Kafka in Marbach

Franz Kafkas Brief an den Vater, den er 1919 in Schelesen bei Prag verfasste, gilt heute als eines der bedeutendsten Werke der modernen Weltliteratur. Nun hat er eine neue Heimat im Literaturarchiv Marbach gefunden. Möglich war dies Dank der großzügigen Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, des Landes Baden-Württemberg durch die Baden-Württemberg Stiftung, der Adolf Würth GmbH und Co KG, der Berthold Leibinger Stiftung, der Wüstenrot Stiftung sowie von Klaus Mangold. Das berühmte Manuskript konnte jetzt, vermittelt durch den Antiquar Jörn Günther, vom Verleger Thomas Ganske erworben werden. Ganske war seit 1983 im Besitz des Manuskripts, das 100 Seiten im Oktav-Format umfasst und sehr gut erhalten ist.

Brief an den Vater von Franz Kafka, November 1919, Foto: DLA Marbach
Der Brief, in dem sich die Grenzen zwischen Literatur und Realität auf komplexe Weise verwischen, wurde nie abgeschickt und erreichte seinen Vater daher nicht. Erst 1952, lange nach dem Tod beider, erschien er in der Literaturzeitschrift Neue Rundschau und erlangte große Anerkennung als literarisches Meisterwerk und Schlüssel zum Verständnis von Kafkas Leben und Werk.

Friedrich Feigl: Kafka liest den »Kübelreiter«. Tuschzeichnung, London Mai 1946. Foto: DLA Marbach.

Ausgelöst durch einen Konflikt mit seinem Vater über seine geplante Ehe mit der Sekretärin Julie Wohryzek, reflektiert Kafka in diesem Brief die Beziehung zu seinem Vater, die er stets als erdrückend und übermächtig empfand. Mit der Präzision eines Anwalts präsentiert er Anschuldigung über Anschuldigung und offenbart dabei immer tiefere seelische Abgründe. Ob das Porträt des Vaters auf dessen wahrem Charakter basiert, bleibt umstritten. Schon in seiner 1913 publizierten Novelle „Das Urteil“ thematisierte Kafka die Auseinandersetzung zwischen Sohn und Vater. Es wird vermutet, dass dieses mythische Motiv der Vater-Sohn-Konfrontation Kafka besonders faszinierte, da es exemplarisch sein Lebensthema der Abhängigkeit widerspiegelte, das auch seine Romane „Der Process“ und „Das Schloss“ prägt.
Das Deutsche Literaturarchiv besitzt, neben dem eigentlichen Nachlass in Oxford, die größte Sammlung von Kafka-Autographen weltweit, darunter die Handschrift des Romans „Der Process“ sowie zahlreiche weitere Manuskripte und Briefe, unter anderem an seine Schwester Ottla und Milena Jesenská. Der Brief an den Vater ist derzeit in der Ausstellung „Kafkas Echo“ im Marbacher Literaturmuseum der Moderne zu sehen, die aufgrund des großen Interesses bis zum 22. Juni 2025 verlängert wurde.

Blick in die Ausstellung, Foto: Jens Tremmel

Die Ausstellung „Kafkas Echo“ beleuchtet nicht nur den Brief an den Vater, sondern auch andere Werke und Dokumente des Autors, die seine komplexe Beziehung zu seiner Familie und seine literarische Entwicklung widerspiegeln. Besucher der Ausstellung haben die Möglichkeit, in die Gedankenwelt von Kafka einzutauchen und seine Werke im Kontext seiner persönlichen Erfahrungen und historischen Gegebenheiten zu betrachten.

Hohenloher Kultursommer

Der Hohenloher Kultursommer steht für eine faszinierende Mischung aus klassischen Konzerten, Jazz, Weltmusik und mehr. Die Veranstaltungen finden in den einzigartigen historischen Spielstätten der Region statt: sie werden zur Bühne für erstklassige Künstlerinnen und Künstler sowie vielfältige musikalische Highlights. Den Beginn der diesjährigen Saison machen die Geigerin Rebekka Hartmann mit dem Ensemble KlangVerwaltung München in Neuenstein mit Werken von Mozart und Andreas Begert.

Canadian Brass © Natalie Endicott

Die Eröffnung im Landkreis Schwäbisch Hall findet auf Schloss Kirchberg statt. Hier zeigen Martina Trumpp, Axel Brüggemann und das Solistenensemble D’Accord wie sich Wagners Lohengrin als Streichsextett in 90 Minuten präsentieren lässt.

Solistenensemble D‘Accord © Martin-Rothe

Zu den weiteren hochkarätigen Gästen des Festivals zählen unter anderem die Sänger Christoph und Julian Prégardien, Leila Schayegh, die Schweizer Sängerin Stefanie Heinzmann und die jüngst mit dem OPUS-Klassik gekürte Geigerin Lea Brückner. Die Dutch Swing College Band und Canadian Brass werden das Publikum in Sommerlaune versetzen.

Stefanie Heinzmann, Foto: Maximilian König

Herbert Schuch und die Pianistin Sophie Pacini gastieren in der Klaviersommer-Reihe. Einen der literarischen Glanzpunkte setzt u.a. der beliebte Theater- und Kinoschauspieler Joachim Król gemeinsam mit Sophie Pacini in einer musikalischen Lesung in der die Frauen im Mittelpunkt stehen: Zu Werken von Beethoven, Schumann, Schubert, Chopin, Debussy und Fanny Hensel liest Król Ausschnitte aus literarischen Werken von Dumas, Heine sowie aus Briefen Beethovens und den Schumanns.

Joachim Król © Emil Levy,

Überraschende Klangfarben wird die Iveta Apkalna (Titularorganistin der Elbphilharmonie Hamburg) dem wunderbaren Instrument in der Johanneskirche Künzelsau entlocken. Und für kammermusikalische Höhepunkte wird wieder Familie Skride sorgen, die seit Jahren dem Festival eng verbunden ist und besonders dem Kloster Schöntal. Mutter Liga Skride, Klavierprofessorin u.a. in Bremen, wird mit ihren drei Töchtern, den Klassik-Weltstars Linda, Lauma und Baiba Skride auf der Bühne stehen.

Deborah Sasson, Foto: Manfred Esser,

Das Musikfest Weikersheim am 4. und 5. Juli wird das Publikum in diesem Jahr musikalisch in Wirtschaftswunderzeit der 1950er Jahre entführen und das traditionelle Open-Air-Konzert mit Feuerwerk steht unter dem Motto „Musicalzauber in Weikersheim“. Als Stargast wird die gefeierte US-Opern- und Musicalkünstlerin Deborah Sasson dort auftreten. Zu erleben sein werden außerdem Tonfilm- und Revueschlager der 30er Jahre mit dem Trio Manuel von Eden, Songs von Barbra Streisand und Edith Piaf mit Sängerin Asita Djavadi, sowie ABBA-Songs und Gershwin-Melodien, dargeboten vom SWR Swing Fagottett.

Foto © Trio Manuel von Eden

Aufgrund der hohen Nachfrage gibt es wieder eine Reihe an Veranstaltungen in Verbindung mit Kulinarik sowie Picknick-Konzerte. Der Hohenloher Kultursommer steht aber auch für die Förderung junger Talente: Auf der Bühne zu erleben sein werden u.a. der Geiger Andrea Cicalese, das Trio Piacenza mit Polina Elena Munteanu, das Concertino Ensemble und das Elaia-Quartett.

31. Mai 2025 bis 21. September 2025. Weitere Informationen zum gesamten Programm und Karten: www.hohenloher-kultursommer.de

Sonderkonzert des Freiburger Barockorchester

Johann Sebastian Bachs „Johannes-Passion“ BWV 245 ist ein Meisterwerk der Barockmusik, das die Leidensgeschichte Jesu Christi nach dem Johannesevangelium eindringlich vertont. Dieses bedeutende Werk wird von vielen als eines der bewegendsten und dramatischsten Passionsmusiken angesehen, die je komponiert wurden. Die Musik vereint tief empfundene Melodien mit virtuosen Chören und Arien, die die dramatischen Ereignisse der Passion eindrucksvoll widerspiegeln. Bachs meisterhafte Komposi-tion verleiht jeder Szene und jedem Charakter eine einzigartige musikalische Stimme, die die Zuhö-rer*innen tief in die historische und spirituelle Bedeutung der Passion eintauchen lässt.
Johann Sebastian Bach
Johannes-Passion BWV 245
Raphael Höhn Evangelist
Vox Luminis
Freiburger Barockorchester
Lionel Meunier Leitung

8. April in der Stuttgarter Liederhalle

Ritter Sport – Ein Traum von Schokolade

Der neue Roman von Romy Herold schildert den Werdegang von Clara Ritter, Gründerin der weltbekannten Schokolade. Spannend und mitreißend erzählt er ihren Weg von der Kindheit und Jugend auf der Schwäbischen Alb bis hin zu ihrem Wirken als Unternehmerin in Waldenbuch, jenem Städtchen zwischen Stuttgart und Tübingen, in dem Ritter Sport bis heute zu Hause ist.

„Machen wir eine Schokolade, die in jede Jackentasche passt, ohne zu brechen und das gleiche Gewicht wie eine normale lange Tafel hat.“. –
Mit dieser ebenso einfachen wie genialen Idee hat Clara Ritter die Schokoladenwelt revolutioniert. 1932 hat sie das Schokoladenquadrat erfunden, dem sie den Namen Ritter’s Sport Schokolade gab und damit den Grundstein für eine der bekanntesten
Marken Deutschlands legte. Im Konditormeister Alfred Eugen Ritter fand die junge Clara ihren kongenialen Partner. Alfred entwickelte süße Köstlichkeiten und Clara wurde zur vorausschauenden Unternehmerin. Gemeinsam gelang es ihnen, den Widrigkeiten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Trotz, ein blühendes Unternehmen aufzubauen, das ihr Sohn Alfred Otto ebenso weiterentwickelte wie ihre Enkel, und in deren Tradition heute die vierte Generation der Familie Ritter steht. Der Roman beruht auf historischen Fakten, illustriert durch fiktive Handlungen und Dialoge. So entsteht ein neuer Blick auf Clara Ritter, aber auch die schwäbische Unternehmerfamilie.

Romy Herold ist das Pseudonym des Autorenduos bestehend aus Eva-Maria Bast und Jørn Precht. Eva-Maria Bast ist Journalistin, Autorin mehrerer Sachbücher, Krimis und zeitgeschichtlicher Romane. Für ihre Arbeiten erhielt sie Auszeichnungen, etwa den Deutschen Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung. Jørn Precht ist Professor für Storytelling an der Hochschule der Medien in Stuttgart sowie preisgekrönter Drehbuchautor für Kino- und Fernsehproduktionen. Er hat zahlreiche Sachbücher und historische Romane verfasst, sein Debütroman wurde mit dem Literaturpreis HOMER prämiert.

Ritter Sport – Ein Traum von Schokolade, 512 Seiten, € 17, –
Blanvalet Verlag, Februar 2025

Aktuelle Lesungen: 

10. Apr. 2025
19:30 Uhr
Öhringen

15. Mai 2025
19:30 Uhr
Ettlingen

18. Juli 2025
20:00 Uhr
Weil der Stadt

17. Okt. 2025
19:30 Uhr
Aichwald

Genaue Orte, Adressen und Details: www.penguin.de

75. Geburtstag der Badischen Landesbühne mit Fest-Wochenende

Die Badische Landesbühne feiert 75. Geburtstag! Das Jubiläum zieht sich bereits als roter Faden durch die Spielzeit 2024/2025 und findet nun seinen Höhepunkt im großen Fest-Wochenende vom 4.-6. April 2025. Dabei wird das Stadttheater im Bürgerzentrum Bruchsal für drei Tage zum Mittelpunkt der Feierlichkeiten und zeigt ein ganzes Wochenende lang Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Badischen Landesbühne. Alle Programmsparten – Schauspiel, Junges Theater, Bürgertheater, Theaterpädagogik sowie Freundeskreis – beteiligen sich an dem bunten und vielgestaltigen Geburtstags-Spektakel.

Szene aus „JederMann“, Foto Dominique Brewing/ BLB

Eine Ausstellung zur Geschichte des Theaters, die Jubiläumsgala und die Uraufführung eines Dokumentarfilms läuten am Freitag ab 18 Uhr das Fest-Wochenende ein. Mit Sektempfang, Buffet und Live–Musik.

Filmstill aus dem Dokumentarfilm zur BLB – Luftbild Bus (Siegersbusch Film)

Highlights des Samstags sind Aufführungen des Ein-Personen-Stücks, „Event“ von John Clancy, in dem sich Intendant Wolf E. Rahlfs wieder als Schauspieler zeigt, und des Theaterprojekts „Tagebuch Rumänien. Temeswar“, ein Gastspiel des Deutschen Staatstheaters Temeswar, das der Badischen Landesbühne schon seit 20 Jahren partnerschaftlich verbunden ist. Regelmäßige Filmvorführungen, die Ausstellung und eine Jubiläumsparty ab 22 Uhr bieten den Zuschauer*innen den ganzen Tag spannende Erlebnisse.

Die BLB mit dem Bus unterwegs 1953 im Neckartal unterhalb der Burg Hornberg, Foto Heinz Kemter

Am Sonntag, 6. April, werden gibt es ab 12 Uhr mit dem „Tag der offenen Türen“ Musikalisches, Nachdenkliches, Performatives. Alle Räume von Garderobe bis Büro, von Tiefgarage bis Kassenraum werden mit Kurz-Szenen, Lesungen, Aktionen für Kinder und Kurzführungen bespielt. Der „Märchenland“- Marathon bietet im theater treppab Non-Stopp-Lesungen für alle ab 4 Jahren. Auch das Theaterprojekt „Tagebuch Rumänien. Temeswar“ gibt es noch einmal zu sehen, ebenso regelmäßige Filmvorführungen, die Ausstellung sowie Workshops für alle.

Die 1949 gegründete Badische Landesbühne (BLB) bespielt neben ihrer eigenen Bühne die  Bühnen von insgesamt 16 Mitgliedsgemeinden im nordbadischen Raum sowie in zahlreichen Gastspielorten in ganz Baden-Württemberg und angrenzenden Bundesländern statt. Besonderes Augenmerk liegt zudem auf dem Kinder- und Jugendtheater, für das es an der Badischen Landesbühne seit über 30 Jahren eine eigene Sparte gibt.

„Das Jubiläum!“ – 4.-6. April 2025
Alle Infos: www.badische-landesbuehne.de

Literaturfestival Stuttgart 2025

Zehn Tage lang wird Stuttgart zu einem besonderen literarischen Raum voller Dialoge und Hoffnung. Vom 14. bis 24. Mai 2025 lädt das 2. Literaturfestival Stuttgart unter dem Titel ÜBER LEBEN dazu ein, die paradoxe Schönheit des Lebens zu ermessen: 52 Autor:innen und Künstler:innen aus 18 Ländern kommen nach Stuttgart, um über Leben in unsicheren Zeiten zu sprechen – und es zugleich zu feiern. Auf Bühnen, Plätzen und in Buchhandlungen verbinden sie Lyrik, Roman, Erzählung, Musik und Performance. Eine Ausstellung von Julia B. Nowikowa im Literaturhaus begleitet das Festival.

Nino Haratischwili © G2 Baraniak

Kuratiert von Nino Haratischwili, verbindet das Programm die Schrecken der Gegenwart mit den Lichtknoten des Lebens. Dazu gehören unter anderem die Eröffnungsrede von Szczepan Twardoch, die Performance „Supra – ein Fest“, die „Nacht der Poesie“ und Lesungen u. a. von Sofi Oksanen, Constance Debré und Gabriela Wiener.

Supra @ Britt Ryckebosch

Auch Stuttgarter Kulturschaffende gestalten das Festival mit: Ob literarisches Wrestling, Erinnerungsprojekte oder der Comic-Talk mit @kriegundfreitag – Literatur wird in der ganzen Stadt erlebbar. Das Junge Programm, kuratiert von Chantal-Fleur Sandjon, bietet interaktive Lesungen, etwa von Efua Traoré und Raúl Krauthausen, Schreibwerkstätten der Buchkinder Stuttgart und einen „Romance Talk“ mit Alicia Zett und Basma Hallak.

Szczepan Twardoch © Jacek Poremba

Ausgerichtet wird das Literaturfestival Stuttgart im Auftrag der Landeshauptstadt Stuttgart vom Literaturhaus Stuttgart in Kooperation mit der Stadtbibliothek Stuttgart und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels BW. Mehr unter: literaturfestival-stuttgart.de

 

Angelika Platen: Beglückende Begegnungen

Das fotografische Werk von Angelika Platen umfasst Hunderte Porträts von Künstlerinnen und Künstlern. Eine Sonderausstellung zeigt derzeit das Stadthaus Ulm. Platen war eine wahre Meisterin Persönlichkeiten in Verbindung mit deren Werk mit der Kamera einzufangen. Ihre Porträts sind subtil, einfühlsam und überraschen und faszinieren durch ungewöhnliche Settings.

Hanne Darboven 1968 © Angelika Platen

Aus ihrer ersten Schaffensphase von 1968 bis 1975 sind Bilder sind Bilder von Georg Baselitz, Joseph Beuys, Christo und Jeanne-Claude, Hanne Darboven, Walter de Maria, Blinky Palermo, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Günther Uecker und Andy Warhol zu sehen.
Ebenso eine Auswahl ihrer ab 1997 entstandenen Arbeiten mit Marina Abramović, John Armleder, Christian Boltanski, Jeff Koons, Neo Rauch, Julian Rosefeldt, Monica Bonvicini und Thomas Struth.

Die Porträtkunst von Angelika Platen zeigt sich im Geschick der Fotografin, in einem einzigen Bild die Essenz eines künstlerischen Lebens einzufangen.

Donata Wenders, let’s did it. Berlin 2019 © Angelika Platen

1968 begann Platen (*1942), als Fotografin und Bildjournalistin zu arbeiten. Unter dem Titel „Künstler sind auch nur Menschen“ stellte sie bereits 1969 ihre ersten Porträts aus. Während ihrer Zeit als Leiterin der Hamburger Galerie von Gunter Sachs (1972-1975) machte sie Hunderte Fotoporträts junger Künstlerinnen und Künstler, die damals ihre Karriere starteten und von denen einige heute weltbekannt sind. Sie zeigt die Malerinnen und Maler, Bildhauer und Fotografinnen, Performance- und Objektkünstlerinnen in ihrem jeweiligen künstlerischen Umfeld. Ende der 1970er Jahre zog Angelika Platen nach Paris, wo sie als Leiterin der Abteilung für Public Relations in einer IT-Firma tätig war.
1997 nahm sie ihre fotografische Arbeit wieder auf und porträtierte neue, aber auch die gealterten Künstlerinnen und Künstler. ´Platens Werk liegt gut dokumentiert in verschiedenen Bildbänden vor und wurde in zahlreichen Museen gezeigt. Angelika Platen lebt in Berlin.

Angelika Platen: Beglückende Begegnungen
Porträts von Künstlerinnen und Künstlern
Bis 4. Mai 2025 zu sehen im Stadthaus Ulm

Ebenfalls bis 4. Mai 2025 im Stadthaus zu sehen ist die Ausstellung:
Herlinde Koelbl: Angela Merkel Porträts 1991-2021

Mephisto

Schauspiel nach Klaus Manns Roman . Ein Mann will nach oben, wird Intendant, Senator und Staatsrat und schließt dafür den „Pakt mit dem Teufel“- Klaus Manns berühmter »Roman einer Karriere« über den Schauspieler Hendrik Höfgen, der sich mit den nationalsozialistischen Machthabern einlässt, galt als eines der umstrittensten Bücher des 20. Jahrhunderts. Erstveröffentlicht 1936 in einem Amsterdamer Exilverlag, war das Buch zunächst in der Bundesrepublik Deutschland verboten, weil die Figur des Hendrik Höfgen allzu deutlich die Züge von Klaus Manns Schwager Gustaf Gründgens trug. Man wollte keine Rufbeschädigung – Gründgens zählt bis heute zu den berühmtesten deutschen Schauspielern – Mephisto war nicht nur der teuflische Gegenspieler in Goethes Drama „Faust“, sondern gehörte auch zu Gründgens Paraderollen.
Manns „Mephisto“ ist eine hochaktuelle Geschichte über Anpassung und Widerstand, Karrieredenken und künstlerische Moral. Der Regisseur Daniel Foerster erhielt 2014 den Nachwuchspreis des Heidelberger Stückemarkts. 2023 kam im Jungen Theater Heidelberg seine Bühnenfassung von Gottfried Kellers Novelle »Kleider machen Leute« heraus.

Theater Heidelberg, Premiere am 12. April 2025 [empfohlen ab 16 Jahren]
Weitere Informationen und Termine finden Sie hier

Thomas Sarbacher spielt den Götz in Jagsthausen 2025

Der bekannte Schauspieler Thomas Sarbacher wird die Titelrolle in „Götz von Berlichingen“ in der Jubiläumsspielzeit 2025 spielen. Der gebürtige Hamburger, der seit vielen Jahren in Zürich lebt, tritt im kommenden Sommer erstmals als Titelheld auf der Burghofbühne in Jagsthausen auf. Sarbacher hat das Konzept überzeugt – für ihn müssen die Geschichten gut sein, ebenso das Team an Mitwirkenden. „Das Angebot, ‚den Götz‘ in Jagsthausen zu spielen, hat mich überrascht und gefreut. Der Götz gefällt mir mit seiner Kraft und seinem Ungestüm, aber auch mit seiner Willkür und einer abgebrauchten Auffassung von Privileg und Freiheit. Ich bin neugierig und gespannt auf die Arbeit.“

Thomas Sarbacher (c) Alexander Hoerbe

Unter der Regie von Laura Remmler gibt er den Titelhelden im Traditionsstück der Burgfestspiele. Die künstlerische Leiterin Eva Hosemann der Burgfestspiele schätzt seine große Empathie, Klugheit und Neugier und wie er sich seinen Figuren nähert, um sie zu durchdringen. Und „Götz“-Regisseurin Laura Remmler schließt an: „Thomas Sarbacher ist ein sehr charismatischer, sensibler und kraftvoller Darsteller, der, wie ich, großen Spaß an der Analyse der Figur und ihrer Geschichte, ihren Licht- und Schattenseiten hat. Die großen Fragen, die im „Götz“ gestellt werden, gehen uns alle an. Was ist Freiheit? Steht persönliche Freiheit über Frieden und Gerechtigkeit für alle? Ich denke, dass eben Götz’ Fassungslosigkeit im Angesicht schwindender Privilegien und dem Umsturz der gesellschaftlichen Ordnung, dieses Stück für den modernen Zuschauer schon fast bestürzend aktuell machen. Gemeinsam mit Thomas Sarbacher und dem Ensemble wollen wir der vielschichtigen, ambivalenten und spannenden Figur des Götz viele Facetten abgewinnen.“ Premiere ist am 5. Juni 2025.

Die Götzenburg Jagsthausen war der Stammsitz des
Götz von Berlichingen und gehört durch Goethe zu einem der berühmtesten Schauplätze der Weltliteratur.

Die Götzenburg in Jagsthausen bietet jährlich über die Sommermonate eine eindrucksvolle Kulisse für die Aufführungen der Burgfestspiele, die seit 1950 hier stattfinden. Die Nachfahren des Ritters, die Freiherren von Berlichingen, tragen die Familientradition bis heute weiter und sind auch aktiv in die Festspiele eingebunden.
Die Burgfestspiele halten so nicht nur das historische Erbe des berühmten Ritters Götz von Berlichingen lebendig, sondern verbinden auch das einzigartige Ambiente der originalen Schauplätze mit der zeitlosen Dichtung von Goethe. So bleibt sein legendäres Leben und seine Geschichte in der kulturellen Erinnerung erhalten. Goethes Drama beschreibt sein Leben, seine Kämpfe, Liebschaften und Leiden während der Zeit der Bauernkriege im 15. Jahrhundert. Götz rebelliert gegen bestehende Verhältnisse und muss am Ende an ihnen scheitern. Eine besondere Herausforderung, für ihn ist nach dem Verlust seiner rechten Hand eine künstliche Hand aus Eisen zu tragen. Den Stoff des Dramas hat Goethe der 1731 in Leipzig erschienenen „Lebensbeschreibung des Herrn Götz von Berlichingen“, der „Autobiographie eines Ritters aus dem 16. Jahrhundert“, entnommen. Das Schauspiel im Geiste des romantischen Sturm-und-Drang-Epoche wird zum Welterfolg. Und Goethes Dramaturgie bildet den Anfang einer Entwicklung, die die deutsche Geschichte neu entdeckt und in Folge Stücke wie „Jakob Lenz“ und Friedrich Schillers „Die Räuber“ bis zu Georg Büchner möglich macht.

Thomas Sarbacher wurde 1961 in Hamburg geboren und wollte ursprünglich Journalist werden. Er absolvierte jedoch seinem Vater zuliebe eine Banklehre und ein Germanistik-Studium. Mit 26 Jahren entschied er sich dann 
für die Schauspielerei und begann seine Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Graz. Nach dem Studium war er Mitglied der Bremer Shakespeare Company, gefolgt von Engagements an Theatern in Zürich, Klagenfurt und Konstanz. Dann begann seine Film und Fernsehkarriere(u.a.„Tatort“, „Bella Block“). Für seine Rolle als Hauptkommissar Matthias Steiner in der Krimiserie „Der Elefant – Mord verjährt nicht“ erhielt eine Nominierung für den Deutschen Fernsehpreis als bester Schauspieler. Der Bühne blieb er aber immer treu. In Baden-Württemberg stand er bereits mehrfach auf der Bühne, so u.a. in Schwäbisch Hall und auch am Schauspiel Stuttgart (Die Weber). Neben Film und Bühne ist er Thomas Sarbacher auch immer wieder in Lesungen zu erleben. Der Schauspieler lebt mit seiner Frau  und seinen Töchtern in Zürich.

One Love

Tanzabend mit Choreografien von Andrew Skeels und Martin Harriague. Zwei Uraufführungen im Zeichen von Frieden, Toleranz und Menschlichkeit.
Als Reggae 2018 zum immateriellen Kulturerbe erklärt wurde, tanzten die Staatenvertreter nach der Verkündung spontan zu Bob Marleys Song »One Love« – lebendiger Ausdruck dafür, dass die Musikrichtung als Beitrag zum internationalen Bewusstsein für Diskurse der Ungerechtigkeit, Auflehnung, Liebe und Menschlichkeit gewürdigt wurde. Die Kunstform des Zeitgenössischen Tanzes mit Reggae-Musik zu verbinden, wagt der französische Choreograf Martin Harriague in seiner Kreation für das Mannheimer Ensemble und lässt sich für diese Fusion von dem Album »Hebron Gate« der kalifornischen Reggae-Band Groundation inspirieren. Deren einzigartiger Stil gründet darauf, dass sie die Essenz des klassischen Roots-Reggaes einfängt und um Elemente aus Jazz, Funk und Dub erweitert.
Demgegenüber steht in der Uraufführung des Amerikaners Andrew Skeels eine äußerst individuelle Form der Liebe im Fokus. Skeels blickt auf seine persönlichen Wurzeln im ›Wilden Westen‹ und reflektiert über den Waffenkult in den USA – eine polarisierende Thematik, von Politik wie Bevölkerung mit hoher Emotionalität diskutiert.
Nationaltheater Mannheim
Premiere am 25. April 2025