FÜNF FÜR HANS

Der neue Tanzabend FÜNF FÜR HANS  des Stuttgarter Balletts bildet Hans van Manens Schaffen exemplarisch ab und zeigt, welches musikalische Spektrum der Altmeister abdeckt, aber auch, welch unterschiedlichen Charakter seine Ballette haben können. In  über 60 Jahren seines Schaffens hat er ein beeindruckendes Œuvre aufgebaut: voller Poesie, Humor und Musikalität.

Beethoven-Ballette - Adagio für Hammerklavier / Hans van Manen, Tänzer: Anna Osadcenko, David Moore © Stuttgarter Ballett
Beethoven-Ballette – Adagio für Hammerklavier / Hans van Manen, Tänzer: Anna Osadcenko, David Moore © Stuttgarter Ballett

Adagio Hammerklavier zu Ludwig van Beethovens Klavierkomposition ist von Zärtlichkeit durchzogen.  Ohne Handlung erzählt van Manen bewegend von Beziehungen, lässt mehr fühlen, als es Worte gibt. In Blicken, Gesten und Ballettschritten finden sich drei Paare und verlieren sich wieder. Es ist ein anmutiges Werk mit einem Hauch Melancholie, dass der Choreograph in perfekter van-Manen-Manier geschaffen hat: tänzerisch anspruchsvoll, elegant, unendlich tiefgründig.

In Two Pieces for Het zu zeitgenössischer Musik von Erkki-Sven Tüür und Arvo Pärt fordern sich eine Tänzerin und ein Tänzer zunächst forsch heraus, bevor sie behutsam zueinander finden.

Auch bei Trois Gnossiennes herrscht zu Beginn eine unterschwellige Spannung, doch die Stimmung wandelt sich allmählich zu einer Atmosphäre der Harmonie. Zu Klaviermusik von Erik Satie hat van Manen einen hingebungsvollen Pas de deux geschaffen. Beim rasanten Solo zu Johann Sebastian Bachs Violin-Partita geben drei Tänzer ihren Solopart wie bei einem Staffellauf an den nächsten weiter. Von brodelnder Spannung hingegen zeugt Frank Bridge Variations zu Benjamin Brittens Musik. Die TänzerInnen stehen in konstantem Dialog – ob spielerisch, vorwurfsvoll oder versöhnlich.

Hans van Manen wurde im August vergangenen Jahres im Jahrbuch 2024 der renommierten Fachzeitschrift „tanz“ mit dem „Lifetime Achievement Award“ ausgezeichnet. Im Anschluss an die Premiere am 24. Mai 2025 wird der Award an den Choreographen übergeben.

Premiere 24. Mai 2025 Weitere Vorstellungen 27. / 29. (nm/abd) / 31. Mai 1. / 7. / 8. / 14. / 15. Juni 2025. Weitere Info & Karten: www.stuttgarter-ballett.de 

Singin’ in the Rain

Das Theater und Orchester Heidelberg präsentiert den Kino-Klassiker „Singin’ in the Rain“ als mitreißendes Bühnenmusical. Die Inszenierung lässt den vom American Film Institute zum „bedeutendsten amerikanischen Musicalfilm aller Zeiten“ gekürten Stoff live auf der Bühne wieder aufleben.

Szenefoto: Susanne Reichardt /Theater Heidelberg
Szenefoto: Susanne Reichardt /Theater Heidelberg
Szenefoto: Susanne Reichardt /Theater Heidelberg
Szenefoto: Susanne Reichardt /Theater Heidelberg

Die Handlung spielt im Hollywood der späten 1920er-Jahre zur Zeit des technologischen Umbruchs vom Stumm- zum Tonfilm: Stummfilmstar Don Lockwood und seine Leinwandpartnerin Lina Lamont stehen vor der Herausforderung, ihren ersten Tonfilm zu drehen. Während Don die neue Technik souverän meistert, entpuppt sich Linas schrille Stimme als unüberwindbares Karrierehindernis. Don und sein bester Freund Cosmo entwickeln einen gewagten Plan: Das aufstrebende Showgirl Kathy Selden soll Lina im Verborgenen synchronisieren. Als sich Don jedoch in Kathy verliebt, droht der Schwindel aufzufliegen und es bahnt sich ein Skandal im Showbusiness an.
erstrahlen.

Szenefoto: Susanne Reichardt /Theater Heidelberg
Szenefoto: Susanne Reichardt /Theater Heidelberg

Die aufwendigen Kostüme – mit teils blitzschnellen Kostümwechseln – stammen von Lukas Pirmin Wassmann. Die Choreografie der anspruchsvollen Tanz- und Stepptanzsequenzen wurde von Andrea Danae Kingston entworfen. Die Inszenierung stammt von Andrea Schwalbach, die in Heidelberg schon mit »My fair Lady«, Kanders »Cabaret« und Puccinis »La bohème« begeisterte, das Bühnenbild schuf Anne Neuser. Besonderes Augenmerk wurde auch auf die legendäre Regenszene ( im Film unvergesslich verkörpert von Gene Kelly!) gelegt.

Szenefoto: Susanne Reichardt /Theater Heidelberg
Szenefoto: Susanne Reichardt /Theater Heidelberg

Weitere Informationen sowie Karten unter www.theaterheidelberg.de oder an der Theaterkasse, Theaterstraße 10; 06221 / 58 20 000; tickets@theater.heidelberg.de

Szenefoto: Susanne Reichardt /Theater Heidelberg
Szenefoto: Susanne Reichardt /Theater Heidelberg

Noch mehr interessante Beiträge rund um die Kulturszene in BW finden Sie in der aktuellen Ausgabe von arsmondo – jetzt Probelesen und bestellen unter: www.united-kiosk.de

Malerei aus Australien

Kunst aus Australien im KUNSTWERK – Sammlung Klein zeigt Aboriginal Art aus der Sammlung.

Abbildung: Jungarrayi Otto Sims, Yanjirlpirri Jukurrpa (Stern-Dreaming), 2009
Jungarrayi Otto Sims, Yanjirlpirri Jukurrpa (Stern-Dreaming), 2009

Das KUNSTWERK in Eberdingen-Nussdorf zeigt in seiner aktuellen Ausstellung indigene australische Kunst. Unter dem Titel „Bestandsaufnahme“ liegt der Fokus auf Malerei aus den zentralen Wüstengebieten des australischen Kontinents. Die Schau zeigt dazu Werke aus der Sammlung Alison und Peter Klein, die bisher noch nie zu sehen waren.

Ursprünglich als Arbeitstitel gedacht, wurde „Bestandsaufnahme“ zum prägnanten Ausdruck des kuratorischen Konzepts: eine Annäherung an die reiche künstlerische Tradition der ersten Australier sowie eine Reflexion über ihre gegenwärtige Sichtbarkeit in der globalen Kunstszene.

Abbildung: Ward Tjungurrayi/Fred Wirrintjunku, 2008
Ward Tjungurrayi/Fred Wirrintjunku, 2008

Die aktuelle Ausstellung zeigt Werke, die tief in den kulturellen Erzählungen, Symbolen und Techniken der indigenen Gemeinschaften verwurzelt sind, zugleich aber auch die individuelle Handschrift der Künstlerinnen und Künstler tragen.

Abbildung:Tjampitjinpa Maxie, o.T,. 1989
Tjampitjinpa Maxie, o.T,. 1989

Die gezeigten Malereien stehen für eine Form der visuellen Erzählung, die über Generationen weitergegeben wurde und eng mit der spirituellen Welt der Indigenen verbunden ist. Sie verdeutlichen, wie diese Kunst sich in einem Spannungsfeld zwischen Tradition und zeitgenössischer Ausdrucksform bewegt.
So öffnet die Ausstellung neue Perspektiven auf die künstlerische Vielfalt Australiens und gibt einen tiefen Einblick in eine Bildsprache, die seit Jahrtausenden existiert und zugleich von zeitloser Schönheit ist. „Bestandsaufnahme“ lädt dazu in einen Dialog mit der Kunst zu treten und Fragen zu stellen: Welche Rolle spielt die Kunst der ersten Australier heute? Wie wird sie in westlichen Kontexten wahrgenommen? Und welche Fragen wirft ihr Platz in der Kunstgeschichte auf?

Abbildung: Pumani Ngupulya/Margaret Antara Maku Dreaming, 2015
Pumani Ngupulya/Margaret Antara Maku Dreaming, 2015

Bestandsaufnahme. Malerei aus Australien.
23. März bis 14. Dezember 2025

KUNSTWERK – Sammlung Klein
Siemensstraße 40, 71735 Eberdingen-Nussdorf
Tel. 0 704 2 – 37 69 566
www.sammlung-klein.de
Öffnungszeiten:
Freitag und Sonntag 13 bis 17 Uhr
Eintritt frei

NaturVision Filmfestival 2025

Bewegte Bilder für eine bessere, nachhaltigere Welt: Beim NaturVision Filmfestival in Ludwigsburg steht in diesem Jahr das Ökosystem Wald im Fokus. Das jährlich stattfindenden Natur- und Umweltfilmfestival will den Zuschauer*innen mit einem vielfältigen Programm Anstöße zum Umdenken und aktiven Handeln geben – von packenden Dokumentarfilmen über den kultigen Science Slam und das Kinderprogramm bis hin zum Dialog mit Filmemacher*innen und Wissenschaftler*innen. Ein Teil des Festivals findet unter freiem Himmel und bei freiem Eintritt auf dem neu gestalteten Arsenalplatz im Herzen Ludwigsburgs statt.

Key Visual Abbildung: NaturVision
Copyright: NaturVision gGmbH

Mehr zum Programm unter:
www.natur-vision.de

 

Judith Caspari

Judith Caspari steht derzeit als Jane bei Disneys Musical TARZAN auf der Bühne im Stage Palladium Theater in Stuttgart. Ihre bisherige Bühnenlaufbahn ist geprägt von einigen schicksalshaften Wendungen und glücklichen Zufällen. Sie startete mit einer klassischen Gesangsausbildung, wollte zur Oper. Doch dann kam alles ganz anders. Die Titelrolle für Anastasia in Stuttgart war ihr Einstieg in ihre erfolgreiche Musicallaufbahn, die sie mit Leidenschaft und Zielstrebigkeit ausfüllt. arsmondo traf die junge Künstlerin zum Gespräch und sprach über besondere Momente zwischen Bühne und Leben.

Sie spielen die Jane in der Tarzan Produktion in Stuttgart.
Wie war es für Sie wieder nach Stuttgart zu kommen?
Es hat sich tatsächlich wie Heimkommen angefühlt. Es ist die Herzlichkeit, mit der ich hier wieder empfangen wurde – ob in der Kantine oder an der Pforte. Die Menschen haben mich nicht vergessen und mit meinem Bühnenpartner (Terence van der Loo, Darsteller des Tarzan) verstehe ich mich auch sehr gut. Fünf Jahre später, das bedeutet auch einen neuen Lebensabschnitt. Ich bin jetzt Anfang dreißig und fühle mich viel reifer. Die Rolle der Anastassia in Stuttgart war mein Debut. An Stuttgart beeindruckt mich die Kultur und dass es hier immer noch zwei Musicalhäuser gibt – das ist nicht selbstverständlich in dieser Zeit. Ich bin großer Paris Fan und Stuttgart Süd erinnert mich ein wenig daran. Ich liebe diesen Stadtteil: die kleinen Läden und Cafés – ebenso den Marienplatz und die Tübinger Straße mit den vielen Secondhand Boutiquen. Immer wieder zieht es mich auch an das Teehaus am Bopser – dort gehe ich öfter joggen.

Sie haben klassischen Gesang studiert und in Opern
mitgewirkt. Ihren Weg zum Musical verdanken
Sie eigentlich dem Zufall?
Ja das stimmt! Der Weg zum Musical war nicht vorgezeichnet. Ich komme ursprünglich aus einer eher klassischen Ausbildung – Oper und Theater. Aber schon immer haben mich Musicals fasziniert – vor allem die großen und berühmten vom Broadway. Ich hätte nie gedacht, dass ich selbst einmal diese Richtung einschlagen würde, zumal ich auch keine klassische Tanzausbildung absolviert habe. Ich war zwei Jahre im Opernstudio in Gelsenkirchen und habe meinen Bachelor an der Folkwang Essen gemacht. Immer wieder wurden dort auch Musicalstücke geprobt, die ich mühelos umsetzen konnte und die mir großen Spaß gemacht haben.

Judith Caspari © Cina Uicker

Und dann kam der berühmte Zufall zu Hilfe….
Ja, oder das Schicksal: Mein Freund war damals in Stuttgart in einer Theaterproduktion engagiert und erzählte mir, dass das Anastassia Musical nach Stuttgart kommen würde. Er meinte: Bewirb dich doch. Das Stück lief zuvor bereits einige Jahre am Broadway und gehörte sofort zu meinen Lieblingstücken. Ich habe dann all meinen Mut zusammengenommen, da ich mir aufgrund meiner Ausbildung unsicher war. Bei der Audition wurde ich dann tatsächlich für die
Erstbesetzung ausgewählt. So begann meine Musical-Laufbahn.

Wie kamen Sie denn überhaupt zum Singen- hatten Sie ein musikalisches
Elternhaus?
Nein, gar nicht, ich sang aber schon immer gerne im Schulchor und mit 17 Jahren habe ich meine ersten Theatererfahrungen gemacht. Vor dem Abitur lernte ich eine wunderbare Opernsängerin kennen, die mir die Möglichkeit eröffnete, mich bei meiner Bewerbung an der Hochschule zu unterstützen, was am Ende dann auch gelang.

Haben Sie Vorbilder?
Ich bewundere unterschiedliche Menschen, konkrete Vorbilder habe ich nicht. Oder doch ja – ich bin eine engagierte Feministin und da könnte ich Simone de Beauvoir nennen. Ich mag Frauenrollen, die tatkräftig ihr Schicksal in die Hand nehmen. Und so versuche ich auch meine Rollen anzulegen – für die Jane hatte ich mich gefragt: wer ist diese Frau? Warum wagt sie sich ins Unbekannte, in den Urwald und riskiert ihr Leben für Ihre Forschung – in einer Zeit, wo ein solcher Schritt unmöglich war. Das ist ein starkes weibliches Statement, mit dem ich mich identifizieren und in das ich mich einfühlen kann.

Disneys Musical TARZAN® noch bis Herbst 2025 in Stuttgart © Stage Entertainment / Morris Mac Matzen

Wie gehen Sie mit den Übergängen zwischen Bühne und Leben um?
Unser Beruf kann auch oft einsam sein. Man reist viel und ist immer wieder an fremdem Orten. Daher sind mir zwischenmenschliche Beziehungen sehr wichtig! Sie inspirieren mich, und immer wieder habe ich erlebt wie eins zum anderen führen kann. Bei Anastasia habe ich Milan van Waardenburg kennengelernt. Wir wurden beste Freunde und haben später sogar ein Album zusammen aufgenommen. Wir stehen für eine Produktion Abend für Abend auf der Bühne und da muss die Chemie einfach stimmen – so wie mit meinem aktuellen Partner in Tarzan. Darüber hinaus liebe ich es auch, auf Tour zu gehen. Der Umgang unter uns Musicaldarstellern ist sehr herzlich und es gibt einen großen Drang sich auszutauschen. Die Ansichten, die Lebenseinstellungen, die Lebenswege und Stationen. Ich bin neugierig auf Menschen, die ich treffe, und möchte mehr über sie erfahren. Dies alles empfinde ich noch immer als großes Privileg.

Haben Sie Sehnsuchtsorte?
Ich habe mit meinem Freund ein kleines Haus in Schweden gefunden und genieße es, jeden freien Moment dort zu verbringen. Es ist liegt mitten in der Natur umgeben von Wald. Im Sommer kommen Freunde und Familie zu Besuch. Wir sind ständig am Renovieren, ich bin ein Fan von bunten Wänden und von Gartenarbeit.

Wovon träumen Sie?
Ich lebe meinen Traum. Ich habe ein gut ausbalanciertes Leben. Ich würde künftig noch mehr im Ausland arbeiten, sehr gerne in Schweden oder am Broadway in New York – der Traum schlechthin für uns alle. Und ich würde gerne in einem Projekt mitwirken, dass die Formen der klassischen Oper neu denkt und revolutioniert.

Ein Beitrag von Claudia Fenkart

Judith Caspari wurde in Kassel geboren und schloss die Folkwang Universität der Künste in Essen ab.Nach ihrem Engagement im Jungen Ensemble des Musiktheaters im Revier Gelsenkirchen, wo sie u.a. in ANATEVKA und der ZAUBERFLÖTE zu sehen war, stand Judith in THE SOUND OF MUSIC und WEST SIDE STORY am Staatstheater Kassel auf der Bühne. Nach ihrer Titelrolle in der Deutschlandpremiere von ANASTASIA im Stage Palladium Theater in Stuttgart „übersiedelte“ sie anschließend bis März 2020 zu CIRQUE DU SOLEIL PARAMOUR in der Neuen Flora in Hamburg. Bis August 2022 war Judith als Glinda und Nessarose in WICKED am Stage Theater Neue Flora zu sehen. Seit März 2024 steht sie im Stage Palladium Theater in Stuttgart als Jane im Disney Musical TARZAN auf der Bühne.

 

Noch mehr interessante Beiträge rund um die Kulturszene in BW finden Sie in der aktuellen Ausgabe von arsmondo – jetzt Probelesen und bestellen unter: www.united-kiosk.de

Füssen und Schwangau

Die Allgäuer und Ammergauer Alpen, Badeseen in nächster Nähe, der türkisfarbene Lech, eine romantische Altstadt, „Märchenkönig“ Ludwig II. und sein Schloss Neuschwanstein, das von seinem Vater, König Maximilian II., im 19. Jahrhundert zur Sommerresidenz umgebaute neugotische Schloss Hohenschwangau und die barocke Wieskirche in der Nähe – all das: weltbekannte kulturelle und landschaftliche Glanzlichter. Wir finden hier im Ostallgäu an der Grenze zu Oberbayern Traumrouten für Wanderer und Radler. Es gibt Skipisten, Langlaufloipen, Touren für Schneeschuhwanderer, genauso wie Museen und historische Orte, die zum Allerfeinsten gehören, was das Urlaubsland Deutschland zu bieten hat.

Die Urlaubsregion Füssen und Schwangau im Allgäu lockt Menschen aus aller Welt an. Die Gegend ist kein Geheimtipp, sicher nicht, sondern ein Reise-Klassiker. Eine Gegend, die man gesehen haben muss. Dazu braucht man kein Auto, so einladend sind all die Radwege im flachen Voralpenland und die Wanderrouten in den unvermittelt aus der Ebene wachsenden Bergen. Zwischen Füssen, Königsschlössern und Forggensee fanden wir unser magisches Dreieck.
Die erste Erkundung der Altstadt von Füssen: Rund 16.000 Einwohner hat das Städtchen am Lech, das direkt an der Grenze zu Österreich liegt. Füssen ist eine idyllische Alpenstadt, umstanden von Bergen. Die höchstgelegene Stadt in Bayern ist ein Drehkreuz der alten Handels- und modernen Ferienstraßen: Die Romantische Straße, an deren südlichem Ende wir uns hier befinden, die Deutsche Alpenstraße und die Römerstraße Via Claudia Augusta zwischen Norditalien und der Donau treffen sich hier. Ja, die Römer haben die Gegend bereits als bezaubernd befunden und hier ein Lager errichtet. Und auch wir lassen uns von der Romantik Füssens verzücken: Verwinkelt, kleinteilig zeigt sich die Stadt. Gotische Bürgerhäuser, barocke Kirchen, alles in pastelligen Farben. Die Dichte italienischer Restaurants und Eiscafés ist legendär. Das hat Tradition, die Nähe zu Italien – nach Sterzing in Südtirol sind es nur 160 Kilometer – hat die Stadt geprägt.

Die ehemalige Benediktinerabtei St. Mang wurde im 9. Jahrhundert gegründet. Die barocke Klosteranlage (nach Plänen von Johann Jakob Herkomer) liegt fantastisch über dem Ufer des Lechs. Hier befinden sich heute die Stadtverwaltung und das Museum der Stadt mit dem Kaisersaal und der feinen barocken Bibliothek. In der Ostkrypta der Basilika finden wir uralte romanische Fresken der Reichenauer Schule. Die barocke Annakapelle beherbergt den „Füssener Totentanz“ – ein Gemäldezyklus aus dem frühen 17. Jahrhundert, der die Macht des Todes über die Menschen eindringlich versinnbildlicht.

Jetzt aber hinauf: Hoch über der Stadt Füssen thront auf einem Bergsporn das „Hohe Schloss“. Schon im 13. Jahrhundert wurde der Bau begonnen. Einst Sommerresidenz der Fürstbischöfe von Augsburg, heute Filialgalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und Städtische Galerie. Der spätgotische Bau ist schon durch seine Lage spektakulär. Vor allem aber ist der Bau bekannt für seine grandiose, illusionistische Malerei mit Scheinerkern und Scheinfenstern im Innenhof. Im Inneren lockt der Rittersaal mit seiner hervorragenden geschnitzten Kassettendecke aus der Zeit um 1500. Auch in den weiteren Räumen finden wir große Kunst – vor allem Gemälde aus der Zeit der Gotik und Renaissance, aber auch aus dem 19. Jahrhundert mit zwei schönen Arbeiten von Franz von Defregger und Carl Spitzweg. Absolut lohnenswert ist der Blick aus den Turmfenstern, der weit über die Altstadtdächer und das fast schon unwirklich intensiv gefärbte Wasser des Lech schweift.

Von der Stadt – die bis heute auch für ihren traditionellen Lauten- und Geigenbau bekannt ist und Klassik-Liebhaber mit den „Festtagen der Alten Musik“, Orgelkonzerten, einem Kammermusikfestival und den „Kaisersaalkonzerten“ im Kloster St. Mang verwöhnt – führen die Wege schnell in die Allgäuer Bergwelt. Und natürlich auch zum berühmten „Märchenschloss“ Neuschwanstein und zu dem vis-à-vis gelblich leuchtenden Schloss Hohenschwangau, wo König Ludwig II. viele Kindheits- und Jugendtage verbrachte.

Beide Schlösser muss man gesehen haben. Sie sind heute Garant für das wirtschaftliche Florieren der Stadt. Schon sieben Wochen nach Ludwigs frühem Tod, dessen Ursache bis heute Rätsel aufgibt, wurde Neuschwanstein gegen seinen zu Lebzeiten geäußerten Willen für den Fremdenverkehr freigegeben.

2011 wurde das mit verschiedenen Architekturpreisen ausgezeichnete Museum der bayerischen Könige in Hohenschwangau eröffnet, das die Geschichte der Dynastie der Wittelsbacher bis in die Gegenwart erzählt – mit besonderem Fokus auf König Maximilian II. und seinen Sohn, König Ludwig II.. Das Museum ist im historischen Grandhotel „Alpenrose“ untergebracht: eine Traumkulisse mit atemberaubenden Aussichten in die Landschaft und auf den Alpsee, den man – unbedingt! – umwandern sollte.

Die Bergwelt erkundet man mit einer guten Wanderkarte, welche die Touristenbüros in Füssen und Schwangau anbieten. Eine kleine Tour ist die Lechfall-Runde, bei der man ebenjenen spektakulären Lechfall passiert, wo sich der im Vorarlberg entspringende Fluss mit großer Kraft, mit Tosen und Sprühen in eine enge Klamm ergießt – ein großartiges Naturdenkmal. Die Wasserkraft des Lech war ein wichtiger Faktor für den Aufstieg der Stadt im 19. Jahrhundert, in der 1861 eine Seilerwarenfabrik eröffnet wurde – der Beginn der industriellen Moderne am Lech, der die Stadt wachsen ließ und Arbeiter aus Böhmen und Österreich anlockte. Auch diese Geschichte erzählt ausführlich das Museum der Stadt Füssen im Barockkloster St. Mang.

Ganz in der Nähe des Lechfalls startet der spektakuläre Baumkronenpfad im Walderlebniszentrum Ziegelwies, der über die Grenze hinweg nach Tirol in Österreich führt. Noch höher hinauf führt die steile Tegelberg-Kabinenbahn: zum Tegelberghaus auf über 1.700 Höhenmeter. Von hier blicken wir auf die Ebene oder hinein ins Ammergebirge bis zur Zugspitze oder zu den Tiroler Alpen. Man kommt natürlich auch zu Fuß hinauf – in etwa zweieinhalb Stunden. Von oben starten verschiedene ganz einfache und auch schwere Bergtouren. Schon als Kind wanderte Ludwig hier mit seinem Bruder Otto und seinen Eltern König Max II. und Königin Marie, die – damals noch ganz ungewöhnlich für eine Frau – eine begeisterte Alpinistin war und gern unterwegs in ihrem Spezialgewand, einer Kombination aus Rock und Hose. Später residierte Ludwig II. in den Sommermonaten hier im königlichen Jagdhaus. In den Bergen fühlte er sich dem Schöpfer nah, mehr als im „Qalm der Städte, wo die Freuden ihren Sitz wahrlich nicht haben“. So lesen wir auf Schautafeln, welche die kleine „Königsrunde“ begleiten.

Im Sommer lockt das Wasser. Zum Beispiel der kalkreiche, türkis glitzernde Forggensee mit seinen skandinavisch anmutenden Fjorden, ein 1954 angelegter Stausee, der vom kalten Lech gespeist wird und den man in den Sommermonaten mit einer (kleinen oder großen) Schiffsrundfahrt mit der MS Füssen oder MS Allgäu entdecken kann – oder auch mit dem Rad umrunden. Kleine Segelboote sorgen hier am fünftgrößten See Bayerns bis zum Sonnenuntergang für mediterrane Gefühle – mit Blick auf die Schlösser und die Alpen. In den Tiefen liegt der ehemals geflutete Weiler Forggen, der dem See seinen Namen gegeben hat. Zurück an Land empfehlen wir zur Einkehr die Café-Pension Gerlinde, die im lauschigen Garten auch kleine deftige Speisen anbietet. Oder das Traditionshaus Hotel Gasthof am See, nur wenige Schritte weiter, das mit langer Abendsonne überzeugt.

Mehr als zehn Badeseen laden in nächster Umgebung ein, allesamt mit dem Radl erreichbar, wie der stille Ober- und Mittersee in Bad Faulenbach, der etwas kühlere, schon von höheren Bergen umstandene, alpine Alatsee, der idyllische Weißensee, der flache Hopfensee mit seiner bekannten Promenade, der kleine, eher unbekannte, im Wald gelegene Faulensee in der Nähe des beschaulichen Dörfchens Rieden, der dunkelgrüne Schwansee mit seinem Seekiosk (das nicht nur die üblichen Pommes rot-weiß, sondern auch vegane Chillis und Currys anbietet) oder der erfrischende Alpsee, in dem schon König Ludwig zu schwimmen pflegte. Hier baden wir in dem bereits im Jahr 1900 eröffneten Seebad: eine Oase der Stille unweit des touristischen Schlösser-Trubels. Erhabener geht’s nicht. Hungrig treibt es uns ins Schloss Bräustüberl – ehemals königlicher Pferdestall, heute ein Ort klassischer bayerischer Wirtshauskultur.

In den letzten Tagen unserer Reise machen wir noch einen Abstecher zur Wieskirche. Die Wallfahrtskirche bei Steingaden von 1754 ist das Hauptwerk der Brüder Zimmermann und als UNESCO-Weltkulturerbe überregional bekannt. Von hier aus fahren wir weiter, nach Oberammergau, zum Kloster Ettal, zum großartigen, ebenfalls von Ludwig II. geschaffenen Schloss Linderhof mit seinem kostenfrei zugänglichen Park mit maurischem Kiosk, marokkanischem Haus und Königshäuschen, dann noch weiter zum Plansee in Tirol und schließlich wieder durch die Berge zurück – es zieht uns wieder ins kleine Schwangau. Die Königliche Kristall Therme lockt. Sie bietet Thermalsole-Heilwasser und viele andere Wellness-Verlockungen.

Und Ludwig II., der „Kini“, den vergessen die Bayern auch nicht. Noch immer wird er von den Mitgliedern der vielen bayerischen König-Ludwig-Vereinen verehrt, steht er doch für eine bessere, gute alte Zeit. Im 2000 erbauten Füssener Festspielhaus am Ufer des Forggensees spielt man seit Jahren das Erfolgsmusical „Ludwig²“, das von Konstantin Wecker mitkomponiert wurde. Ein Triller. Ein Melodram.


Fotos und Beitrag: Marc Peschke

Ausgewählte Links:
www.fuessen.de
www.allgaeu.de
www.neuschwanstein.de
www.hohenschwangau.de
www.schwangau.de
www.forggensee-schiffahrt.de

Von Joana Mallwitz bis Anne Sophie Mutter – Die Ludwigsburger Schlossfestspiele

Die Ludwigsburger Schlossfestspiele – Internationale Festspiele Baden-Württemberg zeigen im ersten Jahr unter der Intendanz von Lucas Reuter in der einzigartigen Ludwigsburger Bühnen- und Schlösserlandschaft einen großen, vielfältigen Bogen an Veranstaltungen, die vom 31. Mai bis 1. August 2025 stattfinden.
»Festspielzeit bedeutet Ausnahmezustand vom Alltäglichen. Die Ludwigsburger Schlossfestspiele wollen ein Kraftfeld des künstlerisch Besonderen sein«, so kündigt Lucas Reuter, der neue Intendant die kommenden Festspielzeiten an. Am Pult werden Persönlichkeiten wie Pietari Inkinen, Bar Avni oder Hans-Christoph Rademann stehen.

Open Air Konzert Monrepos , Foto: (c) Oliver Eggle

In den großen Orchesterkonzerten sind Klangkörper die Deutsche Radio Philharmonie, das Royal Philharmonic Orchestra aus London und das junge Orchester Divertimento Viennese zu erleben. Zur Festspiel-Eröffnung dirigiert Joana Mallwitz das Konzerthausorchester Berlin mit Schuberts Sinfonie Nr. 8 und Rachmaninows 3. Klavierkonzert d-Moll mit dem jungen Pianisten Giorgi Gigashvili.

Joana Mallwitz © Simon Pauly

Im kleineren Rahmen gastieren hochkarätige kammermusikalische Orchester wie das Freiburger Barockorchester, das Kammerorchester Basel, die Gaechinger Cantorey oder das Stegreif Orchester. Und das Stuttgarter Kammerorchester schafft mit dem vielseitigen südafrikanischen Cellisten Abel Selaocoe überraschende Verbindungen zwischen westlichen und südafrikanischen Musikstilen.

Abel Selaocoe © Warner Music / Christina Ebenezer

Beeindruckendes Virtuosentum präsentieren die Geigerinnen Anne-Sophie Mutter, Arabella Steinbacher und Midori, außerdem der Bariton Benjamin Appl oder am Klavier Alexander Gadjiev, Elisabeth Leonskaja, Arcadi Volodos und Jean-Paul Gasparian.

Anne Sophie Mutter kommt mit Filmmusik von John Williams nach Ludwigsburg, Foto © Julia Wesley

Weitere Kammermusik-Abende bringen das Belcea Quartet und das Simply Quartet zur Aufführung, und neben jungen Klavier-Stars wie Alexandra Dovgan und Giorgi Gigashvili sind die Erstplatzierten des aktuellsten ARD-Musikwettbewerbes zu entdecken. Das barocke Schlosstheater wird erneut von einer Koproduktion mit der Staatsoper Stuttgart zum Leben erweckt: Mozarts Singspiel »Zaide«.

Natasha Wilson singt die Titelpartie in Mozarts »Zaide« , Foto © Matthias Baus

Der Tanz findet seinen prominenten Platz im Spielplan mit der Wiederentdeckung der Choreografie »Borrowed Light« der Tero Saarinen Company sowie mit dem Doppelabend »Strawinsky in Paris« der Choreografen Jeroen Verbruggen und Marco Goecke, einer Koproduktion mit dem Ballett des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München.

Deutsche Radio Philharmonie & Pietari Inkinen © Jean M Laffitau

Ebenfalls neu sind kleine, feine Konzert-Formate in den Räumen der Schlösser Favorite und Monrepos. Ein ungewöhnliches Orchesterkonzert inszeniert das französische Kammerorchester Les Forces Majeures mit seinen zwei musikalischen Fahrradtouren (29./30. Mai), an deren Start, Zwischenstation und Ziel jeweils musiziert wird (Anmeldung für Mitradelnde erbeten). Angekommen in Bietigheim, erklingt am Freitag, 30. Mai, dem Vortag der Festspiel- Eröffnung, in der Alten Kelter außerdem ein Konzert mit Musik über das Reisen und die Fortbewegung. Einen Einblick in die »Werkstatt des Gesangs« gibt der Bariton Benjamin Appl bei seinem Öffentlichen Meisterkurs.
Weitere Informationen: www.schlossfestspiele.de,
Karten-Telefon 07141 939 636

© Vera Mercer
Die Ludwigsburger Schlossfestspiele zeigen in diesem Jahr erstmals auch Kunst! In der Festspielzeit 2025 sind vom 1. Juni bis 17. Juli
die neobarocken Stillleben der Fotografin Vera Mercer in der alten Porzellanmanufaktur im Residenzschloss zu sehen.

Noch mehr interessante Beiträge rund um die Kulturszene in BW finden Sie in der aktuellen Ausgabe von arsmondo – jetzt Probelesen und bestellen unter: www.united-kiosk.de

Emil Nolde – Welt und Heimat

Das Museum Würth 2 in Künzelsau zeigt in Kooperation mit der Nolde Stiftung Seebüll die Ausstellung „Emil Nolde – Welt und Heimat“.

Anlass ist der 90. Geburtstag des Sammlers und Unternehmers Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth.

Ebenfalls im Rahmen des 90. Geburtstages von Reinhold Würth und des Unternehmensjubiläums präsentiert das Museum Würth 2 rund um das Atrium ab dem 7. April mit der Ausstellung „Leben & Wirken. 90 Jahre Reinhold Würth – 80 Jahre Würth-Gruppe“ eine inspirierende Zeitreise.

Der Jubilar erwarb 1972 Emil Noldes Aquarell „Wolkenspiegelung in der Marsch“ von 1935 als eines der ersten Werke für die Sammlung Würth.

Emil Nolde, Wolkenspiegelung in der Marsch um 1935, Aquarell, 35 x 48 cm, Sammlung Würth, Inv. 3, Foto: Philipp Schönborn, München © Nolde Stiftung Seebüll

Die von der Nolde Stiftung Seebüll konzipierte und für die Präsentation in Künzelsau umfänglich ergänzte Ausstellung widmet sich nicht nur den unterschiedlichen Schaffensphasen und vielfältigen Motivwelten des farbgewaltigen Expressionisten, sondern auch seiner mittlerweile von Mythen und Legenden befreite Lebensgeschichte. Ausgangspunkt der Schau ist das Spannungsfeld zwischen Welt und Heimat im Werk Noldes. Die Ausstellung präsentiert insgesamt 146 Gemälde, Aquarelle, Grafiken sowie volkskundliche Objekte und Exotika, die dank der Nolde Stiftung Seebüll in den Dialog mit den 18 Werken der Sammlung Würth treten.

Emil Nolde, Meer (mit violetten Wolken) und drei gelben Seglern Aquarell
23 x 27,1 cm, Nolde Stiftung Seebüll, Foto: Dirk Dunkelberg / Elke Walford
© Nolde Stiftung Seebüll

Landschaftsdarstellungen mit tief liegendem Horizont, dramatische Wolkenberge, das aufgewühlte Meer sowie leuchtende Blumengemälde wie „Großer Mohn (rot, rot, rot)“ von 1942 spiegeln das tiefe Verständnis des Künstlers für seine Heimat wider. Emil Nolde, 1867 als Emil Hansen im Dorf Nolde geboren, dessen Namen er später annimmt, wuchs im deutsch-dänischen Grenzgebiet als Bauernsohn auf. Seine Werke, die häufig bis an den Rand der Gegenstandslosigkeit reichen, berühren das zeitlose Bedürfnis nach Emotion und unveränderter Natur jenseits der modernen Großstadt seiner Zeit. So genügt dem Künstler „eine vage Vorstellung nur in Glut und Farbe“ wie er selbst sagt, um den Bilderstrom der Fantasie auszulösen.

Emil Nolde, “Lichtzauber”, 1947, Öl auf Leinwand, 69,5 x 56 cm, Sammlung Würth, Inv. 5846, Foto: Volker Naumann, Schönaich
© Nolde Stiftung Seebüll
Emil Nolde, “Sonnenuntergang” / Sunset, 1948, Öl auf Leinwand / Oil on canvas, 67 x 88 cm, Nolde Stiftung Seebüll

Fest verwurzelt im Norden drängte es Nolde früh in die Welt hinaus: Neben Europa führte es ihn 1913/14 über Moskau, Sibirien, Korea, Japan und China in die deutsche Kolonie Deutsch-Neuguinea, die er als inoffizieller Teilnehmer einer wissenschaftlichen Expedition begleitete. Diese neuen Eindrücke und die Suche nach dem Ursprünglichen beeinflussen seine künstlerische Entwicklung nachhaltig und zeigen faszinierende Blickwechsel. Von seinen Reisen brachte der Künstler volkskundliche Objekte und Exotika mit, die mit der Zeit zu einer wundersamen Studiensammlung zusammenwuchsen sowie in seinen Stillleben und Figurenbilden noch lange einen Nachklang fanden wie das Gemälde „Stillleben E (Hirschgruppe, Kissen, Tamburan)“ von 1914 verdeutlicht. Nolde schuf daraus erstaunlich kosmopolitische und doch unverwechselbare Bildwelten, die entgegen seiner verstörenden politischen Gesinnung malerische Konventionen und kulturelle Grenzen mühelos überwinden.

Emil Nolde, “Papuafamilie” 1914, Öl auf Leinwand, 73 x 88,5 cm, Nolde Stiftung Seebüll, Foto: Dirk Dunkelberg / Elke Walford © Nolde Stiftung Seebüll

Der Unternehmer und Sammler Reinhold Würth erinnert sich im Katalog zur Ausstellung an einen gemeinsamen Galeriebesuch mit seinem Freund, dem Fotografen Paul Swiridoff 1972 im Tessin: „Dort sah ich das Aquarell von Emil Nolde, welches es mir spontan angetan hatte. Die starken, lebendigen Rot-/Orange- und Blautöne zogen mich völlig in den Bann, erinnerte ich mich doch genau an diese leuchtenden Farben, wie ich sie in der Realität bei meinen Besuchen im hohen Norden von Deutschland und Dänemark gesehen hatte. Mein Entschluss, das Werk zu kaufen, war schnell gefasst.“ Mit dem Erwerb von „Wolkenspiegelung in der Marsch“ begründete Reinhold Würth den Aufbau einer Kunstsammlung, die heute über 20.000 Werke umfasst.

Reinhold Würth, Foto: Frank Blümler

Die Ausstellung „Leben & Wirken“ im Atrium feiert Doppeljubiläum

Im Rahmen des 90. Geburtstages von Reinhold Würth und des Unternehmensjubiläums präsentiert das Museum Würth 2 rund um das Atrium ab dem 7. April 2025 mit der Ausstellung „Leben & Wirken. 90 Jahre Reinhold Würth – 80 Jahre Würth-Gruppe historische und aktuelle Aspekte und zeigt die enge Verknüpfung zwischen dem Unternehmer und seinem Unternehmen. Denn die beeindruckende Entwicklung vom Zweimannbetrieb zum Weltmarktführer in der Montage- und Befestigungstechnik ist das Lebenswerk von Reinhold Würth. Verschiedene Stationen gespickt mit Videos, Fotografien und Objekten aus acht Jahrzehnten vermitteln Höhepunkte und Facetten auf diesem Weg. Sie geben interaktive Einblicke, beispielweise in den Vertrieb, die Produktentwicklung oder in die Bereiche des kulturellen und sozialen Engagements. Eine Bandbreite an Archivmaterial steht dafür zum Anfassen, Anhören und Anschauen bereit.

Emil Nolde – Welt und Heimat
Sammlung Würth und Leihgaben der Nolde Stiftung Seebüll
Museum Würth 2
7. April 2025 – 28. September 2025
Täglich 10 – 18 Uhr
Eintritt frei    Link zum Flyer

Leben & Wirken
90 Jahre Reinhold Würth
80 Jahre Würth-Gruppe
Atrium im Museum Würth 2, Künzelsau
7. April 2025 – Februar 2026
Täglich 10 – 18 Uhr
Eintritt frei

Museum Würth 2, Am Forumsplatz 1, 74653 Künzelsau

Textquellen: Würth Medien und Kommunikation

Katharina Grosse – Sonderschau in Stuttgart

Katharina Grosse ist eine der bedeutendsten Künstlerinnen der Gegenwart. Die Staatsgalerie Stuttgart widmet ihr nun im Stuttgarter Kunstgebäude die Ausstellung „Katharina Grosse – The Sprayed Dear“.
Seit über 30 Jahren lotet die 1961 in Freiburg im Breisgau geborene Künstlerin die räumlichen und materiellen Möglichkeiten von Malerei aus und überschreitet dabei die herkömmlichen Gattungsgrenzen. Drei eigens dafür geschaffene Werke sind neben noch nie gezeigten plastischen Arbeiten ihres Frühwerks im Kuppelbau mit dem goldenen Hirsch zu sehen.

Ausstellungsansicht – Katharina Grosse The Sprayed Dear © VG Bild-Kunst, Bonn 2025

Mit ihrem Titel nimmt die Künstlerin Bezug auf das Wahrzeichen des außergewöhnlichen Ausstellungsorts und spielt mit dem englischen Wort »deer« für Hirsch – und dem im Englischen gleichklingenden Begriff »dear« für etwas Liebgewonnenes.
Grosse malt ihre in Sprühtechnik ausgeführten immersiven Bilder radikal über Objekte, Architekturen und ganze Landschaften hinweg. Für die Stuttgarter Sonderausstellung hat sie sich intensiv mit der Architektur des ikonischen Zentralbaus am Schlossplatz beschäftigt und verwandelt diesen in ein farbgewaltiges Raumerlebnis. Die Oberflächen ihrer Kunstwerke verschmelzen scheinbar oder auch real mit den Orten ihrer Präsentation. So auch im eindrucksvollen 26 Meter hohen Kuppelsaal des Kunstgebäudes, in dem die neu geschaffene Aluminiumskulptur »The Sprayed Dear« den Höhepunkt der Ausstellung bildet.

Katharina Grosse, Ohne Titel, 2019 © Katharina Grosse / VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Ausstellungsansicht Ausstellungsansicht Katharina Grosse – The Sprayed Dear © VG Bild-Kunst, Bonn 2025

Dazu belegt eine übergroße, weiße Styroporskulptur mit dem Titel »Ghost« das Interesse der Künstlerin am Zusammenspiel von Form und Fläche, während die aus grundierten Leinwandstoffen bestehende Skulptur »Untitled« den Blick auf die dreidimensionalen Qualitäten ihrer Leinwand-Arbeiten lenkt.

Katharina Grosse © Franz Grünewald

„Zweidimensionale Malerei existiert für mich nicht. Die Leinwand selbst ist ein dreidimensionales, haptisches Objekt und ein Bild kann überall auftauchen, sei es auf einem Ei, in der Armbeuge, in Schnee und Eis oder am Strand“,

sagt Katharina Grosse, die in Berlin und Neuseeland lebt und arbeitet.

Die Staatsgalerie Stuttgart lässt die unerschöpfliche Bandbreite von Grosses dreidimensionalen Werken eindrucksvoll erlebbar werden – von den frühen Materialexperimenten aus der Studienzeit an der Düsseldorfer Kunstakademie bis hin zu ihren neusten Werken.

Dauer: 11.4.2025 – 11.1.2026
Weitere Informationen finden Sie hier
Zur Ausstellung wird ein umfangreicher Katalog (Sandstein Verlag) mit Abbildungen sämtlicher ausgestellter Werke erscheinen. Um die eindrucksvollen
Installationsansichten im Kunstgebäude zu dokumentieren, erscheint dieser nach Ausstellungseröffnung im Mai 2025 und schließt eine Katalog-
Triologie der Künstlerin (Centre Pompidou Metz, Kunstmuseum Bonn, Staatsgalerie Stuttgart) ab.
Herausgeber: Staatsgalerie Stuttgart, Kurator: Hendrik Bündge.
Mit Textbeiträgen von Hendrik Bündge, Robin Detje, Emily LaBarge sowie
mit einem Gespräch zwischen Dan Lie und Katharina Grosse.

Ausnahmezustand

Das Theaterensemble Lokstoff!- Theater im öffentlichen Raum thematisiert Angst und Sicherheit in einer modernen Großstadt

Szenenfoto (c) Lokstoff!

Eine Familie hat es geschafft: Sie lebt in einer sicheren Luxuswohnanlage von „Pearly Gates“ – Weltmarktführer von maximal sicheren Wohneinheiten. Doch die Bedrohung durch die scheinbar unsichere Außenwelt einerseits, die Furcht vor dem sozialen Absturz und die Angst vor dem Rauswurf aus der Gated Community andererseits, haben sich tief in die Ehe hineingefressen. Der Autor Falk Richter verdichtet in „Im Ausnahmezustand“ die Verunsicherung einer Familie. LOKSTOFF! Das Ensemble für Theater-Produktionen im öffentlichen Raum nimmt nach neun Jahren dieses intensive Kammerspiel wieder auf – angesichts der politischen Entwicklungen der letzten Jahre könnte dieses Stück nicht aktueller sein.

Szenenfoto (c) Lokstoff!
Szenenfoto (c) Lokstoff!

Verortet in das Stuttgarter Stadtkaufhaus GERBER, auf dessen Dach sich eine der ersten „Gated Communities“ Stuttgarts befindet und welches beispielhaft das Spannungsverhältnis zwischen öffentlichem und privatem Raum verkörpert, möchte LOKSTOFF! mit „Im Ausnahmezustand“ ein Plädoyer für eine offene Gesellschaft in das Zentrum von Stuttgart zurückbringen.
Alle Infos und Termine: www.lokstoff.com