Meditationen über Erinerungen

In ihrer jüngsten Aufnahme für Deutsche Grammophon widmet sich Hélène Grimaud dieser besonderen Fähigkeit von Musik: Bilder der Vergangenheit in der Gegenwart wachzurufen, Eindrücke von Orten und Zeiten zum Leben zu erwecken. Auf Memory, das im Herbst 2018 erschienen ist, spielte sie Klavierminiaturen ein, die von impressionistisch anmutenden Träumereien Chopins und Debussys bis zu Valentin Silvestrovs zeitlosen Melodien im Volkston reichen.
Live wird sie mit diesem Programm am 26. Mai 2019 in Konzerthaus Freiburg und 14. Juni 2019 im Festspielhaus Baden-Baden zu erleben sein.

Hartmann Projects
und Hartmann Books

Sie machen Projekte und Bücher, die sie wirklich interessieren, sie glauben an die Macht des Zufalls, der persönlichen Begegnungen und an die Kraft der Bilder, um kulturelle, religiöse und politische Grenzen zu überwinden. Sie haben keine Berührungs-ängste und sind mutig, in der Überzeugung, dass das Buch immer noch ein relevantes Medium menschlicher Kultur ist. 2014 gründeten Angelika und Markus Hartmann die Ausstellungs- und Künstleragentur Hartmann Projects. 2016 kam den Verlag Hartmann Books dazu.
Was für ein Abenteuer, in Anbetracht des extrem dynamischen Marktes. Doch die Hartmanns wissen genau, was sie tun.
Er – Markus Hartmann, geb. 1962 in Berlin, stammt aus einer Berliner Verleger- und Druckerfamilie. Nach der Lehre als Verlagskaufmann, einem Studium an der HDM in Stuttgart und diversen Ausflügen in die internationale Verlagswelt, kümmerte er sich von 1990 bis 2013 im Hatje Cantz Verlag schwerpunktmäßig um die Programmbereiche Fotografie und Zeitgenössische Kunst. Seit 2014 wirkt er als freier Kurator und Autor.
Sie – Angelika Hartmann, geb. 1966 in Stuttgart, absolvierte ebenfalls ein Studium an der HDM und ein Aufbaustudium Kulturmanagement an der PH Ludwigsburg. Sie sammelte als Buchherstellerin und Kulturmanagerin vielfältige Erfahrungen im Kulturbetrieb. Sie ist Mitglied der Künstlergruppe „Wahlverwandt“.

Angelika & Markus Hartmann © Hartmann Projects

Von 2016 bis 2018 wurden die beiden außerdem von Nadine Engler, ehemals Herstellungsleiterin im Hatje Cantz Verlag, tatkräftig und ideenreich unterstütz.
Da heuer allerdings Nachwuchs ansteht, ist die 20 Jahre jüngere Berlinerin als feste Mitarbeiterin ausgestiegen, wird aber den Hartmanns als freie Produktionerin erhalten bleiben.
Aber wie kam es nun zu diesem Neuanfang? Es klingt ganz einfach. 2013 änderte sich das berufliche Umfeld der beiden grundlegend, die Kinder waren aus dem Haus und die Hartmanns bauten ihren Fiat Doblò um: Kurz entschlossen traten sie eine 7-wöchige Findungsreise in den Süden an. „Kann man alles, was wir machen, auch ganz anders erleben – und machen?“ Das war die Frage, die sich stellt.
Die gefundenen Antworten beeindrucken: Die Agentur vertritt Künstler*innen, national und international, und arbeitet dabei mit Institutionen, Galerien, Sammlern, Verlagen und Medien zusammen. Gesucht werden Künstler*innen, deren Arbeiten die Hartmanns überzeugen und die für die Themen unserer Zeit Relevanz haben. Gezeigt werden ihre Bilder in öffentlichen und privaten Ausstellungen. Hartmann Books veröffentlicht jedes Jahr ca. 10 bis 15 Bücher in einer Auflagengröße von 300 bis 3000. Und es läuft auch im 2. Bücher-Jahr gut: Der Herbst 2018 war besonders erfolgreich; einige Titel haben sich national und international sehr gut verkauft.
Da der Weg von einer Idee bis zum fertigen Produkt – egal ob Buch oder Ausstellung – bekanntlich aber ein langer ist, auf vielen einzelnen Arbeitsschritten und eigentlich auch auf Manpower basiert, funktioniert so ein kleines Unternehmen nur durch gute Kontakte und ein großes Netzwerk. Durch ihre lange Tätigkeit und vielseitige Erfahrungen konnten sich die beiden ein solches aufbauen. „Wichtig dabei“, so Angelika Hartmann „sind auch persönliche Sympathien, anders geht es nicht! Nur wenn man andere Menschen trifft, kann etwas passieren, etwas anfangen.“
Und die Hartmanns haben noch viel vor: Ende Januar werden sie ihren bisherigen „Firmensitz“, den großen Tisch im Erdgeschoss des eigenen Wohnhauses verlassen. Unter dem Namen Galerienhaus 3.0 ziehen sie in eine großräumige Fabriketage in den Stuttgarter Westen um und werden dort dann einer von drei Partnern (zusammen mit Marko Schacher, Raum für Kunst und Jürgen Palmer, palmer projekt) sein. Dort entsteht neben dem Verlagsbüro ein ständiger Schauraum für ihre Publikationen und Editionen. In der Tradition des Galerienhauses zeigen Hartmann Projects regelmäßig Ausstellungen, die mit ihrem Buch- und Künstlerprogramm zusammenhängen. Die erste Ausstellung präsentiert die „In Between“-Serie des Hamburger Fotografen Henrik Spohler, der bereits 2016, als der Verlag noch in der Gründung war, ein Buch mit Hartmann Projects gemacht hat.
Die weiteren Ausstellungen und Veranstaltungen mit dem Schwerpunkt Fotografie (und Bezügen zur Architektur/Urbanismus und Medienkunst) werden auf der Website bekannt gegeben. Geplant sind vorerst ca. 5 bis 6 Ausstellungen pro Jahr. Die Entscheidung mit einem Ausstellungsraum in Stuttgart präsent zu sein, ist auch dem Umstand geschuldet, in der Stadt einer von wenigen Orten für Fotografie zu sein, wo andernorts die Sättigungsschwelle schon überschritten scheint. Im Verlag Hartmann Books ist für Frühjahr 2019 ein zweites Buch mit Peter Bialobrzeski geplant.

Hartmann Projects
Galerienhaus 3.0; Breitscheidstraße 48; 70176 Stuttgart
Öffnungszeiten: Di-Fr 14-19, Sa 11-16 Uhr
Weitere Infos: www.hartmannprojects.com

HÖLDERLIN – Das halbe Leben

Friedrich Hölderlin (1770 – 1843) blieb zu Lebzeiten die Anerkennung versagt; er zählt aber heute zweifellos zu den großen deutschen Dichtern. Während des Theologie-Studiums in Tübingen wohnte er mit Hegel und Schelling zusammen auf einer Stube und empfing vielfältige philosophische Impulse. Schon bald löste sich sein dichterisches Werk vom Einfluss der Romantiker und er ging völlig eigenständige Wege. Mit Hölderlins Gedichtzeile „Wohin denn ich?“ artikuliert sich das deprimierende Unbehaustsein in einer als gnadenlos empfundenen Welt – der Beginn der literarischen Moderne? Seiner ausweglosen Zerrissenheit versuchte er durch eine nicht zu verwirklichende, idealisierte Liebe zu entkommen, um schließlich von einer unheilbaren Geisteskrankheit eingefangen und „gerettet“ zu werden: Jürgen K. Hultenreich nähert sich der Biografie des rätselvollen Dichters mit poetischer Emphase, stellt ihn vor den historischen und geistesgeschichtlichen Hintergrund, lässt aber keine Zweifel am zwiespältigen Charakter dieser vielbewunderten Jahrhundertgestalt.

ISBN 978-3-937434-94-0

Wortmaler

Robert Walser hat mit seinem bildreichen, hintergründigen und seelenvollen Schreiben viele Künstler und Schriftsteller beeinflusst. Für den Maler Peter Dreher, pensionierter Professor der Staatlichen Akademie der Künste in Karlsruhe, ist Robert Walser ein Wahrheitsdenker, dessen Gedanken ihm „ins Herz drücken“ und dessen unvoreingenommenes und direktes Sehen ihn seit jeher frappiert hat.
Die Schauspielerin Hannelore Hoger liest elf Lieblingsgeschichten Peter Drehers aus dem Werk Robert Walsers, in denen es mal skurril, mal traurig, mal verschmitzt, mal rätselhaft, mal deliziös, mal morbide zugeht.
Oliver Hermann liest ausgewählte Passagen aus Peter Drehers Autobiographie „Ich.Mich“, in denen es um Maler, um skurrile Träume, einen fiependen Mops, weinende Frauen und ein Haifischsteak und um zärtliche, beinahe erotische Beziehungen zu den Dingen des alltäglichen Gebrauchs geht. Beiden – Walser wie Dreher sind der Kunst- und der literarische „Cliquenbetrieb“ (Zitat Walser) vollkommen schnuppe. Beiden geht es um das gestalterische und kreative Arbeiten mit ihren jeweiligen Mitteln und dem entsprechenden Handwerkszeug. Malen bleibt Malen. Schreiben bleibt Schreiben. So einfach und doch so diffizil ist das bei diesen beiden „Wortmalern“.
Im Auftrag des Kurators Hans-Ulrich Obrist schuf Peter Dreher Zeichnungen und Gouachen von Robert Walser, die ihn in allen Lebensaltern zeigen. Zwölf der Robert-Walser-Porträts Peter Drehers sind in dieser Ausgabe im Begleitheft enthalten.

200 Jahre Ivan Turgenev

2018 jährte sich zum 200. Mal der Geburtstag des russischen Schriftstellers Ivan Turgenev (1818-1883). Er war Mitte des 19. Jahrhunderts einer der wichtigsten „Kulturbotschafter“ zwischen Russland und Westeuropa, nicht nur durch seine Werke, sondern auch durch seine unermüdliche kulturelle Mittlertätigkeit, die ihn in engsten Kontakt mit zahlreichen Vertretern des westlichen Kulturlebens brachte. Ivan Turgenev (1818 – 1883) gilt als einer der großen Schriftsteller der Weltliteratur. Seinen rundenGeburtstag nahm das Stadtmuseum Baden-Baden zum Anlass, nach seiner Aktualität zu fragen, interkulturelle Prozesse zu thematisieren, aber auch russisch-europäische Konfliktlinien in Vergangenheit und Gegenwart zu beschreiben.
Der Themenbogen der Ausstellung lässt an Turgenevs berühmtesten Werken (etwa Väter und Söhne; 1862) die philosophischen Spannungsfelder seiner Zeit nachvollziehen. Am Beispiel des legendären, 1867 in Baden-Baden geführten Streitgesprächs zwischen dem „Westler“ Turgenev und dem „Slavophilen“ Dostoevskij werden auch Fragen um die Zukunft Russlands zur Diskussion gestellt, die bis heute aktuell sind. Im Zentrum steht der – bekennende – Europäer, der „Netzwerker“ Turgenev mit seinen weitverzweigten Freundschaften, Bekanntschaften und Geschäftsbeziehungen über nationale und kulturelle Grenzen hinweg.

Ausstellungsansichten, Fotos © Stadtmuseum/Stadtarchiv Baden-Baden / Jesse“

Mehr als die Hälfte seines Lebens hat Turgenev in Westeuropa gelebt, davon allein sieben Jahre in Baden-Baden, mehr als zehn Jahre in Paris und Bougival. Turgenev war als polyglotter Intellektueller in Deutschland und Frankreich ebenso zuhause wie in seiner russischen Heimat. In Baden-Baden bildete er gemeinsam mit seiner großen Liebe, der französisch-spanischen Sängerin und Komponistin Pauline Viardot-García (1821-1910), den Mittelpunkt eines Kreises, der auch heute noch als Vorbild einer zwanglosen, alle Grenzen überschreitenden interkulturellen Gemeinschaft gelten kann – und dies in Zeiten, in denen sich die politischen Gräben zwischen Russland und dem Westen immer mehr vertieften. Dass es die Kultur ist, die in Zeiten politischer Krisen Brücken zwischen den Nationen zu bauen vermag – diese Einsicht scheint heute aktueller denn je. Und: Es gibt durchaus Parallelen zwischen der Epoche Turgenevs und unserer gegenwärtigen Erfahrungswelt.
Die Ausstellung zeigt am Beispiel von Stationen aus Turgenevs Leben und Schaffen, zugleich aber weit über sein Einzelschicksal hinausweisend, lebendige Einblicke in die russische Kultur und die Dynamik der kulturellen Beziehungen zwischen Russland und Westeuropa.
Die Ausstellung, ein gemeinsames Projekt von Stadtbibliothek und Stadtmuseum Baden-Baden sowie der Universität Freiburg im Breisgau, bietet neben aufschlussreichen Informationen und reichhaltigem Bildmaterial auch zwei speziell dafür produzierte Filme, mehrere digitale Angebote, Hörstationen, Literatur zum Schmökern und vieles mehr.
Weitere Informationen: www.stadtmuseum-baden-baden.de
Fon 07221/932272

Thomas Mann in Amerika

Insgesamt 14 Jahre verbrachte Thomas Mann in den Vereinigten Staaten. Bis Kriegsende wirkte er als wichtigste Stimme des Exils und prominenter Vermittler, danach wieder hauptsächlich als Schriftsteller, der sich allerdings mit einer grundlegend veränderten Lage des Landes, in dem er einst Zuflucht gesucht hatte, auseinandersetzen musste: dem Beginn des Kalten Krieges. Die Ausstellung »Thomas Mann in Amerika« im Literaturmuseum der Moderne fragt nach den Auswirkungen des amerikanischen Exils für Thomas Mann, der schon über 60 Jahre alt ist, als er in die Staaten geht, wo sich sein literarisches Denken und Schreiben noch einmal grundsätzlich ändern wird. Als »Oval Office der Emigrationsbewegung auf Hitlers Terror in Berlin« bezeichnete Frank-Walter Steinmeier das 2016 von der deutschen Bundesregierung erworbene Thomas-Mann-Haus in Pacific Palisades: Hier schrieb Mann seine Radioansprachen, verfasste bedeutende Romane und empfing Intellektuelle wie Martin Buber und Albert Einstein.

Thomas Mann und Elisabeth Mann Borgese im Garten der Villa in Pacific Palisades (um 1946). ETH-Bibliothek Zürich, Thomas-Mann-Archiv. Fotograf: Unbekannt

Fast alle Tagebücher, die vor 1933 entstanden sind, warf Thomas Mann im Mai 1945 in seiner Villa in Pacific Palisades ins Feuer. Ein in Arosa, im Schweizer Exil begonnenes Heft markierte den Neuanfang. Rund 100 Exponate, darunter zahlreiche Leihgaben des Thomas-Mann-Archivs der ETH Zürich, zeigen den tiefgreifenden Wandel in Manns Selbstverständnis als Schriftsteller während seines US-amerikanischen Exils. Anhand von Tagebuchaufzeichnungen, Materialien zu seinen in dieser Zeit entstandenen Romanen Joseph der Ernährer, Doktor Faustus und Der Erwählte, von Briefen, Film- und Tondokumenten erzählt die Ausstellung, auf welche Weise er literarischen Stoffen in dieser Zeit eine Form gab und wie sich der Literaturnobelpreisträger für zahlreiche europäische Autoren wie Hermann Broch, Robert Musil und Karl Wolfskehl einsetzte. Die Rolle, die seine Familie, insbesondere seine Kinder Erika und Klaus, bei seiner politischen Sensibilisierung gespielt haben, wird ebenfalls in den Blick genommen. Zahlreiche Fotografien aus der amerikanischen Zeit flankieren die Ausstellung.
Literaturmuseum der Moderne,
Schillerhöhe 8–10, 71672 Marbach am Neckar, Fon 7144/848 601, www.dla-marbach.de

Bachwoche 2019

»Bach im Dialog mit Telemann« lautet das Thema der Bachwoche 2019 in Stuttgart, ausgerichtet von der Internationalen Bachakademie. Sie findet  vom 14. bis 21. März an verschiedenen Orten Stuttgarts statt.
Im Zentrum steht die Arbeit am geistlichen Repertoire beider Komponisten: an der Johannes-Passion von Georg Philipp Telemann sowie an Kantaten, in denen Bach und Telemann jeweils denselben Text vertont haben. Dazu gibt es Meisterkurse im Sologesang sowie Kurse in Chorgesang und Orchesterspiel für internationale Nachwuchsmusiker aus aller Welt. Gemeinsam werden sie darüberhinaus im Jungen Stuttgarter Bach-Ensemble (JSB Ensemble) musizieren und auftreten. Dazu lädt die Bachakademie zu öffentlichen Probenbesuchen, zu moderierten Werkstattkonzerten, zu Vorträgen und Podiumsdiskussionen mit Experten aus der Bach- und der Telemannforschung.

Hans-Christoph Rademann(c) Holger Schneider

Das Geburtstagskonzert für Bach am 21. März widmet sich Bachs Johannes-Passion. Aufgeführt wird es von der Gaechinger Cantorey unter Akademieleiter Hans-Christoph Rademann. Die Johannes-Passion hat eine besondere Stellung in Bachs Gesamtwerk: Sie ist sein einziges Werk ohne definitive Fassung, eher ein ständiges »work in progress«, an dem er nahezu seine gesamte Leipziger Zeit (zwischen 1724 und 1749) gearbeitet hat. Entschieden hat sich Akademieleiter Hans-Christoph Rademann für deren vierte Fassung. Kurz vor Bachs Tod entstanden, verkörpert sie eine Rückbesinnung auf die erste Fassung, angereichert mit einem größer besetzten Instrumentalensemble: genau das richtige Geburtstagsgeschenk für den Namenspatron der Bachakademie, das überdies im Sommer auf CD eingespielt werden wird.
Das Sonderkonzert zu Bachs 334. Geburtstag findet im
Forum am Schlosspark, Ludwigsburg statt.

Zehn Dozenten

Neben dem Akademieleiter Hans-Christoph Rademann und dem Ensembleleiter Jos van Veldhoven wirken Kathy Romey als Dozentin für Chor, Dame Emma Kirkby, Kai Wessel, James Gilchrist und Peter Kooij als Dozenten für Gesang, Andreas Helm als Dozent für Bläser, Stephan Mai als Dozent für Violine und Streicher sowie Jaroslaw Thiel als Dozent für tiefe Streicher und Continuo mit.

Sieben Konzerte

In der Stiftskirche wird die Bachwoche mit Georg Philipp Telemanns Johannes-Passion von 1745 feierlich eröffnet: Die Solisten der Meisterkurse treten in den elf individuellen Arien des Werks hervor, während dem Chor des JSB-Ensembles unter Hans-Christoph Rademann zwei große Chorsätze, kontemplative Choräle und lebendige Turba-Chöre Gestaltungsraum bieten (14.3.).

In den vier Werkstattkonzerten geht es jeweils um eine Bach- und eine Telemann-Kantate, in denen beide Komponisten denselben Text vertonen. Christoph Rademann (16.3. und 17.3.) und Jos van Veldhoven (18.3. und 19.3.) zerlegen die Stücke in einzelne Teile, Solisten der Meisterkurse und das JSB-Ensemble sorgen dazu live für Hörbeispiele. Anschließend werden jeweils beide Kantaten wieder zu einer Gesamtaufführung zusammengesetzt.

Das Abschlusskonzert der Bachwoche zeigt die Nähe von Bach und Telemann auf: Neben einer Bach- und einer Telemannkantate wird von Solisten der Meisterkurse und dem JSB-Ensemble die Kantate »Gott der Hoffnung erfülle euch« musiziert. Früher fälschlich Bach zugeschrieben, wurde das Werk inzwischen von der musikwissenschaftlichen Forschung eindeutig Telemann zugewiesen. Die Leitung in der Markuskirche teilen sich Hans-Christoph Rademann und Jos van Veldhoven (20.3.).

Karten und Auskunft: Tel.: 0711 619 21 61 und karten@bachakademie.de
Weitere Infos: www.bachakademie.de

Theater als Schocktherapie

Ein Orchester, eine Schauspielerin, eine Performerin, ein Tänzer, vier Opernsänger, eine Charaktertänzerin, ein Tonpult und viele Lautsprecher: Die Schauspiel- und Opern Regisseurin Anna-Sophie Mahler, die sich verstärkt auch mit experimentellen Formen im Musiktheater beschäftigt, inszeniert Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins.
Am Samstag, den 2. Februar 2019 feierte im Schauspielhaus erstmals seit 23 Jahren wieder eine Neuproduktion Premiere, an der alle drei künstlerischen Sparten der Staatstheater Stuttgart beteiligt sind.
Der Theaterabend besteht aus drei Teilen und beginnt mit Kurt Weills und Bertolt Brechts mehr als 80 Jahre altem Stück: Die sieben Todsünden. Dem Ballett mit Gesang wird im 2. Teil mit Seven Heavenly Sins ein zeitgenössischer Standpunkt entgegengesetzt. Seven Heavenly Sins dreht das Konzept der Todsünden um und setzt ihm eine queere Lesart entgegen, in der die Freiheit des*der Einzelnen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, an erster Stelle steht. Seven Heavenly Sins ist damit nicht nur eine zeitgenössische Aneignung der vom Katholizismus erfundenen Todsünden, sondern ebenso eine feministische Antwort auf das Autorenduo Brecht und Weill.

Im 3. Teil des Abends kommt noch einmal der symphonische Klang zurück und das Stuttgarter Staatsorchester spielt The Unanswered Question des amerikanischen Komponisten Charles Ives. Die gealterte oder zukünftige Anna verabschiedet sich mit einem letzten Tanz vom Leben. „In The Unanswered Question von Ives gibt es neben sphärischen, liegenden Akkorden immer wieder einschneidende Störungen durch eine Trompete, die den himmlisch sanften Klang durch ,Fragen‘ unterbricht. Interessanterweise sind es sogar wieder genau sieben Fragen, die dann ein Holzbläserpart zu beantworten versucht.“, konstatiert die Regisseurin des Abends Anna-Sophie Mahler.
Auf der Bühne stehen in der Hauptrolle der Anna folglich gleich mehrere Künstler*innen: Josephine Köhler, neues Ensemblemitglied am Schauspiel Stuttgart, sowie Halbsolist Louis Stiens vom Stuttgarter Ballett sind ebenso dabei wie die kanadische Electroclash-Sängerin und Musikproduzentin Peaches und die ehemalige Erste Solistin des Stuttgarter Balletts Melinda Witham. Mit von der Partie außerdem: die Sänger Elliott Carlton Hines, Gergely Németi, Christopher Sokolowski und Florian Spieß. Balletttänzer Louis Stiens choreografiert und Stefan Schreiber dirigiert das Staatsorchester Stuttgart.

Der Abend ist ausgesprochen speziell, ja ein Spektakle, stellt viele Fragen und bietet Raum für eigene Schlüsse und Lösungen. Hier wird alles aufgefahren, was unsere moderne Welt an Entertainment geschaffen hat: Wir werden geblendet von hellem Scheinwerferlicht und beschallt mit modernster Soundtechnik. Das Publikum mag und kann es kaum erfassen, was es vor allem im 2. Teil des Abends zu sehen bekommt. Doch wenn sich die Schockstarre erst einmal gelegt hat, bleibt etwas anderes haften; nämlich, dass es manchmal genau diese Dosis an Irritation braucht, um uns wirklich zum Nachdenken zu bringen!

Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins: Josephine Köhler, Foto: Bernhard Weis

Im 1. Teil wird mit Die sieben Todsünden von Brecht und Weill die Geschichte einer jungen Frau, namens Anna erzählt, die von ihrer Familie auf eine siebenjährige Reise geschickt wird, um Geld für ein Eigenheim zu beschaffen. Dabei ist Anna ohne Unterlass den Erwartungen einer patriarchal strukturierten Gesellschaft ausgesetzt, die von ihr Anpassung und Gehorsam erwartet.

Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins: Christopher Sokolowski, Gergely Németi, Louis Stiens, Florian Spiess, Elliott Carlton Hines, Josephine Köhler, Foto: Bernhard Weis

Die Regisseurin Anna-Sophie Mahler verlegte die Geschichte in eine Box-Ring Arena. Die junge Anna (Josephine Köhler) steigt in den Ring und kämpft. Angefeuert wird sie dabei von ihrer Familie – die aber wird verkörpert von einer reinen Männerriege. Ihre Gegnerin – ist sie selbst (verkörpert durch den Balletttänzer Louis Stiens). Umrahmt wird die Szenerie von Musikern des Staatsopernorchester. Die kanadische Punk-Sängerin und Musikproduzentin Peaches übernimmt den Part der Erzählerin.
Die beiden Annas kämpfen sich durch ihr Schicksal. Der Doppelpart symbolisiert dabei wirkungsmächtig, dass es hier nicht nur um von außen zugemutete Zwänge und Erniedrigungen geht, sondern auch um den Kampf mit sich selbst. Fast könnte man meinen, zwei Seelen kämpfen da auf der Bühne um alle Existenzfragen, die uns Menschen umtreiben. Die Annas – beide, Mann und Frau – führen einen Geschlechterkampf und stellen die Fragen, was ist männlich was ist weiblich. Die Anna in der Stuttgarter Inszenierung ist auch rein äußerlich ein Zwischenwesen (Gender lässt grüßen).

Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins: Christopher Sokolowski, Gergely Németi, Louis Stiens, Florian Spiess, Elliott Carlton Hines, Peaches, Staatsorchester Stuttgart, Foto: Bernhard Weis

Die Anna des 2. Teils des Abends ist wütend, ja zornig – ihr Monolog eine zornige Abrechnung mit all dem, was Frauen seit Jahrhunderten beschäftigt. Sie spricht von denen, die nicht ins gängige Raster passen, von all den unerfüllten heimlichen Sehnsüchten – es geht um Sex, aber vor allem um das Andersseinwollen und um das Überleben in diesem Andersseinwollen. Es geht aber auch um den eigenen inneren Zwiespalt, dem Frauen jeden Tag ausgesetzt sind, zwischen den gängigen Rollenklischees, denen sie entsprechen sollen (möchten?) und dem Wunsch gleichzeitig frei und emanzipiert zu sein.
Mit Blick auf die jüngste Instagram-Studie, die die Schauspielerin Maria Furtwängler gemeinsam mit ihrer Tochter veröffentlich hat – wird eines dieser Rollenklischees (frau weigert sich fast, dies zu glauben) – vor allem von jungen Frauen weltweit zelebriert. Es geht ums Aussehen, ums richtige Schminken, um die Figur und ums Kochen. Dass aber genau das von den Frauen selbst inszeniert wird, macht nachdenklich – so kann man auch Annas Monolog deuten.
Natürlich weht noch die Unterdrückung der Frau aus dem 1 Teil herüber – in dem sie instrumentalisiert und geschunden wurde. Aber sie selbst scheint sich weiterentwickelt zu haben: Denn sie hat begriffen, dass es nicht nur um das Außen geht, um die Welt, in der das Patriachat noch immer vielerorts das Sagen hat, sondern darum, sich selbst als Frau zu hinterfragen. Wer und wie will ich sein oder noch besser, wie finde ich Antworten in mir selbst und für meine Situation.

Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins
Louis Stiens, Peaches, Foto: Bernhard Weis
Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins: Josephine Köhler, Peaches, Foto: Bernhard Weis

Was will Peaches? Sie verkörpert im 2. Teil die aggressive Anna, die, die mit gleicher Münze, ja sogar noch entschieden drastischer, auf das Patriachat, dass sie unterdrückt hat, zurück- und einschlägt.
Zwei Vulven umtanzen sie lasziv, auf der Bühne erscheint ein Riesenpenis aus Netzgewebe, in den sie hineinsteigt. Dazu dröhnen wilde Clubbeats der Sängerin, in denen sie die sieben Todsünden noch einmal neu erfasst und musikalisch interpretiert. Sie will Sex, sie will Spaß, weil sie ihn will und sie will vor allem eines – Freiheit. Die fordert sie mit so viel Power und Aggressivität ein, dass einem angst und bange werden kann. Frauen können auch, wenn sie wollen, und ja, noch schlimmer!
Der 2. Teil macht aber auch klar – dass dieser Aktionismus auch nicht die Antwort sein kann. Eventuell kann man dieses Gebaren als eine Art Zwischenphase verstehen, als Paukenschlag zu Beginn einer Entwicklung in eine Emanzipation, deren Weg (und vielleicht auch Ziel) noch nicht definiert ist: Am Anfang steht unüberhör- und übersehbar der Zorn und die damit verbundene Einsicht, dass sich nur etwas ändert, wenn dafür gekämpft wird.

Das Ende – der 3. Teil ist kontemplativ. Anna, so scheint es, hat ihren Frieden gemacht. Zu den sphärischen Klängen von Ives beginnt sie ihren Tanz, richtet ihre Bewegungen mehr an sich selbst als an die Welt – jetzt geht es nur noch um sie, die Kämpfe liegen hinter ihr – sie ist müde und gleichzeitig stark im Innern – souverän schreitet, nein tanzt sie ihrem Ende entgegen. Abschied? Oder doch Aufbruch? Wie können wir die Antwort der Regie verstehen? Welche Botschaft will sie uns mit diesem letzten Teil überbringen? Hoffnung? Wenn ja auf was? Vielleicht darauf, dass am Ende alles gut werden wird: Aber nur wenn wir Frauen selbst zur Veränderung bereit sind, die eben immer auch Kraft kostet, um (vor allem vom Patriachat) ausgelöste Zwänge zu überwinden?

Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins
Melinda Witham (hinten), Louis Stiens, Peaches, Josephine Köhler, Foto: Bernhard Weis

Spätestens nach diesem Abend ist klar: Theater als Ort für Utopien einer besseren oder schlechteren Welt kann mehr. Theater kann härter und unmittelbarer wirken als die Realität: Theater als Schocktherapie.
Andererseits: so neu ist das gar nicht.
Bereits im antiken Griechenland, der Wiege des Theaters hatte man ähnliche Intentionen. Die Griechen nannten jene besondere Art emotional-erzieherischer Maßnahmen Katharsis. Die Dramenstoffe waren oft drastisch, brutal und oft auch blutig: Die Zuschauer sollten den Schmerz und die Angst fühlen – um hernach geläutert und verändert herauszukommen.
Für einen Abend wurde das Schauspielhaus in Stuttgart zu einem solchen Ort. Da sah man eine wilde orgiastische Bühnenschau, nackte Körper, entblößte Brüste, wilde Tänze und hörte laute Beats. Damit haben sich die Stuttgarter viel getraut! Sie konfrontierten uns Zuschauer mit einem Experiment – einem harten, schwer verdaulichen Brocken, der nachwirkt!
Wahrscheinlich war eine Premierenfeier noch nie so turbulent erregt im Gesprächs- und Diskussionsrausch. Unsere Welt ist mitten im Umbruch – kein Tag vergeht, ohne dass wir nicht über Klimakatastrophen, Flüchtlings-Not, Kriege, regierende Despoten, me-too-Debatten, Fragen zur Geschlechterrollen Gender-Diskurse, Eurokrise, Dieselskandal, Umwelt-Vergehen, auf allen medialen Kanälen zu bombardiert werden. Jetzt ist das alles also auch im Theater angekommen. Warum so mag man sich fragen jetzt also auch noch im Theater? Vielleicht weil das Theater sich selbst hinterfragt. In der Pressemeldung vom Staatstheater ist zu lesen „Die Stadt- und Staatstheater in Deutschland sind wahrscheinlich die am wenigsten queer und feministisch orientierten Institutionen überhaupt, sie sind hierarchisch, patriarchisch und durch den Kanon, den sie aufgerufen sind, am Leben zu halten, sind sie konservativ…“ Also höchste Zeit für drastische Veränderungen! Oder – das Stück an diesem Abend jedenfalls hat dies gründlich widerlegt.

(Text: Claudia Fenkart-Njie & Susanne Heeber)

Die sieben Todsünden / Seven Heavenly Sins Ballett mit Gesang von Kurt Weill, Text von Bertolt Brecht/ Live Testimonial by Peaches Koproduktion von Staatsoper Stuttgart, Stuttgarter Ballett und Schauspiel Stuttgart
Regie: Anna-Sophie Mahler, featuring Peaches
Musikalische Leitung: Stefan Schreiber
Choreographie: Louis Stiens
Bühne: Katrin Connan
Kostüme: Marysol del Castillo
Licht: Jörg Schuchardt
Dramaturgie: Katinka Deecke

Mehr unter https://www.oper-stuttgart.de/spielplan/a-z/die-sieben-todsuenden/

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● Die 24Hours Bag  kreiiert vom start-up Label evoe, verbindet Taschen-Designs aus der Fashion- und Designwelt mit der Funktionalität sogenannter Mehrwegtaschen von Discounter und mit dem Umweltgedanken
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● Die Tasche besteht aus beschichtetem robustem Baumwollstoff und kann in einem praktischen Mäppchen mit Reißverschluss handlich verstaut werden.
● Sie hilft den Plastiktüten zu vermeiden
● Maße: Höhe 38 / Tiefe 20 / Breite 48 cm

Die ersten beiden Taschen sind bereits erhältlich und kosten mit Aufbewahrungsmäppchen 29, 95.- zzgl.  Versandkosten.

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Typ b – ArtPrint

 

Björks Oper Vespertine

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Begleitet von einem großen Medienecho feierte 2018 am Nationaltheater Mannheim eine außergewöhnliche Oper Premiere: »Vespertine«. Björks legendäres Studioalbum wurde hier zur Partitur für Opernsänger, Chor und Orchester in spätromantischer Besetzung. Die Künstlergruppe Hotel Pro Forma verwandelte diese in ein bildgewaltiges Theaterspektakel, das Björk-Fans und Opernenthusiasten aus ganz Deutschland nach Mannheim lockte. Presse und Zuschauer waren sich einig: Mit »Vespertine – Opera Based on Björk’s Album« ist eine zukunftsweisende Verbindung der Genres Oper und Popmusik gelungen.
Nun erscheint am 12. April 2019 beim Musiklabel OehmsClassics dazu eine CD, die zugleich den Auftakt der neuen Reihe »Edition NTM« und der Zusammenarbeit zwischen dem Nationaltheater Mannheim und Label Oehms Classic bildet. Die »Edition NTM« soll wichtige Aufführungen des Nationaltheaters dokumentieren. Bereits in Planung sind Olivier Messiaens »Turangalîla-Sinfonie« (in Zusammenarbeit mit der Musikalischen Akademie), der Mannheimer »Parsifal« sowie »Elektra« von Richard Strauss. Albrecht Puhlmann, Intendant der Oper des NTM, hob hervor: »Mit ›Vespertine‹ ist es gelungen, eine Zukunftsperspektive für die Oper zu entwickeln und neben unserem Stammpublikum auch viele junge Leute zu begeistern. Umso erfreulicher ist es, dass Björks für die Oper arrangierte und vom Orchester des Nationaltheaters, seinem Chor und seinen Solisten eingespielte Musik nun auch auf CD erhältlich sein wird. Mit künftigen CD-Produktionen werden wir das Spektrum der Mannheimer Oper beleuchten und die Raritären ihres Repertoires präsentieren.«

»Vespertine« ist in der Mannheimer Opernfassung ab 12. April 2019 als CD sowie bei den bekannten Streaming- und Onlinediensten erhältlich.
Bei einer Release Party wird die CD außerdem am 11. April 2019 im Mannheimer Jazzklub »Ella & Louis« vorgestellt. Sopranistin Ji Yoon und Dirigent Matthew Toogood sorgen an diesem Abend mit einigen Auszügen aus dem Album in einer exklusiven Klavierversion für Vorfreude.

19h Livepiano /20h CD release/ im Anschluss Barbetrieb
Bar Ella & Louis, Mannheim Rosengarten

Über das Stück
Björk ist eine Künstlerin, die ihre Musik immer mit theatralischen Ideen verschränkt und sie gehört zu den experimentierfreudigsten Musikern unserer Zeit. Inspiriert von der elektronischen Musik der 90er­Jahre, erforscht sie ungehörte Klangwelten, die sie oft mit klassischen Instrumenten, Sinfonieorchestern, Chören oder volkstümlich isländischer Musik kombiniert. Eine ihrer schönsten Platten hat das Nationaltheater Mannheim 2018 für die Opernbühne adaptieren: Vespertine aus dem Jahr 2001. Mit Celesta, Harfe und Sounds von Alltagsgegenständen entspinnt sie eine feine, fast intime Klangwelt.“Vespertine“ (zu Deutsch: abendlich) ist wie die Nahaufnahme einer Frau, die von der Außenwelt abgeschnitten, auf irgendetwas wartend, neue Stufen der Wahrnehmung erreicht. Inszeniert hat die Bildwelt für die Bühne am Nationaltheater Mannheim die Regisseurin Kirsten Dehlholm und ihre Künstlergruppe Hotel Pro Forma. Charakteristisch für die Gruppe ist ihr stark konzeptueller und ästhetischer Zugriff, der weniger in der Theatertradition als in Bildender Kunst und Musik verankert ist. Damit hat Hotel Pro Forma bereits international Theatergeschichte geschrieben und Dehlholm wird als eine der wichtigsten zeitgenössischen Künstlerinnen Dänemarks geehrt. Gemeinsam mit den Arrangeuren der Himmelfahrt Scores, dem Nationaltheater­-Orchester und Sängern des Ensembles entstand „Vespertine“ als grandioses Bildertheater: Die Extreme der isländischen Landschaft, der Mensch zwischen Wissenschaft und Mythologie und psychologische Grenzerfahrungen stehen im Mittelpunkt.

Weitere Info: Nationaltheater Mannheim, Mozartstraße 9, 68161 Mannheim
www.nationaltheater-mannheim.de
Kartentelefon: 0621 – 16 80 150