen Museumsraum standhalten und sich behaupten können müssen. So verlängere ich die elterliche Sammlung in ihren Grundpfeilern in die neue Künstlergeneration – besonders auch für meine eigene Sammlung, was eine bewusst auferlegte Fokussierung ist.
Trotzdem kommt mir der Entscheidungsprozess lang vor und deshalb möchte ich ihn hier einmal am Beispiel des Fotografen Wolfgang Tillmans ausführen: Zugegeben, Wolfgang Tillmans ist zurzeit in aller Munde, auch in meinem. Spätestens als er im Jahr 2000 als erster Nicht-Engländer den Turner-Preis erhalten hatte, wurden alle Kunstinteressierten auf ihn aufmerksam. So auch ich. Ich reiste nach England, besuchte seine Turner-Ausstellung (10 Stunden) und war von seiner aufmerksamen Beobachtung der Umwelt fasziniert.

Wolfgang Tillmans, Silver 89 © Galerie Buchholz, Berlin/Köln

Und da geschah es: Sein Werk hatte mich in seinen Bann geschlagen und den Haben-wollen-Reflex ausgelöst. Doch leider musste ich mir eingestehen, dass Fotografie in eine rein auf Malerei fokussierte Sammlung nicht passte. Ich war und bin noch heute ein strenger Verfechter einer Sammlungsstrategie, die mit einem oder mehreren roten Fäden die Werke zusammenhält und damit der Sammlung ein Profil gibt und sich nicht in eine reine Ansammlung verliert. Unsere Sammlung besteht aus zwei Hauptsträngen: Der eine handelt von der rein gestischen, mit Pinsel und Hand sowie künstlerischer Autorschaft auf Leinwand aufgetragener Malerei (so z. B. Bridget Riley, Albert Oehlen, Joe Bradley) (Foto 1). Der andere Hauptstrang beinhaltet eine neuere Malerei, bei der Hilfsmittel den Pinsel ersetzt haben (Christopher Wool, Michael Riedel, Avery Singer). Ein Nebenstrang in unserer Sammlung sind die wunderbar malerischen Skulpturen von Rebecca Warren und Glenn Brown. Also leider kein Platz für Fotografie!

Wolfgang Tillmans, Lighter Magenta/Red II © Galerie Maureen Pailey

Aber die Begeisterung blieb und es folgten viele Reisen zu Ausstellungen in seinen Galerien, in den Kunstvereinen und in den Museen (geschätzte 40 Stunden). Zusätzlich kaufte und las ich jeden Katalog und jede Publikation von und über Wolfgang Tillmans (minimum 20 Stunden).
Im Jahr 2005 begann Wolfgang Tillmans mit seiner Lighter-Serie, in der er gefaltetes oder zerknülltes monochromes Fotopapier als Objekt in einen Glaskasten hing. Perfekt! Und perfekt für uns: Die Lighter-Arbeiten verbanden in idealer Weise Skulptur, Malerei und Fotografie. Ich ging zu der Galerie und hörte das Wort, das jedem Sammler das Blut in den Adern gefrieren lässt: Warteliste (Gesprächsdauer 2 Stunden). Ich kontaktierte nacheinander die anderen Galerien und es dauerte fünf Jahre und weitere 13 Stunden, bis ich endlich die Arbeit bekam, die ich mir vorstellte (Foto Danach ging es Schlag auf Schlag. Eine Arbeit von Wade Guyton (Foto 3) verlängerte den Strang der Malerei mit technischen Mitteln, weil er Leinwände durch den Drucker zog, und so machte es auch endlich Sinn, Arbeiten aus der Silver-Serie von Tillmans zu kaufen. In dieser Serie lässt der Künstler Fotopapier durch benutzte Entwicklermaschinen laufen, sodass abstrakte Bilder entstehen, die ganz ohne die gestische Spur der Künstlerhand und ohne eine Fotografie als Basis auskommen.
Vier Jahre später (und weitere 20 Stunden) hatte ich die Arbeiten (Foto 4), die ich unbedingt wollte. Zeit zum Verschnaufen! Der Raum in meinem Kopf ist eingerichtet, die beiden Sammlungsstränge sind zu einem Teppich verwoben. Aber es ist auch noch einiges offen. Dessen Auffüllung wird noch viele weitere Stunden verschlingen – zum Glück.

Carolin Scharpff-Striebich wurde als Tochter des Kunstsammler – Ehepaares Ute und Rudolf Scharpff geboren. Sie wuchs in Stuttgart und Weinheim auf. Seit über zehn Jahren leitet sie die Sammlung ihrer Eltern (Sammlung Scharpff), neben weiteren Privatsammlungen. Durch ihr Mitwirken entstand das sogenannte ‚offene Depot’, in das die Werke der Sammlung integriert sind. Damit wird ausgewählten deutschen Museen ermöglicht, mit den Beständen der Sammlung nach eigenen Vorstellungen und Wünschen auf Basis eines Kooperationsvertrages zu arbeiten. Da eine Sammlung zeitgenössischer Kunst von ihrer Aktualität lebt, setzt Frau Scharpff-Striebich die Tradition mit ihrer eigenen Sammlung fort. Sie ist Mitglied in verschiedenen Gremien internationaler Museen in London und Paris sowie Vorstandsmitglied des Freundeskreises des Kunstmuseums Bonn und des Kunstsammler Vereins in Berlin.

 

Das Leben und Sterben der Flugzeuge

Kann man ein ganz gewöhnlicher Pariser Bahnhofsspatz sein und gleichzeitig ein deutscher Kommissar namens Blind? Und kann an einem verborgenen Ort das Wrack eines gewissen Flugzeugs der Malaysia Airlines liegen, das doch erst Monate später spurlos verschwinden wird? Auch in seinem neuen Roman Das Leben und Sterben der Flugzeuge gelingt Steinfest wieder jene Gratwanderung zwischen Phantastischem und Realität und gerät auch diesmal wieder zu einem hochliterarischen Drahtseilakt, der die Lektüre dieses Romans zu einem überaus spannenden, ja atemberaubenden Vergnügen macht.

Über den Autor:
Heinrich Steinfests „verschrobene“ Kriminalromane sind alles andere als konventionell. „Ich komme von der Bildenden Kunst.“ Vor dem Schreiben male er oft, kommentiert der Autor. Höchst literarisch sind seine Krimis, gespickt mit rabenschwarzem Humor und angereichert mit Phantastischem. Der 1961 in Albury (Australien) geborene Heinrich Steinfest begann seine künstlerische Laufbahn mit der Bildenden Kunst und dem experimentellen Theater. Er veröffentlichte eine Reihe meist surrealer Erzählungen. Aufgewachsen in Wien und Wohnhaft in der österreichischen Metropole bis Ende der 1990er-Jahre, lebt der Maler und Schriftsteller heute überwiegend in Stuttgart. Sein erster Kriminalroman Das Ein-Mann-Komplott erschien 1996. Zahlreiche weitere folgten: zum Beispiel mit den Chefinspektor, Logiker und gläubigen Wittgensteinerianer Richard Lukastik, mit Lilli Steinbeck, der Entführungsspezialistin mit Klingonennase, oder vier Krimis rund um den einarmigen Detektiv Martin Cheng.

Heinrich Steinfest
Das Leben und Sterben der Flugzeuge
Verlag: PIPER
ISBN: 978-3-492-05662-5

Let‘s buy it! Kunst und Einkauf

Anlässlich der gleichnamigen Ausstellung, die im Museum LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen zu sehen war, hat der Kerber Verlag einen farbenprächtigen und informativen Bildband herausgebracht. Er veranschaulicht, dass Kunst und Kaufen sehr wohl zwei Dinge sind, die zusammenhängen, auch wenn sie weit auseinanderzuliegen scheinen. Über die Jahrhunderte hinweg zeigen sich die Moden des Kunstmarktes in diversen Ausprägungen. Große Spekulationsblasen – wie zum Beispiel die Tulpomanie der Niederlande im 17. Jahrhundert – verbinden Kunst- und Geldmarkt. Das 20. Jahrhundert stellt alle Traditionen auf den Kopf: Marcel Duchamp erklärt Industrieware zur Kunst und Andy Warhol nimmt Supermarktprodukte in seine Bilder auf.

LET‘S BUY IT! KUNST UND EINKAUF
Von Albrecht Dürer über Andy Warhol bis Gerhard Richter
Verlag: Kerber
ISBN: 978-3-7356-0320-3

Foto oben: Ebenfalls Sujet im Buch – Sylvie Fleury, Insolence, 2007 © Sylvie Fleury Courtesy
the artist and Sprüth Magers

Im Schmelztiegel der Kulturen

Weltkulturerbe, Staatskultur, Kulturlandschaft, Multikulti, Kulturelle Vielfalt, Leitkultur, Willkommenskultur, Kulturfolger, Kulturflüchter, Kulturschock, Kulturclash, Kampf der Kulturen; normativer, totalitätsorientierter, differenztheoretischer oder wissensorientierter Kulturbegriff – ein Schlagwort jagt das andere. Kultur in aller munde, doch jeder versteht etwas anderes darunter. Die Definition des Begriffs «Kultur» ist ungeheuer schwer fassbar und nie eindeutig, kommt es doch auf Standpunkt, Blickwinkel, Sichtweise und Intention an.
Auf den folgenden «kleinsten» gemeinsamen Nenner kann man sich eventuell einigen: Kultur bezeichnet im weitesten Sinn alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt. Kultur ist die Reaktion des Menschen in und gegenüber seiner Umwelt und dient in erster Linie dem elementaren Zweck des Überlebens.

Diese Definition von Kultur greift aber selbstverständlich viel zu kurz und übergeht den sinngebenden Charakter menschlicher Kulturaktivität. Denn wenn sich der Mensch auf sich selbst oder auf seine Umwelt bezieht, so versucht er im Kulturprozess dem Zufälligen und Ungeordneten Struktur und Bedeutung zu verleihen, es wiedererkennbar, symbolisch kommunizierbar oder nutzbar zu machen, ihm also eine Form zu geben. Vor allem Symbole, wie beispielsweise Worte, machen die Dinge begreifbarer, indem sie diese unter bestimmten Gesichtspunkten darstellen: Natur kann beispielsweise durch mathematische Symbole veranschaulicht oder durch dichterische Worte besungen oder tänzerisch erfasst werden, der Mensch kann sie malen, in Stein hauen oder im Text beschreiben. Einzelne Dinge erscheinen unter religiösen, wissenschaftlichen, weltanschaulichen, ästhetischen, zweckrationalen oder politischen Gesichtspunkten, werden also stets in einen größeren beutungsstiftenden Gesamtzusammenhang eingebunden. Wir selbst sind in selbstgesponnene Bedeutungsgewebe verstrickt.
Sollen neue Ereignisse kulturell verarbeitet werden, so geschieht dies durch Heranziehen tradierter Sinn- und Formverhältnisse, Denkweisen und Praktiken, die aber ihrerseits nicht notwendigerweise für alle menschlichen Kulturen gelten. Kulturentwicklung ist unglaublich heterogen, kann weder für alle menschlichen Lebensgemeinschaften gleich verlaufend nachgezeichnet noch vorausgesagt werden.
Insgesamt unterstreicht gerade die Vielfalt der Kulturbegriffe die Einsicht, dass «Kultur» als ein diskursives Konstrukt begriffen werden muss, das auf unterschiedlichste Weise definiert und erforscht werden kann.
Das ist ein nicht unerhebliches Problem und es kommt noch schlimmer:
Kultur ist schon in sich selbst widersprüchlich: Eine ihrer wichtigsten Funktionen besteht darin, dass sie nach innen integrativ, nach außen hierarchisch und ausgrenzend funktioniert. Einerseits trägt Kultur zur individuellen und kollektiven Identitätsbildung bei; andererseits gehen die für Kulturen kennzeichnenden Standardisierungen des Denkens, Fühlens und Handelns oft mit einer Ausgrenzung des Anderen einher. Im Jetzt und Heute, in dem unsere Welt u. a. durch die Globalisierung kleiner geworden ist, ist Abgrenzung bedeutend schwieriger, wenn nicht gar unmöglich geworden. Dennoch – schon immer gab es kulturelle Errungenschaften, die für fremde Einflüsse besonders empfänglich waren: die «Schönen Künste» – z. B.Kunst, Musik und Literatur. Sie lechzen nahezu nach dem Input von Außen, um zu transformieren und zu integrieren.
Was wäre die Römische Kultur ohne die Hellenistische, die Deutsche ohne die italienische Renaissance oder die flämische Malerei? Wie hätten die Pariser Salons ohne die vielen Migranten ausgesehen? Nicht auszudenken …
Während Kultur – im allgemeinsten Sinn des Wortes – oft der Ort ist, in dem der Mensch, mal ganz bewusst, mal eher unbewusst, beheimatet ist und zwar in Abgrenzung zum Anderen, vermag Kultur als Kunst, Musik oder Literatur diese Begrenzung zu sprengen. Diese Kulturformen besitzen die Fähigkeit zur Abstraktion und Fiktion – die Möglichkeit Wirklichkeiten auf anderen Ebene «durchzuspielen», Utopien und Visionen zu entwickeln. Hier wird Kultur zum neutralen Ort – ideal für Austausch und Begegnung. Verständnis entsteht im gemeinsamen Erleben und im Kommunizieren, Toleranz und Akzeptanz durch Wissenstransfer. Im Aufzeigen von Gemeinsamkeiten und auch den Unterschieden ist eine Annäherung leichter möglich Gleiches gilt auch für die Selbsterkenntnis und das Selbstverständnis: Denn nur wer sich selbst kennt, kann seine Kultur auch anderen vermitteln. Künstlerische Übersetzungen regen zum Nachdenken an und neue kulturelle Räume, auch für das Fremde, können sich öffnen.
Interessant in diesem Zusammenhang ist übrigens, dass auch von offizieller, politischer Seite zunehmend Kulturprojekte für und in Flüchtlingseinrichtungen angestoßen werden.
Wie kreativ und mutig die Kulturschaffenden bereits in diese Richtung vorausgeeilt sind, zeigen zahlreiche anstehende Veranstaltungen …

Natürlich sind noch viele Fragen offen Wie wird sich unsere Kulturlandschaft in den nächsten Jahren verändern? Werden wir miteinander eine Kultur oder viele verschiedene nebeneinander haben? Welche Gruppierungen wird es geben? Welche Ästhetik und welche Regeln werden gelten? Was geschieht mit Traditionen und Werten? Welcher Geist wird der Kultur zugrunde liegen?
Wirklich sagen, kann das niemand, doch in jedem Fall ist Kultur – auch ganz allgemein betrachtet – immer im Fluss. Sie will immer weiter, Veränderung ist Programm, Stillstand undenkbar!
Autoren: Susanne Heeber (SH)/ Claudia Fenkart-N`jie (CF)
Fotos: Fotolia

Gespräche im Atelier

Das Künstleratelier ist ein besonderer Ort, fi nden sich hier doch nicht nur Materialien und Werkzeuge, Skizzen, Vorstudien und Kunstwerke verschiedenster Schaffensphasen, sondern auch andere Zeugnisse der Selbstreflexion des dort Schaffenden. Heidi Bierwisch war viele Jahre Leiterin des FORUM KONKRETE KUNST ERFURT und hat eine beachtliche Anzahl von Ateliers gesehen. Große und kleine, vollgestellte und penibel aufgeräumte waren darunter.
Sie gehörten alten und jungen Vertretern der konkret-konstruktiven Kunst, lagen im Dschungel der Großstadt und auf dem platten Land. In den aufgezeichneten Gesprächen geht Heidi Bierwisch in 14 Ateliers von Künstlern auf Spurensuche. Dabei klärt sie genau die Dinge, die wir schon immer wissen wollten. Etwa: Was bedeutet es dem Künstler, „ins Atelier zu gehen“ und was liebt er an diesem Ort? Welche Vision führt ihn, was treibt ihn an und wie geht er mit Zweifeln um? Wie ist er rein praktisch gesehen organisiert? Und die Masterfrage: Was führte zum Erfolg?
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Heidi Bierwisch: SCHICHTERGRÜNDUNGEN-GESPRÄCHE IM ATELIER, modo Verlag,ISBN 978-3-86833-171-4

Alles eine Frage des Geschmacks

Über Geschmack lässt sich zwar bekanntlich nicht streiten, aber dafür vortrefflich schreiben. Noch nie konnten sich so viele Menschen wie heute einen eigenen Geschmack leisten. Doch was ist das eigentlich – Geschmack?

Der Mensch hat es bisher nicht geschafft, sich von etwas anderem regieren zu lassen, als vom Geschmack.» Der provokative Satz aus dem Mund des deutschen Künstlersund Enfant Terrible Jonathan Meese hat Schlagkraft und wirft die Frage auf, was Geschmack überhaupt ist? In jedem Fall mehr als nur die Empfindung bei der Nahrungsaufnahme! Im vorindustriellen Zeitalter wurde Geschmack zumeist mit dem eigenen Verstand gleichgesetzt. Dafür stand das lateinische Wort „sapere“, das heute ausschließlich mit Wissen übersetzt wird. Zu finden ist es noch im Savoirvivre, der Lebenskunst, im Sinne des guten, eigenen Geschmacks. Auch für den Aufklärer und Philosophen Immanuel Kant, nachzulesen in „Kritik der Urteilskraft“, waren Geschmack und Verstand gleichbedeutend. Der Geschmack eines Menschen galt damals als die Gesamtsumme dessen, was ihn ausmachte. Es ging nicht darum, so zu sein wie alle anderen oder sich auf Teufel komm raus abzugrenzen. Der Geschmack war nichts weniger als der Mittelpunkt der Vielfalt, der Unterschied schlechthin. Jean- Jacques Rousseau konstatierte: „Der Geschmack besteht in nichts anderem als der Fähigkeit, sich über das, was der großen Masse gefällt oder missfällt, ein eigenes Urteil zu bilden“. Er allerdings setzte den guten Geschmack mit den Sitten gleich, womit ein weiterer Aspekt hinzukommt. Geschmack ist nicht nur eine individuelle Angelegenheit, sondern auch ein Spiegel der Zeit. Was gefällt hat immer auch damit zu tun, was erlaubt ist. Geschmack als Machtinstrument. Mit dieser Erkenntnis wird deutlich, wohin Jonathan Meese mit seiner Aussage zielt. Denn so harmlos Geschmack auf den ersten Blick daherkommt, ist der Geschmacksbegriff beileibe nicht. Er ist Kampfplatz von Ideologien und Kulturen, Schauplatz der Rechthaberei und der ewigen Frage, was wollen wir? Kann und soll jeder nach seiner Fasson glücklich werden? Tatsächlich ist aber nicht der persönliche Geschmack das Problem, sondern die Neigung, subjektive Vorlieben auch allen anderen Menschen aufoktroyieren zu wollen. Und dieser Missionstrieb ist kein Zeichen von Individualismus, sondern ein Erbe der Nivellierung. Wer die Sprache und Vorlieben der Menschen kontrolliert, der hat auch den Rest im Griff: In Diktaturen ist folglich die politisch korrekte
Geschmacks-Gleichschaltung obligatorisch.

Alles eine Frage des Geschmacks – Follow me oder was ihr wollt!

Ein eigener Geschmack, eine differenzierte Urteilsfähigkeit beinhaltet nämlich auch schon immer den Ungehorsam. Wer weiß, was er will, ist nicht für alles, was ihm gesagt wird, zu begeistern. Diese These stammt bereits aus dem 17. Jahrhundert, vom spanischen Aufklärer und Philosophen Baltasar Gracián Morales. Er war der erste, der die Unterdrückung des Individuums durch Geschmacksvorschriften beim Namen nannte. Für den Franzosen Pierre Bourdieu (1930 bis 2002) hat Geschmack dann überhaupt nichts Individuelles und Zweckfremdes mehr, sondern ist immer das Produkt gesellschaftlichen Lernens von Codes und Mustern, die in den unterschiedlichen Klassen herrschen, folglich ein Gesellschaftsinstrument.
Dennoch – in Wirklichkeit hat die Kontrolle über die Vorlieben der Massen und die Normierung nie wirklich funktioniert. Ob es gegen Jazz, Pop, lange Haare oder kurze Röcke ging – am Ende waren die Geschmäcke differenzierter als zuvor, sind und bleiben verschieden. Aber was ist es nun, was den Einzelnen dazu bringt, etwas schön zu finden? Wem gefällt was, und warum? Und – ist Geschmack zu etwas nütze? Der amerikanische Journalist, Blogger und Autor Tom Vanderbilt weist auf die Bedeutung unserer Vorlieben für unser Überleben hin: Unsere wohlwollende oder ablehnende Haltung gegenüber Farben, Formen, Zeichen und Stilen sei nichts weiter als die Erinnerungen an die guten wie schlechten Erfahrungen, mit denen wir sie verbinden. Der Geschmack sortiert folglich unsere guten und schlechten Erfahrungen oder mit den Worten Nicolai Gogols: „Alles hängt vom Geschmack ab und von der Fähigkeit, die Dinge anzuordnen.“

Geschmacksabnutzung als Triebfeder der Künste-  Der wichtigste Faktor, der unseren Geschmack bestimmt, ist das Familiaritätsprinzip: das, was wir, wie oft, schon vorher gesehen oder wahrgenommen haben. Es ist die stärkste Determinante des ästhetischen Gefallens. Geschmack ist also vorwiegend ein Produkt unserer eigenen, persönlichen Geschichte. Immanuel Kant nahm an, dass das menschliche Individuum Dinge schön findet, von denen es glaubt, sie passen gut zu ihm – das Harmonieerleben als fundamentale Komponente ästhetischen Empfindens.
Es impliziert eine Bejahung der Schönheit und des Lebens zugleich – vor allem des eigenen. Dieses sehr subjektive Empfinden erklärt auch, warum ästhetischer Geschmack kulturell und individuell so verschieden ist und warum es so schwierig ist, etwas Allgemeingültiges über das ästhetische Empfinden zu sagen. Wer den Versuch dennoch unternimmt, stößt auf das Kriterium der „Prägnanz“: Was auffällt, markant ist, brennt sich in das menschliche Gedächtnis ein. Ebenso gefällt leicht Eingängiges wie beispielsweise Symmetrie. Zu leichte Eingängigkeit allerdings, unterläuft die Erinnerungsfähigkeit: Meint, was uns zu leicht gefällt, vergessen wir auch um so leichter. Normative Attraktivität korreliert negativ mit Distinktion. Interessant auch, dass, sobald man Gründe angeben muss, warum einem etwas gefällt, die Begeisterung entschieden nachlässt. Spontanität – Kant sagt dazu „begriffslos“ – ist für das Gefallen wichtig. Das bedeutet aber auch, dass die ästhetische Komponente des Menschen stark automatisiert zu sein scheint. Geschmack verstehen, bedeutet auf verschiedene Geschmäcke eingehen, auch auf das wichtige Prinzip der Abwechslung. Es ist nämlich eine weitere allgemeingültige Tatsache, dass sich ästhetische Wahrnehmung abnutzt. Haben wir etwas zu oft gesehen oder gehört, gefällt es irgendwann weniger und wir suchen nach einem neuen Reiz. Diese Dynamik ist seit Tausenden von Jahren die treibende Kraft der Künste! Bleibt festzuhalten: Noch nie konnten sich so viele Menschen wie heute einen eigenen Geschmack leisten und es ist kaum zu übersehen, dass Geschmack eine Frage der persönlichen Entscheidung ist. Die Möglichkeit aus einem komplexen Überangebot das für sich Richtige auszuwählen, ist selbstverständlich nicht einfach und verlangt Urteilskraft. Doch schon Baltasar Gracián Morales war der Überzeugung: „Der Geschmack lässt sich ebenso kultivieren wie der Geist“. Kultivieren wir unsere ästhetische Handlungsfähigkeit. Und/oder folgen wir Jonathan Meese: «Wir sollten dafür sorgen, dass uns nicht der Geschmack regiert und beherrscht, sondern etwas Neutrales». Für ihn ist dieses Geschmacksneutrale die Kunst – weil sie passiert, wenn man sie passieren lässt.
Text: Susanne Heeber
Illustrationen: fotolia